Ompf fuer HP.p65 - Undine Verlag

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Ompf fuer HP.p65 - Undine Verlag

Sterne über Burg Funkelstein

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Florentine Hein

Die Schriftstellerin

Sabine Cherebet

Die Illustratorin

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Florentine Hein

Sterne über Burg Funkelstein

mit Illustrationen von Sabine Cherebet

Undine

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INHALT:

Teil 1

Ompfs

Windompfs

Burgompfs

Erdompfs

Wasserompfs

Wüstenompfs

Höhlenompfs

Feuerompfs

Teil 2:

Das Fest der Ompfs

Ankunft auf Burg Funkelstein

Unter Beschuss!

Sternbefestigungsversuche

Der Seifenblasenflug

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Ompfs sind klein. Ihre Füße stecken in einem Fußsack.

Vielleicht haben sie auch nur Säcke und gar keine Füße. Das

wissen sie selbst nicht so genau. Auf jeden Fall sind die Fußsäcke

schön warm. Die Ompfs bewahren nützliche Dinge wie Kekse,

Haarspray und Murmeln darin auf. Ompf-Haare stehen in alle

Richtungen ab. Fußsack und Haare haben immer die gleiche

Farbe. Bei Feuerompfs sind sie rot, bei Wasserompfs blau.

Vor langer Zeit machten die Ompfs die vielen glitzernden

Sterne am Himmel fest. Alle tausend Jahre jedoch muss der Klebstoff

erneuert werden, sonst fallen sie herunter. Bald ist es wieder

so weit …

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Windompfs fliegen mit den Winden. Weil sie dabei

frieren, tragen sie warme Jacken. Oft mehrere übereinander. Fußsäcke

und Haare schimmern weiß. Windompf Wunderweeh ist

alt und schusselig.

„Verompft noch mal! Wo ist sie nur?“

Ungeduldig wühlte Windompf Wunderweeh in seinem riesigen

Schrank. Er brauchte sie dringend! Seine wunderbare, weiche,

windstarke Wuscheljacke. Die einzige Jacke, die ihn vor

Windpocken schützte, wenn er in einem Orkanwirbel flog. Und

mit dem musste er fliegen, um nach Amerika zu kommen, zu

seiner Tochter Winniweeh.

„Jacke, wo bist du?“

Wo hatte er sie nur nach dem letzten großen Sturm hingetan?

Wunderweeh schaute sich um. Sein Blick fiel auf einen großen

Kleiderhaufen. Er wühlte darin herum. Eine Sommerjacke

kam zum Vorschein, ein Handschuh, ein Schal, noch ein Handschuh,

eine Mütze, noch ein Schal, eine Flasche Shampoo, noch

ein Handschuh … – seine wärmste Jacke war nicht dabei.

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Vielleicht lag sie dort hinten in der Ecke? Nein, das war nur

eine alte, schmutzige Bettdecke.

Wunderweeh packte einen Zipfel, zog die Decke hoch und

schaute darunter. Eine Staubwolke wirbelte auf. Der Windompf

rümpfte die Nase. Keine Jacke.

Vielleicht war sie da drüben, in dem großen Kochtopf?

Auch nicht. Dafür saß eine dicke Spinne darin und grinste.

Wunderweeh wehte sie weg.

Konnte die Jacke vielleicht hinter dem Bücherstapel sein?

Oder darunter?

BUMM!

Der Stapel kippte zur Seite. Die Bücher polterten herab.

AUA!

Ein dickes Buch traf Wunderweeh am Kopf.

Ompf-Mist! Schon wieder eine Windbeule! Groß, dick, blau

und tat weh!

Wunderweeh hatte schon jetzt die Nase voll. Es war einfach

zu viel Sammelsuriumompf-Kram in diesem Schrank! Er hatte

ihn von seinem Ururur- nein – Urururur – von seinem Ur-ur-ururururgroßvater

Winterweeeh geerbt, und der hatte ihn schon

zum Bersten vollgestopft. Wahrscheinlich musste er wieder

tagelang suchen. Dabei wartete Winniweeh doch auf ihn!

Ungeduldig hüpfte er im Schrank hin und her. Da stand ja

noch die alte Kiste, die auch einmal Winterweeeh gehört hatte.

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Die weiße Farbe blätterte schon ab, und dicke Spinnweben hingen

daran. Hatte er seine Jacke vielleicht da hineingestopft?

Wunderweeh stemmte den Deckel auf. Puuuh, war der

schwer! Hoffentlich fiel er ihm nicht auch noch auf den Kopf!

Mit einer Hand hielt ihn Wunderweeh fest, mit der anderen

kramte er in der Kiste herum.

Seine Finger ertasteten etwas Flauschiges! Vorsichtig zog er

daran. Etwas Weißes kam zum Vorschein, mit dicken Ärmeln,

einem Pelzkragen … –

Ja, das konnte sie sein.

Das musste sie sein.

Das war sie!!!

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Wunderweeh nahm die Jacke heraus und streichelte sie zärtlich.

Plötzlich berührte er etwas Knisterndes. Was war das? Ein

Papierschnipsel hing im Jackenfell! Der Windompf beugte sich

neugierig darüber.

Ompf-Fest stand darauf.

Wie seltsam!

Da hing noch ein Schnipsel. Und noch einer!

Waren in der Kiste vielleicht noch mehr?

Ja, tatsächlich!

Da hatte jemand ein Blatt zerrissen und die Schnipsel in die

Kiste geworfen!

Wunderweeh sammelte alle ein und verstaute sie im Fußsack.

RUMMS! Der Kistendeckel donnerte herunter, dass der

Schrank erzitterte.

AUA! Direkt auf seine Finger.

Sofort verfärbten sie sich blau.

Wunderweeh pustete darüber. Jetzt aber nichts wie raus aus

diesem gefährlichen Aua-Schrank! Der alte Windompf presste die

Jacke fest an sich und suchte die Tür, die von dem Rumms zugefallen

war.

Da drüben erkannte er ein schmales Rechteck. Eilig hüpfte er

darauf zu. Nein, da hing nur ein Bild. Seine Großtante

Hurrikania starrte grimmig auf ihn herunter.

Schnell drehte sich Wunderweeh um und um und um ... Ein

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Spiegel, eine Stehlampe, ein Stapel Matratzen, eine Windmühle

– verflixter Ompf-Krempel!

Jetzt hatte er sich doch tatsächlich im Schrank verhüpft! Das

nächste Mal würde er Wegweiser anbringen, damit er den Ausgang

fand. Aber – Ompf sei Dank! – von dort kam ein Luftzug,

da musste die Tür sein! Wunderweeh schleppte sich hinaus und

ließ sich in seinen Schaukelstuhl fallen. Hahhhh! Zum Glück

stand eine Tasse heißer, duftender Dampftee bereit. Der Windompf

stärkte sich mit einem kräftigen Schluck. Das tat guuuut!

Wo waren denn nur die Papierschnipsel hin?

Ach ja, im Fußsack.

Wo im Fußsack?

Da waren die Murmeln, das Haarspray, ein Windbeutel – hm,

lecker! – und, ja, ein Schnipsel, zwei Schnipsel, viele Schnipsel!

Wunderweeh war gut im Puzzeln. Oft vertrieb er sich damit

an windstillen Tagen die Zeit. Es dauerte nicht lange, bis er die

Schnipsel zu einem Blatt zusammengefügt hatte. Und darauf

stand:

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Nachdenklich starrte Wunderweeh auf das Blatt.

Wie hieß das? Was stand da?

„Einladung zum großen Ompf-Fest“, entzifferte er mühsam.

Hmm, das letzte Ompf-Fest hatte zu Zeiten von Ururururururgroßvater

Winterweeeh stattgefunden. Der verschickte

damals die Einladungen an die anderen Ompf-Völker.

Wunderweeh schmunzelte. Wenn er beim Schreiben so viele

Fehler gemacht hätte, hätte er das Blatt auch zerrissen! Er trank

noch einen Schluck Tee. Mmmmm, köstlich! … Ompf-Fest.

Wie war das noch mal?

Langweilig war der Nachthimmel früher gewesen: dunkel und

pechschwarz. Tagsüber strahlte die Sonne und es wirbelten weiße

Wolken, nachts dagegen schien höchstens mal der Mond.

Und der oft nur halb! So ging es nicht weiter. Sterne mussten her!

Bei einer oberompfigen Funkelfeier klebten die Ompfs sie am

Himmel fest. Prächtig leuchteten sie seither die ganze Nacht. Damit

sie nicht herunterfielen, feierten die Ompfs alle tausend Jahre

ein Fest. Und bei diesem Fest wurde der Klebstoff erneuert.

Moment mal!

Wunderweeh richtete sich kerzengrade auf. Seine Haare kräuselten

sich vor Aufregung. Alle tausend Jahre! War da nicht eine

Jahreszahl auf dem Blatt? Genau: 122.333, nach Ompf-Zeitrechnung.

Und jetzt war das Jahr – Wunderweeh blickte auf seinen

großen Wirbelwindwandkalender – jetzt war das Jahr 123.333!

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Blitzschnell rechnete er und erschrak: Das Fest, das große Ompf-

Fest, sie mussten es feiern!

JETZT!

SOFORT!

GLEICH!

IN DIESEM JAHR!

Ach, du dicker Ompf! War das zu schaffen? Was da alles vorbereitet

werden musste!

Und wenn es schon zu spät war?

Dann fielen die Sterne vom Himmel!

Die Sterne!

Diese wunderschönen Sterne!

Wo sich seine Vorfahren doch so viel Mühe mit dem Ankleben

gegeben hatten.

Und wenn es keine Sterne mehr gäbe?

Dann wären die Nächte wieder dunkel. Trostlos und traurig.

Nein, nur das nicht!

Also! Er musste Amerika absagen, alle Windompfs zusammenblasen,

Einladungen schreiben, verteilen …

Huiuiuiuiui! Wunderweeh wurde es schwindelig. Hastig

nahm er noch einen Schluck Dampftee. Dann machte er sich in

Windeseile an die Arbeit.

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Burgompfs leben auf Ompf-Burgen. Fußsäcke und

Haare sind grün. Burgompfs sind entweder superfleißig (wie

Walter) oder saufaul (wie Brassel). Das Ompf-Fest wird auf der

Burgompf-Burg Funkelstein gefeiert.

„Verdrehte Wurzelzecke!“, fluchte Burgompf Brassel, als er die

Nachricht las. Ein Windompf hatte die Worte mit Steinen gelegt.

„Ausgerechnet das Ompf-Fest! Vorbereitungen, Arbeit, Fröhlichkeit!

Puuuhh!“ Brassel spuckte im hohen Bogen auf die Steine.

„Warum hier? Auf meiner Burg?“ Da kam ihm eine Idee. Er

grinste dreckig, nahm ein Stück Rinde und ritzte:

Ompf-Fest „Ompf-Fest „Ompf-Fest NICHT NICHT NICHT auf auf auf Funkelstein!!!

Funkelstein!!!

Funkelstein!!!

Andere Andere Andere Burg Burg gesucht!“

gesucht!“

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Brassel stieg auf den höchsten Turm. Auf einem Baum saß ein

Kuckuck.

„He, du da, bring die Nachricht zu allen Burgompfs. Wichtig!“,

schrie Brassel.

„Pö!“, machte der Kuckuck und drehte sich weg, den Schnabel

hochnäsig in die Luft gereckt. „Seh ich etwa aus wie eine

Brieftaube?“

„Nein“, knurrte Brassel böse. „Aber bald wie ein Grillhähnchen,

wenn du nicht tust, was ich dir sage!“

Er zog seine Zwille aus dem Fußsack, spannte eine Murmel

darauf und zielte. – Genau auf den Kuckuck!

Der schluckte schwer, krächzte: „Also, ehm, ja, zum Kuckuck,

wenn es sein muss!“, verdrehte die Augen und zog ab.

Brassel grunzte zufrieden. Jetzt war Zeit für seine Lieblingsbeschäftigung:

Burgsteine zählen.

Es wurden immer weniger. Kam ein Mensch zur Burg, so warf

Brassel ihm einen Stein vor die Füße. Oder auf die Füße. Oder

anderswohin. Brassel fand Menschen zum Haareraufen. Ohne

anzuklopfen latschten sie durchs Burgtor, stöberten herum und

steckten ihre Nasen in alle Ecken. Als Burgherr konnte und wollte

Brassel das auf Funkelstein nicht dulden! Hier war sein Reich.

Diese Eindringlinge hatten hier nichts, aber auch überhaupt ganz

und gar nichts zu suchen!

Zum Glück war das Burgsteinschmeißen erfolgreich. In letz-

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ter Zeit traute sich kaum noch jemand her. Die Burg galt unter

Menschen als sehr gefährlich.

„Stein Nummer 777, 778, 779 …“

„Kuckuck! Kuckuck!“ Ein Stück Rinde fiel herunter. Direkt

auf Brassels große Nase.

„Aua!“, schrie Brassel. „Wenn ich dich erwische, dann rupfe

ich dir alle Federn einzeln aus, du nichtsnutziger Aasgeier!“

„Lieber ein Aasgeier als eine miesepetrige Vogelscheuche!“,

keckerte der Kuckuck. Ohne Brassel noch eines Blickes zu würdigen,

breitete er seine Flügel aus und entschwand in die Lüfte.

Brassel griff nach seiner Zwille. Doch zu spät. Der Kuckuck

war schon weg. „Wart nur ab, ich krieg dich noch! Und dann

sperr ich dich in eine Kuckucksuhr!“

Genervt griff Brassel nach dem Rindenstück und las:

Ompf-Fest immer auf Funkelstein!

Auch jetzt!!! Wir kommen!

Burgompf Walter“

Aufgebracht drehte sich Brassel dreimal um sich selbst.

„OH NEIN, OH NEIN, OH NEIN! Noch schlimmer als

Menschen: Ompfs! Feiernde Ompfs! Ompfs, die lachen, singen

und womöglich tanzen! Nicht bei mir! Nicht auf Funkelstein!

Zum Donnerompf!“

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KNACK! Voller Zorn zerbrach Brassel die Rinde und warf die

Stücke in hohem Bogen über die Burgmauer.

Er feixte: „Keine Nachricht, kein Fest! Hähähä!“

Zwei Wochen später schlängelte sich eine Karawane aus Koffern,

Kisten, Truhen, Decken, Töpfen, Eimern, Besen, Pinseln,

Tüchern und Haarspray den steilen Pfad zur Burg Funkelstein

hinauf.

Der Pfad war so alt und ausgetreten wie die Burg selbst.

Funkelstein gehört zu den ältesten Burgen überhaupt. Viele Burgen

sind von Menschen erbaut, und zwar im Mittelalter. Deshalb

sind sie auch nur mittel alt. Allerhöchstens tausend Jahre. Die

anderen Burgen sind von den Ompfs.

Funkelstein steht schon seit mindestens 113.000 Jahren.

Menschen-Burgen sehen genauso aus wie Ompf-Burgen.

Allerdings hausen in Menschen-Burgen Gespenster. Und in

Ompf-Burgen Ompfs.

Ompf-ompf-hurra!“, sangen die Berge und Türme aus Gepäck.

Dazwischen hüpften grüne Burgompf-Fußsäcke, lächelten

Gesichter mit dicken Nasen und abstehenden Haaren.

Burgompf Walter wusste: Brassel, dieser nichtsnutzige

Faulompf, rührte keinen Finger, um das Ompf-Fest vorzubereiten!

Da musste er nachhelfen. Zusammen mit seiner Schwester

Dassa und ihren acht Kindern.

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Brassel versperrte ihnen das Burgtor. „Verschwindet von meiner

Burg! Ich will euch nicht! Es gibt kein Fest!“

Walter drückte ihm einen Besen in die Hand. „Igitt, wie ist

das schmutzig! Brassel, du musst kehren!“

Brassel stöhnte und jammerte.

Dassa stellte Eimer und Wischmopp vor ihm ab. „Jetzt wird

geschrubbt! Aber gründlich!“

Brassel heulte und schimpfte.

Ein Burgompf-Kind schüttete ihm Putzwasser über den Kopf.

Grummelnd flüchtete Brassel in das allertiefste Burgverlies.

„Na wartet, ihr widerlichen Waschompfs! Irgendwann wird der

Spuk vorbei sein! Ich jage euch fort! Mit Genuss! Ich will wieder

meine Ruhe haben! Für mindestens tausend Jahre!“

Walter, Dassa und ihre Kinder arbeiteten dagegen

ompfgeschwind.

Sie fegten den Burghof.

Sie wischten die Wände.

Sie polierten die Steine.

Burg Funkelstein staubte, schäumte und glänzte. So prächtig

wie vor 113.000 Jahren.

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