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Natürliche Heilmittel, ihre Potentiale, ihr Einsatz ... - Gesundheit Online

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Die Badeeinrichtungen im

Die Badeeinrichtungen im Mittelalter waren meist einfache Wannen- oder Schwitzbäder, über die Klöster, Burgen und reichere Hofhaltungen verfügten. Das Wasser wurde oft aus einem in der Nähe fließenden Bach, Brunnen oder einer Quelle geholt. Arme Leute gossen sich nur mit warmem Wasser ab, während betuchte Bürger von dem Bader umsorgt wurden. Das Wasser wurde mit Badezusatz versehen und der Badende vom Bader massiert. Danach legte man sich auf die Schwitzbank. Dabei wurden heiße Steine mit Wasser begossen, so dass Dampf entstand. Nach dem Schwitzen begoss man sich mit kaltem Wasser. Das Wasserbad wurde selten von der ärmeren Bevölkerung genutzt. Zur Reinigung wendeten sie das Schwitzbad an. Samstags gingen die Handwerker in die Badestuben, um sich den Schmutz abzuwaschen. Dafür durften einige Handwerker am Badetag eine Stunde früher Feierabend machen. Bei den Zimmerleuten und Maurern wurden 1515 und 1523 Badstubengelage erwähnt. Ende des 16. Jahrhunderts stiegen die Holzpreise durch den Mangel an Brennmaterialien. Das führte zu einer Erhöhung der Badepreise und damit zur Verminderung der Badebesucher. Die Bader schränkten in der Folge die Badetage ein und verlegten sich aufs Schröpfen, das für sie gewinnträchtiger war. Das endgültige Ende für die Badehäuser kam mit der Syphilis. Man gab den Badehäusern die Schuld an der Verbreitung der Krankheit und warnte vor dem Besuch öffentlicher Häuser. Die privaten Badestuben bestanden aber weiter. Im 17. Jahrhundert gingen die oberen Stände nicht mehr in die öffentlichen Badehäuser, sondern badeten zu Hause. Auch die Handwerker gingen nicht mehr zum Bad. Nur das einfache Volk benutzte die noch vorhandenen Badehäuser. Mitte des 18. Jahrhunderts ging das Badebedürfnis zurück. Man wusch sich höchstens in der Frühe mit den Fingerspitzen die Augen, Parfüm ersetzte das Waschen. In den Badeorten setzte ein Wandel ein. Neben der Badekur wurde jetzt die Trinkkur Mode. Neue Belebung erfuhr das Baden erst im ausgehenden 18. und beginnenden 19. Jahrhundert mit der Errichtung der Seebäder und der ersten öffentlichen Badeanstalten. 7.1. Wellness - Von der Fitness-Industrie zum Gesundheitstourismus - Der Begriff ”Wellness” umfasst eine spezielle Auffassung von Gesundheit. Die Wurzeln von ”Wellness” finden sich laut Oxford English Dictionary bereits in einer Monographie aus dem Jahre 1654(”I...blessed God...for my daughter`s wealnesse.“) Erklärt wird der Begriff dort als ”Zustand des Wohlbefindens oder der guten Gesundheit”. Ausgehend von den Begriffsbestimmungen der vergangenen Jahre, fasst Eveline Lanz Kaufmann die Forschungen zum Thema Wellness wie folgt zusammen: Wellness ist ein Gesundheitszustand der Harmonie von Körper, Geist und Seele. Wesensbestimmende Elemente sind Selbstverantwortung, Fitness und Körperpflege, gesunde Ernährung, Entspannung, geistige Aktivität/Bildung sowie soziale Beziehungen und Umweltsensibilität. 6 Die wichtigsten Elemente von Wellness, auf die auch vor allem die touristischen Angebote ausgerichtet werden sind Fitness/Körperpflege, gesunde Ernährung, Entspannung und geistige Aktivität/Bildung. Umfragen und Analysen haben ergeben, dass zwei Drittel der Bevölkerung in den Industriestaaten bereit sind, mehr Geld für ihre Gesundheit auszugeben. Immer größer werden die mit psychischen Leiden und Unlust verbundenen Fehlbelastungen durch die heutigen Lebensumstände. Durch die gestiegene Lebenserwartung und die gleichzeitig gewachsene Kapitalisierung weiter Bevölkerungsschichten steht immer mehr Geld für die Nachfrage nach ganzheitlicher Gesundheit zur Verfügung. Experten glauben, dass sich anhaltendes Wachstum eines qualifizierten Wellnessmarktes, staatlich nicht reguliert, manifestieren wird. Wellness gehört im eigentlichen Sinn zu den Aufgaben des Gesundheitswesens. Es handelt sich um eine Gesundheitsstrategie, die sowohl von der Weltgesundheitsorganisation als auch vom Bundesgesundheitsministerium verfolgt wird. In anderen Ländern der Welt gehören Wellness-Programme zu anerkannten Bausteinen des Gesundheitswesens. In Deutschland war die Beteiligung der Wellness- Szene an diesem Wirtschaftssegment bisher höchstens marginal. 6 Lanz Kaufmann, Eveline: Wellness-Tourismus,...a.a.O., S.22. 20

Das hat sich jedoch in den letzten Jahren entscheidend verändert. Vor allem in Mecklenburg- Vorpommern wurden seit Mitte der 1990er Jahre gezielt Projekte des Gesundheitstourismus gefördert, denn Mecklenburg-Vorpommern ist für Wellness und insbesondere für Ökowellness prädestiniert. Hier befindet sich die größte ökologische Anbaufläche Deutschlands und die Wälder, Seen und Flüsse sind noch weitgehend ursprüngliche Naturlandschaften. Viele Unternehmen der gewerblichen Wirtschaft (speziell aus dem Gastgewerbe) haben große Summen in den Freizeit- und Wellnessbereich investiert und wurden hierbei durch Fördermittel unterstützt. So wird heute von einem Hotel, das als seriöses Wellness-Hotel gelten will , erwartet, dass es die Qualitätskriterien für Wellness-Hotels, die vom Deutschen Wellness Verband (DWV) formuliert wurden, erfüllt. Das Qualitätsniveau der Wellness-Hotels Deutschland wird laufend geprüft und ständig weiterentwickelt. Von den 41 qualitätsgeprüften deutschen Wellness-Hotels wurden sechs Wellness-Hotels aus Mecklenburg-Vorpommern mit dem Gütesiegel ausgezeichnet. Es wurden jedoch nicht nur Hotels auf Wellness umgestellt, sondern zeitgleich entstanden Erlebnisbäder und Thermen, so 1996 das erste Erlebnisbad Mecklenburg-Vorpommerns in Heringsdorf, die ganz bewusst nicht nur auf Erlebnis und Spaß, sondern auch auf ein ganzheitliches Angebot von Erlebnis, Freizeit, Sport, Gesundheit und Wellness setzen. Durch die intensive Unterstützung seitens der Landesregierung konnten so in den letzten sieben Jahren eine Reihe von Freizeit- und Erlebnisbädern entstehen. Die Begriffsbestimmungen des Deutschen Heilbäderverbandes bilden die Grundlagen für gesicherte Qualität und stehen hinter den Angeboten für Wellness im Kurort. Dabei stehen Medizin und Therapie, Natur und Kultur, Bewegung und Entspannung sowie Kommunikation und Erleben gleichwertig nebeneinander. Sie bilden die Basis des ganzheitlichen Prinzips und knüpfen an die Geschichte der Bäderkultur in unserem Bundesland an, die schon immer das individuelle Wohlbefinden des Gastes in den Mittelpunkt aller Bemühungen im Kurort gestellt hat. Fest jedoch steht, dass aus dem Projekt, Menschen vor allem im Kurzurlaub systematisch an Wellness heranzuführen, eine Branche entstanden ist, die durch Wachstum charakterisiert ist. 7.2. Der Stellenwert der Heilbäder und Kurorte in Medizin und Gesellschaft Die Anwendung der natürlichen Heilmittel und der entsprechenden Therapieangebote beruhen im Bereich der Medizin auf alten Erfahrungen über erfolgbringende Wirkungen bei zahlreichen Krankheiten. Diese in der langen Tradition der Heilbäder beobachteten Wirkungen lassen sich heute nach Fortschritten in der Grundlagenforschung der modernen Medizin einschließlich der Balneologie und Kurforschung weitgehend objektiv messen und auch wissenschaftlich und medizintheoretisch fundiert begründen. Die Kurbehandlung sowie auch der Kurort als ökologischer und gesellschaftlicher Raum zur Stabilisierung von für die Gesundheit notwendigen Gleichgewichten auf der körperlichen, seelischen und sozialen Ebene haben gerade in der Gegenwart wieder eine große Bedeutung im Gesundheitswesen gewonnen. In neuesten wissenschaftlichen Forschungen hat man erst jüngst wieder stärker erkannt, wie sehr der Mensch die natürlichen Reize von Licht, Luft, Kälte, Wärme, Ruhe, Bewegung und ein ausgewogenes Gesundheitsverhalten gerade in der technischen Zivilisation unserer Zeit braucht, um gesund zu bleiben bzw. wieder zu werden. Kuren sind als gesundheitsorientierte Medizin nicht nur individuell und gesellschaftspolitischgünstige Investitionen zur Erhaltung und Förderung der Arbeits- und Lebenskräfte, sondern sie erbringen auch unter gesundheitsökonomischer Betrachtung erhebliche Vorteile. Die Rahmenbedingungen für die verschiedenen Formen und Schwerpunkte der Kurbehandlung werden durch die Begriffsbestimmungen als Qualitätsstandard für die Strukturqualität des Angebotes der Heilbäder und Kurorte definiert und festgelegt nach: • der Art der Heilmittel bzw. des Therapiekonzepts (Kneipp), • den strukturellen Voraussetzungen für die verschiedenen Kurmethoden, • der Infrastruktur der Kureinrichtungen, • dem Kurortcharakter als einem gesundheitsdienlichen Milieu und • der Umweltsituation der ”ökologischen Nische” Kurort einschließlich des Klimas 21

Gesundheit pur – natürlich im Norden - Urlaub an Ostsee und Seen ...