Kräuter Welten - Burkhard Bohne

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Kräuter Welten - Burkhard Bohne

Er ist Kräuterexperte aus Leidenschaft.

Burkhard Bohne leitet

den Arzneipflanzengarten der

TU Braunschweig, gibt Kräuter-

Seminare, engagiert sich für

historische Apothekergärten

und ist erfolgreicher Autor

von Kräuter-Büchern.

3.Teil

Duftkräuter

1.

im April

Mediterrane

Kräuter

2.

im Mai

Teekräuter

Heftnachbestellungen bitte unter: 030 46406 111

In den nächsten

GartenFlora-Heften:

Essbare Blüten

Unsere Serie

Kräuter

Welten

mit Burkhard

Bohne

4.

im Juli

5.

im August

Heilkräuter


A

romatische Kräuter werden seit vielen Jahrtausenden auch

oder gerade wegen ihres Duftes gern verwendet. Von jeher

werden ihnen besondere Eigenschaften zugeschrieben:

Rosmarin und Majoran machen lebhaft und fröhlich, Minze erfrischt

den Geist. Beifuß erhöht die Wachsamkeit. Hopfen und

Lavendel beruhigen die Nerven. Und Rosen sind bis heute ein

Symbol für die Liebe, und der liebliche Duft mancher Sorten kann

in der Tat sehr betörend sein. Während bei den Rosen die Blüten

im Duft-Zentrum stehen, sind es bei den Kräutern die Blätter. Für

deren kräftigen Duft sind die ätherischen Öle in den Blattzellen

verantwortlich. Viele Düfte werden beim Streicheln oder allein

schon durch die wärmenden Sonnenstrahlen aktiviert. Geben Sie

Ihren Kräutern darum einen sonnigen Standort, dann duften sie

besonders intensiv.

Planen Sie einen Duftpflanzengarten an einem sonnigen und

windgeschützten Platz. Nur hier kann er seine belebende oder

entspannende Wirkung voll entfalten. Für mich sind Natursteinmauern

oder Mauern aus Ziegeln der ideale Schutz. Die Mauern

brechen den Wind, speichern die Wärme des Tages und geben sie

abends wieder ab. In diesem Mikroklima wachsen Kräuter üppig

und bleiben gesund. In dem ummauerten Gartenraum schafft

sich der Gärtner eine eigene Welt, die zum Genießen und Verweilen

einlädt. Gestalten Sie den Duftgarten möglichst kleinteilig,

mit mehreren Wegen und Beeten. Es entstehen wohltuende Dufträume,

in denen ein Sitzplatz nicht fehlen darf, besser noch sind

zwei oder drei. In meinem Duftgarten gedeihen einjährige und

mehrjährige Duftpflanzen. Besonders schön finde ich mediterrane

Gehölze wie Oleander, Zitrus, Zitronenverbene oder Engelstrompete.

Letztere entfalten ihren ganz eigenen Duft, den nicht

jeder mag. Im Winter ziehen die Kübelpflanzen ins kühle Winterquartier

um. Die kräftig duftenden Halbsträucher Salbei, Weinraute,

Ysop und Lavendel bleiben über viele Jahre im Garten und

dienen mir als Gerüst für die Gestaltung der einzelnen Beete. Ich

pflanze sie gern in Tuffs oder als kleine Hecken. Ein- und zweijäh-

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3.

Teil Duft liegt in

der Luft

Im Kräutergarten duftet es herb, süß oder lieblich, aber

immer aromatisch. Lassen Sie uns tief in die Welt der Duftkräuter

eintauchen. Düfte steigern Emotionen – und so

wird der Duftgarten zu einem ganz besonderen Erlebnis.

Es macht viel Spaß, Duftpflanzen selbst zu ziehen.

Die Weinraute wird zeitig im März ausgesät

und wächst bis zum Auspflanzen im Blumentopf.

rige Kräuter und mehrjährige Stauden sind auch mit von der Partie.

Sie bewachsen größere Flächen und bringen mit ihren Blüten

Farbe in den Garten. Meine Favoriten sind würziger Anisysop, an

Orangenschale erinnernde Gewürztagetes, zitronenduftende Monarden,

herbe oder liebliche Duftgeranien und die so unterschiedlich

duftenden Minzen. Kriechende Kräuter wie der herbe

Quendel oder Zitronen-Thymian sind sehr robust. Sie finden ihren

Platz in Beeten, auf Wegen oder in einem Duftrasen. Ergänzt

werden die eher niedrig wachsenden Kräuter durch Kletterpflanzen,

Rosen und Sträucher. Ich bevorzuge die historischen Rosensorten,

wie die intensiv duftenden Damaszener Rosen, oder

Wildformen, denn sie sind sehr robust und pflegeleicht.


Kräuter eintopfen

Sobald es im Frühjahr schön warm wird,

topfe ich meine jungen Kräuter um. Tontöpfe

sind besonders gut geeignet: Sie

sind standfest und lassen die Erde gut

atmen. Die Blumentöpfe sollten groß

genug sein und Löcher im Boden haben.

Auch das Substrat ist wichtig. Erfahrene

Gärtner haben da ihre speziellen Rezepte.

Für den Laien empfehle ich hochwertige

Blumenerde aus dem Handel. XXX Hier

noch was zu Spezialerden?XXX Sie ist ausgewogen

gedüngt und hat eine stabile

Struktur. So sind die frisch getopften

Kräuter über Wochen gut versorgt. Vor

dem eigentlichen Eintopfen decke ich die

Löcher im Topfboden mit Kieselsteinen

oder mit Tonscherben ab und fülle etwas

Erde in den Topf. Dann halte ich den Wurzelballen

meiner Pflanze in den Topf und

fülle Erde bis zum Rand auf. Die Erde wird

leicht angedrückt, so entsteht ein praktischer

Gießrand. Das verhindert, dass die

Erde beim Gießen aus dem Topf

geschwemmt wird. Wenn ich fertig bin,

stelle ich alle Kräutertöpfe an ihren Platz

und gieße sie gut an.

Ein Duftgarten

auf der Terrasse

Wer wenig Platz hat, kann seinen Duftkräutergarten

auch auf der Terrasse anlegen. Gut aufeinander abgestimmte

Kübel wirken harmonisch und bringen

viel Ruhe in die Gestaltung. Egal ob Terrakotta, Holz,

Kunststoff oder Blech, alle Arten von Töpfen sind

erlaubt und für Kräuter gut geeignet. Hauptsache,

sie haben ein Abzugsloch. Die Kräuter müssen alle

paar Jahre umgetopft werden. Am besten im Frühjahr.

Nach dem langen Winter sind Kräuter für mehr

Platz im Topf und frische Erde sehr dankbar. Topfkräuter

trocknen schnell aus und benötigen im

Sommer regelmäßig Wasser. Gut ist es, sie tiefgründig

zu gießen und den Ballen vor dem nächsten Gießen

wieder abtrocknen zu lassen. Außerdem brauchen

Kräuter ab und zu eine Gabe Flüssigdünger.

Zu viel Dünger

lässt den Duft

verschwinden.

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Für mich gibt es nichts Schöneres,

als nach getaner Gartenarbeit

zwischen den duftenden Kräuterbeeten

ein wenig zu verweilen.

Hier kann ich abschalten, die Seele

ein wenig baumeln lassen und

den Garten als Quelle der

Inspiration genießen.

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Schönes mit Duftkräutern

Lavendelsträuße Im Hochsommer ist es Zeit für die Lavendelernte. Der

Lavendel wird erst dann geschnitten, wenn er voll aufgeblüht ist. Die

Stängel zu kleinen Sträußen bündeln und zum Trocknen aufhängen.

Duftsäckchen Seit uralten Zeiten werden getrocknete Lavendelblüten

zerkleinert und in Stoffsäckchen gefüllt. Sie erfrischen die Raumluft oder

werden gegen Motten in den Wäscheschrank gelegt. Auch andere getrocknete

Kräuter eignen sich für die aromatischen Duftsäckchen.

Kräuterstrauß Rosen und Duftgeranien verströmen ihren zarten Duft in

diesem kleinen, unaufdringlichen Glasgefäß. Schneiden Sie duftende

Kräuter immer frisch, als Dekoration oder als kleine Aufmerksamkeit.

Kranz aus Pfefferminze Ungewöhnlich ist dieser selbst gebundene

Kranz aus blühender Minze. Er gibt Ihrer Tischdekoration eine erfrischende

Note, denn die Minzeblättchen erfüllen die Luft den ganzen

Abend mit ihrem Duft. Anschließend trocknen und als Tee genießen.


Ein Garten für

die Sinne

Einkaufszettel

für den Duftgarten

2 xMuskateller-Salbei

je 3 x Anisysop, Lavendel

je 1 x Minze, Zitronenmelisse

2 x Bronzefenchel

1 x Zitronen-Thymian

2 x Zitronenverbene

je 2 Zitrus, Engelstrompete

und Oleander

8 x Duftgeranien

Gewürztagetes, Aussaat

Im nächsten Heft: Blüten zum Vernaschen

Mein Gestaltungstipp

Der Duftgarten muss nicht besonders groß sein,

oft reicht schon ein kleiner Gartenteil aus, am

besten im Schutz einer Mauer. Der Gartenraum

ist formal gestaltet und fast spiegelgleich aufgebaut:

Die Gartenbank vor der Mauer wird von

duftenden Kübelpflanzen wie Oleander, Zitrus oder

Engelstrompeten links und rechts eingerahmt. Sie

können durch Frucht-Salbei oder Schopf-Lavendel ergänzt

werden. Die nicht winterfesten Arten werden in

Töpfe gepflanzt und können so leicht ins frostfreie

Winterquartier gebracht werden. Die zwei L-förmigen

Beete geben dem Duftgarten Struktur und schaffen

gleichzeitig einen schön gestalteten Eingangsbereich.

Sie sind abwechselnd mit niedrigen oder höheren

Duftkräutern wie Lavendel, Muskateller-Salbei,

Gewürztagetes, Anisysop, Thymian oder Minze

bepflanzt. Zwei Töpfe mit Zitronenverbenen stehen

als duftende Wächter am Eingang. Blickfang im Zentrum

des Gartens ist ein kreisrundes Beet mit einer

Wasserschale in der Mitte. Hier wurden Rosen- und

Zitronen-Duftgeranien und viele andere spannend

duftende Sorten gepflanzt. Alle Beete sind mit Naturstein

eingefasst. Die Flächen zwischen den Beeten

sind geschottert, befestigt und mit Kies bedeckt.

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Fotos: Christian Gehler, Friedrich Strauß, Flora Press, Fotolia. Illustrationen: Susanne Thurn

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