Broschüre Natura 2000 - Der Vorarlberger Weg (2004) (3.0 MB )

vorarlberg.at

Broschüre Natura 2000 - Der Vorarlberger Weg (2004) (3.0 MB )

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Das europäische Netz der natürlichen

und naturnahen Lebensräume

und die Vorkommen

gefährdeter Tier- und Pflanzenarten,

sowie die Erhaltung der

wildlebenden Vogelarten ist

auch Vorarlberg ein besonderes

Anliegen. Aus diesem Grund ist

die Meldung unserer NATURA

2000 Gebiete nach fachlichen

Grundsätzen nach bestem Wissen

erfolgt. Der Vorarlberger

Weg für NATURA 2000 heißt,

soweit als möglich Vertragsnaturschutz

mit Handschlagqualität.

Durch die bisherige Nutzung,

Bewirtschaftung und das Gefühl

der Nutzer für die Natur haben

unsere NATURA 2000 Gebiete diese

hervorragende Bedeutung erlangt.

Die Verwaltung vereinbart

mit den Eigentümern und Nutzern

Regelungen, die das Eigentum

möglichst wenig belasten, aber

auch die Erhaltungsziele für die

Gebiete nicht gefährden. Informationsveranstaltungen,

Gespräche

mit Grundeigentümern und Nutzern

wurden durchgeführt. Es ist

dabei der Eindruck entstanden,

dass den meisten Beteiligten

die Erhaltung der Gebiete am

Herzen liegt und für NATURA 2000

Gebiete Verständnis besteht.

Die Vorarlberger Landesregierung

legt großen Wert darauf, dass

die Umsetzung von NATURA 2000

möglichst im Einvernehmen mit

den Eigentümern und Nutzern

erfolgt. Sie hat auch deshalb in

der Naturschutzverordnung geregelt,

dass Maßnahmen in erster

Linie durch Vereinbarung

(Vertragsnaturschutz), dann erst

durch Bescheid oder Verordnung

erfolgen sollen.

Weitere Verfahrensschritte

stehen bevor

1. Fertigstellung der Managementpläne

und der notwendigen

Erhaltungsmaßnahmen unter

Einbeziehung der Eigentümer,

Gemeinden, Landwirtschaftskammer,Naturschutzanwaltschaft,

Jagd, Forst und Fischerei.

2. Abschluss von Naturschutzverträgen

und -regelungen wo

notwendig.

Herbert Sausgruber

Landeshauptmann

NATURA 2000 entsteht im Dialog

3. Festlegung der Gebietsbetreuung.

Hier ist daran gedacht,

möglichst mit bestehenden

Strukturen das Auslangen zu

finden, insbesondere sollen

Waldaufseher, Jagdschutzorgane,

Gewässeraufsichtsorgane

und Naturschutzbeauftragte

unter Anleitung der für das jeweilige

Gebiet zuständigen

Sachbearbeiter der Abteilung

Umweltschutz im Amt der

Landesregierung die Gebietsbetreuung

vornehmen.

4. Für jedes Gebiet wird eine zuständige

Person für schnelle

praxisnahe und umweltverträgliche

Lösungen eingesetzt.

Diese Broschüre soll Informationen

zum Ziel und zur Entwicklung

des europäischen Schutzgebietsnetzes

NATURA 2000

erläutern und enthält die von

Vorarlberg gemeldeten Gebiete.

Erich Schwärzler

Landesrat

Was beim Beitritt Österreichs

zur Europäischen Union von vielen

zuwenig beachtet wurde, war

die Tatsache, dass damit auch

die relativ strengen und hoheitsrechtlichen

Festlegungen der

Union im Bereich Naturschutz

mit übernommen wurden. Naturschutz

in der EU war schon damals

keine neue Erfindung. Die „Vogelschutzrichtlinie“

wurde bereits

im Jahre 1979 erlassen, die sogenannte

„Fauna-Flora-Habitat

(FFH)-Richtlinie“ war im Jahre

1995, also zum Zeitpunkt des

Beitritts, bereits zwei Jahre in

Kraft. Dass man sich mit den

beiden Richtlinien einen naturschützerischen

Handlungsbedarf

einhandelte, war in den ersten

Jahren nicht einmal den einschlägig

zuständigen Vertretern

wirklich bewusst.

Was enthalten nun diese Richtlinien?

Sie verlangen von jedem

Mitgliedsstaat, sich um den Schutz

von Vögeln, anderen Tierarten,

Pflanzenarten und den natürlichen

bzw. naturnahen Lebensräumen

zu kümmern. Dazu wurden Arten

und Lebensräume von „gemeinschaftlicher

Bedeutung“ definiert,

wobei in der FFH-Richtlinie festgeschrieben

ist, dass dazu Gebiete

von den Mitgliedsstaaten zu nominieren

sind (NATURA 2000 Gebiete),

in denen das sogenannte

Verschlechterungsverbot gilt.

Geradezu sensationell war und

ist hier der Ansatz, nicht nur direkt

Pflanzen und Tiere zu schützen,

sondern vor allem deren Lebensräume,

die sogenannten Habitate.

Darunter sind etwa besonders

schöne Bestände von Waldtypen

wie solche von Buchenwäldern,

Ahorn-Eschenwäldern, Spirkenwäldern,

Auwäldern oder auch

von pflegeabhängigen Habitaten

wie orchideenreichen Trockenwiesen

oder Feuchtwiesen zu

verstehen.

NATURA 2000

in Vorarlberg vorbildlich

In Österreich ist Naturschutz

ausschließlich Ländersache, was

grundsätzlich gut ist. Daher hat

auch jedes österreichische Bundesland

seine eigene NATURA

2000 Nennliste erstellt und geht

einen eigenen Weg der Umsetzung

und Beobachtung. Vorarlberg

macht da keine Ausnahme

und es gibt – und wen würde

das wundern – daher auch einen

eigenen Vorarlberger Weg. In

mancherlei Hinsicht ist dieser,

wie generell fürs „Musterländle“

Das NATURA 2000 Betreuungsteam (v.l.n.r.)

Reinhard Bösch, Walter Niederer, Markus Grabher, Christiane Machold,

Thomas Rainer, Cornelia Peter, Landesrat Erich Schwärzler, Max Albrecht

anzunehmen, natürlich vorbildlich.

Das stimmt tatsächlich. Vor

allem hat Vorarlberg schon bei

der Nennung nicht nur die niedrigste

Latte übersprungen und

nur bereits geschützte Gebiete

nominiert (z.B. wie Oberösterreich),

sondern zusätzlich auch

nicht geschützte Gebiete (z.B.

Bregenzerachschlucht, Verwall).

Schade, dass mit der S 18-Causa

im Lauteracher Ried trotzdem

ein Vertragsverletzungsverfahren

gegen die Republik Österreich

(von Vorarlberg ausgelöst) anhängig

ist. Die Verurteilung, dass

bei der Nennung des Riedes

nicht nach fachlichen Kriterien,

sondern politischen Vorgaben

vorgegangen wurde, ist mit

Sicherheit zu erwarten. Trotzdem:

Im Grossen und Ganzen ist

die Umsetzung der Naturschutz-

Richtlinien der EU in Vorarlberg

vorbildlich und Vorbilder braucht

es dazu dringend. Gut so.

Georg Grabherr

Vorsitzender des Vorarlberger Naturschutzrates

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