Habakuk 4/2012 - Franziskanergymnasium Bozen

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Habakuk 4/2012 - Franziskanergymnasium Bozen

HABAKUK

Oberschulzeitung am Franziskanergymnasium

Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch

Eine Rezension von Valentin Harich

Alexander Solschenizyn gehört mit seinem Bestseller

„Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitch“ ebenfalls

zu der von Louis‘ Essay erwähnten Gruppe von

Literaturnobelpreisträgern, und um es gleich vorneweg

klar zu sagen: meiner Meinung nach zu Recht.

Iwan Denissowitsch, ein etwa 40-jähriger

Russe, befindet sich seit acht Jahren

in sowjetischer Gefangenschaft (

zum Zeitpunkt der Erzählung im sibirischen

Gulag), mit der haltlosen Begründung,

er sei ein Landesverräter.

Sein bisheriges Leben und die Gründe

seiner Inhaftierung werden jedoch nur

durch Rückblenden in den Gedanken

Denissowitschs beschrieben und stehen

nicht im Vordergrund der Handlung.

Vielmehr besteht diese aus der

Beschreibung des typischen Tagesablaufs

eines beliebigen russischen Gefangenen

unter Stalin.

Der unwahrscheinlich harte Alltag

Iwan Denissowitschs beginnt um fünf

Uhr morgens und verläuft geprägt von

Hunger, Kälte, harter Arbeit und Ungerechtigkeit.

Unscheinbare Kleinigkeiten

wie ein zusätzliches Stück Brot, das

der Protagonist zu seiner üblichen Ration

zusätzlich erhält und seine Freude

darüber, alltägliche Gespräche mit den

Mitgefangenen, Schikanen durch die

Aufseher usw. usw. Typische Gefangenenliteratur

eben – so denkt man. Was

dieses Buch jedoch unterscheidet, ist,

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dass es nicht einfach nur Mitleid und Wut provozierend

die unmenschlichen Verhältnisse eines Lagers

schildert, sondern viel mehr auf die Gedanken und

den seelischen Zustand der Hauptperson eingeht,

welche trotz der Umstände keineswegs nur düster

und deprimierend sind. Der Leser

wird durch den schmucklosen, wertfreien

Erzählstil in das Geschehen hineingezogen,

das zeigt, dass auch ein

sowjetischer Gefangener, dessen Leben

keinerlei Perspektiven mehr bietet,

durchaus Hoffnung, Freude und

Mitgefühl empfinden kann.

Iwan Denissowitsch steht in dieser Erzählung

für die tausenden Menschen,

die zur Zeit des Stalinismus in Arbeiterlager

verschleppt wurden und der

Tag, der beschrieben wird, stellt nur einen

aus der jahrelangen Haft dar - hat

somit aber umso mehr Aussagekraft.

Was für mich den Reiz dieses Buches

ausmacht, ist die schonungslose Ehrlichkeit

und Authentizität, welche dadurch

zu erklären ist, dass der Autor

das Geschilderte selbst erlebt hat, was

die an sich traurige und für uns beinahe

unrealistisch wirkende Handlung

glaubwürdig macht und die Erzählung

menschlich werden lässt; eine Tatsache,

welche sich jedoch nur durch Selberlesen

bestätigen lässt. Somit kann

ich “Ein Tag im Leben des Iwan Denissowitsch“

nur weiterempfehlen.


0471

von Martina Gianola

0471- Zero Quattro Sieben Oans. So heißt die Zeitung,

die wir vom“ Movimento Giovani Bolzanini –

Bewegung der jungen Bozner“ für unsere Mitbürger

im multimedialen Format herausgegeben. Diese Zeitung

will ganz einfach ein Mittel zum gegenseitigen

Ideenaustausch sein und, wie schon der Titel verrät,

die Zusammenarbeit zwischen den Sprachgruppen

fördern. Unser Ziel ist es also, die Jugend dieses Landes

an einen Tisch zu setzen, um zusammen über das

lokale politisch-kulturelle Leben nachzudenken und

Vorschläge einzuholen. Nur so können wir einen gesunden

und profitreichen interkulturellen Dialog zwischen

den Generationen anstreben.

Diese Zeitung will also ein Mittel für alle Interessierten

sein, egal welche Sprache sie sprechen oder welche

Ideen sie vertreten. Genau deshalb haben wir diesen

Die Bosnienschüler kommen

Dier Früchte unserer Bosnienfahrt

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Titel gewählt, der einerseits unsere Verbundenheit mit

der Hauptstadt Südtirols und deren Umgebung widerspiegelt,

andererseits sich klar gegen jede sprachliche

Trennung stemmt. Was uns Autoren dieser Zeitung

besonders vereint, ist unser junges Alter. Wir müssen

die Veränderungen der Gesellschaft erkennen und

diese leiten. Denn wer soll über die Zukunft berichten,

wenn nicht die junge Generation?

Alle Ausgaben unserer Zeitung findet ihr auf unserer

Website http://www.giovanibolzanini.org/ oder

auch auf fb unter http://www.facebook.com/giovanibolzanini.

Wenn du interessiert bist oder einfach deine Meinung

sagen möchtest, schreibe uns auf info@giovanibolzanini.org

!

Im Februar 2013 werden voraussichtlich Pater Ivan und einige Schüler vom Franziskanergymnasium

aus Bosnien zu uns in die Schule kommen. Sie werden einige Tage bei uns in der Schule verbringen und

unsere Stadt und Region besichtigen. Um unsere Gäste mit der gleichen Herzlichkeit zu empfangen, wie

es im vergangenen Jahr auch die Schüler unserer Schule wurden, ist Prof. Niederseer schon jetzt beim

Organisieren. Unterkunft, Verpflegung, Programm etc. müssen ausgearbeitet werden. Dafür ist natürlich

jeder willkommen, der mithelfen möchte.


Nachruf - Fr. Josef und Br. Rufino

von Francesco Gianola

Auch Franziskanerbrüder sind heutzutage Businessmen.

Von seinen ganzen Terminen, Aufgaben und

Tätigkeiten hat mir Br. Joseph, erzählt als ich mich

bei ihm verabschiedet habe. Er ist nach Wien versetzt

worden und an seine Stelle ist Br. Rufino in das

Bozner Konvent eingezogen.

Wahrscheinlich wissen viele unter euch nicht, wer

Br. Joseph überhaupt war. Nun: Bekannt sein sollte

er bei uns Schülern vor allem wegen der Adventskranzaktion,

die er zusammen mit Br. Enrico jedes

Jahr betreut hat. Er ist nämlich, wie er mir erzählt

hat, ein ausgebildeter Florist und Gärtner und konnte

deshalb dank dieser Fertigkeiten die eine oder

andere Ausbesserung an den Kränzen der Schüler

durchführen. Auch wegen dieser Fähigkeiten wurde

er von P. Willibald 1989 vom Kloster aus Kaltern

nach Bozen geholt, um sich um die Dekoration der

Kirche und um die Sakristei zu kümmern. Von den

Kantoren über den Messgewändern und den für die

Liturgie nötigen Utensilien: Alles wurde von Br. Josef

genauestens betreut bzw. hergerichtet. Bevor er

nach Bozen kam, war er schon mehrere Jahre in

Kaltern gewesen. „Schon als 16-Jähriger bin ich vom

Gymnasium in den Orden eingetreten“, hat er mir

berichtet und hinzugefügt:“ Aber ich habe mich eh

recht schnell an das Klosterleben gewohnt!“

Br. Joseph war aber nicht nur hinter den Klostermauern

als Verantwortlicher für die Sakristei tätig,

sondern war lange Jahre auch der Betreuer der Ministranten

Gruppe. Wichtig ist es ihm besonders,

mit jungen Menschen in Kontakt und für sie ein

Begleiter zu sein und dabei nicht die Fähigkeit zu

verlieren, immer up to date sein. „ Denn das Denken

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geht so schnell voraus und nicht alle können mit den

jungen Menschen mithalten“, hat er mir gebeichtet.

Ab und zu vertrat er auch den Küchenchef. Auf meine

Frage, was denn seine Spezialität sei, hat er mir

erklärt, dass er es als eine große Kunst betrachte, mit

den Küchenresten eine Mahlzeit für seine Mitbrüder

vorzubereiten; zweifelsohne eine richtig franziskanische

Einstellung. Richtig franziskanisch ist auch der

Eifer, mit dem Br. Josef mit der „Außenwelt “ in Kontakt

war. Einmal monatlich im Radio, einmal monatlich

als Betreuer des dritten Ordens, und einmal

wöchentlich als Vortragender bei der Vinzenskonferenz;

das sind nur einige der Aufgaben des tüchtigen

Franziskaners. Eines war und ist dem Bruder

besonders wichtig: der Kontakt mit den „einfachen

Menschen der Gemeinschaft, die auch das Recht auf

Unterstützung und geistliche Begleitung haben.“

Hier könnte ich noch vieles erzählen (diejenigen,

die ihn gut kennen, wissen, wie gern Br. Joseph einen

mehr oder weniger langen „Ratscher“ macht).

Eines hat mich an Joseph besonders beeindruck:

Der kennt halb Südtirol! Vom Bischof über den Dekan

bis hin zu was- weiß- ich -noch -wem.

Leicht ist es für Br. Rufino nicht - die Stelle von Bruder

Joseph konnte ja nicht unbesetzt gelassen werden

-, der direkt aus dem Kloster von Salzburg in die

südtiroler Hauptstadt kommt. Eine der ersten Herausforderungen,

die der Bruder bewältigen muss,

ist, wie er mir vertraut hat, das Erlernen der italienischen

Sprache. Im großen Bozner Kloster müsse er

auch noch lernen, sich zu orientieren. Hoffentlich hat

er jetzt aber einen Ort gefunden, an dem er ab und

zu sein gemütliches Bier trinken kann.


Alkohol für Jugendliche tabu?

von Verena v. Walther, Hannah Lezuo und Leopold Reinisch

Hunderte Jugendliche schrien entsetzt auf, als sie von

dem neuen Gesetzesentwurf in Italien erfuhren. Die

italienische Regierung hatte nämlich zunächst verkünden

lassen, dass der Konsum von Alkohol in Zukunft

erst ab 18 Jahren erlaubt sein solle. Das Gesetz

sollte am 1. Januar 2012 zusammen mit dem Sparpaket

in Kraft treten. „Was fällt dem Staat ein, uns den

Genuss des Alkohols verweigern zu wollen?“, war

ihre erste Frage.

Dabei wären wir nicht das erste Land mit einem derartigen

Erlass. Als Beispiel dafür könnte man die USA

anführen, wo der Alkoholkonsum im Großteil des

Landes erst ab dem Alter von 21 Jahren erlaubt ist.

Auch in Europa, allen voran in den EU-Ländern, gab

es letzthin Beschlüsse, die Minderjährigen den Alkoholkonsum

untersagen. Die EU scheint auf ein absolutes

Alkoholverbot unter 18 aus zu sein.

Im Kontrast dazu stehen die Zahlen der konsumierenden

Jugendlichen; Statistiken zufolge nimmt ihre

Zahl kontinuierlich ab. Auch in Südtirol trinken immer

weniger Jugendliche Alkohol.

Warum kommt nun ein krisengeschüttelter Staat wie

Italien auf eine solche Idee, noch dazu im Rahmen einer

Sparreform? Wirtschaftlich gesehen bedeutet das

Verbot nämlich einen Rückgang der Steuer, vor allem

das Gastgewerbe und Diskotheken würden durch ein

solches Verbot negative Folgen zu tragen haben.

Auf den ersten Blick scheint diese Maßnahme nicht

sehr förderlich zu sein. Und tatsächlich erwartet sich

der Staat nicht ein Erfolgserlebnis in naher Zukunft.

Vielmehr erhofft er sich eine Besserung des gesundheitlichen

Zustandes der Jugendlichen in Hinblick

auf die Zukunft. Etwaige durch Alkohol ausgelöste

Krankheiten sollen so ausbleiben bzw. deren Zahl verkleinert

werden.

Lokal äußerte sich dazu Igor Guizzardi, Vorsitzender

des Südtiroler Jugendrings und des HGV. Er stellte

klar, dass er das Gesetz für wenig zielführend halte

und dass sich der Konsum nur ins Private verlagern

würde, wo er noch schwieriger zu kontrollieren sei.

Mit der Kriminalisierung des Alkohols riskiert man

jedoch, einen neuen Anreiz zum Trinken zu schaffen.

Vielmehr muss man auf frühe Aufklärung umsatteln

und die Jugendlichen über die vielen Risiken aufklären.

Nur so können langfristig Erfolge

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gegen den Alkoholmissbrauch erzielt werden. Der

richtige Umgang mit Alkohol will gelernt sein und

dieser kann nur erfolgen, wenn man den Jugendlichen

bei seinen ersten Erfahrungen mit dem Konsum

von Alkohol begleitet.

Zu diesem Schluss muss der Staat anscheinend auch

gekommen sein , denn der Gesetzesentwurf wurde

geändert - zur Erleichterung vieler Jugendlicher.

Seit dem 11. November darf an sie nämlich zwar kein

Alkohol verkauft, aber immer noch ausgeschenkt

werden.

Wussten Sie schon, dass:

- 29% der chronisch Kranken aufgrund von Alkohol

chronisch krank sind?

- nach der Aufhebung des Prohibitionsgesetzes

in den USA die Mordrate 12 Jahre lang abnahm?

- die Vorgangsweise der Prohibitionsregierungen

von der renommierten Informationswebsite

www.gute-info.com als “salamischeibchenweise“ bezeichnet

wird?

- Psychologen weltweit der Meinung sind, dass

ein Verbot des Alkohols für Jugendliche bis 18 keine

Lösung eines gesellschaftlichen Problems darstelle,

sondern völlig wirkungslos bleiben würde?

- in Ohio(USA) sonntags kein Alkohol gekauft

werden darf?

- in Brunei derzeit als einziger Staat weltweit

absolute Alkoholprohibition gilt?


Was wurde aus....

eine Rubrik von Bastian Riccardi

Tina Turner?

Bekannt als Queen of Rock & Roll tourte sie jahrzehntelang

durch die Welt. Vor allem der Song „Simply the

best“ ist wohl jedem bekannt. Doch nun, als 73-Jährige,

wird es still um eine der, mit über 180 Millionen

verkauften Tonträgern, wohl erfolgreichsten Sängerinnen

aller Zeiten.

Am 26. November 1939 erblickte sie als Anne Mae

Bullock das Licht der Welt. Ihre ersten musikalischen

Erfahrungen sammelte sie im Kirchenchor der Gemeinde

Nutbush in Tennessee. Als sich ihre Eltern

schieden, zog sie zu ihrer Mutter und jüngeren Schwester

nach St. Louis. Dort lernte sie 1958 Ike Turner und

seine Band „Kings of Rhythm“ kennen, bei der sie als

Backgroundsängerin aushalf. 1960 sprang sie bei einer

Album-Aufnahme für einen abwesenden Solosänger

ein. Das Lied, das sie sang, schaffte es in demselben

Jahr auf Platz 27 der US-Charts. Ike Turner gab ihr

daraufhin aus Promotionsgründen den Namen Tina

Turner und so tourten sie mit der „Ike & Tina Turner

Revue“ zunächst durch Amerika, später auch durch

Europa und Australien. 1962 heirateten die beiden in

Mexico. Doch mit dem zunehmenden Erfolg kamen

auch Probleme. Vor allem Ike, der immer mehr im

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Drogensumpf verschwand, schlug und betrog sie oft.

1978 reichte sie die Scheidung ein, verzichtete auf alle

Rechte an der gemeinsamen Musik und auf Unterhalt.

Sie behielt nur ihren Künstlernamen und begann eine

Solokarriere. Jedoch konnte sie nicht nahtlos an ihre

Erfolge mit der Revue anknüpfen. Sie arbeitete sich

jedoch hart nach oben und in den 80er Jahren schaffte

sie auch alleine den Durchbruch. 1988 sicherte sie

sich bei einem Konzert in Rio da Janeiro vor 188.000

Zuschauern den Eintrag ins Buch der Rekorde als Solokünstlerin

mit dem größten Konzertauftritt. Ihre

Karriere ging steil bergauf, nicht nur musikalisch,

denn sie spielte auch immer wieder in Filmen mit.

Sie machte mehrere Touren auf der ganzen Welt, wobei

manche Konzerte, wie das Eröffnungskonzert der

Tour 2008 in Kansas, nach zwei Minuten ausverkauft

waren. Ihr letztes Album „Children Beyond“ erschien

2011. Seit dem ist es ruhig geworden um sie, bis in

diesem Sommer ein Gerücht in die Welt gesetzt wurde

via Twitter, dass sie gestorben sei. Das war jedoch

nur eine Falschmeldung, denn Tina Turner ist immer

noch quicklebendig, will aber nie mehr zurück auf

die Bühne, wodurch sie auch Spekulationen über ein

mögliches Comeback zunichtemachte.

Tina & Ike Turner Tina & Ike Turner


Lou Bega

Wer kennt das Lied „Mambo Number Five“ nicht?

Es ist der weltweit bekannteste Partysong und sorgt

seit über zehn Jahren immer noch für eine ausgelassene

Stimmung.

Der Mann, der hinter dieser Partynummer steckt,

heißt Lou Bega, ist mittlerweile 37 Jahre alt und seit

langem schon ein millionenschwerer Mann. Und

das alles nur durch einen Hit.

Geboren ist David Lubega am 13. April 1975 in

München. Er verbrachte seine Kindheit in München

und danach einige Jahre in Miami. Doch erst im

Sommer 1999 ging sein Stern am Musikhimmel auf.

In Deutschland blieb er mit seinem Song elf Wochen

auf Platz eins und erreichte zweifachen Platinstatus.

Auch die Lieder, die folgten, hielten sich auf den vorderen

Plätzen der Charts, konnten jedoch nicht an

den Erfolg des ersten Songs anknüpfen.

Lou Bega lebt mittlerweile in Berlin in einer Vil-

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la, denn er hat die 13 Millionen, die ihm sein erster

Song eingebracht hat, nicht gleich zum Fenster

rausgeschmissen, sondern gut angelegt und führt

so ein angenehmes Leben. Dann verliebte er sich in

die Backgroundtänzerin Genieve und zog ihr zuliebe

von München nach Berlin. Die beiden haben ein

zweijähriges Kind und genießen das Familienleben.

Doch er macht weiterhin Musik. Nach einer längeren

Pause wegen eines Streits mit einer Plattenfirma

kehrte er 2010 mit seinem neuen Lied „Sweet Like

Cola“ zurück in die Musikbranche. Letztes Jahr erschien

sein bisher letztes Album. Mittlerweile ist er

als Komponist tätig, unter anderem für das deutsche

Dance-Projekt „Groove Coverage“. Dass er mit

neuen Songs wieder auf die Bühne zurückkehren

wird, gilt als sehr wahrscheinlich. Deshalb lasst uns

abwarten, ob vielleicht in den nächsten Jahren ein

neuer Partysong entsteht, der bei Partys wieder rauf-

und runtergespielt wird.

Lou Begas Welthit Lou Bega heute


Samuel Koch

Am 4. Dezember 2010 stand Fernsehdeutschland für

einen Augenblick still. Denn an diesem Tag geschah

etwas, das die ganze Nation erschütterte und schwere

Folgen mit sich führte. Alles wurde anders als bisher.

Nicht nur für den Verunglückten Samuel Koch, sondern

auch für die Fernsehshow „Wetten dass...?“

Der 23-jährige Samuel, Student an der Hochschule

für Musik, Theater und Medien in Hannover, war ein

Wettkandidat bei „Wetten dass...?“ Er wettete, dass

er mit speziellen Sprungstiefeln über fahrende Autos

springen könne. Und beim dritten Auto, das sein

Vater fuhr, geschah es. Er verlor das Gleichgewicht

Samuel Koch vor dem Unfall

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und verunglückte schwer. Seitdem ist er gelähmt. In

einem Bericht wird der Unfall als unglückliche Verkettung

von Bewegungsfehlern beschrieben. Samuel

ist seither auf einen Rollstuhl und fremde Hilfe

angewiesen. Jedoch macht er immer wieder kleine

Fortschritte. Seine Ergotherapeutin lobt ihn für seinen

Kampf. Aufgrund seiner Turnermentalität und

absoluten Willens hat er seinen Trizeps schon wieder

so aufgebaut, dass er seinen Oberkörper im Sitzen

mit seinen Armen stützen könnte. Mittlerweile hat

er auch seine Autobiografie veröffentlicht, mit dem

Titel „Zwei Leben“.

Samuel Koch heute


Franziskanerschüler werden die besten Faulenzer!

von Francesco Gianola

Die meisten Schüler fragen sich, wozu sie die Schule

besuchen. Die gut gemeinten Ermahnungen der

Professoren und Eltern , sie sollten sich diese Frage

nach dem Sinn des Lernens doch

nicht stellen, werden gehört und

in einem Augenblick wieder

vergessen. Es ist ein schier unmögliches

Unterfangen, einem

jungen, freien Geist zu erklären,

wieso er am Tag auch nur eine

Viertelstunde Griechischvokabeln

lernen soll. Es mögen auch

die ausgeklügelsten Argumente

angeführt werden, wie etwa,

dass man das Lernen lernt oder

dass die Genauigkeit geschult

und dass das analytische Denken

trainiert werden. Manche

Professoren begeben sich auch

weit in komplexe Erklärungen

von Synapsen und Gehirnschaltungen,

die dabei „sooo groß“

werden sollen. Sicherlich mögen

dies gute Argumente sein, doch

es wird damit noch nicht erklärt, wieso man nicht

vom Deutschen ins Französische oder Spanische

oder, was heutzutage wirklich modern wäre , ins

Mandarin übersetzen könnte. Im Geschichte- und

Philosophieunterricht könnte man sich ja genügend

mit den Wurzeln der europäischen Kultur

auseinandersetzten. Ja, wieso denn überhaupt mit

den Wurzeln der Kultur, wenn es schon schwierig

genug ist, die heutige Welt zu verstehen? Aus den

Fehlern der Geschichte haben doch ehrlich gesagt

nur die Wenigsten etwas gelernt, oder? Und über

eine Kausalkette von 2500 Jahren zurückzudenken,

scheint doch auch übertrieben!?

Die Technologie mit dem Computer und dem Internet,

Facebook und Wikipedia, der Fernseher und

die vielen für jede Tasche erschwinglichen Freizeitangebote,

sei es im Bereich Sport oder Musik, kommen

den Erziehern auch nicht gerade zur Hilfe. Ein

junger Mensch hat heutzutage so viele interessante

Möglichkeiten, sich auch außerhalb der Schule zu

beschäftigen und zu lernen. Vielleicht auch zu viele.

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Auch die Wirtschaftskrise unterstützt die Eltern und

Professoren nicht. Immer mehr dringen Nachrichten

von hoch ausgebildeten, jungen, arbeitswilligen,

brillanten Köpfen durch die

Medien, die keine Arbeit finden.

„Wenn ich sowieso keine Arbeit

bekomme, wieso dann diese Anstrengung?“,

werden sich viele

Schüler sagen. Und diese Feststellung

wird man wohl nur teilweise

abweisen können.

Hans Peter Haselsteiner hat zur

„Frage der Bildung in schwierigen

Zeiten“ sicherlich viele

schöne Worte gesagt. Doch den

Schülern hat er nicht wirklich

Neues gesagt. Er hat vielmehr die

Argumente der Professoren und

Eltern gut verdeutlicht und mit

den Worten und der Autorität

eines sehr erfolgreichen Unternehmers

präsentiert; deswegen

wahrscheinlich der sehr große

Beifall im Cajus –d´Andrea-

Saal. Seine Argumente werden auch stimmen, und

sie wurden gut präsentiert; sie waren sicherlich eine

gute Wiederholung der Ermahnungen unserer Erzieher

. Für Schüler sind sie gewissermaßen inkompatibel.

Sie lernen erst nach dem Schulabschluss

den Wert der Bildung kennen oder bestenfalls gegen

Ende der Maturaklasse. Es bleibt folglich für

den lernenden Schüler nur das Vertrauen in seine

Professoren und Eltern übrig.

Professor De Masi hingegen, der am 26. September

in unserer Schule einen Vortrag über die zehn

Trends in Gesellschaft und Wirtschaft der nächsten

zehn bis fünfzehn Jahre gehalten hat, hatte einen

anderen Ansatz. Die zentrale These, von der er ausging,

besagt, dass wir nun in einer postindustriellen

Gesellschaft leben, in der der materielle Wohlstand,

zumindest in unseren Breitengraden, nur mehr weniger

werden kann. Er betonte auch, dass es dank

der vielen Maschinen und des allgemeinen technischen

Fortschritts zu einem Umdenken kommen

müsse und die Gesellschaft nicht mehr industri-


ell, sondern eben postindustriell verwaltet werden

müsse. Das gehe nur, so De Masi, mit einer Verteilung

der Arbeit. Die Arbeitsplätze würden wegen

der Technik immer weniger und die Menschen immer

älter werden. Es sei unvermeidlich, dass der

einzelne Mensch im Durchschnitt weniger Stunden

arbeiten müsse. Der Mensch habe somit mehr

Freizeit. Diese Freizeit gelte es nun auch sinnvoll

ausnutzten. Hier tritt De Masis Theorie des „ozio

creativo“ ein. Der Soziologe behauptet, dass dem

Menschen als Einziges das Monopol der Kreativität

geblieben sei. Man müsse nun gewissermaßen eine

Synthese zwischen der Grille, die den ganzen Tag

nichts tut, und der Ameise, die den ganzen Tag arbeitet,

finden. Man müsse lernen, die Freizeit so zu

gestalten, dass man darin Arbeit, das heißt kreative

Produktion, mit dem Vergnügen verbinden könne.

Dafür ist laut dem Professor eine klassische Bildung,

die auf Geschichte und Philosophie beruht,

vonnöten, denn nur so kann man die Freizeit wirklich

sinnvoll nutzen; nur so kann man ein Interesse

für Kultur, Bücher, für die Welt im Allgemeinen

entwickeln und sich dementsprechend ständig aktiv

fortbilden; nur so kommt man letztendlich auch

mit einem geringeren materiellen Wohlstand aus,

weil man erkennt und man sich wirklich bewusst

wird, dass man auch nur mit wenig Geld und einem

guten Buch glücklich sein kann. Natürlich braucht

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es dazu einige Anstrengung: Optimismus, um an

ein Leben zu glauben, in dem das Spielen und die

Freizeit möglich sind, aber auch Realismus, um die

Kreativität in der Arbeit einzusetzen und immaterielle

Güter zu produzieren. Faulenzen ist heutzutage

echt streng geworden. Und wir wollen in dieser

Kunst die Besten sein.

E Joseph Conrad diceva: “Come faccio a spiegare a

mia moglie che, quando guardo dalla finestra, io sto

lavorando?”.

Il concetto di “ozio creativo” ben si rispecchia nel pensiero

Zen: “Chi è maestro dell’arte di vivere distingue

poco fra il suo lavoro e il suo tempo libero, fra la sua

mente e il suo corpo, la sua educazione e la sua religione.

Con difficoltà sa cos’è che cosa. Persegue semplicemente

la sua visione dell’eccellenza in qualunque

cosa egli faccia, lasciando agli altri decidere se stia

lavorando o giocando. Lui, pensa sempre di fare entrambe

le cose insieme”.

Aus der offiziellen Homepage von Prof. De Masi


Wenigstens Mann

von Louis Schropp

Henri Bergson, Thomas Mann, Luigi Pirandello, T. S.

Eliot: Diese Namen dürften den mehr oder weniger

Gebildeten unter Ihnen geläufig sein; Letzteren wenigstens

jener von Thomas Mann.

Ich könnte jetzt eine ellenlange Liste von Namen

aufschreiben wie Andre Gidé, Knut Hamsun, Nelly

Sachs, Saul Bellow, Alexander Solschenizyn etc. und

diese werden Ihnen wahrscheinlich nicht bekannt

sein. Vielleicht noch Solschenizyn.

Sie alle sind Literaturnobelpreisträger.

Seien Sie nicht enttäuscht. Denn hier soll nicht aufgezeigt

werden, dass die Leser von heute unbelesen

oder gar ungebildet sind – schließlich kenne ich sicherlich

auch nur einen Bruchteil aller Literaturnobelpreisträger.

In diesem Essay soll etwas anderes

aufgezeigt und behandelt werden, nämlich die Versandung

literarischer Meilensteine.

Wer einen Nobelpreis gewinnt, der wird anders rezipiert,

das ist sicherlich wahr: Die Verkaufszahlen

schnellen schneller in die Höhe, als Verlage alte Bücher

des Gewinners neu auflegen können.

Tomas Tranströmer war der letztjährige (Ge-

)“Winner“. Ich selbst hätte aber noch kein Wort

von ihm gelesen, wenn er in unserer Klasse nicht

(auch nur aufgrund der Initiative eines Mitschülers)

durchgenommen worden wäre. Was 2011 literarisch

für mich war? Kleistjahr! „Das Käthchen von Heilbronn“,

ja, das habe ich mir in der Buchhandlung gekauft,

nicht aber Tranströmers Gedichtsammlungen.

Und es scheint nicht nur mir so zu gehen: Wenn überhaupt

etwas gelesen wird, dann schon ein richtiger,

klassischer Schinken: „Buddenbrooks“? Geschenkt!

Zu zeitgenössischen Autoren wie Daniel Kehlmann,

dessen Roman „Die Vermessung der Welt“ gerade

verfilmt wurde und der dennoch unerkannt in Wien

herumspazieren kann, zu Peter Stamm oder Thomas

Bernhard greifen nur jene, die sie bereits kennen.

Nur wenn einmal, wie bei Herta Müller, der Nobelgroschen

gefallen ist, dann klingelt‘s in der Kasse.

Doch wie lange und vor allem: wie laut?

Müllers neuestes Buch ist eine Art Wortcollage und

besteht ausschließlich aus ausgeschnittenen Wör-

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tern. Ich verrate euch den Titel: „Vater telefoniert mit

den Fliegen“ – aber nicht, weil das Buch ein absolutes

Muss für alle Liebhaber experimenteller Literatur ist,

sondern aus Mitleid für die arme, arme Autorin –

schließlich muss sie ja jetzt, nachdem einige Zeit verstrichen

ist, wieder selbst die Werbetrommel rühren.

Und das ausgerechnet in Deutschland, dem großen

Leseland und Schauplatz der wichtigsten Buchmessen

der Welt!

Ausschnitt aus „Vater telefoniert mit den Fliegen“

Natürlich ging es bei der Entscheidung vor zwei

Jahren (ob sie nun als Deutsche oder Rumänin den

Preis entgegennehmen wolle) auch um ihr Zugehörigkeits-

und Sprachgefühl, doch würde ich es ihr

nicht verdenken, ja, ich würde ihr beipflichten, wenn

sie dies nur getan hätte, weil in Deutschland mehr

Bücher verkauft werden als in Rumänien.


Denn wieviel ist ein Nobelpreis wirklich wert? Kann

man davon sein Leben lang zehren und werden alle

folgenden Bücher auch gut verkauft? Natürlich warten

neben dem Preisgeld in Höhe von ca. einer Millionen

Schwedischer Kronen auch die Aussicht auf

Verträge mit großen Verlagen und die Sicherheit,

in den ersten Monaten (!) nach der Preisverleihung

unzählige Bücher zu verkaufen. Wenn wir aber das

Beispiel von Tranströmer betrachten, so steht es um

die dauerhafte mediatische Präsenz und somit um

den „fixen Marktwert“ der Autoren meist nicht gut

– außer eben, man verkauft sich gut: Indem man in

Talkshows (wie Pubblikumsliebling Richard David

Precht) auftritt, auf der Leipziger Buchmesse Vorträge

hält (wie Müller) oder aufbrausende, medienwirksame

Gedichte veröffentlicht (wie Günter Grass). Die

Qualität der Folgewerke eines Preisträgers belegt in

der Kategorie „Dauerhafter Marktwert“ leider oft nur

den 2. Platz.

Stairway to „glory“ oder Highway to „hell“

von Bastian Riccardi

Immer höher, immer schneller, immer weiter und

immer verrückter. Nach diesem Motto leben viele

Leute, die süchtig danach sind, neue Weltrekorde

aufzustellen. Die einen sind einfach nur verrückt und

stellen Weltrekorde auf, die einem normalen Menschen

niemals einfallen würden, wie den größten

Kuchen zu backen oder die längsten Fingernägel zu

haben beispielsweise. Die anderen sind Sportler, die

bei Wettkämpfen neue Weltrekorde aufstellen und

damit ihren Lebensunterhalt verdienen. Aber dann

gibt es da noch eine dritte Gruppe. Sie selber bezeichnen

sich als Extremsportler. Diese klettern ohne Sicherung

auf die höchsten Hochhäuser oder Berge,

machen Fallschirmsprünge an den unmöglichsten

Orten oder tauchen minutenlang ohne Sauerstoffgerät.

Oft enden diese Rekordversuche tödlich. Doch

warum machen Menschen etwas, bei dem sie ihr Leben

leichtfertig aufs Spiel setzen? Steckt dahinter viel

Geld, ein Kick, eine Sucht nach Ruhm oder doch einfach

nur Dummheit?

Die bekanntesten Weltrekordler sind sicher Sportler

wie Usain Bolt oder Michael Phelps. Jedoch haben

sie keinen Kick, wenn sie die 100 Meter unter zehn

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Beinahe schon zum Trostpreis verkommen scheint

schließlich der versprochene Stuhl in der Ruhmeshalle

der großen Dichter (diesen hatten sich schon Ovid,

Horaz und ein paar andere reservieren wollen). Dieser

bequeme Sessel ist allen durch ihr unsterbliches

Werk gesichert, daran glaube ich schon allein, weil

Bücher heutzutage besser archiviert werden können

und nicht mehr der natürlichen Auslese der Zeit unterworfen

sind. Doch wieviel ist das wert, wenn man

einen so kleinen Stuhl hat, dass man, im Schatten von

Manns Thron, nur von einigen Akademikern und gebückten

Philologen mit ihren dicken Brillengläsern

erkannt und geschätzt wird?

Daher abschließend vielleicht ein kleiner, bescheidener

Aufruf: Andre Gidé, Knut Hamsun, Nelly Sachs,

Saul Bellow...lesen Sie sie! Geben Sie ihnen (den)

Platz neben den ganz, ganz Großen. Und seien Sie

bitte nicht mit den „Buddenbrooks“ zufrieden.

Sekunden rennen oder über die 50 Meter Lagen alle

Rekorde brechen. Bei diesen stecken sicher Geld,

Ruhm, Ehre, aber vor allem lukrative Werbeangebote

dahinter.

Die Verrückten, die zum Beispiel die längste Haarverlängerung

machen, wie der Hamburger Friseur

Kay Meinecke, oder dicke Bretterstappel zerschlagen,

machen das, um ins Buch der Rekorde zu kommen.

Diese Leute wollen einfach in die Medien gelangen

und machen dafür meistens die verrücktesten Sachen.

Wegen des Geldes machen sie es sicherlich nicht, da

so ein Eintrag ins Buch der Rekorde gebührenpflichtig

ist. Eine Extra-Urkunde kostet nochmals etwas.

Die einzigen Weltrekorde, die sich also finanziell auszahlen

und zu Berühmtheit führen, sind diejenigen

der Sportler und teilweise die der Extremsportler.

Als bestes Beispiel haben wir hier Felix Baumgartner.

Der Österreicher ist mittlerweile weltbekannt. Er

brach mit seinem Sprung vom Rand der Erde gleich

mehrere Rekorde. Dass er verrückt ist und nach einem

Kick sucht, ist bekannt, denn er hat schon mehrere

lebensgefährliche Sprünge gemacht. Als Beispiel

sei hier der Flug über den Ärmelkanal genannt, den


er nur mit zwei Spezialflügeln und einem Fallschirm

auf dem Rücken vollbracht hat. Damals wie heute

wurde er von einem namhaften Sponsor unterstützt:

Red Bull. Dem Millionenkonzern von Dietrich Mateschitz

haben die Sprünge sicher viel gebracht, vor

allem Aufmerksamkeit in den Medien, also Werbung.

Baumgartner selber aber - was hat er davon? Eines ist

sicherlich der Kick, den ein Extremsportler sucht, so

wie viele von Red Bull gesponserten „Athleten“. Aber

was vielleicht noch mehr zu so einem Sprung anregt

als der Kick oder ein Weltrekord, ist das Geld. Denn

Mateschitz hat an Felix Baumgartner sicherlich nicht

schlecht verdient und dadurch ging auch Letzterer

nicht leer aus. Denn auf jedem weißen Fleck des Spezialanzuges

des Österreichers waren die beiden roten

Stiere abgebildet. Verwunderlich ist nur, dass nicht

auf dem ganzen Ballon ein riesiges Red-Bull-Logo abgebildet

war.

Doch riskiert man sein Leben nur für Geld, für einen

Weltrekord oder doch für den Kick? Viele von Red

Bull gesponserte Sportler haben ihre Extremsportart

sicher aufgrund des Adrenalinschubs ausgewählt,

aber auch, weil sie gut darin waren. Doch irgendwann

gerät das vielleicht in den Hintergrund, wenn man

den Gehaltscheck vom Sponsor sieht. Also sind viele

Rekordversuche wahrscheinlich nicht mal freiwillig

gestartet worden, sondern der modernen Marketingstrategie

einer Firma bzw. Marke zu verdanken.

Denn zur Berühmtheit kann man auch anders gelangen.

Und überhaupt: Wie lange wird Baumgartner

noch so bekannt sein? Der Sprung ist vorüber und es

war definitiv sein letzter, er hat es selbst gesagt. Auch

sein Vorgänger Joseph Kittinger, der erstmals einen

solchen Fallschirmsprung wagte, kam erst wieder in

die Köpfe der Menschen, als Baumgartner diese waghalsige

Aktion nachmachte und übertrumpfte. In ein,

zwei Jahren aber wird auch er langsam in Vergessenheit

geraten, bis es ein neuen Verrückten gibt, der dasselbe

nochmals wagt und überbieten will. Also kann

es nicht nur des Ruhmes wegen sein. Vielleicht wollte

Felix einfach, wie viele andere Extremsportler auch,

seine eigenen Grenzen ausprobieren und sehen, wo

diese liegen. Vor allem Kletterer und Apnoe-Taucher

wagen Weltrekorde nur deshalb. Nur um zu probieren,

ob man diese Wand auch noch ohne Sicherung

Seite 12

und innerhalb möglichst kurzer Zeit schafft, oder

um zu probieren, ob man dem Meeresboden noch

näher kommen kann. Solche „Experimente“ enden

aber auch tödlich. So wie ein Tauchgang des französischen

Apnoe Tauchers Loïc Leferme. Er wollte tiefer

tauchen als alle andern Menschen. Eine Mischung

aus Verrücktheit, Weltrekordsucht und ungesundem

Ehrgeiz führten aber dazu, dass er bei einem Rekord-

versuch aus ungeklärten Gründen nicht mehr auftauchte.

Vielleicht ist er einige Meter zu tief gegangen,

um einen neuen Rekord aufzustellen. Denn mit No-

Limit-Tauchen verdient man mit „normalen“ Leistungen

kein Geld. Das einzige Geld, das man erhält, sind

Zahlungen der Sponsoren, aber eben nur dann, wenn

ein neuer Weltrekord aufgestellt wird. Das Problem

ist: Als Extremsportler kann man nicht nebenbei mal

im Büro arbeiten und abends trainieren. Um Weltrekorde

zu brechen, muss man, wie Leferme, immer

hart trainieren. Nur dann zahlt es sich auch aus. In

vielen Fällen gibt es auch nur einen einzigen Versuch,

da das Geld sonst nicht reicht. Leferme hatte fast alle

Teile seiner Ausrüstung selbst entwickelt und gebaut.

Schafft man dann den Rekord nicht, zahlt der Sponsor

nicht und man ist im schlimmsten Fall pleite.

Weitere Beispiele für Rekordversuche mit tödlichem

Ausgang gibt es zur Genüge.

1998 wurde dem amerikanischen Extremkletterer

Dan Osman ein Rekordversuch zum Verhängnis. Er


kletterte dabei 355 Meter an einer fast senkrechten

Steinwand empor und stürzte dann im freien Fall in

die Sicherungsseile. Zwar hatte bei seinem letzten

Rekordversuch bereits die Dämmerung eingesetzt;

er aber wollte sein Werk zu Ende bringen, weil er

Angst hatte, dass er am nächsten Tag keine Erlaubnis

mehr erhalten würde für diese Klettertour mitten

im Yosemite-Nationalpark. Er veränderte deshalb die

Absprungposition. Die Fangseile, die lange Wind und

Wetter ausgesetzt waren, überschnitten sich dadurch

und ein Knoten riss aufgrund der Reibungshitze. Er

war gerade einmal 35 Jahre alt.

Auch andere, vermeintlich ungefährliche Sportarten

fordern immer wieder mal Tote. Vor allem im Bereich

des Freeride-und des Freestyle-Skifahrens sterben

Wir rollen den Stein

Eine Sisyphosarbeit

Wir kennen alle die Geschichte: Sisyphos muss

ständig einen Stein auf einen Berg rollen, der dann,

kaum oben angekommen, wieder hinunterrollt. Jedes

Mal heißt es nur wieder: „You still have to roll up

that stone“, doch Sisyphos hat sich mit dieser Qual

angefreundet, sie bereitet ihm kaum mehr Schmerzen.

Aufmerksam wurde ich auf die Thematik durch

den neuen Messner-Film, eine Biographie herausragender

sportlicher Leistungen, auf die ich jetzt

nicht näher eingehen will. Jedoch wurde durch den

Titelsong immer wieder die Sisyphosmetapher ins

Spiel gebracht. Ein treffender Vergleich: Auch Reinhold

Messner erklimmt immer wieder Berge, erleidet

furchtbare Qualen: Er verliert seinen Bruder und die

meisten seiner Zehen am Nanga Parbat, am Mansalu

muss er zwei seiner drei Gefährten zurücklassen,

und er befand sich mehr als nur einmal in Lebensgefahr

durch Steinschlag, Wetterumbrüche, Lawinen

und Spaltenstürze. Und wofür? Es gibt kaum eine

vernünftige Rechtfertigung dafür, die schwierigsten

Berge der Welt, meistens mit minimaler Ausrüstung

und über unbegangene, schwierige Routen, zu erklimmen.

Was sagen solche Leute? Messner hat einmal

in einem Interview gesagt: „Ich habe auf die Sau-

Seite 13

junge Leute auf der Jagd nach unmöglichen Abfahrten

oder Sprüngen. So wie die erst 30-jährige kanadische

Ski-Freestylerin Sarah Burke, die nach einem Sturz im

Krankenhaus den Kampf mit dem Tod verloren hat.

Natürlich gibt es viele Extremsportler, die ihre aktive

Zeit überlebt haben und durch die Sponsorengelder

nicht schlecht leben. Deshalb spielt Geld im Extremsport

und auf der Jagd nach neuen Weltrekorden auf

jeden Fall eine große Rolle. Doch auch die Sucht nach

Ruhm, Ehre und dem Kick darf man nicht vergessen.

Was aber feststeht ist, dass jeder Rekordversuch dieser

Personen entweder die von Led Zeppelin besungene

Stiege zu Ruhm und Berühmtheit ist oder (leider zu

oft) die von AC/DC zitierte Autobahn in die Hölle.

erstoffflasche verzichtet, auf das Hochlager, am Ende

auch noch auf den Partner. Nur auf den Humbug

hinaufzusteigen, habe ich nicht verzichtet. Das werfe

ich mir selber lächelnd vor…“ Ist es also eine Art

„Der-Weg-ist-das-Ziel-Manie“? Doch wieso geben

sich solche Menschen, solche übermotivierte Spinner

dann nicht nur mit der Eröffnung einer neuen Route

zufrieden, sondern – und das auch nicht immer – mit

dem Gipfelerfolg? Ist es eine Krankheit? Eine Psychose?

Oder ist es einfach nur der Ehrgeiz, zu den Besten


zu gehören?

Ich glaube, die meisten Extremsportler sind einfach

nur auf der Suche nach dem größtmöglichen Kick, je

gefährlicher, desto besser. Und ich glaube, es ist ziemlich

unmöglich, solch eine Sucht zu verstehen. Es han-

delt sich schließlich um Menschen, denen das eigene

Leben mehr oder weniger egal ist, die auf der Suche

nach dem Unberührten, dem Unerforschten sind,

kurz: Es sind Abenteurer. Aber wenn es schon unmöglich

ist, es zu verstehen, kann man mindestens versuchen,

es nachzuvollziehen. Ich glaube, jeder von uns

hat schon einmal den Reiz verspürt, etwas Außergewöhnliches

zu wagen, etwas zu riskieren, sei es zu versuchen,

noch durch

die sich schließende

Fahrstuhltür zu

schlüpfen oder als

kleines Kind von einer

hohen Mauer zu

springen. Jeder von

uns hat einen kleinen

Stein, den man,

obwohl es sinnlos

ist, herumrollt; einfach

so.

Ist es also nur der

Auswuchs, oder

besser gesagt Überwuchs,

einer natürlichenVerant-

Seite 14

wortung? Steckt vielleicht mehr hinter Basejumpern,

Extrembergsteigern, Downhillern und Konsorten?

Schließlich besteht ja ein kleiner Unterschied zwischen

dem Sprung von einer eineinhalb Meter hohen

Mauer und einem Sprung aus 38 km Höhe. Der Unterschied,

und darin liegt der springende

Punkt, der einen Extremsportler von einem

Ottonormalverbraucher unterscheidet,

ist, dass jener das Unbekannte sucht. Ihn

reizt ein noch jungfräuliches, unbefahrenes

Schneefeld, eine Felswand, die noch nie

bestiegen wurde, eine Leistung, die noch

nie erbracht wurde. Beim Extremsportler

geht es nicht darum, besser als jemand anderes

zu sein, wie es beispielsweise in der

Leichtathletik der Fall ist, sondern etwas

Besonderes, Herausragendes als Erster zu

machen. Wer weiß, wer den Rekord für die

schnellste Weltumsegelung hält? Vermutlich

niemand. Es ist Loick Peyron, ein französischer

Skipper, der für die Strecke nur

45 Tage und 13 Stunden benötigte. Ungemein länger,

nämlich zwei Jahre, elf Monate und zwei Wochen, hat

ein gewisser Ferdinand Magellan für diese Strecke gebraucht;

dieser Name dürfte bekannt sein. Obwohl es

Ersterer in einem Bruchteil der Zeit geschafft hat, ist

sein Name, außer in Fachkreisen, kaum bekannt. Magellan

hingegen ist der Extremsportler, er ist bekannt,

weil er etwas nie da Gewesenes erreicht hat.


Reinhold Messner hat keinen der 14 Achttausender

als Erster bestiegen. Er hat gesammelt, das ist auch ein

Aspekt des Extremsports: die Sammelleidenschaft. Irgendwann

sind alle Gipfel bestiegen, alle Meere befahren,

von jedem Wolkenkratzer hat sich schon jemand

hinabgestürzt, deshalb geht man dazu über, es sich

schwieriger zu machen, da es ja zu einfach geworden

ist. Man kämpft sich durch Nordwände, Nordwestpassagen,

mit einem selbstgezogenen Buggy durch Victoria

Island, weil der Normalweg zu langweilig geworden

ist. Irgendwann geht man dazu über, die Slackline

anstatt zwischen zwei Bäumen zwischen zwei Berggipfeln

zu spannen. Ist auch das zu langweilig geworden

lässt man die Sicherung weg und balanciert „Free

Solo“ über den Abgrund. Fest steht: Es gibt immer

weniger Abenteuer, die man noch erleben kann, und

wenn man auf der Suche nach dem Unentdeckten ist,

muss man sich früher oder später eben mit dem Normalen

abfinden, also eine tausend Meter hohe Felswand

allein in unter zwei Stunden zu durchklettern.

Ausgegraben

Verena v. Walther, Hannah Lezuo, Leopold Reinisch

Seite 15

Und irgendwann ist auch das so normal, dass man

aufhört, den großen Stein zu rollen, sondern sich mit

kleineren Sandkörnern, wie dem Erreichen eines startenden

Autobusses, zufriedenzugeben. Ich für meinen

Teil bin stolz darauf, den Kalterer See durchsegelt und

den Rosengarten bestiegen zu haben, schließlich ist es

der eigene Erfolg, mein Erfolg. Selbst Reinhold Messner

zollt dem Respekt, wenn er sagt: „Solange Leute

aus dem Büro auf einfachen Wanderwegen auf einen

kleinen Berg hinaufsteigen, finde ich das sehr positiv“

- denn es ist ihre persönliche Leistung.

Valentin Harich

Wie schon in der letzten Ausgabe haben wir uns den Leitspruch von Erasmus von Rotterdam zu eigen gemacht,

demzufolge man Ad fontes gehen soll. Genau das haben wir getan und alte Maturazeitungen unserer

Schule durchforstet. Dabei sind wir auf ein paar Leckerbissen gestoßen, die uns verraten, wie unsere Kollegen

vor Jahren ihre Professoren und ihre Schule erlebt haben. Schaut mal rein – und viel Vergnügen!


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Weihnachtszeit

Ein nicht durchwegs ernst gemeinter Zwischenruf

Es ist wieder so weit. Der erste Schnee ist auf den

Bergen schon gefallen und kommt der Landeshauptstadt

Bozen immer näher, die Temperaturen sinken

in den Keller, in den ersten Skigebieten laufen die

Lifte schon auf Hochtouren, die Adventskalendertürchen

werden nun wieder eins nach dem anderen geöffnet,

alle Straßen sind festlich geschmückt und der

Christkindlmarkt hat wieder seine Pforten geöffnet.

Die Zeit der Besinnlichkeit und der Liebe hat wieder

begonnen.

Jeden Tag pilgern ganze Massen nach Bozen, um Unsummen

auszugeben für kleine, dicke Thun-Engel,

für Grödner Qualitätsschnitzereien und für andere

hochwertige Produkte aus Südtirol. Na ja, die zum

Verkauf angebotenen Sachen sind auch nicht unbedingt

die billigsten, aber Qualität aus Südtirol bekommt

man eben nicht umsonst, denn immerhin

sind es größtenteils mühevoll angefertigte Figuren,

Hausschuhe oder Ähnliches. Die haben ihren Preis.

Die Gedanken an die Wirtschaftskrise werden von

den Leuten zumindest für einen Monat im Jahr in

die unendlichen Weiten des Gehirns verdrängt. Und

schließlich muss man ja die Wirtschaft wieder ankurbeln,

was bekanntlich am besten funktioniert, indem

man Geld ausgibt.

Doch viele besuchen den Markt nicht wegen der schönen

Filzarbeiten oder aufgrund der süßen Backwaren.

Nein, sie kommen des Glühweins wegen. Auch

süß und mit einer Wirkung, die Kekse oder andere

Teigwaren auch in größeren Mengen nicht hervorrufen.

Vor allem Jugendliche begeben sich jedes Jahr

immer wieder gern auf den Markt. Doch meistens

kommen sie nicht weit, weil sie bereits beim Larcher

oder einem anderen verführerisch duftenden Glühweinstand

hängen bleiben. Viele nehmen sich immer

wieder vor, wenigstens eine Runde zu machen, jedoch

erfolglos. Denn die einzige Runde, die ihnen vielleicht

gelingt, ist die vom Larcher zum Campofranco

und wieder zurück, mit einem kleinen Abstecher bei

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dem Stand der Forst. Naja, immerhin wird dabei fast

der ganze Markt einmal durchquert und sie schaffen

es trotzdem, einen Blick auf die von gefühlten Millionen

Menschen umgebenen Stände zu erhaschen.

Doch kommen wir zurück zum Glühwein. Es ist DIE

Zeit des Jahres für die jungen Leute. Denn wenn man

unter dem Jahr doch nur an Freitagen oder Samstagen

ausgehen kann, so kann man in der Weihnachtszeit

jeden Tag feiern, trinken und Spaß haben. Schön

für die Jugendlichen. Die Eltern finden das unerhört,

in dieser besinnlichen Zeit kübelweise Glühwein in

sich hineinzuschütten. Doch liebe Eltern, wisst ihr

eigentlich, wie viele neue Freundschaften, vor dem

Larcher beispielsweise, dabei geknüpft werden, und

alte Bekanntschaften wieder aufgefrischt? Und wisst

ihr, wie besinnlich eure Kinder sein können? Denn

bleibt man etwas länger vor diesen Ständen stehen,

erklingen, vor allem zu etwas fortgeschrittener Stunde,

immer wieder wunderschöne mehrstimmige Lieder,

wie „Alle Jahre wieder“ oder „Stille Nacht“. Und

wenn man Glück hat und es schneit, dann hört man

sogar „Leise rieselt der Schnee“ in verschiedenen

Tonhöhen. Besser als es jeder Chor zustandebringen

würde. Auch der Liebe und den Emotionen lassen

viele in dieser Zeit freien Lauf. Manche etwas zu viel.

Doch nicht nur die Jugendlichen genießen diese Zeit

der Besinnung und des Friedens. Auch diejenigen,

welche von der Krise gebeutelt und ausgebeutelt wurden.

Diese können sich dann die Zukunft jeden Tag

etwas schöner trinken. Vor der Arbeit, danach und

am besten auch während. Zu welchem Zweck gibt

es schließlich Thermoskannen? Doch nicht nur sie

trinken sich die Zukunft schön in ihrer Verzweiflung,

sondern auch die sogenannte Spezies der Singles.

Sie treffen sich in Gruppen vor diesen Ständen und

versuch en, inmitten von so vielen Verliebten und

Liebenden, sich alles schön zu trinken, manchmal

sich auch Mut anzutrinken, um pünktlich zu Weihnachten

doch eine/n zu ergattern. Ein großer Fehler,


denn am 24. Dezember noch ein Geschenk zu finden,

ist eine schwer zu bewältigende Aufgabe. Besser das

Geld schon vorher in den Glühwein zu investieren,

der muss nicht beschenkt werden und kommt alle

Jahre wieder.

Eines aber haben alle drei Gruppen, die aus den verschiedensten

Gründen Glühwein trinken, gemeinsam:

Sie erwachen erst wieder am Ende des Glühweinmar...

entschuldigen Sie, des Christkindlmarktes

aus ihrem Traum, und in der Realität angekommen

merken sie erst, dass sich nichts an ihrem Leben geändert

hat, außer dass die Brieftaschen leer sind und

der Bankomat auch nichts mehr ausspucken will.

Seite 18

Die Jugendlichen warten wieder sehnsüchtig auf jedes

Wochenende, die von der Krise Geprägten verschwinden

heimlich zu Hause und die Singles suchen

weiter.

Die Betreiber der Stände juckt das wenig bis gar

nichts, denn sie verbringen die Feiertage wieder in

der Karibik.

In diesem Sinne: eine besinnliche Zeit, frohe Weihnachten

und einen hoffentlich nicht zu wilden Rutsch

ins neue Jahr!

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