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Das Magazin für Abenteuer in Der Stadt und Wildnes

W herein enn mich das Schneeschippgeräusch meines Nachbarn am Morgen weckt, ist der Antrieb da! Schneller als sonst sitze ich beim Frühstück und zack – bin ich draußen. Flocken, die liegen bleiben! Nun ist man hier im hohen Norden der Republik nicht sonderlich oft von der weißen Pracht umgeben. Und überhaupt, Berge gibt’s hier doch sowieso keine, höre ich immer wieder. Tatsächlich aber sind es doch die kleinen Dinge, die ausreichen, um großes Vergnügen zu bereiten. Wie gerade am Bungsberg, 168 majestätische Meter über null, wo Deutschlands nördlichste „Skiliftanlage“ und die steilen Felder der Holsteinischen Schweiz viele raus aus ihren Häusern locken.

34 abenteuer Damit es

34 abenteuer Damit es ihm nicht langweilig im Wasser wird, versucht er immer wieder, einige seiner Schüler vom Stoke des Surfens zu überzeugen und nimmt sie mit in die kalten Fluten. Bisher ohne Erfolg. Trotzdem werden ihn bald wieder einige in die Wellen begleiten. Nach der gemeinsamen Session empfiehlt uns Oliver, schnell zurückzufahren, ehe der starke Schneefall die Bergpässe unpassierbar macht. Mit mehr Glück als Ver- stand schaffen wir es bei Schneesturm gerade noch nach Hause, ohne hängen zu bleiben. Die folgenden Tage erkunden wir ganz entspannt ei- nige Fjorde und Seen mit unseren SUP-Brettern. Gera- de bei Windstille gleitet man fast lautlos durchs Was- ser und kommt so vielen Tieren näher als sonst. Immer wieder stecken Robben unweit von uns ihre Köpfe aus dem Wasser und Vögel lassen sich von uns nicht beir- ren. Auch die neugierigen Islandpferde kommen oft bis an die Wasserkante getrabt, um uns bei unseren Aus- flügen zu beobachten. Nach einer SUP-Tour unweit von Reykjavik beschließen wir, der Stadt einen Besuch abzu- statten. Die Hauptstadt Islands wirkt sehr modern, sauber und stylish. Auffällig viele Designershops, Street Art und hübsche Frauen stechen ins Auge. Der Fund des Tages ist allerdings das Penis-Museum – das einzige weltweit. Jede auf Island lebende Rasse hat darin sein Gemächt ausge- stellt. Vom Maus- bis zum Blauwalpenis ist alles dabei. Be- sonders sehenswert auch der unsichtbare Elfenpenis. Weil mehr als 50 Prozent der Einheimischen an dessen Existenz glauben, hat auch dieser sich einen Platz verdient. Es ist Samstagabend, also stürzen wir uns spontan ins Nacht- leben der Stadt. Was sich am Wochenende in Reykjavik abspielt, ist unglaublich. Ab Mitternacht können keine zehn Prozent der Gäste mehr stehen, geschweige denn reden, dennoch dauert die Party bis in die frühen Mor- genstunden. Nicht umsonst gehört die Stadt zu den be- rüchtigtsten Partyorten der Welt. Erstaunlich allerdings, wie freundlich und zuvorkommend die Isländer selbst mit 100 Promille noch sind. Bei ein paar Bacardi Cola schmieden wir Pläne für das abschließende Highlight unseres Trips. Am nächsten Morgen machen wir uns Richtung Osten auf, um mit unseren SUP-Boards die Gletscherlagune von Jökulsárlón zu erkunden. Nach guten fünf Stunden Fahrtzeit durch abwechslungsreiche landschaften sind wir endlich da. Es raubt uns den Atem, so nah an diese Eisriesen heranzupaddeln. laut Ingo sind die durchsich- tigen, hellblauen Eisberge sicher, die weißen dagegen haben sich schon lange nicht umgedreht, bei diesen ist also Vorsicht geboten. Da die Eisberge stetig in Bewe- gung sind, wird die Ruhe immer wieder durch lautes Knacken und Knarren gestört. Es ist strahlend blauer Himmel und wir genießen im Sweater den traumhaften Herbsttag. Als wir schon denken, dass es einfach nicht besser kommen kann, werden wir auf dem Rückweg zum Hotel eines Besseren belehrt. Amanda entdeckt auf der Rückfahrt am Nachthimmel einen kleinen, grünen Fleck. Sofort parken wir neben der Straße. Sekunden später fängt sich dieses undefinierbare Etwas an zu be- wegen, verändert die Farbe und verformt sich. Wir sind Zeugen einer unglaublichen Polarlicht-Show. Nicht um- sonst zählt dieses Phänomen zu einem der Weltwunder der Natur. Nach etwa fünfzehn Minuten ist der Spuk vorbei und der Himmel wieder dunkel. Wortlos steigen wir zurück in die Autos. Chris findet als Erster wieder zur Sprache und meint: „Manu, wir müssen im Frühjahr wieder einen Trip zusam- men machen. Ob Polarlicht beobachten, Partywochenen- de oder surfen. Hauptsache nach Island!“ be sonders sehenswert auch der unsichtbare elfenpenis. Weil mehr als 50 Prozent der einheimischen an dessen existenz glauben, hat auch dieser sich einen Platz verdient. raus-magazin 4 / 2012 foto Manuel grafenauer

Sekunden später fängt sich dieses undefinierbare etwas an zu be wegen, verändert die Farbe und verformt sich. FACTS ZUM NachMachEN die anreise Icelandair bietet von mehreren deutschen Flughäfen Direktflüge nach Island zu guten Preisen an. Auch die Mitnahme von Surfboards ist relativ günstig möglich. das Equipment Da man in Island vergeblich Surfshops oder Bretterverleih sucht, hatten wir Wellenreiter (5,1 bis 7,6 Zoll) und SUP-Boards im Gepäck. Unsere SUPs für die Welle sind 8,6 Zoll lang und nur für geübte Surfer zu gebrauchen. Allerdings waren wir gerade von den neuen aufblasbaren SUP-Boards (zum Beispiel von Fanatic SUP) äußerst positiv überrascht. Sie sind absolut anfängertauglich und können in einem Rucksack zusammengerollt werden. Mithilfe einer Fußpumpe kann es so hart aufgepumpt werden, dass man selbst in kleinen Wellen keine gravierenden Unterschiede zu den normalen Boards merkt. Perfekt für Anfänger und Fortgeschrittene auf Reisen. Surf-Guiding Gerade auf einer Insel mit derart schnell wechselnden Wetterbedingungen wie Island ist es empfehlenswert, ein bisschen Reisebudget in Local Knowledge zu investieren. Ohne die Hilfe des erfahrenen Guides Ingo von www.arcticsurfers.is hätten wir viele Spots wohl nicht einmal gefunden. Der sympathische Isländer stimmt, von einfachen Tagesausflügen bis hin zu zwei Wochen Surfcamp im Rundum-sorglos-Paket (Auto, Unterkunft, Guiding) sein Angebot ganz auf deine Wünsche ab und hilft dir, immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. die bleibe Reykjavik ist eine gute Base für den ersten Surftrip nach Island. Wir haben zusammen mit dem Flug gleich eines der Partnerhotels der Airline mitreserviert. Die Auswahl in und um die Hauptstadt ist groß, von günstigen Backpacker- Zimmern bis zur Fünf-Sterne-Suite findet man für jedes Budget die passende Unterkunft. der fahrbare Untersatz Mietautos in Island sind schweineteuer. Wir hatten unsere Allradautos bei Hertz gemietet. Wer abseits der asphaltierten Straßen unterwegs ist, kommt in Island kaum um einen 4x4er herum. Bring eigene aufblasbare Dachgepäckträger mit und pass auf deinen Unterboden auf, dieser ist nämlich in Island zumeist nicht versichert. Neben Hertz sind viele internationale Autovermietungen am Flughafen vertreten. Es lohnt sich, vorab im Internet Preise zu vergleichen und auch kleinere lokale Anbieter zu kontaktieren. DIE SpOTS abenteuer Sandvik Sandvik funktioniert am besten bei südöstlichem und östlichem Swell. Der Strand hat wie auch viele andere Spots einen Gezeitenunterschied von bis zu vier Metern, daher können auch kopfhohe Wellen in weniger als einer Stunde zu vier Meter hohen, kraftvollen Wellen werden. Wegen starker Strömung und hohem Shorebreak sollte dieser Spot nur von erfahrenen Surfern gesurft werden. Grindavik Die Welle von Grindavik ist wohl eine der besten Islands. Wenn es nirgendwo Swell gibt, kommt man hier zumeist trotzdem aufs Wasser. Das Riff ist zwar mit Pflanzen bewachsen und daher weniger scharf, dennoch gibt es viele Untiefen, auf die geachtet werden muss. Bei nördlichen Swell-Richtungen gibt es hier auch Barrels und richtig kraftvolle Wellen, die sich nicht vor den besten Spots Europas verstecken müssen. Thorli Der wohl meistgesurfte Spot Islands. Bis zu einer Wellenhöhe von zwei Metern ist die Welle sehr entspannt, sodass fortgeschrittene Surfer die langen Lines bis zu vierzig Sekunden lang absurfen können. Hier trifft man auch am ehesten einige der sehr entspannten Locals im Wasser. Thorli beach Ein langer Sandstrand im Ort Thorlakshofn. Funktioniert bei allen südlichen Swell-Richtungen. Gerade bei kleinen Wellen für Anfänger geeignet. Wenn es groß wird, gibt es viel Strömung. An wolkenlosen Tagen treffen sich an diesem traumhaft schönen Strand die Einheimischen zum Sonnenbaden. Grotta Bei westlichen Swells bricht nur wenige Kilometer außerhalb des Stadtzentrums von Reykjavik eine entspannte Welle. Der Spot befindet sich zwischen dem Golfplatz und dem großen, weißen Leuchtturm westlich vom Zentrum. Man sieht die Welle vom Parkplatz aus. Jökulsárlón Die Gletscherlagune mit dem SUP zu erkunden, ist ein einmaliges Erlebnis. Man benötigt keine Genehmigung und darf auf eigene Gefahr aufs Wasser. Da sich die Eisberge bewegen und es ein wenig Strömung gibt, sollte man zumindest den einen oder anderen Tag auf einem SUP verbracht haben, bevor man dieses Abenteuer in Angriff nimmt. Immer wieder drehen sich Eisberge um, daher ist es unbedingt notwendig, den nötigen Respektabstand einzuhalten. Fjorde und Seen Die unzähligen Fjorde und Seen laden, vor allem an windstillen Tagen, wirklich dazu ein, Island vom Wasser aus zu erkunden, gerade weil man so an sonst unzugängliche Plätze mit tollen Landschaften und Tier- und Pflanzenwelt vorstoßen kann. WICHTIGE lINKS Wellen Die besten Wellenvorhersagen für Island findet man auf www.sigling.is und www.magicseaweed.com. Grundsätzlich ist die Insel ein Swell-Magnet und es gibt funktionierende Spots bei fast jeder Wellenrichtung. Der Forecast ändert sich ständig, deswegen macht es Sinn, zumindest zweimal täglich die Webseiten zu besuchen. Wetter Den Link zum Wetterbericht von www.belgingur.is haben wir von den einheimischen Surfern bekommen. Auch sie checken hier die Wetterentwicklung der nächsten 24 Stunden. Obwohl das Wetter in Island ziemlich unberechenbar ist, stimmte sogar die Drei- Tage-Vorhersage bei unserem Trip zumeist. raus-magazin 4 / 2012 35