FRÄNZI – FORUM - Franziskanergymnasium Bozen

franziskanergymnasium.it

FRÄNZI – FORUM - Franziskanergymnasium Bozen

Umbau

Der neue

Lesesaal des

Gymnasiums

Seite 3

Ausland

Die Schul-

Bildung in

Südkorea

Seite 4

Marcia

Die Fußwallfahrt

nach

Assisi

Seite 7

Magnago

War der Alt-

Landeshauptmann

ein Fränzi?

Seite 8

Uganda

Alexander

PYcha hilft

Kindern in Not

Seite 11

Impressum

Seite 11

Spedizione in A.P. - 70% DCI BZ - quadrimestrale - in caso di mancato recapito, restituiere al CPO - Bolzano I.R.

Worin besteht die Aufgabe der Schule? Die Antwort

versteht sich von selbst, wird man sagen:

Den jungen Menschen das für das Leben notwendige

Grundwissen altersstufengerecht zu

vermitteln. Die Schule hat ihr Ziel in der Wissensvermittlung.

Daran wird die Leistung der

Schule ja auch gemessen, ob und wie gut sie

nämlich dieses Ziel erreicht. Ein großes Zittern

erfasst darum alle Schulverantwortlichen, von

den Ministerien bis zu den Direktoren vor Ort,

wenn die Ergebnisse der verschiedenen „Evaluierungen“

(PISA u. aa.) veröffentlicht werden.

Erleichterung macht sich breit unter den Pädagogen,

wenn der Test gut ausgegangen ist. Hektische

Aktivität setzt ein, wo das nicht der Fall

war.

Aber Schule mit Wissensvermittlung gleichzusetzen

ist eine sehr verkürzte Sicht. Es ist die

Sprache selbst, die uns auf das Defizit einer solchen

Auffassung aufmerksam macht. Neben dem

Wissen haben wir nämlich auch noch den Begriff

Ausgabe 1/2011

FRÄNZI FORUM

Franziskaner Gymnasium

Bildung ist mehr als Wissen

Auszug aus dem neuen Buch von P. Willibald

der Bildung. Wer viel weiß, kann trotzdem ein

ungebildeter Mensch sein. Ein abschreckendes

Beispiel: Ein KZ-Arzt hat sein medizinisches

Wissen sicher im Kopf gehabt. Aber er war

höchstens ein Dracula des Wissens, von ‚Bildung’

kann man in diesem Fall überhaupt nicht

sprechen.

Bildung nämlich, so lässt sich das am einfachsten

sagen, ist Wissen plus Ethik. Anders gesagt:

Wissen plus rechtes Verhalten. Wer lauter ‚Sehr

gut’ im Zeugnis hätte und sich über einen der

zurückgewiesen wurde, lustig macht; wenn einer

die besten Noten hätte, aber bei jedem kleinen

Dienst, um den man ihn bittet, nur zu sagen

weiß „Warum ich?“; wenn jemand bei der Matura

die maximale Punktezahl bekommen hat und

danach ausruft: „Jetzt kann ich endlich die Sau

rauslassen!“ Was werden wir da sagen? Am

besten: Wissen bestanden, Bildungsziel verfehlt!

Bildung ist Wissen plus rechtes Verhalten. Das

ist die geistige Grundlage für eine Schule, die

Fränzi - Forum 1


Der Weg vom gesprochenen

zum geschriebenen

Wort ist oft steinig

und mühsam. Dennoch

gab P. Willibald

schließlich den vielen,

die ihn schon lange

dazu gedrängt hatten,

nach und machte sich

an die Arbeit, einen Teil

seiner Predigten und

Ansprachen für eine

Publikation zu überarbeiten.

Das Ergebnis

ist sehr erfreulich:

ein handliches Büchlein

mit vielen wunderbaren

Anregungen

zum Nachdenken, vom

Wesen der Bildung

über die Nächstenliebe

bis hin zur Dreifaltigkeit.

Obwohl mancher

voller Freude davon

berichtet, mit Gewinn

das Buch in einem

Zug gelesen zu haben,

ist es im Sinne einer

Anthologie mehr zum

Herauspflücken und

Blättern gedacht für

den, der nach Orientierung

sucht, genauso

wie für den, der sich

in seiner Orientierung

gerne bestätigen lässt.

P. Willibald Hopfgartner,

Die Augen des

Glaubens sehen weiter.

Orientierung in

unübersichtlicher Zeit.

Bozen, Athesia 2010,

14.90 €.

Fränzi - Forum 2

das ganzheitliche Wohl der jungen Menschen

vor Augen hat. Neben dem Wissen kommt es

hier auf die Einübung eines verlässlichen Verhaltens

an. Von der Mitarbeit im Unterricht bis zur

Pünktlichkeit und korrekten Entschuldigung. Die

Schule ist nämlich auch ein soziales Ganzes, in

dem die Beachtung der Spielregeln erst die Qualität

des Zusammenwirkens bewirkt.

Bildung ist Wissen plus rechtes Verhalten. Und

dazu gehört das Bemühen um gute menschliche

Beziehungen. Eine solche Bildung merkt man später

in der Ausübung des Berufes. Der Beamte,

zu dem ein Antragsteller kommt, wird sich dann

wie selbstverständlich darum kümmern, dass

der Betreffende sein Formular richtig ausfüllt,

und es ihm nicht hinknallen, wenn es fehlerhaft

ist. Die Ärztin wird dem Patienten den Befund

nicht kommentarlos übergeben, sondern ihm

auch Mut zusprechen. Der Architekt wird dem

Auftraggeber nicht sagen, von der Idee verstehen

Sie nichts, sondern ihn für seine Gedanken

zu gewinnen suchen. Bildung zeigt sich also in

einer respektvollen Beziehung zu den Menschen.

Und das beginnt in der Schule beim Grüßen, Bitten

und Danken. Was hätten wir von Schülern,

die mit viel Wissen aus dem Haus gehen, aber

Eisklötze wären im Umgang mit den Menschen?

Das biblische „Buch der Weisheit“ schreibt das,

was wir mit Bildung bezeichnen, der Wirkung des

göttlichen Geistes zu. Und findet dabei einprägsame

Bezeichnungen für seine Eigenschaften, von

denen ich einige aufzähle, die man gerne auch bei

einem „Gebildeten“ sehen möchte. Dieser Geist,

heißt es, ist „klar, unverletzlich, das Gute liebend,

scharf, nicht zu hemmen, wohltätig, menschenfreundlich,

beständig, sicher“ (Weish 7, 2223).

Gerade dieses Beispiel bestätigt auf eindrückliche

Weise, was in seiner Frankfurter Rede der

Philosoph Jürgen Habermas vertreten hat. Dass

nämlich in der Religion viele Dinge aufbewahrt

sind, die für die Qualität unseres Zusammenlebens

unersetzlich sind. Und mit diesem Hinweis

sollte auch deutlich geworden sein, warum der

Religionsunterricht für Bildungskanon wesentlich

ist.

Wissen allein, das ist uns klar geworden, kann

dem menschlichen Miteinander noch keine Basis

geben. Ohne seine Kontrolle durch Bildung

rutscht es allzu leicht ab in Arroganz, Eitelkeit

und soziale Kälte. Und nicht zu vergessen: Weil

bloßes Wissen immer humorlos ist, verliert es

auch die menschenfreundliche Ironie, Heiterkeit

und Freude. Der Ersatz dafür ist dann das

hämische Grinsen. Und schließlich fehlt dem bloßen

Wissen die Grundtugend der Güte. Dazu

noch ein kurzes Gedicht von Christine Busta:

Die reinste Form menschlicher Intelligenz

ist Güte.

Sie braucht zu ihrer Vollendung

Sehr viel Torheit und Widerstand

gegen die sogenannte Vernunft.

Das bloße Wissen ist noch nicht menschlich,

denn es nimmt nicht teil am Los der Schwachen.

Es zeigt sich deutlich: Das Wissen kommt erst in

einer Bildung ans Ziel, die mehr ist als Intelligenz.

P. Willibald Hopfgartner:

"Die Augen des Glaubens sehen weiter"

(Athesia, 2010)


Wo es sich leicht lernen lässt

Der neue Studier- und Lesesaal

Es ist Montag Nachmittag. Ich bin im zweiten

Stock der Schule, wende mich nach links, steige

über eine kurze Holztreppe hinauf und schaue

durch eine breite Glasfront in einen lichtdurchfluteten

Raum. Ich öffne die Tür und trete ein.

Es ist sehr still hier, ich höre nur gelegentlich,

wie jemand in einem Heft oder Buch eine Seite

umblättert. Sobald ich um die geschwungenen

Bücherregale, die den Raum der Länge nach teilen,

herumgegangen bin, erblicke ich Schüler, die

den Fenstern entlang an Tischen sitzen, tief versunken

in ihre Hefte und Bücher: Willkommen

im Studier- und Lesesaal!

Das also ist der letzte Teil des Schulumbaus, der

vor sieben Jahren mit dem Aushub für die Turnhalle

im Klostergarten begonnen hat und jetzt

endlich abgeschlossen ist. Ein wahres Schmuckstück!

Hell und freundlich wirkt der Raum,

modern, mit einem Erker, der auf den Schulhof

hinausragt und von dem aus man einen herrlichen

Blick auf die gotische Apsis der Franziskanerkirche

hat. Wenn es sich hier nicht gut lernen

lässt, wo dann?

Hier ist aber auch die Schülerbibliothek untergebracht.

V. a. die Mittelschulklassen nützen den

Lesesaal häufig in dieser Funktion, kommen einmal

die Woche eine Stunde lang zum Stöbern,

Lesen und Bücher Ausleihen hierher. „Die Schüler

und Schülerinnen fühlen sich hier sehr wohl,“

freut sich Frau Professor Falkensteiner, die zwei

Mittelschulklassen in Deutsch unterrichtet und

die Bibliothek betreut. „Sie kommen gerne her

und verbringen hier eine ganze Schulstunde

lesend in der größten nur denkbaren Stille.“

Die Oberschüler sind in dieser Hinsicht etwas

zurückhaltender, habe ich mir erzählen lassen.

Aber das wird sich vielleicht noch ändern, wenn

sie einmal die besondere Atmosphäre dieses

Raumes entdeckt haben.

Derzeit nutzen sie ihn als „Studiersaal“, und in

erster Linie dafür sei er auch entstanden, erklärt

mir Direktor Malsiner: „Wir haben beobachtet,

dass es vielen Schülern schwer fällt, sich zu

Hause über einen längeren Zeitraum auf Lerngegenstände

zu konzentrieren. Deshalb möchten

wir ihnen helfen, indem wir hier in der Schule,

die Möglichkeit bieten, sich weitgehend ohne

Ablenkung mit ihren Unterrichtsmaterialen zu

beschäftigen.“

Gerade das (konzentrierte) Lernen! Auch die

Leitlinien der Schule gehen auf diese Schwierigkeit

ein: „Das Franziskanergymnasium legt in

seiner Erziehungsarbeit Wert darauf, dass die

Schüler fähig werden, selbständig zu lernen. Das

verlangt vom einzelnen den immer schwierigen

Sieg über Ablenkung und Fluchtgedanken,“ heißt

es dort unter Punkt fünf.

Gelingt das im neuen Studier- und Lesesaal wirklich

leichter als zu Hause? „Ich bin froh um die

Lernnachmittage,“ erklärt Paul aus der sechsten

Klasse, der zwei Mal in der Woche dafür in die

Schule kommt. „Hier ist es leise, und ich kann

mich deshalb leichter konzentrieren. Mich lenkt

kein Computer oder sonst etwas ab, und deshalb

kann ich zwei volle Stunden problemlos lernen.“

Ruhig ist es tatsächlich, nur gelegentlich höre ich,

wie jemand die Seite eines Buches oder Heftes

umblättert, und ich kann mir gut vorstellen, dass

es sich in diesem Raum leicht lernen lässt.

Susanne Atzwanger (6. Klasse)

Der Studier- und

Lesesaal befindet sich

in jenem Teil des Klosters,

der an die Schule

angrenzt, über dem

Refektorium und direkt

unter der Terrasse,

auf der sich vor vielen

Jahren Oberschüler

zum Rauchen aufhalten

durften. Erreichbar ist

er vom zweiten Stock

des Gymnasiums aus.

Seit Oktober besteht

an drei Nachmittagen

in der Woche, am

Montag, Dienstag und

Donnerstag, jeweils

von 14.30 bis 16.30

Uhr (mit einer zehnminütigen

Pause dazwischen),

die Möglichkeit,

in diesem Raum unter

Aufsicht einer Lehrkraft

zu lernen. In den

Lernzeiten wird kein

Nachhilfeunterricht

erteilt, und es sind

auch keine Gruppenarbeiten

erlaubt. Ziel

der Einrichtung ist es

vielmehr, den Schülern

eine Umgebung möglichst

ohne Ablenkung

durch Handy, Computer,

Fernseher oder

Kühlschrank zu bieten,

die ihnen das Lernen

erleichtert.

Fränzi - Forum 3


lige Ventilatoren und Klimaanlagen für genug

Frische sorgen, während der Winter dermaßen

kalt ist, dass sich niemand gern im Dunklen frühmorgens

und spätabends auf die Straße begibt.

Dementsprechend ist auch der Ferienkalender:

Anstelle der langen dreimonatigen Sommerferien

gibt es in Korea lange zehnwöchige Winterferien,

während im Sommer der Unterricht nur

für einen Monat unterbrochen wird. Doch gerade

diese Sommerferien sind recht häufig keine

richtigen Ferien, weil die Schüler in dieser Zeit

jede Menge Lernstoff im Selbststudium oder in

Kurse erarbeiten, Defizite aufholen und sich auf

die Prüfungen im Herbst und Winter vorbereiten

müssen und damit fast genau so viel an der

Schule sind, wie während der Unterrichtszeit. Ich

war im letzten Sommer beispielsweise gerade

während der Ferien an der „Kwacheon Fremdsprachen-Oberschule“,

hatte aber nie den Eindruck,

dass nicht „normaler“ Unterricht erteilt

wird: Die Klassenzimmer waren voll belegt, die

Lehrer wiederholten mit den Schülern den Stoff

und die meisten besuchten am Nachmittag noch

irgendwelche Kurse.

Der Unterricht selbst unterscheidet sich kaum

von dem, was wir in Europa gewohnt sind: Viel

Frontalunterricht (wobei der Lehrer in ein

Mikrophon spricht!), unterbrochen von Übungen

der Schüler an der Tafel.

Es ist aber alles viel strenger als bei uns. Das

beginnt schon einmal damit, dass eine Schuluniform

verpflichtend vorgeschrieben ist, die für

jede Schule anders ist. Es gibt ein Design für

den Sommer und eines für den Winter. Dazu

müssen Haussandalen, Sportschuhe oder andere

geschlossene Schuhe, stets mit Socken, getragen

werden. Schminke oder auffälliger Schmuck sind

nicht erlaubt, gefärbte Haare oder lackierte Fingernägel

nicht gerne gesehen. Viele Jugendliche

versuchen diese Regeln zu umgehen, indem sie

z.B. unter der Uniform etwas anderes tragen und

die Uniform nur in Sichtweite der Lehrer überstülpen,

die Finger nicht auf die Bank legen oder

behaupten, ihr Haar habe von Natur aus einen

rötlichen Stich.

Der pünktliche Schulbesuch wird sehr genau

kontrolliert: Verspätungen ziehen, je nach Lehrer,

eine Ermahnung, durchgehendes Stehen

während des Rests der Schulstunde oder sogar

einen oder mehrere Stockschläge auf die Handflächen

nach sich.

Leistungsüberprüfungen sind nicht über das

ganze Schuljahr verteilt, sondern auf eigene

Prüfungsperioden konzentriert, in denen über

mehrere Tage hin intensiv alle Fächer abgeprüft

werden. Der Vorteil dieses Systems ist, dass man

sich bewusst darauf vorbereiten kann. Andererseits

führt das zu einem enormen Stress schon

Wochen, und wenn es um die Abschlussprüfungen

geht, sogar Monate davor. In den wenigen

Schultagen nach den Prüfungen bis zur Zeugnisverteilung

ist es dafür ruhiger und die Klassen

schauen sich Filme oder Dokumentationen an

(wofür ein Flachbildschirm in allen Klassenräumen

bereit steht).

Die Prüfungen erfolgen nicht in Form von offenen

Fragen, bei denen der Schüler die Antworten

selbst formulieren muss, sondern im „Multiple-Choice-Verfahren“,

indem unter mehreren

vorgegebenen Antworten die richtige ausgewählt

und angekreuzt wird. Das klingt zunächst

danach, als ob das viel einfacher wäre, ist es aber

nicht, da die Antworten sich sehr ähneln und nur

wer genau bescheid weiß, die richtige ankreuzen

kann.

Nach dem Besuch dieser Schule kann ich vieles

von dem, was der koreanischen Schule nachgesagt

wird, bestätigen: Wenngleich der Unterricht

ähnlich abläuft, wie an unserer Schule, sind der

Lerneinsatz der Schüler und der Druck, der auf

ihnen lastet, um ein Vielfaches größer. Die Philosophie,

die dahinter steckt, ist nämlich eine ganz

andere als bei uns: nicht die „religiöse, charakterliche

und wissenschaftliche Formung der Jugend

unseres Landes“ (Auszug aus den Leitlinien des

Franziskanergymnasiums), sondern „Heading for

the world, heading for the future“.

Im Yu Ri mit Schülerinnen vor der Kwacheon Fremdsprachen-Oberschule

Im Yu Ri (7. Klasse)

SüDKoreA

Fränzi - Forum 5


UmFrAGe

Fränzi - Forum 6

Schon von den "Fränzi" gehört

Das Franziskanergymnasium in der Außensicht

„Kennen Sie das Franziskanergymnasium?“ so

lautete die erste Frage, die wir bei einer Umfrage

im Herbst an zufällig vorbeikommende Passanten

richteten. Direktor Malsiner hatte sich

nämlich von einer Tagung der Schulführungskräfte

(so werden Direktorentagungen heutzutage

genannt) dazu anregen lassen, die Außensicht

unserer Schule zu ergründen: Wie bekannt ist

unsere Schule und welches Bild haben die Südtiroler

von ihr?

Obwohl es auf die eingangs genannte Frage nur

ein „Ja“ oder „Nein“ als Antwort gibt, können

sich mehr als zwei Bedeutungen ergeben: Nämlich

ein „Ja“ und ein „Nein“, die wirklich „ja“

oder „nein“ bedeuten, aber auch ein „Nein“, das

für ein „Ja-ich-kenne-diese-Schule-habe-aberkeine-Zeit-deshalb-sage-ich-nein“

steht. Obwohl

wir deshalb nie wissen konnten, wie ein „Nein“

zu werten sei, hielten wir uns bei der Auswertung

an die Fakten: Jedes „Nein“ wurde

als „Nein“ gezählt und jedes „Ja“ als „Ja“. Das

Ergebnis: Knapp zwei Drittel der Befragten kennt

unsere Schule.

Wenn wir bei dieser Gruppe nachhakten und

wissen wollten, woher man(n)/frau unsere Schule

kennt, schauten uns einige verständnislos an

und meinten: „Woher? Diese Schule kennt man

einfach!“ Eben, dachten wir uns. Andere kennen

sie wegen des Klosters, wegen der Franziskanerbäckerei,

viele durch den alljährlichen Fränziball

oder über Bekannte.

Beeindruckt hat uns, wie hoch das Medienecho

der Schule ist. Ein gutes Drittel kennt die Schule

nämlich aus der Zeitung, dem Fernsehen oder

anderen Medien. Einige waren selbst Schüler des

Franziskanergymnasiums gewesen. Ein Befragter

aus dieser Gruppe meinte: „Das war eine schöne

Zeit!“ Ein andere schmunzelte und sagte, dass

die Schulzeit in der Erinnerung immer schöner

sei als „live“.

Bei der dritten Frage wurde es spannend: „Welche

Meinung haben Sie vom Franziskanergymnasium?“

Die Hälfte der Befragten war überzeugt,

dass die Schule zu den besten Schulen im Lande

gehöre und wichtig für die humanistische Bildung

sei. Wir bekamen Antworten wie: „Gute Schule“,

„Lehrer gehen auf die Schüler ein“. Ein älterer

Herr meinte sogar, er “lupfe“ den Hut vor ihr.

Diese Rückmeldungen machten uns recht stolz.

Aber natürlich gab es auch andere Antworten:

Knapp zehn Prozent schloss sich dem Vorurteil

an, das es zuweilen über unsere Schüler gibt, und

meinten, wir seien „eingebildet“.

Die Durchführung der Umfrage

Die Umfrage wurde von Schülern aus den beiden

ersten Gymnasialklassen durchgeführt: von

Franziska Kollmann, Hannah Lezuo und Florian

Felder aus der vierten sowie Martina Gianola,

Karoline Buratti und Fabian Rauch aus der fünften

Klasse. Zuerst entwarfen wir einen kleinen

Fragebogen mit den bereits genannten Fragen:

1. Kennen Sie das Franzikanergymnasium?

2. Woher kennen Sie es?

3. Was halten Sie von dieser Schule?

Damit bezogen wir an unterschiedlichen Orten

Stellung. Befragt wurden Passanten in Bozen

unter den Lauben und auf dem Grieser Platz, in

Gröden auf dem Antoniusplatz von St. Ulrich/

Urtijëi. Die Befragten kamen aus allen Landesteilen

und allen Altersgruppen und waren alle volljährig.

Wenngleich manche keine Zeit oder kein

Interesse hatten auf die Fragen zu antworten,

konnten wir dennoch 150 Damen und Herren

zu einer Antwort bewegen. Durchgeführt wurde

die Umfrage Mitte November während einer

Schlechtwetterperiode, also meist unter strömendem

Regen. Abgeschlossen wurde sie vor

Eröffnung des Christkindlmarktes, damit die

Ergebnisse nicht vom Glühwein beeinflusst werden.

Die Aufgabe schien uns auch so schwierig

genug, da wir ja schließlich unbekannte Menschen

auf offener Straße „anhauen“ sollten, was

auch als Belästigung empfunden werden konnte.

Die Erfahrungen waren dann aber überwiegend

positiv, denn die meisten Befragten waren sehr

freundlich.

Fabian Rauch (5. Klasse)

und Hannah Lezuo (4. Klasse)

Fabian Rauch befragt einen Passanten


Zu den Quellen des Lebens

Fußwallfahrt nach Assis

Die Marciatori kommen vor S. Maria degli

Angeli in Assisi zusammen

„Vom Marsch her schafft‘s jeder, nur der Rucksack

könnte ein Problem werden“ lautet die

Warnung vor dem Start. Im Rucksack, der nicht

mehr als 10 % des eigenen Körpergewichts

wiegen sollte, muss nämlich vieles Platz finden:

Schlafsack, Matte, Wasserflasche, Toilettentasche,

Wäsche, Schuhe zum Wechseln, Besteck

und Geschirr. Erfahrene Wallfahrer versuchen

deshalb, unterwegs ihre Kleidung zu waschen,

anderen hingegen packen einen Wechsel für 11

Tage dazu. Mit so einem Rucksack machte sich

Francesco Gianola, Schüler der sechsten Klasse,

auf den Weg nach Assisi. Er nahm im letzten

Sommer nämlich an der „Marcia Francescana“

teil zusammen mit seinem Freund Lukas

Abram, der mit ihm die Mittelschule bei uns

besuchte.

Die österreichische Pilgergruppe, mit der sie

unterwegs waren, bestand heuer aus etwa 30

Personen und gehörte damit zu den kleineren.

Sie traf sich am ersten Abend im Franziskanerkloster

in Kaltern, von wo aus es zunächst einmal

mit dem Bus nach Loreto ging. Dort trennten

sie noch 125 km von ihrem Ziel Assisi. Jeden

Tag legten die Pilger einen mehr oder weniger

langen Fußmarsch zurück, der von Gebet und

Gesang begleitet wurde. „Wir waren deshalb

zuerst ein bisschen besorgt, da ein Tag, der ständig

von Gebeten begleitet wird, für uns etwas

Ungewohntes ist, dann aber gewöhnten wir uns

schnell daran und am Ende fühlten wir uns damit

sogar wohl“, erklärt Francesco. Die Gruppe

bestand aus Menschen verschiedener Altersstufen,

von Schülern über Studenten bis zu Erwachsenen,

unter denen auch weitere ehemalige

Schüler unserer Schule waren. Sie alle verband

das gemeinsame Ziel, nach Assisi zu pilgern.

Wie schaut der Tag eines Marciatore aus?

Francesco erklärt: Der Tag beginnt um fünf Uhr.

Eine Stunde steht für Frühstück, Morgentoilette

und Packen zur Verfügung, dann geht es los. Am

Vormittag legen die Marciatori den größten Teil

der Strecke zurück. Abgesehen von einer kleinen

Pause gegen 10.00 Uhr und dem Morgenlob

marschiert die Gruppe bis Mittag durch

bevor es nämlich richtig heiß wird. Bis dahin ist

das anvisierte Etappenziel zumeist erreicht. Das

Mittagessen liefert „amico blu“ in einem kleinen,

blauen Transporter nach, in dem ein Chauffeur

und eine Köchin auf einer Feldküche drei Mahlzeiten

am Tag zubereiten. Der Nachmittag steht

für eine ausgiebige Rast oder die Besichtigung

der Stadt, in der sich die Marciatori gerade aufhalten,

zur Verfügung. Der Tag endete mit einer

gemeinsamen Eucharistiefeier.

Die Nacht wird zumeist in einem Kloster, einem

Pfarrhaus oder sonst einer geistlichen Institution

verbracht. Geschlafen wird dabei auf den

mitgebrachten Isomatten. „Die erste Nacht auf

der Matte ist hart, dann wird es besser“, weiß

Francesco.

Nach elf Tagen kam die Gruppe schließlich in

Assisi an. Dort traf sie auf andere Pilger, die von

Franziskanerprovinzen aus aller Welt stammten.

Insgesamt waren es rund 1.500 Marciatori. Alle

Gruppen näherten sich auf einem anderen Weg

Assisi. Besonders beeindruckt war Francesco

von den vielen jungen Patres, die er in Assisi traf.

Am 2. August wurde das Programm für die Marciatori

dann intensiv. Die Gruppen fanden sich in

S. Maria degli Angeli ein, um dort gemeinsam um

den Sündenerlass zu bitten. Der letzte Tag stand

jedem für sein individuelles Programm zur Verfügung.

Die Leute konnten entweder Assisi besichtigen

oder kurze Spaziergänge in der Umgebung

unternehmen oder einfach nur rasten. Am 4.

August trat die Gruppe dann die Rückfahrt an.

Francesco bezeichnete die Wallfahrt als „eine

Erfahrung, die man sonst nicht so leicht machen

kann“.

Valentine Pichler (6. Klasse)

Jedes Jahr treffen

sich am 2. August in

Assisi Pilger aus aller

Herren Länder in der

Portiuncula-Kirche,

die auch unter dem

Namen „Santa Maria

degli Angeli“ bekannt

ist. Auf Bitten des

Heiligen Franz von

Assisi gewährte Papst

Honorius III. nämlich

den Besuchern dieser

Kirche sofern

sie zur Beichte und

in die Messe gehen

sowie die Kommunion

empfangen einen

vollkommenen Sündenerlass.

Zu diesem

Anlass organisiert

die österreichische

Franziskanerprovinz

auch unsere Klöster

in Südtirol gehören

dazu ¬ alljährlich eine

Wallfahrt dorthin. Im

letzen Sommer war

ein Schüler unseres

Gymnasiums dabei, der

hier von seinen Erfahrungen

berichtet.

Fränzi - Forum 7


Silvius Magnago, der

Mann, der Südtirols

Politik grundlegend

geprägt hat, soll mehreren

Quellen zufolge

das Franziskanergymnasium

besucht haben.

Sogar die offizielle

SVP-Zeitschrift „ZiS“

und Wikipedia behaupten,

dass er 1936 am

Franziskanergymnasium

maturiert habe. In

den Archiven unserer

Schule scheint der

Name „Silvius Magnago“

allerdings nicht auf.

Ein kleiner historischer

Krimi?

Fränzi - Forum 8

Das Fränzi-Forum deckt auf...

Altlandeshauptmann Silvius Magnago ein Franziskanerschüler?

Magnago mit Schwestern Maria und Selma

Wir haben uns auf die Spurensuche gemacht.

Unstrittig ist: Magnago geht drei Jahre lang auf

die deutsche Volksschule und wechselt dann auf

Wunsch seiner Eltern in die italienische Regina-

Elena-Schule in Bozen. Italienisch muss er erst

über Nachhilfeunterricht nachlernen, weil sein

aus dem Trentino stammender Vater Wert darauf

legt, dass daheim Deutsch gesprochen wird.

Grund für den Schulwechsel ist gerade der politische

Druck, der auf den Vater ausgeübt wird:

Dieser kann es sich als italienischer Beamter und

Richter nicht leisten, sein Kind in die deutsche

Schule zu schicken.

Das Rätsel beginnt in der Oberschule. Die biographischen

Angaben darüber sprechen zum

Teil vom Besuch einer Oberschule in Bozen

und zum Teil vom Besuch des Rediffianums in

Meran. Anderen Quellen zufolge habe er sowohl

in Bozen als auch in Meran das humanistische

Gymnasium besucht. In der Biographie „Das Vermächtnis“

von Hanskarl Peterlini erzählt Magnago

selbst von Jugendstreichen im Rediffianum,

und dies lässt darauf schließen, dass er tatsächlich

in Meran war. Das Rediffianum wurde damals

noch von den Benediktinern geführt.

Zitat aus einer Sammlung von Interviews des

Rai-Senders Bozen: „Ich wurde streng erzogen,

vor allem von Seiten meines Vaters genoss ich

eine äußerst strenge Haltung. Damit ich auch

ein anständiger Bursche wurde, haben mich

meine Eltern ins Meraner Rediffianum geschickt,

wo ich ab dem vierten Gymnasialkurs hausierte.

Im Heim gab es eine Einteilung zwischen Unter-

und Obergimpel und im vierten Gymnasialkurs

war ich noch Untergimpel und beneidete die

Obergimpel, weil diese ganz besondere Privilegien

hatten. Ab dem fünften Gymnasialkurs war

ich Obergimpel, und ich war sehr stolz darauf.

Ich hatte als Obergimpel das Recht, in der Mittagspause

zu rauchen, und obwohl mir die erste

Zigarette keinesfalls schmeckte, habe ich auch in

Zukunft geraucht, weil ich den Jüngeren einfach

beweisen wollte, dass ich ein Obergimpel war.

Ich bin also als Nichtraucher ins Heim gekommen

und habe es als Raucher verlassen, trotz der

strengen Erziehung von Seiten der Benediktiner.

Ich erinnere mich noch daran, wie ich bei einem

Heimausflug zu viel Weißwein getrunken habe

und folglich einen Rausch hatte. Als ich dann im

Heim eingetroffen bin und ich den Pater Regens

getroffen habe und dieser meinen Rausch feststellte,

war dieser sehr enttäuscht von mir. Er

hatte immer schon gehofft, dass ich eines Tages

in den Benediktinerorden eintrete, weil ich nach

ihm ein sehr gutes Mundwerk hatte. Als er mich

aber so sah, hat er diese Hoffnung aufgegeben.“

Ein weiterer Hinweis auf Magnagos Schulkarriere

findet sich erst wieder in einer Fußnote, und

zwar auf Seite 364 des Buches „Silvius Magnago

Eine Biographie Südtirols“. Demnach schicken

die Eltern den Gymnasiasten zunächst ins Rediffianum

nach Meran. Von dort kommt er erst im

Maturajahr zurück nach Bozen. In der Fußnote

wird die Schule, wo Magnago maturiert hat,

unzweifelhaft durch einen Mitschüler, Joseph

Maurer, genannt: Es handelt sich um das italienische

Carducci-Gymnasium. Die Matura abgelegt

hat Silvius Magnago erst mit 22 Jahren, weil

er zuvor aufgrund des Abessinienkrieges praktisch

von der Schulbank weg zum italienischen

Heer einrücken musste.

Ein besonders guter Schüler scheint Magnago

zum Trost für alle Leidensgenossen nicht

gewesen zu sein. Der Mitschüler Joseph Maurer

charakterisiert den späteren Landeshauptmann

folgendermaßen: „Schräg hinter mir saß in der

Schulbank Silvius, der immer schlecht vorbereitet

war und oft von mir abschrieb. Besondere

Schwierigkeiten bereiteten ihm Latein und Griechisch.“

Seiner Leistung als Vater der Autonomie

hat das offensichtlich nicht geschadet.

Florian Felderer (4. Klasse)


Marken Mythen der Moderne

Gymnasialverein lädt Armin Broger ein

Warum, so fragte Armin Broger zu Beginn seiner

Ausführungen, gelingt es einigen Unternehmen

Markenstatus zu erreichen und anderen nicht?

In seinen Augen sind dafür v. a. drei Faktoren

ausschlaggebend: Wer erstens imstande ist, zu

einer kulturellen Ikone zu werden, weil er den

Zeitgeist versteht, wer zweitens bahnbrechende

Innovationen bringt und drittens ständig den

Dialog mit seinem Zielpublikum pflegt, kann es

schaffen, den Markenstatus zu erreichen.

Das Fehlen der Innovationen beispielsweise

machte Broger als Hauptgrund dafür aus, dass

der Markenwert von Ford oder Toyota im letzten

Dezennium deutlich sank, während der von

Apple, Google und Samsung einen enormen

Sprung nach oben machte.

Das Wichtigste bleibe aber die gelungene Kommunikation

mit dem Zielpublikum. Dazu müsse

sich ein Unternehmen natürlich auch der modernen

Kommunikationsmittel bedienen: Coca Cola

habe z.B. im Jahr 2009 mit einer 120 Millionen

Euro teuren Fernsehwerbung nur 800.000 Men-

Einmal Pilger sein

Lehrausgang der sechsten Klasse zum Klösterle

Es gibt in unserem Land Kostbarkeiten, die nur

wenige kennen. Dazu zählt z.B. das sog. Klösterle

in St. Florian bei Laag. Es ist eines von nur vier

erhaltenen mittelalterlichen Pilgerhospizen in

Europa und damit eine echte Sensation.

Das Pilgerwesen gehörte zum Mittelalter genauso

dazu wie das Ritterwesen oder befestigte

Burgen. Um die Pilger auf ihren Wegen nach

Rom, Santiago der ins Hl. Land zu beherbergen,

wurden Bruderschaften und Stiftungen ins Leben

gerufen, die sich diesem Dienst verschrieben. Auf

diese Weise kam es auch bei Laag zur Errichtung

eines Hospizes, das zunächst um die heute

noch erhaltene romanische Kirche von St. Florian

herum lag, um 1220 aber (vermutlich auf der

Flucht vor den Überschwemmungen der Etsch)

weiter östlich den Hang hinauf verlegt wurde.

Dort konnten in der Blütezeit bis zu 100 Pilger

gleichzeitig untergebracht werden. Mit dem

Niedergang des Pilgerwesens am Ende des Mittelalters

verlor dann das Hospiz seine Funktion,

blieb jedoch - dank seiner abgeschiedenen Lage

- in der ursprünglichen Form weitgehend intakt.

schen erreicht, während ein 24.000 Euro You-

Tube-Kurzfilm fast drei Millionen Mal angeklickt

wurde.

Ähnliches habe er auch in „seinem“ Unternehmen

beobachtet: „Levi’s gab mir den Auftrag,

Frauen für unsere Produkte zu begeistern. Von

den mehr als 100 Millionen Paar Jeans, die Levi’s

jährlich weltweit absetzt, ist nämlich nur ein kleiner

Teil von Frauen gekauft worden.“ Indem nun

viele Frauen weltweit über soziale Netzwerke in

die Entwicklung eingebunden und die Produkte

auf ihre Bedürfnisse abgestimmt wurden, sei es

gelungen, die weibliche Kundschaft des Unternehmens

zu vervielfachen.

Die lebhafte Diskussion im Anschluss an den

Vortrag zeigte auf, wie sehr das Thema „Marken“

die Menschen anspricht aber auch, wie sehr es

Armin Broger gelungen war, die Zuhörer im voll

besetzten Cajus-d’Andrea-Saal zu begeistern.

Fabian Rauch (5. Klasse)

Die sechste Klasse befasste sich im Lateinunterricht

ausgehend von der Lektüre der Vita

S. Cassiani, jenes Heiligen also, den die Legende

zum ersten Bischof von Säben gemacht hat

(obwohl er nachweislich nie in unserem Land

war!) mit dem Pilgerwesen im Mittelalter und

ließ es sich natürlich nicht entgehen, dieses einzigartige

historische Monument unserer Heimat

zu besichtigen und sich für kurze Zeit wie mittelalterliche

Gläubige zu fühlen, die sich auch

bedingt durch den strömenden Regen, dem sie

ausgesetzt waren - auf einer beschwerlichen Pilgerfahrt

befinden.

Der „Cajus-d’Andrea-

Saal“ war bis auf den

letzten Platz gefüllt, als

am 30. Oktober 2010

Armin Broger auf Einladung

des Gymnasialvereins

den rund 100

Schülern und über 60

Eltern, Freunden der

Schule und Interessierten

erklärte, was eine

Marke ist und wie sie

„funktioniert“.

Armin Broger ist wie

kaum ein anderer dazu

berufen, über dieses

Thema zu sprechen

nach der Matura am

Franziskanergymnasium

und dem Studium

der Handelswissenschaften

war er nämlich

in führenden Positionen

für Levi Strauss

Europe, Tommy Hilfiger,

Diesel, Walt Disney

und Lego tätig.

Im April 2010 erhielt

er den Theodore-M.-

Hesburgh-Award für

ethisches Handeln im

Management.

Fränzi - Forum 9


Die heurige Maturazeitung

hat bei einigen

Lesern für etwas Irritation

gesorgt, weil

die Schülerporträts in

Form von Todesanzeigen

gestaltet waren. In

diesem kurzen Essay

versucht einer der

Hauptverantworlichen

für die Maturazeitung

zu erklären, mit wecher

Idee die Klasse sich an

die Arbeit gemacht

hat - in der Hoffnung,

die Irritationen damit

etwas abzumildern...

Fränzi - Forum 10

Scripsi ergo fui

Über das Verfassen einer Maturazeitung

Alle Jahre wieder verabschiedet sich eine Maturaklasse

von der Schule, alle Jahre wieder überanstrengen

sich einige wenige Maturanten durch

den Aufwand der Ballorganisation, alle Jahre wieder

investiert irgendeine Druckerei gutes Geld

in die Herstellung der Maturazeitung.

Wie aber kam es dazu? Warum verfasst jede

Oktava solch ein unscheinbares Heftchen?

Irgendwie ist es zur fixen Regel erstarrt, die

nicht mehr angezweifelt wird. Wagt man aber

einen Blick über unsere heiligen Mauern hinaus,

so fällt einem auf, dass kaum eine Abschlussklasse

in anderen Schulen ihre wertvolle Freizeit für

dergleichen opfert.

Zum Teil ist die Maturazeitung natürlich ein

Sprachrohr schlussendlich doch noch erlangter

Rede- und Meinungsfreiheit, was Professoren

und Institution anbelangt nach guter alter Kritikertradition

humoristisch aufgezogen. Doch es

ist viel mehr als nur eine demonstrative Rebellion

seitens pubertärer Halbstarker. Es ist ein

Dokument und Beweis der eigenen Jugend- und

Schulzeit, der Abschluss einer 13-jährigen Karriere,

die mit der Matura ein jähes Ende findet.

Eine Maturazeitung repräsentiert eine Klassengemeinschaft

und unterschiedlichste Charaktere;

sie erzählt die fünfjährige gemeinsame Geschichte

von (in unserem Fall) 22 Leuten und dokumentiert

einen der Lebensabschnitte, der einen

Menschen am meisten prägt. In der Oberschule

erreicht der Jugendliche die Reife, die in der

Das Titelblatt der heurigen Maturazeitung

Der erklärende Text zum Zeitungsthema

Matura nachgewiesen wird. Diesen Weg sind wir

fünf Jahre lang gemeinsam gegangen. Nun ist er

bald zu Ende, unsere Wege werden sich trennen

und niemand weiß, was aus jedem einzelnen werden

wird.

Nicht zuletzt gehört zum Verfassen einer Maturazeitung

deshalb auch ein bisschen Wehmut

(wenngleich mich meine Klassenkammeraden

für diese Aussage sicher steinigen). Ein letztes

Mal setzt man sich zusammen, strengt sich ein

bisschen an und erschafft das, was nach unserem

Fortgang von der Schule von uns zurückbleiben

wird. Man sieht die Zeitung entstehen, hat

Spaß bei der Arbeit und weiß, dass man eine

Geschichte, die bald abgeschlossen sein wird, zu

Papier gebracht hat. Dasselbe tun Schriftsteller

und Geschichtsschreiber: Vergangene Zeiten sollen

für später erhalten bleiben.

Nicht ohne Grund haben wir deshalb auch das

Konzept des Todes gewählt. Der Tod als Metapher

für das Ende der Gewissheit, für den Anfang

der Wünsche und Hoffnungen. Wer in die Reife

entlassen wird, muss fortan dementsprechend

handeln, und ich bin mir absolut sicher, dass die

meisten von uns sich irgendwann in die Schule

zurücksehnen werden. Dennoch: Wir werden

selbstständig weiterleben müssen und mit der

Aufgabe wachsen. Und irgendwann, vielleicht

im Jahre 2061 beim 50-jährigen Maturajubiläum,

werden wir unsere Maturazeitung aufschlagen

und uns der schönen Zeiten erinnern.

Toni Widmann (8. Klasse)


Schüler ohne Grenzen

Alexander Pycha in Uganda

Auch wenn es manchmal nicht so scheinen mag:

Die Schüler des Franziskanergymnasiums kennen

auch anderes als das Griechischbuch. Ein

Beispiel dafür ist Alexander Pycha aus der diesjährigen

Maturaklasse, der heuer schon zum

zweiten Mal die wie er sagt sehr erfüllende

Erfahrung machen durfte, in einem afrikanischen

Kinderheim und Krankenhaus mitzuhelfen.

Angefangen hat alles mit der tödlichen Ebola-

Epidemie während des langen Bürgerkrieges in

Uganda, die 2005 die Eltern von Alexander dazu

bewog, der leidenden Bevölkerung mit medizinischer

Hilfe beizustehen. Sie schlossen sich

einem Programm an, das am Bozner Krankenhaus

koordiniert wird, und stellten sich für einen

längeren Aufenthalt in Uganda zur Verfügung. Als

sie im Jahr darauf wieder dorthin gingen, durften

Alexander und sein jüngerer Bruder Stefan

mitgehen. Diese Erfahrung wiederholte sich im

letzten Sommer.

Das Ziel war jedes Mal Lacor, ein Dörfchen in

der Nähe der Stadt Gulu im Norden des Landes.

Dort befindet sich ein Krankenhaus, an dem Alexanders

Eltern arbeiteten, dann aber auch eine

Einrichtung mit einem Kinderheim, einem Kindergarten,

einer Grund- und Oberschule, die für

die Kinder aus der Gegend offen stehen, auf der

einen und einer Betreuungsstätte für körperlich

und geistig behinderte Kinder und Jugendliche

auf der anderen Seite. Diese Einrichtung geht auf

eine Initiative der Combonimissionare zurück.

Die Seele des Ganzen ist seit vielen Jahren P. Elio

Croce aus Moena im Fassatal.

“Bei meinem ersten Aufenthalt vor vier Jahren

gab mir P. Elio noch sehr genaue Instruktionen,“

erklärt Alexander. „Heuer hingegen galt

ich bereits als routiniert und war deshalb viel

auf mich alleine gestellt.“ Sein Aufgabenbereich

war dabei sehr abwechslungsreich: Er betreute

Waisen- und behinderte Kinder und erteilte

Englischunterricht (weil nicht nur Ärzte, sondern

auch Lehrer fehlen), half aber auch im

Krankenhaus als Operations-Assistent und bei

der Krankenpflege aus. „Ich hätte mir nicht vorstellen

können, dass Spielen und Herumtollen

mit Kindern, Krankentransporte, Verfassen von

Impressum: Fränzi - Forum

Eigentümer und Herausgeber: Wolfgang Malsiner,

Franziskanergymnasium Bozen

Eintragung beim Landesgericht Bozen: Nr. 2/2003

R.ST. am 20/3/2003

Op-Berichten und Englischnachhilfestunden so

Kraft raubend sind. Aber ich habe in meinem

Leben noch nichts erlebt, was gleichzeitig so

erfüllend und schön war,“ schwärmt Alexander

heute noch.

Wenn schon der erste Aufenthalt vor vier Jahren

anstrengend war, gilt das für den im letzten

Sommer noch viel mehr. Zum einen war er länger

und zum anderen fiel er in die Sommerferien

von Uganda. Dies hatte zur Folge, dass Alexander

von früh bis spät nichts anderes tun konnte, als

eine ganze Schar von kleinen Kindern zu unterhalten

die ihn am Ende gar nicht mehr gehen

lassen wollten!

“Auch mir selbst hat es sehr leid getan, als ich

wieder nach Europa zurückkehren musste

trotz der großen Anstrengungen,“ sagt Alexander.

Die Kinder in Lacor können sich aber absolut

sicher sein: Alexander kommt wieder!

Toni Widmann (8. Klasse)

Alexander mit einem Schützling

Verantwortlicher Schriftleiter: Dr. Walther Werth

Redaktion: Wolfgang Malsiner, Toni Widmann, Im Yu

Ri, Susanne Atzwanger, Florian Felder, Hannah Lezuo,

Fabian Rauch - Gestaltung: Thomas Tschager

Druck: Ferrari Auer Bozen

SchüLer

Fränzi - Forum 11


Als „Imperium Romanum

Franciscanum“

zog unsere Schule

heuer am Unsinnigen

durch die Bozner Altstadt:

Legionäre (1.

Klassen), Senatoren (7.

Klasse) und natürlich

Götter (8. Klasse); aber

auch Sklaven (2. Klassen)

und die unterworfenen

Völker: Gallier (3.

Klassen), Germanen (4.

Klasse), Ägypter (5.

Klasse) und Griechen

(6. Klasse).

Bei einer Senatssitzung

wehrten sich zunächst

die Griechen gegen

zweisprachige Schilder,

weil die schon anderswo

für Verwirrung

sorgten; die Germanen

forderten gar das „Los

von Rom“!

Anschließend wurden

einigen Professoren

angeklagt, einer

(P. Willibald), weil er

die Heiden zu Christen

machen wolle, ein

anderer, Prof. Suprafumus

(Oberrauch), weil

er von Schülern verlange,

dass sie schwierige

Bücher lesen und

mögen! Sie alle wurden

dazu verurteilt, von

den Löwen gefressen

zu werden.

Dazu kam es schließlich

auf dem Rathausplatz

nach einem Wagenrennen

zu dem auch

der Konsul Luigius

Spagnollus erschienen

war! und Gladiatorenkämpfen.

Fränzi - Forum 12

Unsinniger Donnerstag

Faschingsumzug durch die Bozner Altstadt

Das Kaiserpaar

Die Legionäre marschieren auf

Löwen fallen über die verurteilten Professoren

her

Das Kaiserpaar auf dem Rathausbalkon mit

dem Konsul Luigius Spagnollus

Das Wagenrennen auf dem Rathausplatz

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine