Nr. 3 August 2010, PDF 1.02 MB - Winkler & Richard AG

gartenland.ch

Nr. 3 August 2010, PDF 1.02 MB - Winkler & Richard AG

Die Kundenzeitschrift der Winkler & Richard AG Nr. 3 August 2010

Gartenzeit

Heilsame Natur

Aktivitäten im Grünen

sind gut für die Seele. Seite 7

Biologische Helfer

Wie funktionieren eigentlich

Effektive Mikroorganismen? Seite 6

Wohltuendes Wasser

Wie Schneiders Frau den Bunnen

doch noch lieben lernte. Seite 8

Spielen und gestalten

Was Kinder im Garten brauchen – und was nicht. Seite 2/3


Ein Hund, ein Ball, viel Platz, viel Zeit. Mehr braucht es nicht zum Glücklichsein.

Kindergerechte Gärten

Die eigene kleine Welt

Im Garten brauchen Kinder vor allem eines:

Die Möglichkeit, selbstständig etwas zu gestalten.

Das geht auch ohne teure Spielgeräte.

Von Sonja Bonin

Was wir Erwachsene uns von

einem Garten wünschen, ist

klar: Erholung, Entspannung

und Abstand vom Alltag. Dazu genügen

uns ein ruhiger Sitzplatz zum Lesen und

Faulenzen, ein paar hübsche Blumen,

wenns geht, ein wenig Blütenduft und

Vogelgesang, und schon sind wir zufrieden.

Anders Kinder. Die Energie, die wir

im Garten versuchen «aufzutanken», haben

sie im Überfluss. Sie wollen toben

und rennen, klettern und rutschen, lärmen

und kreischen, im Wasser götschen

und im Schlamm wühlen. Und wenn sie

sich abgekämpft haben, brauchen sie

auch einmal Zeit und Ruhe unter sich,

unbeobachtet von uns Erwachsenen.

Leider sieht man in vielen Gärten nicht

2 Gartenzeit

viel von dem, was diesen Bedürfnissen

entgegenkommt. Entweder herrscht die

perfekte Erwachsenen-Logik, mit Rasen,

auf dem man sich nicht balgen darf, und

Beeten, in die bitteschön kein Fussball

hineingetschutet werden soll. Oder es

wimmelt von pädagogisch durchdachten,

teuren Spielgeräten, mit denen sich

die Kinder höchstens minutenweise beschäftigen.

Dabei brauchen die Kids von

heute dringend einen Ausgleich zu ihrem

anspruchsvollen Stundenplan, den durchorganisierten

Kunst-, Musik- und För-

Einfache, sinnliche

Natur-Erlebnisse

faszinieren Kinder

Alle Fotos: Sonja Bonin

derstunden und ihrer bewegungsarmen,

hoch technisierten Freizeit. Der Trend

zu immer mehr hyperaktiven oder übergewichtigen

Kindern spricht Bände.

Ein kindergerechter Garten bietet

vor allem Strukturen und Materialien,

mit denen die Kleinen selbst aktiv werden

können. Kinder haben den Drang,

Dinge zu entdecken, sich Geschichten

dazu auszudenken und selbst etwas zu

gestalten. Nie werden sie müde, aus allem

möglichen herumliegenden Kram

etwas zu bauen – und es kurz darauf

mit genauso grosser Freude wieder zu

zerstören. Oder zu beobachten, was da

am Boden (oder im Boden) alles kreucht

und fleucht. Oder bunte Blumen für ein

Sträussli zu sammeln. Oder im Gras zu

liegen und in den Himmel zu schauen,

einen Hang heraufzurennen und wieder

hinunter zu rollen, zu streiten und

zu kämpfen, zu staunen und zu träumen.

Je mehr Freiraum man ihnen dabei lässt,

desto mehr Fantasie entwickeln sie bei

ihren Aktivitäten. Und wenn sie die richtigen

Voraussetzungen vorfinden, lernen

die Kinder sich selbst und ihre Umwelt

mit jedem Spiel besser kennen, trainieren

Muskeln und Motorik, erleben Jahreszeiten

und die Kreisläufe der Natur,

üben Bewegungsabläufe und finden heraus,

wie man Gefahren und Verletzungen

vermeidet.

Oft sind es erstaunlich einfache,

sinnliche Naturerlebnisse, die einen als

Kind fasziniert haben, und an die man

sich noch nach Jahrzehnten erinnert: das

Kitzeln eines Regenwurms, der sich auf

der Hand windet; der riesige Hirschkäfer,

der eines Tages auftauchte; wie kalt

das Wasser im Bach immer war, auf dem

man seine Rinden-Bötli hat fahren lassen;

wie herrlich der Wald im Herbst

«nach Pilzen» duftete; wie die Stunden

als Teenager beim ungestörten Lesen

oder Musik hören auf den Treppenstufen

verflogen … All das schenkt die Natur

uns gratis, wenn wir nur bereit sind, ein

wenig Wildheit und Natürlichkeit in unserm

Garten zu akzeptieren. Als Dank

sind die Junioren so vertieft ins Spiel,

dass auch für die Eltern ein bisschen

Erholung und Entspannung mit abfällt.

Zum Weiterlesen: Toni Anderfuhren: Das Spielplatzbuch.

AT Verlag 2008; ISBN 978-3-03800-

282-6; Fr. 39.90. Zu bestellen mit beiliegender

Bestellkarte oder unter 052 378 21 84


Die W&R-Hitparade für einen kindergerechten Garten

} Zum Klettern: Sie haben stabile

Bäume im Garten, die einer Kletterattacke

standhalten? Prima! Machen Sie

am besten auch noch eine Schaukel

daran fest, dann können Ihre Kinder

Mut und Geschicklichkeit trainieren.

Alternativ können Sie einen Felsenberg

oder einen Sandhügel errichten oder

schnell wachsende Haselsträucher

pflanzen. Aus einem unebenen Terrain

lassen sich gut bespielbare Gräben und

Mulden formen, die man hinaufrennen

und hinunterrollen kann.

} Zum Buddeln: Einen Sandplatz

braucht es in jedem Garten. Da lassen

sich Tunnels, Rampen, Burgen bauen,

Löcher graben … Natürliche Materialien

wie Stöcke, Bretter oder Backsteine

sind vielseitiger einsetzbar als vorgefertigte

Plastikförmchen.

} Zum Götschen: Wasser ist das beste

Spielzeug überhaupt. Ob im grossen

Badeteich oder am bescheidenen Biotop,

am Brunnen, Wasserspiel oder der

schlichten Regenwassertonne: Im, am

und mit Wasser können sich Kinder

endlos verweilen. Im Sommer bereitet

eine Dusche mit dem Wasserschlauch

Vergnügen – mitsamt der anschliessenden

Schlammschlacht!

} Zum Beobachten: Glatte, gepflegte,

einheitliche

Rasenflächen sind

langweilig. Säen Sie

lieber eine bunte

Blütenwiese an, die

eine abwechslungsreiche

Schar von

Schmetterlingen

und Insekten anlockt.

Mähen Sie jeweils

mit der Sense

einen Pfad frei und

lassen Sie den Rest

Völlig vertieft können

Kinder sich mit unscheinbaren

Dingen verweilen.

Fotos: xxxxxxxxxxxxxx

weiterwachsen. Für

Kleinkinder ergibt

das den reinsten

Dschungelpfad.

} Zum Träumen: Geschützte Sitz- und

Liegeplätze kann man aus Erde, Steinen,

Ästen, Holzbalken, Rugeln oder

Rasenziegeln bauen. Hecken, Flechtwände

oder Trockenmauern schenken

Kindern willkommenen Sicht- und

Einmischungsschutz. Auch Baumhäuser

sind beliebte Rückzugsorte, zu denen

die Erwachsenen keinen Zutritt haben.

Lassen Sie die Kinder mitgestalten!

Zum Beispiel können diese beim Bauen

helfen oder das Gartenhäuschen bunt

bemalen.

} Zum Turnen: Platzieren Sie altes

Baumaterial oder einen Baumstamm

auf Kies oder über einer flachen

Mulde. Die Kids werden nicht müde

werden, darauf herum zu balancieren.

Oder spannen Sie Seile zwischen

Baumstämmen, zum Durchhangeln.

Kinder brauchen auch mal Zeit unter sich.

} Zum Verstecken: Bäume, Sträucher,

Hecken oder Kieshaufen eignen sich

hierzu hervorragend, ebenso Weidentunnel

und -lauben. Kinder lieben

verschiedene Strukturen im Garten,

die sie abwechselnd entdecken können.

Ausserdem brauchen sie beim

stundenlangen Spielen einen Schutz

vor Sonne und Regen.

} Zum Verantwortung übernehmen:

Richten Sie eine sichere Feuerstelle

ein und lassen Sie die Kinder

lernen, mit dem gefährlichen Element

umzugehen. Ein selbst-grillierter Cervelat

schmeckt doppelt gut.

} Zum Hegen und Pflegen: Ein eigenes

Beet, in dem die Kinder anpflanzen,

säen und ernten dürfen, macht sie mit

natürlichen Wachstumsprozessen und

den Jahreszeiten vertraut. Besonders

geeignet: Süsse Beeren zum Naschen,

schnell wachsende Blütenpflanzen wie

zum Beispiel Sonnenblumen, Ringelblumen

oder Kapuzinerkresse, sowie

problemlose Gemüsepflanzen wie Kartoffeln,

Zwiebeln, Radieschen, Zucchini,

Erbsen, Tomaten oder Stangenbohnen.

SB

Editorial

Foto: Irja Fortmann

Lebendige Gartenkinder

Gärten für Kinder zu gestalten

funktioniert nur, wenn man eigene

Kindheitserinnerungen aufleben

lässt. Wenn ich mich zurückerinnere,

sehe ich den Bach, der durch

die Baumschule meines Vaters

sprudelte, den riesigen Kirschbaum,

auf dem wir herumkletterten, und

die mächtige Johannisbeersträucher,

unter die wir uns legten und die

Trübli in den Mund fallen liessen. In

diesem Paradies versteckten wir

uns, im baufälligen Schopf bauten

wir unsere Kathedralen aus

Tüchern, Ästen und Steinplatten.

Kinder brauchen das. Sie brauchen

Nischen und Material, um ihre

eigenen Welten bauen zu können.

Es gibt kein besseres Training für die

Motorik als auf Bäume zu klettern

und Bäche zu stauen. Strukturreiche

Naturgärten mit Bäumen,

Sträuchern, einem Brunnen oder

verschiedenen Bodenbelägen

bilden die Grundlage für glückliches

Spielen und eindrückliche Naturerfahrungen.

Ich sehe es jeden Tag

bei meinen Kindern: Wie sie aus

Kieselsteinen, Schneckenhäusern

und Blättern zauberhafte Gebilde

formen. Wie sie sich einen ganzen

Nachmittag mit Sand und Wasser

beschäftigen können. Naturnahe

private Gärten, Schulhäuser und

öffentliche Spielplätze sind echte

Erlebnisstätten. Sie lassen Raum für

erfinderische und lebendige Kinder

auf ihrem Weg in die Welt.

Herzlich, Ihr Peter Richard

Gartenzeit 3


Foto: Irja Fortmann

Gartenglück Tipps & Tricks für den lustvollen

Für Sie im Einsatz

Mitarbeiterin von W&R

Hanna Müggler (23)

Jung-Kundengärtnerin

«Wenn ich früher schon ausge-

bildete Gärtnerin gewesen wäre,

sähe mein Balkon heute nicht so –

sagen wir: experimentell aus! Diese

Lehre ist meine zweite Ausbildung.

Zuvor habe ich das KV gemacht und

bei der SBB in Basel gearbeitet. Dann

wollte ich in die Ostschweiz zurück

und mich auch beruflich verändern.

Ich habe die Natur schon immer

geliebt, arbeite uugern mit Pflanzen,

und da wir zuhause einen W&R-

Naturgarten hatten, bin ich mit der

Philosophie gross geworden.

Ich habe zwei Arbeitsbereiche:

draussen und drinnen. Wenn ich mit

meiner eigenen Gruppe draussen

arbeite, sorge ich morgens dafür,

dass das Material aufgeladen ist und

die Mitarbeiter eingeteilt sind. Vor

Ort berate ich mich mit den Kunden

und leite unsere Leute an. Die Arbeiten

sind – je nach Jahreszeit – ganz

unterschiedlich. Jetzt im Sommer

müssen wir viel jäten und Wiesen

mähen, im Frühling Teiche reinigen,

im Herbst und Winter Sträucher

schneiden.

Im Büro kümmere ich mich dieses

Jahr unter anderem wieder um den

Blumenzwiebelversand. Ich liebe es,

wenn diese Zwiebeln im Frühling

zur reinsten Blütenpracht heran-

spriessen!

Privat wünsche ich mir, irgendwann

eine Familie zu gründen – und definitiv

einen grösseren Garten.» SB

4 Gartenzeit

Wald- und Gartenpädagogin

«In der Natur erleben Kinder Auto

In ihrem selbst ausgesäten Weizen verschwinden die Kleinen schon wie in einem Urwald. Die süssen Beeren zu ernten, gefä

Gartenzeit: Sie gehen mit Ihren

vier- bis sechsjährigen Kindergarten-

kindern regelmässig in den Pünten-

garten. Warum?

Christine Bänziger: Im Garten begreifen

die Kinder einige wichtige Grundlagen der

Natur: Sie erleben die Elemente, die Jahreszeiten

und wie eins mit dem anderen zusammenhängt.

Sie erkennen, dass es im Winter

keine Erdbeeren gibt, oder sie erleben, wie

aus wenigen Kartoffeln mehr werden, und

wie ein paar Körner, die man sät, zu grossen

Pflanzen werden, die man dreschen, zu

Mehl verarbeiten und schliesslich daraus

Brötli backen kann. Die meisten wüssten ja

sonst überhaupt nicht, wo unser Essen herkommt.

Und man findet auch immer etwas:

Schnecken, Federn, Käfer, Würmli oder sogar

einmal eine Blindschleiche im Kompost.

Das ist enorm faszinierend und immer wieder

aufregend für die Kinder. Sie erkennen

so, dass es ausserhalb der menschengemachten

Welt, in der sie leben, auch noch andere

beseelte Lebewesen gibt, mit denen man

achtsam und respektvoll umgehen sollte.

Einen Tag in der Woche verbringen Sie

mit den Kindern im Wald. Wieso, meinen

Sie, brauchen die Kinder das?

Kinder haben einen enormen Drang nach

Bewegung und nach Autonomie. Sie wollen

ausprobieren, erkunden, verändern und

gestalten. Im Wald können sie rennen und

hüpfen, ohne immer gleich gegen Wände


Umgang mit der Natur

Serie Biodiversität

nomie» zu laufen. Hier kann man auch mal gegen 1163 Flachmoore, 549 Hochmoore und 89

llt ihnen am besten.

Die Waldpädagogin

Christine Bänziger (54)

ist Kindergärtnerin

im

städtischen

Kindergarten

«Am

Bach» in

Winterthur.

Seit über

zwanzig Jahren verbringt sie

einen Morgen in der Woche

mit den Kindern im Wald

und arbeitet regelmässig

mit ihnen im Püntengarten.

Foto: Simon Moser

Foto: Christine Bänziger

einen Baum treten, wenn man wütend ist,

ohne dass gleich etwas Schlimmes passiert.

Viele Kinder sind aber auch gerne still und

beschäftigen sich lange und intensiv mit

dem, was sie vorfinden. An solchen Rückzugsmöglichkeiten

fehlt es ihnen im Alltag ja

auch. Im Wald können sie allein sein oder

kleine Grüppchen bilden und unangenehmen

Zeitgenossen eben einfach aus dem

Weg gehen. Die Natur erfüllt einige wichtige

Grundbedürfnisse des Menschen: Autonomie

und Bewegung, Gemeinschaft und

Alleinsein zum Beispiel. Nirgendwo sonst

kann man so ganzheitliche Erfahrungen machen:

Man spürt das Wetter und die Jahreszeit,

erfährt die Umgebung mit der Haut und

allen Sinnen, die Temperatur, die Gerüche,

die Geräusche, den Dreck an den Händen ...

Welche Entwicklungen konnten Sie bei

den Kindern beobachten?

Die Neuen sind meist ängstlich, bleiben in

meiner Nähe und beobachten alles aufmerksam.

Die meisten stolpern anfangs

über jedes Würzeli! Mit der Zeit erweitern

sie ihren Radius und trainieren ihre

Beweglichkeit. Dabei lernen sie den Wald

und ihren eigenen Körper wirklich gut

kennen. Nach einem oder zwei Jahren

sind sie nicht mehr wiederzuerkennen. Da

springen, hüpfen, klettern, rutschen und

balancieren sie über Stock und Stein. Sie

haben gelernt, ihrem Körper zu vertrauen.

Und auch der Wald ist nichts Bedrohliches

mehr, sondern etwas Spannendes, in dem

man Dinge verändern, etwas bewirken kann.

Das sind sehr emotionale, authentische Erlebnisse,

an die sie sich oft noch als Erwachsene

erinnern.

Aussenstehenden fällt auch oft auf, dass meine

Kinder sehr bewusst und achtsam miteinander

umgehen. Ich glaube, das hat damit

zu tun, dass sie im Wald und auf der Wiese,

am Bach und im Garten gelernt haben, alle

Lebewesen verantwortungsvoll, sorgfältig

und mit Respekt zu behandeln.

Ehemalige Kindergartenkinder erinnern

sich noch Jahre später an ihre

Erlebnisse im Wald.

Ja, so etwas kann man nicht in einem Raum

drinnen erfahren. Und ich denke, man

braucht diese Naturerlebnisse, um ein gesunder,

zufriedener Mensch zu sein. SB

Moorlandschaften. So lautet das offizielle

Inventar der Schweiz. Das sind circa 82

Prozent weniger Moorfläche als es 1900

noch gab. Immerhin: Alle Moore sind seit

der «Rothenthurm-Initiative» von 1987

geschützt. Seither darf in der Schweiz kein

Torf mehr abgebaut werden. Ein wichtiger

Schritt – aber nicht genug, wie ein Bericht

des Bundesamts für Umwelt zeigt. Noch

immer trocknet ein Viertel aller Schweizer

Moore aus. Ein weiteres Viertel leidet unter

Überdüngung. Ein

Drittel wird von Bäumen

und Sträuchern

überwuchert und zehn

Prozent der Hochmoorflächen

gingen

seit 1987 verloren.

Die Auswirkungen

für die Biodiversität

sind dramatisch. Denn Moore bilden mit

ihrem feuchten, sauren Boden eine einzigartige

Lebensgemeinschaft von Tieren und

Pflanzen, die es nirgends sonst gibt. Ein

Viertel aller bedrohten Schweizer Tiere

leben in Mooren. Zudem tragen Moore

zum Hochwasserschutz bei und speichern

grosse Mengen CO . 2

Was können wir für den Moorschutz tun?

Vor allem nur noch torffreie Gartenerde

verwenden! Denn der Torfabbau mag in der

Schweiz verboten sein – der Import ist es

nicht, und so werden jährlich circa 150.000

Tonnen Torf eingeführt. Dieser steckt – oft

ohne dass es der Kunde ahnt – in 60 Prozent

aller Gartenerden, die man bei Coop,

in 75 Prozent derer, die man bei der Migros,

und in 90 Prozent aller Erden, die man

bei der Landi kauft. Damit tragen wir zur

Zerstörung der Moore im Ausland bei und

produzieren 280.000 zusätzliche Tonnen

CO im Jahr. Und das, obwohl es exzellente

2

Erden gibt, die mit recyclierten pflanzlichen

Abfallstoffen statt mit Torf funktionieren

(siehe «Für Sie entdeckt» auf S. 6). SB

Foto: © Gunda Schünemann/pixelio.de

Gartenzeit 5


Foto: Ricoter

Foto: Haupt Verlag

Foto: W&R

Produkte & Neuheiten Fürs Gärt

Für Sie entdeckt

Torffreie Gartenerde

W&R verwendet torffreie

Erden von Ricoter. Darin

werden einheimische organische

Abfallstoffe recycliert,

zum Beispiel Garten- oder

Rindenkompost, Holz- oder

Pflanzenfasern oder Landerde, welche

beim Waschen von Zuckerrüben

anfällt. Ricoter-Erden gibt es in Bio-

Knospe-Qualität sowie mit dem

Climatop-Label für geringe CO 2 -Belastung.

Zu beziehen im Fachhandel.

Für Sie gelesen

Reptilien und Amphibien

Wissenschaftlich fundiert,

mit schönen Bildern, präsentieren

die Biologen alle 33

einheimischen Amphibien-

und Reptilienarten, erklären

ihre faszinierende Lebensweise,

helfen beim Finden

und Bestimmen und geben Tipps, wie

man den Tieren im eigenen Garten

ein Plätzchen bereiten kann.

Andreas Meyer et al. «Auf Schlangenspuren

und Krötenpfaden. Amphibien und

Reptilien der Schweiz»; Haupt Verlag

2009; ISBN 978-3258073507; Fr. 69.–

+ Porto. Auch auf Französisch erhältlich.

Bei W&R bestellen mit beiliegender

Bestellkarte oder unter 052 378 21 84

Für Sie getestet

Langlebiges Giessgerät

Schluss jetzt mit

Bücken, Schleppen

und Strecken!

Dieses Giessgerät

aus Aluminium ist

60 cm lang und

ermöglicht so eine

bequeme Körperhaltung. Es lässt

sich mit Gardena- oder GEKA-

Kopplungen am Schlauch befestigen

und besprengt Ihre Pflanzen

kräftig, aber nicht zu hart. Es ist

einfach zu reinigen und geradezu

unverwüstlich. Preis: Fr. 77.- plus Versand.

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Bestellkarte oder unter 052 378 21 84

6 Gartenzeit

Effektive Mikroorganismen

Mikrobiologische Helfer

Nach langen, kalten Wintern droht oft eine Algenblüte.

Effektive Mikroorganismen können dagegen helfen.

Vor fast 30 Jahren entdeckte der japanische

Agrarwissenschafter Teruo Higa die

Wirkungsweise bestimmter Mikroben, die

er «Effektive Mikroorganismen» (EM) nannte.

Die Rezeptur besteht aus einer Mischung

aus Milchsäurebakterien (wie sie zur Herstellung

von Joghurt und Käse verwendet

werden), Hefen (ähnlich denen aus der Bier-

oder Brotproduktion) sowie Fotosynthese-

Bakterien (wie sie zum Beispiel in Seetang,

aber auch in jeder Gartenerde vorkommen).

Ihre Wirkung beruht auf einem Fermentierungsprozess.

EM-Präparate werden heute in verschiedenen

Bereichen eingesetzt. Unter anderem

unterstützen sie die Tier- und Pflanzen-

gesundheit, verbessern als Bodenhilfsstoff

die Struktur von Erdreich oder Humus und

bekämpfen Fäulnisgerüche.

Wir bei W&R setzen EM vor allem zur

Verbesserung der Wasserqualität in Naturbadeteichen

und Biotopen ein. Besonders

im Frühjahr, sobald die Temperatur über 8°

C steigt, empfiehlt sich eine EM-Kur. Dazu

gibt man circa einen Liter EM-Präparat in

zehn Liter Giesswasser und verteilt dieses

mit der Brause auf der Wasseroberfläche

R Checkliste

(reicht für circa 30 bis 40 qm 2 Schwimmteich).

Die Mikroorganismen beschleunigen

die Algenzersetzung. Dadurch unterstützen

sie die Reinigungswirkung der Wasser- und

Uferpflanzen und reduzieren das Algenwachstum.

Wird diese Pflegemassnahme

drei bis vier Wochen lang ein Mal wöchentlich

wiederholt, so hat sie meist durchschlagenden

Erfolg. Wenn nicht, muss man

die Anwendung intensivieren. Auch bei

sehr kalkhaltigem Wasser mit einem

hohen pH-Wert kann man EM anwenden.

Sie hilft den Pflanzen, Nährstoffe aus dem

Giesswasser aufzunehmen. EM können zur

Gesundheit von Rosen beitragen (siehe

Checkliste). SB

EM-1-Präparate bei W&R:

Flasche mit 1 Liter: Fr. 40.–

Flasche mit 0.5 Liter: Fr. 26.–

plus Fr. 7.– Porto

Bestellen mit beiliegender

Bestellkarte oder unter

052 378 21 84

Nicht vergessen! Das sollten Sie jetzt für Ihre Rosen tun:

Keine Düngungen mehr nach Anfang August.

Pflanzenstärkung mit Effektiven Mikroorganismen (siehe oben). Hilft zum

Beispiel Rossenrost und Sternrusstau zu verhindern.

Bodenpflege: Den Wurzelteller regelmässig mit 2 bis 3 cm Kompost

abdecken.

Im Internet W&R-Rosenseminar buchen: www.gartenland.ch

Grober Rückschnitt der Rosen vor dem ersten Schnee; definitiver Rückschnitt

erst im März/April.

Verblühte Rosenblüten abschneiden, falls Sie sie nicht schön finden.

Dies ist allerdings eine rein kosmetische Massnahme und trägt nicht

zur Förderung von weiteren Blütenknospen bei.


nern, Schmökern und Geniessen

(

Small Talk

Manchen tun neben der Arbeit im Garten auch die Pausen gut.

Natur bringt die Seele ins Gleichgewicht

Bereits fünf Minuten Gärtnern oder andere Aktivitäten im

Grünen verbessern die Stimmung und erhöhen das Selbstbewusstsein.

Das fanden Jules Pretty und Joe Barton von der University of Essex in

Grossbritannien heraus. Der Aufenthalt in der Natur wirkte sich sofort

positiv auf die Psyche der 1252 Probanden aus. Verstärkt wird die heil

same Wirkung offensichtlich durch Wasser, das heisst einen Aufenthalt

an einem Fluss, Bach, See oder Meer. Besonders profitierten junge sowie

psychisch angegriffene Menschen, so das Ergebnis der Forscher.

Die Studie bestätigt viele frühere Forschungen, wonach Natur-

erlebnisse gut für die Seele sind. Diverse Tests belegen, dass Er-

fahrungen in der Natur Stresssymptome mildern, die Herzfrequenz

senken sowie Konzentration und Kreativität stärken. Eine amerikanische

Untersuchung aus den 1980er Jahren ergab, dass Spitalpatienten,

die auf eine Baumgruppe blickten, schneller gesund wurden und weniger

Schmerzmittel benötigten als solche, die nur Betonmauern vor Augen

hatten.

Wer täglich an der frischen Luft aktiv ist, tut seiner seelischen

Gesundheit also etwas Gutes. Sollten Sie das Gärtnern lieber den

Profis überlassen: Velofahren, Spazierengehen, Wandern, Fischen, Reiten

und sogar Bootfahren haben ähnlich positive Auswirkungen. Depressionen

können da sofort einpacken. SB

«Ein Garten ist ein grossartiger

Lehrer. Er lehrt uns Geduld

und umsichtige Wachsamkeit;

er lehrt Fleiss und Sparsamkeit;

und vor allem lehrt er voll-

kommenes Vertrauen.

Gertrude Jekyll, englische Gartengestalterin

(1843 –1932)

Foto: Janine Vlach/pixelio.de

»

Agenda August – November 2010

Samstag, 6. November 2010:

SNE-Rosenkurs bei W&R.

Die Königin der Blumen gehört nach wie vor

zu den beliebtesten Gartenpflanzen. Gemeinhin

gelten Rosen als schön, aber pflegeintensiv.

Damit wird den Gartendiven aber tüchtig

unrecht getan. Im Kurs erfahren Sie, welche

Rosen robust und gesund sind, wie Rosengärten

geplant und angelegt und natürlich

gepflegt werden. Im praktischen Teil sehen

Sie, wie Rosenstöcke richtig gepflanzt und

gepflegt werden. Kursteilnehmer,

die selbst

Hand anlegen möchten,

können unter sachkundiger

Leitung Rosenbüsche

oder Kletterrosen

schneiden. Nach diesem

halbtägigen Seminar

sind Sie in der Lage, die

richtigen Rosensorten

für Ihren Garten auszuwählen.

Sie kennen

die Schnittmassnahmen

für den richtigen Aufbau

der Rosen und Sie wis-

sen, wie Rosen richtig

eingegraben werden.

Kosten: Versicherte und

Therapeuten der EGK Fr. 110.–

Andere Fr. 130.–

Teilnahme nur nach Anmeldung bei der SNE:

SNE Stiftung für Naturheilkunde

und Erfahrungsmedizin

Monika Bütschi

Untere Steingrubenstrasse 3

Postfach 363

4501 Solothurn

Telefon 032 / 626 31 13

www.stiftung-sne.ch

Impressum

Herausgeber: Winkler & Richard AG Naturgärten,

Frauenfelderstrasse 27, CH-9545 Wängi, Tel. 052 378 21 84,

Fax 052 378 21 86, www.gartenland.ch

Redaktion: Sonja Bonin/wwww.sonjabonin.com (redaktionelle Leitung),

Peter Richard, Fritz Hilgenstock

Grafik: Martina Mayer Müller

Fotos: Christine Bänziger; Sonja Bonin; Irja Fortmann; Simon Moser;

Steven Schneider; Haupt Verlag; Pixelio; Ricoter; W&R.

Druck: Genius Media AG. Gedruckt auf Papier mit dem Blauen

Engel; Erscheinungsweise: vier Mal jährlich; Auflage: 5‘200

Gratis-Abonnemente: Redaktion Gartenzeit, Frauenfelderstrasse 27,

9545 Wängi, Tel. 052 378 21 84, Fax 052 378 21 86,

E-mail: info@gartenland.ch

Foto: W&R

Auf die richtige Auswahl

und Pflege kommt es an.

Gartenzeit 7


W

as meine Augen in jenem Augenblick

sahen, freute mich

ungemein. Das war nichts

Aussergewöhnliches, denn es handelte sich

um meine Frau. Aussergewöhnlich aber

war die Tätigkeit, die sie gerade ausführte:

Sie watete – und strahlte. Mit gerafftem

Rock schritt sie durch das kalte Wasser,

das unseren Brunnentrog bis unter den

Rand füllte. Es schwappte ab und zu über

die Kante, lief an der rostigen Seitenwand

hinunter und hinterliess dunkle Spuren,

die sofort in der Sonne trockneten.

8 Gartenzeit

Schneiders Garten

Nach anfänglicher Skepsis ist Schneiders Frau dann doch noch glücklich über den Brunnen.

Welch Wunderbrunnen!

Anfangs war Schneiders Frau strikt gegen den Brunnen.

Bis sie seine wohltuenden Kräfte entdeckte.

Es stimmte schon, dachte ich. Manchmal

lösen sich Probleme ganz von selbst.

Denn als es bei der Gartenplanung darum

ging, das Dachwasser in einem Tank zu fassen,

fand meine Frau das zwar eine ökologisch

und ökonomisch fabelhafte Idee:

Den Garten mit eigenem Regenwasser zu

giessen und dabei kein Trinkwasser zu verschwenden,

begeisterte sie. Nur der Brunnen

nicht. «Extrem gefährlich!», war ihr

Kommentar. «Ich hätte keine ruhige Minute

mehr. Ein Brunnen kommt nicht in Frage!»

Sie malte uns entsetzliche Szenarien aus.

Foto: Steven Schneider

Solche Ängste muss man ernst nehmen,

ganz klar. Aber so verflixt ernst nun auch

wieder nicht.

Ich stand während der Gartenplanung

also vor der heiklen Aufgabe, meine Frau

von einem Brunnen zu überzeugen, den

sie kategorisch ablehnte. Ich rechnete mir

dennoch Chancen aus, denn sie liess sich

schon gelegentlich zu ihrem Glück zwingen.

So habe ich es vor vielen Jahren auch

geschafft, mit Geschick und Geduld der

Mann an ihrer Seite zu werden.

In Sachen Brunnen ging ich ebenfalls frühzeitig

und systematisch vor: Zunächst

bat ich den Gärtnermeister, meiner Frau

die vielen Vorteile einer Dachwasser-Fassung

zu erläutern. Ist viel glaubwürdiger,

wenn das der Spezialist tut. Bei mir würde

sie gar nicht hinhören sondern sagen:

«Woher willst du das wissen?»

Danach vertiefte ich mich ins Grund-

lagenstudium, schaute Statistiken durch

und kam zum Resultat: Nicht jeder Mensch,

der sich einem Brunnen nähert, ertrinkt

automatisch darin. Für den wichtigsten

Teil nahm ich mir die Politik als Vorbild:

Ich gelobte hoch und heilig, eine tadellose

Brunnen-Abdeckung zu organisieren. Und

ich versprach ebenso überzeugend, den

Brunnen wieder wegzuschaffen, wenn er

ihr nach einigen Monaten immer noch als

zu gefährlich erschiene. Wie viele Politiker

dachte ich keinen Augenblick daran, meine

Versprechen einzulösen.

Denn ich war überzeugt: Sie würde sich irgendwann

über den Brunnen freuen.

Und ich hatte recht.

Oder zumindest: fast recht.

Dass sie sich derart freuen würde, hatte

ich nämlich nicht in den kühnsten Träumen

erwartet.

Sie unterbrach meine Gedankenreise und

rief mir zu: «Das frische Wasser ist das

Beste gegen meine schweren Beine! Du

glaubst gar nicht, wie gut das tut. Komm

doch auch rein!»

Ich lächelte. Unser Brunnen ist mehr als

Zapfstelle für den Garten; er pflegt sogar

die Beziehung. Ich krempelte also meine

Hosen hoch und stieg zu ihr ins Wasser.

Freuen Sie sich: Am 23. Oktober

kommt die nächste Gartenzeit! Hier

können Sie das Heft gratis abonnieren:

Tel. 052 378 21 84, www.gartenland.ch.

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