Osteoporose - Knochenabbau - Forum-Bioenergetik eV

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Osteoporose - Knochenabbau - Forum-Bioenergetik eV

Osteoporose - Knochenabbau

Sendung im MDR am 20. 1. 2011 und im HR am 3. 3. 2011

Bei vielen Menschen beginnt bereits ab dem 30. Lebensjahr ein Verfall der Knochen. Dann

können schon kleine Stöße an der Tischkante fatale Folgen haben. Wie gefährlich ist dieser

Knochenschwund für unsere Gesundheit? "Hauptsache gesund" gibt Antworten und erläutert

neue Behandlungsmöglichkeiten.

In unserem Körper spielen sich ständig zwei Stoffwechselprozesse gleichzeitig ab: Fortwährend wird

Knochenmasse auf- und abgebaut. Dafür sind zwei besondere Arten von Zellen zuständig:

Osteoblasten bauen auf, und Osteoklasten bauen Knochensubstanz ab. Beide sind nötig, damit sich

das Skelett regelmäßig erneuern kann. Doch Auf- und Abbau geschehen nicht gleichmäßig.

Bei jungen Menschen überwiegt der Aufbau. Die Knochen werden härter und stabiler. Dagegen kehrt

sich bereits ab einem Alter von etwa 30 Jahren dieser Prozess um. Dichte und Masse des

Knochengerüsts nehmen ab. Vollzieht sich dieser Prozess gemächlich und dem Alter angemessen,

besteht kein Grund zur Besorgnis. Verläuft dieser Prozess dagegen unverhältnismäßig schnell, spricht

man von "Osteoporose" (griech. Osteo = Knochen, poros = löchrig).

Wenn der Knochenabbau zu dominant wird, kann das für Betroffene gefährlich werden

Knochenabbau mit Folgen

Übermäßiger Knochenschwund kann besonders für ältere Menschen ernsthafte Folgen haben. Durch

die Anfälligkeit des Knochengerüsts kommt es schon bei leichten Belastungen zu Brüchen. In Folge

einer Fraktur, wie Mediziner einen Bruch nennen, sind die Patienten in ungünstigen Fällen für Wochen

bettlägerig. Das kann Blutgerinnsel, Gefäßverstopfungen, Geschwüre oder Entzündungen der Haut

oder Lunge zur Folge haben, welche den ohnehin angeschlagenen Patienten zusätzlich schwächen.

Mitunter enden Blutgerinnsel oder Lungenentzündungen sogar tödlich.

Grundsätzlich wird bei Osteoporose die "primäre" und die "sekundäre" Form unterschieden. Vor allem

das Erbgut sowie Bewegungsmangel und falsche Ernährung entscheiden bei der primären Form

darüber, wie schnell die Knochen an Substanz verlieren. Bei der sekundären Variante sind hingegen

Vorerkrankungen oder die Einnahme bestimmter Medikamente Grund für den Ausbruch der Krankheit.

Was kann Osteoporose auslösen?

Entzündungsprozesse begünstigen die Arbeit der Osteoklasten. Die Knochenneubildung wird so

verhindert und der Verschleiß stark erhöht. Neben Rheuma können auch folgende Erkrankungen eine

sekundäre Osteoporose auslösen:

Hormonstörungen

Defekte des Immunsystems oder des Knochenstoffwechsels

Leukämie

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Tumore

Entzündliche Magen-Darm-Erkrankungen

Außerdem ist die Einnahme von Kortison, Epilepsiemedikamenten und Mitteln zur Unterdrückung der

Hormonproduktion mit einem erhöhten Risiko verbunden, an Osteoporose zu erkranken.

Richtige Ernährung stärkt die Knochen

Zur allgemeinen Knochenstärkung tragen Kalzium und Vitamin D bei. Kalziumreiche Nahrungsmittel

sind vor allem:

Milchprodukte

Nüsse, Mohn und Sesam

Spinat, Grünkohl und Brokkoli

Mineralwasser, sofern der Kalziumgehalt bei über 200 mg pro Liter liegt.

Vitamin D "lenkt" das Kalzium im Körper und findet sich ebenfalls in Milch und Butter sowie in

Meeresfischen und Avocados wieder. An der frischen Luft hingegen bildet unser Körper durch die

Sonnenstrahlen Vitamin D sogar selbst.

Alternativ können Kalzium und Vitamin D auch in Tablettenform oder durch Spritzen eingenommen

werden. Die Einnahme anderer Medikamente zum Knochenaufbau ist nach Absprachen mit dem

behandelten Arzt möglich. Testosteroninjektionen zur Osteoporosebekämpfung sind dagegen nicht

empfehlenswert.

Sturzgefahren lauern überall

Mit zunehmendem Lebensalter steigt das Risiko, sich im alltäglichen Leben zu verletzen. Man

sieht schlechter und ist auch nicht mehr ganz so gut zu Fuß. Zudem arbeitet auch das

Gleichgewichtsorgan nicht mehr so zuverlässig wie früher. In Kombination mit schwachen

Knochen haben ungewollte Belastungen dann fatale Folgen.

Mehr als ein Drittel der über 65-Jährigen stürzt mindestens einmal pro Jahr. In 40 Prozent der Fälle ist

ein Sturz die Ursache für die Einlieferung in ein Pflegeheim! Im Haushalt sind vor allem rutschige

Fliesen im Bad, Türschwellen oder Teppichkanten Auslöser schmerzhafter Stürze. Neben Arm- und

Handbrüchen durch das Abfangen des Sturzes kommt es hier immer wieder zu folgenschweren

Oberschenkelhalsfrakturen und zu Brüchen der Rückenwirbel.

Ältere Menschen stürzen mindestens einmal pro Jahr. Osteoporose-Patienten sollten sich deshalb mit

besonderer Vorsicht bewegen.

Oberschenkelhalsbruch – das tödliche Risiko

Bei dieser Verletzung kommt es zum Bruch des Oberschenkelknochens zwischen seinem kugeligen

Ende (Hüftkopf) und dem länglichen Knochenmittelstück (Knochenschaft). Ursache ist oftmals die

verminderte Bruchfestigkeit des Knochens in Folge einer Osteoporose. Schon ein leichter Sturz kann

ausreichen.

Anzeichen für eine Verletzung des Oberschenkelhalses sind:

Schmerzen im Hüftbereich

eingeschränkte Beweglichkeit

das verletzte Bein wirkt kürzer als das gesunde und ist nach außen gedreht

Blutergüsse und Schwellungen im Bereich der Hüfte

Kreislaufbeschwerden durch Blutverlust und Schmerzen

Wird nach eingehender Untersuchung ein Oberschenkelhalsbruch festgestellt, stehen zur Heilung

zwei Therapien zur Auswahl. Bei einer konservativen Behandlung wird der Patient nicht operiert.

Intensive Physiotherapie, Schmerzbehandlung und regelmäßige Röntgenuntersuchungen sollen die

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Bettlägerigkeit des Patienten so kurz wie möglich halten und die Beweglichkeit schnell wieder

herstellen.

In den meisten Fällen kommt der Betroffene aber nicht um eine Operation herum. Je nach Zustand

des Patienten, Vorerkrankungen und Art der Verletzung kommen verschiedene Operationsmethoden

in Betracht:

Hüftkopf erhaltendes Verfahren

Einsetzen von Schrauben und Platten

Knochenbruchstücke werden wieder in ursprüngliche Position gebracht

Hüftgelenksersatz

wird bei schwereren Fällen verwendet

Beweglichkeit im Hüftgelenk wird mit Hilfe einer Hüftkopfprothese wieder hergestellt

Patentierter Nagel verkürzt die Liegezeit im Bett

Wurden Frakturen im Hüftbereich in der Vergangenheit mit Schrauben und Platten behandelt, konnten

sich unerwünschte Nebenwirkungen einstellen. Die ungewollten Bewegungen des Hüftkopfes um die

eingesetzte Schraube führten zu Verletzungen des Knochengewebes. Lange Krankenhausaufenthalte

waren die Folge. "Die häufigste Komplikation ist dann eine Lungenentzündung, die, wie wir wissen,

auch heute noch tödlich sein kann. Deshalb setzen wir alles daran, die Patienten so schnell wie

möglich wieder auf die Beine zu bekommen", erklärt Dr. Bernhard Karich, Chirurg am Heinrich-Braun-

Klinikum in Zwickau.

Karich und seine Kollegen haben eine Schraube entwickelt, die Patienten nach erfolgreicher Hüft-

Operation vor schmerzhaften Nachwirkungen bewahren sollen. Ein spezielles Design vermindert den

Druck auf die betroffenen Knochen. Dadurch werden ungewollte Bewegungen der Schraube und

somit eine mögliche Lockerung unterbunden und die Chancen auf ein relativ beschwerdefreies Leben

nach überstandener Operation erhöht. Mittlerweile wird der patentierte Nagel weltweit eingesetzt.

Osteoporose: Diagnose und Behandlungsmethoden

Klarheit über den Zustand der Knochen und mögliche Behandlungsmaßnahmen liefert eine Messung

der Knochendichte. In deutschen Praxen hat sich die sogenannte "DEXA"-Methode durchgesetzt. Bei

diesem Verfahren kommen gleichzeitig zwei Röntgenapparate mit verschiedenen Stärken zum

Einsatz. Dadurch können im Gegensatz zur herkömmlichen Röntgenuntersuchung genauere

Aussagen über Schwächungen verschiedener Materialen im Körper, wie etwa Knochen und Muskeln,

getätigt werden. Die Röntgenbelastung für den Patienten ist dabei ausgesprochen gering. Weicht die

ermittelte Knochendichte dabei stark von den Normalwerten ab, gilt dies als auffällig und bedarf

weiterer Untersuchungen.

Bei begründetem Osteoporoseverdacht, beispielsweise nach einem Knochenbruch, welcher ohne

äußere Einflüsse geschehen ist, zahlt die gesetzliche Krankenkasse die Untersuchung. Andernfalls

sollten besonders ältere Menschen alle drei bis vier Jahre eine Untersuchung vornehmen lassen.

Diese kostet zwar 40 Euro, warnt aber rechtzeitig vor möglichen Gefahren.

Medikamente schützen die Knochen

Wird bei einem Patienten Knochenschwund festgestellt, kommen für die Behandlung oftmals

Bisphosphonate zum Einsatz. Dabei handelt es sich um Medikamente, die sich an den Knochen

anlagern und verhindern, dass Knochensubstanz abgetragen wird. Nach drei bis fünf Jahren wird die

Einnahme der Medikamente für ein bis zwei Jahre unterbrochen. Die langfristige

Medikamenteneinlagerung gewährleistet dann auch weiterhin den Schutz der Knochen.

Bisphosphonate können in Form von Tabletten eingenommen werden. Sollte es zu Nebenwirkungen

wie Bauchschmerzen, Durchfall oder Erbrechen kommen, kann auch die Einnahme in Form von

Infusionen oder Spritzen erfolgen. Neuere Medikamente müssen dabei nur noch zweimal im Jahr per

Infusion verabreicht werden.

Ersatzknochen aus Eisen lösen sich einfach auf

Oberschenkelhalsbruch und Wirbelfrakturen sind nur zwei Beispiele für Knochenverletzungen,

die oft durch Osteoporose hervorgerufen werden. Um Betroffenen mit Knochenstrukturschwächungen

trotzdem ein möglichst beschwerdefreies Leben zu gewährleisten,

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forschen Wissenschaftler unentwegt an neuen Materialien, die das Knochengerüst stärken

können.

Forscher des Fraunhofer Instituts IFAM aus Dresden und ihre Münchener Kollegen untersuchen, wie

mit Hilfe von eisenhaltigem Metallschaum defekte Knochen ersetzt werden können. Die Idee dahinter:

Der Metallschaum wird mit Eigenschaften versehen, die denen der menschlichen Knochen

nachempfunden sind. So orientieren sich die Materialwissenschafter in vielen Punkten am Vorbild aus

der Natur: "Die Struktur ist sehr ähnlich und auch die mechanischen Eigenschaften – etwa die

Flexibilität. Sie ist so hoch wie bei Knochen. Deshalb eignet sich dieses Material hervorragend als

knochenersetzendes Implantat", erläutert Dr. Peter Quadbeck aus Dresden.

Noch in der Testphase

Herkömmliche Implantate haben den Knochen bisher solange unterstützt, bis dieser stabil genug war,

seine Funktionen selbst wieder wahrzunehmen. "Häufig stören diese Implantate dann und müssen in

einer zweiten Operation wieder entfernt werden. Durch die Verwendung eines resorbierbaren

Knochenersatzmaterials kann diese Folgeoperation vermieden werden", erklärt der Münchener

Orthopäde Dr. Bernd Wegener.

Resorbieren heißt, dass das Eisen-Implantat, welches den defekten Knochen zunächst ersetzt, nach

und nach von neuen Knochenzellen durchwachsen wird und der Körper das Eisen mit der Zeit

vollständig abbaut. Erste Tierversuche haben gezeigt, dass nach etwa einem halben Jahr das Eisen

vollständig und ohne körperliche Schädigungen abgebaut wurde. Bis solche "Eisenknochen"

allerdings tatsächlich Osteoporose-Patienten helfen, wird noch einige Forschungszeit ins Land gehen.

Wirbelbruch – enorme Schmerzen und „Witwenbuckel“

Neben der Oberschenkelhalsfraktur stellt der Wirbelbruch eine weitere häufige osteoporosebedingte

Verletzung dar. Die Wirbel entlang der Wirbelsäule sind durch den krankhaften

Knochenschwund nicht mehr stark genug, um die immensen Kräfte zu verarbeiten, die auf sie

einwirken.

Brüche eines oder mehrerer Rückenwirbel können teils starke Schmerzen auslösen. Die Stärke der

Beschwerden kann je nach Art der Verletzung sehr unterschiedlich sein. Es gibt auch Patienten, die

lange Zeit nichts von dem Wirbelbruch merken.

Bei Verdacht auf Wirbelverletzung wird der betroffene Patient zunächst gründlich untersucht. Meistens

lässt sich die betroffene Stelle durch Abtasten der Wirbelsäule relativ genau lokalisieren. Zudem

werden Röntgenaufnahmen aus verschiedenen Perspektiven angefertigt, um das ganze Ausmaß

abschätzen zu können. Außerdem kann die Überprüfung von Motorik und Sensibilität etwaige

Beschädigungen des Rückenmarks an den Tag bringen.

Bei schweren Verletzungen sind operative Eingriffe notwendig, um den Rücken zu stabilisieren

Operation bei schweren Verletzungen notwendig

Bei unkomplizierten Wirbelbrüchen ist in der Regel keine Operation erforderlich. Eine

bedarfsorientierte Schmerzbehandlung, Physiotherapie und gegebenenfalls ein Stützkorsett zur

Entlastung der Wirbelsäule helfen dem Patienten, mobil zu bleiben und den Heilungsprozess voran zu

treiben.

Sollten schwerere Verletzungen der Wirbelsäule vorliegen, ist eine Operation notwendig. Diese soll

dauerhaft der Instabilität des Rückens entgegenwirken und Schmerzen lindern. In den letzten Jahren

hat sich dabei die Kyphoplastie als Behandlungsmethode immer mehr durchgesetzt. Dabei wird mit

Hilfe einer Kanüle ein kleiner Ballon in den zerstörten Wirbel eingeführt. Anschließend wird der Wirbel

mit Hilfe des Ballons aufgerichtet und mit Knochenzement gefüllt. So wird die Stabilität wieder

hergestellt. Dem Eingriff folgt in der Regel eine rasche Genesung des Patienten. Die Operation ist

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ohne Vollnarkose durchführbar. Nach der Prozedur sind weder Bettruhe noch Korsett nötig, sondern

man kann sofort selbstständig den OP-Saal verlassen und verspürt keinerlei Schmerzen mehr.

Stürze vermeiden

Trotz aller neuen Behandlungsmethoden und Schmerztherapien wünscht man sich nichts sehnlicher,

als Gesundheit bis ins hohe Lebensalter. Mit schwachen Knochen ist man nicht krank, es besteht aber

ein erhöhtes Risiko, einen Knochenbruch zu erleiden. Mit wenigen Maßnahmen können Sie selbst

dafür sorgen, Ihren Körper einerseits zu kräftigen und andererseits gefährlichen Stürzen aus dem Weg

zu gehen.

Sport treiben

Neben der kalzium- und vitaminreichen Ernährung ist regelmäßiger Sport ein maßgeblicher Faktor für

stabile Knochen. Jede sportliche Belastung der Knochen aktiviert deren Aufbauprozess. Es empfehlen

sich daher beispielsweise Nordic Walking oder auch Seilspringen als besonders effektiver Sport zur

nachhaltigen Knochenstärkung.

Auch der Gleichgewichtssinn und der sichere Stand auf den eigenen zwei Beinen können in

Sportgruppen gezielt trainiert werden. Damit sind Sie selbstsicherer im Alltag unterwegs und laufen

nicht Gefahr, schnell zu stürzen.

Unnötige Stolperfallen

Unnötige Hindernisse in der häuslichen Umgebung sind oft Ursache für Stürze. Zusätzliche

Einstiegshilfen und Haltegriffe im Badezimmer geben sicheren Stand und minimieren die Gefahr, auf

nassen Fliesen auszugleiten. Kleine Rampen können zudem Türschwellen ausgleichen, die in einem

unachtsamen Moment zur Stolperfalle werden können. Gebrechliche Leitern und altersschwache

Tritthocker gehören auf den Müll.

Beim Verlassen des Hauses sollten Brillenträger darauf achten, dass sie Brille tatsächlich mithaben.

Zudem ist sicheres und bequemes Schuhwerk empfehlenswert, genauso eine kleine Pause, die bei

Erschöpfung geboten ist.

Hüftprotektoren

Der Hüftschutz wird unauffällig unter der Kleidung getragen. Die Protektoren bestehen aus

zahlreichen kleinen Luftpolstern in Wabenform. Dadurch können die beim Sturz auftretenden Kräfte

optimal abgefangen werden. Vergleichbar mit einem Sturzhelm beim Radfahren bleiben die darunter

befindlichen Körperteile geschützt – in diesem Fall also der Hüftbereich mit dem empfindlichen

Oberschenkelhals.

Gehhilfen

Außerhalb der Wohnung ist es schon schwieriger, Sturzfallen zu umgehen. Gehstock und Rollator

sind daher nützliche und komfortable Begleiter. Normalerweise werden diese bei Bedarf vom Arzt

verschrieben. Zusätzlich können Sie sich im Sanitätshaus auch individuell über weitere Gehhilfen

beraten lassen. Nach Überprüfung der Krankenkasse wird dann über anfallende Kosten entschieden.

Sturzrisiko testen

Viele Ärzte bieten für ältere Patienten auch eine Untersuchung an, die das eigene Sturzrisiko ermitteln

kann. Dazu muss der Patient eine ganze Reihe von Übungen absolvieren, an hand derer der Arzt

Kraft, Beweglichkeit und Koordination des Patienten beurteilen kann. Danach besprechen Arzt und

Patient gemeinsam, wie hoch das Risiko für mögliche Stürze einzuschätzen ist. Anschließend können

dann Gegenmaßnahmen wie zusätzliche Sehhilfen oder Muskelaufbau diskutiert werden. Zusätzlich

lohnt ein Blick auf die täglich eingenommenen Medikamente. Psychopharmaka, Diabetes- und

Blutdruckpräparate können unter Umständen die Tüchtigkeit des Patienten beeinträchtigen und Stürze

begünstigen.

Osteoporose - Wenn die Knochen brüchig werden

Autorinnen: Sandra Ließmann und Eva Maria Siefert

Wie genau entsteht Osteoporose? Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es und welche

Therapieformen kommen zur Anwendung?

Ab dem 40. Lebensjahr steigt die Wahrscheinlichkeit für Knochenschwund, die so genannte

Osteoporose. Betroffen sind vor allem Frauen, denn der Östrogen-Mangel besonders nach den

Wechseljahren gilt als eine der Hauptursachen für Osteoporose. Betroffen sind jedoch auch jüngere

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Menschen, vor allem, wenn sie zuckerkrank sind oder wenn sie Medikamente wie etwa Kortison

einnehmen müssen, die den Knochenstoffwechsel beeinflussen können.

Unverzichtbare Stütze des Menschen: die Wirbelsäule.

Ob beim Radfahren, Walken oder beim Spielen mit ihrem Enkel, Bewegung ist für die 64-Jährige

Brigitte S. aus Cölbe wichtig. Auch, weil sie damit die Krankheit aufhalten will, unter der sie seit 35

Jahren leidet: Osteoporose. Außerdem nimmt sie Medikamente ein, um den Knochenabbau zu

stoppen, zusätzlich Calcium und Vitamin D. Jahrelang behält sie so die Kontrolle über den

Knochenschwund. Doch im November 2010 stolpert sie über eine Schwelle in ihrem Wohnzimmer,

fällt hin und kommt allein nicht mehr hoch. Eine Etage tiefer hat ihre Tochter das Poltern gehört und

eilt zur Hilfe. Doch Brigitte S. kann nicht aufstehen, sie hat höllische Schmerzen im Rücken, kann sich

kaum bewegen. Mit dem Rettungswagen kommt sie ins Krankenhaus, sie wird geröngt. Und das

Ergebnis ist niederschmetternd: der erste Lendenwirbel ist gebrochen. Normalerweise heilt so ein

Wirbelbruch von selbst aus, Brigitte S. darf sogar nach Hause und soll mit Schmerzmitteln die Zeit der

Heilung überbrücken. Doch schon zu diesem Zeitpunkt sind die Ärzte skeptisch, ob die natürliche

Heilung auch bei der Osteoporose-Patientin gelingt. Sie informieren die 64-Jährige auch über die

zweite Alternative. Eine Operation, bei der der Wirbelkörper zementiert und so gefestigt wird. Die

Rentnerin aus Cölbe entscheidet sich gegen eine Operation, doch auch nach einigen Wochen muss

sie noch starke Schmerzmittel nehmen, um sich überhaupt bewegen zu können. Vor der Kontrolle im

Krankenhaus drückt sie sich, hat weiter die Hoffnung, dass es von alleine besser wird.

Osteoporose - Behandlung von Wirbelbruch und Osteoporose

Brigitte S. geht wegen der starken Schmerzen noch einmal zum Röntgen ins Uniklinikum Marburg. Im

Gespräch mit dem Wirbelsäulenexperten Dr. Christian Fölsch dann die Schreckensdiagnose: der

Wirbel ist auch nach dem Sturz weiter eingebrochen, Brigitte S. muss operiert werden. Der Wirbel soll

durch einen speziellen Knochenzement wieder stabilisiert werden. Dafür arbeiten die Orthopäden mit

Kathetern die sie durch kleine Hautschnitte rechts und links der Wirbelsäule an den Wirbelköper

heranführen. Durch diese Methode wird ein großer Schnitt am Rücken verhindert. Den Erfolg ihrer

Arbeit beobachten die Ärzte während der gesamten Operation mit Hilfe des Röntgengerätes. Nun wird

ein Stent, also ein Metallgitter, als Platzhalter in den zusammen gesackten Wirbel eingeführt. In

dessen Innerem befindet sich ein Ballon, der durch Druckluft entfaltet wird und so den Wirbel

aufrichtet. Nach dem Ablassen der Druckluft wird der Ballon wieder entfernt, der Stent bleibt als

Platzhalter zurück und wird mit dem Zement aufgefüllt. Auf diese Weise erhält der Wirbel wieder seine

ursprüngliche Größe und bleibt stabil.

Durch die Zementierung wird der gebrochene Wirbel stabilisiert.

Weitere Knochenbrüche verhindern

Doch auch nach gelungener Operation besteht für Brigitte S. weiter die Gefahr, dass in den nächsten

Monaten erneut Wirbel brechen. Deshalb muss nun auch ihre Osteoporose behandelt werden. Sie hat

deshalb an der Uniklinik Marburg einen Termin bei Professor Peyman Hadji. Der Osteoporose-Experte

soll nun dafür sorgen, dass ihre Knochen wieder fester werden. Als erstes wird ihre Knochendichte

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gemessen, dabei misst das Gerät mit schwachen Röntgenstrahlen den Kalkgehalt ihrer Knochen. Die

Untersuchung zeigt, dass die 64-Jährige eine Osteoporose mittleren Grades hat. Bisher bekam sie zur

Therapie der Osteoporose Bisphosphonate, Professor Hadji schlägt nun eine neue Behandlung vor:

eine Antikörpertherapie, durch die die abbauenden Knochenzellen gestoppt werden sollen. Die

Antikörper müssen alle sechs Monate gespritzt werden. Ob die Behandlung anschlägt, wird sie in gut

drei Monaten wissen.

Osteoporose - erfolgreiche Therapie

Gegen ihre Osteoporose und zur Vorbeugung weiterer Knochenbrüche hat Brigitte S. eine

Antikörpertherapie begonnen. Nun, drei Monate später, soll sich zeigen, ob die Therapie anschlägt.

Deshalb kommt sie zur Blutabnahme in die Uniklinik Marburg. Denn im Blut gibt es einen speziellen

Marker, der zeigt, ob der Knochenabbau voranschreitet oder gestoppt ist. Und tatsächlich, Professor

Hadji hat gute Nachrichten. Der Blutwert zeigt, dass der Knochenabbau in ihrem Körper gestoppt

wurde. Doch das ist erst der erste Schritt, denn jetzt muss langsam der Knochenaufbau wieder

angeregt werden, damit sich ihre Knochendichte wieder verbessert. Bis sich aber dieser langfristige

Therapieerfolg zeigt, dauert es noch ein paar Monate.

Kontakt

Adressen:

Bundesselbsthilfeverband für Osteoporose e.V.

Kirchfeldstr. 149

40215 Düsseldorf

Tel.: 0211/ 30 13 14-0

Fax: 0211/ 30 13 14-10

Mail: info@osteoporose-deutschland.de

Internet: www.osteoporose-deutschland.de

Netzwerk-Osteoporose e.V.

Ludwigstraße 22

33098 Paderborn

Tel.: 05251/ 280586

Fax: 05251/ 280586

Mail: buero@netzwerk-osteoporose.de

Internet: www.netzwerk-osteoporose.de

DVO Dachverband Osteologie e.V.

Hellweg 92

45276 Essen

Tel.: 0201/ 3845-617

Fax: 0201/ 805-2717

Internet: www.dv-osteologie.de/

Kuratorium Knochengesundheit e.V.

Leipziger Straße 6

74889 Sinsheim

Servicenummer für Fragen: 0900-1854525

(Mo bis Fr 8.30 - 12.30 Uhr, 25 Cent/Min. aus dem deutschen Festnetz, Mobilfunkpreise können

abweichen)

Mail: info@osteoporose.org

Internet: www.osteoporose.org/

Die Weltgesundheitsorganisation WHO zählt die Osteoporose zu den zehn wichtigsten Erkrankungen.

Doch obwohl eine effektive Vorbeugung und Behandlung möglich ist, bleibt die Osteoporose bei den

meisten Betroffenen unerkannt und unbehandelt. Denn die Krankheit tut nicht weh und wird oft erst

erkannt, wenn bereits ein Knochenbruch als Folge des Knochenschwundes aufgetreten ist.

Unsere Knochen - Wunderwerk in Sachen Konstruktion

Bei der Konstruktion und Bauweise unserer Knochen wären die besten Architekten, Statiker und

Ingenieure wohl gescheitert. Denn unsere Knochen sind wirklich ein Wunderwerk der Natur. 206

Knochen besitzt der Körper eines Erwachsenen. Der Größte misst knapp einen halben Meter, der

kleinste gerade mal drei Millimeter, unser ganzes Skelett wiegt gerade mal zwölf Kilogramm. Doch im

Verhältnis zum Gewicht sind unsere Knochen enorm belastbar - bis zum 20-fachen unseres

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Körpergewichts können manche Knochen aushalten, ohne dabei zu brechen. Allein der

Oberschenkelknochen kann für kurze Zeit sogar das Gewicht eines Mittelklasseautos tragen!

Findige Konstruktion und ausgeklügelter Materialmix

Die Raffinesse steckt im Detail, denn trotz der hohen Festigkeit besitzen unsere Knochen auch eine

gewisse Elastizität. Erreicht wird das durch ein besonderes Bauprinzip: Nur die Außenschicht besteht

durchgehend aus hartem Knochengewebe, der so genannten Kompakta. Im Knocheninneren

dagegen befindet sich ein schwammartiges Netzwerk von Knochenbälkchen, die so genannte

Spongiosa. Die Anordnung dieser Knochenbälkchen, die Verstrebung untereinander, ist natürlich nicht

dem Zufall überlassen, sondern richtet sich nach der jeweiligen Belastung des Knochens. Hinzu

kommt dann auch noch ein ausgeklügelter Materialmix. Denn Knochen und Knochenbälkchen

bestehen ähnlich wie unsere Haut eigentlich aus elastischem Kollagen. In das aber werden die

Mineralstoffe Kalzium und Phosphat eingelagert, wodurch der Knochen viel belastbarer wird, aber

gleichzeitig elastisch bleibt. Dabei dient unser Skelett auch als Kalziumspeicher, denn rund 99 Prozent

der körpereigenen Kalziumvorräte befinden sich in den Knochen.

Konkurrierende Knochenzellen

In Kindheit und Jugend wachsen unsere Knochen, danach aber sind sie selbstverständlich kein totes

Gewebe. In unseren Knochen herrscht ein reger Stoffwechsel, ständig wird Knochen auf- und

abgebaut. Im Erwachsenenalter nehmen vor allem Dichte und Festigkeit zu. Für den ständigen

Umbau sorgen zwei konkurrierende Zelltypen: einerseits die so genannten Osteoblasten, die für den

Knochenaufbau sorgen. Deren Gegenspieler sind die Osteoklasten, die den Knochen wieder

abbauen. Bis zum 35. bis 40. Lebensjahr haben die aufbauenden Zellen die Oberhand, danach

überwiegen die abbauenden Osteoklasten. Etwa ab diesem Lebensalter wird also mehr Knochen

abgebaut.

Bewegungsmangel begünstigt Knochenschwund

Bei der Osteoporose handelt es sich um eine Stoffwechselerkrankung des Knochens, bei der mehr

Knochen abgebaut als neu gebildet wird. Dadurch wird der Knochen porös, kann selbst kleinste

Belastungen nicht mehr aushalten und bricht. Ältere Menschen sind schon deshalb Osteoporose

gefährdet, weil bereits natürlicherweise mehr Knochen ab- als aufgebaut wird. Bei den Ursachen aber

kommt dem Bewegungsmangel eine entscheidende Rolle zu. Denn bei körperlicher Belastung

aktivieren der Zug der Muskeln und der Druck durch unser Körpergewicht die knochenaufbauenden

Osteoblasten. Ob Walken, Joggen oder Kegeln: regelmäßiges Training schützt vor Osteoporose. Und

zwar lebenslang, denn in den ersten 40 Lebensjahren bauen wir sozusagen eine Art "Konto" für

unsere Knochenstabilität auf, von dem wir im Alter zehren können.

Osteoporose - Ursachen im Überblick

Verminderter Knochenaufbau

genetische Faktoren

mangelnde körperliche Aktivität

mangelhafte Versorgung mit Kalzium und Vitamin D (Verzicht auf Milchprodukte, zu wenig

Sonnenlicht bspw. bei Pflegepatienten)

Übermäßige Aufnahme von Phosphor, Phosphat und Oxalsäure. Sie gelten als

Kalziumräuber! Denn sie behindern die Kalziumaufnahme im Darm, lösen Kalzium aus den Knochen,

das dann über die Niere verstärkt ausgeschieden wird und dem Körper verloren geht

Kalziumräuber:

Phosphorreich sind: Schweinefleisch, Wurstwaren, Schmelzkäse, Kaffee, Cola,

Konservierungsstoffe von Fertiglebensmitteln

Oxalsäurehaltige Lebensmittel: schwarzer Tee, Kakao, Schokolade, Rote Rüben, Spinat, Mangold,

Sauerampfer, Walnüsse, Mandeln und Erdnüsse

Östrogenmangel bei Mädchen und jungen Frauen, (z. B. durch übermäßige Diäten,

Missbrauch von Abführmitteln Essstörungen wie Bulimie oder Magersucht, bei verzögerter Pubertät)

Alkohol (schädigt direkt die knochenaufbauenden Osteoblasten)

Gesteigerter Knochenabbau

Östrogenmangel (Wechseljahre bei Frauen)

Stillperiode (stillende Mütter verlieren täglich 500 mg Kalzium!)

Testosteron-Mangel (s.g. "Altersosteoporose", bes. bei Männern ab dem 70. Lebensjahr)

Osteoporose als Folge anderer Erkrankungen

Diese so genannten "sekundären Osteoporosen" entstehen entweder durch die ursächliche Krankheit

oder durch deren Behandlung:

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Überfunktion der Schilddrüse

chronisch-entzündliche Erkrankungen (z. B. Colitis ulcerosa, Morbus Crohn, rheumatoide

Arthritis, Morbus Bechterew, systemischer Lupus erythematodes)

Störungen im Knochenstoffwechsel (bspw. bei Diabetes mellitus, zystischer Fibrose

angeborene Lungenerkrankung, früherer Name "Mukoviszidose")

Tumorerkrankungen ( z. B. Plasmozytom, Chronisch lymphatische Leukämie)

regelmäßige Einnahme von Abführ- und Entwässerungsmitteln

Cyclosporin A (Immuntherapie)

Länger dauernde Cortison-Einnahme

Aromatase-Hemmstoffe zur Therapie von Brustkrebs

Information

Literatur zum Thema:

Edith Leisten: "Osteoporose: Handeln bevor der Knochen bricht"

Verlag Books on Demand; 1. Aufl. 2010

ISBN-10: 383916382X

ISBN-13: 978-3839163825

Preis: 23,90 €

S.-D. Müller u.a.: "Ernährungsratgeber Osteoporose"

Verlag Schlütersche, 1. Aufl. 2008

ISBN-10: 3899935543

ISBN-13: 978-3899935547

Preis: 12,90 €

Reiner Bartl. "Kursbuch Osteoporose: Rechtzeitig vorbeugen, erkennen und behandeln: Mit

Bewegung und Ernährung die Knochen stärken"

Südwest Verlag 1. Aufl. 2007

ISBN-10: 3517069892

ISBN-13: 978-3517069890

Preis: 16,95 €

Dr. Christian Jessel: "Aktiv gegen Osteoporose"

Blv Verlag, 2005

ISBN-10: 3405168945

ISBN-13: 978-3405168940

Preis: 12, 95 €

Diagnostik

Zur Diagnostik gehören Röntgenaufnahmen, Urin- und Blutuntersuchungen. Die

Standarduntersuchung zur Ermittlung des Osteoporose-Risikos ist die sogenannte DXA-Methode.

Dabei wird die Knochendichte der Lendenwirbel und der Beckenknochen bestimmt. Je niedriger sie

ist, desto größer ist das Risiko für eine Fraktur.

Röntgenuntersuchung

Mit einer Röntgenuntersuchung wird eine Osteoporose nur erkannt, wenn die Knochenmasse bereits

um 30-40 Prozent vermindert ist, oder sogar schon Brüche aufgetreten sind. Zur Früherkennung ist

eine Röntgenaufnahme daher nicht geeignet.

DXA-Messung (syn: dual energy X-ray absorptiometry, deutsch: Doppelröntgen-

Absorptiometrie)

Breit angewendete Knochendichtemessung, bei der mit Hilfe von Röntgenstrahlen und einem

speziellen Gerät die Knochenmasse bestimmt wird. Standard-Messpunkte sind Lendenwirbelsäule

und zusätzlich der Oberschenkelhals, die neuesten Geräte kommen inzwischen mit einer zehnmal

niedrigeren Strahlendosis aus. Sie sollte unbedingt bestimmt werden, wenn entsprechende

Beschwerden oder spezielle Risiken vorliegen, wie z. B. familiäre Vorbelastung, spätes Einsetzen der

Regel, frühe Menopause, Entfernung der Eierstöcke, unzureichende Calcium- oder Vitamin D-Zufuhr,

Langzeitbehandlung mit Cortison, körperliche Inaktivität und Untergewicht. Kontrolluntersuchungen

sollten in einem Abstand von mehr als einem Jahr erfolgen. Trotz der Änderungen im

Gesundheitswesen wird die Knochendichtemessung nur unter bestimmten Voraussetzungen von den

gesetzlichen Krankenkassen bezahlt.

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Solange es sich nur um eine vorsorgliche Untersuchung handelt, übernimmt die gesetzliche

Krankenkasse die dafür anfallenden Kosten nicht. Ohne Knochenbruch müssen selbst

Hochrisikopatienten die ca. 40-50 Euro noch selbst tragen! Erst nach einem Knochenbruch, der sich

"ohne adäquates Trauma", also aus geringfügigem Anlass ereignete, werden die

Knochendichtemessungen von der gesetzlichen Krankenkasse erstattet, und zwar nur unter der

Voraussetzung, dass Verdacht auf Osteoporose besteht.

Quantitative Computertomographie (QCT bzw. pQCT)

Die Computertomographie kann der Knochendichtemessung vergleichbare Ergebnisse liefern; die

Strahlenbelastung für die Patienten ist jedoch etwas höher.

Ultraschallmessung

Ein in letzter Zeit vermehrt eingesetztes Verfahren ist die Ultraschall-Messung. Im Gegensatz zur

Computertomographie ist der Patient hier keinerlei Strahlenbelastung ausgesetzt. Das Verfahren ist

jedoch noch nicht so ausgreift, dass es routinemäßig eingesetzt werden sollte. Es ist für eine

Abschätzung des Osteoporose-Risikos, bislang jedoch nicht zur Verlaufskontrolle geeignet. Bisher

werden die Kosten in Höhe von 50 Euro für eine Knochendichtemessung nur dann von den

Krankenkassen übernommen, wenn bereits pathologische Knochenbrüche eingetreten sind.

Behandlungsmöglichkeiten

Da es sich bei der Osteoporose um eine chronisch fortschreitende Krankheit handelt, müssen

entsprechende Medikamente über lange Zeit eingenommen werden, damit dem Masse- und

Strukturverlust des Knochens ausreichend entgegen gewirkt werden kann. Auch wenn der durch

Osteoporose bedingte Knochenstrukturverlust nicht reversibel ist, so können doch vor allem

Knochenbrüche vermieden werden, die schwere Folgen nach sich ziehen.

Bisphosphonate

Die Bisphosphonate hemmen die Aktivität der knochenabbauenden Osteoklasten. Da die

knochenaufbauenden Osteoblasten weiter aktiv bleiben, kommt es unter einer Therapie mit

Bisphosphonaten zu einer Zunahme der Knochenmasse. So entspricht die neu gebildete

Knochenmasse der natürlichen Knochensubstanz. Damit die Bisphosphonat-Behandlung erfolgreich

sein kann, sollte sie ohne Unterbrechung über eine längere Zeit (mindestens 3 Jahre) durchgeführt

werden.

Östrogen und SERMs

Studien weisen nach, dass Östrogen das Risiko des Knochenschwundes bei Frauen nach den

Wechseljahren verringern kann. Es muss jedoch mindestens über einen Zeitraum von fünf Jahren,

besser länger, eingenommen werden. Selektive Östrogenrezeptor-Modulatoren (SERMs) wirken

ebenso wie die Östrogene auf die Knochenstruktur und haben möglicherweise auch eine

Schutzfunktion für Herz und Kreislauf.

Calcitonin

Calcitonine haben eine schmerzlindernde Wirkung und wirken dem Knochenabbau entgegen. Sie sind

jedoch nicht frei von Nebenwirkungen. In einigen Fällen kann es zu Hautrötung und Übelkeit mit

Erbrechen kommen.

Fluoride

Fluoride fördern die Aktivität der Osteoblasten, die den Knochen aufbauen. Die richtige Dosierung ist

jedoch von entscheidender Bedeutung, da bei zu hohen Dosierungen die Knochenqualität und -

stabilität leiden kann. Fluoride müssen immer mit Calcium kombiniert werden, damit der neu gebildete

Knochen ausreichend mineralisiert wird und die notwendige Stabilität erhält. Unter einer

Fluoridtherapie kann es zu Knochen- und Gelenkschmerzen kommen, die bei

Behandlungsunterbrechung jedoch meist verschwinden. Von allen medikamentösen

Behandlungsformen ist die Fluoridtherapie die am wenigsten Erfolg versprechende.

Links im WWW

Osteoporose-Risiko-Test des wissenschaftlichen Dachverbandes Osteologie, der sich

besonders mit der Knochengesundheit und Osteoporose beschäftigt

Diagnostik bei Osteoporose vom Kuratorium Knochengesundheit e.V.

Behandlunsgleitlinien bei Osteoporose zusammengestellt von AWMF, dem Portal der

wissenschaftlichen Medizin

Adressen von Osteoporose-Selbsthilfegruppen, zusammengestellt vom Osteoporose-

Portal

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