Pedro Cabrita Reis True Gardens #6 (Graz) - Aktuelle Kunst in Graz

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Pedro Cabrita Reis True Gardens #6 (Graz) - Aktuelle Kunst in Graz

Presseinformation

Pedro Cabrita Reis. True Gardens #6 (Graz)

2 Seiten

Pedro Cabrita Reis

True Gardens #6 (Graz)

Kunsthaus Graz am

Landesmuseum Joanneum

Lendkai 1, A–8020 Graz

presse@kunsthausgraz.at

www.kunsthausgraz.at

T +43-316/8017-9213, F -9212

Die anspruchsvolle und dominante Architektur des Kunsthaus Graz evoziert die verschiedensten

Ausstellungstypologien und regt in hohem Maße ein Programm an, das Künstler und

Künstlerinnen berücksichtigt, die in ihrer künstlerischen Praxis die Entwicklung von

ortsspezifischen Projekten anvisieren, die auf den Charakter der architektonischen

Gegebenheiten reagieren. Das Obergeschoß des Kunsthaus Graz (der so genannte Space01)

stellt in seiner Monumentalität und ungewöhnlichen Geometrie eine ganz besondere

Herausforderung dar – sowohl für die künstlerische Vorstellungskraft als auch für die

kuratorische Praxis. 2004 artikulierte Sol LeWitt mit seinem beeindruckenden installativen

Meisterwerk Wall (als überwältigendem künstlerischen Statement einer einzigartigen Kraft, das

er eigens für das Kunsthaus Graz entworfen hat) die Potenzialität dieses Raumes in äußerster

Vollendung.

Die Installation True Gardens #6 (Graz) des portugiesischen Künstlers Pedro Cabrita Reis (geb.

1956 in Lissabon) markiert einen weiteren kühnen und radikalen Versuch der Eroberung und

gleichzeitigen Zähmung dieses widerborstigen und subversiven Raumes. Pedro Cabrita Reis ist

ein Meister der Koexistenz. Sein imposanter Werkkatalog umfasst Architektur, Plastik und

Malerei und setzt sich aus ganz alltäglichen Stoffen zusammen – banale Alltagsumgebungen,

Baumaterialien und eine architektonische Semantik, die er sich aus der Alltagswirklichkeit

angeeignet und auf wundersame Weise in Altare einer beinah spirituellen Erfahrung verwandelt

hat. In der Praxis seiner Alchemie des Alltäglichen verwandelt der Künstler Wohlvertrautes in

Erhabenes, Triviales in Kostbarkeiten, und erreicht so die sublimen Ebenen der menschlichen

Wahrnehmung, Emotion und Würdigung der Welt.

Eigens für das Kunsthaus Graz entwickelt, stellt Cabrita ReisTrue Gardens #6 (Graz) ein

weiteres Kapitel in einem laufenden Projekt der Erforschung eines Mikrokosmos der

ursprünglichen Dinge dar. Die vorangegangenen Versionen wurden in Le Crestet, Stockholm,

Dijon, London und Benevento realisiert und gingen immer eine ganz besondere, extrem

persönliche Beziehung mit dem jeweiligen Schauplatz und dessen besonderem Genius Loci ein.

True Gardens #1 (Le Crestet) umfasste zum Beispiel eine Spiegelsammlung, die von zwei

emaillierten Paneelen unterbrochen war, und sich auf einer Plattform aus Holz im Innenhof des

Kunstzentrums befand, was eine Synergie zwischen der natürlichen Umgebung und dem Einsatz

industrieller Materialien erzeugte. Bei True Gardens #2 (Stockholm) und True Gardens #3 (Dijon)

hingegen wurde eine innere Landschaft aus Licht aufgebaut, deren Intensität mit dem Volumen


des Innenraums zusammenwirkte und auf diese Weise eine vielstimmige räumliche Erfahrung

erzeugte, die alle Sinne ansprach. Pedro Cabrita Reis betritt das beinah neobarocke

Obergeschoß des Kunsthauses Graz mit ungewöhnlicher Bescheidenheit und Demut: Seine True

Gardens #6 (Graz) sind ein Labyrinth aus Licht und Glas, das auf Holztramen aufliegt und sich

einer Ordnung folgend auf die offene gekrümmte Fläche des Space01 verteilt. Auf diese Weise

erinnern sie durch ihre strenge Horizontalität und Ebenheit an ein Gemälde der möglichen

Erzählungen, das sowohl Harmonie als auch Kontrast verkörpert, das gleichzeitig sowohl eine

Geste des Dissens darstellt als auch den Raum, in dem es zu Gast ist, und dessen dynamische

Geometrie umarmt. Die industriellen Materialien (Neonröhren, Glasplatten, derbe Holztramen,

meterweise Stromkabel) und die sichtbaren Zeichen eines Arbeitsprozesses verwandeln den

Raum in eine gewaltige Baustelle, an der geistige und körperliche Arbeiten zur Aufdeckung einer

Bedeutung und eines Geheimnisses innerer und äußerer Welten beitragen. Cabrita Reis

performative Installation versprüht die Intensität des Lichts und die Ruhe, die zu einer beinah

beunruhigenden Stille mutiert, erzeugt eine poetische Dimension, die den Raum in einen Ort der

Kontemplation und einen melancholischen Palast der räumlichen Kommunion verwandelt.

In Pedro Cabrita Reis’ Worten sind Gärten Geometrie für die Natur. Sie drücken die utopische

Suche des Künstlers nach Klarheit und Ordnung aus, in einer Welt, die von aggressiven

Diskursen und oberflächlicher Rhetorik beherrscht ist. Einer solchen mythologischen Hülle wohnt

ein Ort der Wahrheit inne: durchsichtig, reflektierend, nackt, eine Landschaft der elementaren

Leidenschaften und des fundamentalen Wissens, eine Sammlung der Emotionen und

Assemblage der Erinnerungen.

„Ich glaube, dass man in jedem Kunstwerk diesen sehr eigenen, kurzen und stillen Moment

erkennt, in dem man Intelligenz erfährt; eine absolute und totale Intelligenz, durch die alles

zueinander führt … Da Kunst eine Offenlegung all unserer Ängste ist, kann sie weder das Leben

ändern noch den Tod erklären. Diese prachtvolle Unfähigkeit, uns eine Vorsehung anzubieten,

unterscheidet Kunst von Wissenschaft, Religion und Philosophie. Als Streben nach

Bedeutung/Sinn könnte dies auch (warum nicht?) eine Suche nach Schönheit sein. Ich betrachte

meine Arbeit gerne als Teil dieser Denkweise …“

Kuratoren: Adam Budak, Peter Pakesch

Eröffnung: 01.02.2008, 19:00 Uhr

Laufzeit: 02.02.-18.05.2008

Di – So 10:00 – 18:00 Uhr

Kunsthaus Graz, Space01

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