The-European-PDF-Edition

c3445010.r10.cf0.rackcdn.com

The-European-PDF-Edition

48

Die Kunst

des Krieges


Frankreich und Deutschland

handeln den Frieden nach dem

Ende des Euro-Kriegs aus. So

kann die politische Struktur

in Europa neu ausgerichtet

werden. Das funktioniert aber

nur, wenn auch andere Länder

bei der Lösung der Krise

mitmachen dürfen.

von STEFANO CASERTANO

ach der Geburt des modernen Frankreichs

N durch die Französische Revolution 1789

brauchte das Land bloß fünf Jahre, um die Besetzung

des deutschsprachigen „Linken Rheinufers“

zu beschließen. Über eineinhalb Jahrhunderte

lang folgten gelegentliche Scharmützel

und Kriege – begleitet von einer Reihe ständiger

Gebietsverhandlungen – die mit der selbstmörderischen

Nazi-Erfahrung endeten. Dann folgten

Frieden und Verständigung: Frankreich und

Deutschland beschlossen, ihre lange und tragische

Geschichte beiseite zu legen und die beiden

Länder genossen Jahrzehnte der Zusammenarbeit.

Doch wie ist diese Beziehung aufgestellt,

wenn es darum geht, auf den kommenden europäischen

Abschwung zu reagieren?

MIT FRANZÖSISCH-DEUTSCHER Zu seinem 40. Geburts-

DAMPFKRAFT AUS DER KRISE

tag am 22. Januar 2003

wurde der Elysée-Vertrag

von 1963 durch die Entscheidung, regelmäßige

halbjährliche Treffen auf höchster Regierungsebene

abzuhalten, weiter verstärkt. Die letzten dieser

Treffen beherrschten Diskussionen über Griechenland

und über Wege, den Euro zu retten. Nun,

da sich die Vertragsunterzeichnung zum 50. Mal

jährt, scheint sich die Situation leicht zu ändern.

Deutschland scheint, was seinen industriellen Ansatz

betrifft, „französischer“ geworden zu sein,

wie die Geschichte der gescheiterten Fusion von

EADS und BAE zeigt. Manche Kommentatoren

(insbesondere Robert Peston von der BBC) merken

an, dass die deutsch-französische Entscheidung,

weiterhin auf ihre Kontrollmacht über den

Großkonzern zu drängen, die wirtschaftliche Einstellung

von EADS nachhaltig beeinflussen wird:

12 Prozent der Anteile sind für Berlin und Paris gesichert.

Es ist zu erwarten, dass der größte EADS-

Kunde, die USA, nicht so sehr daran interessiert

sein wird, Produkte zu kaufen, die von ausländischen

Regierungen geliefert werden. Die wirtschaftliche

Perspektive von EADS wird also neu

strukturiert werden müssen, wenn wir Pestons

Gedankengang folgen. Daraus werden sich möglicherweise

neue Gelegenheiten zu gemeinsamer

Außenpolitik ergeben. Darüber hinaus signalisiert

diese Erfahrung, wie das in Frankreich so beliebte

Modell des „Staatsunternehmens“ sich gerade aufmacht,

in Deutschland ein Comeback zu feiern.

Andere industrielle Partnerschaften entwickeln

sich, was oftmals daran liegt, dass Deutschland

der größte ausländische Investor in Frankreich

ist. Die starke wirtschaftliche und politische Allianz

Frankreich-Deutschland ist dabei, Dampfkraft

Ähnliche Magazine