II. Vaticanum – Fünfzig Jahre danach - FreiDok

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volkssprachlicher Liturgie. Hier fehlt es nicht nur an liturgischer Bildung, sondern

an liturgischer Mystagogie und an liturgischer Praxis. Auch hier gilt: Learning by

doing. Ohne Zweifel ist es das große Verdienst des 2. Vatikanischen Konzils, ne-

ben der participatio actuosa der Gläubigen den gemeinschaftlichen Charakter der

Liturgie, die nicht nur vom Priester getragen wird, deutlicher herausgestellt zu ha-

ben. Was die christliche Liturgie aber von unserer alltäglichen Feierkultur unter-

scheidet, ist das in Wort und Sakrament fortdauernde Heilsmysterium. Diesem My-

sterium entspricht die danksagende Anbetung Gottes in der Einheit von irdischer

und himmlischer Liturgie.

Von Max Thurian († 1999), dem Mitbegründer der Gemeinschaft von Taizé und

evangelische Konzilsbeobachter, erschien drei Jahre vor seinem Tod ein Beitrag,

in dem er auf eine bedenkliche Eindimensionalität der modernen katholischen Li-

turgie hinwies. Der unter Papst Johannes Paul II. (1978-2005) zum Katholizismus

konvertierte und zum Priester geweihte Theologe sieht die nachkonziliare Liturgie

durch eine Inflation von Worten, Erklärungen und Kommentaren dominiert, die im-

mer weniger Raum lässt für die Kontemplation des in der Liturgie gefeierten Myste-

riums, für Sammlung und Gebet. Mit Thurian sehe ich unsere Aufgabe in liturgicis

heute darin, neben der Verbesserung der liturgischen Bildung wieder neu die my-

stische und vertikale Dimension der Liturgie zu entdecken. Dies ist gerade für die

moderne Form der Messfeier mit ihrer Tendenz zur Verweltlichung ein dringendes

Desiderat. Es kann nicht darum gehen, einfach zur „tridentinischen Messe“ zurück-

zukehren. „Zurück zur Anbetung“ dies scheint mir die zentrale Herausforderung

zu sein, vor der wir gegenwärtig stehen.

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