Fahrgast Zeitung - FAHRGAST Steiermark

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Fahrgast Zeitung - FAHRGAST Steiermark

Tarifideen

Vorschläge für Verbesserungen des

steirischen Verbundtarifs

Der steirische Verbundtarif zählt sicherlich zu den leichtest verständlichen

in Österreich und bietet ein durchwegs modernes

Fahrkarten-Grundangebot. Dennoch ist es an der Zeit, einige

Verbesserungsvorschläge aufzuzeigen.

Es gibt einige international

gebräuchliche Zusatzangebote,

die genug

Attraktivität aufweisen,

um vermeintliche Einnahmeneinbußen

wettzumachen. Es

gibt auch einige Angebote, die

derzeit nur zeitlich begrenzt

angeboten werden, aber ganzjährig

sinnvoll wären. FAHR-

GAST zeigt im Folgenden die

Möglichkeiten auf und versucht

eine Einschätzung der

Machbarkeit, der Kosten und

des Nutzens zu geben.

Anerkennung aller VorteilsCards

Derzeit werden im Steirischen

Verkehrsverbund nur

die VorteilsCard Senior, Spezial

und Familie anerkannt

(siehe auch Seiten 8 und 9).

Dies führt dazu, dass für

alle anderen Kundengruppen

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(jene, deren VorteilsCard am

teuersten ist) einige wichtige

Verkehrsverbindungen (Graz–

Weiz, Graz–Hartberg, Graz–

Fürstenfeld, Graz–Stainz, Leoben–Eisenerz)

fast doppelt

so teuer sind wie Eisenbahnkorridore.

Dieser Umstand ist

hinsichtlich des Gleichheitsgrundsatzes

nicht unbedenklich,

zumindest erscheint er

aber sachlich nicht gerechtfertigt

und daher unsinnig.

Bei einer Fahrt mit Bahn

und Bus muss zudem umständlich

der VorteilsCard-

Eisenbahntarif mit dem Verbundtarif

gestückelt werden

und der Vorteil der Einfachheit

des Verbundtarifs wird

zunichte gemacht.

Der Nutzen einer Anerkennung

der VorteilsCards im

Verkehrsbund ist vielfältig:

Das Fahrkartenangebot des steirischen Verkehrsverbundes ist übersichtlich und ein-

fach verständlich – doch bleiben einige Wünsche offen.

Steiermark

– Der Tarif im innersteirischen

Verkehr wird drastisch

vereinfacht.

– Nach Ausweitung einer solchen

Regelung auf andere

Bundesländer kann schrittweise

der ÖBB-Haustarif

durch aneinander gereihte

Verbundtarife mit all ihren

Vorteilen ersetzt werden.

– Kunden mit VorteilsCard

erhalten an allen Verkaufsstellen

50 % Ermäßigung.

– Für Eisenbahnstrecken wären

entwertbare Fahrkarten

im Vorverkauf erhältlich.

– Auch Einzel- und Tageskarten

im Stadtverkehr sind

für Stammkunden deutlich

günstiger.

– Durch eine Anerkennung

kann auch der Halbpreispass

nach Kraftfahrlinientarif

entfallen und durch

die VorteilsCard ersetzt

werden, womit ein weiterer

Haustarif wegfällt.

Da mit einer solchen Regelung

im Stadtverkehr auf einen

Schlag eine größere Kundengruppe

Zugang zu ermäßigten

Einzel- und Tageskarten

hat und damit deutlich

höhere Einbußen als Zusatzeinkünfte

anfallen, könnte

die Ermäßigung für die erste

Zone geringer ausfallen, also

z. B. zu einer Stundenkarte

um 1,20 Euro (statt 1,00 Euro)

und einer Tageskarte um 2,50

Euro (statt 2,10 Euro) führen.

Ähnliche Regelungen existieren

in vielen Schweizer Städten,

die das Halbtax akzeptieren,

aber nur rund 30 % Ermäßigung

gewähren. Der Einfachheit

halber ist dennoch

eine volle Ermäßigung sinnvoll,

zumal es derzeit viele Inhaber

einer VorteilsCard gibt,

die grundätzlich kein Stadtverkehrsmittel

verwenden,

deren Fahrkartenkauf also eine

Zusatzeinnahme ist.

24-Stunden-Karten-Block

Die 24-Stunden-Karte ist

erst ab drei Fahrten günstiger

als die 10-Zonen-Karte oder

die Stundenkarte. Es kommt

häufig vor, dass Fahrgäste bei

der ersten Fahrt an einem Tag

noch nicht wissen, ob sie nur

„hin und wieder zurück“ oder

noch eine dritte Fahrt unternehmen

werden. Diese Fahrgäste

stehen vor der Entscheidung,

ob sie Einzelfahrten

oder doch eine 24-Stunden-

Karte lösen sollen. Kauft der

Fahrgast die 24-Stunden-Karte

und bleibt es bei nur zwei

Fahrten, hat er zu viel bezahlt,

kauft oder stempelt er zwei

Stundenkarten ab und es ergibt

sich eine dritte Fahrt, so

zahlt er ebenfalls drauf.

Gerade im Sommer wird

zudem von vielen vermehrt

das Fahrrad verwendet oder

zu Fuß gegangen, jedoch bei

Regen oder größeren Distanzen

der Öffentliche Verkehr

benützt. Gerade an Tagen mit

Schlechtwetter wird in der Regel

die gesamte Wegekette im

ÖV zurückgelegt und eine 24-

Stunden-Karte verwendet.

Leider sind 24-Stunden-

Karten nur einzeln im Vorverkauf

erhältlich und es fällt pro

Entwertung immer der selbe

reguläre Preis von momentan

4,10 Euro bzw. 2,10 Euro für

die Halbpreiskarte an. Es gibt

zwar einen Zehnerblock von

24-Stunden-Halbpreiskarten,

jedoch kostet dieser genau 10

mal 2,10 Euro und bringt außer

dem Komfort, die Fahrkarten

vorrätig halten zu können,

keinen Vorteil.

Ein Vorschlag von FAHR-

GAST ist, eine leicht angepasste

Form der 24-Stunden-Karten-Zehnerblöcke

(Voll- und

Halbpreis) anzubieten: Bei

diesen sollte der Preis einen

Vorteil gegenüber dem Einzelkauf

bieten – etwa 38 Euro

für zehn 24h-Vollpreiskarten,

so dass ein Streifen des

24-Stunden-Zehnerblockes so

viel kostet wie 2 Einzelfahrscheine.

In Wien ist so etwas

bereits in Form der 8-Tages-

Karte erhältlich.

FAHRGAST 1/2010

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