FRÄNZI – FORUM - Franziskanergymnasium Bozen

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FRÄNZI – FORUM - Franziskanergymnasium Bozen

Schule

Ein Auslandsjahr

in

Russland

Seite 2

Ex-Fränzi

Kinder- und

Jugendanwalt

Simon Tschager

Seite 7

Projekt

Schüler als

Sozialhelfer in

Thailand

Seite 8

Max Valier

Genie oder

Durchschnitts-

Schüler?

Seite 10

Lehrfahrt

Kultur und

Natur in

Umbrien

Seite 12

Impressum

Seite 10

Spedizione in A.P. - 70% DCI BZ - quadrimestrale - in caso di mancato recapito, restituiere al CPO - Bolzano I.R.

Mit einer Feier verabschiedete sich die Schulgemeinschaft

zu Beginn des Schuljahres von P.

Willibald. 35 Jahre lang wirkte er als Lehrer für

Deutsch und Philosophie an der Schule. Nun

übernimmt er die Leitung des Franziskanerklosters

und des Juniorats in Graz. Auch wenn bei

der Abschiedsfeier die Wehmut zu spüren war,

so überwogen doch der Humor und der Blick in

die Zukunft. Dafür sorgte nicht zuletzt die Pixie

Dixie Band unter der Leitung von Armin Thomaser

mit schwungvollen Dixieland-Rhythmen, die

P. Willibald besonders liebt. Schüler der Maturaklasse

zeigten in kleinen Szenen humorvoll überspitzt,

wie P. Willibald seine Philosophie- und

Deutschstunden hielt. Sie erinnerten an einen

Lehrer, der voller Leidenschaft unterrichtete und

hinter allen Lehrinhalten den Menschen im Blick

Ausgabe 2/2011

FRÄNZI FORUM

Franziskaner Gymnasium

Lehrer mit Leib und Seele

Abschied von Pater Willibald

hatte, der nach Gott sucht. Dass P. Willibald den

Unterricht nie als bloße Informationsvermittlung

sah, wurde auch im Interview klar, das Moritz

Windegger mit P. Willibald führte. Er stehe dazu,

dass er in seinen Deutsch- und Philosophiestunden

immer den ethischen und religiösen

Aspekt der Dichtung und der Wahrheitssuche

aufgezeigt habe, sagte P. Willibald. Direktor Wolfgang

Malsiner betonte in seiner Rede, dass er P.

Willibald schon in seiner Jugend als Lehrer sehr

geschätzt und als Vorbild gesehen habe. Sein

Dank stand stellvertretend für die Wertschätzung

und Anerkennung aller Schüler und Lehrer-

Kollegen, denen P. Willibald den Rat mitgab, die

Schule zu lieben. Dann brauche man sich um die

Zukunft des Franziskanergymnasiums keine Sorgen

zu machen.

Fränzi - Forum 1


David Caesar Comploj

besucht die Maturaklasse

des Franziskanergymnasiums.

Das

vergangene Schuljahr

verbrachte er an einem

Gymnasium in der

Nähe von Moskau.

Fränzi - Forum 2

"Ich konnte kein Wort Russisch"

Ein Schüler berichtet von seinem Auslandsjahr

Ich war in der 1. Klasse Lyzeum, als ich mich

dazu entschlossen habe, ein Austauschjahr in

Russland zu verbringen. Viele fragten mich, wieso

genau Russland, wieso nicht Amerika, das Land

der vielen Möglichkeiten oder irgendein anderer

Staat? Ehrlich gesagt, weiß ich die Antwort

immer noch nicht. Damals wusste ich nur, dass

ich raus wollte, eine neue Welt sehen, eine neue

Kultur entdecken und sie auch von innen leben;

und da ich so eine Chance in der 4. Klasse

Oberschule hatte, wollte ich sie mir auch auf

keinen Fall entgehen lassen. Allerdings wusste

ich auch noch nicht, worauf ich mich da wirklich

eingelassen hatte. Würde mir jemand anbieten,

die Zeit zurückzudrehen, und alles von neuem

anzufangen, würde ich auf jeden Fall „ja“ sagen,

trotz der schweren Anfangszeit, als ich in Russland

ein Fremder war und kein Wort Russisch

verstanden habe .

Ich wusste nicht, wie schwer es sein kann, in

eine komplett neue Welt einzutauchen, ohne die

Sprache zu kennen. Ich war fast völlig auf mich

allein gestellt. Anfangs versuchte ich mit Englisch

und Zeichen voranzukommen, aber da die meisten

Russen außer „Hello“ und „My name is“

auf Englisch gar nichts wissen, habe ich gleich

gemerkt, dass es ohne Russisch auf keinen Fall

geht.

Wenn ich jetzt mit meinen russischen Freunden

zusammensitze, erinnere ich mich oft daran, wie

ich ihnen etwas mit Händen und Füßen erklä-

Das Viertel in Alexandrov, wo David wohnte

ren wollte im Wissen, dass sie trotzdem kein

Wort verstehen würden. Und wenn mir manchmal

ein Zweifel aufkommt, frage ich einen meiner

Freunde auf Russisch, ob ich denn wirklich

anfangs mit ihm auf Englisch gesprochen hätte;

denn es kommt mir schon wie ein unklarer

Traum vor zu denken, dass ich mich nicht mit

einem Russen unterhalten konnte.

Die russische Schule

Das russische Schulsystem ist einfach aufgebaut:

Man besucht elf Klassen und dann die Uni.

Oder aber man beginnt nach der 9. eine Lehre.

Die meisten entscheiden sich für ersteres, weil

man es sogar mit einer Ausbildung nicht wirklich

leicht hat, Arbeit zu finden. Das russische

Schulsystem wurde nach dem Ende der Sowjetunion

eingeführt und ist geprägt von ständigen

Schulreformen. Noten werden von 1 bis 5 verteilt,

wobei 5 die höchste Note ist. Noten unter

3 zählen als negativ. Jeder Schüler hat eine Art

Merkheft, wo der Lehrer die Noten einträgt. In

den oberen Klassen werden nur besonders gute

oder schlechte Noten eingetragen, damit die

Eltern einen Überblick über den Lernerfolg des

Sohnes oder der Tochter haben. Hat ein Schüler

am Ende des Jahres einen Durchschnitt von 2 in

einem Fach, so muss er die Klasse wiederholen.

Das ist aber selten der Fall. Fast immer werden

schwache Schüler nach der 9. Klasse auf eine

Berufsschule geschickt. Der Unterricht ist dem


in Italien ziemlich ähnlich, außer, dass die Schüler

und nicht die Lehrer die Klassenräume wechseln.

Gearbeitet wird hauptsächlich mit Büchern.

Die Lehrer haben immer ein Exemplar dabei

und nehmen mit den Schülern den Stoff durch.

Was in der Schule unterrichtet wird, ist aber

nur 3/4 von dem, was dann vom Schüler verlangt

wird. Der Rest des Stoffes muss daheim erlernt

werden und wird dann bei der nächsten Stunde

abgefragt.

Am Ende der 11. Klasse wird eine Staatsprüfung

abgelegt. Schon in der 10. Klasse werden

Probeexamen durchgeführt. Jeder Schüler kann

sich aussuchen, in welchen Fächern er die Prüfung

ablegen will und konzentriert sich auf die

drei oder vier Fächer, die seine Universität verlangt.

Je besser man die Examen besteht, desto

bessere Chancen hat man auf der gewünschten

Universität aufgenommen zu werden. Sehr viele

Schüler gehen regelmäßig zu Nachhilfelehrern,

bei denen man nicht nur den Schulstoff wiederholt,

sondern ihn auf vertieft und erweitert.

Dies liegt daran, dass bei den Staatsprüfungen

Stoff verlangt wird, der im normalen Unterricht

nicht durchgenommen wird. Will man also mehr

Punkte bei der Staatsprüfung erzielen, muss man

zur Nachhilfe.

In Fächern wie Mathematik, Chemie und Physik

sind Russen gut. In der Schule lernt man Englisch

und Französisch oder Deutsch als Fremdsprache.

Ich kenne einige, die fließend Deutsch

sprechen, obwohl sie noch nie deutschen Boden

berührt haben. Der Unterschied in den Sprachkenntnissen

ist enorm, was damit zu tun hat, dass

nicht alle Schüler Nachhilfe nehmen. Lernt man

nämlich nur Schulstoff, so wird man am Ende der

11. Klasse nur wenig wissen.

Der Unterricht ist nicht so streng wie in Italien.

Schüler haben mehr Freiheit und sind mehr auf

sich allein gestellt. Es interessiert den Lehrer

David und seine Schulklasse

wenig, was man im Unterricht macht, solange

die Resultate stimmen. Oft werden Tests spontan

vom Lehrer entschieden. Wer während des

Unterrichts nicht zugehört hat, hat also schlechte

Karten, obwohl Lehrer einen beim Spicken

erwischten Schüler auch gerne mit einer Verwarnung

davonkommen lassen. Das Verhältnis zu

Lehrern ist fast immer freundschaftlich. Ich habe

sogar schon miterlebt, wie eine Schülerin, als sie

die Schule verlassen hat, weinend meiner Lehrerin

in die Arme gefallen ist.

Obwohl Lehrer mit 10.000 Rubel (250 Euro)

im Monat sehr schlecht bezahlt werden, sind

sie meistens mit Freude bei der Arbeit und

bemühen sich, den Unterricht gut zu gestalten.

Theoretisch muss jeder Russe nach der Schule

ein Jahr in der Armee dienen. Entscheidet man

sich aber dafür, eine Universität zu besuchen, so

wird dieses Jahr auf die Zeit nach dem Abschluss

der Universität verschoben. Viele entscheiden

sich für eine höhere Ausbildung, weil man ohne

höhere Ausbildung kaum eine Arbeit findet, aber

auch um dem Militärdienst zu entgehen. Es gibt

nämlich Fälle von Jugendlichen, die in der Armee

gemobbt und so malträtiert wurden, dass sie mit

Behinderungen und Lähmungen zurückgekehrt

sind. Die mesten sehen es einfach als ein verschwendetes

Jahr an und beneiden mich, weil ich

in Italien nicht dienen muss.

Russland

Russland ist eindeutig ein Land der Kontraste. Es

gibt die Reichen und es gibt die Armen und eine

rasant wachsende Mittelschicht. Es gibt Leute,

die leben in Häusern, die Millionen kosten, und

andere, die Angst haben, dass das Dach über

ihrem Kopf zusammenkracht. Es ist ein Land

der Alten, der Babuschkas, die trauernd an die

alte Sowjetunion zurückdenken, „wo alles bes-

ser war“, und ein Land der Jugendlichen, die AUSLANDSJAHR

Fränzi - Forum 3


AUSLANDSJAHR

Fränzi - Forum 4

Allegorie des russischen Vaterlandes in

Wolgograd.

ihr Lebensziel darin sehen, reich und mächtig

zu werden. Ich habe oft das Gefühl, in einem

Entwicklungsland zu leben, das aus seiner autonomen

Entwicklung während der Sowjetunion

herausgezerrt wurde und allmählich wieder in

Schwung kommt, ein Land, in dem alles mit der

Zeit besser wird. Bessere Häuser und Geschäfte

werden gebaut, Straßen werden erweitert, die

sozialen Möglichkeiten werden größer, aber all

das im Schatten von Europa, und dennoch auf

seine eigene Art und Weise. Irgendwie humpelt

Russland hinter Europa her, springt aber zugleich

mit großen Schritten, weil es Europa einholen

will. Die Gehälter sind allerdings sehr klein und

ich verstehe nicht, wie einige Russen mit Gehältern

von 250-300 Euro im Monat, was als normal

gilt, überhaupt überleben können. Abgesehen

von billigerem Gas und Strom, sind die Lebensmittel

genau so teuer wie in Europa. Ein Sprichwort

sagt: Europäer leben, um zu arbeiten, Russen

arbeiten, um zu leben...

Die Sowjetunion hat ihre Spuren in diesem

Land hinterlassen, und man spricht oft darüber.

Anfangs dachte ich, es sei ein Tabu-Thema, das

keiner ansprechen will, weil die Menschen unterdrückt

wurden. Viele Russen sehen aber sehr

viele positive Seiten in der UDSSR und bedauern

ihren Zerfall.

Moskau

Ich bin in meinem Auslandsjahr viel herumgekommen

in Russland. Ich war im kühlen Norden

bei Vilikji Novgorod, bei Rostov na Danu und

bei Azov im Süden und im Osten bei Vladimir.

Aber Moskau ist ein Kapitel für sich. Moskau

ist das Zentrum Russlands, dort liegt das Geld,

dort liegt die Macht, dort will jeder hin. Aber

am besten nicht zum Leben, sondern nur um

Geld zu machen. Nicht zufällig ist es die teuerste

Stadt Europas. Moskau wird oft als eigener Staat

bezeichnet, weil sich das Leben dort so stark

vom Leben im Rest Russlands unterscheidet.

Wer in Moskau lebt, kann mit einem viermal

größeren Gehalt rechnen als in einer anderen

russischen Stadt.

Moskau ist die wichtigste Universitätsstadt und

das Arbeitszentrum Russlands. Wer an einer

Universität in Moskau aufgenommen wird, reist

sogar Tausende Kilometer herbei um hier zu studieren.

Es ist erstaunlich, wie viele Menschen von

den umliegenden Städten jeden Tag in die Hauptstadt

fahren, um zu arbeiten oder zu studieren

und am Abend wieder nach Hause zurückkehren.

Sogar aus meiner Stadt fahren riesige Menschenmassen

täglich in unbequemen Zügen zweieinhalb

Stunden, um in der Hauptstadt zu arbeiten,

und kehren abends nach Hause zurück.

Alexandrov

Alexandrov, das ist die Stadt, in der ich lebe. Es

ist eine kleine und ruhige Stadt, zwei Stunden

von der Hauptstadt entfernt (Was für Russland

ein Katzensprung ist). Die Stadt ist im Sommer

und Winter schön und sauber. Im Frühling und

Herbst sieht es da etwas anders aus. Im 16. Jh.

war sie 15 Jahre lang die Hauptstadt Russlands

unter Ivan dem Schrecklichen, worauf die Alexandrover

sehr stolz sind. Auch soll die unbezahlbare

Bibliothek von Ivan dem Schrecklichen

irgendwo in Alexandrov begraben liegen. Viele

suchen danach. Mein Gastvater z.B. sucht alte

Gegenstände unter dem Erdboden mit Metalldetektoren,

und verdient sich so etwas zu seinem

Gehalt hinzu. Dazu fährt er aufs Land hinaus und

sucht den Boden nach wertvollen Münzen ab.

Hört sich komisch an, wird aber von vielen Russen

so gemacht, und manch einer ist dabei schon

reich geworden.

Die Russen

Russen sind ein eigenartiges Volk. Einerseits sind

sie extreme Nationalisten und verehren ihr

Land, andererseits wollen viele ihr Land verlassen

und ihr Glück im Ausland suchen, mit besonderer

Neigung zu Deutschland und England, wo

auch viele russische Oligarchen ihren Wohnsitz

haben. Der durchschnittliche Russe ist ein

sehr gastfreundlicher und herziger Mensch, der

aber auch sehr unangenehm werden kann, falls

er dich nicht mag. Sollte er dich nicht mögen,

macht er das auch einem gleich klar. Russen

sind komplizierte Menschen und anfangs war es


sehr schwer, russische Freunde zu finden. Als ich

russisch konnte, habe ich schnell Freunde gefunden,

da einfach Kommunikation auf einmal im

Spiel war und wir über das gleiche lachen und

scherzen konnten, auch wenn ich immer noch

nicht ganz den russischen Humor verstanden

habe. Wenn ich dann über einen russischen Witz

lache, sagen sie scherzhaft, ich sei „zum Russen

geworden“.

Das Vorurteil, dass Russen nie lachen, stimmt

ganz und gar nicht. Russen lachen sehr oft und

gerne. So wie Russland selbst voller Kontraste

ist, so sind es auch die Menschen. Russen sind

einerseits extrem aufs Geld und Geldmachen

fixiert. Geld scheint oft eines der wichtigsten

Güter im Leben eines jeden Russen zu sein

und wahrscheinlich sind sie auch deswegen so

bestechlich, aber andererseits wird das Geld

auch gleich wieder ausgegeben, also kann man

sie nicht als geizig bezeichnen, weil sie auch

gerne Geld für andere ausgeben.

Theoretisch ist Russland eine Demokratie. Aber

in der Realität sieht es ganz anders aus. Schon

als ich angekommen bin, hat man mir gesagt, man

hätte hier nur eine Schein-Demokratie. Anfangs

war sowas schwer zu verstehen, aber jetzt weiß

ich, was sie damit meinen. Der einfache Bürger

hat nämlich nur sehr wenig zu sagen. Wer Geld

hat, hat Macht, Macht die über dem Gesetz steht.

Hohe Politiker, aber auch reiche Geschäftsmänner

können so gut wie alles tun, was sie wollen.

Der Grund? Bestechung ist ein großes Problem

hier, wer das nötige Kleingeld hat, kann sich so

gut wie jeden öffentlichen Angestellten erkaufen.

Bei größeren Straftaten braucht man die richtigen

Kontakte, um dem Gesetz zu entkommen.

David mit einigen seiner Schulkollegen

Die Russen könnten noch mehr erreichen, wenn

da nicht dieses eine Laster wäre, nämlich sich

wie Schafe zu verhalten: Sie stellen Regeln nicht

in Frage, egal wie unsinnig sie auch sein mögen.

Bei Spielen etwa: Es wird einfach so gespielt, wie

immer gespielt wurde. Im Schwimmbad muss

man Bezüge für die Schuhe anziehen, obwohl

man mit ihnen nur zwei Schritte machen muss,

um in die Umkleidekabine zu kommen. Wir Austauschschüler

sehen da keinen Sinn darin. Die

Russen aber, hinterfragen diese Regel gar nicht,

sondern nehmen sie so an, wie sie ist. Wenn

man Russen sieht, kann man gleich den Eindruck

bekommen, sie seien grobe Menschen und würden

kaum Gefühle zeigen. Lernt man sie aber

kennen, werden sie zu den liebevollsten Menschen.

Russen sind ehrlich und zeigen dir gleich

von Anfang an ihr wahres Gesicht. Ein russischer

Freund ist wirklich ein Freund, auf den man sich

verlassen kann.

Namen

Hat man den Namen einer Russin vergessen,

kann man ihn mit Leichtigkeit erraten, was aber

mit einer schlimmen Ohrfeige enden kann.

Für Mädchen gilt: Entweder sie heißen Mascha,

Dascha, Sasha, Katja, Lena oder Tanja. Natürlich

gibt es auch andere Namen, aber die oben

genannten kommen mit enormer Häufigkeit vor.

Bei Männern gibt es eine größere Vielfalt: Dima

(einen in jeder Familie!), Kirill, Vlad, Sasha und

Alexey sind die häufigsten. Das macht es wirklich

schwer, sich die Namen zu merken, weil alle

gleich heißen. Deswegen hat auch jeder seinen

Namen, den Namen des Vaters , das „Patronym“,

und den Nachnamen. Lehrer und ältere

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Menschen werden mit Vornamen und Patronym

angesprochen.

Die Sprache

Russisch ist als flektierende Sprache voller komplexer

Formen. Die russische Grammatik ist

unglaublich umfangreich und kann fast kaum

vollständig erlernt werden, sogar Russen beherrschen

sie nicht perfekt.

Es gibt sechs Fälle im Russischen, wie in Griechisch

und Latein. Auch das russische Alphabet

ist dem Griechischen ähnlich. Ich kann jetzt

schon sagen, dass ich Russisch kann. Natürlich

passiert es manchmal, dass ich nicht weiß, wie

man Wörter übersetzt, aber dann versuche ich

meistens es durch eine Formulierung auszudrücken.

Das größte Problem im Russischen hat

mir eigentlich nicht die Grammatik bereitet, da

ich gewohnt bin, Griechisch- und Latein-Grammatik

zu lernen , sondern der riesengroße Wortschatz

des Russischen. Es gibt eine Unmenge an

Synonymen. Es hilft aber, dass nicht alle Wörter

unseren Sprachen vollkommen fremd sind, sondern

lateinische Wurzeln aufweisen.

Ein anderes großes Problem stellen die Laute

dar, die es weder im Deutschen noch im Italienischen

gibt. Das sind z.B. die Laute, die wie

eine Mischung zwischen ü und ö klingen; und

bestimmte Buchstaben, die meistens am Wortende

stehen und das Wort „weicher“ oder

„härter“ machen. Für ein ungeschultes Ohr ist

der Unterschied kaum vernehmbar, aber für die

Russen macht es einen so großen Unterschied

aus, dass sie manchmal das falsch betonte Wort

nicht verstehen. Das bereitet mir immer noch

Ein orthodoxer Priester segnet das Osterbrot.

große Schwierigkeiten, auch wenn ich mittlerweile

den Unterschied höre.

Religion

Die vorherrschende Religion in Russland ist das

Russisch-orthodoxe Christentum. Viele Russen

sind sehr religiös. Vielleicht hat das damit zu tun,

dass in der Sowjetunion Religion verboten war

und Leute heimlich ihre Religion ausübten.Es war

sehr interessant, ein Jahr an Traditionen einer

anderen Konfession teilzunehmen, denn obwohl

wir alle der gleichen Religion angehören, unterscheidet

sich die Katholische Kirche stark von

der Russisch-Orthodoxen Kirche. Anstelle von

Kreuzen haben die russischen Gläubigen Ikonen.

Je mehr Ikonen desto besser. Auch die Kirchen

sind relativ klein im Verhältnis zu den europäischen,

dafür sind sie voll von Ikonen, Leuchtern

und Kerzen und Gold! Alles ist goldumrahmt

oder vergoldet. Wenn man in eine orthodoxe

Kirche hineingeht, hat man das Gefühl, als würde

man von dem ganzen Gold angenehm erdrückt

werden. Bei jeder Messe kann gebeichtet

werden. Dazu geht der zu Beichtende vor zum

Priester und dieser legt einem ein Tuch auf den

Kopf und man beichtet ihm wie bei den Katholiken.

Das größte Fest des Jahres ist Ostern, wo

man auch speziellen Kuchen macht und diesen

segnen lässt.

Das Kreuzzeichen wird gemacht, indem man

Daumen, Zeige- und Mittelfinger zusammenlegt

und Kopf, Brust, rechte Schulter und linke Schulter

berührt.

David Caesar Comploj (8. Klasse)


"Meine wichtigste Aufgabe? Zuhören."

Kinder- und Jugendanwalt Simon Tschager

Auf Initiative von Prof. Elfriede Eder, die am Gymnasium

Wirtschafts- und Rechtskunde unterrichtet,

besuchte Kinder- und Jugendanwalt Simon

Tschager im vergangenen Jahr die Schüler, um

ihnen von seiner Aufgabe zu berichten. Simon

Tschager hat selbst das Franziskanergymnasium

besucht.

Fränzi Forum: Worin bestehen Ihre Aufgaben als

Kinder- und Jugendanwalt?

S. Tschager: Ich berate Kinder und Jugendliche

kostenlos in rechtlichen Fragen und vermittle bei

Konflikten zwischen Eltern und Kindern oder bei

Schwierigkeiten zwischen Eltern und Kindern

mit der öffentlichen Verwaltung. Ich begutachte

Gesetzentwürfe, Verwaltungsmaßnahmen und

kann Maßnahmen im Kinder- und Jugendbereich

vorschlagen. Meine wichtigste Aufgabe aber ist

das Zuhören. Neben Eltern und Kindern wenden

sich z.B. auch Lehrer, Vereine, Schulen, oder Kindergärten

an mich; hin und wieder bekomme ich

auch anonyme Hinweise. So vermittelte ich z.B.

bei Mobbingfällen in Schulen. In den ersten fünf

Monaten meiner Amtszeit habe ich 194 Akten

angelegt.

Fränzi Forum: Stoßen Sie auch auf Widerstand?

S. Tschager: Es gibt einen wirklichen Ansturm

von Anfragen. Durch diesen Vertrauensbeweis

fühle ich mich sehr geehrt. Insgesamt wird meine

Arbeit sehr gut aufgenommen. Wenn ich allerdings

manchmal Erwachsenen von meiner Arbeit

erzähle, finden sie sie super, wenn sie aber dann

selbst von einer Beschwerde betroffen sind,

sagen sie oft, es brauche mich nicht.

Es macht mich sehr nachdenklich, dass die

Erwachsenen oft nur die Schwächen der anderen

sehen.

Ich bin regelmäßig in Schulen unterwegs, damit

die Jugendlichen mir zeigen, wo die Schwächen

von uns Erwachsenen liegen. Ein Beispiel: Eine

Behörde gibt einem Jugendlichen ein Dokument

nicht. Die Mutter und der Jugendliche beschweren

sich bei mir. Der zuständige Beamte meint,

die Behörde habe recht und ich solle lieber dort

hingehen, wo es mich wirklich braucht. Ich frage

ihn nach den rechtlichen Grundlagen seines

Handelns und sage ihm, dass die Mutter und der

Jugendliche meiner Einschätzung nach im Recht

sind. Da der Beamte nicht nachgibt, informiere

ich seinen Vorgesetzten. Daraufhin erhalten

Mutter und Sohn das Dokument. In den meisten

Fällen wird meine Arbeit ernst genommen.

Denn meine Arbeit ist vom Gesetz vorgesehen

und somit auch geschützt. Bei einem klar ersichtlichen

Unrecht und wenn die Behörde nichts

dagegen tut, kann ich auch ungemütlich werden,

aber das passiert höchstselten.

Fränzi Forum: Gibt es auch Fälle, in denen Sie

nicht mehr weiterhelfen können?

S. Tschager: Die meisten Beschwerden sind

begründet. In vielen Situationen konnte ich

einen positiven Beitrag leisten. Manchmal fühle

ich mich aber hilflos. Damit ich die Belastungen

aushalte, habe ich mir und meiner Mitarbeiterin

regelmäßige Supervisionen verordnet. Damit tue

ich genau das, was ich selber den Jugendlichen

und Erwachsenen auch rate: ihre Probleme auszusprechen.

Wenn nämlich Jugendliche zu mir

kommen mit Fragen, dann berate ich sie rechtlich

und rate ihnen in bestimmten Situationen,

zusätzlich bei der Beratungsstelle Young & Direct

anzurufen, den Eltern rate ich, sich ans Elterntelefon

zu wenden.

Interview: Valentine Pichler (7. Klasse)

Simon Tschager berichtete den Schülern des

Gymnasiums von seiner Arbeit als Kinder- und

Jugendanwalt

EX-FRäNzi

Fränzi - Forum 7


THAiLAND-PRoJEKT

Fränzi - Forum 8

Helfen über die Grenzen

Acht Schüler als freiwillige Sozialhelfer in Thailand

Feuchte Tropenluft schlägt uns entgegen, als wir

aus dem mit Sitzbänken ausgestatteten Laderaum

des Pick-Ups hüpfen. Sogleich kommen

uns Joli, Eh Mwe, Pha Chay und all die anderen

entgegen und grüßen uns herzlich - mit dem

aufrichtigen Lächeln, das stets zu ihnen gehört.

Dabei haben sie doch so viel weniger zu lachen

als wir. Denn sie kommen aus Burma, einem

Land mit einer Militärdiktatur, welche die eigenen

Bewohner jeder Freiheit beraubt oder gar

brutal verfolgt.

Vom 27. Februar bis zum 13. März dieses Jahres

waren wir, acht Oberschüler unserer Schule

- Karoline Buratti und Lena Foradori aus

der 2. Klasse Gymnasium, Matteo Carmignola,

Francesco Gianola, Valentin Harich und Moritz

Plattner aus der 1. Klasse Lyzeum, und Mara

Mantinger und Im Yu Ri aus der 1. Klasse Lyzeum

- mit Prof. Harald Niederseer und zwei Vätern

als Begleitpersonen in Mae Sot, Thailand, an der

Grenze zu Burma. Dort griffen wir der Hilfsorganisation

Helfen Ohne Grenzen (HOG) unter

die Arme, die sich um die Flüchtlinge, vor allem

um die jüngeren, aus Burma kümmert. Wir halfen

selbst ein wenig in den Schulen, in der Küche, in

der Nähwerkstatt mit, besuchten Flüchtlingsdörfer

und verbrachten viel Zeit mit den dortigen

Valentin Harich aus der 1. Klasse Lyzeum hilft

in der Gemeinschaftsküche mit

Mitarbeitern von Helfen Ohne Grenzen, mit

denen wir uns eng anfreundeten.

"Vor eineinhalb Jahren hatte ich erstmals die

Idee, mit einigen Schülern nach Mae Sot zu

fahren. Dass dies aber bis auf winzige Pannen so

gut zustande kommen würde, schon angefangen

von der sofort einstimmigen Genehmigung des

Schulrates, habe ich mir wirklich nicht gedacht",

freut sich Prof. Niederseer, der nun das dritte

Mal in Mae Sot war. Als Vorbereitung auf die

Fahrt nach Thailand arbeitete Prof. Niederseer

mit seinen Schülern an Plakaten und Spendensammlungen

rund um Burma und Helfen Ohne

Grenzen. Als er die Idee mit einer zweiwöchigen

Reise mit einer kleinen Schülergruppe verkündete,

meldeten sich gleich mehrere Interessierte

aus der Oberschule und schrieben ihre Bewerbungen,

in denen sie Gründe für ihr Interesse,

persönliche Interessen und Schulnoten angaben.

Daraufhin wurden acht von rund zwanzig Interessierten

ausgelost.

Was wir schlussendlich in Thailand taten, war

kaum vorausgeplant - und trotzdem keinesfalls

ordnungslos.

Jeder Tag kam mir vor wie mindestens drei Tage.

Am Ende des Tages fühlte ich mich unbeschreiblich

erfüllt, aber niemals zu erschöpft.

Morgens stand der Einkauf auf dem traditionellen

Markt auf dem Programm und dann

Auberginen-Schnipseln in der Gemeinschaftsküche,

welche täglich 4.300 Mahlzeiten für die

vielen Schulen von HOG kocht. Nachmittags

besichtigten wir Flüchtlingsdörfer, die Grenze zu

Burma mit der zur Zeit geschlossenen Freundschaftsbrücke

zwischen Burma und Thailand und

dem "Border market", besichtigten Tempel und

Wasserfälle, berichteten an den Schulen von Italien

und sprachen sogar mithilfe eines Dolmetschers

in Radiosendungen. Abends unternahmen

wir oft etwas mit den Leuten vom Helfen-Ohne-

Grenzen-Büro in Mae Sot. Unsere Freundschaft

zu ihnen, welche wir weiterhin noch pflegen,

bringt uns nicht nur sie persönlich näher, sondern

auch Mentalität und Charakter der Burmesen,

Thai und Karen, der am stärksten vertretenen

burmesischen Minderheit in Mae Sot.

Mit Eh Mwe, 22, Karen, sprachen wir sehr oft

über seine Vergangenheit, seine Wünsche, Ängste

und Zukunftspläne. Er war einst sogar Soldat,

doch über jenen Teil seiner Vergangenheit wollte

er nicht sprechen. Heute ist er eines der fünf

Hauptmitglieder von MYN (Mekong Youth Net)

in Mae Sot, eine Art Jungschar, welche mit HOG


Mara Mantinger und Yu Ri Im im Flüchtlingslager von Mae Sot

zusammenarbeitet und die Schüler in Händewaschen,

Englisch, Computerumgang usw. ausbildet.

In einem Flüchtlingsdorf lud uns eine Frau in

ihre Bambushütte ein. Wir hatten noch nie so

arme Leute gesehen! Das Dach über den Kopf,

das Essen, die Fortbewegung - nichts ist selbstverständlich,

sondern muss selbst handwerklich

oder mit großer Mühe angeschafft werden. Und

trotzdem kaufte diese Frau, Tin Moe, uns eine

Cola, für sie ein Tagelohn, obgleich wir das nicht

wollten, und schenkten uns ein paar Gläser ein.

Es war eine berührende Begegnung. Tin Moe ist

54. Vor mehreren Jahren ist sie mit ihrem Mann

aus Thailand geflohen, um bessere Arbeit zu finden.

Er arbeitet nun in Bangkok und schickt das

Geld zu den Kindern in Burma. Sie hat nicht

genug, um zu ihren Kindern zurückzukehren.

Die Schulen, welche HOG unterstützt, sind der

einzige Strahl Hoffnung für die burmesischen

Flüchtlingskinder. So erhalten sie die Chance,

später im Leben eine Arbeit zu finden. "Ich wünsche

mir, dass meine Schüler für die Freiheit

Burmas, ihrer Heimat, sind, für eine gewaltfreie

Zukunft", sagt der Direktor von einer der größten

HOG-Schulen, der BHSOH-School, zu uns.

THAiLAND-PRoJEKT

"Nur sehr wenige erhalten eine Chance, an eine

Uni zu kommen. Einer meiner hervorragenden

Schüler der letzten Jahre hat es nicht geschafft

und arbeitet nun als Kellner", erzählt ein Oberschullehrer

für Englisch aus Amerika. Die Lerninhalte

der Oberschulen sind ungefähr dieselben,

wie ich im Mathe- und Naturkundeunterricht

feststellte. Auch die Fächer decken sich ungefähr

mit unserem System.

In den zwei Wochen konnten wir natürlich keine

effektive Hilfe leisten, sondern eher nur hineinschnuppern.

Unsere Hauptaufgabe bestand darin,

das Erlebte und Gelernte über die Medien und

unser Umfeld weiterzugeben und die Leute

daran teilhaben zu lassen, zum Hinschauen und

Helfen aufzurufen und teils selbst noch aktiv

mitzuarbeiten. Manche von uns planen sogar

ein Gap Year in Mae Sot, das heißt, ein Jahr zwischen

Schule und Universität, in dem wir dort

persönlich mithelfen, erziehen, unterrichten und

laufende Projekte unterstützen. Bereits während

unseres Aufenthaltes in Thailand haben wir täglich

Beiträge und Photos auf Facebook veröffentlicht

und nach unserer Heimkehr in Radio und

Fernsehen über unser Projekt berichtet.

Was uns auf jeden Fall bleibt, ist der Dank und

all das, was wir von dort mitbekommen haben.

Was wir bekommen haben, ist weitaus größer

als das, was wir mit unserer Kraft und unserem

Beitrag selbst geleistet haben. Es ist das strahlende,

ehrliche Lächeln der Leute, das sie sogar

Unbekannten auf der Straße schenken. Es ist das

Lächeln der Dankbarkeit und Hoffnung.

Yu Ri Im (8. Klasse)

Fränzi - Forum 9


Max Valier wurde am

9. Februar 1895 in

Bozen geboren. Sein

Vater Edmund Valier

war „Konditor“ seine

Mutter Johanna Wachtler

war „Grundbesitzerin“.

Die Familie

war „katholisch und

deutsch“. Er starb am

17. Mai 1930 bei einem

Versuch mit flüssigem

Treibstoff. In Südtirol

erinnern heute die

Gewerbeoberschule

in Bozen und die

Sternwarte, die seinen

Namen tragen, an ihn.

Fränzi - Forum 10

Genie oder Durchschnittsschüler?

Aus dem Zeugnis des Franziskaner-Schülers Max Valier

Die Anfänge

Max Valier war Raketenpionier, Schriftsteller,

Astronom kurz gesagt ein Multitalent und genialer

Denker. Aber war er auch ein guter Schüler?

Für das Fränziforum habe ich in den Schulakten

gestöbert und einige interessante Fakten über

Max Valier herausgefunden.

Ab 1905 besuchte Max Valier das Franziskanergymnasium.

Er musste eine Aufnahmeprüfung

ablegen. Im ersten Semester kam er in die Vorzugsklasse.

Doch Fleiß und Betragen ließen zu

wünschen übrig. Im am 3. Jänner 1906 ausgehändigten

Zeugnis kann man erkennen, dass er auch

in den Fächern Mathematik („befriedigend“)

und Kalligraphie („genügend“) nicht überzeugen

konnte. Seine Stärken zeigte er in den Fächern

Religion („vorzüglich“), Deutsch („lobenswert“)

und Naturgeschichte („lobenswert“). Auch

im Wahlfach Freihandzeichnen schnitt er mit

„lobenswert“ ab. Eine interessante Entwicklung

Impressum: Fränzi - Forum

Eigentümer und Herausgeber: Wolfgang Malsiner,

Franziskanergymnasium Bozen

Eintragung beim Landesgericht Bozen: Nr. 2/2003

R.ST. am 20/3/2003

lässt sich im Fach Latein verfolgen. Zeigte er im

ersten Semester noch einige Schwächen (befriedigend),

so steigerte er sich im zweiten Semester

deutlich (lobenswert). Die äußere Form der

schriftlichen Arbeiten war weniger gefällig. Auch

aus der Fleiß- und der Betragensnote, lässt sich

schließen, dass Max Valier ein eher unordentlicher

Schüler war. Aber er war ein regelmäßiger

Schulbesucher. Im Schuljahr 1905/1906 war er

keine einzige Stunde abwesend. Auch zahlte er

das volle Schulgeld von 10 Kronen.

Die Matura

Nach acht Schuljahren er wurde immer versetzt

absolvierte er schließlich im Juli 1913

die Reifeprüfung. Bereits jetzt deuteten seine

Noten auf seine zukünftige Karriere hin. Sein

Paradefach: Physik. Dort schloss er das zweite

Semester mit „sehr gut“ ab. Auch in der Philosophischen

Propädeutik (Einführung in die Philosophie)

konnte er sich beweisen. Er wurde mit sehr

gut bewertet. „Nur“ gut war er in den anderen

Fächern; darunter Deutsch, Italienisch, Griechisch

und Mathematik. Zur Beruhigung aller

Fränzi-Schüler: Auch ein Max Valier erreichte in

Latein nur ein genügend.

Die schriftlichen Arbeiten der Reifeprüfung

bestanden aus den Fächern Deutsch, Latein und

Griechisch. In allen dreien wurde er mit genügend

bewertet. Die folgende mündliche Prüfung

legte er am Nachmittag des 3. Juli 1913 ab.

Inhalt der Deutschprüfung war Schiller. In Latein

wurde nach Tacitus gefragt. Für heutige Verhältnisse

leicht war die Mathematikprüfung. Gefragt

wurde das Aufstellen einer Gleichung und die

Zinsrechnung. Außerdem musste er eine Prüfung

in Vaterlandskunde ablegen. Max Valier bestand

seine Reifeprüfung. Obwohl er sie nur mit Stimmenmehrheit

erlangte, war es der Beginn einer

Karriere als Raumfahrtpionier.

Am Beispiel Max Valier kann man erkennen, dass

eine gute Schulbildung zwar sehr vorteilhaft und

nützlich ist, aber auch aus dem kleinsten Samen

ein großer Baum wachsen kann.

Fabian Rauch (6. Klasse)

Verantwortlicher Schriftleiter: Dr. Walther Werth

Redaktion: Paul Bertagnolli, Susanne Atzwanger,

Florian Felder, Hannah Lezuo, Valentine Pichler, Fabian

Rauch - Gestaltung: Thomas Tschager

Druck: Ferrari Auer Bozen


Sprachliche Vielfalt

Erfahrungen einiger Schüler

Wie in vielen Schulen des Landes gehören auch

am Franziskanergymnasium die Schüler verschiedenen

Sprachgruppen an. So sind in der 2. Klasse

Gymnasium neben der deutschen die italienische

und die ladinische Sprachgruppe vertreten, eine

Schülerin ist Pakistanerin. Für die meisten Schüler,

die nicht Deutsch als Muttersprache haben,

ist der Unterricht eine große Herausforderung.

Drei konkrete Beispiele.

Domenico Tomaselli aus Trient hat die Grund- und

Mittelschule in Trient besucht. „Mein Entscheidung

das Franziskanergymnasium zu besuchen,

war sehr spontan. Ich hatte bis zum letzten

Moment gezweifelt, aber schließlich habe ich diesen

Schritt gewagt. Ich wollte endlich Deutsch

lernen, was in Trient zu meiner Enttäuschung nur

bedingt möglich war. Ich hatte zwar Deutschunterricht,

aber das was ich heute kann, verdanke

ich großteils meiner Schwester, die auch

das Franziskanergymnasium besucht hat. Ich

habe noch vieles zu lernen, aber ich liebe den

Stress und bin dankbar, nach Bozen gekommen

zu sein.“ Heute hat sich Domenico in der Klassengemeinschaft

sehr gut eingelebt und obwohl

manche mit ihm Italienisch sprechen, antwortet

er auf Deutsch, so gut er es kann: „Die einzige

Möglichkeit, um die Sprache zu lernen“, wie er

sagt.

Amen Naeem spricht Urdu, weil ihre Eltern beide

aus Pakistan kommen. Sie selbst ist aber in Bozen

geboren, wo sie die Grund und Mittelschule

besucht hat. Als Kleinkind haben ihre Eltern mit

ihr meistens Urdu gesprochen, weil auch sie die

deutsche und italienische Sprache noch lernen

mussten. „Zuerst war ich im italienischen Kindergarten,

später bin ich in den Kofler-Kindergarten

gegangen. Mit meinem Vater lernte ich

Italienisch, Deutsch sprach ich nur im Kinder-

Amen, Domenico und Martha.

garten. Mit meiner Mutter spreche ich nur Urdu

und das will ich weiterhin tun, weil ich mich mit

dieser Sprache am besten identifizieren kann.

Es war nicht leicht für mich zu sehen, dass ich

etwas nicht konnte, was für alle anderen selbstverständlich

war. In der Grundschule hatte ich

während den Religionsstunden Nachhilfeunterricht

in Deutsch, dabei habe ich sehr viel gelernt.

Mit Sicherheit bereitet mir Deutsch die meisten

Schwierigkeiten. In den letzten Jahren hat es

sich in meiner Familie so eingebürgert, dass ich

mit meinen Geschwistern Deutsch spreche. Im

Laufe der Mittelschule ist mein Deutsch immer

besser geworden. Die Mitschüler sind mir hier

eine große Hilfe. Wenn ich sehe, mit welcher

Leichtigkeit einige kommunizieren, ist dies für

mich immer wieder ein Ansporn weiterzumachen,

auch wenn es nicht immer einfach ist.“

Martha C. Hennig aus Kurtatsch hat in ihrem

Heimatdorf die Grundschule besucht und ist in

Tramin zur Mittelschule gegangen. Ihr Vater, ein

Arzt aus Gelsenkirchen, und ihre Mutter, Ärztin

aus dem Trentino, haben mit ihr schon als Kind

mehrere Sprachen gesprochen. Auf die Frage,

wie es für sie war und immer noch ist, mit zwei

Sprachen aufzuwachsen, meint sie: „Ich war zwei

Jahre alt, als der Vater mit mir Deutsch und die

Mutter mit mir Italienisch gesprochen haben. Ich

habe es spielend erlernt und als ich es einigermaßen

beherrschte, habe ich bei Familienfesten

und anderen Anlässen für meine Großmütter aus

dem Trentino bzw. aus Deutschland übersetzt

und so meine Kenntnisse verbessert. Es ist ein

großer Vorteil, mit zwei Sprachen aufzuwachsen,

denn es ist als Kleinkind und im Alltag um

einiges leichter, eine Sprache zu lernen als es in

der Schule ist.

Florian Felder (5. Klasse)

ScHüLER

Fränzi - Forum 11


LEHRFAHRT

Fränzi - Forum 12

Natur und Kultur

Klassenfahrt einmal anders

25. April. Die Aufregung steigt. „Lehrfahrt der 2.

Gymnasium nach Umbrien“ steht im Kalender.

In die Koffer packen wir neben der Zahnbürste

auch den Vortrag, den wir zu ausgewählten

Sehenswürdigkeiten halten müssen.

Statt Rom oder Neapel steht auf dem Navi des

Busfahrers „Lago Trasimeno“. Die Reise in die

Geschichte fordert gleich unsere Vorstellungskraft:

An das Schlachtfeld bei Tuoro, auf dem

Hannibal vor 2000 Jahren gekämpft haben soll,

erinnert nur eine kleine Tafel auf einer Wiese.

Am leuchtenden See entlang fahren wir in der

Abenddämmerung zum Hotel, das zu unserer

Freude direkt am See liegt. Die „ganz harten

Jungs“ springen in den erfrischend kühlen See.

Der zweite Tag gehörte Pater Roland. In Assisi

steigt der Puls bei allen Schülern. Auch wenn die

Franziskanerkirche in Bozen schon recht groß

ist, ist sie gegen die imposant auf einem Hügel

gelegene Basilica San Francesco nur ein kleines

Modell. Im Inneren sind die Wände mit unzähligen

Fresken ausgeschmückt. Im unteren Stock

befindet sich das Grab des Heiligen Franziskus.

Beeindruckend fand ich auch das Kirchlein von

San Damiano. Man erreicht es über einen von

Olivenbäumen gesäumten Weg. An diesem idyllischen

Ort spürte ich nur mehr das Positive

in der Welt. Nach einem Besuch in Perugia -

bekannt für seine historischen Mauern, seine

Pralinen und die Mini-Metró - wurde der Tag

mit Champions League und Spaziergängen rund

um den See abgerundet. Am Donnerstagmorgen

starteten einige frühmuntere Schüler zur Morgenmesse

mit Pater Roland. Mit dem Bus fuhren

wir unter einer dichten Wolkendecke die alten

Landstraßen entlang, bis wir endlich die antiken

Mauern des etruskischen Städtchens Gubbio

erblickten. Hier gab es eine szenische Darbietung

des „Miles Gloriosus“ durch einige unserer

Mitschüler im römischen Theater am Stadtrand.

Im Museo Communale besichtigten wir die

etruskischen Tabulae inguvinae und genossen

nach gefühlten tausend Stufen die wunderbare

Aussicht.

In Cittá di Castello besichtigten wir die großen,

abstrakten Gemälde von Alberto Burri und

konnten uns nicht einigen, ob sie uns gefielen.

Wir spazierten durch die schmalen, eleganten

Gassen über den Kirchplatz, auf dem die letzten

Sonnenstrahlen durch die Häuserreihen schienen.

Mit Tivoli, der Villa Adriana und Ostia Antica

schlossen wir unsere Besichtigungen ab. Am letzten

Tag badeten wir in den warmen vulkanischen

Quellen der Bagni di San Filippo. Die natürliche

Wärme des Wassers und der leicht schwefelige

Geruch verbreiteten ein Gefühl des Wohlbefindens

und der inneren Ruhe. Während der Heimfahrt

spürte man, wie müde wir waren. Die

Abweichung von der üblichen Lehrfahrt hatte

sich ausgezahlt. Wir haben viel mitgenommen:

Kultur und Natur zugleich.

Fabian Rauch (6. Klasse)

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