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18 Politik

Der

Versöhner

Ob Präsidium oder Asta – er ist der Kaugummi, der an ihrer Schuhsohle klebt. Der Langzeitstudent

Mathias Bartelt hat erreicht, wovon andere nur träumen. Eine Würdigung von

Max Krause

Entnervt klingt die Stimme von FU-Präsident Peter-

André Alt, als er den nächsten Redner aufruft: »Herr

Bartelt?« Der angesprochene studentische Vertreter

rückt sein Mikrofon zurecht und räuspert sich geräuschvoll.

Dann erklingt seine sonore Stimme. Nach seinen ersten drei

Sätzen hat er bereits auf fünf verschiedene Gesetzesparagraphen

verwiesen, die das Präsidium mit seinem Vorgehen

verletze. Dann holt er weit aus und erklärt, dass das

aktuelle Thema bereits vor drei Jahren auf der Tagesordnung

gestanden habe – und dabei nur ungenügend behandelt

worden sei.

Nach fünf Minuten sieht man die ersten professoralen

Vertreter im Akademischen Senat (AS) mit den Augen rollen.

Mathias Bartelt ist in seinem historischen Abriss der

Thematik gerade erst am Anfang, da fällt ihm der Präsident

wüst ins Wort: »Herr Bartelt, ich muss Sie bitten, zur

Sache zu kommen.« Sollte diese Anmerkung überhaupt zu

Mathias‘ Ohren durchgedrungen sein, zeigt er es jedenfalls

nicht. Stattdessen geht er in den Endspurt: Die Fehler der

Vergangenheit wiederhole das Präsidium nun. Hätte man

von Anfang an auf ihn gehört, wäre dieses wie jedes andere

Problem inzwischen längst gelöst.

Mathias Bartelt ist der Markus Lanz der Hochschulpolitik –

er ist überall dabei, aber richtig cool findet ihn eigentlich

niemand. Dass das Präsidium Probleme mit ihm hat, überrascht

nicht. Doch in seiner langen Zeit an der FU hat er

sich auch beim Asta und verschiedenen Hochschulgruppen

unbeliebt gemacht.

Nach eigener Aussage begann Mathias‘ Aufstieg zur

Macht 2003. Damals waren die heutigen Erstsemester, die

er vertreten will, noch zarte neun Jahre alt. Politisiert wurde

er – wie auch sonst – durch eine der Streikwellen, die zu jener

Zeit gerade wieder über die FU rollte. Zunächst brachte

er sich am eigenen Institut ein. Doch schnell wurde ihm klar,

dass er zu Höherem berufen ist.

Es folgte sein persönlicher Marsch durch die Institutionen:

2008 bekam er einen Sitz im Studierendenparlament

(Stupa), 2009 auch einen im AS. Danach erlitt seine steile

Karriere einen Dämpfer: Bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus

2011 erlangte er als Direktkandidat der Linkspartei

im bürgerlichen Steglitz-Zehlendorf nur 2,2 Prozent

der Stimmen – wenigstens ein Achtungserfolg. An der Uni

hat er zwischenzeitlich für eine Menge Furore gesorgt: Der

Unileitung schüttet er gern ganze Wagenladungen Sand ins