Habakuk Ausgabe 1/2012 - Franziskanergymnasium Bozen

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Habakuk Ausgabe 1/2012 - Franziskanergymnasium Bozen

HABAKUK

Oberschulzeitung am Franziskanergymnasium

Das Böse ist nicht

Eine Reportage über das Gerichtsgefängnis Bozen und dessen Seelsorge

Das Böse? Es existiert nicht. Es ist ein bloßes Auflehnen

des Menschen gegen das einzig Gute. So

oder so ähnlich sprach der Kirchenlehrer und

Philosoph Augustinus (354 - 430). Der Franziskanerpater

Roland Faustin scheint mir davon –

und somit auch vom Guten im Menschen – überzeugt

zu sein.

Denn seit fast genau einem Jahr ist er Seelsorger

im Gerichtsgefängnis Bozen. Nachdem Peter

Brugger als solcher zurückgetreten war, wurde

dieses Amt 20 Patern in Südtirol angeboten.

Doch nur Pater Roland sah sich dazu in der Lage

und hatte auch die Zeit, dieser Arbeit jeden Donnerstag

nachzugehen.

In einem Interview über die Verhältnisse im

Gefängnis und seine seelsorgerische Tätigkeit

berichtet er, wie die anfängliche Unsicherheit

einem konkreten Ziel wich: Er erkannte das Bedürfnis

der Insassen, mit einem Menschen sprechen

zu können, und hörte ihnen zu. Unabhängig

von Kultur, Zugehörigkeit, Religion, Sprache

und – was wichtig ist – Vergehen half er den

Gefangenen bei der Bewältigung ihrer innersten

Probleme.

Strukturen und Daten

„Um einen Staat zu beurteilen, muss man seine

Gefängnisse von innen ansehen“ meinte Tolstoj.

Tun wir das einmal:

Mörder und Schwerverbrecher machen im Gefängnis

von Bozen einen verschwindend geringen

Anteil aus. 70% sind illegal eingewanderte

Immigranten. Die Hälfte der Vergehen sind dem

Drogenhandel, der Rest Diebstählen und ande-

ren Kleinverbrechen zuzuschreiben. Die durchschnittliche

Haftdauer beträgt einige wenige Jahre.

Zum Gebäude selbst

Über das in der Dante-Straße stehende, von

außen etwas heruntergekommen aussehende

Gebäude weiß kaum jemand Bescheid. Es wurde

1843 in K.u.K-Zeiten errichtet und hat zwei

Stockwerke. Es beinhaltet 33 Zellen zwischen 8

und 24 m² zu je 2-8 Gefangenen und 3 Isolationszellen.

In die meisten Zellen dringt viel Licht, es

gibt große Fenster. Ein Tisch und ein Fernseher

sind darin eingebaut

- das

war’s schon.

Mehr gibt es

hier nicht. Jede

Zelle hat aber

noch ein kleinesNebenzimmer,

das als Toilette

und Küche

gleichzeitig

dient. Wie das

funktionieren

soll, bleibt

uns ein Rätsel.

Doch man

versichert uns,

dass alles sehr

sauber, hygienisch

und für

die Gesundheit

der Gefangenen

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unproblematisch sei.

Stockbetten sollen ein anderes Problem lösen: Das

Gefängnis ist momentan nämlich überfüllt. Die Kapazität

von 67 vorgesehenen Häftlingen wird derart

überschritten, dass durchschnittlich 130-180 Männer

und (vereinzelt) Frauen darin Platz finden müssen.

Dies hat mit den Einwanderungswellen der letzten

Jahrzehnten zu tun; die 70% ausländischer Insassen

rühren daher.

Situation der Häftlinge

Rühren – das müssen die Gefangenen selbst. Denn

ihnen steht frei, selbst zu kochen. Das soll sie beschäftigen,

denn viel zu tun haben sie wahrlich nicht: Neben

dem täglichen Ausgang in den von Mauern hoch

umschlossenen Hof und dem Trainingsraum gibt es

keine körperlichen Beschäftigungsmöglichkeiten.

Diejenigen, denen es vergönnt ist, in der Kantine und

der Bibliothek zu arbeiten, sind wenige. Zwar werden

u.a. Gitarren-, Poesie-, Zeichen- und Computerkurse

angeboten, doch können diese bei weitem weder den

Tag füllen noch wirklich im späteren Leben in Freiheit

nützlich werden.

Da der zuvor genannte Hof im Gefängnis sehr klein

ist, werden zusätzlich jeden Tag circa 6 Stunden lang

die Zellen geöffnet. Da können die Häftlinge im Gang

herum spazieren, den Barbier, den Trainingsraum

oder die Bibliothek (die allerdings nur zwei Mal die

Woche eine Stunde lang offen ist) aufsuchen.

Die Seelsorge

Pater Rolands wöchentlicher Besuch ist fast schon zu

einem Highlight geworden. Meist wird er von einheimischen

Christen, die im Vergleich zu den 70%

Ausländern die klare Minderheit ausmachen, für ein

Gespräch aufgesucht. Durch die sog. „Domandina“

kann man nicht nur um eventuell nötige Kleinigkeiten,

sondern auch um Gespräche mit einem Psychologen

oder, eben, mit Pater Roland anfragen. Die Treffen

können aber auch spontan auf dem Treppenhaus

geplant und durchgeführt werden.

Es geht bei diesen Gesprächen dabei nicht immer nur

um den Glauben (wobei Pater Roland schon darauf

achtet, dass dieser nicht ganz vernachlässigt wird),

sondern meistens ist einfach nur jemand wichtig, der

ihnen zuhört, einen Weg weist, der sie tröstet und ihnen

ein bisschen Zuneigung schenkt.

Vom Vinzenzverein, von dem die Aktion ausgeht,

erhält der nebenberufliche Lehrer am Franziskanergymnasium

Roland einen gewissen Betrag. Damit

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kann er Bücher, Bleistifte oder andere Kleinigkeiten

für die Gefangenen besorgen. Er muss jedoch aufpassen,

nicht missbraucht zu werden und nur als Beschaffer

von Annehmlichkeiten (vor allem beim Kauf

von Zigaretten) gesehen zu werden.

Von 2 Vinzenz-Mitgliedern, deren Arbeit von der

Caritas gestiftet wird, bekommen die Insassen außerdem

alles, was sie sonst noch so zum Leben brauchen:

Schuhe, Kleidung, Zahnbürsten, etc.

Sinn und Wirkung der Seelsorgetätigkeit

Die Arbeit von Pater Roland wird dankend angenommen.

Er selbst sieht in den Häftlingen, die sich übrigens

in der jährlich herauskommenden Zeitung „Voci

del Silenzio“ über ihre Situation äußern können, Menschen,

die wie alle ‚anderen‘ auch Fehler begangen haben.

Er will ihnen die zweite Chance ermöglichen, die

ihnen so oft mit dem Zauberwort „Resozialisierung“

versprochen wird.

Denn für ihn steckt in jedem Sünder ein guter Kern,

den es in seiner geistigen Beschaffenheit zu reinigen

gilt. Pater Roland spricht deshalb mit ihnen über ihre

Gefühle und Beweggründe: Soziale Vereinsamung,

Haltlosigkeit in der Familie, generelle Missstände und

das Fehlen (oder der Verlust) von emotionalen Bindungen

sind die häufigsten Gründe, ein Verbrechen

zu begehen.

Die Verbrecher sollen durch einige Jahre der Freiheitsberaubung

und geistigen Leere von weiteren

Vergehen abgehalten werden. Doch dabei wird der

menschliche Aspekt der Reinigung oftmals übergangen.

Die Seelsorge soll den Menschen dabei helfen,

um- und weiterzudenken.

Mit einem Zitat von Mahatma Ghandi könnte man

schließlich die Lehre zusammenfassen, die wir aus

der Seelsorge im Gefängnis ziehen können: „Hasse

die Sünde und nicht den Sünder.“

Martina Gianola & Louis Schropp


GNARRRRRR!

Wenn ein Künstler Politik macht.

Sehen Sie sich diesen Herrn an. Viele von Ihnen

werden ihn nicht kennen. Wahrscheinlich kennt er

sich seit eineinhalb Jahr sogar selbst nicht mehr.

Denn bei den Wahlen im Juni des letzten Jahres

ist der isländische Komiker und Schauspieler Jón

Gnarr zum Bürgermeister der Hauptstadt Reykjavík

gewählt worden. Seine „Beste Partei“ („Besti

flokkurinn“) erlangte ohne irgendein konkretes

politisches Programm 34,7 % der Wählerstimmen

und damit 6 der 15 Sitze im Kommunalparlament.

Ich möchte unterstreichen: 34,7 %!

Solche sog. „Spaßparteien“, die oft nur aus Protest

oder als Parodie der Realpolitik von irgendeinem

Künstlerkollektiv ins Leben gerufen werden, gibt

es schon seit 1904: In diesem Jahr entstand unter

der Führung des Schriftstellers Jaroslav Hašek die

„Partei für gemäßigten Fortschritt in den Schranken

der Gesetze“. Doch meistens erreichen sie keine

große Wählerschaft, werden (wie Hašek) unterdrückt

oder lösen sich selbst nach einigen Jahren

der Aufmerksamkeit auf.

Im Falle von Jón Gunnar Kristinsson, wie Jón

Gnarr eigentlich heißt, geschah aber das Unmögliche:

Seine Partei erreichte die Führung in einer

Koalition mit den Sozialdemokraten Islands. Nicht

nur für die isländische Ministerpräsidentin Jóhan-

na Sigurdardóttir dürfte diese Bürgermeisterwahl

ein „Schock“ gewesen

sein – wohl auch für den

Gewählten selbst.

Dieser Überraschungssieg

konnte überhaupt

erst eintreten, weil die

Bevölkerung Islands mit

ihrer damaligen Regierung

unzufrieden war.

Die Börsencrashs von

2008 gingen nämlich alles

andere als spurlos an

Island vorbei: Die Löhne

sanken, die sozialen Leistungen

wurden gekürzt

etc. Die Regierung aber

blieb untätig. Und in dieses europaweit bekannte

Szenario tritt der seit den 90er- Jahren bekannte

und beliebte Isländer Gnarr. Er beklagt die schlechte

wirtschaftliche Lage, schart Künstlerfreunde und

Querdenker um sich und tritt bei Festivals auf.

Einige wahnwitzige Wahlversprechen dürften das

Restliche zum Kult beigetragen haben: Gratishandtücher

in allen Schwimmbädern, ein Eisbär im

Reykjavík-Zoo, offene statt geheime Korruption,

ein drogenfreies Parlament bis 2020, etc.

Wirklich zu regieren ist dann aber trotz aller guten

Witze ein schwereres Unterfangen, als er sich wohl

gedacht hat. Zu seiner reellen Hauptaufgabe ist die

Verwandlung der isländischen Hauptstadt geworden:

Sie soll zu einem beispielhaften Symbol des

Friedens und der Kunst werden.

„Es geht mir nicht um die großen Showeffekte, sondern

um die langsame Entwicklung.“

Viel verändert hat Gnarr aber in eineinhalb Jahren

Regierungszeit noch nicht. Dem selbsterklärten

Anarchisten und seiner Partei fehlt nämlich die

nötige politische Erfahrung, um größere Reformen

durch den Stadtrat oder durchs Parlament zu bringen.

Dazu kommt, dass er aufgrund seiner unge-

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wöhnlichen Art oft auch verstörend auf traditionelle

Politiker wirkt. Beispiel dafür ist sein Auftritt als Drag

Queen auf einem Gay-Pride-Marsch. Eindeutig positiv

zu bewerten ist sein Einsatz für die Freilassung Liu

Xiaobos. Bevor dieser den Friedensnobelpreis erhalten

hatte. Über sein Credo, Anarchist zu sein, sagt er:

„Anarchismus ist für mich eine utopische Vorstellung:

erstens die totale Eliminierung von Gewalt und Krieg

und Armeen. Zweitens direkte Demokratie. Und drittens

eine libertäre, sozialistische Gesellschaft.“

Klingt nicht mal so anarchistisch, wie man es sich auf

den ersten Blick vorstellt.

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Sein 2009 veröffentlichter Film „Gnarr“, der – wie könnte es anders sein – von Gnarr selbst

und seinem politischen Leben erzählt, zeigt den chaotischen Aufstieg und Alltag der „Besten

Partei“. Zwischen Terminen, Witzen, Debatten, Austellungen und Auftritten ist dieser Film

ein lustiger Einblick in die isländische Politik.


Sokrates wird langsam zu alt - Schrecklich!

Eine kritische Durchsicht des Buches „Not for profit“ von Martha C. Nussbaum

Natürlich darf man sich in der Schule fragen, wozu

die tägliche Anstrengung gut ist; warum man jeden

Tag frühmorgens aufsteht und so viele Dinge

studiert, die - ehrlich gesagt - nur wenige so brauchen

werden. Nach einer erschöpfenden Antwort

wird man im Buch „Not for profit: Why Democracy

needs the Humanities” vergeblich suchen. Die

amerikanische Philosophin Martha C. Nussbaum

will in erster Linie nicht Schüler

zum Lernen motivieren,

sondern eher Menschen, die

im Bildungswesen tätig sind,

aber auch Eltern und Politiker,

darauf aufmerksam machen,

dass eine humanistische Kultur

in der Welt notwendig ist.

In ihrem wissenschaftlichen

Traktat zur Verteidigung der humanistischen Wissenschaften

(womit sie nicht nur die Klassischen

Wissenschaften, sondern auch das Studieren der

Kunst und des Schauspiels meint) beginnen ihre

Reflexionen recht allgemein. Sie vergleicht die Bildungskrise

mit einem Krebs, der im Stillen wirkt.

Dieser wird, wenn es so weiter geht, bewirken, dass

in Zukunft aus Menschen Maschinen entstehen

werden und nicht bewusste Bürger. Deshalb ist es

für eine „menschliche Demokratie“ wichtig, dass

die Bürger eine Bildung genießen dürfen, durch

die sie sich Kompetenzen aneignen können, welche

für die Demokratie und folglich das Zusammenleben

unentbehrlich sind. Diese Dinge sind

in den humanistischen Wissenschaften zu finden:

das kritische Denken, die Fähigkeit zu transzendieren,

also kreativ zu denken, und die Empathie,

das heißt, sich in den anderen hineinzufühlen.

Nussbaum klagt, dass wir vom Gedanken des Profits

verhext sind und bringt verschiedene Beispiele aus

den USA und Indien in denen Gelder für die Humanistische

Bildung gekürzt wurden, um sie den „wissenschaftlicheren“

Bereichen zukommen zu lassen.

Im zweiten Kapitel des Buches macht sie darauf

aufmerksam, wie Theorie und Wirklichkeit nicht

übereinstimmen: In der Verfassung der USA, aber

auch Indiens, werden demokratische Ideale verkündet,

die dann praktisch nicht umgesetzt werden.

Es ist nicht wahr, behauptet die Philosophin, dass

Reichtum der Weg zu sozialer Gleichheit ist, sondern

vielmehr Bildung. Deshalb braucht es bewusste

und verantwortliche Bürger, die in einer immer

größer und komplizierter werdenden Welt die nötigen

Instrumente besitzen, um sich zurechtzufinden.

Im dritten Kapitel versucht Nussbaum zu beweisen,

wie die menschliche Zerbrechlichkeit und Unvollkommenheit

auch in der Demokratie wieder zu finden

sind. Es ist naiv zu glauben, dass der Mensch nur

positive moralische Empfindungen in sich birgt. Er

ist nämlich oft egoistisch und gewalttätig und sein

Bewusstsein, ein unvollkommenes, tierisches Wesen

zu sein und die z.B. damit aufkommende Angst vor

dem Tod können

zu einem gesellschaftlichenKonflikt

werden. Das

Problem ist selbstverständlich

nicht

ganz zu lösen;

Nussbaum berichtet,

dass schon das

Kind diese Merkmale

aufweist

(„Seine Majestät,

das Kind“, wie

Freud sagte, das

die Eltern „versklavt“)

und folglich erzogen werden kann und muss.

Die Erziehung erfolgt hauptsächlich in der Familie,

aber auch die Schule kann maßgeblich dazu beitragen,

die Persönlichkeit des Kindes zu beeinflussen.

Im vierten Kapitel geht die Autorin auf den Philosophen

Sokrates ein, den sie dafür sehr schätzt,

dass er das kritische Denken verkündet hat. Damit

meint sie insbesondere die kritische Überprüfung

aller Aussagen, die getroffen werden. Ein wichtiger

Punkt ist dabei auch das Sich-selbst-Erkennen. Es

wird das Beispiel gebracht, dass es bei Projekten, sei

es in der Weltraumfahrt oder aber in der Energieherstellung,

oft zum Scheitern komme, da es den

Angestellten an kritischem sokratischem Denken

fehle. Im restlichen Kapitel beschreibt sie Modelle

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moderner Pädagogik. Als Beispiele hierfür zitiert sie

den Schweizer Pädagogen Pestalozzi aber auch den

amerikanischen Philosophen John Dewey, der sich

besonders gegen einen „passiven“ Frontalunterricht

einsetzte und für eine Kombination mit dem Praktischen

war. Die Ethik-Professorin ist sich natürlich

bewusst, dass ein solches System viel kosten würde.

Im fünften Kapitel stellt Nussbaum die weltpolitischen

Probleme dar und kommt zum Schluss, dass man die

jungen Menschen zu Weltbürgern erziehen sollte.

In sechsten Kapitel konzentriert sich die Autorin

auf die Sympathie. Sie unterstreicht die Wichtigkeit

der Literatur. Sie meint aber nicht das Studieren

von dieser, sondern vielmehr ihr Erleben. Durch sie,

aber auch durch das Theaterspielen und das Tanzen,

wird Empathie mit den Mitmenschen „geübt“.

Im siebten und letzten Kapitel kreidet die Philosophin

noch einmal die aktuelle Situation in Universitäten

und Researcecentren an. Wie sie am Anfang dieses

Kapitels mitteilt, ist es ihr dabei wichtig, nicht nur empirische

Äußerungen zu liefern, sondern sie will ihre

Besorgnis mit Daten und Fakten unterstreichen. Auch

an der Uni in Chicago, in der sie als Ethik-Professorin

tätig ist, wurde über das Schulvideo diskutiert, in dem

nur Studenten zu sehen sind, die in Labors arbeiten,

aber niemand, der disputiert und denkt. Sie fügt auch

das Problem der Multiple-choice-Tests an, die nicht

wirklich im Stande sind, das kritische Denken zu fördern

und nur erstellt sind, um das Wissen abzuprüfen

und um den Kurs zu bestehen. Im letzten Abschnitt

werden die amerikanischen Leser angesprochen und

es wird gesagt, dass die Situation in Amerika momentan,

im Bezug auf die humanistische Bildung an Unis,

noch aushaltbar ist. Die Autorin ist nicht gegen die

wissenschaftliche Ausbildung, sie sieht nur die humanistische

Ausbildung in Gefahr und will dem Leser bewusst

machen, dass sie mindestens ebenso wichtig ist.

Wie im letzten Kapitel besonders deutlich wird,

ist dieses Buch an ein amerikanisches Publikum

gerichtet, dem die Krise der humanistischen

Wissenschaften noch nicht so bewusst ist. Genau

darauf will Nussbaum aufmerksam machen.

In den 150 Seiten des Buches werden viele Bezüge

und Informationen verpackt, was das Buch recht

anspruchsvoll macht. Um die aufgestellten Theorien

- besonders im Bereich der Pädagogik - zu verstehen

ist es von Vorteil, schon ein Vorwissen zu besitzen.

Wer beim Lesen denken will, ist hier richtig, wer etwas

über das Thema lesen will, der wird bei diesem

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Buch falsch liegen. Im Werk werden keine konkreten

Lösungen zum Problem geboten, sondern es wird

vielmehr analysiert, was in der Bildung falsch gemacht

wird und es werden Lösungsansätze von anderen

Denken gebracht, aber nie erwähnt die Autorin

explizit, was ihre Lösung wäre. Nussbaum bringt hier

nichts Innovatives; was für ein Denken sollte es auch

schon außerhalb des kritischen Denkens, der Phantasie

und Empathie geben? Ihr Verdienst ist es vielmehr,

das Problem der humanistischen Bildung unter verschiedenen

Aspekten - wenngleich manchmal etwas

steif - zu beleuchten und es systematisch darzustellen.

Was man nun als Schüler mitnimmt, wird sicherlich

nicht die Begeisterung an den Mühen der

Schule sein, vielleicht wird man schon eher das Bewusstsein

festigen, dass das, was wir lernen, nicht

alles so weltfremd ist, wie es manchmal scheinen

mag. Sicherlich wird aber nach der Lektüre von

„Not for profit“ jedem bewusst werden, dass Sokrates

in unserer Gesellschaft nicht alt werden darf.

Francesco Gianola

Zitate

“As we tell stories about the lives

of others, we learn how to imagine

what another creature might feel

in response to various events. At

the same time, we identify with the

other creature and learn something

about ourselves.”

„A healty democratic society needs

indipendent- minded and creative

individuals.“

M.C. Nussbaum


Sex, drugs and Internet

Ein Essay über die Auswirkungen des Internets in unserer Zeit

www.facebook.com eingeben. Registrationsformular

ausfüllen. Enter drücken. Bestätigung e-Mail abrufen.

Und schon ist man im World Wide Web dabei.

Jedoch nur auf einer von zig Millionen Seiten. Also

auf zur nächsten Seite: www.YouTube.com eingeben.

Man macht wieder dasselbe und ist auf Seite Nummer

zwei dabei. Aber wem genügt das? Ich kann

zwar jetzt Videos und Fotos zeigen und diese austauschen

mit anderen

Usern, aber

ich will ja mehr.

Mehr von all

dem, was es da

noch gibt. Mehr

virtuelle Freunde.

Mehr Spaß.

Ja, das Internet

ist vor allem

zum Spaß da.

Was eigentlich

einen militärischen

Zweck

erfüllt hat, dient

jetzt dem Spaß.

Aber nicht nur.

Ich kann, zum

Beispiel, per

Knopfdruck ein

Auto kaufen

oder sogar ein

ganzes Haus.

Ich kann mir

mein Hotel ansehen,

in dem

ich die nächsten Ferien verbringen werde, oder meine

Lebensmittel bestellen. Das alles, wie gesagt, mit

einem einfachen Knopfdruck. Idiotensicher. Aber

viele kaufen keine Lebensmittel und sehen sich

auch kein Hotel an. Nein, sie nutzen das Internet für

Online-Spiele wie zum Beispiel „World of Warcraft“

(kurz gesagt WoW). Es ist ein virtuelles Rollenspiel

mit Millionen von anderen Usern, die ich mit meiner

Spielfigur töten muss. Dann chatte ich mit ihnen und

habe ein wenig Spaß. Dadurch wird sich mein Leben

nicht ändern. Wegen dieser Stunde am Tag vor dem

Bildschirm. Aber was, wenn aus dieser einen Stunde

zwei, drei, oder sechs Stunden pro Tag werden?

Es gibt Leute, die nur mehr in diesen virtuellen Welten

gelebt haben. Wie zum Beispiel in dem Spiel, namens

„Second Life“. Wie der Name des Spiels schon

sagt, ist es ein zweites Leben. Man gestaltet seine

Figur, sucht seinen Traumberuf aus und lebt seinen

Traum. Man lebt also so, wie es im echten Leben nie-

mals möglich gewesen wäre.

Dieses Spiel ist eine Art Flucht, aber mit schwerwiegenden

Folgen. Denn viele haben dadurch in

der vergessenen Realität ihre Arbeit, Freunde und

noch vieles mehr verloren. Die Rückkehr in die reale

Welt ist für diese Leute ein Schock und manche von

den Second-Life-Süchtigen haben sich selber umgebracht.

Aber dies weist auch auf eine neue Krankheit hin

(oder sagen wir besser Droge?): die Internetabhän-

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gigkeit. Im 20. Jahrhundert ging man auf Alkohol-

oder Kokainentzug. Im 21. Jahrhundert geht man in

eine Internetentzugsklinik.

Wir passen uns dem Internet also an. Denn früher

ging man auch noch auf Rockkonzerte, um Sex und

Drogen zu bekommen. Heute geht man auf die Seite

seines Vertrauens und bekommt alles ganz praktisch

nach Hause.

Und mittlerweile gibt es sogar Internet Philosophen.

Diese sehen wahrscheinlich im Internet die Arché.

Aber das Internet ist sicherlich nicht der Ursprung

der Welt. Wenn schon, dann ist das Internet der Ursprung

der Gewaltverherrlichung. Denn man findet

im Internet immer mehr Videos von U-Bahn-Schlägereien

und andern Gewalttaten.

Durch das Internet ist eines der neuen Hobbys der Jugendlichen,

jemanden zu verprügeln, mit dem Handy

zu filmen und das Video dann ins Netz zu stellen.

Tausende von Nutzern sehen sich das Video dann an

und posten „gefällt mir“. Vor zwei Jahren hat sich ein

amerikanischer Jugendlicher vor laufender Kamera

selber umgebracht, indem er Tabletten geschluckt

hatte. Zig Tausende haben sich dies live mitangesehen

und die häufigste Frage im Chatroom war nicht:“ Oje,

warum unternimmt keiner etwas dagegen?“

Nein, sie lautete:“Hat er die Eier dazu oder nicht?“

Dazu glaube ich, bedarf es keines Kommentars mehr.

Doch nicht nur für Gewaltverherrlichung wird das

Internet genutzt, sondern ganz direkt für Verbrechen,

für Spionage, für den eigenen Vorteil. Durch Viren

Hängt ihn auf!

Ein etwas anderer Nachruf

P. Willibald ist- wie hoffentlich alle gemerkt haben-

schon seit über einem Monat nicht mehr bei uns in

der Schule. Der Philosophie und Deutschprofessor,

ist nun in Graz und führt dort den edlen Auftrag

weiter, junge Menschen ausbilden zu dürfen. In der

Schule war er eine Art Guru, sowohl bei Schülern

als auch bei Professoren ,und außerhalb des gelben

Hortes der klassischen Bildung, verband man seine

Person mit dem Geist unserer Schule. Gott hatte

mich noch nicht einmal geplant, während er schon

seit Jahrzehnten im Kloster und im Gymnasium tätig

war und am Bild der Schule herumpinselte.

Ein Bild ist es auch, das noch fehlt: Es fehlt sein

Portrait im ersten Stock der Schule, neben all den

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kann man ganze Systeme lahmlegen, man kann sich

geheime Daten besorgen, man kann sich selber bereichern.

Davon werden vor allem die Musik-und Filmbranche

betroffen. Denn wer kauft sich eine DVD,

geschweige denn eine CD, wenn man alles ganz einfach

downloaden kann? Dies ist ein Verbrechen, auch

wenn das viele nicht glauben wollen.

Aber vor allem die Werbebranche blüht. Auf jeder

Internetseite wird man mit Tonnen von Reklamen

beschossen: Von denen, die dein Gold in Bares

umtauschen, bis zu „ gestalte deinen persönlichen

Schlüsselanhänger“, gibt es alles. Man wird regelrecht

bombardiert. Und auf jeder zweiten Seite ist man der

millionste Besucher und hat einen neuen Audi gewonnen.

Das Internet wird für sehr viele Sachen „missbraucht“

und meistens steck en ein Betrug oder eine Werbung

dahinter.

Man kann also sagen, dass das Internet zwei Seiten

besitzt: eine schwarze und eine weiße Seite. Eine gute

und eine böse.

Dadurch, dass das Internet jeden Tag größer wird,

wachsen beide der Seiten. Wir als User können nur

hoffen, dass die fatale Seite des Internets nicht irgendwann

definitiv die Oberhand behalten wird.

Bastian Riccardi

anderen „viri illustres“ der Schulgeschichte. Klar, er

war nie Direktor, aber warum nicht auch sein Portrait,

des „Vertreters des Ordens in der Schule“ an

die Wand hängen ?

Er wird schon nichts dagegen auszusetzten haben.

Schließlich wollen wir ihn nur in Erinnerung behalten.

Wer Angst hat, dass ein Stückchen der Seele

des Ordensmannes im Foto hängen bleiben und

dessen Geist ihn beim Vorbeigehen belauschen

und beobachten könnte (was manche Naturvölker

ja glauben), der kann beruhigt sein: Ein Bild kann

man im Fall des Falles ja auch abhängen und so

tun, als wäre nichts passiert .

Francesco Gianola


Was wurde eigentlich aus....

von Bastian Riccardi

.. Gerhard Schröder?

Alle kennen ihn, den siebten Bundeskanzler der Bundesrepublik

Deutschland, Gerhard Fritz Kurt Schröder, der

vor Angela Merkel Deutschland regierte. Doch nach 2005,

als er nicht mehr in Amt war, stellt sich die Frage, wohin

er ging und mit welcher Tätigkeit er sich jetzt beschäftigt?

Kurz nach dem Ende seiner Amtszeit wurde bekannt, dass

Schröder bei einer Tochterfirma der „Gazprom“, der Nord

Stream AG, im Aufsichtsrat tätig war.

Aber er betätigt sich nicht nur dort. Auch als Rechtsanwalt

ist er immer wieder tätig. So war er zum Beispiel 2006 Redner

der Agentur „Harry Walker“ in New York. Aber vor

allem in Aufsichtsräten großer Ölkonzerne beschäftigt er

sich . Doch er war auch für kurze Zeit Berater des chinesischen

Außenministers 2007 und er sollte diesem helfen,

traditionelle chinesische Medizin in Europa bekannt zu

machen. Seit 2009 ist er Mitglied eines dreiköpfigen Direktoriums

des russischen Ölkonzerns TNK-BP, das helfen

soll, Streitigkeiten unter den Anteilseignern zu schlichten.

Wie wir sehen, hören wir nicht mehr viel von dem alten

Bundeskanzler, aber er ist immer noch sehr aktiv als

Rechtsanwalt und Lobbyist.

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...aus den Südtirol-Aktivisten?

Wir erinnern uns. 1961 war es so weit,

Südtirol war zur Befreiung bereit. Da die

Politiker nur mühsam voran kamen, beschlossen

drei Südtiroler 1958, es selbst

in die Hand zu nehmen und für Aufmerksamkeit

zu sorgen. Diese drei Südtiroler

waren Sepp Kerschbaumer, Karl

Tietscher und Josef Crepaz. Sie gründeten

den Befreiungsschuss Südtirol, kurz

BAS. Nach kurzer Zeit sammelten sich

mehrere Leute um sie herum und durch

Sprengungen wollten sie Italien und den

Rest der Welt auf das Problem Südtirol

aufmerksam machen. Viele Südtiroler

wurden gefangen genommen, gefoltert

und zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt.

Nur wenigen gelang die Flucht

nach Österreich oder Deutschland. Die

meisten von diesen Mitgliedern sind

bereits gestorben, wie Sepp Kerschbaumer,

Georg Klotz und der ermordete

Luis Amplatz. 2007 aber begnadigte der

italienische Staatspräsident Napolitano

fünf Aktivisten. Für andere jedoch steht

die Begnadigung noch aus. Diese dürfen

immer noch nicht nach Südtirol zurückkehren,

sondern leben nach wie vor in

Österreich oder Deutschland. Von diesen

sind drei die „Pusterer Buam“, Siegfried

Steger, Heinrich Oberleitner und

Sepp Forer, die bis heute noch nicht begnadigt

wurden, Klaudius Molling, Sepp

Mitterhofer und auch Sepp Innerhofer,

die in Deutschland leben. Sie werden

im Moment noch nicht begnadigt, weil

Napolitano eine lebenslange Haftstrafe

nicht aufheben will. Doch die Landesregierung

Tirols setzt sich für deren Begnadigung

ein. Ein gutes Jahr dafür wäre

heuer, da man auf 50 Jahre Feuernacht

zurückblickt.

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Georg Klotz

Luis Amplatz

Sepp Kerschbaumer

Masten nach der Feuernacht


...aus Haiti?

Am 12. Jänner 2010 erschütterte ein 38 Sekunden dauerndes Erdbeben, der Stärke 7,0, den Karibikstaat.

Viele Städte wurden teilweise komplett zerstört, wie auch die Hauptstadt Port Au Prince. Mehr als

250.000 Menschen verloren bei diesem starken Erdbeben ihr Leben und noch weitaus mehr Personen

standen vor einer unsicheren Zukunft. Viele starben an den darauf folgenden Monaten an Cholera. Um

die 4.000, um genau zu sein, wobei heutzutage keiner mehr an dieser Krankheit sterben müsste. Die restliche

Welt, allen voran Europa und die USA, versprach den zehn Millionen Haitianern zehn Milliarden

Dollar. Viel Geld und noch mehr Helfer sollten binnen kurzer Zeit einem der ärmsten Staaten der Welt,

helfen. Dieser Plan ging jedoch nicht auf. Denn es leben immer noch eine Million Leute in Zeltstädten

und sehr viele sind immer noch arbeitslos, obwohl Arbeit zur Genüge vorhanden wäre. Die Hauptstadt

Port-au-Prince hat sich im vergangenen Jahr nicht viel verändert. Auf den Straßen liegen immer noch

die Trümmer der einstigen Krankenhäuser, Gefängnisse und Wohnhäuser. Nur ein Bruchteil wurde abtransportiert.

Dazu liegt überall Müll herum, der die Verbreitung der Seuchen nur beschleunigt. Auch

die Wahlen, die das Leid der Bevölkerung mildern sollten, brachten keinen Erfolg. Die Bewohner sehen

sie als gefälscht an und demonstrieren. Zu den eh schon chaotischen Zuständen taumelt Haiti auch noch

in ein Polit-Chaos.

Die Hilfen dauern noch an und werden auch noch lange andauern, bis Haiti wieder in einen „normalen“

Zustand gebracht werden kann.

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Haiti vor dem Erdbeben

Haiti nach dem Erdbeben


Wusstest du schon...???

von Martina Gianola

...wer dir die Zukunft voraussagen kann?

Tobias Leitgebs (6.) Wahrheitsfinder natürlich!

Der in einer Stunde zusammengebastelte

Apparat beantwortet alle Fragen – von

Testergebnissen bis hin zu Liebeserfolgen -

mit einem Ja oder Nein!

…dass man in den Flugzeugen

Amerikas Musikbands trifft?

So ist es jedenfalls Philipp

Atzwanger (4.) passiert, der

im Flug von Los Angeles nach

Chicago vor der Rockband Aereosmith

gesessen ist

und sogar die Aufnahmen ihres

letzten Konzertes mit angehört

hat, über die sie gerade

diskutierten.

So überwältigt von seinem

Glück, vergaß er ein Foto zu

machen…

…dass unsere Professoren sehr aktiv sind? Professor Ellero z.B., eine „persona molto sportiva“,

ist (unter anderem) ein passionierter Fahrradfahrer.

Unser „Mostro“ hängt sogar andere - um einiges jüngere - Professoren ab und legt pro

Saison circa 100.000 Höhenmeter – also 12,5 mal vom Meer auf den Everest - zurück.

...dass Moritz

Menz (6.) die

besten Orte

kennt, an denen

man Fußballerspieler

wie Sneijder,

Villa und Reina

trifft? An

Ibizas öffentlichen

Stränden

zum Beispiel...

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Olivenernte im Klostergarten

Franziskaner pressen heute noch Oliven nach den Tipps der alten Römer

Als Pater Roland die 7. Klasse fragte, ob die

Schüler ihn bei der heurigen Olivenernte unterstützten

könnten, waren alle in der Klasse

neugierig: Für die meisten war es das erste Mal,

dass sie Oliven pflücken durften. Als Pater Roland

dann auch noch erklärte, dass man sie am

selben Tag pflücken und pressen müsse, um ein

hochwertiges Öl zu erhalten und die Schüler dafür

die letzten drei Schulstunden helfen sollten,

brach endgültig Freude aus. Am Freitag, den

11.11.2011 war es dann soweit: Die Oliven hatten

den richtigen Reifepunkt erreicht und mussten

geerntet werden. Dank der freundlicherweise

von Prof. Oberrauch und Prof. Perterer zur Verfügung

gestellten Schulstunden konnten sich die

Erntehelfer an die Arbeit machen.

Es war keine unnütze Tätigkeit, wie so manche

böse Zunge behaupten könnte; nein, die Schüler

führten praktisch aus, was auch in den Überlieferungen

antiker Autoren auf Latein steht.

Varro gibt folgende Tipps: Was die Olivenplantage

angeht, soll man Oliven, die man vom Boden

und von Leitern aus mit der Hand berèhren

kann, lieber pflücken als herunterschütteln, da die

Felix , der Riese, war nicht nur wegen seiner

Größe unersetzbar, auch seine „Klaubmethode“

war äußerst effizient.

Seite 14

, die vom Aufschlag gequetscht sind, einschrumpfen

und nicht so viel Olivenöl hergeben.Wurden

sie mit der Hand ab gestreift, ist in der Baum im

besseren Zustand, der mit bloßen Fingern, als jener,

der mit Fingerhandschuen abgerentet wurde,

da nämlichihr harter Werkstoff nicht nur die Beere

abstreift, sondern auch die Äste abschürft und

gegenFrost ungeschützt zurücklässt.Kann man sie

mit der Hand nicht erreichen, muss man sie in der

Form schütteln,dass sich eher von einem Schilfrohr

al von einer Holzstange angestoßen werden; eine

schwerere Wunde erfordert nämlich einen Arzt.

Wer sie schüttelt, soll aufpassen, dass er auf diese

Weise Oliven nicht unglücklich trifft. Oft nämlich

reißt eine , die auf diese Weise durchbohrt wurde,

vom Zweig einen Trieb mit sich herunter, ein Missgeschick,

durch das man den Ertrag des nächsten

Jahres verliert.

(Übersetzung von Dieter Flach, Darmstadt 2006)

………

Pater Roland scheint ein unentdeckter Altphilologe

zu sein, da er die Siebte genau nach diesen

Muster vorgehen ließ.

Francesco Gianola

Mirandolina hat die Ernte hingegen nicht

so ernst genommen, sie hat bei den Arbeitern

jedoch für Unterhaltung gesorgt.


Francesco ging die Aufgabe mit unerhörtem

Ernst und Eifer an: Sogar die scheinbar unerreichbaren

Oliven holte er mit Hilfe des

Riesen vom Baum

Eine Zeit lang schien Valentin verschollen.

Mit Hilfe neuester technischer Geräte konnte

unser „Mowgli“ trotzdem in einem Baumgipfel

bei gefährlichster Arbeit aufgespürt

werden.

Am Ende der der zwei ein halbstündigen

Ernte waren alle müde aber

froh: Es konnten fast 200 kg Oliven

gepflückt werden; ein neuer Rekord.

Nur L.Schropp hatte noch genug

Energien, um sich den im November

so schönen Rosengarten im Klosterhof

ansehen zu gehen. So verhext

von den blutroten Blüten verpasste

er das Foto unseres Fotografen Moritz

Plattner.

In der darauf folgenden Religionsstunde verkostete man das Öl. Man machte eine praktische Ausführung

von der praktischen Ausführung, für die man so hart gearbeitet hatte (und das meine ich ernst!).

Allen war bewusst, auch in diesen Stunden viel Neues gelernt zu haben und zur Gewinnung des Öls

beigetragt zu haben. Sophia kostete es und sah, dass es gut war!

Seite 15


Kompliziert ganz einfach

Komplizierte Themen klar, einfach und für alle verständlich

In den nächsten zwei Ausgaben wird das Thema

„Europa und Europakrise“ unter dem wirtschaftlichen

Gesichtspunk untersucht werden. Täglich

haben wir in den Nachrichten von der Eurokrise

gehört; Jeden Tag hören wir davon, dass der Euro

schwächelt, dass Griechenland zahlungsunfähig

ist, von Bonds und Spreads… Was das jedoch bedeutet,

wie die Staaten vorgehen und was sie sich

vorstellen, ist bei weitem nicht allen bekannt. Um

die Welt zu verstehen die uns umgibt, gehört es

dazu über die Ökonomie etwas bescheid zu wissen.

Ohne sie wären moderne Sozialstaaten nicht möglich.

Alle geht sie, da wir Bürger sind, etwas an.

Was passiert mit Griechenland, Italien und

den anderen Eurosündern?

Eine kurze Einführung in das Einmalseins der internationalen

Finanzmärkte

Wenn ein Staat Geld braucht, leiht es er sich; allerdings

nicht bei der Sparkasse. Staaten leihen sich

ihr Geld am internationalen Kapitalmarkt von Investoren

aus. Dazu gehören große Banken, große

Versicherungskonzerne und vermögende Privatanleger.

Staaten kommen an dieses Geld durch

Staatsanleihen (eine Art von Schuldscheinen). Die

Staatsanleihe bieten sie den Investoren an. Diese

investieren aber nicht sogleich, sondern wollen

dazuverdienen und verlangen deshalb Zinsen. Wie

viel Zinsen ein Staat zahlen muss, hängt wiederum

von seiner Bonität ab d.h. der Wahrscheinlichkeit,

dass ein Land einen Kredit zurückzahlen kann.

Die Bonität der Staaten wird normalerweise von

den Ratingagenturen bestimmt. Deren Experten

nehmen Länder unter die Lupe und überprüfen,

ob dort die Wirtschaft gut funktioniert, wie die

Haushaltssituation ist, wie verschuldet das Land

ist. Deutschland hat z.B. eine sehr gute Note von

den wichtigsten Ratingagenturen wie „Standard&

Poor´s“, „Moody´s“ oder „Fitch“ erhalten und

muss deshalb nur 2,1 % Zinsen auf das Kapital,

das sie den Investoren in 10 Jahren zurückgeben

müssen, zahlen. Italien hingegen muss z.Z. für dieselben

Staatspapiere (also solche mit einer Laufzeit

von 10 Jahren) weit mehr Zinsen zahlen (fast

Seite 16

8 %). Nun kaufen Investoren die Staatsanleihen

und die Italiener bekommen ihr Geld zu 8% Zinsen.

Jedes Jahr zahlt Italien nun Zinsen - und am

Ende der 10 Jahre muss natürlich auch das Kapital

zurückgezahlt werden. Das geht gut, so lange die

Wirtschaft wächst (und somit auch die Steuereinnahmen

hoch sind) und die Zinsen niedrig sind.

Wenn nun ein Land wirtschaftlich nicht wächst

und hohe Zinsen zu zahlen hat, kann es passieren,

dass es zwar in der Lage ist, die Zinsen zu bezahlen,

es aber immer schwieriger wird, das Geld zu finden,

um das Kapital zurückzubezahlen. In einem

solchen Fall werden dem betreffenden Staat von

den Ratingagenturen noch schlechtere Bewertungen

gegeben – mit verheerenden Auswirkungen!

Nehmen wir das Beispiel Griechenlands zur Veranschaulichung.

Als die ersten Gerüchte von Zahlungsschwierigkeiten

der Griechen auftauchten,

stiegen die Zinsen der griechischen Staatspapiere

schnell auf 7 % (mittlerweile stehen sie bei knapp

44%!!) Das klingt nicht nach viel! Da Griechenland

jedoch Staatsanleihen von ca. 310 Mrd. Euro im

Umlauf hat, bedeutet das, dass nur die Zinsen gegenüber

den Monaten vorher jährlich um 800 Mio.

Euro gestiegen sind. Das kann Griechenland nicht

mehr zahlen. Es wird noch schlimmer: Wegen der

Gerüchte der Zahlungsunfähigkeit Griechenlands

werden die die Investoren nervös; sie wollen ihre

Griechenland- Anleihen schnell an andere Inves-


toren loswerden. Doch niemand will die Risikopapiere

zum ursprünglichen Preis haben. Die Investoren

verkaufen die Staatsanleihen also unter ihrem Wert,

um wenigstens noch einen Teil des investierten Geldes

zurückzubekommen. Der neue Käufer geht zwar

ein hohes Risiko ein (werden die Zinsen zu hoch,

wird ein Staat zahlungsunfähig – man spricht von einem

Default), macht aber, wenn alles gut gehen sollte,

ein gutes Geschäft (bei einem Zinssatz von 44% macht

er Rendite, also Gewinn von 376 % auf das investierte

Kapital!)

Hier springt dann die EU ein. Sie hilft den Griechen,

indem sie Anleihen kauft - wissend, dass die Griechen

zahlungsunfähig sind - um zu verhindern, dass die

Russland

Eine Reportage

In der heutigen westlichen Welt haben wir, wenn

überhaupt, ein ziemlich verzerrtes Bild von unserem

östlichen Nachbarn, Mütterchen Russland.

Man hört meistens nur von Putin und Medwedew

und das Einzige, was unsereiner von der russischen

Kultur kennt, sind der Vodka und die Kalaschnikov.

Einen Schüler der heurigen Maturaklasse hat dieses

ferne Land aber immer schon fasziniert und so verbrachte

er das gesamte letzte Schuljahr von Ende Au-

ganze europäische Wirtschaft einstürzt. Allerdings

kann auch die EU keine Wunder bewirken. Um die

Griechen aus ihrer misslichen Situation zu lösen, hat

man erst kürzlich beschlossen, ihnen 50 % der Schulden

zu erlassen – was bedeutet, dass viele Investoren,

vor allem Banken, 50 % ihres investierten Kapitals nie

mehr wiedersehen werden.

Francesco Gianola

gust 2010 bis Juli 2011 in Alexandrow, einer 60.000

Einwohnerstadt ca. 100 km nördlich von Moskau.

David Comploj hatte schon immer Interesse an der

russischen Kultur und als er bei einem Aufenthalt

in England Russen kennen lernte, beschloss er, ein

Auslandsjahr in Russland zu absolvieren.

„Wir haben ein ganz verkehrtes Bild von Russland“,

sagt er mir, „wir stellen es uns eher grau und ärmlich

Seite 17


vor, aber in Wirklichkeit ist es ganz anders.“ David

ist während des einen Jahres viel gereist, er berichtet

mir von seinem Besuch in Wolgograd, das

wir heute eher unter dem Namen Stalingrad kennen.

Dort steht die gewaltige Statue „Rodina Mat“

(Mutter-Heimat-Statue). Sie hat ungefähr die Größe

der Freiheitsstatue, sie zeigt eine Frau in wallendem

Umhang mit einem 33m langen, 14 Tonnen

schweren Metallschwert in der Hand. Sie soll an

den Großen Vaterländischen Krieg (2.Weltkrieg)

erinnern. Im Gegensatz dazu steht St. Petersburg,

im Winterpalast ist man von Marmor und Gold

umgeben, es ist ein glanzvolles Relikt aus der Zarenzeit.

Die Gastfamilie in Alexandrow war überaus

freundlich, zu ihr pflegt Comploj noch heute Kontakt,

auch zu seinen Schulkollegen gibt es Kontakte

über eine Art russisches Facebook. Anfangs fiel die

Kommunikation mit den Russen recht schwer, erzählt

er: „Sie können eher schlecht Englisch und

ich kannte nur ein wenig Russisch. Russisch ist

sehr schwer zu lernen, es ist nicht nur ein neues Al-

phabet, man muss auch sonst aufpassen richtig zu

artikulieren. Aber irgendwann bin ich in der Früh

aufgestanden und habe alles verstanden.“ Heute

kann David perfekt Russisch: „ Als ich wieder

nach Südtirol kam, musste ich mich erst wieder an

Deutsch gewöhnen, ich bin in der Früh aufgestanden

und habe meiner Mutter auf Russisch „Guten

Morgen“ gesagt.“ Er lacht.

In Russland gibt es zwar viele Gemeinsamkeiten

mit unserer Kultur, aber auch viele Unterschiede:

Am 30.Dezember kommt in Russland der Weih-

Seite 18

nachtsmann (Väterchen Frost), er ist aber blau

(nein, er ist nicht besoffen!!!). Anstelle von Rentieren

begleiten ihn Weihnachtsfeen.

Am selben Abend verfolgt ganz Russland die

Glückwünsche des Präsidenten im Fernsehen.

Medwedew hat unter den Russen ein eher schlechtes

Image, er verkörpert eher eine Witzfigur, verrät

mir David. Putin wird aber von den meisten Russen

hoch geschätzt, „er ist irgendwie wie Berlusconi,

nur halt seriös.“ In Russland ist der Regierungschef

unantastbar, seine Entscheidungen werden selten

hinterfragt oder gar kritisiert. Ebenso ist Russland

zentralistisch auf Moskau ausgerichtet - alle Wege

führen nach Moskau, könnte man sagen. Doch eines

lässt sich nicht in der Hauptstadt finden, sondern

im ehemaligen Leningrad, das heute wieder

St. Petersburg heißt: Es ist die Kultur aus der Zeit,

als die Zaren noch dieses gigantische Land regierten

und von dem heute unzählige Prunkbauten

erzählen. „Die St. Petersburger Eremitage ist ein

gewaltiger Bau“, erzählt David, „überall nur Marmor!“

Man sieht also, dass Russland nicht so ist, wie wir es

uns vorstellen, es ist ganz anders. Russland ist ein

Land voller Gegensätze, zwischen Palästen aus der

Zarenzeit, sowjetischen Prunkbauten und westlicher

Lebenskultur. Teilweise ist es dem Westen

sogar voraus: „Die Züge kommen immer pünktlich

und es gibt nie Streiks. Es ist einfach eine andere

Mentalität als bei uns.“

Valentin Harich


Rebel without a cause

“...denn sie wissen nicht, was sie tun“

Manche von euch werden von diesem Film noch

nie etwas gehört haben, für andere klingt er viel-

leicht wie etwas aus längst vergangenen Zeiten.

Zeiten, in denen Robert Pattinsons Job als Herzensbrecher

und Jugendidol noch von James Dean

erledigt wurde und Marilyn

Monroe noch mehr

oder weniger die einzige

war, die Haut oberhalb der

Knie sehen ließ.

Alles längst überholt?

Keinesfalls!

Denn ohne diesen Film

aus dem Jahre 1955 würde

es die meisten Jugendfilme,

wie wir sie heute kennen,

wahrscheinlich gar

nicht geben. Mit „...denn

sie wissen nicht, was sie

tun“ wird das bis heute geltende

Image vom orientierungslosen, rebellischen,

hoffnungslos romantischen Teenager geprägt, ja

vielleicht sogar erfunden.

Der Film handelt von Jim (James Dean), einem

Jugendlichen, der sowohl zu Hause als auch mit

Gleichaltrigen und der Polizei Probleme hat, obwohl

es von außen so aussieht, als sei alles in Ordnung

und er nur ein “Rebell ohne Grund“.

Er fühlt sich nicht verstanden von seinen Eltern

und lebt seine Aggressionen in Schlägereien und

Alkohol aus.

Als er gerade nach Los Angeles gezogen ist, legt er

sich sogleich mit einer dortigen Gang an, zu der

auch die hübsche Judy (Natalie Wood) gehört.

Bei einer Wette zwischen Jim und dem Anführer

der Gang kommt Letzterer ums Leben, was zu einer

Reihe von immer dramatischeren Ereignissen

führt, während denen sich Jim und Judy ineinander

verlieben.

Die Story ist ja nicht gerade besonders originell,

könnte man meinen. Man kennt sie aus unzähligen

Filmen, die später gedreht wurden, und das in

weit besserer Qualität.

Was diesen Film aber besonders macht, ist, dass er

der erste dieser Art war.

Das typische Teenie-Drama vom Problemkind

in seiner unverfälschten Urform also. Man spürt

noch eine gewisse ehrliche Glaubwürdigkeit und

Authentizität, mit der neuere Filme dieser Art

nicht mithalten können.

Wenn James Dean, der sich sein Leben lang tatsächlich

gegen die biedereNachkriegsgeneration

aufgelehnt hat

und als Ideal der “lost

generation“ gilt, in die

Kamera brüllt, er habe

genug von den ganzen

Vorschriften, die ihn

alle verrückt machen

würden, dann glaube

ich das eher ihm als einem

zufällig bei einem

Casting ausgewählten

Schauspieler unserer

Generation. Bei diesem

Film hat man den Eindruck, dass die Schauspieler

ihre Rolle auch wirklich leben, nicht nur

auswendig gelernt haben.

Dies tröstet auch über fehlende special effects und

schlechtere Qualität hinweg.

“...denn sie wissen nicht, was sie tun“ ist also unbedingt

sehenswert!

Verena v. Walther

Seite 19


Nutella

Puoi id facere?

Clarum est quae Prima Colatio,

mamma observante et

controllante, apportare potest

goduriam relativum:

quantae volte filius giungit at

tabulam credendo videre fettes

paninorum integraliumet

invicem sunt panini normali

supra quos mamma spalmavit

stratum simbolicum Nutellae,

carta velina similantem, quae

causat colorationem beigem et

quindi effectum opticum paninibus

integralibus.

Mammae fixate sunt Nutellam male facere ad

panciam et proptera quod semper volunt tenere

in oculo filios magnantes Nutellam et (loro

Baum in Lana umgefallen.

Ein typischer Dolomiten-Artikel

(Bozen/dpa) Wieder einmal hat der Sicherheitsapparat

eines erfolgreichen und florierenden Industriestaates

versagt: Am Donnerstag wurde die

unschuldige Katze von Pensionistin Martha S. von

einem umfallenden Baum erfasst.

Bisher lebte die Seniorin und leidenschaftliche

Bocciaspielerin Martha S. mit ihrer Katze Schmusi

unbehelligt und friedlich in ihrem Eigenhaus in

Lana. Doch eines Tages geschah es. Ohne Vorwarnung.

Wegen heftiger Winde fiel um 18.00 Uhr

Ortszeit eine alte und gefährlich aussehende Birke

um und begrub die lahmende Katze unter ihren

bösen Wurzeln.

Böse Wurzeln – ja, die hat unser Staat in vielerlei

Hinsicht auch. So was von. Das muss auch nicht

begründet werden, das Beispiel der schwer verletzten

Schmusi, die daraufhin ins Krankenhaus

Bozen per Helikopter geflogen werden musste, ist

Beispiel genug! Erst nach endlosen 8 Minuten der

Hilflosigkeit und Verzweiflung waren die Polizei

und die Feuerwehr endlich an den Ort der Tragö-

Seite 20

stesse) spalmat fetta per fettam.

Sed quaesitum spontaneum

nascit: si mamma vae semper

dicunt filium ormai est diventato

magno, est hora ut sibi faciat

lettum in camera da solum,

est hora ut sibi faciat unum

lavorum, est hora ut sibi faciat

unam familiam, ut sibi faciat

unam casam, quia mannaggia

la mortem non sibi potest facere

da solum paninos quoque?

I panini nullo modo! Paninos

non se li potest facere: paupertate suina!

Paninos cum Nutellae facit semper mamma!

die gekommen. Zuerst versuchten sie tölpelhaft,

Frau S. zu beruhigen, anstatt der Katze zu helfen.

Ein fataler Fehler, wie sich später herausstellen

sollte. Die langzeitlichen Folgen, die trotz keiner

diagnostizierten Versehrungen im Bereich des

Kopfes nach der Fußoperation auftraten, waren

verheerend für das zukünftige Zusammenleben

von Mensch und Katze.

Schmusi litt (nach Martha S.‘ Angaben) an Gedächtnisverlust,

konnte sogar die Stimme ihrer

Besitzerin nicht mehr erkennen. Die langzeitlichen

Folgen wiegen schwer: Jedesmal, wenn die

Katze ihre Herrin sieht, faucht sie ängstlich und

versucht wegzulaufen. Doch zum Glück hat die

vorausschauende Tierliebhaberin einen Stacheldrahtzaun

um ihr Haus bauen lassen.

Alles ist schließlich doch noch gut geworden.

Louis Schropp


Ausgegraben!

Aus den Maturazeitungen der letzen Jahrzehnte

ausgesucht von Verena v. Walther und Hannah Lezuo

In dieser Rubrik präsentieren wir euch eine Art “best-of-Sammlung” aus den Maturazeitungen

der letzen Jahrzehnte.

Wie waren die Professoren damals?

Was dachten die Schüler?

Was ist gleich geblieben, was hat sich verändert?

Haare oder nicht, was bleibt, ist das Gesicht.

Die Mode mag sich ändern, der

prüfende Blick bleibt.

Auch Lehrer waren einmal Schüler!

Als Paul noch Paulchen war.

Seite 21


Blond, pretty, british!

Das Engagement, mit dem sie ihre

Schüler unterrichtete, ist noch bis heute

erhalten geblieben.

Seite 22

So hat man sich früher mit

Schülern identifiziert. Davon

möchten wir mehr sehen,

Herr Professor!

Früher, ja früher waren selbst die alten Zeiten

noch besser.


Salz, Zucker und Tabak

Eine Kurzgeschichte

Es war ein kalter Donnerstagmorgen, als ich mich

auf den Weg machte. Ich startete durch den Wald

hinter meinem Haus hinauf, vorbei am Kloster

Marienberg, in Richtung Schlinig. Es war ein langer,

beschwerlicher Weg aufgrund des hohen Neuschnees.

Heute war eigentlich kein guter Tag, um in

die Berge zu gehen. Doch ich musste. Langsam kam

die Sonne hinter den Bergen hervor. Mir bot sich

ein wunderbares Bild. Die verschneite Landschaft

mit den großen Bergen im Hintergrund. So etwas

bekam man nicht alle Tage zu sehen. Ich brauchte

nicht mehr lange nach Schlinig. Dort angekommen

ging ich ins Gasthaus, um etwas zu trinken. Neben

ein paar Einheimischen waren da noch fünf Finanzer,

die uns prüfend anschauten. Doch wir Einheimische

machten uns nichts draus. Ich musste weiter

und machte mich auf den Weg zum letzten Hof vom

Dorf, wo der Franz auf mich wartete. Er war ein guter

Freund von mir, der mir öfters half. Franz war

schon bereit. Hinter dem Hof öffnete sich das Tal

erst so richtig. Es war zwar nicht lang, aber schön

breit und am Ende ragten mächtige Felswände empor,

an denen wir vorbei mussten. Wir zogen unsere

Schneeschuhe an und zogen los. Relativ zügig stapften

wir durch den hohen Neuschnee. Stille. Ruhe.

Das liebte ich. Endlich kamen wir zu den Felsen.

An der Seite führte ein schmaler Weg hinauf. Es

war nicht ganz ungefährlich. Doch es führten schon

Spuren hinauf. Wer mochte das wohl gewesen sein?

Ich dachte nicht länger darüber nach, sondern ging

dem Franz hinterher. Er kannte den Weg besser

als ich, weil er ihn öfters zurück legte. Ich musste

mich konzentrieren. Nach guten zwanzig Minuten

hatten wir es geschafft und wir konnten wieder nebeneinander

gehen. Da sahen wir auch schon die

Hütte. Dort angekommen, gingen wir in die Stube.

Wir machten ein Feuer im Kamin und stärkten uns.

Doch dann musste ich schon wieder weiter. Franz

hatte noch ein bisschen länger Zeit. Ich verabschiedete

mich, denn ich hatte noch ein schönes Stück zu

gehen. Der Weg führte durch eine schöne Schneelandschaft.

Rechts und links stiegen hohe Berge

hinauf. Die Sonne blendete mich und es war angenehm

warm. Nach einer Weile kam ich zum Ende

des Tals. Dort begann die Uina-Schlucht, die ins

Engadin in die Schweiz führte. Der Weg dort wurde

erst neu gemacht. Er schlängelte sich wie ein Tunnel

durch den Felsen, nur dass eine Seite offen war.

Rechts Felsen, links hundert Meter Abgrund. Es war

sehr eisig, doch es ging alles gut. Das Wetter war immer

noch schön, aber es wurde jetzt merklich kälter,

weil hier im Wald die Sonne durch die hohen Bäume

nicht durchkam. Nicht mehr lange, dann war

ich da .Doch plötzlich hörte ich etwas und erschrak.

Was war das? Ich blickte mich um, doch es war nur

ein Reh, das mich so aufschrecken ließ. Ich kam

ins Dorf und ging in einen Laden. Den Verkäufer

kannte ich, weil ich mindestens einmal im Monat

hier war. Er hieß Manuel und war schon ein älterer

Herr, der eine Art Tante-Emma Laden führte. Ich

nahm das Übliche, steckte alles in meinen großen

Rucksack und bezahlte. Er war sehr schwer. Das bedeutete

wieder einmal einen sehr strengen Aufstieg,

doch das wäre nicht das erste Mal. Ich hatte heute

schon den ganzen Tag ein schlechtes Bauchgefühl.

Irgendetwas war heute anders, aber was? Ich machte

mich auf den langen Rückweg. Als ich die Uina-

Schlucht wieder hinter mir gelassen hatte, wurde

es langsam dunkel. Die untergehende Sonne färbte

die Bergspitzen rot. Rückwärts ging ich einen anderen

Weg, der nach Reschen führte, von wo aus

ich morgen meinen Rückweg nach Burgeis antreten

wollte. Denn auf den Weg nach Burgeis musste ich

zu ein paar Freunden, ein paar von den gekauften

Sachen los werden. Ich startete also auf den Piz Rasas

hinauf. Langsam verschwand die Sonne und der

Vollmond kam hervor. Das erleichtert mir zwar den

Auf- und Abstieg, war aber gefährlich, weil man

dann leichter gesehen werden konnte. Das war nicht

gut. Nach zwei beschwerlichen Stunden war ich

endlich am Gipfelkreuz angelangt. Dort hatte der

Franz zuvor meine Ski versteckt, für die Abfahrt. Im

Gegenzug musste ich ihm dafür eine oder vielleicht

auch zwei Packungen Tabak geben und etwas Butter.

Ich erholte mich kurz von dem strengen Aufstieg

und bewunderte den Ortler, hinter dem gerade

der Mond stand. Es war alles sehr ruhig, doch dies

konnte täuschen. Ich hoffte nur, dass mich niemand

gesehen hatte. Aber was, wenn doch? Ich versuchte

diesen Gedanken schnell wieder zu verdrängen,

nahm meine neuen Holz-ski, schnallte sie mir an

und stürzte mich den Berg hinunter. Den besten

Weg runter kannte ich genau. Als ich etwa die Hälfte

hatte, drehte ich mich nochmal um. Ich sah die

mächtige Spitze des Piz Rasas hinter mir, beschienen

vom Vollmond. Jedoch musste ich mich schnell

Seite 23


wieder umdrehen um einen Sturz zu verhindern und

machte mich auf den Weg ins Fallung-Tal, das flach

hinaus führte bis ins Rojen-Tal. Von dort konnte ich

gemütlich bis zum Haus meines Bruders fahren, wo

ich heute übernachten wollte. Als ich am Ende des

Fallung-Tals war, geschah das, was ich befürchtet hatte.

Ich hörte hinter mir etwas. Was war das? Ich wagte

nicht, mich umzudrehen. Doch ich wollte wissen, was

es war. Also drehte ich mich um und sah sie. Nein! Ich

wusste, dass heute ein schlechter Tag war. Verdammt!

Schnell, weiter fahren! Ich hörte sie hinter mir immer

näher kommen. Werde ich es schaffen? Nein! Doch,

positiv denken! Oder doch nicht? Meine Chancen

Das Letzte....

Seite 24

waren nicht sehr gut, aber ich konnte es schaffen. Da

ich schon im flachen war, musste ich mich auf die

Kraft meiner Arme verlassen. Hier in der Nähe kannte

ich eine Höhle. Zum Glück! Das konnte sich ausgehen.

Oder doch nicht mehr? Ich strengte mich an,

wie noch nie zuvor. Ich hatte Angst. Doch ich musste

mich konzentrieren. Alle Gedanken loswerden. Beeil

dich! Gleich war ich so weit. Ich schmiss mich in die

Höhle hinein, so weit und so schnell ich konnte. Dann

hörte ich den Lärm und die Lawine rauschte neben

mir vorbei.

Bastian Riccardi

Erkennt ihr den feschen jungen Mann im Bild? Es ist unser geschätzter Professor Perterer,

der konzentriert die „Bild“ studiert und sich über die Klagen der Oma Hilda am Laufenden

hält.

Da fragt man sich nur, was sich die werten Professoren dabei denken, wenn sie uns Schülern

die „Zeit“ in die Hand drücken und predigen, dass wir uns intellektuell betätigen

sollen.

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