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Natürliche Heilmittel, ihre Potentiale, ihr Einsatz ... - Gesundheit Online

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Von gravierender

Von gravierender Bedeutung für die Entwicklung des Ortes war 1886 der Bau einer Eisenbahnlinie von Neustrelitz mitten durch Mecklenburg-Schwerin nach Warnemünde. Der Komfort des Strandaufenthaltes gewann neue Dimensionen, als 1882 der Strand erstmals mit Sitzkörben bestückt wurde, die zum einen vor Sonne und Wind schützten, die es zum anderen erlaubten, mehr Kleidungsstücke abzulegen. Wie beliebt diese Strandkörbe waren, bewies ihre starke Verbreitung. So ist den Akten der Badeverwaltung zu entnehmen, dass es 1918 bereits 1.056 Exemplare gab. 1904 wurden das Familienbad angelegt, die Seepromenade verlängert und die Parkanlagen weiter ausgedehnt. 1914 begann man mit dem Bau des Kurhauses, das aber wegen des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges erst seit 1928 fertiggestellt werden konnte. Es wurden zu dieser Zeit Sonnen- und Sandbäder, elektrische und Vierzellenbäder, sowie in Privat-Warmbadeanstalten römisch-irische und russische Bäder und Massagen angeboten. Die Badekapelle musizierte täglich vormittags von elf bis dreizehn Uhr in den Parkanlagen und nachmittags im Konzertgarten und in verschiedenen Hotels. 1911 konnte man auf 23.358 Gäste verweisen. Wie sehr der Großherzog Friedrich Franz IV. den Wert einer Kur am Meer schätzte, beweist ein Schriftstück aus dem Jahre 1911, in dem er Vertreter zehn europäischer Länder zu einem Internationalen Kongress für Thalassotherapie nach Kolberg einlud. In dem Schreiben heißt es u.a.: ... In Deutschland war es zuerst mein erhabener Vorfahr, der Großherzog Friedrich Franz I. von Mecklenburg- Schwerin, der den Wert der Kur am Gestade des Meeres tatsächlich dadurch erkannte, dass er das erste deutsche Seebad, Heiligendamm, aus seinen Schatullmitteln begründete. Von dem Großherzog Friedrich Franz I. wurden in den nächsten drei Jahrzehnten noch drei weitere Seebäder begründet und zwar zwei, nämlich Warnemünde und Altgarz, im Jahre 1820 und Boltenhagen im Jahre 1830. Auch später haben meine Vorfahren die See- und Meeresheilkunde tatkräftig gefördert ... Ich erkenne es mit Genugtuung an, dass die deutschen und österreichischen Interessenten der Wissenschaft und Praxis sich in den vor zwei Jahrzehnten (um 1890) gegründeten Zentralstelle für Balneologie zusammengefunden haben, um die gesamte Bäderkunde durch erste Forschung auszustatten... 4 Das exzellente Kurortmilieu, das in der Folgezeit ständig erweitert wurde, begründete das Format und den Ruf Warnemündes als führendes Seebad Mecklenburgs. Man hatte erkannt, dass Investitionen in Warnemünde letztlich auch Investitionen für Rostock sind. Die Kurzeit begann am 15. Mai und endete am 30. September. Besonders wurde auf den lukrativen Wert der Frühjahrs- und Herbstkuren und insbesondere auf die vorzügliche Heilwirkung der Winterkuren hingewiesen. Die therapeutische Effizienz bei der Nutzung der ortsgebundenen Heilmittel, Meereswasser und Klimafaktoren der Ostsee, wurde ab 1930 durch die Heilklimatische Forschungsanstalt Warnemünde von Professor Curschmann und seinen Mitarbeitern vor allem bei Herzkreislauferkrankungen und Arteriosklerose wissenschaftlich begründet, indem sie u.a. dosierte kalte Seebäder zur Blutdrucksenkung verordneten. Herzpatie nten, denen kalte Seebäder nicht gestattet werden konnten, empfahl Curschmann Waldspaziergänge, als eine Art Terrainkur, so wie sie gegenwärtig mit der Klimatischen Bewegungstherapie auch wieder in Warnemünde durch den Kurbetrieb praktiziert wird. Im Januar 2002 fand im Hotel „Neptun“ der erste Europäische Kongress für Thalassotherapie statt. 120 Thalasso-Experten aus Deutschland, Frankreich, Tunesien, der Türkei, Spanien, Island, Estland, Holland, Großbritannien, Finnland und Polen tauschten Erfahrungen aus. Ziel des Kongresses war die Verabschiedung internationaler Qualitätskriterien für Thalasso-Zentren., die wie folgt lauten: 1. Das Zentrum muss direkt am Meer, im direkten Einfluss des Meeresklimas liegen. 2. Für die Behandlungen muss frisch geschöpftes Meereswasser verwendet werden. Das Meerwasser darf nicht behandelt werden, so dass die Inhaltsstoffe erhalten bleiben. 3. Jedes Zentrum muss über mindestens ein Schwimmbecken und eine ausreichende Anzahl von Kabinen verfügen, dass jedem Kurgast täglich drei Einzelbehandlungen möglich sind. 4 Mecklenburgisches Landeshauptarchiv, Großherzogliches Kabinett III, 5.2.1. 12

4. Das Zentrum muss über einen oder mehrere Ärzte verfügen. Ein professionelles Team aus Masseuren, Hydrotherapeuten und Sportlehrern ist beschäftigt. 5. Permanente Hygienekontrolle, Sicherheit. 6. Es werden gesundheitsbildende Maßnahmen aus den Bereichen Entspannung, Ernährungsumstellung und körperliche Aktivität begleitend angeboten. Im Warnemünder Thalasso-Zentrum im Hotel Neptun wird gezeigt, dass zur Original-Thalasso- Therapie nicht nur Baden in kaltem und erwärmten Meerwasser und die Einwirkungen der Klimafaktoren des Meeres zu Heilzwecken gehören, sondern auch: 1. die Anwendung von Meerwasser-Sprudelbädern in einer Thalasso-Wanne (35° - 40° C warmes Meerwasser) unter Zusatz von mikropulverisierten Algen, ätherischen Ölen und mit . 132 Meereswasser- und Luftdüsen zur Unterwassermassage zur Straffung, Entschlackung und . Entspannung der Haut; 2. die Meerwasser-Druckstrahl-Massage: mit der Jet-Dusche wird ein fester Strahl erwärmtes Meerwasser an die Haut gespült und der Körper wird gleichzeitig massiert; 3. Ganzkörper-Algen-Packungen und kosmetische Gesichts- und Körperbehandlungen mit mikropulverisierten Algen; 4. Wassertreten und Güsse in unterschiedlich temperierten Becken; 5. Bewegungstherapie und Wassergymnastik im Meerwasserschwimmbad. Erklärtes Ziel des Kuramtes und Kurbetriebes war es immer, Warnemünde als Kurort mit einem unverkennbaren und charakteristischen therapeutischen Profil auch auf der Basis der Optimierung der Wirksamkeit seiner natürlichen ortsgebundenen Heilmittel zu profilieren. Derartige Überlegungen führten zu einer Kontaktaufnahme mit dem Institut für Medizinische Balneologie und Klimatologie der Universität München, das vor ca. zehn Jahren eine Klimakur entwickelte, die aus einer Kombination von Terrainkur und Thermoregulationstherapie besteht. Erstmalig in einem deutschen Seebad wird diese Klimakur seit 1998 in Warnemünde angeboten. Das Gesundheitswesen befindet sich heute in einer Umbruchphase. Schwerpunkte liegen stärker in der Gesundheitsvorsorge, der Prävention. Die Finanzierung dieser Vorsorge liegt dabei immer weniger bei den Krankenkassen als vielmehr bei den Privatzahlern, wobei für die Zukunft eine steigende Tendenz zu erwarten sein wird, denn der Gesundheitsmarkt ist ein Megamarkt und knüpft an den Zeitgeist und Trend des 21. Jahrhunderts an. 3.3. Badekarren – Strandhütten – Strandkörbe Das Familienbad Boltenhagen Der große Erfolg in Heiligendamm ließ an der Ostseeküste nach und nach weitere Badeorte entstehen. Die ersten Badegäste, einzelne begüterte Familien aus der Umgebung, kamen nach Boltenhagen, einem Dorf mit zehn kleinen Landstellen, die von Büdnern und Fischern bewirtschaftet wurden. Einen festen Fahrweg gab es nicht in Boltenhagen. Aber der sechs Kilometer lange Strand an der Bucht zwischen Travemünde und Wismar bot Raum genug für einen Badeort. 1825 stellte ein geschäftstüchtiger Boltenhäger den ersten öffentlichen Badekarren auf. Um geschützt und ungestört den Tag am Strand verbringen zu können, bauten findige Hauswirte Hütten, die so genannten Luftschnapper. In diesen, ursprünglich aus Stroh, später aus Lehmfachwerk mit Strohdach hergestellten Unterkünften, fand man Schutz vor Sonne, Regen und Wind, hier wurde gegessen und getrunken. 1862 besaß jede Pension und jedes Hotel z. T. mehrere solcher Hütten für seine Gäste. Fast alle Strandhütten wurden während der Sturmflut im November 1872 zerstört oder weggeschwemmt. Danach wurden sie durch den neuen und billigeren Strandkorb ersetzt. International hat sich der Strandkorb zum Markenzeichen für das deutsche Strandleben an Nord- und Ostseeküste entwickelt. Die erste Erwähnung eines Strandkorbes findet sich in dem Protokoll der Königlichen Finanzdirektion zu Hannover im Jahre 1873. Zur Saison 1883 empfahl der Rostocker Hof- Korbmacher Wilhelm Bartelmann im Allgemeinen Rostocker Anzeiger seine Strandstühle als Schutz gegen Sonne und Wind den Rostocker und Warnemünder Badegästen. Der Rostocker Strandkorb war ein von dickem, grauen Markisenstoff vollständig überzogener Einsitzer aus Weiden- und Rohrge- 13

Gesundheit pur – natürlich im Norden - Urlaub an Ostsee und Seen ...