The-European-PDF-Edition

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Liebe Leserinnen und Leser,

DIE GESCHICHTE DER DEUTSCH-FRANZÖSISCHEN AUSSÖHNUNG ist einmalig in Europa,

in der Welt: Zwei Nachbarländer, die sich über Jahrhunderte verfeindet gegenüber

standen und in drei Kriegen verbittert gegeneinander kämpften, sind zu engen

Partnern geworden. Im „Kriegslied der Deutschen“ schrieb Heinrich von Kleist

noch: „Nur der Franzmann zeigt sich noch/in dem deutschen Reiche/Brüder, nehmt

die Büchse doch/Daß er gleichfalls weiche!“. Und Madame de Staël lästerte in ihrem

Werk „Über Deutschland“: „Eine Art von Schweigen in der Natur und in den Menschen

preßt das Herz des Reisenden zusammen. Es kommt ihm vor, als verfließe die

Zeit hier langsamer als an anderen Orten, als übereile sich das Wachstum der Pflanzen

ebensowenig wie die Bildung der Gedanken in den Köpfen […]“.

MIT DEM DEUTSCH-FRANZÖSISCHEN FREUNDSCHAFTSVERTRAG, auch „Elysée-Vertrag“

genannt, ließen die beiden Länder die alten Ressentiments hinter sich. Der

22. Januar 1963 markierte den vorläufigen Höhepunkt einer Aussöhnung, die bereits

kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs begann.

50 Jahre nach Unterzeichnung des Vertrags durch den französischen Präsidenten

Charles de Gaulle und den deutschen Bundeskanzler Konrad Adenauer sind Deutschland

und Frankreich für Europa immer noch unerlässlich – so sehr, dass die Rolle

der beiden Länder in der europäischen Integration vom Nobelpreiskomitee besonders

hervorgehoben wurde, als die EU im Dezember 2012 den Friedensnobelpreis erhielt.

Der 50. Jahrestag sollte jedoch auch – ja muss sogar – Anlass sein, einen kritischen

Blick auf die heutigen deutsch-französischen Beziehungen zu werfen. Europa

befindet sich in der Krise, wirtschaftlich wie institutionell, Machtverhältnisse ändern

sich und das „Tandem“ Paris-Berlin bleibt davon nicht unberührt. Während Deutschland

durch seine Wirtschaftsmacht an politischem Einfluss gewinnt, hat Frankreich

mit eigenen innenpolitischen Problemen zu kämpfen. Durch die Krise wurden die

Karten neu gemischt – Deutschland führt nun, Frankreich wird zum „Juniorpartner“.

IM ERSTEN TEIL dieser PDF-Edition diskutieren wir, wie Frankreich mit seiner neuen

Rolle umgeht. Und da die deutsch-französischen Beziehungen nicht isoliert betrachtet

werden können, ist die Frage nach den Auswirkungen auf die EU ebenso wichtig.

Im zweiten Teil geht es dann um Deutschland: Nicht nur Frankreich muss sich

an die Verschiebung der Machtparameter innerhalb des Tandems gewöhnen, auch

die Bundesrepublik findet sich in einer für sie noch ungewohnten Position wieder.

Seine Wirtschaft hat Deutschland stark gemacht, jetzt muss es zeigen, ob es der sich

daraus ergebenden Verantwortung gewachsen ist.

Im dritten Teil schließlich schauen wir auf die Perspektiven der deutsch-französischen

Beziehungen: In einer globalisierten Welt, in einem durch die Krise veränderten

Europa, müssen die Partner Deutschland und Frankreich weitere Verbündete suchen.

Wir wünschen Ihnen kulturelle und politische Bereicherung durch die Lektüre

dieser PDF-Edition von The European.

MIT BESTEN GRÜSSEN,

IHR

ALEXANDER GÖRLACH

HERAUSGEBER UND CHEFREDAKTEUR

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