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30 Kultur

Am Anfang stand die legendäre »Bar 25«. Magisch

zog sie Neugierige aus der ganzen Welt ans Berliner

Spreeufer. Im September 2010 musste sie wegen

Sanierungsauflagen schließen. Im vergangenen Frühjahr

kündigte der damalige Eigentümer, die Berliner Stadtreinigungsbetriebe,

die Versteigerung des Geländes an – binnen

kürzester Zeit geriet ein Bieterverfahren ins Rollen. Nach

monatelangen Gesprächsrunden erhielt schließlich die Holzmarktgenossenschaft

(Holzmarkt eG) rund um die Betreiber

des Clubs »Kater Holzig« den Zuschlag für das prominenteste

unbebaute Grundstück Berlins.

Auf dem 18.000 Quadratmeter großen Areal soll nun

ein urbanes Dorf entstehen: Wohnräume, eine Kindertagesstätte,

eine Bäckerei, ein Musikstudio und ein Club sollen auf

dem Gelände Platz finden. Außerdem sind ein Hotel, ein Restaurant

und ein selbstverwalteter Bürgerpark, der »Mörchenpark«,

geplant. Interessant wird es auch für Studenten:

Auf dem Gelände sollen Wohnungen mit WG-Zimmern ab

340 Euro Miete im Monat entstehen, wie der Pressesprecher

der Holzmarkt eG, Simon Wöhr, mitteilt. Das Studentendorf

Schlachtensee kooperiert mit dem Projekt. »Es sind

Wohnhäuser für rund 400 Studenten geplant, die in einem

kreativen und inspirierenden Umfeld leben möchten«, sagt

Andreas Barz, Vorstandsvorsitzender der Genossenschaft

Schlachtensee, die den Betrieb führen wird. Umgeben werden

die Studentenwohnungen von Gewerbeflächen und

Jungunternehmern.

Die Holzmarkt eG will basisdemokratisch über die weitere

Entwicklung des Holzmarktes entscheiden und keine

großen Hierarchien aufbauen. Das solle eine kreative Atmosphäre

schaffen, in der jeder seinen kleinen Teil von Berlin

wiederfindet, sagt Wöhr.

Doch sieht man sich die Mediaspree-Nachbarn des

Holzmarkt-Geländes an, stellt sich die Frage, was die Initiatoren

mit diesem Konzept bezwecken wollen. Möglich wäre,

dass die Studenten in ihrer direkten Umgebung ihr künftiges

Arbeitsfeld finden könnten - hinunter auf die Straße, hinauf

auf der Karriereleiter. In dem neuen Studentenwohnheim

»treffen Studenten auf Gründer und Unternehmer«, heißt es

Der Plan der Betreiber für das Holzmarktgelände

Der Kater klopft auf Holz

Die »Kater Holzig«-Betreiber errichten den »Holzmarkt«, ein Kultur- und Wohnprojekt.

Auch Studenten sollen dort eine Bleibe finden – zu einem hohen Preis. Von Sinaida

Hackmack und Christopher Ramm

auf der Homepage des Projekts. »Das kreative Neben-, Mit-

und Durcheinander schafft Verknüpfungen und Synergien

zwischen Forschung, Produktion, Wohnen, Leben, sowie

kulturellen und sozialen Aktivitäten.«

Für ein Studentenwohnheim sind WG-Zimmer, deren

Mietpreise bei 340 Euro beginnen, vergleichsweise teuer.

Der Preis wird letztlich auch mitbestimmen, ob sich hier

Durchschnittsstudenten ansiedeln oder nur gut betuchte

Jugendliche ein Stück Lifestyle erkaufen werden. »Das ist

schon ziemlich viel«, gibt FU-Studentin Daniela zu bedenken.

Sie wohnt derzeit im Studentendorf Schlachtensee und

bezahlt dort wesentlich weniger für ihr WG-Zimmer. Dennoch:

»Immerhin neue Wohnungen in der Innenstadt«, sagt

sie. Die Mieten seien ja sowieso überall gestiegen.

»Wer soll sich das denn leisten können?«, fragt sich auch

Nico, der an der FU Volkswirtschaftslehre studiert. Er bezweifle,

dass sich das Angebot an durchschnittliche Studenten

richte. Wohl eher an solche, die beruflich »in Richtung

Social Media« gehen wollten und das nötige Kleingeld hätten.

»Da können die Kontakte durchaus mal 340 Euro im

Monat wert sein.«, sagt Nico.

Fest steht: Das Projekt ist einzigartig, etwas Vergleichbares

gibt es in Berlin nicht. Der Holzmarkt soll im Frühsommer

2013 seine Türen öffnen. In den nächsten Monaten wird

sich dort, wo früher einer der angesagtesten Technoschuppen

Berlins stand, ein Zukunftstraum verwirklichen. Feste

Genossenschaftsstrukturen werden auf junges Berliner Partyvolk

prallen, Unternehmergeist auf kreativen Freiraum.

Die Kater-Betreiber sollten auf Holz klopfen.

Visualisierung: FSKA.DE

Christopher Ramm und Sinaida Hackmack

freuen sich auf den neuen Holzmarkt.

Ob sie in seine Nähe ziehen

wollen, müssen sie sich aber noch

überlegen.

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