An Herrn - SPÖ Stadt Mödling

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unentbehrlich.“ 139 In der zweiten Besprechung widmet er sich dem Buch von „E. Ahlswede,

In Gottes eigenem Land. Ein Blick ins Dollar-Paradies“, das Gschmeidler sehr beeindruckt

haben dürfte: „Diese 194 Seiten umfassende Broschüre sollte man in die Hand jedes

Volksgenossen legen, damit er sie lese und weiterverbreite. […] Wer dieses Buch liest, wird

vieles begreifen und verstehen, wieso es kommen konnte, dass Amerika als das von den

reichsten Juden beherrschte Land in den Krieg ziehen konnte.“ 140

Der antisemitische Grundtenor der „Mödlinger Nachrichten“ verschärfte sich mit dem

Fortschreiten des Krieges, der für Deutschland seit Anfang 1943 immer ungünstiger verlief.

Die Kriegsberichterstattung der Zeitung hielt dennoch an der Illusion des „Endsieges“ fest, in

ihrer wöchentlichen Rubrik „Eine Woche Kriegsgeschehen“ (bis 1944 „Der Krieg – Der

Sieg“) siegte sich die Wehrmacht förmlich von einem „Abwehrsieg“ zum nächsten zu Tode.

Selbst aus diesen geschönten militärischen Informationen war seit Januar 1945 klar

herauszulesen, dass sich eine Niederlage Hitler-Deutschlands immer deutlicher abzeichnete.

In einer der letzten Ausgaben der „Mödlinger Nachrichten“ vom 17. März 1945 zeigt sich

Schriftleiter Gschmeidler davon jedoch unbeeindruckt und veröffentlicht unter dem Titel

„Wässerige Sentimentalität“ einen Appell zum Durchhalten und zur Fortführung dieses

„heiligen Volkskrieges“, selbst „wenn uns das Schlachtenglück für einige Zeit nicht günstig

ist“. Niemand dürfe „verzagt sein, kleinmütig werden […]. Jede Weinerlichkeit ist hier fehl

am Platze“. Gschmeidler fordert von den Mödlingern Helden- und Opfermut, als hätte die

Bevölkerung nicht schon genug Opfer, Leid und Not zu ertragen gehabt. In diesem

Zusammenhang zitiert Gschmeidler den Philosophen Arthur Schopenhauer: „Wenn immer

getrauert und immer geklagt wird, ohne dass man sich erhebt und ermannt, so hat man Erde

und Himmel zugleich verloren und wässerige Sentimentalität übrig behalten.“ Der Krieg – so

Gschmeidler – würde eben „ganze Menschen, harte Menschen“ erfordern. Dieser Einsatz

würde sich jedoch lohnen, da dieser Krieg um „heiliges Recht“ gehe. Am Ende lässt

Gschmeidler die Katze aus dem Sack: Denn es sei ein Krieg, „der uns und der Welt die

Befreiung bringen soll von den Mächten des Judentums und der Geldherrschaft und ihres

bolschewistischen Verbündeten, der von Asien her die Weltrevolution bringen und die

Menschheit in Blut ersäufen will“ 141 .

139 „Mödlinger Nachrichten“, 29. 5. 1943, S. 6.

140 „Mödlinger Nachrichten“, 29. 5. 1943, S. 6.

141 „Mödlinger Nachrichten“, 17. 3. 1945, S. 1.

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