Habakuk Ausgabe 2/2012

franziskanergymnasium.it

Habakuk Ausgabe 2/2012

HABAKUK

Ausgegraben..

Oberschulzeitung am Franziskanergymnasium

Wie sich ein guter Schüler zu verhalten hat(te)

Wie streng waren die berüchtigten Schulregeln von

“damals“ wirklich? Das haben wir uns gefragt und

mal in der alten Disziplinarordnung des Franziskanergymnasiums

nachgelesen.

Hier einige Auszüge:

Das Tabakrauchen ist Schülern des Untergymnasiums

gänzlich verboten, auch denen des Obergymnasiums

in der Stadt und in deren nächsten Umgebung öffentlich

nicht gestattet. Die schädlichen Folgen allzufrühen

oder übermäßigen Rauchens und die Auslagen,

zu denen es ärmliche Schüler verleitet, bestimmen

den Lehrkörper, auch vom Tabakrauchen zu Hause

ernstlich abzuraten.

So weit, so gut, das können wir nachvollziehen, sofern

wir dieses Meisterwerk der Satzverkomplizierung verstanden

haben. Dabei wäre dieses einmal eine elegante

Alternative für unser “Il fumo uccide”, oder?

Der Besuch der Gast-, Bier- und Kaffeehäuser, der

Konditoreien und Schenken jeder Art in und außer

der Stadt ist verboten.- Jedoch wird den Obergymnasiasten

der zeitweilige Besuch gestattet, mit Ausnahme

der Sonn- und Feiertage sowie deren Vorabende,

welcher sich bezüglich der Tageszeit auf die Stunden

zwischen 2 und 7 Uhr zu beschränken hat.

Für viele von uns wahrscheinlich ein Urteil nahe der

Todesstrafe.

Eine Viertelstunde vor Beginn des Unterrichtes werden

die Lehrerzimmer geöffnet, innerhalb welcher

Zeit der Schüler dasselbe unbedeckten Hauptes zu betreten

und daselbst seinen Platz unverweilt einzuneh-

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men, zumal er den Aufenthalt an der Fensterbrüstung

zu vermeiden hat.- Das Herumstehen vor dem Gymnasium

vor und nach der Schule oder auf den Gängen,

wird nicht gestattet.

Dabei stellt sich die Frage, wo genau

man sich denn dann aufhalten darf?

!

Bezüglich des Verhaltens der Schüler ist auch das K. u.

K. Gymnasium in Meran sehr genau:

Unnötiger Verkehr mit Nichtstudenten, insofern es

sich hierbei nicht um Verwandte und überhaupt um

Personen von erwiesen achtbarem und vertrauenswürdigem

Charakter handelt, ist ebenfalls untersagt.

Die Frage ist, was ist mit Verwandten ohne ehrbarem

Charakter?

Jeder Schüler, der im Einverständnis mit seinen Eltern

oder deren Vertreter die Anstalt verlässt, ist verpflichtet,

seinen Austritt dem Direktor und dem Klassenlehrer

gehörig zu melden.

Ob es damals auch schon die berühmten gelben Absenzenheftchen

gab, oder ob es tatsächlich reichte,

seinen Austritt “gehörig zu melden”, was auch immer

man darunter verstand?

Für den genossenen Unterricht ist er Schüler der Lehranstalt

zum Danke verpflichtet.

Nur ein Wort stimmte uns hier nachdenklich…genossen?!


Und nun der wahrscheinlich wichtigste Punkt, sei es damals

wie heute:

Das ganze sittliche Verhalten der Schüler sei übrigens

kein bloß äußerliches, aus Furcht vor den Lehrern,

Aufsehern oder den angedrohten Strafen erzwungenes,

sondern gründe sich auf ungeheuchelter Liebe zur

Tugend und Wissenschaft, wurzle in einem Herzen,

das Unsittlichkeit jeder Art: Anmaßung, Rohheit und

Gemeinheit in Sprache und Gebärde, Widersetzlich-

Der Theo – Tag

Wir besuchen die Theologie

Für mich fing der 14. Februar ja gut an: Ein Mitschüler

und ich verpassten den Zug, der uns

mit 16 anderen Fränzis, inklusive Pater Roland,

nach Brixen zum Theo-Tag bringen sollte. Trotz

unserer einstündigen Verspätung trafen wir aber

genau rechtzeitig ein, denn das eigentliche Programm

ging erst um 10 Uhr los. Insgesamt 200

Oberschüler aus ganz Südtirol, deutsch- sowie

italienischsprachige, wurden für einen Vormittag

auf das Brixner Priesterseminar losgelassen.

Warum? Um uns, der oft als unausreichend in-

Die franziskanische Delegation am TheoTag

formierten oder sogar desinteressiert geltenden

Jugend, vorzustellen, wie viele Betätigungsfelder

mit der Kirche zu tun haben, welche Möglichkeiten

es gibt, wie diese aussehen und warum sie

wichtig sind.

Nun, wenn ich was über die Kirche wissen will,

„kann ich ja auch im Internet nachschauen“,

könnte man jetzt sagen. Allerdings ging es beim

Theo-Tag nicht nur um reine Information, sondern

vor allem um das Miteinbezogenwerden.

Bischof Ivo Muser stellte diesen Tag nicht umsonst

unter das Motto “Kommt und seht!“. Eine

Einladung also, die keineswegs nur für jemanden

gilt, der einen geistlichen Beruf ergreifen

will, sondern eine, die an uns alle gerichtet ist.

Obwohl der Theo – Tag grundsätzlich für Maturanten

gedacht war, bot Pater Roland ihn auch

in den unteren Klassen der Oberschule an, da er

seiner Meinung nach

nicht nur eine Berufsberatung

in letzter Minute

sein sollte, sondern

ein Hinweis, der

ruhig schon früher

gegeben werden kann,

um dann mit der Zeit

zu reifen, wie er uns

später erklärte.

Ich ging mit nur sehr

vagen Vorstellungen

zu dieser Veranstaltung

und wusste eigentlich

überhaupt nicht, was

auf uns zukommen würde.

Es stellte sich heraus, dass wir weitgehend selbst

entscheiden konnten, was wir tun wollten. Es

gab zahlreiche Angebote, die von Vorträgen und

Filmen über Workshops bis zu Gesprächsmöglichkeiten

mit Vertretern von allen möglichen

Organisationen reichten. Darunter sprach auch

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keit, Verlogenheit, Betrug, Müßiggang, Unzüchtigkeit,

Missachtung fremden Eigentums u. dergleichen, ernstlich

und entschieden verabscheut.

Damit dürfte wohl alles gesagt sein.

Hannah Lezuo/Verena Walther


Pater Roland über seine Erfahrungen als Gefangenenseelsorger.

Einige andere und ich entschieden uns letztlich, zu einem

Vortrag zu gehen, der unter dem Namen „Theologie

mit Dr. House“ angekündigt war. Natürlich zog

uns dieser Vortrag schon allein des Namens wegen an.

Das zweite Angebot, für das wir uns entschieden, war

ein Filmprojekt eines italienischen Religionslehrers

P. Martin Lindner vertiefte in seinem Workshopseminar

das Thema „Sexualität und

Kirche“

Nach dem interessanten Vormittag wurde uns ein

Mittagessen serviert.

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mit Schülern der Carduccischule. Dieser beeindruckte

mich persönlich, da er meiner Meinung nach sehr

treffend und realistisch den Zusammenhang zwischen

dem Alltagsleben der Jugendlichen und Religion darstellte.

Verena Walther

P. Roland spricht über die Gefängnisseelsorge

Sogar der Diözesanbischod hatte seine Gesprächsecke,

um alle Fragen zu beantworten.


„Lass uns schmutzig Liebe machen...“

Ein Essay über die Frage, was die Liebe wirklich ist.

„Lass uns schmutzig Liebe machen, alle diese wilden

Sachen, die man nur aus Filmen kennt und nie

beim Namen nennt.“ So lautet der Refrain des Liedes

„Lass uns schmutzig Liebe machen“, von den

„Doofen“. Es geht dabei um einen Mann, der mit einer

Frau irgendwo ist, sie re- det,

während er nur eines

will und zwar Liebe

machen. Hier bekommt

das Wort

Liebe die Bedeutung

von Sex.

In der Musik spielt

die Liebe eine zentrale

Rolle. Es gibt

zahlreiche Lieder, die

über Liebe handeln. Jedoch

haben alle Songs eine

unterschiedliche Auffassung

von Liebe. Einmal geht es um das

Körperliche, wie bereits erwähnt,

einmal um das Gefühl der Liebe und

das damit verbundene Glück und einmal

um den Schmerz, der mit der Liebe Hand in

Hand geht.

Was ist Liebe? Steckt hinter dem Begriff Liebe nicht

mehr? Geht es bei Liebe wirklich nur um das rein

Körperliche, um die Gefühle oder doch um den

Schmerz?

Um das herauszufinden, müssen wir Liebe aus mehreren

Standpunkten betrachten. Denn ist Liebe

wenn ich Schmetterlinge im Bauch habe, sobald ich

an eine Person denke? Oder ist Liebe wirklich nur

ein anderer Begriff für Sex?

Die Eskimos, zum Beispiel, haben hunderte von

Wörtern für Schnee. Aber wir haben nur diesen

einen Begriff, der für mehrere Sachen steht. Denn

wenn Liebe nur körperlich ist, könnten wir uns wie

die Tiere einfach nur paaren, in den Paarungszeiten.

Doch dies ist nicht Liebe, obwohl man das nicht so

genau sagen kann. Denn es gibt viele Arten der Liebe.

Auf jeden Fall steht fest, dass die Liebe für viele

Menschen das größte Glück auf Erden ist. Man liebt

einen Menschen, weil er ist, wie er ist. Das bedeutet,

dass man ihm vertraut, dass man dieser Person alles

sagen kann und dass, wenn man mit ihr/ihm ist, alles

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andere vergisst. Die körperliche Liebe gehört auch zu

dieser Liebe. Aber Liebe ist nicht nur rein körperlich.

Jeder Mensch hat eine andere Vorstellung, wie

Liebe aussieht. Bei manchen ist Liebe mit Romantik

verbunden, bei anderen nur der Sex und wiederum

bei anderen bedeutet Liebe

Schmerz.

Kommen wir nun einmal

auf das Wort „Liebe“

und seine Bedeutung

nach dem Lexikon. Definition

von „Liebe“ ist

laut Lexikon einst im engeren

Sinne die Bezeichnung

für die stärkste Zuneigung,

die ein Mensch für

einen anderen Menschen zu

empfinden fähig ist. Also wie bereits

vorher angesprochen bedeutet

verliebt sein, Schmetterlinge im Bauch zu

haben. Aber wenn ich meine Familie liebe,

habe ich doch keine Schmetterlinge im Bauch.

Wir sehen also, dass man nicht nur unter dem Begriff

Liebe mehrere Sachen versteht, sondern, dass es

auch mehrere Formen der Liebe gibt.

Doch was ist dann die wahre Liebe? Da bei so einem

Thema jeder Mensch eigene Erfahrungen gemacht

hat, die sich von Person zu Person, von Geschlecht

zu Geschlecht und von Alter zu Alter ändert, ist es

schwer objektiv zu sagen was die wahre Liebe ist. Man

kann jedoch sagen, dass sie nicht beinflussbar ist. Sie

fällt über einen her. Man kann sie keinem Menschen

der Welt aufzwingen. Sie passiert einfach. Sie kommt

und geht. Was auch fest steht ist, dass Liebe für viele

Menschen Schmerz bedeutet. Auch wenn das nicht

immer der Fall ist. Denn es gibt Menschen, die sich

Lieben und bei denen vergeht sie nie. Erst der Tod

trennt sie. Aber sie kann schmerzhaft sein, vor allem,

wenn man jemanden liebt, die andere Person einen

aber nicht. Wie im Lied „Alles aus Liebe“ von den

Toten Hosen. Dort wird die Liebe als Gefangenschaft

beschrieben und man fühlt sich wie verhext. Und

schlussendlich führt sie zum Selbstmord, also zum

Schmerz. Im Lied wird der Schmerz übertrieben

dargestellt durch den Selbstmord. Bei Jugendlichen


kommt dieser Schmerz oft durch das Ritzen zum Ausdruck.

Sie wollen den Schmerz der Liebe durch andere

Schmerzen verdrängen. Dabei fühlt der Mensch

Hass. Meistens Selbsthass. Man denkt dies seien zwei

verschiedene Sachen. Jedoch sind Liebe und Hass

dasselbe. Der Chemiker würde sagen, dass es nur

zwei verschiedene Aggregatzustände sind. Denn Liebe

wird oft mit dem Feuer verglichen, das den Körper

wärmt und vor allem das Herz. Doch sobald sie

fort ist, wird das Herz kalt. Es gefriert. Der Hass. Er

schützt den Menschen vor einer erneuten Enttäuschung.

Man verschließt sich und lässt sie nicht mehr

zu. Geht das überhaupt? Kann man Liebe einfach verdrängen

und nie mehr empfinden? Nein. Dies geht für

eine bestimmte Zeit. Denn sie wird wieder kommen.

Das Feuer wird im Herzen erneut aufglühen. Egal, wie

oft man enttäuscht wurde.

Liebe kann man auch mit einem Gebäck vergleichen.

Es schmeckt gut und man fühlt sich glücklich, wenn

man es hat. Doch sobald der Kuchen, zum Beispiel,

fertig ist, fühlt man sich, übertrieben ausgedrückt

,traurig und leer im Herzen. Wir haben Angst davor

und konservieren den Kuchen, solange es geht. Doch

dies funktioniert nicht für die Ewigkeit. Warum backen

wir dann diesen Kuchen überhaupt, wenn wir

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wissen, dass er irgendwann fertig sein wird? Wir backen

ihn, weil sonst unser Leben immer ohne Glück

sein wird und noch leerer.

Der Schmerz kommt auch bei Tristan und Isolde vor.

Denn sie sterben aus Liebe zum anderen. Wenn man

wirklich verliebt ist, kann man wie in diesem Buch,

ohne den anderen nicht mehr leben und will es auch

nicht. Wie bei einem Papageien-Paar. Sie leben ein Leben

lang zusammen und wenn einer stirbt, stirbt der

Partner kurz drauf.

Für manche ist Liebe das größte Glück, für andere das

größte Unglück. Jeder wird sie im mindestens Leben

einmal erfahren. Ob gut oder schlecht, das sei dahingestellt.

Jedoch ist sie unvorhersehbar und verändert

Menschen. Ob zum Guten oder zum Schlechten, weiß

man nicht. Sie kann zur Selbstzerstörung führen oder

zum Glück. Sie ist schön und zugleich gefährlich. Jeder

muss das Beste aus der Liebe machen. Sie ist ein

Gefühl und nicht nur das hemmungslose sich hingeben

einem anderen gegenüber. Also kann man Liebe

nicht machen sondern nur erfahren und auskosten.

Bastian Riccardi


Was wurde eigentlich aus....

Zusammengestellt von Bastian Riccardi

Was wurde aus George W. Bush?

Wir erinnern uns noch alle an den 43. Präsidenten

der Vereinigten Staaten von Amerika. Von

2001 bis 2009 war er der wohl mächtigste Mann

der Welt. Doch mittlerweile ist er in den Hintergrund

gerückt. Deshalb stellt sich die Frage, welcher

Beschäftigung er nun nachgeht.

Bush geht keiner Arbeit mehr nach, wie zum Beispiel

Gerhard Schröder, von dem wir in der letzten

Ausgabe berichtet haben. Der Ex-Präsident

beschäftigt sich als Buchautor und gab im November

2010 sein erstes Werk namens „Decision

Points“ heraus. Dieses Buch beinhaltet seine

Memoiren und es geht um die 14 wichtigsten und

umstrittensten Entscheidungen seiner Präsidentschaft.

Zudem lässt er eine „Presidential Library“ bauen,

welche im September 2013 für Besucher eröffnet

werden soll. Auch tritt er, wie Bill Clinton ,als

Redner auf. Und in letzter Zeit kamen Plakate,

T-Shirts und vieles mehr auf den Markt, mit der

Aufschrift „Miss me yet?“.

Ansonsten hält er sich meistens in Dallas, Texas,

seinem Wohnort, auf. Dort macht er das, was ein

normaler Mensch in Pension auch macht. Er fährt

Mountainbike, geht zu Baseballspielen.

Warten wir ab, ob wir in Zukunft vielleicht wieder

mehr von ihm hören werden.

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Was wurde aus Fukushima?

Am 11. März war das Atomkraftwerk von Fukushima

(Japan) in allen Schlagzeilen der Medien. Ein

Erdbeben mit nachfolgendem Tsunami zerstörte damals

nicht nur Städte und Dörfer, sondern auch ein

Kernkraftwerk. Es wurde stark beschädigt und geriet

außer Kontrolle. Radioaktives Material trat aus und

verpestete die Umwelt. Aber wie sieht es knapp ein

Jahr später dort aus?

Ganze Dörfer sind immer noch evakuiert und nicht

bewohnbar. Viele Japaner, die Opfer dieser Katastrophe

geworden sind, leben immer noch in Notunterkünften.

Zwar ist man mittlerweile beim Aufräumen, aber das

ist ein sehr gefährlicher und in vielen Fällen tödlicher

Job. Dafür werden vor allem Tagelöhner angestellt,

die von den Mafiabanden der Yakuza vermittelt werden,

die schon seit Jahrzehnten Tagelöhner an Baustellen

weiterleiten. Momentan sind 5.000 Mann im

Einsatz.

Laut Regierungschef Yoshihiko Noda ist alles unter

Kontrolle. Doch Experten sind anderer Meinung.

Zudem ist noch unklar, was mit dem bereits verwendeten

und somit kontaminierten Kühlwasser geschieht.

Kurzzeitig hatte man sogar überlegt, dieses

ins Meer zu leiten.

Man kann also sagen, dass sich die Lage beruhigt,

aber nicht entschärft hat.

Was wurde aus berühmten Kinderstars?

Wer kennt sie nicht? Alle Jahre wieder zu Weihnachten

kommen sie via Fernseher mit ihren Kinderfilmen in unsere

Wohnzimmer. Ja genau, die Rede ist von Pippi Langstrumpf,

Michel aus Löneberga und Kevin (dem, der allein

zu Haus ist).

Doch was geschah aus den Schauspielern, die hinter Pippi,

Michel und Kevin steckten?

Pippilotta Viktualia Rollgardina Schokominza

Efraimstochter Langstrumpf alias Inger Nilsson

wollte Schauspielerin werden. Allerdings wurde

ihr Gesicht so mit der Rolle der Pippi in Verbindung

gebracht, dass es sehr schwierig für sie war,

als Erwachsene andere Rollen zu bekommen. Erst

2007 kam sie wieder ins Fernsehen, mit der ZDF

Krimiserie „Der Kommissar und das Meer“. Jedoch

gelangte sie nicht mehr zu dem Ruhm wie damals.

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Auch der Michel, alias Jan Ohlsson,

spielt schon lange keine Streiche

mehr. Er wollte ebenfalls seine Schauspielerkarriere

fortsetzen, unterließ

dies aber aufgrund seiner bereits erlebten

Erfolge und seines mäßigen

Talents. Mittlerweile ist er Vater von

zwei Kindern und arbeitet als Systemtechniker

einer Datenfirma. Öffentliche

Auftritte lehnt er ab und führt ein

zurückgezogenes Leben.

Und Kevin, alias Macaulay Carson Culkin, konnte zwar seine

Schauspielkarriere weiterführen, glänzte jedoch dabei nicht

all zu sehr. Mit den 1994 erschienenen Filmen „Allein mit

Dad & Co“ und „Richie Rich“ wurde er für die goldene Himbeere,

den Preis für die schlechteste schauspielerische Leistung,

nominiert. Zudem heiratete und trennte er sich öfters,

was ihm mehr negative Schlagzeilen in den Medien bescherte

als Erfolge auf der Kinoleinwand. Bereits als Jugendlicher veröffentlichte

er eine Autobiographie, in der er vor allem von

der Scheidung seiner Eltern berichtet, die sich trennten, als er

gerade einmal 14 Jahre alt war.

Zudem wurde er 2004 mit seiner Schauspielkollegin

Bett Tabisel mit Drogen erwischt und wurde zu einer

einjährigen Bewährungsstrafe verurteilt.

Auch wenn diese drei in ihrem Leben nach dem großen Clou nicht mehr viel erreicht haben, werden

sie jedes Jahr wieder im Fernseher zu sehen sein und wir werden mit großer Freude über ihre

Scherze lachen.

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Eurobond, Spread…. Kann man das essen?

Kompliziertes aus Wirtschaft und Politik einfach erklärt

„Heute ist der Spread wieder um 3 Punkte gestiegen!“

Solche Nachrichten sind in diesen Wochen gang

und gäbe. Begriffe wie „Bond“ oder „Spread“, von

denen man zwar weiß, dass es keine Gerichte sind,

dass sie etwas mit Wirtschaft zu tun haben, vielleicht

auch ungefähr, was sie bedeuten, werden uns um die

Ohren gehauen. Klarheit und Überblick (ein recht

schwieriges Unterfangen) wollte ich mir auch schon

lange verschaffen. Hier mein Ergebnis:

A) Der (verfluchte) Spread

„Spread“ steht im Englischen für „Verbreitung“. In

der Wirtschaft wird der Begriff allgemein verwendet,

um zwei einheitsgleiche Größen zu vergleichen. Der

Spread, mit dem es die Nachrichten so haben. ist der

s.g. „Credit Spread“ : Er hält die Differenz zwischen

den Renditen zweier Wertpapiere fest.

Mit Wertpapieren (bei Staaten Staatsanleihen) finanzieren

sich die Staaten. Sie leihen sich von Investoren

Kapital, zahlen ihnen Zinsen und am Ende der Laufzeit

des Wertpapieres wird das Kapital zurückerstattet.

Die Höhe der Zinsen ist von Staat zu Staat unterschiedlich.

Beispiel: Aufgrund der schlechten Wirtschaftslage

Italiens lassen sich die italienischen Staatsanleihen

nur schwer verkaufen, da die Investoren die Bonität

des Staates in Frage stellen. Deshalb muss der italienische

Staat hohe Zinsen anbieten, damit die Investoren

die Wertpapiere kaufen.

Deuschlands Wirtschaft wird hingegen als solide und

gesund eingestuft; die Staatsanleihen lassen sich auch

mit geringer Verzinsung verkaufen.

Die Differenz zwischen dem italienischen BTP („Buoni

del Tesoro Poliennali“- Staatsanleihen) und den

deutschen BUNDesanleihen nennt man „Spread“.

Die Staatsanleihen werden täglich gehandelt. Die Investoren

reagieren äußerst sensibel auf Nachrichten

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aus der Wirtschaftswelt. So erklären sich die täglichen

Schwankungen des „Spread“.

B) Bond und Eurobond

Anleihen werden im Englischen „Bond“ genannt. Jeder

Staat hat für seine Bonds, wie oben erklärt, seinen

eigenen Zinssatz (z.B. Deutschland einen niedrigen,

Italien einen hohen). Nun wird, auf Vorschlag des

Ex- Finanzministers von Italien, Giulio Tremonti,

darüber diskutiert, ob sich die Euro-Staaten nicht zusammenschließen

sollten, um „gemeinsam“ Kredite

aufzunehmen. So würde man den Zinssatz aller Staaten

auf einen Durchschnittswert bringen. Für einige

Staaten, wie z. B. Italien oder Griechenland, würde

das bedeuten, dass sie weniger Zinsen zahlen müssten.

Für Staaten wie Deutschland und Frankreich

würde das bedeuten, dass sie mehr zahlen müssten.

Auf ersten Blick scheinen die Eurobond kein gutes

Geschäft für „starke Staaten“ zu sein. Viele Wirtschaftsexperten

sind jedoch der Meinung, dass es

langfristig für alle Vorteile bringen würde. Die Diskussion

ist voll im Gange.

Wer mehr von Wirtschaft und Politik ohne großen

Zeitaufwand verstehen will, dem empfehle ich sehr

den You Tube Canal “by explainity“, wo Begriffe aus

der Wirtschaft und Finanzwelt sehr locker und einfach

erklärt werden.

Quelle: Oggi.it

Francesco Gianola


An der Schwelle zu einem alten Zeitalter

Der wiederaufkommende Rechtspopulismus in Ungarn unter

Viktor Orbán

Auf diesem Detailfoto eines

Gemäldes sieht man eine Szene

aus dem Jahr 1989: Ein

Mann mittleren Alters, wildbelockt,

bittet in einer mutigen

und regierungskritischen

Ansprache um den Abzug der

sowjetischen Truppen aus seinem

Heimatland Ungarn und

– um die Umbestattung von

Imre Nagy.

Dieser war Anführer des Ungarischen

Volksaufstandes

von 1956 und sogar Ministerpräsident

Ungarns gewesen.

Weil er aber ein pluralistisches,

von der UdSSR unabhängiges

und demokratisches

Ungarn forderte, stürzten

sowjetische Panzertruppen

Ende ‚56 die neue Regierung.

Am 16. Juni 1958 wurde Nagy schließlich erhängt,

mit Säure übergossen und zusammen mit tausenden

anderen Aufständischen

in ein Massengrab Budapests

geworfen.

Die Rede fand im ganzen Land

Zustimmung und nach dem

Zusammenbruch der kommunistischen

Systeme wurde

Nagy, der heute als Volksheld

und Freiheitskämpfer gefeiert

wird, eine feierliche Neubestattung

gewährt.

Doch was wurde aus dem

mutigen Plädoyanten?

Er gelangte 1993 an die Spitze

der liberalen Partei Fidesz-

Ungarischer Bürgerbund und

begann dort seinen Aufstieg.

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Er, der Rechtswissenschaften

in Budapest und politische

Philosophie an der

Universität Oxford studiert

hat, lenkte in den folgenden

Jahren die Partei auf einen

neuen Weg. Auf den „rechten“

Weg.

Und am 29. Mai 2010 wurde

er, Viktor Orbán, schließlich

zum Ministerpräsidenten

Ungarns vereidigt.

Zum zweiten Mal. Denn er

regierte bereits einmal von

1998 bis 2002. Am Ende

dieser Amtsperiode verlor

er die Wahlen gegen den

laut der ‚Presse‘ weit unbegabteren

Vertreter der Linken,

Péter Medgyessy. 2006

wurde er außerdem vom

Sozialisten Ferenc Gyurcsány bei einer TV-Debatte

„in Grund und Boden geredet“. Diese Niederlagen

könnten ein Grund dafür

sein, dass Orbán seine

Machtposition nun dauerhaft

festigen und einen

antiquierten Personenkult

seiner Selbst errichten

will.

Viktor Orbàn (2010)

Im Rahmen einer Ausstellung

über die ungarische

Geschichte der

letzten 150 Jahre lässt er

dafür den Theaterregisseur

und Staatssekretär

Imre Kerenyi 15 Bilder

anfertigen. Darunter

eben das obrige Bild, auf

dem Orbán sich selbst als

Helden, Freiheitskämpfer

und großen Redner dar-


stellen lässt.

Generell sollen all diese Gemälde (unter dem Deckmantel

moderner Kunst) dem Volk alte ungarische

Werte und Traditionen näherbringen. Dargestellt

werden hauptsächlich ungarische Volkshelden, Könige

und eben zeitgenössische Politiker, die damit selbst

in die Rige der illustren Staatsväter erhoben werden.

Der von 1920-1944 regierende Miklós Horthy, der

zum Opfer der Intrigen anderer Staaten während des

zweiten Weltkrieges hochstilisiert wird, ist nur ein

Beispiel dafür.

Demostranten in Budapest am 1.1.2012

Diese Darstellung Ungarns als Opfer anderer europäischer

Staaten ist nur eine von vielen unterschwelligen

Aussagen, die dem Volk über geschickte Propaganda

– ja, ich verwende dieses Wort bewusst – vermittelt

werden sollen.

Denn am 01. 01. 2012 ist die neue Verfassung Ungarns

in Kraft getreten und um sie dauerhaft wirksam

zu machen, müssen das Land, seine Institutionen und

nicht zuletzt seine Bevölkerung zurechtgestutzt werden.

Das scheint aber in einer Demokratie aufgeklärter

Bürger nicht mehr so einfach zu sein wie in den

krisengeschüttelten Sytemen der 20er und 30er-Jahre.

Während nämlich, laut der FAZ, die Regierungspolitiker

am 1. 1. zur Feier der neuen Verfassung im Budapester

Opernhaus Sekt schlürften, demonstrierten

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vor dem Gebäude zehntausende wütende Bürger, um

nicht zu mundtoten ‚Mitläufern‘ eines Hybridregimes

wie in Russland gemacht zu werden.

Das beste und wohl berühmteste Beispiel für dieses

‚Mundtotmachen‘ ist die Schließung des letzten unabhängigen

und regierungskritischen Rundfunksenders,

Klubrádió. Ihm wurde die Zulassung entzogen,

weil er angeblich nicht genug Geld gezahlt hatte, um

sich eine Frequenz zu sichern, obwohl der Sender eine

halbe Million Zuhörer erreicht und die Lizenz bisher

stets problemlos erhalten hat. Nun soll der kommer-

zielle und vollkommen unbekannte Kleinsender Autorádió

die Frequenz bekommen. Ach ja, außerdem

sitzen in der Medienaufsichtsbehörde NMHH, welche

die Lizenzen verteilt, Mitglieder der Fidesz-Partei.

Neben der Zensur der Medien gibt es weitere umstrittene

Pfeiler der neuen ‚Osterverfassung‘, die mit einer

Zweidrittelmehrheit durch‘s Parlament gebracht und

am 25. 04. 2011 von Staatspräsident Pál Schmitt (Fidesz)

unterzeichnet wurde.

Der Bezug zur ungarischen Geschichte und zum ersten

ungarischen König, dem hl. Stephan, ist oft in die

Verfassung miteingewoben worden. Dieser stark nationalistische

Grundgedanke der Verfassung scheint

auch aus der Formulierug hervor, dass die Regierung


die ungarische Kultur und das Karpatenbecken verteidigen

werde. (was den Rechtsextremen in Ungarn die

Berechtigung geben kann, ihr Land vor ‚Eindringlingen‘

und ‚Andersartigen‘ zu schützen – wie es bei den

Hetzjagden gegen die Roma im letzten Jahr geschehen

ist.)

Dieses rückwartsgewandte Denken findet sich auch in

den religiösen Bestimmugen wieder: Von den 360 zugelassenen

Glaubensgruppen wurden nur 4 als solche

offiziell anerkannt.

Das Verfassungsgericht selbst wird immer weniger

transparent, wohingegen die Haushaltswirtschaft des

Privatmanns dem Staat immer mehr Einsicht gewähren

soll. Abtreibung und gleichgeschlechtliche Ehen

werden verboten...

...die Verfassung wird nach italienischem Vorbild relativiert:

„Grundrechte können im Interesse der Durchsetzung

anderer Grundrechte oder des Schutzes von

verfassungsmäßigen Werten im unbedingt erforderlichen

und dem zu erreichenden Zweck angemessenen

Maße, unter Beachtung des wesentlichen Inhalts des

Grundrechts eingeschränkt werden.“ Grundrechte

können also eingeschränkt werden, um Werten wie

dem Nationalstolz zu entsprechen. Schriebe nun also

ein Journalist etwas, was in den Augen des Verfassungsgerichts

gegen den Nationalstolz spricht, könnte

er damit auch das Grundgesetz verletzen. Heikle Zeiten

für Meinungsfreiheit.

Pál Schmitt, der zuvor erwähnte Staatspräsident, kann

das ganze Parlament auch nach der Regierungszeit

der Fidesz-Partei auflösen, wenn bis zum 31. März der

Haushalt noch nicht beschlossen wurde.

Wie auf diesem Bild soll nun in jeder Gemeinde in

Ungarn ein ‚Verfassungsaltar‘ stehen.

Wegen der Infiltrierung beinahe aller hohen Ämter

durch Fidesz-Mitglieder und der politischen

Machtabsicherung scheint die Zukunft Ungarns leider

allzu gewiss: Der Staat, der durch die Verfassung

nur noch ‚Ungarn‘ und nicht mehr ‚Republik Ungarn‘

heißt, wird langsam entdemokratisiert. Das Ein-Parteien-System

scheint wieder in greifbarer Nähe und

die extreme Rechte mit der ‚Jobbik‘, der drittstärksten

Partei des Landes, erstarkt im Windschatten der Reformen.

Die weitere Zukunft Ungarns wird sich meiner Ein-

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schätzung nach v.a. in der wirtschaftlichen Entwicklung

und in den außenpolitischen Beziehungen entscheiden:

Denn Ungarn, das sich bereits vor einiger

Zeit von der EU ca. 20 Mrd. Euro leihen musste, steckt

ebenfalls in der Krise und wird keine weiteren finanziellen

Hilfen erhalten, wenn es seine Demokratie weiterhin

derart aushöhlt.

Die Bild-Zeitung erwähnt in diesem Zusammmenhang

‚Wut-Briefe‘ seitens US-Außenministerin Clin-

ton und EU-Kommissionspräsident Barroso, die

Orbán aber im Stile einer Vorwärtsverteidigung als

Hetzjagd der internationalen Linken abtut.

Wie lange er das noch kann – ist abzuwarten.

Wie auf diesem Bild soll nun in jeder Gemeinde in Ungarn

ein ‚Verfassungsaltar‘ stehen

Luois Schropp


Ein philosophischer Ball

Ein Blick hinter die Kulissen des Fränziballs

Wie es sich für jedes humanistische Gymnasium gehört,

werden bei uns nicht nur die griechische Sprache

gelehrt, sondern auch antike Traditionen weitergeführt-

das Symposion zum Beispiel.

Zu einem solchen luden im Zuge des Fränziballs 2012

auch in diesem Jahr wieder die Maturanten der Oktava

– freilich sollte es sich dabei um ein „gemeinsames

geselliges Gelage“ auf höchstem Niveau handeln,

wie man das von Fränzibällen in der Vergangenheit

gewohnt war.

Somit lagen auch auf dieser Abschlussklasse wieder

höchste Erwartungen.

Doch nicht grundlos bezeichnete sich diese heuer in

der Maturazeitung als Philosophen sie ging die Sache

mit dem nötigen Weitblick an. Bald nach dem Fränziball

2011, so berichtet man mir, habe sich das Ballkomitee,

aus fünf Schülern, fünf Eltern und einer Lehrperson

bestehend, gebildet. Kurz darauf kamen schon

die erste Sitzung, die Aufteilung der verschiedenen

Aufgaben, z.B. Musik, Kulinarium, Kartenvorverkauf

und die Sponsorensuche, etwas vom Wichtigsten. Von

der unscheinbaren Metzgerei bis hin zu den „Großen“

wie z.B. Athesia, bei denen auch mal die Eltern zum

„Vorbetteln“ anrufen, da man sonst nicht ernst genommen

wird, ist alles erwünscht. Je mehr Sponsoren,

desto prächtiger der Ball. Heuer sind sie angeblich

besonders großzügig gewesen (wie großzügig,

darf nicht gesagt werden). Ist also auch alles bestens

organisiert? Wir werden sehen...

Um 19.10 Uhr des 14. Januar betrete ich, frisch herausgeputzt

und mit Eintrittskarte, Schreibblock, Fotoapparat

und einem zweiten Paar Schuhe - man weiß ja

nie, wie lange es die Füße in den hohen Absätzen aushalten

- ausgerüstet den Kursaal. Meine zehnminütige

Verspätung fällt nicht auf, da die restlichen 71 Helfer

– teils aus dem 1. und 2. Lyzeum, teils von außerhalb -

selbst noch beim „Ratschen“ sind. Schnell alle grüßen,

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Jacke in der Garderobe abgeben und auf geht´s in den

zweiten Stock. Dort werden uns, den „Kuchenbuffethelfern“,

die letzten Anweisungen gegeben: nüchtern

und pünktlich zur zweistündigen Arbeitsschicht

erscheinen, keine Kuchen und keinen Sekt umsonst

aufschenken, immer höflich sein und lächeln. Wenn

all dies befolgt wird, bekommt man am Ende das Eintrittsgeld

(20 Euro) zurück.

Inzwischen sind auch schon die ersten der 1739 Gäste

(Polonaisetänzer, Helfer und Maturanten ausgenommen)

eingetrudelt. Sie versammeln sich um die Sektbar,

um ihr Freigetränk einzulösen. Keine schlechte

Idee, ich könnte es ihnen gleichtun.

Während ich so dastehe, Leute beobachte, meinen

„Orangensekt“ genieße und mit Bekannten die üblichen

Komplimente über Kleider und Frisur austausche,

kommt mir eine weiß gekleidete Freundin mit

Krone im Haar entgegen, nimmt mich bei der Hand

und schleift mich quer durch den Kursaal zu einer Tür.

Hinter dieser ist ein Raum, der unter der Bühne liegt.

Hier halten sich die Polonaisetänzer auf. Es herrscht

aufgeregtes Geplappere: Freundinnen, die sich sorgen,

ob ja alles gut gehen wird, denn obwohl sie schon

seit Mitte Dezember proben, ist manches Mädchen

bei der Hebefiguren immer noch nicht in „sicheren

Händen“; Buben, die entgegnen, Mädchen seien einfach

zu schwer zum Heben. Weitere Freundinnen, die

sich um ihre Frisur kümmern, Tanzlehrerin Spetzger,

die sich beklagt, dass es jedes Jahr das Gleiche, und

zwar Pasta, zum Abendessen gebe. Eilig wünsche ich

allen noch viel Glück, dann mache ich mich davon:

Die ganze Hektik kann ruhig bis nächstes Jahr warten,

wo ich selbst Polonaise tanzen werde.

Doch auch im Kursaal ist es nicht viel besser: Inzwischen

sind schon viele Gäste da. Bis ich alle Bekannten

gegrüßt und meine Freundinnen wiedergefunden

habe, ist es auch schon 21.15: Polonaisezeit. Jetzt

muss ein guter Platz gefunden werden, um die Fotos

der Maturanten auf der Leinwand kommentieren zu

können, und dann ist es schon so weit: Die Lichter

gehen aus und die Paare marschieren herein. Hoffentlich

geht alles gut! Nach fünf Minuten schnauft der

in meiner Handfläche zusammengedrückte Daumen

wieder auf – und ich mit ihm. Alles ist gut gelaufen.

Nach der üblichen Maturantenvorstellung und der

Balleröffnung durch den Tanz mit dem Landeshauptmann

beginnt der eigentliche Ball: Rosen werden


verkauft, Sekt und Bier werden – wie ich lächelnd

feststelle - auch von manchem Politiker, der sich eilig

zum Helfer hat umfunktionieren lassen, lässig ausgeschenkt.

Ein Blick in die Küche – hier herrscht Hochbetrieb.

In der Disco ist noch nicht viel los, also besuche ich

meine Freunde, von denen viele schon bei der Arbeit

sind: manche beim Einlass, andere bei der Tischanweisung,

in der Sektbar, bei den Losen. Interessiert

schweift mein Blick über die vielen Preise. Wie viele

es wohl sind? „211 Preise für 3500 Lose!“, weiß mir ein

Maturant zu berichten.

Im Nu ist es halb zwölf. Was für die meisten meiner

Schulfreunde heißt: „Arbeit beendet, los geht´s in

die Disco zum bekannten Dj Scotty“, heißt für mich:

„Schürze umbinden, die Arbeit beginnt!“

Unerwartet viele Leute drängen sich um das Kuchenbuffet,

wünschen Kaffee, Kuchen, Schokospieße. Hier

gilt: aufpassen beim Schokobrunnen, um nicht dreckig

zu werden, und Konzentration beim Restgeld

Geben. Es gibt keine Zeit, sich lange darüber zu schämen,

genau dem Mathematikprofessor 10 Euro zu

viel zurückgegeben zu haben - und darauf lächelnd

gefragt werden, ob es denn wirklich so wenig koste.

Um Mitternacht beruhigt sich die Lage für einige Minuten:

die Mitternachtseinlage kommt. Von der Arbeit

verhindert, muss ich sie mir am Tag danach auf

Video anschauen. Acht „fantastische Tänzer“, wie man

sie vorstellt, begeistern das Publikum mit drei kurzen

Tanzeinlagen, anfangs mit „Men in black“, später mit

graziösem BalLett.

Kurz darauf ein neuer Ansturm aufs Kuchenbuffet.

Mit der Zeit wird es etwas anstrengend. Immer mehr

Leute fordern, zusätzlich zum Kuchen und den Schokospießen,

die von einem Berg aus circa 200 Stück

in Rekordgeschwindigkeit zu einem kleinen Hügelchen

geschrumpft sind, auch noch Sekt, Wein, Saft.

Dreckige Gläser müssen in die Küche getragen, volle

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Müllsäcke weggebracht, Tische aufgeräumt, mit dir

plappernde Freunde beachtet, Kommentare zweier

angetrunkener Männer (eigenartigerweise waren es,

zumindest beim Kuchenbuffet, Männer, nicht Jugendliche)

verlegen entgegengenommen, korrektes Restgeld

ausgegeben, die langsam schmerzenden Füße ignoriert

werden. Einzig die lateinamerikanische Musik

spielende Band und das geklaute Küchlein versüßen

mir die Arbeitszeit.

Um halb zwei ist die wohlverdiente Disco angesagt.

Man munkelt, der schon vorher genannte Dj trinke

Mmmmh..!

die ganze Zeit nur Bier, doch seine Musik bringt jedem,

der sie bis jetzt noch nicht hatte, die gute Laune.

Nach einer Weile ausgelassenen Tanzens erfrischen

wir uns mit einem Drink an der „Fränzibar“. Wie viel

Alkohol da wohl angekauft und ausgeschenkt worden

ist? „Da muss ich leider passen“, verrät mir hinterher

ein Maturant „Ich kann aber sagen, dass es im Ganzen

viel weniger ist, als man sich denkt. Vor allem Bier,

von dem man glaubt, dass es am meisten getrunken

wird, braucht man bei weitem nicht so viel, wie man

es sich erwarten würde.“

Kurz vor drei bekommt die Müdigkeit Oberhand. Erschöpft

lasse ich mich auf die Couch im Lentnersaal

nieder. Ich denke über den Abend nach; eigentlich war

alles super organisiert, da haben die Philosophen eine

sehr gute Arbeit geleistet. Bis sich plötzlich ein ebenso

erschöpfter Maturant neben mir niederlässt und mir

von der kleinen, großen Katastrophe berichtet: Für

100 Tische seien ebenso viele Tischfähnchen bestellt

worden...schade, dass irgendwo ein Fehler unterlaufen

sein muss, denn geliefert wurden 1000 Fähnchen.

Während wir uns über dies und jenes unterhalten und

grübeln, wie lange er denn noch aufräumen müsse (es

wurde am Ende sechs), nähert sich ein weiterer Maturant,

einen großen Karton in der Hand, und bietet uns

übriggebliebene Küchlein an: Auch von diesen wurden

viel zu viele angekauft. Naja, Philosophen sind

eben auch nur Menschen.

Martina Gianola


Der Zaun

Eine Kurzgeschichte von Bastian Riccardi

Ich stehe im Park. Rundherum steht die ganze Welt

still. Noch. Die Sonne ist gerade beim Aufgehen. Langsam

steigt sie über mir empor und blendet mich. Die

Vögel um mich herum beginnen mit ihrem morgendlichen

Konzert. Allen voran Roman, der Spatz. Er ist

immer der Erste und will seinen Damen imponieren,

mit seiner tiefen Stimme und seinem schönen Gefieder.

Auch die ersten Bienen beginnen nun ihre Arbeit

und summen durch die Luft. Nur Elmar liegt noch auf

der faulen Haut und schlummert vor sich hin, bis Thomas

ihn weckt.

Mitten in diesem Schauspiel stehe ich. Rundherum erwacht

alles zum Leben. Sogar im grünen, saftigen und

noch feuchten Gras beginnt das erste Krabbeln. Da

sehe ich auch schon den noch verschlafenen Stinkkä-

fer Theodor zum Vorschein kommen. Die Tierwelt beginnt

immer munterer zu werden und noch bevor die

ersten Menschen erwachen, machen die Ameisen fast

schon ihre erste Pause. Die Bienen sind noch etwas zu

früh dran, denn manche Blumen haben ihre Blüten

noch geschlossen und sind noch beim Schlafen. Aber

auch die Eidechsendame Elisabeth ist schon auf und

klettert an mir empor, um die ersten Sonnenstrahlen

zu tanken. Es sieht ganz danach aus, als ob es ein wunderschöner

Tag werden wird.

Es weht eine angenehme Brise. Diese lässt die Blätter

der Bäume immer wieder sanft rascheln. Dadurch

wird auch Tamara das Eichkätzchen geweckt. Müde

kommt sie zum Vorschein und streckt

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sich. War wohl wieder mal eine kurze Nacht da oben

in den Wipfeln der Bäume.

So langsam erwachen auch die ersten Menschen. Der

erste Morgen-Läufer kommt vorbei. Damian, die Heuschrecke,

verzieht sich schnell und auch der kleine

bunte Schmetterling namens Ingo fliegt aufgeschreckt

davon. Einige Ameisen, die gerade den asphaltierten

Weg durch den grünen Park überqueren, haben weniger

Glück. Wieder drei Ameisen weniger. Auch Elfriede

hat es diesmal nicht geschafft, rechtzeitig davon zu

kommen.

Doch sobald der Läufer fort ist, kommt unser schöner

Schmetterlingsherr zurück. Auch die anderen Tiere

trauen sich wieder, zum Vorschein zu kommen. Die

Schwalben-Familie über mir im Baum genießt auch

die Morgensonne. Doch nun geht es los. Es geht nun

Schlag auf Schlag. Die Ruhe verschwindet immer mehr,

als würde sie flüchten. Und nun hält der Lärm Einzug.

Mit der Ruhe verschwinden nicht nur die Tiere, sondern

auch die Sonne versteckt sich nun hinter großen,

dunklen Wolken. Fast schon beängstigend, wie schnell

das alles geht. Auch ich fühle mich nicht mehr wohl.

Ich weiß auch wieso. Denn nun kommen nicht nur

Läufer, die mit ihrem Getrampel und dem lauten Aus-

und Einatmen einen riesigen Lärm machen. Auch

rundherum sorgen die Autos und LKWs für Unruhe.

Hie und da reden Leute laut auf ihr Mobiltelefon ein.

Und der Park? Der versteckt sich immer mehr. In der

Ferne hört man den Gärtner. Die Tiere im Gras irren

wild herum, retten, was sie können. Da


kommt sie auch schon, die laute Mähmaschine. Dort

ertönt die Kettensäge und schon wieder wird ein

Baum gefällt. Norbert. Er stand schon lange Zeit vor

mir im Park. Aber nun ist auch sein Aufenthalt hier zu

Ende. Ich werde kaum beachtet, alle laufen an mir vorüber.

Auch mein einziger Freund, der mir gegenüber

steht, fühlt sich nicht wohl. Die Leute trampeln auf

ihm herum und er muss vieles erleiden. Es wird immer

hektischer im Park, immer mehr Leute kommen.

Die Tiere wissen nicht wohin und können nicht ihrem

gewohnten Treiben nachgehen. Nur die Bienen kämpfen

um ihre Blumen. Mit ihren Stacheln wehren sie

sich gegen die Unruhestifter, auch wenn sie dabei ihr

Leben lassen müssen. Täglich opfern sich viele von ihnen.

„Kleine Kamikaze“, denke ich schmunzelnd. Vor

allem Alexander, den sie unter den Bienen Alexander

den Großen nennen, weil er wirklich eine sehr kräftige

und bildhübsche Biene war, regte sich jeden Tag

aufs Neue über die Menschen auf. Und heute starb er,

als er seinen Sohn Tommy vor einem Menschen retten

wollte. Rührend. Traurig. Aber auch die Ameisen

setzen sich zur Wehr und machen das Beste aus dieser

Situation. Sie krabbeln an den Picknickkörben herum

und stehlen so viel Nahrung wie möglich. Auch dabei

wird so manche Ameise entdeckt und platt gemacht.

Urban hat heute wie so oft wieder einmal Glück und

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kommt mit eine großen Beute davon.

Immer kleiner wird dieser Park. Irgendwann wird

er verschwinden, mitsamt seinen Bewohnern. Doch

nicht nur diesem Park wird es so gehen, nicht nur diesen

Bäumen, nicht nur diesen Tieren und nicht nur

diesen Blumen. Wenn die Menschen so weitermachen.

Aber mir kann das egal sein. Ich stehe nur hier

herum und werde auch irgendwann weg sein.

So langsam beginnt die Dämmerung, und mit ihr hält

die Ruhe wieder Einzug. Die Tiere krabbeln erleichtert

hervor aus ihren Verstecken und tollen herum. Auch

Rudolf, der alte Igel, kommt aus seinem Blätterhaufen

hervor und genießt noch die letzten Sonnenstrahlen.

Und der kleine Frosch fachsimpelt wie so oft mit der

Libellendame am Teichrand. Die Sonne kommt noch

ein letztes Mal zum Vorschein und sinkt hinter mir

hinab, bis zum nächsten Morgen, an dem der Kampf

ums Überleben aufs Neue startet.

Bastian Riccardi

Die Leiden eines unbekannten Franziskanerschülers

Mehr oder weniger frei nach Goethe

Die Leiden eines unbekannten Franziskanerschülers

Mehr oder weniger frei nach J.W. v. Goethe

Es ist uns allen wohl bekannt, dass selbst nach dunkelsten

Nächten der Morgen graut. Jtzt ist mir die

Geschichte eines Schülers zugetragen worden, dessen

Schicksal aufs engste mit einem wohlbekannten

Kaffeehaus verknüpft war. Nun, was ich von der Geschichte

des armen Schülers nur habe auffinden können,

habe ich mit Fleiß gesammelt und lege es euch

hier vor und weiß, dass ihr mir’s danken werdet. Ihr

könnt seinem Geiste und seinem Charakter eure Bewunderung

und Liebe, seinem Schicksal eure Tränen

nicht versagen. Und du gute Seele, die du eben den

Drang fühlst wie er, schöpfe Trost aus seinem Leiden,

und lass das Büchlein deinen Freund sein, wenn du

zum Trost keinen nähern finden kannst. Wie sehr

wünscht ich, dass von den letzten merkwürdigen Tagen

unsers Freundes so viel eigenhändige Zeugnisse

übrig geblieben wären, dass ich es nicht nötig hätte,

die Folge seiner hinterlassenen Schriftstücke durch

Erzählung zu unterbrechen.

Unmut und Unlust hatten in des Schülers Seele immer

tiefer Wurzeln geschlagen, sich fester untereinander

verschlungen und sein ganzes Wesen nach und

nach eingenommen. Die Harmonie seines Geistes war

völlig zerstört, eine innerliche Hitze und Heftigkeit,

die alle Kräfte seiner Natur durcheinander arbeitete,

brachte die widrigsten Wirkungen hervor und ließ

ihm zuletzt nur eine Ermattung übrig, aus der er noch

ängstlicher emporstrebte, als er mit allen Übeln bisher

gekämpft hatte. Die Beängstigung seines Herzens

zehrte die übrigen Kräfte seines Geistes, seine Lebhaftigkeit,

seinen Scharfsinn auf, er ward ein trauriger

Gesellschafter, immer unglücklicher und immer ungerechter,

je unglücklicher er ward.


Am 12. Dezember

„Es ist beschlossen, mein Freund Wilhelm, es wird

schließen, obwohl ich es so ungern verlöre. Musste denn

das so sein, dass das, was des Menschen Glückseligkeit

macht, wieder die Quelle seines Elends würde? Den

Vorhang aufzuheben und dahinter zu treten! Das ist

alles! Und warum das Zaudern und Zagen? Weil man

nicht weiß, wie es dahinten aussieht? Und man nicht

wiederkehrt? Und dass das nun die Eigenschaft unsres

Geistes ist, da Verwirrung und Finsternis zu ahnen, wovon

wir nichts bestimmtes wissen. Mir wäre besser, ich

ginge. Leb wohl, mein Teuerster/s (seine Schrift war an

dieser Stelle undeutlich)! Allen Segen des Himmels über

dich! Leb wohl!“

Am 23. Dezember

„Wilhelm, ich habe zum letzten Male Café und Atmosphäre

genossen. Lebe wohl auch du! Liebe Mutter, verzeiht

mir! Tröste sie, Wilhelm! Gott segne euch! Meine

Sachen sind alle in Ordnung. Lebt wohl! Wir sehen uns

wieder und freudiger“

Neben den Briefen fand ich auch der Gedichte zwei,

dennoch blieben mir die Beweggründe des Schülers unklar,

bis ich das zweite Gedicht las, woraufhin ich des

Schülers Triebfeder für sein Tun erkannte und verstand.

Ersteres ist auf den 24. Dezember datiert. Es ist naheliegend,

dass auch Letzteres, wenngleich ohne Datum

versehen, vom selben Tage stammt.

Du beweinst, du liebst ihn, liebe Seele,

Rettest sein Gedächtnis von der Schmach;

Sieh, dir winkt sein Geist aus seiner Höhle;

Sei ein Mann und folge mir nicht nach.

Nach Eilfe

Ein Schüler plagt sich täglich

Über Stammformen, das ist kläglich

Vorbei die Zeit, wo ich Nachmittags

Im schönen, gemütlichen Tivoli saß.

Emsig übersetz ich Livius, Cäsar, Xenophon

Doch Pichler kommentiert nur nur mit beißendem

Hohn:

„Hast du übersetzt? Sicherlich nicht!“

Sprach‘s und grinst mir ins Gesicht

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Mir traurigen Schüler ist’s einerlei,

Ich weiß nicht, wohin in der Zeit nach 3

Ich hab’s erkannt, Gott sei mein Zeuge

Lernen bereitet selten Freude

Voll tiefer Trauer greif ich zum Strick

Das nun verschloss’ne Tivoli war mein Glück!

Vom Schüler fehlt jede Spur, wir kennen nicht einmal

seinen Namen. Was bleibt uns übrig, als das, was wir

mit wiederholter Mühe erfahren können, gewissenhaft

zu erzählen, die von dem Abscheidenden hinterlassenen

Schriftstücke einzuschalten und das kleinste

aufgefundene Blättchen nicht gering zu achten; zumal

da es so schwer ist, die eigensten wahren Triebfedern

auch nur einer einzelnen Handlung zu entdecken,

wenn sie unter Menschen hervorgeht, die nicht gemeiner

Art sind. In völliger geistiger Umnachtung

starb er beim Versuch, den heimischen Kaffeeautomat

in Gange zu bringen an einem Stromschlag. Es bleibt

nicht auszuschließen, dass es sich hierbei um einen

absichtlich hervorgerufenen Unfall handelt.

Valentin Harich

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