Mit dem Segelboot auf den Mount Everest - marina.ch - das ...

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Beaufort

Mit dem Segelboot auf

den Mount Everest

Das Volvo Ocean Race gilt als härteste Regatta der Welt: fast neun Monate, knapp 40 000 Seemeilen,

Temperaturen von minus 15 bis plus 45 Grad und die Yachten von den Crews ständig bis ans Limit gepusht…

Ende Oktober wurde in Alicante (ESP) zur elften Ausgabe gestartet.

TexT : lori schüpbach

foTos : Vor / los

«ich glaube, das Vor 2011/12 wird die

anspruchsvollste und härteste regatta, die

je ausgetragen wurde», sagt Knut frostad.

Der Norweger – seit 2008 ceo des Volvo

ocean race – weiss, wovon er spricht: Mit vier

Teilnahmen (zwei davon als skipper) gehört er

zu den «Veteranen» der szene. Genau wie der

Neuseeländer Mike sanderson, der 1993/94

unter Grant Dalton auf NZ endeavour und

2005/06 als skipper auf abN amro one die

regatta gewann. bei der aktuellen austragung

ist er als skipper des chinesischen projektes

Team sanya mit dabei – wobei er hier wohl

weniger um den sieg als vielmehr um die aufmerksamkeit

und die Gunst des chinesischen

publikums kämpfen wird. sanya ist das

einzige Team, welches nicht eine neue Volvo

open 70-Yacht bauen konnte, sondern eine

Yacht der letzten Generation übernommen

hat. «Das Medieninteresse ist riesig – und

entsprechend ist auch der Druck auf das

ganze Team gewachsen», berichtete sanderson

kurz vor dem start in alicante. Tatsächlich:

auf der offiziellen akkreditierungsliste

waren 62 chinesische Journalistinnen

und Journalisten aufgeführt.

China als Markt

Das grosse Medienecho in china ist ganz im

sinne von Volvo. im Gegensatz zu einem

normalen eventsponsor, der einen anlass

«nur» finanziell unterstützt, ist Volvo gleichzeitig

besitzer und Veranstalter des Volvo

ocean race. entsprechend ist es für Volvo

Spannung garantiert

Das Volvo Ocean Race 2011/12 wird in 9 Etappen ausgetragen. Hinzu kommen

10 In-Port-Races in Alicante und an den Etappenorten. Das In-Port-Race in Alicante

Ende Oktober lancierte die Regatta, das Ziel ist Anfang Juli 2012 in Galway

an der Westküste Irlands vorgesehen. Die Wertung erfolgt mit einem Punkte-

System, wobei ein Etappensieg 30 Punkte gibt, ein Sieg bei einem In-Port-Race

«nur» 6 Punkte. Neben den Etappensiegen und dem Gesamtsieg gibt es auch

noch die IWC Schaffhausen Speed Record Challenges zu gewinnen. Diese

werden nach jeder Etappe an diejenige Yacht vergeben, welche das grösste Etmal,

also die längste Distanz in 24 Stunden, geschafft hat. Es ist anzunehmen,

dass bei günstigen Bedingungen der Einrumpf-24-Stunden-Weltrekord von

Ericsson 4 mit 596,6 Seemeilen wackeln wird. Die meisten Experten erwarten

eine bis am Schluss spannende Regatta ohne klaren Favoriten. Mindestens 4

von 6 Teams werden realistische Chancen auf den Gesamtsieg eingeräumt.

Das In-Port-Race in Alicante bestätigte diese Vermutung und liess noch keine

Rückschlüsse auf die effektive Stärke der Teams zu.

www.volvooceanrace.com

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Beaufort

Qualität: Zwar treten nur sechs

Teams an, doch sie segeln alle

auf hohem Niveau – das

verspricht ein spannendes

Rennen. Ein Event, dessen

Zukunft zudem gesichert ist:

Bereits hat Volvo die Austragung

2014/15 abgesegnet!

möglich, beispielsweise die etappenorte

nicht nur nach sportlichen, sondern auch

nach marketingtechnischen Kriterien auszusuchen.

Mit den stops in abu Dhabi

(Uae) und sanya (chN) respektive den

beiden gleichnamigen Teams werden der

Mittlere osten sowie china angesprochen

– beides wichtige Zukunftsmärkte für die

auto mobilindustrie. Der «Umweg» gegenüber

der routenführung einer normalen

Welt umsegelung hat aber auch sportlich

seinen reiz: Die Teams müssen nach dem

Kap der Guten hoffnung im indischen

ozean wieder nordwärts bis weit über den

Äquator segeln und erst nach sanya dann

wieder «hinunter» nach Neuseeland. Diese

passagen sind anspruchsvoll und verlangen

sowohl den crews als auch dem Material

alles ab.

Die enge bindung zwischen der regatta

und Volvo hat noch weitere positive seiten:

schon vor dem start in alicante konnte

Knut frostad stolz verkünden, dass die besitzer

Volvo car corporation und The Volvo

Group – zu der auch die Marine-abteilung

mit Volvo penta gehört – für die nächste

austragung des Volvo ocean race 2014/15

bereits grünes licht gegeben haben. eine

situation, von der viele Veranstalter nicht

einmal zu träumen wagen.

Kommunikation total

Weiter ausgebaut wurden die bemühungen,

das Volvo ocean race dem publikum noch

näher zu bringen. Die in-port-races, die

jeweils kurz vor dem start zur nächsten etappe

stattfinden, werden erstmals live von über

70 fernsehstationen in der ganzen Welt ausgestrahlt.

als Zugeständnis an die so

ge nannten TV-slots (sendezeiten) müssen

diese regatten zu einem im Voraus bestimmten

Zeitpunkt stattfinden und dürfen keinesfalls

länger als 64 Minuten und 55 sekunden

dauern – so lange ist die vereinbarte sendezeit.

auf die Windverhältnisse kann keine rücksicht

genommen werden, das Timing muss auf die

sekunde stimmen. Um das spektakel möglichst

telegen in die guten stuben zu bringen,

kommen helikopter, on-board-Kameras und

Mikrofone, die jedes Wort der skipper einfangen,

zum einsatz. Was beim america’s cup

seit einiger Zeit standard ist, bedeutet für die

offshore-segler eine neue erfahrung. franck

cammas, skipper des ersten französischen

Teams seit la poste mit eric Tabarly (1993/94),

gibt unumwunden zu, dass dies durchaus

einen einfluss auf den Umgangston an bord

haben könnte: «Gerade bei den kurzen

in-port-races kann es hektisch und entsprechend

auch einmal laut zu und her gehen. aber

wir wollen die leute ja nicht erschrecken…»

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Die Welt ist mit an Bord:

70 TV-Stationen übertragen

die In-Port-Races – eine Heraus -

forderung für die Organisa-

toren um Knut Frostad (links).

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Offene Routenführung

ein ernsthaftes problem für die aktuelle austragung

des Volvo ocean race ist – «dank»

dem etappenort abu Dhabi – die piraterie

geworden. Die Gegend um das horn von

afrika und der Golf von aden gehören zu den

gefährlichsten piraten-revieren. hier eine

regatta ohne weitere Vorkehrungen durchzuführen,

wäre verantwortungslos. «Wir

haben in Zusammenarbeit mit spezialisten

sechs verschiedene optionen ausgearbeitet»,

sagt Knut frostad, ohne weiter ins Detail zu

gehen. sicher scheint, dass die Yachten ab

einem bestimmten ort auf einen frachter

verladen und so auf dem seeweg bis kurz vor

abu Dhabi transportiert werden sollen. Dort

wird dann das ganze programm mit Zielankunft,

in-port-race und etappenstart

gesegelt, bevor es auf die gleiche art und

Weise zurück in den indischen ozean geht.

«eine option ist allerdings auch, dass wir den

etappenort abu Dhabi auslassen – der definitive

entscheid fällt erst ganz kurzfristig und

wird so spät wie möglich kommuniziert.»

Schweizer Vor-projekt?

aber auch ohne begegnungen mit piraten

sind die segler während des Volvo ocean

race höchsten strapazen ausgesetzt. so

kann es beispielsweise problemlos vorkommen,

dass einzelne segler keine Minute

ruhe haben werden: Manöver unterstützen,

segel wechseln, Material auf die andere

seite tragen, reparaturen aus führen – alles

arbeiten, die während der freiwache erledigt

werden müssen.

sicher ist: Wer anfang Juli 2012 in Galway (irl)

ankommt, gehört auf jeden fall zu den siegern.

Beim Start in Alicante war auch Christian «Blumi» Scherrer mit dabei. Aller-

dings nicht als Segler, sondern als Beobachter. Der Markenbotschafter von Volvo

Schweiz und ehemalige Ocean Race Segler spricht offen über sein Interesse an

einem Schweizer Projekt für daschste Volvo Ocean Race 2014/15: «Ja, es wäre

toll, eine solche Kampagne auf die Beine zu stellen.» Ob an Bord oder «nur»

als Projektmanager steht für Scherrer aktuell noch gar nicht im Vordergrund.

«Meine Rolle ist zweitrangig. Zuerst gilt es jetzt, das Projekt voran zu treiben

und die Finanzierung sicher zu stellen.» Mit einem Budget von rund 12 Millionen

Euro, sagt Scherrer, wäre eine Teilnahme bereits möglich. «Das Regelwerk der

Volvo Open 70-Klasse ist bewusst so gehalten, dass auch Boote der letzten Austragung

konkurrenzfähig bleiben. Wir müssten also nicht unbedingt eine neue

Yacht bauen.» Um wirklich von einem Schweizer Projekt sprechen zu können,

chte Scherrer mindestens fünf Schweizer Segler an Bord haben – was für

einige junge, erfolgshungrige Talente sicher auch «eine Chance» wäre. Einer

Schweizer Teilnahme steht natürlich auch Volvo Schweiz positiv gegenüber –

allerdings ist klar, dass die Haupt-Finanzierung anderweitig abgesichert sein

muss. Eine Knacknuss, die Scherrer in denchsten Monaten anpacken will.

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