15. Februar 2008, 07:12 Uhr Von Barbara Brandstetter ... - Gowin

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15. Februar 2008, 07:12 Uhr Von Barbara Brandstetter ... - Gowin

Einige Länder verzichten auf Kontrollmitteilungen

Lediglich drei Länder der Union, nämlich Österreich, Luxemburg und Belgien, sowie

die Drittstaaten Schweiz, Liechtenstein, Monaco, Andorra und San Marino verzichten

in einer Übergangszeit bis mindestens 2011 auf Kontrollmitteilungen. Im Gegenzug

führen diese Staaten anonym eine Zinssteuer von 15 Prozent (ab dem 1. Juli 2008:

20 Prozent) ab.

Allerdings gibt es eine Vielzahl von Investmentvehikeln, bei denen diese Regelungen

nicht greifen. Zum einen beziehen sich die Quellensteuern nicht auf Dividenden oder

Kursgewinne aus Aktien und Aktienfonds, Zertifikaten sowie Genussscheinen. Zum

anderen existieren in den entsprechenden Ländern besondere Konstruktionen von

Lebensversicherungen und Stiftungen, über die auch Zinseinkünfte nahezu

steuerfrei vereinnahmt werden können.

Insbesondere das Liechtensteiner Stiftungsrecht sieht einigen Gestaltungsspielraum

vor. Stiftungen sind in dem Zwergstaat von der Vermögen-, Erwerb- und Ertragsteuer

befreit. Lediglich eine jährliche Kapitalsteuer muss gezahlt werden. Sie beträgt 0,1

Prozent des eingezahlten Kapitals, mindestens jedoch 1000 Schweizer Franken (620

Euro) im Jahr. Bei einem Kapital von mehr als zwei Mio. Schweizer Franken

ermäßigt sich der Steuersatz auf 0,075 Prozent. Schätzungen zufolge haben in

Liechtenstein 80.000 bis 100.000 Briefkastenfirmen, darunter viele Stiftungen, ihren

offiziellen Sitz. Insgesamt werden dort Gelder in Höhe von 130 Mrd. Euro verwaltet.

Liechtenstein hütet das Bankgeheimnis

Zudem gilt in dem Fürstentum im Gegensatz zu Deutschland ein strenges

Bankgeheimnis. Dies wird auf der Internetseite des Landes als „Grundhaltung und

Tradition“ angepriesen. Auskünfte über Konten lehnen die Geldinstitute in

Liechtenstein auch gegenüber deutschen Steuerfahndern strikt ab. „Liechtenstein ist

nach wie vor ein Hort“, sagt Hans-Lothar Merten, Autor des Buches „Steueroasen

2008“ (ISBN: 3802934156).

Auch bestimmte Lebensversicherungen in Liechtenstein und Luxemburg werden von

Deutschen als Mittel der Steueroptimierung genutzt. Gerade für Unternehmer haben

solche Konstruktionen Attraktivität, sind sie doch im Konkursfall der Firma nicht

antastbar. „Ein sogenanntes Konkursprivileg schützt solche Policen nach Ablauf

einer Schamfrist von vier Jahren vor dem Zugriff von Gläubigern“, sagt Buchautor

Merten. Anders als bei hiesigen Policen kann der Versicherte zudem selbst in die

Anlageentscheidungen eingreifen. All das ist möglich und vollkommen legal, solange

die Einkünfte in der Steuererklärung angegeben werden.

Gleiches gilt für Erträge, die in Ländern anfallen, die weder Kontrollmitteilungen noch

EU-Zinssteuer kennen. Dazu zählen unter anderem die Kanalinseln Jersey und

Guernsey, die Bahamas, Hongkong und Singapur. Gerade der asiatische Stadtstaat

Singapur entwickelt sich mehr und mehr zum Dorado für steueroptimiertes

Investieren. Eine Befragung von 265 Vermögensverwaltern durch die

Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers ergab unlängst, dass jeder

sechste in den Stadtstaat expandieren will. Für Rainer Wirken, Partner bei

PricewaterhouseCoopers, ist klar: „Vor allem aus Gründen der Steuergestaltung.“

Schlagworte

Schweiz Singapur Liechtenstein Steuern Fiskus

Alle großen Adressen haben vor Ort inzwischen eine Filiale – von der UBS über die

Deutsche Bank bis Credit Suisse. In den kommenden Jahren will die Branche dort

um 30 Prozent jährlich wachsen. Viele Schweizer Banken führen inzwischen für ihre

Kunden auch Konten in Singapur. „Zum Geldtransfer braucht man keinen Koffer“,

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