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In guten wie

in Krisenzeiten


Frankreichs wirtschaftlicher Abstieg ist eine ernste Warnung –

zum deutschen „Juniorpartner“ werden die Franzosen dadurch

aber nicht. Die europäische Konstruktion ist nämlich keine

Kraft-, sondern eine Gleichgewichtsübung.

ersöhnung, Zusammenarbeit und Integra-

V tion: Das sind die drei historischen Achsen

der französisch-deutschen Beziehung seit dem

Zweiten Weltkrieg. Die Daseinsberechtigung dieser

Trilogie hat sich durch den – keinesfalls unaufhaltsamen

– Verlust an französischer Wettbewerbsfähigkeit

nicht geändert.

DIE DREI ACHSEN Die Versöhnung hat den Weg für die

DER FRANZÖSISCH- europäischen Verträge frei gemacht.

DEUTSCHEN BEZIEHUNG Und das, obwohl sich Adenauer

gegen einen Bruch mit den Eliten

des Dritten Reichs entschieden hatte. Stattdessen

wollte er sie in seinem Umfeld behalten und in den

demokratischen Rahmen der Bundesrepublik integrieren.

De Gaulle hingegen bekräftige Frankreichs

Mitschuld an der Vichy-Regierung. Trotzdem

reichten sich die beiden Staatsoberhäupter

die Hand und riefen einen Dialog ins Leben, der

sich heute zwischen Angela Merkel und François

Hollande fortsetzt. Dieses Versöhnungsmuster –

basierend auf der Diskussion, der Gegenüberstellung

von Ideen und der schrittweisen Anerkennung

der historischen Wahrheit auf beiden Seiten

des Rheins – ist ein Erfolg.

Durch den Elysée-Vertrag wurde am 22. Januar

1963 die bilaterale Zusammenarbeit zwischen

Deutschland und Frankreich etabliert. Idealisieren

wir diesen Vertrag nicht. Er wurde aus Misstrauen

gegenüber den Vereinigten Staaten geschlossen:

Adenauer war wütend, dass die Amerikaner

ein atomwaffenfreies Deutschland durchgesetzt

von NOËLLE LENOIR

hatten, de Gaulle sah in dem Vertrag den Auftakt

zu einem „dritten Weg“ zwischen Ost- und Westblock.

Für Juristen ist der Elysée-Vertrag inhaltsleer,

im internationalen Recht hat er keinen Wert.

Er beschränkt sich darauf, den Grundstein für

eine freiwillige Zusammenarbeit zu legen, indem

er Strukturen für Absprachen schafft. Dennoch

verdient es sein Geburtstag dadurch nicht weniger,

gefeiert zu werden, veranschaulicht der Vertrag

doch, wie entscheidend die Arbeit vor Ort für

das Bewusstwerden gemeinsamer Interessen ist.

EADS ist für mich das Aushängeschild der französisch-deutschen

Zusammenarbeit und ich hoffe,

dass sich diese Erfahrung in anderen Bereichen

fortsetzt, z.B. im Energiesektor (trotz des Streits

zwischen Siemens und Avera).

Die Europäische Union ist weder ein trivialer

Ort der Zusammenarbeit noch eine klassische

internationale Organisation – sondern ein halb

zwischenstaatliches, halb föderales Gebilde, das

über den sterilen Gegensatz zwischen nationalen

und gemeinschaftlichen Interessen hinausgeht.

Ausgehend von ihren Empfindlichkeiten und

unterschiedlichen (oder gegensätzlichen) Ansichten,

haben Deutschland und Frankreich Europa in

Richtung der politischen Integration geführt. Es ist

nicht meine Absicht, die Zeit des „Leeren Stuhls“

1965 zu verschweigen – ebenso wenig wie die Ablehnung

des Verfassungsvertrags 2005 durch ein

Referendum in Frankreich. Letzteres basierte auf

Missverständnissen und dem riskanten Rückgriff

auf ein ungeeignetes Verfahren, handelte es sich

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