Vollversion (7.42 MB) - Forschungsjournal Neue Soziale Bewegungen

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Unterstützung der Umweltbewegung: 31

eignisanalysen gemessen werden. Die beiden

letztgenannten Datentypen wurden in dem ländervergleichenden

Forschungsprojekt „The

Transformation of Environmental Activism"

(TEA-Projekt) bereitgestellt, das von 1998 bis

2001 von der Europäischen Kommission finanziert

wurde und in dessen Rahmen wir die

Entwicklung in der Bundesrepublik untersucht

haben (vgl. auch Rootes 1999 und in diesem

Heft).

2 Umweltbewusstsein und Unterstützung

der Umweltbewegung

Die Einstellung der Bevölkerung zu Umweltproblemen

und Umweltbewegung ist durch

eine Fülle von Bevölkerungsumfragen ermittelt

worden. Nur ein Teil dieser Studien wurde

allerdings mehrfach wiederholt, so dass sich

Trendverläufe ablesen ließen. Die meisten

Umfragen sind nicht direkt miteinander vergleichbar,

da das Objekt der Befragungen und

die Formulierungen variieren. Angesichts dieser

Schwierigkeiten, aber auch angesichts der

Tatsache, dass in Umfragen dieser Art in der

Regel nur diffuse Unterstützungsbereitschaften

ermittelt werden, beschränken wir uns auf

ein grobes Bild.

Ein erster Indikator ist die Wahrnehmung der

wichtigsten Probleme durch die Bevölkerung,

wie sie von der Forschungsgruppe Wahlen erhoben

wird. Hier zeigt sich in der alten Bundesrepublik

in den 1980er Jahren ein relativ

hoher Rang von Umweltschutz, der im Jahr

1989 sogar den Spitzenplatz einnimmt und das

Thema Arbeitslosigkeit knapp überrundet. Ab

1990 wird der Umweltschutz von anderen Problemkreisen

(zunächst Asyl/Ausländer und

deutsche Einheit, dann ganz dominant von Arbeitslosigkeit)

überragt. Nur noch ein kleiner

Teil der Befragten (in der zweiten Hälfte der

1990er Jahre ein bis zwei Prozent) stuft Umweltschutz

als wichtigstes Problem ein. In den

neuen Bundesländern wird Umweltschutz als

noch weniger wichtig angesehen, während Arbeitslosigkeit

mit großem Abstand vor allen

übrigen Problemen rangiert (Kuckartz 2002:

18f).

Wenn Befragte nicht gebeten werden, sich für

ein wichtigstes Thema zu entscheiden, sondern

nach der Wichtigkeit von mehreren politischen

Themen gefragt werden, ändert sich

das Bild. Konstant über 90 Prozent der Bevöl­

kerung halten Umweltschutz für ein „sehr wichtiges"

oder „eher wichtiges" Thema. 2

Das Umweltthema

ist den Bürgerinnen noch immer

wichtig, wenngleich sich eine leichte Verschiebung

von „sehr wichtig" zu „eher wichtig" in

den 1990er Jahren andeutet. Markanter ist aber

der relative Bedeutungsverlust, weil andere

Themen stärker in den Vordergrund gerückt

sind.

Die Umweltbewegung selbst, so zeigt eine Reihe

von auch punktuellen Umfragen, findet

Sympathien bei großen Teilen der Bevölkerung.

Die Bewegung und ihre Organisationen,

insbesondere Greenpeace, können hohe Zustimmungswerte

erzielen und genießen großes

Vertrauen (Noelle-Neumann/Köcher 1993: 651,

937). In vier Eurobarometer-Umfragen wurde

die Haltung zur Umweltbewegung und zu wenigen

anderen Bewegungen in fünf Ländern

zu vier Zeitpunkten ermittelt - dies allerdings

nur im Verlauf der 1980er Jahre. Hier zeigte

sich im Länder- und Bewegungsvergleich eine

sehr hohe und steigende Unterstützung für die

Umweltbewegung in der Bundesrepublik

(Fuchs/Rucht 1994). Es fehlen allerdings Vergleichsdaten

für die nachfolgenden Jahre, so

dass unklar bleibt, ob sich dieses Bild verändert

hat.

Bezogen auf die Wertschätzung der Umweltbewegung

und die Wichtigkeit des Umweltthemas

bleibt das Ergebnis ambivalent.

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