Vollversion (7.42 MB) - Forschungsjournal Neue Soziale Bewegungen

fjnsb.org

Vollversion (7.42 MB) - Forschungsjournal Neue Soziale Bewegungen

Pulsschlag 85

einen wesentlichen Beitrag zur Umsetzung und

Stabilisierung demokratischer Strukturen leistet,

trotzdem aber immer noch in einem spannungsreichen

Verhältnis zu nationalen, supranationalen,

transnationalen und globalen staatsoder

wirtschaftstragenden Institutionen steht.

Gabriele Rohmann, Berlin.

Hinweis der Redaktion:

Diese Tagung wird das Schwerpunktthema von

Heft 2/2003 des Forschungsjournals Neue Soziale

Bewegungen sein.

TAGUNGSBERICHT

Globalisierung und

Wohlfahrtstaat

Die Sektion Sozialpolitik auf dem

Leipziger Soziologentag

Unter dem Motto Entstaatlichung und soziale

Sicherheit' fand der diesjährige 31. Kongress

der Deutschen Gesellschaft für Soziologie

(DGS) vom 7. bis 11. Oktober in den Räumen

der Universität Leipzig statt. Neben zahlreichen

gemeinsamen Plena mit Vorträgen renommierter

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler,

parallelen Workshops und Sitzungen

hatten auch die verschiedenen Sektionen der

DGS die Gelegenheit zum Diskurs und zum

themenspezifischen Austausch.

Die Sitzung der Sektion Sozialpolitik diente

gleich mehreren Zwecken. Nachgeholt wurde

die ausgefallene Jahrestagung zu Globalisierung

und Wohlfahrtstaat'. In einem zweiten

Vortragskomplex ging es entsprechend der

Kongressmaßgabe um soziale Sicherheit und

Dienstleistungserstellung. Schließlich erfolgte

im Anschluss an die Vorträge die jährliche Mitgliederversammlung,

in der Prof. Dr. Adalbert

Evers, Universität Gießen, zum neuen Sprecher

der Sektion gewählt wurde.

Die Rolle der Sozialpartner als Form und Teil

von Entstaatlichung wurde von Bernhard Ebbinghaus

anhand der Entwicklungen in der

Rentenpolitik empirisch in acht Ländern untersucht.

Bislang wird Sozialpolitik als eigenständiges

Politikfeld von den Tarifparteien

kaum direkt und systematisch genutzt. Doch

statt Reformblockaden zu konstatieren, könnte

diese als zukünftiger Gestaltungsrahmen identifiziert

werden und als Ausdruck der neuen

Verantwortung der Sozialpartner zur flexiblen

Anpassung führen. Für die sozialpolitische Theorieentwicklung

beinhaltet diese fallbezogene

Analyse sowohl eine Relativierung der Theorie

der Vetospieler (divided government) als

auch der Pfadabhängigkeit wohlfahrtstaatlichen

Wandels. Mit Hilfe der Empirie können Spielräume

für die Vetomacht der Gewerkschaften

und Arbeitgeberverbände ebenso aufgezeigt

werden, wie für die Annahme der Pfadabhängigkeit

wohlfahrtstaatlicher ,Regime'.

Der Wandel von Wohlfahrtspolitik stand auch im

Beitrag von Raimund Hasse im Zentrum. Konzentrierte

sich in den 1970er Jahren die Wohlfahrtspolitik

noch auf die Themen Kosten und

Effizienz, so sei der transnationale Prozess der

Neuausrichtung von Wohlfahrtspolitik im Zuge

des Neoinstitutionalismus als organisationaler,

institutioneller Wandel zu interpretieren. Indem

diese Analyse jedoch fast ausschließlich auf theoretischen

Erwägungen beruhte, war gerade Hasses

fehlende empirische Unterfütterung und Spezifizierung

des wohlfahrtspolitischen Wandels

Gegenstand der Kritik. So forderte Martin Seeleib-Kaiser

in seinem Kommentar zum ersten

Themenblock dazu auf, der These empirische

Studien folgen zu lassen. Entsprechend wurde

Ebbinghaus' empirische Verbindung von Kooperationsforschung

und sozialem Wandel anhand

des Politikfeldes der Rentenpolitik herausgestellt.

Der zweite thematische Block war mit dem

Thema sozialstaatlicher Dienstleistungserbrin-

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine