Hannes Jaenicke - Sandra Paule PR-Management

sandrapaule.pr.de

Hannes Jaenicke - Sandra Paule PR-Management

PORTRÄT

HANNES JAENICKE

„Wir müssen handeln, und zwar jetzt!“ – das ist das Motto des Schauspielers

Hannes Jaenicke. Der deutsche Akteur setzt sich so couragiert wie kaum

einer für bedrohteTierarten und gegen den Klimawandel ein. Nun ist der

Grimme-Preisträger unter die Buchautoren gegangen. Centaur traf sich mit dem

Mann, der privat wie beruflich kein Blatt vor den Mund nimmt

6 Centaur 8/2010

Hannes Jaenicke

Mit Charme, Profil und Überzeugung

Centaur

Ihr Bestseller „Wut allein reicht nicht“ ist zur ZDF-Serie

Hannes Jaenicke: Im Einsatz für…“ erschienen. Darin

setzen Sie sich beeindruckend für bedrohte Tierarten und

gegen den Klimawandel ein. Wie ist es zu diesem Titel

gekommen?

Hannes Jaenicke

Man kann Wut ja destruktiv oder eben produktiv austoben!

Ich glaube jede Veränderung hat einmal damit angefangen,

dass jemand entweder verzweifelt, unzufrieden

oder wütend war. Anders bewegt sich ja nichts. Das

Schlimmste ist, sich wie eine große Herde Vieh zu verhalten.

Beispiel Tschernobyl: Da schrecken alle mal kurz

auf, machen dann weiter wie gehabt und denken: Das

wird bei uns nie passieren! So etwas wird uns ja gerade

vorgegaukelt von der Bundesregierung...

Centaur

In Ihren Dokumentationen begeben Sie sich auf die Spurensuche

bedrohter Tierarten. Sie schwimmen auf Hawai

mit Haien, auf Borneo wagen Sie sich in die Reviere der

Orang-Utans. Es sind neben wunderschönen auch bedrückende

Bilder von Tieren entstanden, die durch Menschenhand

zu Konsumzwecken misshandelt werden.

Muss man so deutlich werden, um etwas zu bewirken?

Hannes Jaenicke

Wir zeigen genau das, was vor unserer Kamera passiert

ist. Und wenn in Borneo Orang-Utan-Mütter aus den

Bäumen geschossen werden, weil sie sich in Ermangelung

anderer Nahrung in einer Palmölplantage Früchte

holen, dann sollen die Leute das wissen. Die Leute sollen

sich fragen, ob es richtig ist, diese Unmassen von

Regenwald wegzusägen, nur damit Autos mit Biosprit

fahren können. Palmöl ist das minderwertigste Speiseöl

der Welt – und es ist billig. Dafür wird der Regenwald

vernichtet! Und mit dem Regenwald verschwindet der

Orang-Utan. Oder, wenn jemand zum Beispiel „Schillerlocke“

isst, dann soll er doch auch wissen, was „Schillerlocke“

ist, nämlich der geräucherte Bauchlappen des

Dornhais, und der stirbt aus. Das sind alles Fakten.

Centaur

Sie schreiben in Ihrem Buch, dass täglich mindestens 50

Tierarten verschwinden – jede fünfte Tierart sei vom Aussterben

bedroht. Ein düsteres Bild. Ist denn Ihrer Ansicht

nach überhaupt noch etwas zu retten?

Hannes Jaenicke

ner Heimatstadt Köln. Als ich dort als Jugendlicher gelebt

habe, war es undenkbar, ins Wasser zu gehen, so

verdreckt war es. Wenn man heute an den Rhein

kommt, baden die Kinder im Wasser, und es ist absolut

sicher. Wenn sich alle, also Gesetzgeber, Verbraucher,

Stadtwerke und Chemiewerke daran beteiligen, dass die

Flüsse sauber sind, dann schaffen wir das!

Centaur

Für welche Zielgruppe ist das Buch geschrieben?

Hannes Jaenicke

Für alle, die sich in irgendeiner Form für Umweltschutz,

für Tiere und für nachhaltigen Lebensstil interessieren,

und die vielleicht gewillt sind, nicht so weiterzumachen

wie bisher. Auch für Mitglieder der Parteien, die meinen,

sie sollten umweltpolitisch doch ein wenig mehr tun.

Und für die, die in großen Geländewagen durch die

Großstädte fahren und darauf aufmerksam gemacht werden

sollten, dass das nicht gerade „nachhaltig“ ist.

Centaur

Bei der Lektüre Ihres Buches kommen Betroffenheit und

auch ein Stück Hilflosigkeit hoch. Aber Sie lassen keinen

allein und leisten sozusagen „Sofortmaßnahmen am Leser“,

indem Sie aufzeigen, was man konkret tun kann.

Hannes Jaenicke

Es geht mir darum, zu informieren. Wenn ich z. B. Orang-

Utans süß finde und gern hätte, dass sie überleben,

dann kaufe ich kein Teakholz mehr,kein Meranti und kein

Bankirai. Leider sind sämtliche Fensterrahmen des Bundestagsverwaltungsgebäudes

aus Meranti, 570 Stück.

Jede Terrasse, jeder Bootssteg wird mit Bankirai belegt.

Warum? Warum müssen wir italienisches Mineralwasser

trinken, das per Lastwagen über die Alpen transportiert

wird, anstatt Wasser aus Deutschland? Ich selbst habe

darüber vor fünf Jahren auch nicht gross nachgedacht.

Und meine kleine Erleuchtung würde ich jetzt eben gern

weitergeben.

Centaur

Sind Sie Vegetarier?

Hannes Jaenicke

Ja, seit Anfang der 80er Jahre. Ich bin nicht generell gegen

Fleischkonsum, aber man muss es ja nicht drei Mal

am Tag essen. Und man sollte darüber nachdenken, wie

es produziert wird. Was hat es für Konsequenzen? Brauchen

wir soviel Fleisch? Ist Massentierhaltung oder Hormon-

und Antibiotikabehandlung in Ordnung? Dann

Ich erzähle da gern das Musterbeispiel des Flusses mei- ▲


„Wut allein reicht nicht“

Das Buch ist mit zahlreichen

Fotos illustriert.

240 Seiten, gebunden,

22,95 Euro, Gütersloher

Verlagshaus


Einsatz aus Überzeugung

In seinem Buch „Wut allein reicht nicht aus“, setzt sich

Hannes Janeicke für bedrohteTierarten ein

vielleicht lieber einmal die Woche ein richtig teures Biosteak

essen. Der gute alte Sonntagsbraten ist völlig in

Ordnung.

Centaur

Ihr Engagement für den Umweltschutz wird viel gelobt,

und Ihr schauspielerisches Können steht ja sowieso außer

Zweifel. Aber da gibt es auch Stimmen, die meinen:

„Umweltschutz? Das macht der Jaenicke doch nur aus

PR-Gründen“. Was entgegnen Sie ihren Kritikern?

Hannes Jaenicke

Das wundert mich ehrlich gesagt ein bisschen. Ich muss

ja nicht Dokus machen, um PR zu kriegen. Wenn ich „Tatort“

mit Maria Furtwängler drehe, kriege ich doch viel

mehr PR, als wenn ich Dokus drehe. Ganz ehrlich: Ich bin

ja auch kein Anfänger mehr. Ich muss nicht lostoben, um

irgendwie Aufmerksamkeit zu bekommen. Wenn aber

jemand sagt: „Der spielt sich als Weltverbesserer auf“,

dann muss ich mich damit auseinandersetzen.

Centaur

Man hat Sie aber auch schon als „Clooney, der mit den

Haien schwimmt“ betitelt…

Hannes Jaenicke

(lacht) George Clooney ist ein gutes Vorbild! Er ist einer

von den grossen Stars, die sich engagieren!

Centaur

Wonach wählen Sie die Themen der Dokumentationen

aus?

Hannes Jaenicke

Ich will von Tieren erzählen, die wirklich aufgrund unseres

Konsumverhaltens aussterben, die wir quasi direkt

ausrotten. Wie viele Leute laufen in Delfinarien und

sagen „Wie süß! Die Delfine grinsen immer so…“. Das

ist die größte Tierquälerei der Welt! Kein Delfin macht

Tricks ohne Hunger. Sie sind größtenteils krank und untergewichtig.

Der Delfin ist das einzige Tier, das sich selber

umbringt. Die leben in diesen viel zu kleinen Becken

und kommen zum Atmen nicht mehr hoch, sie bringen

sich in Gefangenschaft einfach selber um.

Centaur

Warum gehen Sie nicht in die Politik, so engagiert wie

Sie sind?

Hannes Jaenicke

Weil ich so mehr bewirken kann. Gerade, weil ich für

meine Dokus mit vielen Politikern geredet habe und sehe,

wie viel Spielraum die haben – nämlich so gut wie

8 Centaur 8/2010

keinen. Politiker müssen mit Anliegen gegen die Industrie-Lobbys

anrennen, durch Gremien, durch EU-Bestimmungen...,

ich habe einen völlig anderen Freiraum.

Die Politik schafft es nicht einmal, den Eisbär zu schützen

oder Hai-Fleisch aus den Regalen zu kriegen. Aber wir

schaffen es mit einem kleinen Film, dass das „KaDeWe“

in Berlin seine Hai-Produkte aus dem Regal nimmt.

Centaur

Was ist für Sie einer Ihrer größten Erfolge in Sachen Umweltschutz?

Hannes Jaenicke

Es sind Mini-Erfolge, siehe KaDeWe. Oder mein Stammhotel

in Köln, das „Savoy“. Im sehr guten Restaurant dort

gibt es keinen Thunfisch mehr auf der Karte. Die haben

die Doku „Im Einsatz für Haie“ gesehen und gesagt:

„Aus, runter von der Karte“. Super! Da erreiche ich doch

mehr als in vier Jahren als Umweltminister.

Centaur

Mit denen, die sich auf der politischen Bühne bewegen,

gehen sie hart ins Gericht, nehmen kein Blatt vor den

Mund. Im Zusammenhang mit der Regierungskoalition in

Berlin sollen sie sich mit sehr deutlichen Worten geäußert

haben. Haben Sie Ihre Direktheit schon einmal bereut?

Hannes Jaenicke

Nein. Genau wie die Hotellobby kauft sich die Atomlobby

eine Regierung, die einknickt wie ein Streichholz, trotz

des Atomausstiegsgesetzes. Es gibt Fotos mit den ganzen

Energiebossen, Herrn Schröder und Herrn Fischer.

Sie halten das Ausstiegs-Dokument in der Hand. Und

sechs oder sieben Jahre später ist das alles plötzlich

Humbug? Also, seit Willy Brandt erinnere ich mich an alle

unsere Regierungen. Käuflicher, inkompetenter und arroganter

habe ich es noch nicht gesehen.

Centaur

Bei allen von Ihnen dargestellten Figuren – gibt es da noch

eine Traumrolle? Was würden Sie gern einmal spielen?

Hannes Jaenicke

Ich liebe Thriller und Gangster-Filme. Es ist schade, dass

wir in Deutschland z.B. keinen „Paten“ drehen können.

Es gibt dieses Genre leider nur in den USA. Ansonsten

finde ich die Karriere von Götz George vorbildlich, weil er

eine so große Bandbreite gespielt hat. Er hat großartige

Sachen gemacht..

Centaur

Sie haben in mehr als 100 Fernsehrollen mitgespielt,

neben allen bekannten Größen vor der Kamera gestanden.

Welcher Film war für Sie der bislang Wichtigste?

Hannes Jaenicke

Das war mein allererster Film, der Fahrstuhlthriller „Abwärts“,

vom Regisseur und den Kollegen her, aber auch

von der Schreibe. Das war eine echtes Schlüsselerlebnis.

Der Film hat damals mein Leben verändert. Ich war

ein kleiner, unbekannter Theaterschauspieler mit 1200

Mark Monatsgage. Und plötzlich nicht mehr in der Theaterkantine

essen müssen! Und auch nicht mehr an eine

Stadt gekettet zu sein! Ich war nie ein sesshafter Typ,

und wenn du fest am Theater bist, hast du sechs Wochen

Sommerpause, ansonsten lebst du wie ein städti-


scher Angestellter. Morgens auf die Probe, abends spielen

und so weiter.

Centaur

Sind Sie denn seitdem sesshafter geworden?

Hannes Jaenicke

Nein. Es kommt mir total entgegen, wenn ich ständig

unterwegs bin. Festgemauert zu sein, fiel mir schon immer

schwer, das war nie mein Ding.

Centaur

Sie blicken auf 25 Jahre Erfahrung zurück – wie hat sich

der Schauspielerberuf in all den Jahren verändert?

Hannes Jaenicke

Als ich anfing, gab es drei Fernsehkanäle: ARD, ZDF und

das Dritte. Man drehte in der Sommerpause mal einen

Film, 90 Prozent der Schauspieler kamen vom Theater,

sehr solide ausgebildet. Dann kam das Privatfernsehen,

und es änderte sich alles. Heute kann man eine große

Karriere machen, ohne jemals einen Fuß auf eine Theaterbühne

gesetzt zu haben. Das finde ich überhaupt

nicht bedenklich. Aber es ist eine radikale Veränderung.

Centaur

Sie sind die ersten zehn Jahre in den USA groß geworden,

leben heute teilweise dort. Was ist der Unterschied

zum Schauspielerleben in Deutschland?

Hannes Jaenicke

Es ist einfach härter. Alles in den USA ist härter. Die Konkurrenz

ist härter. Der Qualitätsanspruch ist höher. Von

dem, was die Amerikaner machen, sind wir Lichtjahre

entfernt. Auch ist die Disziplin der Schauspieler in den

USA phänomenal. Der Druck ist dort so hoch, dass du

echt funktionieren musst. Für Filmproduktionen gibt es

im Gegensatz zu Deutschland keinerlei staatliche Förderungen.

Mit einem Film muss dort Geld verdient werden.

Centaur

Sehen Sie sich Ihre Filme eigentlich gerne wieder an?

Hannes Jaenicke

Nein, es ist schlimm genug, dass ich nachsynchronisieren

und mich dann angucken muss. Ich sehe mir ansonsten

nie etwas von mir an, weil man nichts mehr verändern

kann. Auf der Bühne kann man sagen: „Das habe

ich heute vergeigt, dass mache ich morgen anders“, aber

Mit „Abwärts“ ging es steil bergauf

Hannes Jaenicke kommt am 26. Februar 1960 in Frankfurt am

Main auf die Welt. Als eines von drei Kindern wächst der

Sohn eines Chemikers zunächst in den USA auf. Als er zehn

Jahre alt ist, geht Familie Jaenicke zurück nach Deutschland,

es folgt das Gymnasium in Frankfurt und Regensburg, Abitur

1979. Vielleicht inspiriert durch seine Mutter, eine korsischstämmige

Musikerin, macht er eine Schauspiel-Ausbildung

am Max-Reinhardt-Seminar in Wien. Zehn Jahre lang steht

er auf renommierten Theaterbühnen. 1984 entdeckt ihn der

Regisseur Carl Schenkel für seinen Kinofilm „Abwärts“,

Hannes Jaenicke steht neben Götz George vor der Kamera.

PORTRÄT

HANNES JAENICKE

im Film siehst du dich an und denkst: „Was hast du denn

da für einen Quark gespielt“? Es gibt immer Dinge, die

ich gern anders gemacht hätte, und das bekommt mir

dann nicht gut.

Centaur

Was trifft eher auf Sie zu? Lieber so schnell wie möglich

aufhören oder solange wie möglich weitermachen?

Hannes Jaenicke

Definitiv das Zweite. Ich habe den schönsten Beruf der

Welt. In welchem Beruf wird man für Spielen und Reisen

bezahlt? Dafür bezahlt, dass man in jedem Film ein neues

Leben lebt? Wenn ich drehe, lebe ich in einemWohnwagen.

Dreht man in Wilhelmshaven, baut sich das Filmteam

eine kleine Wagenburg in Wilhelmshaven auf,

geht’s nach Borkum, wird die Wagenburg in Borkum aufgebaut.

Das ist wie Wanderzirkus – irgendwie ein lustiges

Leben. Ich kann mir nichts Besseres vorstellen.

Centaur

Gibt es etwas, dem Sie nicht widerstehen können?

Hannes Jaenicke

Jeder Art von Wassersport. Auf Borkum zu drehen, war

für mich der pure Luxus. In jeder freien Stunde und an jedem

freien Tag war ich Wind- oder Kitesurfen. Kalifornien

ist perfekt zum Wellenreiten, man findet fast überall

eine Gelegenheit aufs Wasser zu gehen, ob mit Brett,

Kajak oder Segelboot.

Centaur

Weihnachten steht vor der Tür – wie werden Sie das Fest

verbringen?

Hannes Jaenicke

Wie sich das gehört, bei den 80-jährigen Eltern gemeinsam

mit meinen Geschwistern. Da freue ich mich drauf.

Wir machen keinen großen Weihnachtszauber, aber da

trifft sich eben die Familie und es wird ohne Ende gequasselt

und Plätzchen gegessen. Ganz klassisch eben.

Centaur

Gehören Sie zu den Anhängern der guten Vorsätze für

das neue Jahr?

Hannes Jaenicke

Nein – oder doch! Aufhören mit dem Rauchen, aber das

nehme ich mir seit 30 Jahren vor.

Das Gespräch führte Ines Walther

Danach dreht sich die Karrierespirale rasant aufwärts. In

der Tragödie „Väter und Söhne“ dreht er mit Burt Lancaster

und Julie Christie. Jaenicke ist später auch in diversen

US-Produktionen zu sehen. In Los Angeles vertieft er sich

Anfang der 90er Jahre in ein Drehbuch-Studium. 1998 bekommt

Hannes Jaenicke für Hauptrolle und Drehbuch des

Dreiteilers „Sardsch“ den Adolf-Grimme-Preis. In seiner

Freizeit geht der ledige Doku-Fan seinem Hobby, dem Windsurfen

und dem Wellenreiten, nach. Hannes Jaenicke hat

ein Strandhaus in Kalifornien und einen gemieteten Wohnsitz

nahe München.

8/2010 Centaur 9

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine