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Vive le modèle

allemand


Das Deutschland-Bild der Franzosen hat sich in

den letzten Jahren stark gewandelt. Das liegt an

der deutschen Fußballnationalmannschaft – und an

Berlin. Noch weiß Deutschland aber nicht genau,

wie es mit seinem neuen Image umgehen soll.

otor, Paar, Tandem. Unsere Nachbarn, un-

M sere Freunde, unsere Verbündeten. Die

Liste ist lang und zeigt sehr gut, dass die französisch-deutschen

Beziehungen immer noch sehr

unscharfe Konturen haben – und sich vor allem

immerwährend in Bewegung befinden. Dabei ist

unübersehbar, dass sich hinter den Zufälligkeiten

der politischen oder wirtschaftlichen Machtverhältnisse

ein immenses Netz an Personen und Institutionen

versteckt – aber auch eine gemeinsame

Geschichte der beiden Länder.

von SÉBASTIEN VANNIER

GEMEINSAM Der verlegene Kuss mit Nicolas Sarkozy,

IM STURM DER das herzliche Händeschütteln mit Fran-

FINANZKRISE

çois Hollande: Glücklicherweise reduziert

sich die Beziehung zwischen den beiden

Staaten nicht auf diese protokollarischen Details.

Mehr aus Pflichtgefühl als durch aufrichtigen

Willen haben Angela Merkel und Nicolas Sarkozy

ihre Unstimmigkeiten im Handumdrehen hinter

sich gelassen und sich gezwungenermaßen

gemeinsam dem Sturm der Finanzkrise gestellt.

Seit Hollande an die Macht gekommen ist, befinden

sich beide in einer Phase des Aneinandergewöhnens.

So wie es zwischen neuen Regierenden

in Frankreich und Deutschland eben der Fall

ist. Die Meinungsverschiedenheiten machen sich

stärker bemerkbar: Mehrere dringende Angelegenheiten

fungieren mal wieder als Zankapfel der

beiden Länder. Das gilt für die Bankenunion oder

auch für das stets sensible Thema EADS. Diese

Streitpunkte haben vor allem eine Funktion: Sie

sind eine Erinnerung daran, dass Europa auf der

Stelle tritt, wenn die beiden Länder sich nicht einigen

können. Eine hochriskante Situation in dem

Augenblick, wo die Europäische Union mächtig

durchgeschüttelt wird. Und ein Friedensnobelpreis

allein wird die Risse nicht abdichten können.

So wichtig und medial präsent die Stimmung

zwischen den beiden Regierungen ist, die französisch-deutschen

Beziehungen spielen sich auch

auf anderen Ebenen ab. Es fällt schwer, sich zwei

andere Länder mit einer solchen Dichte gemeinsamer

Netzwerke vorzustellen. Partnerschaften,

Gesellschaften und andere französisch-deutschen

Vereine erlauben es den Einwohnern beider Länder

seit Jahrzehnten, die alltägliche Wirklichkeit

ihrer Nachbarn kennenzulernen. Seit der Gründung

des Deutsch-Französischen Jugendwerks

(DFJW) und der Deutsch-Französischen Hochschule

(DFH) war das konstante Anliegen immer,

in die Jugend zu investieren. Dieses Netzwerk bildet

die feste und ausgeglichene Grundlage einer

französisch-deutschen Beziehung, die sehr viel

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