Landtag Brandenburg P-ABJS 5/26 Protokoll - Land Brandenburg

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Landtag Brandenburg P-ABJS 5/26 Protokoll - Land Brandenburg

noch lückenlos möglich ist, so bieten doch die Altersfreigaben von Filmen und

Computerspielen, die Sendezeitbegrenzungen im Fernsehen sowie die altersbeschränkten

Zugänge zu Internetangeboten (z. B. durch Jugendschutzprogramme, die Eltern ermöglichen

Kindern je nach Altersstufe geeignete Internetangebote frei zu schalten und ungeeignete

Inhalte zu blockieren.) für Jugendliche und Eltern eine zuverlässige Orientierung und für

Gewerbetreibende eine bindende Verpflichtung.

Der Jugendschutz basiert auf dem Konzept der „regulierten Selbstregulierung", das an die

Eigenverantwortung der Anbieter anknüpft. Dieses Konzept hat sich grundsätzlich bewährt.

Die Alterskennzeichnungen von Bildträgern und Computerspielen sind Kindern und

Jugendlichen weitgehend bekannt und zumeist akzeptiert, auch wenn es zum

Heranwachsen gehört, Grenzen zu testen, zu hinterfragen und auch zu umgehen. Häufig

werden sie jedoch als handlungsleitende Empfehlungen verstanden, die in einer komplexer

werdende Medienwelt Orientierung bieten. Medienpädagogisches Handeln ist gut beraten,

daran anzuknüpfen.

Dass sich gut an eine „Kultur der Verantwortung" anknüpfen lässt, belegt der Vierte Bericht

der Kommission Jugendmedienschutz (KJM) 25. Darin wird deutlich, dass sich im letzten

Berichtszeitraum die Beschwerden zu Rundfunksendungen verfünffacht haben. Es wird

dadurch aber auch deutlich, dass Jugendschutzregelungen einem gesellschaftlichen Diskurs

über Gewalt, Sexualität und Menschenwürde unterliegen 26. So hat der Jugendschutz auch

die Funktion, den gesellschaftlichen Diskurs anzustoßen. Denn dadurch vergewissert sich

die Gesellschaft ihrer Werte, indem sie deutlich macht, was Kindern und Jugendlichen

zugemutet werden kann und was nicht. Jugendschutz in einer modernen Gesellschaft ist

Risikomanagement. Im Zusammenwirken der Akteure muss ein hinreichend hohes

Schutzniveau erreicht werden, um den verfassungsrechtlichen Schutzauftrag gegenüber

Kindern und Jugendlichen zu erfüllen.

Deutschland liegt im europäischen Vergleich beim Jugendschutz vorn. Es verfügt über einen

differenzierten und funktionierenden Jugendschutz auf hohem Niveau. Dies bestätigt auch

die „Analyse des Jugendmedienschutzsystems — Jugendschutzgesetz und

Jugendmedienschutz-Staatsvertrag" des Hans-Bredow-Institutes 27 . Dort kommt man zu dem

Ergebnis, dass das deutsche Jugendschutzsystem eine erhebliche vertriebslenkende und

verhaltenslenkende Funktion hat sowie ein beachtliches Risikomanagement leistet und auf

einer Kultur der Verantwortung basiert.

Gleichzeitig wird festgestellt, dass trotz der mit Blick auf den Jugendmedienschutz

ernüchternden Erkenntnis über die schwindende elterliche Kontrolle (eine Generationenkluft

im Medienhandeln schwächt die Erziehungskompetenz der Eltern, ihre Beratungs-,

Begleitungs-, und Kontrollfunktion) und die komplexer werdende Medienwelt von Kindern

und Jugendlichen gesetzliche Regelungen zur Unterstützung der elterlichen

bringt und diese für Kinder und Jugendliche teilweise anders als für Erwachsene bestehen. Im

Einzelnen geht es darum, Gefährdungen möglichst nicht entstehen zu lassen (struktureller

Jugendschutz), über Gefährdungen aufzuklären und zur Bewältigung anzuleiten (erzieherischer

Jugendschutz), den Umgang mit Gefährdungen zu regeln (gesetzlicher Jugendschutz)."

(http://www.kjm-online.de )

5 Vierter Bericht der KJM über die Durchführung der Bestimmungen des Staatsvertrags über den

Schutz der Menschenwürde und den Jugendschutz in Rundfunk und Telemedien

Jugendmedienschutz-Staatsvertrag — JMStV) gern. § 17 Abs. 3 JMStV.

6 Eingeschlossen sind neue oder wiederkehrende Spezialfelder wie „Saufforen" oder „Würgespiele

mit Strangulierungsanleitungen" genauso wie „Selbstmordforen" und „Hassseiten" sowie

„Extremismusplattformen", um nur einige Beispiele aus dem letzten Jahresbericht von

Jugendschutz.net zu zitieren.

27 Hans-Bredow-Institut (Hg.): Analyse des Jugendmedienschutzsystems — Jugendschutzgesetz und

Jugendmedienschutz-Staatsvertrag. Endbericht 2007. Hamburg: Hans-Bredow-Institut.

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