Vollversion (6.59 MB) - Forschungsjournal Soziale Bewegungen

forschungsjournal.de

Vollversion (6.59 MB) - Forschungsjournal Soziale Bewegungen

FORSCHUNGSJOURNAL NSB, JG. 9, HEFT 4, 1996 | ' :, §j

Themenheft wieder. Dabei stellt sich das

Ergebnis sehr heterogen dar. Wir hoffen

jedoch, mit ihm weitere Untersuchungen

anzuregen und laden zu Beiträgen ein, die

sich mit den hier aufgeworfenen Fragestellungen

befassen.

So beschäftigt sich Dieter Rucht mit den Wirkungen

und Erfolgen von Umweltbewegungen,

die sich empirisch freilich kaum ermitteln

lassen, zumindest momentan. Einerseits ist

unbestreitbar, daß das Umweltbewußtsein in

der Bevölkerung auf der Einstellungsebene,

aber auch im massenmedialen Diskurs, wenngleich

von Land zu Land verschieden, deutlich

gestiegen ist. Auch die Anzahl der Aktivisten

und Sympathisanten der Umweltbewegungen

ist beträchtlich. Andererseits fällt das Umweltverhalten

der Bevölkerung deutlich zurück.

Zudem hat sich an der Zerstörung der natürlichen

Umwelt grundsätzlich nichts geändert,

selbst wenn es Probleme bei der überprüfbaren

Ermittlung der realen Verhältnisse gibt. Vor

diesem Hintergrund unternimmt Rucht den

Versuch, ein „Ermittlungsverfahren" zu entwickeln,

mit dem es gelingen könnte, präzisere

Aussagen über die Wirkungsbilanz der Umweltbewegungen

im Ländervergleich zu treffen.

Ein wesentlicher Faktor der Transformation

der Umweltbewegungen sind die Institutionalisierung

und Professionalisierung von Bewegungsorganisationen.

Christian Lahusen versteht

unter Institutionalisierung die organisationelle

Etablierung im politischen Feld, während

Professionalisierung die fachliche Qualifizierung

der entsprechenden Organisationsmitglieder

bedeutet. Diese Entwicklung kann

als ein Trend zur Ausbildung eigenständiger

Bewegungsinstitutionen und Beteiligungsformen

oder aber als Anpassung an Organisations-

und Aktionsformen bestehender Institutionen

innerhalb des jeweiligen politischen

Systems verstanden werden. In einer ländervergleichenden

Studie (BRD, Frankreich,

Großbritannien und USA) zur verbandlichen

Arbeit der Umweltbewegung geht Lahusen der

Frage nach, wieweit sich Institutionalisierung

und Professionalisierung auf die strategische

Ausrichtung der Umweltverbände auswirken.

Das Ergebnis der Untersuchung lautet, daß

sowohl die Institutionalisierung als auch die

Professionalisierung der verbandlichen Arbeit

der Umweltbewegung im Sinne der Anpassungshypothese

bemerkenswerte Fortschritte

gemacht haben. Es besteht hier das Risiko der

Abkopplung von der für Bewegungsorganisation

kennzeichnenden Mobilisierungsfähigkeit

in Mitglieder- und Aktionsnetzwerken und

politischer Öffentlichkeit.

Mit der Protestpolitik von Greenpeace setzt

sich Christian Krüger aus Sicht eines Insiders

auseinander. Greenpeace legt es vorrangig auf

symbolische Konfrontation an. Im Mittelpunkt

der Planung steht die Aktion, die auf spektakuläre

und skandalträchtige Weise auf Umweltprobleme

aufmerksam zu machen sucht. Ziel

ist es, die massenmediale Öffentlichkeit zu

erreichen, um wiederum über deren kurzfristige

Beeinflussung langfristige Veränderungen

in Politik und Wirtschaft anzustreben. Dies

macht gerade der Fall Brent Spar deutlich (auch

wenn Greenpeace dabei wegen falscher Giftmengenangaben

an öffentlicher Glaubwürdigkeit

eingebüßt hat). Brent Spar hat die heikle

Frage aufgeworfen, ob der Aktionismus von

Greenpeace noch zeitgemäß ist und stattdessen

Kooperation und Lobbying als strategische

Alternativen angesagt sind. Ein strategischer

Umbruch ist absehbar, freilich ohne daß

eine Entscheidung über die weitere Zukunft

von Greenpeace schon gefallen wäre.

Willy Viehöver beschäftigt sich in seinem

Beitrag mit dem Umweltprotest im Nachkriegsjapan.

Dessen Anfänge lagen in verheerenden

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine