Chronik ansehen - SPD-Nassau

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Chronik ansehen - SPD-Nassau

1918 1993

Rudolf Scharping

Vorsitzender

der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands

und rheinland-pfälzischer Ministerpräsident

„Wir brauchen

Solidarität“

Ich gratuliere der SPD Nassau/Lahn herzlich zum

75. Jubiläum. Das ist ein Anlaß zum Feiern und

vor allem ein Anlaß, an die Genossinnen und Genossen

zu erinnern, die in diesen 75 Jahren in und

mit unserer Partei für ein besseres, gerechteres

und friedlicheres Leben gearbeitet und gekämpft

haben. Ihnen allen danke ich für ihr besonderes

Engagement. In den ersten Jahren war die Arbeit

unserer Gründungsmitglieder schwer. Wer sich zur

Sozialdemokratie bekannte, mußte oft schwere

persönliche Nachteile hinnehmen. Die Nationalsozialisten

haben Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten

verfolgt. Das darf bei einem Rückblick

nicht vergessen werden. Am 1. Januar 1946

wurde wieder ein Nassauer Ortsverein gegründet

und seither bestimmt die SPD maßgeblich das

politische Handeln der Stadt. In vielen Bereichen,

dem Schul- und Sportzentrum, wie dem Jugendzentrum,

den Kinderspielplätzen oder bei Kulturveranstaltungen,

denken wir nur an die kreisbekannte

Veranstaltung „Rock im Tal“, wird deutlich,

was Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten

verändert und erreicht haben.

Die SPD in Rheinland-Pfalz kann wieder steigende

Mitgliederzahlen verbuchen. Das freut mich sehr,

und ich heiße die neuen Genossinnen und Genossen

herzlich willkommen. Ihr Wille zur aktiven Mitarbeit

zeigt, daß wir mit der Öffnung der Partei und

der Einbeziehung der Parteibasis bei Entscheidungen

auf dem richtigen Weg sind. Viele Menschen

stehen den Parteien skeptisch gegenüber, überzeugen

wir sie davon, daß sie sich bei uns an den

politischen Prozessen beteiligen und Einfluß auf

die Entscheidungen nehmen können.

Bitten wir sie um ihren Rat und Ihre Vorschläge.

Der Begriff „Politikverdrossenheit“ ist in den letzten

Jahren sehr in Mode gekommen. Wir dürfen uns

davon nicht verleiten lassen, denn Engagement ist

vorhanden. Wir sehen es doch in den Tarifauseinandersetzungen,

in den vielen Initiativen für Umwelt-

schutz oder Menschenrechte und beispielsweise in

dem Engagement der Bad Kreuznacher Schüler-

Hilfsaktion für die Kriegsopfer im ehemaligen Jugoslawien.

Ich begrüße diese politischen Aktivitäten,

weil jeder Beitrag wichtig ist und ich nicht dazu

neige, die Partei für den Horizont der Politik zu halten.

Aber in Deutschland hängt vieles davon ab, ob

die Sozialdemokratie auf dem Posten ist. Wir stehen

vor der großen Aufgabe der staatlichen Einheit

Deutschlands die soziale, wirtschaftliche und kulturelle

Einheit folgen zu lassen. Für den schwierigen

Prozeß des Zusammenwachsens brauchen wir

Solidarität. Es muß bewußt werden, daß wir keine

westdeutsche Verteilungsgesellschaft mehr sind,

sondern eine gesamtdeutsche Aufbaugesellschaft.

Was diesen Prozeß angeht, bin ich zuversichtlich.

Solidarität ist ein Kennzeichen unserer 130 Jahre

alten Partei. Fehlentwicklungen können nur gemeinsam

abgewendet werden. Dazu gehört neben

dem solidarischen Handeln in der Politik auch die

praktische Solidarität im alltäglichen Leben. Thomas

Jefferson hat einmal treffend gesagt: „Nichts

ist mühsam, was man willig tut“. Das könnte eine

Leitlinie sein für dringend erforderliche Öffnung der

SPD nach Osten und für die anhaltende Unterstützung,

die aus dem Westen heraus auch weiterhin

zu leisten sein wird.

Es gibt viele Menschen, die in unserem Land etwas

verändern wollen, laden wir Sie ein, gemeinsam

mit uns für soziale Demokratie zu arbeiten.

Denn Mehrheiten in der SPD sind wichtig, aber

Mehrheiten in der Gesellschaft sind entscheidend.

Wenn wir gemeinsam wollen, können wir auch etwas

erreichen.

In diesem Sinne wünsche ich der SPD in Nassau

viel Erfolg und eine schöne Jubiläumsfeier!

Euer

Rudolf Scharping


1918 1993

Kurt Beck MdL

SPD-Fraktionsvorsitzende im

rheinland-pfälzischen Landtag

„Der Mensch im

Blickfeld unseres

Handelns“

Vor 75 Jahren wurde der SPD-Ortsverein Nassau

gegründet. Gewiß ein besonderer Grund zur Freude

und ein willkommener Anlaß zum Feiern. Doch

auch ein Moment, um 75 Jahre Revue passieren

zu lassen und einen Blick in die Vergangenheit zu

werfen.

1918-ein Jahr des Umbruchs, die Zeit der deutschen

Revolution und 1919 schließlich die Gründung

der Weimarer Republik. Die Folgen des 1.

Weltkrieges und der Versailler Friedensvertrag

waren schwerste Belastungen, die auf die junge

Demokratie drückten. Durch die Inflation in große

wirtschaftliche Not geraten, zählten im Jahre 1926

über 50% der Bevölkerung zu der wirtschaftlichen

Unterschicht. Die Arbeitnehmer mußten in dieser

Zeit erleben, dass sie einen großen Teil zur Bewältigung

der Kriegsfolgelasten beizutragen hatten,

während die Unternehmerseite eine entsprechende

Bereitschaft vermissen ließ. Die Sozialdemokratinnen

und Sozialdemokraten aus Nassau veranstalteten

daher öffentliche Volksversammlungen

gegen Preissteigerungen und soziale Ungerechtigkeiten.

Es folgten Jahre, in denen die junge Pflanze

Demokratie in unserem Land zerstört wurde.

1945, nach dem Zusammenbruch des nazistischen

Deutschlands, galt Demokratie als Leitbild

für den Aufbau des gesamten gesellschaftlichen

Lebens. Der große Erfolg der SPD bei den Bundestagswahlen

1972 und der Name Willy Brandt

stehen für die erfolgreichsten Jahre der deutschen

Sozialdemokratie.

Rudolf Scharping - einer aus unseren Reihen -,

der heute an der Spitze unserer Partei steht, hat

durch seine bürgernahe Politik das Vertrauen der

Menschen gewinnen können, das ihn zur Übernahme

von Regierungsverantwortung befähigt. Gewiß

wird das kommende Jahr mit Kommunal-, Europa-

und Bundestagswahlen arbeitsintensiver werden;

doch es wird unser Jahr sein. Es wird für Euch eine

große Chance sein, in den Kommunen, in den Verbandsgemeinden

und im Rhein-Lahn-Kreis noch

stärker zu werden. Für uns alle ist es die Chance,

endlich mit Rudolf Scharping in Bonn die unsoziale

Kohl-Regierung abzulösen.

Wir stehen heute vor einer der größten Herausforderungen

der vergangenen Jahrzehnte. Wir haben

zwar die staatliche Einheit Deutschlands erreicht,

aber von einer wirklichen Einheit der Gesellschaft

sind wir Jahre entfernt. Die Suche nach neuen

Ideen und neuen Politikansätzen ist unerläßlich.

Dabei muß der Mensch wieder ins Blickfeld unserer

Bemühungen und unseres Handelns rücken.

Themen wie Arbeitslosigkeit, sozialer Abbau oder

Wohnungsnot sind Probleme, die die Menschen

wirklich bewegen. Hier sind wir als Sozialdemokraten

eine kompetente und vertrauenswürdige Kraft,

die den Menschen ein Signal nach vorne geben

kann.

In diesem Sinne wünsche ich dem SPD-Ortsverein

Nassau/Lahn weiterhin viel Erfolg und einige

schöne gemeinsame Stunden anläßlich der Jubiläumsfeier.

Kurt Beck MdL


1918 1993

Gert Danco

Regierungspräsident

Fester Standort

in Stadt und

in Region

Das Jahr 1918 war ein hochpolitisches. Der

schreckliche Krieg hatte im Osten ein Ende gefunden,

nun endete er auch an den Westfronten.

Mit ihm brach das Monarchische System zusammen,

der Kaiser mit den ehemals großen Sprüchen

suchte sein Heil in der Flucht ins holländische Exil.

Es folgte die Ausrufung der Republik, die Grundlagen

für einen demokratischen Rechtsstaat wurden

wenig später von der Weimarer Nationalversammlung

gelegt.

In diese Zeit der militärischen Niederlage und des

Umbruchs der Staatsform fällt die Gründung eines

SPD-Ortsvereins in Nassau. In den industriell

ausgerichteten Landesteilen hatte sich die Partei

bereits seit Jahrzehnten etabliert, schon vor dem

1. Weltkrieg stellten die Sozialdemokraten die

stärkste Fraktion im Reichstag. Aber erst jetzt,

ohne Dreiklassen-Wahlrecht und ohne einen verfassungsmäßig

überstarken Monarchen, konnte

demokratische Politik beginnen, aufbauend auf der

Arbeit der örtlichen Organisationen, die sich über

die Bezirke und die einzelnen Länder bis an die

Spitze des Reiches fortsetzte. Der hoffnungsvollen

Arbeit war nur ein kurzer demokratischer Zeitraum

vergönnt, denn nur 15 Jahre später, im Jahre 1933

wurde die Partei verboten. Benachteiligungen, Beschimpfungen

und Verfolgungen setzten noch weit

schlimmer ein, als zu Zeiten der Monarchie.

Im Jahre 1946, am 1. Januar, wird die Partei neu

begründet, nachdem in den Monaten zuvor die übriggebliebenen

Parteifreunde die nötige Vorarbeit

geleistet hatten. Die SPD hat durch konstruktive,

an den Interessen der Mitbürger orientierte Politik

ihren festen Standort in der Stadt und in der Region

gefunden. Sie hat einen hohen Anteil an der

Aufwärtsentwicklung der Heimatstadt und ihres

Umlandes. Seit 1979 bilden Sozialdemokraten die

stärkste Fraktion im Stadtrat der Stadt Nassau.

Ich wünsche allen Mitgliedern des SPD-Ortsvereins

Nassau auch für die Zukunft viel Glück, ich

wünsche der Partei gute Erfolge durch eine saubere,

ideenreiche Politik, durch Gerechtigkeit gegenüber

allen Bürgern, durch fairen Umgang mit

Andersdenkenden. Ich danke allen, die bisher in

diesem Sinne politisch gearbeitet haben.

Gerd Danco


1918 1993

Kurt Schmidt

Landrat des Rhein-Lahn-Kreises

Streiter für

Gerechtigkeit und

sozialen Frieden

1918, im Übergang der Monarchie zur Weimarer

Republik gegründet, schwierigste politische und

wirtschaftliche Verhältnisse zu bewältigen, hierbei

nicht als Zuschauer tatenlos zugesehen, sondern

mit der Gründung des Ortsvereins prägend gestalterisch

mitgewirkt. Schwere Zeiten meisternd,

in der Naziherrschaft unglaublichen Repressalien

ausgesetzt, ja und heute quicklebendig dem

Grundgesetzauftrag Art. 21 „Parteien wirken bei

der politischen Willensbildung mit...“ folgend.

Hierbei nicht verkennend, daß sich Deutsch-Land

und -Leute nicht nur in einer tiefen wirtschaftlichen

Rezession sondern in einem Demokratietiefbefinden,

dessen Ursachen zwar immer wieder erörtert

aber ob der komplizierten Vernetzung noch kaum

gedeutet wurden. Gerade nach dem jähen Ende

unserer auf Wachstum und Wohlstand gegründeten

Schönwetter-Demokratie herrscht bei allen

Karl Peter Bruch MdL

SPD Unterbezirksvorsitzender

Kontinuierliche Arbeit

zum Wohle der Bürger

75 Jahre Sozialdemokratie in Nassau sind ein

Grund zum Feiern. Zum Feiern einmal für die Sozialdemokraten

in Nassau aber auch für die ganze

Bürgerschaft. Ohne Sozialdemokraten gäbe es

keine demokratische Entwicklung in der Weimarer

Republik, wie auch in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg.

Die Geschichte des Nassauer Ortsvereins

zeigt die Höhen und Tiefen unserer jüngsten Geschichte.

Sie zeigt aber auch, daß man mit kontinuierlicher

Arbeit zum Wohle der Bürger viel erreichen

kann. Der SPD-Unterbezirk Rhein-Lahn ist

stolz darauf, verschiedene Ortsvereine in seinem

Kreise zu wissen, die dieses 75jährige Bestehen

nunmehr feiern können. Der Ortsverein Nassau

gehört dazu, und er hat in seiner Vergangenheit,

aber auch in seiner jetzigen Arbeit bewiesen, daß

er zu seiner Geschichte nicht nur stehen kann,

Verantwortlichen Rat- und Tatlosigkeit.

Wir alle und der SPD-Ortsverein in Nassau sind

dazu aufgefordert dagegen anzugehen, bevor Politikverdrossenheit

zur Demokratieverdrossenheit

eskaliert. Eine wichtige Aufgabe, der sich zu stellen,

mehr als lohnend ist. Einhergehend, daß die

Basis, und das sind unsere Ortsvereine, in dem

schon begonnenen und vorgesehenen Umbau des

Sozialstaates Streiter für die sozial Schwachen in

unserer Gesellschaft, für Gerechtigkeit und sozialen

Frieden, ein reiches Betätigungsfeld finden.

Meinen herzlichen Glückwunsch, verbunden auf

eine friedliche Zukunft und weiteres erfolgreiches

Wirken.

Kurt Schmidt

sondern daß er auch stolz auf diese Geschichte

sein kann. Die jetzige Arbeit läßt erkennen, wie die

Bürgerschaft die Sozialdemokraten und ihre Arbeit

bewertet. Ich wünsche mir für Nassau, aber auch

für den gesamten Rhein-Lahn-Kreis daß diese Arbeit

im Wahljahr 1994 gewürdigt wird und wieder

ein gutes Wahlergebniss erreicht werden kann.

Karl Peter Bruch MdL


1918 1993

Ein dreifach Hoch auf die deutsche Republik

1918 - Erwachen

aus der Narkose

Der 1. Weltkrieg 1914 - 1918, der erste Krieg zwischen

modernen Industriestaaten, führt zur Materialschlacht

an der Front. Zu Hause hungern die

Menschen. Ein Kriegsernährungsamt verteilt die

Nahrungsmittel. Dennoch - eine halbe Million Menschen

sterben an schlechter Ernährung.

Im Kriegstagebuch von Wilhelm Elbert,

Bäckermeister im Obertal, lesen

wir immer wieder, wie sich die Menschen

nach Frieden sehnen - und darauf

warten müssen:

„Freitag, 27. Oktober 1916: Morgen

Samstag können wir vielleicht in Urlaub

fahren. Ich freue mich schon jetzt

darauf. Meine Lieben daheim auch.

Es wird wieder viel vom Frieden gesprochen.

Ich sehne ihn auch herbei“.

„Montag, 24. Dez. 1917: „Weihnacht

1917“. Wir haben Nassauer Wache

Parole „Brandenburg“ (an der Eisenbahnbrücke,

Red.). Heut fängt der

Winter an. Wir haben die ganze Zeit

schon kalt, sehr kalt. Die Lahn ist stellenweise zugefroren

und heute schneit es, und es hat in der

Weihnachtsnacht viel Schnee gegeben. Hoffentlich

stehen wir Weihnachten 1918 keinen Posten mehr,

vielleicht haben wir dann Frieden“.

Dann September 1918. - Die Heimat wird, trotz des

heißersehnten Wunsches nach Frieden, vom Ruf

nach sofortiger Waffenruhe überrascht. Die Niederlage

schmerzt wie der Krieg: „Erwachen aus der

Narkose, Zorn, Wut, Anklage: Wir sind jahrelang

belogen worden und wir haben daran geglaubt wie

an ein Evangelium!“

Zehn Millionen Soldaten sind bis dahin eingezogen.

Zum Kriegsende sind 1,8 Millionen tot, 1 Million

gefangen und 4,3 Millionen verwundet, Widerstand

und Aufstand gegen sinnlose Opfer in einem

verlorenen Kampf waren aufgebrochen („Matrosenaufstand“).

In Nassau berichtet der Gedächtnisbrunnen auf

dem Marktplatz, 1923 von den Bürgern der Stadt

gestiftet, vom Leiden vieler Familien. Dort steht in

1918 1933

Stein gemeißelt: „Von 430 Männern, die auszogen,

Heim und Herd zu schützen, kamen 50 nicht wieder“.

Und die Stifter, die Bürger der Stadt Nassau,

errichten ihren Brunnen „den Kindern und Enkeln

zur Mahnung“.

Auch in Nassau erwacht mit Kriegsende aus der

Narkose, auf was wir heute nach 75 Jahren stolz

zurückblicken: Der „Nassauer Anzeiger“ vom 28.

November 1918 berichtet über die Gründung einer

Ortsgruppe des Arbeiterrates. Es ergehen Anfang

1919 öffentliche Aufrufe eines, wie es damals

heißt, „sozialdemokr. Vereins Nassau-L.“.

1923 von den Bürgern der Stadt gestiftet,

mahnt der Gedächtnisbrunnen auf dem

Marktplatz zum Frieden.

9. November -ein

deutsches Datum

Was war der Gründung des „sozialdemokr. Vereins

Nassau-L.“ vorangegangen?

Am 9. November 1918 treten zwei führende Sozialdemokraten

an die Stelle des Kaisers, der tags

zuvor ins politische Asyl abgewandert ist: Friedrich

Ebert wird Reichskanzler, Philipp Scheidemann

ruft die deutsche Republik aus.

Im Verlangen nach Frieden, Freiheit, Brot, verlassen

von Militär und Monarchie, besetzt durch „die

Franzosen“, binden selbst eher konservative Menschen

in Nassau ihre Hoffnung in die Sozialdemokratische

Partei Deutschlands.


1918 1993

Zitiert sei nochmals aus dem Tagebuch des Bäckermeisters

Elbert:

„Sonntag, 19. Jan. 1919: Heute war die große

Wahl zur deutschen Nationalversammlung. Der

Straßenverkehr war bis 10 Uhr gestattet. Minchen

und ich waren mit Karl und seiner Frau zusammen

wählen. Wir haben Scheidemann gewählt. Ich bin

neugierig was die Tage herauskommt“.

Das „Ausrufen der Republik“, die Übernahme der

staatlichen Macht durch Sozialdemokraten, weckt

also auch in Nassau die „sozialdemokratischen

Geister“. In der Folgezeit zeugt die Teilnahme an

Wahlen, die Gründung parteinaher Organisationen

sowie Ankündigungen und Berichte von Versammlungen

und Kundgebungen, von einer regen Tätigkeit

des Nassauer „Sozialdemokr. Vereins“.

„Die SPD der damaligen Zeit“, so schreibt der

Chronist Kurt Zimmermann, „war ein in sich geschlossener

„Kampfbund“ zur Durchsetzung der

Interessen der arbeitenden Bevölkerung“.

Viele Zeugnisse aus der Zeit zeigen, wie schwer

das Leben war: Lebensmittelkarten, Armenküchen,

Reichsnotopfer und Notgeld der Städte, sowie die

„Abführungspflichten nach dem Friedensvertrage“

bedrücken die Menschen, wie auch die galoppierende

Inflation.

Bäckermeister Elbert schreibt dazu unter dem 21.

Dezember 1919:

„Für Minchen habe ich ein Kleid geholt 3 1/2 m.

ä 35 Mk. Summa: 122 Mk. & 10 Meter Hemdenbieber

ä 16 Mk. = 160 Mk. Das kostete früher das

Meter 80 Pfennig bis 1 Mk.“

SPD hält Balance

der Macht

Die Sozialdemokraten halten die Balance der

Macht in der neuen Republik, vom 9. November

1918 bis zur Wahl einer verfassunggebenden Nationalversammlung.

Die Wahl am 19. Januar 1919

- von der Wilhelm Elbert meint „Ich bin neugierig

was die Tage herauskommt“ - bringt eine Dreiviertelmehrheit

der „Weimarer Koalition“, allein 37,9

Prozent für die SPD.

Schon in der ersten Reichtagswahl am 6. Juni 1920

verliert die Weimarer Koalition über ein Drittel der

Stimmen - und somit die Mehrheit im Parlament.

Eine sichere Spur, daß sich in Nassau jetzt ein

„sozialdemokr. Verein Nassau/L.“ gegründet hat,

findet sich Anfang 1919. In einem Wahlaufruf zur

Nationalversammlung durch Wilhelm Stork am 18.

Januar und einer öffentlichen Veranstaltung am 25.

Januar zum Preußischen Landtag treten die Nassauer

Sozialdemokraten in Erscheinung.

In Folge erscheinen zwei Aufrufe zur SPD Mitgliedschaft,

und zwar am 4. Februar durch Wilhelm

Schaub und am 11. Februar durch Wilhelm

Stork. Es finden Mitglieder- und Kreisgeneralversammlungen

statt. Die SPD nimmt an der Wahl der

Stadtverordneten teil.

Natürlich haben es die Gründer schwer. Ihnen

weht der Wind ins Gesicht. In einem Bericht über

den Ausschuß der bürgerlichen Parteien heißt es

im „Nassauer Anzeiger“ vom 16. Januar 1919:

„Herr Bürgermeister Hasenclever fordert die Anwesenden

auf, am 19. Januar geschlossen gegen die

Sozialdemokratie zu wählen“. Und in einem Wahlaufruf

vom 25. Januar 1919 schreiben die „Bürgerlichen“:

„Darum heißt‘s wiederum am Wahltage

Front gegen die Sozialdemokratie!“

Doch als ein „geschlossener „Kampfbund“ der arbeitenden

Bevölkerung“ gehört die SPD ab sofort

fest zur Stadtgeschichte - bis auch die Nassauer

Sozialdemokraten 1933 der brutalen Gewalt weichen

müssen.

Kurt Zimmermann

Gewerkschaftssekretär

Chronist der Nassauer

SPD-Geschichte von

1918-1946

Beigeordneter und Ehrenvorsitzender

der SPD

Kurt Zimmermann war als Gewerkschaftssekretär

und SPD-Kommunalpolitiker zeit

seines Lebens aktiv. Er hinterließ handschriftliche

Aufzeichnungen für die Jahre

1918 -1933 und für die Jahre 1945 /46.

Für die Jahre 1945 -1972 hinterließ Kurt

Zimmermann wichtige Unterlagen aus der

Stadt- und Parteigeschichte, die seine Frau

Minna Zimmermann nach seinem Tode der

Nassauer SPD übergab. Kurt Zimmermann

war Ehrenvorsitzender der SPD in Nassau.


1918 1993

Die Trikolore auf der Burg Nassau

Besatzung durch die französischen Truppen

Aus dem Tagebuch des Wilhelm Elbert können wir

unter dem Datum des 14. Dezember 1918 entnehmen:

„Heute kamen die ersten Besatzungstruppen hier

durch, Franzosen, es sollten ja Amerikaner hierher

kommen“.

Er berichtet von algerischen Truppen und Marokkanern,

„ lauter sonnenverbrannte Gesichter“.

Unter dem Datum 21. Dezember 1918 schreibt

Wilhelm Elbert:

„Seit mehreren Tagen weht auf der Burg Nassau

die Trikolore (französische Fahne). Das war auch

noch nicht dagewesen“.

Zu den Eß- und Trinkgewohnheiten der französischen

Truppen stellt Bäckermeister Elbert fest:

„Kartoffeln brauchen die nicht viel, und Rotwein ja

wenn man Fleisch ißt kann man auch Wein trinken

& umgekehrt wenn man Wein trinkt muß man

Fleisch essen.“

Ablieferungspflichten nach dem Friedensvertrag,

wie in der folgenden Aufforderung aus dem „Nassauer

Anzeiger“, stellen sicher, daß es an Fleisch

nicht mangelt, der Wein dagegen wird in Waggons

aus Frankreich geholt.

Wilhelm Elbert

Bäckermeister im Obertal Chronist eines

unfreiwilligen Soldatenlebens 1916-1919

Wilhelm Elbert (geb. 1876, gest. 1942 in

Nassau) war Bäckermeister im Obertal.

Er hinterließ ein Kriegstagebuch aus dem

I.Weltkrieg. Das Tagebuch beginnt 1916 mit

der Einberufung. Da war der Autor 40 Jahre

alt. Das Tagebuch endet 1919.

Auch über die damalige Ernährungslage

gibt das Tagebuch an mehreren Stellen

Auskunft:

Verfrorene Kartoffeln wurden verarbeitet.

„Die meisten waren weich, mußten aber

alle geschält werden.... In dieser Zeit darf ja

auch nichts weggeworfen werden, man muß

alle essen“.

„1/2 12 Uhr Essen. Gemüsesuppe mit Rindfleisch.

Ich hatte ein Stück erwischt, das war

so zäh und wenn mans noch 24 Stunden

gekocht hätte“.

Schlimmer traf es die zivile Bevölkerung.

Einen vom Heimaturlaub zurückkehrenden

Soldaten zitierte Elbert: „Er sagt sie hätten

es hier (in der Kaserne, Red.) besser als wie

daheim“.

Ärgerlich wurde Wilhelm Elbert, wenn es

nichts zu tun gab. So finden sich an mehreren

Stellen:

„Heute haben wir gefaulenzt. Hier drückt

man sich herum & zu Hause hätte man die

Hände voll zu tun“ oder „hier bummelt man

herum & daheim hätte ich Arbeit in Hülle und

Fülle“.

Der Abdruck aus dem Tagebuch des Wilhelm

Elbert erfolgt mit freundlicher Genehmigung

von Frau Waltraud Becker-Hammerstein,

Bonn.


1918 1993

... mit dem

Herzen dabei

„Die Mitglieder“, so berichtet Kurt Zimmermann

aus den turbulenten Jahren der Weimarer Republik,

„waren nicht nur mit dem Herzen dabei,

sie arbeiteten aktiv in „ihrer Partei“ mit. Die politischen

Aktivitäten wurden durch Gründung

parteinaher Organisationen verstärkt“.

So kam es zur Gründung einer Reichsbannergruppe,

eines Ortsvereins der Arbeiterwohlfahrt,

einer Ortsgruppe der Arbeiterjugend,

einer Ortsgruppe der Deutschen Friedensbewegung

und eines Arbeitergesangvereines

„Freundschaft“.

Es etablierten sich Niederlassungen der Einkaufs-

und Konsumgenossenschaft „Hoffnung“

und eine Arbeiterwohnsiedlung der Baugenossenschaft,

in der es hieß „Genossen = Eigentümer

= Bewohner“ - ein solidarisches Prinzip.

Man war stolz darauf „Genosse“ zu sein. Es

fanden regelmäßige Treffen in der „Krone“,

Gasthaus zur Traube, oder einfach bei „Pape“

statt. Die SPD hielt viele Versammlungen und

Kundgebungen ab. Sie beteiligte sich an allen

Wahlen.

Bekannte Namen, Schicksale lassen sich z.T.

noch rekonstruieren, über viele lassen sich Geschichten

erzählen.

Gründer und aktive Genossen

Wilhelm Stork

Aktiver in der „Sozialdemokratischen

Partei für den Unterlahnkreis“

Vor der Gründung der einzelnen sozialdemokratischen

Ortsvereine, so auch

in Nassau, gab es die „Sozialdemokratische

Partei für den Unterlahnkreis“.

Hier war Wilhelm Stork VI., Dienethal,

bereits tätig, bevor er auch bei uns zur

Wahl der Nationalversammlung am 18.

Jan. 1919 „In der letzten Stunde!“ und

am 25. Jan. 1919 „Das Banner steht!“

aufruft. Am 11. Febr. 1919 erfolgt sein

Aufruf zur Mitgliedschaft in Nassau.

Wilhelm Stork war Maurer und lebte

später in Sulzbach. Er war Mitglied im

Kreistag.

Wilhelm Schaub

(geb. 1894, gest. 1968)

„Er hat sich nicht unterkriegen lassen!“

Was veranlaßt einen jungen Mann, selbst schwerstbehindert

- Wilhelm Schaub hatte spinale Kinderlähmung

und mußte an Stöcken

gehen -, mit 26 Jahren

zur Gründung eines „sozialdemokr.

Vereins Nassau-L.“

aufzurufen. Sein Sohn, Theo

Schaub, berichtet aus Gesprächen

mit seinem Vater:

Mit jungen Jahren, kaum 20,

geht Wilhelm Schaub nach

Frankfurt, erlebt dort die Arbeitslosigkeit.

Nach dem 1. Weltkrieg kommt er

über Fulda zurück nach Nassau. Auch dort prägt ihn

das Schicksal der Arbeitslosen. Er spricht auf Bürgerversammlungen

die soziale Lage an, schreibt

Leitartikel hierzu und organisiert Versammlungen.

Schon das allein trägt ihm den Unmut bürgerlicher

Kreise ein. Als verbreitet wird, er bekomme für seine

Leitartikel Geld von der SPD - was nicht stimmt

-, treibt ihn das in deren Arme. Aus dem eher unpolitischen

aber sozial mitfühlenden Menschen wird

ein Sozialdemokrat.

Er macht sich - außer durch seine „sozialdemokratischen

Umtriebe“- unbeliebt, als er den Kon-

1926 besichtigte der Kreistag den Cramberger Stollen,

durch den ein Wasserkraftwerk betrieben wird. Wilhelm

Stork ist mit heller Jacke als 9- v.l. zu sehen. Aus

Nassau desweiteren: 5. v.r. Heinrich Fischbach (SPD)

und 6. v.r. der Oberbahnassistent Urfell (Zentrum)


1918 1993

sumverein in Nassau mitbegründet, der für sozial

Schwächere eine günstige Versorgung bietet. Wie

andere wird er hierdurch zur Zielscheibe heftigster

Anfeindungen. Er geht nach Wiesbaden, wo

er dann 1927 als selbständiger Hotelmakler tätig

wird.

Als solcher macht er, wie sich der Sohn erinnert,

1936 sein letztes Geschäft. Dann wird er von den

Nazis boykottiert, als Sozialdemokrat, aber auch

weil er Juden als Geschäftsfreunde und Mieter hat,

zu denen er den Kontakt offenhält, von denen er

sich nicht distanziert.

„Das war eine bittere, arme Zeit. Da hat Härte dazugehört,

und er hat sich nicht unterkriegen lassen!“,

erinnert sich der Sohn. Nach dem Zusammenbruch

der Nazidiktatur organisiert Wilhelm Schaub

als Mitstreiter der beiden Sozialdemokraten Philipp

Holl, Wiesbadener Bürgermeister, und dem

legendären Landtagspräsidenten Georg Buch, in

Wiesbaden die demokratischen Kräfte für den Aufbau

der Versorgung. Philipp Holl war übrigens im

gleichen Flecken geboren wie Wilhelm Schaub, in

Dörnberg, und wie dieser schwerbehindert. Er hatte

ein Bein im 1. Weltkrieg gelassen.

Christian Pape

und

Jettchen Pehl

Öffentliche Versammlungen des „sozialdemokr.

Vereins Nassau/L.“ fanden überwiegend

im Gasthaus „Zur Krone“ statt. Doch

traf man sich zu „wichtigen Mitgliederversammlungen“

auch privat, zum Beispiel

bei Christian Pape, oder häufig im Gasthaus

„Zur Traube“.

Christian Pape war Schmied und wohnte

in der Emser Str. 7. Im gleichen Haus

Neuwahl der Stadtverordneten-

versammlung am 12. März 1933

befand sich auch das „Gasthaus zur Traube“, betrieben

von seiner Schwester Henriette Pehl geb.

Pape, bekannt als Jettchen Pehl. Im Gasthaus „Zur

Traube“, so berichtet Kurt Zimmermann

in seiner Chronik, fanden auch Treffen

und Proben des Arbeitergesangvereins

„Freundschaft“ statt. Christian Pape

(auf dem Foto 3. v. I.) nahm für die

SPD an der 1. Stadtverordnetenwahl

1919 teil. Seitdem gestalten Sozialdemokraten

- mit Unterbrechung durch

die Nazidiktatur - im Stadtrat und der

Verwaltung die Nassauer Geschicke

bis zum heutigen Tage mit.


1918 1993

Nassauer

Stadtverordnetenwahl

1919

Wer waren die Menschen, die für die SPD neben

Christian Pape zur Nassauer Stadtverordnetenwahl

1919 antraten:

Ludwig Busch („Busche Louis“) war Metzger

in der Bachgasse 1 (wo jetzt die Metzgerei Hammerstein

ist). Unter dem 13. Januar 1920 wird

aufgerufen, dem Sozialdemokr. Verein Nassau

„Geschenke zur Neujahrsverlosung“ zukommen

zu lassen und hierüber „dem Vorsitzenden Louis

Busch Nachricht zu geben“.

Heinrich Flakus wohnte und arbeite auf dem Hollerich.

Gustav Steinkrüger war Elektromeister. Er kam

zu Elektroarbeiten ins „Kurhaus Bad Nassau“,

lernte seine Frau (geb. Petzold) kennen und blieb

hier. Im 1. Weltkrieg Soldat, richtete er nach dem

Kriegsende im „Haus Hofmann“ seinen Elektroladen

ein.

Gustav Steinkrüger war ein überzeugter Sozialdemokrat,

der ungemein darunter litt, daß die SPD

das Hochkommen der NSDAP nicht verhindern

konnte. Er starb, erst 48jährig, im Jahre 1932.

Julius Israel, geb. 1876, war Altwarenhändler und

betrieb einen Kramladen in der unteren Amtsstraße,

Ecke „Meusche-Gäßchen“ (später Elektro-Müller).

Julius Israel war Soldat im 1. Weltkrieg und

trotz seiner Armut ein sehr angesehener Mann. Er

starb Anfang der 40er Jahre in Godesberg.

Seine Frau Lina Israel (geb. Kaufmann, geb. 1878

in Osterspay) zog Ende der 30er Jahre zu einem

Bruder nach Godesberg. Sie wurde am 23.01.1941

im Bonner ehemaligen Kloster Endenich interniert

und in das KZ Lodz verschleppt. Sie kam von dort

nicht zurück. Eine Tochter von Julius und Lina Israel,

Frieda, ist noch rechtzeitig in die USA emigriert.

Bernhard Weimann, Beruf vermutlich Schneider.

Bernhard Weimann wurde am 27. Jan. 1920 als

Magistratsschöffe gewählt. Am 30. Mai 1924, nach

erneuter Stadtratswahl, wird er dann als 1. Beigeordneter

gewählt.

Stadtratswahl 1924

Bei der Stadtratswahl 1924 treten für die SPD in

Nassau Friedrich Gerhardt, Ludwig Busch, Christian

Paul und der Konsumleiter Herdegen an.

Weiterhin wird eine „kommunalpolitische Arbeitsgemeinschaft

Bergnassau-Scheuern“ gebildet, für

die antreten: Heinrich Fischbach, Karl Lotz, Heinrich

Redhardt, Bernhard Janetzki und August Linkenbach.

Zu den noch nicht genannten Personen

ist zu sagen:

Friedrich Gerhardt, Schreiner, wohnhaft in der

Kaltbachstraße, machte sich selbständig, als seine

Firma auf dem Hollerich viele Beschäftigte entlassen

mußte.

Herdegen, Leiter des Konsums „Hoffnung“ (Gewerkschaftsunternehmen).

Herdegen wurde 1921

als 1. Vorsitzender des „sozialdemokr. Vereins

Nassau/L.“ gewählt.

Christian Paul, Anstreicher, wohnhaft in der Feldstraße.

Heinrich Fischbach wird im Zusammenhang mit

der Gründung des Reichsbanner am 17. Sept.

1926 in Begnassau genannt. Er gehörte dem

Kreistag Unterlahn an.

Karl Lotz, war Maurer. Er wohnte wie Heinrich

Redhardt und Bernhard Janetzky in Bergnassau

bzw. Scheuern.

August Linkenbach, Schmied, beschäftigt bei der

Bahn, wohnte ebenfalls in Scheuern.

Stadtratswahl 1929

Bei der Stadtratswahl 1929 erringt die SPD 4 von

14 Mandaten. Bei der Beigeordnetenwahl geht sie

offenbar leer aus, als Schöffen werden gewählt

Heinrich Steeg und Kurt Zimmermann.

Heinrich Steeg, Lagerverwalter bei der Genossenschaft

in Koblenz, wohnhaft Kaltbachstraße,

kam bei einem Bombenangriff in Koblenz um

(1944/45).

Stadtratswahl 1933

1933, bereits nach der Bildung der Reichsregierung

durch Hitler, lassen sich für die SPD am 12.

März in den Stadtrat wählen der Leiter des „Kölner

Heimes“, Wilhelm Pütz, Heinrich Steeg und Wilhelm

Linkenbach.

Als durch die Nazis wegen sozialdemokratischem

Engagement verfolgt, sind bekannt Ludwig Busch,

Paul Lotz, Gärtner im Kurhaus, und Walter Haas.

Im Zusammenhang mit der Gründung von parteinahen

Organisationen werden in der Chronik von

1918 bis 1933 des Kurt Zimmermann noch genannt:

Karl Meier und Hans Rot als Gründer einer Arbeiterjugend

im Jahr 1930.


1918 1993

Zur

sozialen Lage...

Aus Csaba Forro, Das Wahlverhalten in der

Verbandsgemeinde Nassau 1931 - 32:

Vor dem 1. Wellkrieg hatte sich Industrie in der

Umgebung von Nassau (Eliesenhütte) angesiedelt.

Ein Zweigwerk der Siegener Eisenbahnbedarfs

AG beschäftigte in drei Betriebszweigen

(Waggonbau, Schraubenfabrikation und

Rohrherstellung) etwa 500 Arbeiter. Das ganze

Wirtschaftsleben der Gemeinde hatte sich auf

das Vorhandensein des Betriebes eingestellt.

Damals schon gab es nur wenige weitere Arbeitsplätze,

daher versuchten die Behörden die

Sicherung der Aufträge zu unterstützen.

Jeden Tag passierten Arbeiter auf dem Weg zur

Arbeit bzw. auf dem Weg nach Hause die Stadt

Nassau, kauften Lebensmittel und Bedarfsartikel

beiden Geschäftsleuten. Dies war nicht nur

für die Geschäftsleute günstig, sondern auch

für die Stadt Nassau, da sie hohe Steuereinnahmen

hatte.

Nach dem 1. Weltkrieg bleib die Siegener Eisenbahnbedarfs

AG zunächst erhalten. Mit

Beginn des Ruhrkampfes wurde das Werk stillgelegt.

Hinzu kam noch, daß die Stadt für eine

franz. Garnison Verpfl egung und Unterkunft bis

Bekannt als aktiver Sozialdemokrat

ist auch Sali Hofmann,

jüdischer Viehhändler, der ein

geselliger und lustiger Mensch

gewesen sein soll. Er gehörte

dem Vorstand der Konsumgenossenschaft

an. Hier der

Konsum „Hoffnung“ rechts im

Bild um 1930 zu erkennen.

Mai 1924 bieten mußte. Das führte schließlich

zu einer verheerenden Lage auf dem Wohnungsmarkt.

1924 - 1925 wurde das Werk für kurze Zeit

wieder eröffnet, beschäftigte jedoch nur eine

geringe Arbeiterzahl. Am 01.01.1932 wurde der

Betrieb ganz stillgelegt.

Der Haupterwerbszweig der Stadt, das Kleingewerbe

befand sich in einer schwierigen Lage,

da die Zahl der Arbeiter, die täglich durch Nassau

zogen geringer wurde. Dazu kam, daß viele

Familien nach Koblenz und Limburg einkaufen

fuhren. Allein der Kurbetrieb jedoch konnte die

Stadtkasse nicht wieder auffüllen. Die Steuereinnahmen

waren schon allein deshalb wichtig,

weil die Stadt die Fürsorgelasten der Erwerbslosen

zu tragen hatte. Am 01.01.28 gab es in

Nassau 100 Erwerbslose. Im August 1930 waren

es bereits 145 und im Dezember 167. Doch

es stieg nicht nur die Zahl der Arbeitslosen,

sondern auch die Zahl der NSDAP-Wähler.

Die NSDAP verstand es sehr gut, die notleidende

und gewinnsüchtige Bevölkerung zu begeistern

und „je nach Bedarf arbeiterfreundlich und

unternehmerfreundlich zu sein“.


1918 1993

Das Schreckensgespenst von

Verbot und Verfolgung

durch die Nazis

in Nassau

Noch spöttelt die Koblenzer SPD-Zeitung „Rheinische

Warte“. Im Sommer 1926 muß eine Sonnenwendfeier

der NSDAP in Dachsenhausen verboten

werden - wegen Maul- und Klauenseuche. Doch

schon wenig später im November 1926 wird nach

einem „Deutschen Tag“, vom Gau Rheinland veranstaltet,

ein Ortsverein der NSDAP in Nassau

gegründet. Die Wahlerfolge lassen nicht lange auf

sich warten. Hatten bei der 3. Reichstagswahl im

Mai 1928 nur 252 Nassauer ihre Stimme für die

NSDAP abgegeben - 377 Stimmen erhielt die SPD

- so sind es bei der Wahl im März 1933 schon 933

Stimmen für die NSDAP und nur noch 289 für die

SPD.

Am 24. März 1933 schaltet Hitler durch das „Ermächtigungsgesetz“

den Reichstag aus. Er schafft

mit dem Verbot der SPD und KPD und der erzwungenen

Auflösung der übrigen Parteien die Grundlage

zur Errichtung seiner Einparteiendiktatur.

Das Leiden der

jüdischen Mitbürger

Die Hetzkampagne gegen jüdische Geschäftsleute

macht zunächst einen Bogen um Nassau und Bad

Ems - aus Rücksicht auf die Kurgäste. Als angeblichen

„Dummenjungenstreich“ versuchen Parteistellen

eine judenfeindliche Kundgebung herunterzuspielen,

bei der am 1. Juli 1933 drei

jüdischen Familien in Nassau die Fensterscheiben

eingeworfen werden.

Bis 1937 sind die Juden durch „systematische

Ausschaltung aus allen Bereichen

des öffentlichen Lebens“ fast völlig isoliert.

In Nassau wurde daher im Mai 1937 eine

private jüdische Volksschule im Haus von

Walter Rosenthal gegründet, um für 10

Kinder den Unterricht sicherzustellen.

Der 10. November 1938 wird für viele Juden

in Nassau zum Schreckenstag: Die jüdische

Schule und Wohnungen von Juden

1933 - 1945

werden zerstört. Vor der Synagoge spielen Kinder

mit Gebetsbüchern und Kultgegenständen Fußball.

Von insgesamt 20 Angeklagten, die an den

Zerstörungen beteiligt sind, werden 1950/51 acht

zu Gefängnisstrafen bis zu maximal 2 Jahren verurteilt

- unter Anrechnung der Internierungshaft bei

den Alliierten. In Nassau lebten damals 58 Juden,

13 von ihnen emigrierten, 14 von ihnen werden in

KZs ermordet. In Nassau erinnert eine Gedenktafel

an diese Untaten.

Unmenschlichkeit

gegen Behinderte

Eine Augenzeugin berichtet von den Vorgängen

in den Heimen Scheuern: „1940/41

kamen zu den 400 Heimbewohnern noch

etwa 340 aus Eltville. Die Akten mußten

nach Berlin geschickt werden. Dort wurden

die geistig Behinderten zu „Idioten“ abgestempelt,

später mit Bussen abgeholt und

nach Herborn gebracht. Man hat nie wieder

etwas von ihnen gehört“. - Die Beschreibung

einer Zeugin über die Art und Weise, in der

die Zöglinge vergast werden, wollen wir uns

hier ersparen.

Kinder, die in der Schule auf dem Lahnberg

Zensuren unter 3 haben, müssen auf Anordnung

der Behörden durch den Anstaltsarzt

durch Spritzen umgebracht werden.

Der Arzt, selbst Vater von vier Kindern, hat

solche Todesurteile nie vollstreckt. Er wird

durch die schwere psychische Belastung

morphiumsüchtig.

Mahntafel, die an die Opfer der nationalsozialistischen

Gewaltherrschaft erinnert.


1918 1993

Verfolgung von politisch

Andersdenkenden

Im Zuge von Hitlers Ermächtigungsgesetz legen die Sozialdemokraten,

die trotz der heranziehenden Gefahr noch im

März 1933 in den Stadtrat einziehen, ihre Mandate nieder.

Die drei, deren Mut wie der vieler anderer zu bewundern ist,

sind der Leiter des „Kölner Heimes“ Pütz, Heinrich Steeg und

Wilhelm Linkenbach.

Bei fast allen Parteimitgliedern werden Hausdurchsuchungen

durchgeführt. Polizeiliche Überwachung und die tägliche Meldung

auf dem Polizeiamt kommen hinzu.

Walter Haas und Paul Lotz, Gärtner im Kurhaus, werden wegen

ihrer SPD-Zugehörigkeit verfolgt. Ludwig Busch („Busche

Louis“) wird verhaftet und in das KZ gebracht - als kranker

Mann kehrt er zurück. Im Zuge des berüchtigten 20. Juli 1944

werden weitere Nassauer Parteifreunde in Haft genommen

und nach Frankfurt deportiert. Mißhandlungen, verbunden

mit „Schutzhaft“, sind an der Tagesordnung.

Auch überzeugte Christen, wie der Zentrumsabgeordnete

Urteil, werden drangsaliert und ausgewiesen. Lassen wir die

Vergangenheit ruhen, ohne den Mantel des Schweigens darüber

zu breiten. Aber wachen wir über die Gegenwart, damit

dies nie wieder geschieht.

Nassauer

Schreckenstage

In der „Lazarettstadt“ Nassau

fühlten sich im 2. Weltkrieg die

Bewohner und die vielen hierher

gebrachten verwundeten Soldaten

und Evakuierten im Grunde sicher

vor Angriffen aus der Luft.

Doch als in Nassau 1944 ein Verladebahnhof

für Munition der Fernwaffe

V2 eingerichtet wurde, mußten

die Nassauer einige schwere

Luftangriffe über sich ergehen

lassen. Fast 300 Menschen ließen

ihr Leben unter den Trümmern.

Nach dem Ermächtigungsgesetz

ein weiterer Schritt in

die Einparteiendiktatur

Im Feuersturm

der Luftangriffe

Am 2. Februar fielen die schweren Sprengstoffbomben

und Luftminen zuerst in die Emser Straße

und dann in die Stadt.

Pfarrer Adolf Schlosser: „Immer wieder erfolgen

neue Einschläge, Man ist des Handelns kaum

fähig und erwartet jede Minute das Ende. Endlich

kommt die Entwarnung der Sirene! Wir gehen

staubbedeckt auf die Straße. Kein Haus ist

unbeschädigt. Auch Gebäude, die keine Bombe

traf, sind abbruchreif. Die Feuersbrunst kann sich

ausbreiten. Es kann nicht gelöscht werden, es ist

kein Wasser da. Zwei Menschen verbrennen lebendigen

Leibes. Niemand kann sie retten, da sie

eingeschlossen sind...“

Nassau war nach diesem Angriff mehr als zur Hälfte

zerstört. Über Hundert Personen ließen bei diesem

ersten Großangriff ihr Leben, 20 - 30 wurden

verletzt, 500 wurden obdachlos. In den ersten vier


1918 1993

Tagen danach mußten 2000 Personen

verpflegt, ein Großteil der

Bürger evakuiert werden.

Nach weiteren Luftangriffen erfolgt

der zweite Großangriff am

19. März 1945. Über das große

Unglück im als Bunker benutzten

Keller der Löwenbrauerei: „Dieser

Keller ist ein Ort des Todes. Er

wurde von vielen aufgesucht, sobald es Alarm gab.

Dieses Mal war er besonders voll...“

Eine Bombe traf den Keller, von den schweren

Mauern wurden viele Menschen begraben. Sie

wurden eingeklemmt oder erstickten. Nur wenige

konnten später lebend geborgen werden.

Über achtzig Tote waren zu beklagen. 80% des

Wohnraumes waren zerstört. Eine Massenflucht

aus Nassau setzte ein.

Befreiung

und

Besetzung

Am 27. März 1945 stießen amerikanische

Panzer über Dausenau, Hömberg

und Scheuern nach Nassau vor und beendeten

auch hier die Nationalsozialistische

Willkürherrschaft.

Nassau fiel dann später aber der französischen

Besatzungszone zu. Alle

NSDAP Mitglieder wurden ihres Amtes

enthoben und zu Aufräumarbeiten in

den verschütteten Straßen eingesetzt.

Der Schadensplan von Nassau zeigt die Zerstörung der Stadt (oben).

Die Mahnstätte im Eimelsturm hält die Erinnerung an die Toten

und die Mahnung zum Frieden wach (links)

Die Opfer

klagen an

Mehr als 11 Mill. Männer - das sind 45 Prozent aller

männlich Beschäftigten - werden in den Krieg

geschickt. Kriegsgefangene und zwangsweise

rekrutierte Zivilgefangene müssen unter zum Teil

unmenschlichen Bedingungen arbeiten. Von den 5

Mill. russischen Kriegsgefangenen überleben nur

etwa 2 Mill. die Gefangenschaft.

Im Jahre 1945 wird das ganze Elend der nationalsozialistischen

Herrschaft deutlich: 40 Mill. Menschenleben

sind vernichtet, darunter 20 Mill. russische

Menschen, 6 Mill. jüdische Menschen und 8

Mill. deutsche Menschen.

Ein Viertel der Gebiete werden von Deutschland

abgetrennt, die Bevölkerung vertrieben. Das restliche

deutsche Gebiet wird in vier Besatzungszonen

geteilt.

Zu den überlebenden Opfern gehören die Ausgebombten

und vor allem die Flüchtlinge aus dem

Osten, die nur retten konnten, was sie auf „dem

Leibe tragen“. Ihre Zahl wächst ständig: 1950 sind

zu den 38 Mill. Einheimischen in der Bundesrepublik

über 9 Mill. Flüchtlinge hinzugekommen.

Nassau ist vom Verlust an Menschen, von der großen

Wohnungsnot und dem Flüchtlingselend besonders

betroffen.


1918 1993

Dank für Treue

und Verbundenheit

Ehrung der Jubilare 1968. - Von links nach rechts

Karl Kloss. Wilhelm Ferdinand, Felix Karolczak

(Vorsitzender), Ella Zickler, Lina Karbach, Helmut

Fink (Unterbezirkssekretär). Walter Kaleta.

Ehrung der Jubilare 1970.

-Überreichung der Ehrenurkunde

für 40jährige

Mitgliedschaft an Hans

Schaperdoth (linkes Foto)

und für‘s „50jährige“ an

Heinrich Flackus und seine

Frau durch den Vorsitzenden,

Pfr. Helmut Benkenilorff

und Theo Hatzmann.

Ebenfalls für 40jährige

Treue wird der Landesvorsitzende

Wilhelm Dröscher

in diesemjahr danken:

Karl Busch, Willi Hermann,

Ferdinand Steinhäuser

und Heinrich Klos.

Ehrung langjähriger Mitglieder 1979. - 60 Jahre sind

Heinrich Kreidet, ehemaliger Bürgermeister ton Bergnassau-Scheuern,

und Wilhelm Steinhäuser Mitglied in

der Sozialdemokratischen Partei. Vorsitzender Bernd

Lison überreicht beiden eine Kiste guter Zigarren.

Die

SPD ehrt ihre

Jubilare

Goldenes Parteiabzeichen für Adalbert Kalbitzer 1980.

-Der Jubilar bedankt sich bei Rudolf Scharping, der ihm

gerade persönlich das Goldene Parteiabzeichen verliehen

hat, und erzählt den versammelten Parteifreunden aus

seinem reichen Erfahrungsschatz. Walter Floreth wird

in diesem Jahr das Silberne Parteiabzeichen verliehen,

Paul Diehlmann und Jakob Paulus für 35jährige Mitgliedschaft

gedankt. Im folgenden Jahr 1981 wird Matthias

Kirsch vom Mainzer Fraktionsvorsitzenden Werner

Klein die silberne Ehrenurkunde in Emfang nehmen.


1918 1993

Ehrung durch Rudolf Scharping 1989. - Anläßlich

einer kleinen Feier zum 70jährigen Bestehen

der SPD dankt der Landesvorsitzende:

Christa Noffke (20 Jahre), Paul Diehlmann

(44 Jahre), Friedrich Nofße (20 Jahre), Ullrich

Boll (20 Jahre), Maria Meinecke (30 Jahre),

Artur Heck (20 Jahre), Hans Busch (20Jahre).

2.v.r. Walter Ellermeyer, Vorsitzender,

und 2.v.l. Rainer Nink, stellv. Vorsitzender.

Kein Weg ist zu weit. - Helga Hammerstein

wird 1990 von Adolf Kurz und Thomas

Ockel in der Universität von Dublin aufgesucht,

wo sie die Auszeichnungfür 25jährige

Treue freudig überrascht empfängt.

Auch 1992 werden treue Mitglieder ausgezeichnet.

Der Vorsitzende Herbert Baum gratuliert

und dankt im Namen der SPD: Martha

Arnold, Wolfgang Micke, Helmut Pfeiffer,

Karl-Jürgen Schmidt, Karl-Heinz Schönrock

und Waltraud Weber für 20jährige Mitgliedschaft,

Helge Meinecke und Egon Boll

für 30jährige und Annemarie Specht sowie

Rudi Lehr für ihre 45jährige Mitgliedschaft.

Seit einem Vierteljahrhundert in der Partei. -

1984 erhalten Philipp Kirsch, Maria Meinecke

und Theo Hatzmann das Silberne Abzeichen.

Gratulanten sind die Bundestagsabgeordnete

Gudrun Weyel, Landrat Gerd Danco und der

Vorsitzende Herbert Baum. Das Ehrenabzeichen

wird ebenfalls verliehen Elisabeth Blumenstein,

Adolf Floreth, Helmut Tbeis und Willi Wulf.

Seit 25 Jahren gehören Fritz Esser und Maria

Paulus 1985 der SPD an. Der SPD-Fraktionschef

Rudolf Scharping ehrt die beiden Jubilare. Zu den

Gratulanten gehören auch der Vorsitzende Herbert

Baum und sein Stellvertreter Rainer Nink.

Silbernes Parteiabzeichen für 25jährige aktive Mitgliedschaft

1986. -Annemarie Specht und Gerd Danco nehmen

es aus der Hand von Rudolf Scharping entgegen. Herbert

Baum hält für den Ortsverein Buchpräsente bereit.

Silberne Ehrenurkunde für Egon Boll und Helge Meinecke

1988. - Egon Boll, der sich in den Nassauer Hilfsdiensten

engagiert und Helge Meinecke, der für lange Jahre

den Vorsitz im Ortsverein und in der Fraktion ausfüllte.


1918 1993

Zusammen wird die Not gemeistert

Sozialdemokraten

beim Wiederaufbau

der Heimatstadt

Schon kurz nach Kriegsende finden sich die in

Nassau verbliebenen Sozialdemokraten wieder

regelmäßig zusammen, um über die Zukunft und

den Wiederaufbau ihrer zerstörten Heimatstadt zu

beraten, berichtet Kurt Zimmermann, ebenfalls unermüdlich

im Einsatz für die Menschen der Stadt.

Ab 1. Januar 1946 werden wieder politische Parteien

zugelassen. Unter Ludwig Wehnert gründet sich

die Nassauer SPD neu . Die erste Stadtratswahl

erbringt die absolute Mehrheit - und damit, wie Kurt

Zimmermann schreibt, auch die Verantwortung.

In fast allen Kommissionen, die jetzt gebildet werden,

sind die Frauen und Männer der SPD vertreten.

Ludwig Wehnert wird Bürgermeister - ein Bürgermeister

des Wiederaufbaus.

Es herrscht Lebensmittelnotstand. - Die Arbeiterwohlfahrt

verteilt Essen, Schuhe und Kleider aus

der Amerikaspende. Für die Kinder wird Spielzeug

gebastelt, Weihnachtsgebäck zubereitet und Weihnachtsfeiern

durchgeführt.

Zunächst einmal müssen die Schuttmassen von

den Straßen geräumt werden. Es herrscht bittere

Wohnungsnot, viele „Ausgebombte“ finden erst

einmal bei Verwandten oder Bekannten Unterkunft.

Der Aufbau der Wohnhäuser kann nur zö-

einmal bei Verwandten oder Bekam kunft.

Der Aufbau der Wohnhäuser k gernd erfolgen.

Es fehlt an Baumaterial - vor allem an

Kalk und Zement.

„Mit Geld“, so Kurt Zimmermann in seinen

Aufzeichnungen, „war nicht viel anzufangen“.

Dafür florierte der Tauschhandel.

„Die gesamte Bevölkerung war daher froh“,

berichtet Kurt Zimmermann, „als am 20.

Juni 1948 mit der Währungsreform wieder

einigermaßen geordnete Verhältnisse eintraten

und die Versorgungsschwierigkeiten

allmählich überwunden werden konnten“.

Die von der Besatzung eingesetzte Stadt-

1945 - 1950

verwaltung, mit Ludwig Wehnert an der Spitze, ist

gezwungen, auf Befehl Möbel, Wäsche und Lebensmittel

zu beschlagnahmen.

Gemeindewahl am 19.11.1948

Abgegebene Stimmen: 1185

gültige Stimmen: 1018

ungült. Stimmen : 167

Liste I. CDU 476 Stimmen 7 Sitze

Liste II. SPD 542 Stimmen 8 Sitze

Für die SPD ziehen in den Stadtrat ein:

Ludwig Wehnert Bürgermeister

Willi Porath

Kurt Zimmermann

Jakob Dommermuth

Peter Mertens

Karl Singhof

Ernst Paul

Jakob Schenkelberg

Fritz Strauß rückt für Ludwig Wehnert nach

Ludwig Wehnert

Bürgermeister des Aufbaus ... gewählt durch

Handerheben

Als Bürgermeister nach dem Krieg werden der Altbürgermeister

Hasenclever, dann der Lehrer Mackeprang

eingesetzt. Am 22. September 1946 wird

Ludwig Wehnert als Bürgermeister bestellt. Am 30.

November 1948 - nach der Gemeindewahl vom

Jakob Dommermuth,

1930 für den Wahlvorschlag

der SPD in schwerer Zeit

kandidierend, baute 1948

-1956 als Ratsmitglied

der SPD Nassau mit auf.

Er steht stellvertretend

für viele andere, die auf

ihrem Platz das Beste

dazugetan haben.


1918 1993

19.11.1948 - wird der erste gewählte Bürgermeister

bestimmt. Im Protokoll der Stadtratssitzung ist

unter Punkt 3.a) verzeichnet:

„Ludwig Wehnert als Bürgermeister einstimmig gewählt

durch Handerheben“.

Als Beigeordnete werden - ebenfalls einstimmig

- gewählt: Christian Schulz und Willi Porath (Straßenmeister).

Dienst für die

Allgemeinheit

„Wehnerts Louis“- wie ihn alle nannten - war

selbstlos und bescheiden, dazu klug, schlagfertig

und äußerst humorvoll, ein Mann „mit dem Herz

auf dem richtigen Fleck“.

Nassau:

Brennpunkt für den

Wohnungsbedarf

Durch Kontrollratsgesetz wurde die Bildung eines

Wohnungsausschusses zur Vergabe von Wohnraum

gefordert.

Wohnungsbestand, Bautätigkeit und Wohnungsgesuche

verzeichnen die SPD-Mitglieder im Wohnungsausschuß

und in der Baukommission der

Stadt Nassau akurat. Jakob Dommermuth und

Kurt Zimmermann, später für ihn Ferdinand Steinhäuser

und Peter Mertens, übernehmen hier die

Verantwortung.

So wissen wir, daß im Frühjahr 1947 63 Wohnungen

von Nassauer Einwohnern und 23 Wohnungen

von außerhalb Nassaus wohnenden Familien

gesucht werden. Es fehlen nach der Aufstellung

etwa 250 Wohnräume in der Stadt.

120 Nassauer sind noch evakuiert,

hingegen konnten bereits 63 Flüchtlinge

aufgenommen werden. An 93 Gebäuden

wird zur gleichen Zeit „Bautätigkeit“

verzeichnet. Baudarlehen aus

dem Landesstock und der LVA Rheinprovinz

werden vergeben für die zusätzliche

Herstellung von Wohnraum,

im März 1949 für 13 Antragsteller,

davon 5 Neubauten. Die Stadt übernimmt

Bürgschaften. Landrat Härtung

(SPD) sagt der Stadt zu, daß sie damit

rechnen darf, daß die Kreisumlage

erlassen wird“. Für Darlehensanträge

Seine Einstellung, Dienst für die Allgemeinheit zu

leisten, zeigt Wehnert auf der nächsten Stadtratssitzung

am 6. Dezember 1948. Unter Punkt 13.

geht es um die Aufwandsentschädigung des Bürgermeisters.

Im Protokoll ist verzeichnet: „Bezüglich

der Aufwandsentschädigung des Bürgermeisters

macht Herr Bürgermeister (Wehnert, Red.)

den Vorschlag, auf die Zulage von 25% zu verzichten“.

- Der Stadtrat gewährt ihm dann aber doch

eine 15%ige Zulage. Am 30. Juni 1949 macht vor

dem Stadtrat und in Anwesenheit des Landrates

Härtung „der Herr Bürgermeister Wehnert die Mitteilung,

daß er die Absicht hat, seine ehrenamtliche

Tätigkeit als Bürgermeister niederzulegen und verließ

danach die Sitzung“.

Landrat Härtung (SPD) wies darauf hin, daß die

außerordentlich schwierige Lage der Stadt die

Wahl eines hauptamtlichen Bürgermeisters erfordert.

Dies wurde einstimmig beschlossen. Wehnert

bleibt bis Februar 1950 im Amt.

ruft Ludwig Wehnert den Stadtrat zu DringlichkeitsDringlichkeitssitzungen

ein.

Hinzu kommen Notstandsarbeiten, insbesondere

der Abtransport von Schuttmasssen im zerstörten

Stadtgebiet. Unmittelbar nach Kriegsende trat

dafür eine Arbeitseinsatzkommission zur Leistung

freiwilliger Arbeitseinsätze in Aktion. Doch im Januar

1950 mußten weitere „3380 Tagewerke“ beschlossen

werden, deren Ausführung „nach Vorhandensein

von Geldmitteln“ durchzuführen ist.

Im Vergleich schlagen Kanalisation und Straßeninstandsetzung

zusammen mit „1432 Tagewerken“

zu Buche.

Jedoch der Aufbau geht, wie Kurt Zimmermann

berichtete, nur zögernd voran. So wird im Stadtratsprotokoll

vom 24. April 1950 als Zwischenstand

vermeldet: Nassau hat z.Zt. 153 Flüchtlinge. Dies

und die außergewöhnlich große Wohnungsnot erfordern,

daß Nassau zum erstrebten Wohnungsbau

kommen muß. Nassau wird zum „Brennpunkt

für den Wohnungsbedarf erklärt“.

Zerstörte Innenstadt Anfang der 50er Jahre


1918 1993

Adelsheimer Hof -

Sinnbild für

Zerstörung und Aufbau

Im wahrsten Sinne mit aufgebaut haben

Sozialdemokraten wie Ludwig

Wehnert und Jakob Dommermuth ihre

Heimatstadt nach dem Kriege.

Im durch Bomben zerstörten Adelsheime

Hof wird ein neues Fach werk eingezogen.

Links Zimmermeister Jakob Dommermuth,

daneben Sohn Oswald (um 1950).

Das Fachwerk ist ausgemauert. Vorne der dreirädrige

„Goliath „ mit dem Ludwig Wehnert

und Sohn Willi ihr Putz- und Anstreichergeschäft

betrieben. Auf dem Gerüst Heribert

Dommermuth und Lehrling Artur Heck, die

eine Holzsäule kunstvoll nachschnitzen (1952).


1918 1993

600 Jahre

Stadtrechte -

doch wie geht

es weiter?

Für den 25. und 26. Juli 1948 konnte Bürgermeister

Ludwig Wehnert zur Feier des 600.

Jahrestages der Verleihung der Stadtrechte

einladen.

Im gleichen Jahr wurde öffentlich zum wirtschaftlichen

Wiederaufbau der Stadt debattiert.

Im November 1948 fragt die Rhein-Zeitung:

„Soll Nassau Kur- oder Industriestadt

werden?“ Die Meinungen gingen auseinander.

Die „beachtlichen Leistungen“ des Handwerks

und die Bedeutung als „Handelsplatz“ werden

aber allseits anerkannt.

„Beginn der Ära Schneider“

Im November 1949 wählt der

Stadtrat mit 8 gegen 6 Stimmen

bei einer Enthaltung den Regierungsamtmann

Paul Schneider

aus Kemmenau zum hauptamtlichen

Bürgermeister der Stadt

Nassau.

Trotz Protesten und Einsprüchen

durch die SPD-Fraktion wegen

„unzulässiger Wahlbeeinflussung“

versichert Fraktionssprecher

Kurt Zimmermann bei der

Amtseinführung von Paul Schneider

am 10. Februar 1950:

„Möge es Ihnen, Herr Bürgermeister, gelingen, den

Wohnungsbau, die wirtschaftliche und kulturelle

Entwicklung in Nassau zu fördern - und an unserer

Unterstützung soll es hierbei nicht fehlen. Wir

bitten aber auch, der arbeitenden Bevölkerung und

denen, die unverschuldet in Not geraten sind, jeder

Zeit ein offenes Ohr, Rat und Hilfe zu gewähren“.

Das Festkommitee um

Ludwig Wehnert (4. v. r.)

zur 600 Jahr Feier der

Stadt auf dem Mrktplatz

Die SPD übernimmt mit Kurt Zimmermann als II.

Beigeordneter die weitere Mitarbeit in der Stadtführung.


1918 1993

Der Wald als

Geldquelle

Neue Pläne für den Wiederaufbau

Im Oktober 1950 legt Bürgermeister Schneider im

bis auf den letzten Platz gefüllten Saal der Gastwirtschaft

Henninger in „großen Zügen sein neues

Wiederaufbauprogramm vor“. Danach wird die

Stadt in sieben Teilbezirke aufgegliedert, die zu

Aufbaugebieten erklärt werden.

Die Erklärung zum Aufbaugebiet gibt der Stadt

nach den Bestimmungen des Aufbaugesetzes das

Vorkaufsrecht. So werden Grundstücksspekulationen

verhindert.

Für den Wiederaufbau des Stadtkerns wird ein Architekten-Wettbewerb

ausgeschrieben. Auch die

kulturellen Belange, so Bürgermeister Schneider,

müssen berücksichtigt werden. Den Beitrag der

Stadt „solle der Wald aufbringen“.

„Die nächste Sitzung des Nassauer Stadtrates“,

so schließt der Zeitungsbericht über die Bürgerversammlung,

„dürfte im Rathaus, dem wiederhergestellten

Adelsheimer Hof, stattfinden“. Der Wiederaufbau

des Rathauses wird bezahlt „aus dem

Wald“ - durch 40000 Mark aus der Forstrücklage.

Selbst die Klage des SPD-Ratsmitgliedes Karl

Kurz im Mai 1953, daß im Krankenhaus kein vernünftiger

Stuhl vorhanden und dies ein untragbarer

Zustand sei, wird mit dem Vorschlag verbunden,

Abhilfe aus dem städtischen Wald zu schaffen.

Unter Einsatz

aller Mittel

Aber ohne Kredite geht es nicht. Im August 1952

nimmt der Stadtrat ein Kommunaldarlehen über

150000 Mark auf, zur Beseitigung der enormen

Kriegsschäden und der zerstörten Straßen im

Stadtgebiet. Die „Enttrümmerung“ der Amts-straße/Späthestraße

und später der Kirchstraße/ Römerstraße

wird in Angriff genommen, ebenso wie

der Ausbau der Amtsstraße und die Verlegung von

Versorgungsleitungen.

Die Stadt verschafft sich weitere Einnahmequellen.

So die Veräußerung der Beteiligung an den Gas-

und Elektrizitätswerken Nassau an die Main-Kraft-

1950 - 1958

werke sowie Abschluß eines Konzessionsvertrages.

Der Aktienverkauf von 30000 Mark soll für den

2. Hochbehälter ausgegeben werden, beschließt

der Stadtrat Oktober 1952.

Selbst um die Streichung zweier „Nachtschutzbeamter“,

die bei der Stadt beschäftigt sind, kommt

man zur Einsparung von jährlich 8000 Mark nicht

herum. Als Luxus gönnt man sich lediglich die Einführung

einer „staubfreien städtischen Müllabfuhr“.

Karnevalistischer

Abend mit Tanz

Am 30. August 1957 wird Paul Schneider

einstimmig für 8 Jahre als Bürgermeister

wiedergewählt, um den Aufbau

fortzusetzen.

Im Jahre 1958 wird SPD-Fraktionssprecher

Kurt Schindler, der zwischenzeitlich

auch als Schiedsmann für Nassau

gewählt wurde, mit den Worten wiedergegeben:

„Der Wiederaufbau der Stadt

ist geschafft.“

Die Zeit und Kraft und Mühe, die 13 Jahre

Aufbauleistung erfordert haben zeigt,

welches Inferno der Krieg über Nassau -

wie über ganz Europa - gebracht hatte.

Vielleicht liegt es an der Atempause,

die man sich jetzt gönnen konnte, daß

über die erste Feier unseres SPD-Ortsvereines

mit Datum vom 17. Jan. 1959

berichtet wird. Hier wird polizeilich

„Dem SPD-Ortsverein aus Nassau/L,

die Genehmigung erteilt, von 20.00 bis

1.00 Uhr im Restaurant Löwenbräu einen

karnevalistischen Abend mit Tanz

zu veranstalten“.


1918 1993

SPD nimmt soziale Aufgaben ernst

Der Wiederaufbau der zerstörten Stadt ist 1958

abgeschlossen. Doch schon werden die Projekte

sichtbar, die in den nächsten Jahren an

die Stadt herantreten: Schwimmbad und Bau

einer Stadthalle, eine sichere Wasserversorgung

und eine Gesamtkläranlage.

Der Jugend und

Kultur verschrieben

Spätestens mit Kurt Schindler an der Spitze wird

für die SPD-Fraktion Jugend und Kultur großgeschrieben:

Volksbildung, Kampf gegen das gesetzliche Schulgeld,

Ausbau der Bücherei oder Jugendsport.

1959 beantragt die SPD-Fraktion die Anmietung

eines Lichtspielhauses für kulturelle Zwecke, später

dann einen Saal auf dem Keller. In Abwägung

zwischen Stadthallenneubau und dem Schwimmbad

auf dem Gelände des ehemaligen Sägewerkes

„Kalkofen“, macht Schindler deutlich, daß bei

Finanzierungsproblemen das Schwimmbad Priorität

hat. Die SPD beantragt im Oktober 1959 eine

Kommission zur Vorbereitung des Schwimmbadprojekts.

Gleichzeitig werden Kinderspielplätze als notwendig

angesprochen und beantragt. Die Meinung,

daß Jugendarbeit gefördert werden müsse, besteht

über die Fraktionen hinaus.

Freizeit und Wohnen

Februar 1961: Die Aufträge für das Schwimmbad

werden vergeben, anschließend jene für die Bauarbeiten

der Stadthalle.

Den Zuschlag erhalten fast nur einheimische

Handwerker.

In die kühlenden Fluten des neuen Schwimmbads

können die Nassauer bereits ab August

1962 springen. Und die Stadthalle öffnet im Juni

1963 erstmals ihre Pforten für die Bürger.

Antrag der SPD im Stadtrat: Angesichts des Wohnraummangels

gilt für Paul Diehlmann „die Baulandbeschaffung

als eines der vordringlichsten

1958 - 1979

Probleme“. Dezember 1962: zahlreiche neue Bebauungspläne

werden auf den

Weg gebracht. Ein Jahr später erwirbt die Stadt

weitere Anteile der gemeinnützigen Baugenossenschaft

Niederlahnstein.

Die Anstrengungen, den Wohnraum zu vermehren,

werden 1965 mit dem Bau der 6-Familien-häuser

im Bienengarten und in der Feldstraße fortgesetzt.

Wasser und Abwasser

Juli 1959: Der Bau einer Kläranlage ist beschlossene

Sache. 1963 stellen die Gemeinden Bergnassau-Scheuern

und Dienethal den Antrag auf

Einrichtung als Gruppenkläranlage. Erste Aufträge

werden im März vergeben.

September 1966: Die Wasserbohrungen auf dem

Arbert waren erfolgreich. Um die jahrelange Wasserknappheit

zu beseitigen, werden jetzt Millionen

Investitionen für das Stadtnetz und die Wassergewinnung

erforderlich.

Soziale Aufgaben

im Vordergrund

Die Einrichtung eines Altenwohnheimes, eines

„Tagesaufenthaltsraumes für die Alten“, Schulbauplanung

und Kinderspielplätze stehen 1965 für die

SPD auf der Tagesordnung.

Mit diesen Sozialanliegen geht sie im November in

den Wahlkampf.

Nach langer Suche nach einem Träger und Grundstück

für das Altenheim, wird im November 1966

der Kauf des Heims der August-Thyssen-Hütte in

der Obernhofer Straße beschlossen. Die Trägerschaft

übernimmt, nach Forderung der SPD, die

Stadt. Ella Zickler und Willi Floreth gehen für die

SPD in den Alten-heimausschuß.

Gleichzeitig stellt die SPD-Fraktion auch einen Antrag

zu Standort, Trägerschaft und Finanzierung

eines neuen Schulzentrums einschließlich Sportanlagen.

Karl-Heinz Schönrock konnte als SPD-Bürgermeister

(1979-1984), diesen weitsichtigen Plan mit dem

Erwerb des Geländes auf der Au voranbringen.


1918 1993

Im Februar 1965 legten die Verwaltung

und Parteien schärfsten Protest gegen

die Auflösung des Amtsgerichtsbezirkes

durch die Landesregierung ein. „Nassau“,

so heißt es, „hat eine der ältesten Gerichtsbarkeiten

der unteren Lahn mit einer

über 1000jährige Tradition“. Auch die

„Blutsgerichtbarkeit“ gehörte einst dazu.

Der Protest war erfolglos, 1967 kaufte die

Stadt das Amtsgerichtsgebäude. Der letzte

Amtsrichter von Nassau, Adalbert Kalbitzer,

war bereits ausgezogen.

Die angekündigte Einstellung des „Nassauer

Anzeiger“ zum Jahresende 1967 sollte ebenfalls

eine lange Tradition beenden, die mit der

Buchdruckerei Müller und hier mit Hans Müller

verbunden bleibt.

Auch daß „Schwester Jetty“ alias Jetty Kleintjes

zum Ende 1966 in den Ruhestand tritt,

wird als Verlust empfunden. Sie hat „mit aller

Aufopferung den kranken

und älteren Menschen

in oft schwieriger

Situation geholfen“.

Ihre Nachfolgerin als

Stadtschwester, Hilde

Seip, versieht den

Dienst mit der gleichen

Zuwendung zu den

Menschen.

Insgesamt als Gewinn

kann sicher die Vereinbarung

1967 zwischen

der Stadt Nassau und

dem Ortsteil Bergnassau-Scheuernangesehen

werden, die

Verwaltungsaufgaben

gemeinsam durchzuführen.

Die persönlichen

Verbindungen

diesseits und jenseits

des Burgberges sind

seit eh und je vorhanden.

Ein Gewinn auch

die Bildung der VerbandsgemeindeNassau

1972. Besonders

Verlust und Gewinn

engagiert für die SPD hierbei Helge Meinecke,

Helmuth Busch und Otto Fischbach. Die

neue Verwaltung bewältigt den Übergang

problemlos. An der Spitze Willi Steinhäuser

als Verbandsbürgermeister. Nicht nur Wilhelm

Steinhäuser, seit über 60 Jahren zur

Nassauer SPD gehörend, war auf seinen

Sohn „Willi“ stolz.

Ein Gewinn auch die Jugendinitiative der verschiedenen

Gruppen in Nassau. Sie wird im

Stadtrat 1970 „einhellig begrüßt“.

Im Februar 1974 beschließt der Stadtrat

einstimmig, der Jugendinitiative Räume im

Gebäude „Auf dem Keller“ zur Verfügung zu

stellen. In der gleichen Sitzung wird die Partnerschaft

mit Pont-Chateau besiegelt.

Ludwig Wehnert

wird 1950 viel Lob

und Anerkennung

für seine Aufbauleistung

gespendet.

Im November 1969

kann der Beigeordnete

Kurt Zimmermann

ihm und

seiner Gattin die

Glückwünsche der

Stadt und der Kreisverwaltung

zur

Goldenen Hochzeit

überbringen. Theo

Hatzmann dankt

im Namen der SPD

Nassau dem „Mann

der ersten Stunde“,

der mehr als 60

Jahre Mitglied ist.


1918 1993

Elke Oster bei einem der SPD-

Kinderfeste in Scheuern

Inge Gasteyer und Herbert Baum

planzen - einen Baum

Anfang der 70er Jahre wird auch die SPD Nassau

jünger. - Ein Schwung Nassauer Jugendlicher

bekommt Lust, die Kommunalpolitik in

ihrer Heimatstadt mitzu-gestalten. Alle von der

Idee einer sinnvollen Jugendfreizeit in einem

selbstverwalteten Jugendzentrum beseelt, finden

sie in der SPD Unterstützung. Erster Erfolg:

1974 ziehen zwei „Jusos“ in den Stadtrat ein

und können dort die Sache der Jugend direkt

vertreten. Erstaunlich das gute Verhältnis zu

den „Altgedienten“. Im persönlichen Gespräch

erfahren die jungen Mitglieder vieles über den

Kampf gegen Nationalsozialisten, über Verbot,

Verfolgung, Krieg, Zerstörung und Wiederaufbau.

Ehrensache, daß die alten und die jungen

Genossen wußten, auf welcher Seite sie 1978

beim Protest gegen die SS-Treffen in Nassau

standen. Deutlich machend: Der Spuk einer

„Leibstandarte Adolf Hitler“ hat in den Mauern

der Stadt nie mehr etwas zu suchen.

Neue Lust auf

Kommunalpolitik

Ein Einschnitt ist 1974 der Übergang von dem erfahrenen

Paul Schneider, 22 Jahre hauptamtlicher,

dann zwei Jahre ehrenamtlicher Bürgermeister

der Stadt, auf eine neue Stadtführung.

Neben Erich Bruchhäuser als Bürgermeister

löst Karl-Heinz Schönrock als 1. Beigeordneter

den seit Kriegsende ununterbrochen

aktiven Kurt Zimmermann ab. Theo Hatzmann

wird zum 3. Beigeordneten gewählt.

Helge Meinecke wird die SPD-Fraktion über

viele Jahre erfolgreich führen und zu einer

stetig besseren SPD-Vertretung im Stadtrat

beitragen.

„Spielen verbieten müßte verboten werden!“

Kinder, so die Jusos Ende der 70er Jahre,

haben in Nassau nichts zu lachen. Und sie

formulierten: „Spielen verbieten müßte verboten

werden!“

Am Oranienplatz formiert sich eine Elterninitiative,

in Scheuern eine Kinderinitiative.

Spielfeste von Jusos und SPD, Unterschriften,

Vorschläge und Anträge, der Eigenbau

von Spielgeräten und das Pflanzen von Bäumen

unterstützen die Initiativen. Das Engagement

der Eltern, zuletzt auch im Kaltbachtal,

wird durch weitere Anträge im Stadtrat

begleitet. Das schafft dann nach und nach „Platz

für Kinder“ in Nassau und Scheuern.

Der gute Mensch

von Kirn

Wilhelm Dröscher, SPD-Landesvorsitzender

und Bundesschatzmeister,

kommt im Juli 1976, nicht zum ersten

Mal, zu einem Besuch nach Nassau.

Er wird in der neuen, selbsterstellten

Cafeteria der Heime Scheuern empfangen

und von Pfarrer Fischer durch

den Heimbereich, die Werkstätten, die

Schul- und Therapieeinrichtungen sowie

die Gruppenwohnräume geführt.

„Der gute Mensch von Kirn“, wie Wilhelm

Dröscher genannt wird, ist beeindruckt,

wie „den behinderten Menschen

das Empfinden von Geborgenheit und

Angenommensein vermittelt wird“.


1918 1993

Mit Schwung in die achtziger Jahre

1979 - heute

Viele führende Sozialdemokraten suchen in Nassau den Dialog:

Höhepunkt 1981 der Besuch von Willy Brandt in Nassau, begleitet vom Landesvorsitzenden Klaus

von Dohnanyi. - Hugo Brandt, neugewählter SPD-Landesvorsitzender, informiert sich 1982 zur

Krankenhaussituation in Nassau. Erfordertauch: „Giftgas raus aus Rheinland-Pfalz“. - Volker Hauff

spricht 1984 zu „Umweltvorsorge bei der Stadtentwicklung“, Anke Fuchs 1987 zu „Soziale Gerechtigkeit

für unser Land“. - Zweimal folgt Heidemarie Wieczorek-Zeul den Einladungen der Jusos

nach Nassau. - Nicht zu zählen sind die Veranstaltungen und Gespräche mit Rudolf Scharping,

dem jetzigen Bundesvorsitzenden. Er ist mit fast allen Nassauern kommunalen Fragen vertraut und

unterstützt die Parteifreunde, wo immer es nur geht.

Regelmäßige Ortsbegehungen halten die SPD

„auf dem Laufenden“. Gespräche mit den Bürgern

„auf der Straße“, Anliegergespräche und

ständiger Kontakt zu Nassauer Institutionen.

Der Bürgerbrief „Unsere Stadt“ liefert dazu

Hintergrundinformation über städische Angelegenheiten,

Initiativen der SPD und kulturelle

Angebote.

Die „Basisarbeit“ wird anerkannt, die Wähler

halten zu „ihrer“ SPD. Ein um zwei Sitze verkleinerter

Stadtrat und der Einzug der FDP vollzieht

sich ohne Verluste für die SPD‘ als stärkste

Fraktion.

SPD-Bürgermeister

Karl-Heinz Schönrock

1979 - die SPD-Fraktion wird als stärkste Fraktion

in den Stadtrat und Karl-Heinz Schönrock als Bürgermeister

gewählt. Es gibt schwierige Aufgaben

zu „bürger“ meistern.

1984 - Karl-Heinz Schönrock blickt auf Zukunftsinvestitionen

der Stadt von vielen Millionen in seiner

Amtszeit zurück:

Grunderwerb für das Schul- und Sportzentrum auf

der Au in Höhe von 2 Mill. Mark und Erschließung

der Grundstücke für 750.000 Mark. Friedhofserweiterung

und Bau einer zeitgemäßen Trauer- und

Leichenhalle für 1,2 Mill. Mark. Grunderwerb für

das neue Krankenhaus für rund 2 Mill. Mark und

Erschließungskosten für 680.000 Mark. Später sollen

450.000 Mark wieder erstattet werden.

Weiter sind Zuschüsse für die Beschallungsanlage

im Sportzentrum (90.000 Mark), die Zufahrtsstraße

zur Burg (250.000 Mark), und Zuwendungen an

das Henrietten-Theresien-Stift (300.000 Mark) gezahlt

worden. Die Stadtsanierung wird im Kerngebiet

mit der Neugestaltung des Molkereigeländes

begonnen. Die Bürger honorieren die Leistung und

wählen die SPD 1984 erneut als stärkste Fraktion

in den Stadtrat. Eine Koalition gegen die SPD läßt

es aber nicht zu, daß Karl-Heinz Schönrock seine

Arbeit fortsetzen kann.

SPD-Vorsitzender

Herbert Baum

1980 - Herbert Baum wird zum Vorsitzenden der

SPD Nassau gewählt. Er behält dieses Amt - mit

Unterbrechung durch Walter Ellermeyer zwischen

1979 und 1981 - bis heute. Weitere Schwerpunkte

bestimmen die politische Arbeit. Auf Forums- und

Fachveranstaltungen werden Themen ausgeleuchtet:

Gesprächsabend 1981 zur Facharztversorgung. -

Forum 1982 „Natur- und Umweltschutz“. - Forum

1984 „Wirtschaftliche Entwicklung und Arbeitsplatzsicherheit

im heimischen Raum“. -Forum 1986

„Breitensport im Abseits“. - Fachveranstaltung

1989 „Tiefflug und kein Ende“. -Forum 1990 „Der

Tag an dem die Mauer fiel - 9. November 1989“.

- Forum 1992 „Wirtschaft und Verkehr“. - Forum

1993 „Lahnkonferenz“ mit Umweltministerin Klaudia

Martini.


1918 1993

JIN und JUZ auf

vollen Touren

Nach dreijähriger Bauzeit von Mitte der 70er Jahre

bis weit in die 80er Jahre hinein lief das Jugendzentrum

(JUZ) auf dem Keller auf vollen Touren.

Von der Jugendinitiative (JIN) in Eigenleistung mit

finanzieller Hilfe der Stadt aufgebaut, wurde in de-

mokratischer Selbstverwaltung ein reichhalti-

ges Programm geboten. Höhepunkte immer die

Begegnung und das Feiern mit den befreundeten

Jugendlichen aus Pont-Chateau, unterstützt von

„Lulu“, und die Gegenbesuche im „Haus der Jugend“

der französischen Partnerstadt. Das älteste

Jugendzentrum im Rhein-Lahn-Kreis mußte nach

über zehn Jahren seinen Betrieb schließen, auf

das Versprechen der Stadt vertrauend, Ersatz für

die Nassauer Jugend zu schaffen.

Unser Bürgerbrief - Information von Bürgern für Bürger

Wie hat eigentlich alles angefangen?

Die Story.

Walter Eilermeyer,

Adolf Kurz und

Thomas Ockel

überreichen der

Büchereileiterin

Ursula Heck

Buchspenden.

Es begann im Juni 78: die Jusos brachten erstmals

ein Juso-Info mit dem Untertitel „Information

und Kommentar zur Kommunalpolitik“ heraus.

Anlaß dieser Ausgabe unter dem Motto „Tennis ist

toll - teuer“! war der Bau der Tennisanlage samt

Clubhaus auf dem vogelreichen Sumpfgelände „Im

Woog“ und die sehr großzügigen Zuwendungen

und der Einsatz der Stadt für den Tennisverein,

welche - meinten nicht nur die Jusos - für ein Jugendzentrum,

für Kinderspielplätze u.a. notwendiger

gewesen wären. Weitere Juso-Info-Nummern

folgten, alle hatten einen Schwerpunkt. So setzten

die Jusos sich, wie Eltern und Kindern verspro-

SPD vor Ort und im Gespräch mit den

Bürgern, wie hier 1992 in Scheuern.

Erntedank 1984 im Altenheim

Nassauer Hof mit dem

Heimleiterehepaar und der

Sprecherin des Heimbeirates,

Frau Käthe Heil.

chen, in mehreren „Infos“ für die Einrichtung neuer

Kinder-

spielplätze ein und machten dazu konstruktive Vorschläge.

Vom Miteilungsblättchen zur Bürgerzeitung

Ja und dann kam der SPD-Bürgerbrief? Halt! Da

war doch noch was!

Klar, seit 1980 wurden die Mitglieder ja auch noch

durch die „Mitteilungen“ informiert. So eine Mitteilung

war nicht nur ein Infoblatt, sie konnte sogar bis

zu 8 Seiten haben. Aber sie erschien nicht periodisch

und wurde auch nur an die Mitglieder verteilt.

Die Themen waren schon sehr vielfältig. Und auch

als der Bürgerbrief schon lange da war, erschienen


1918 1993

sie noch: Ein Mitgliederinfo konnte im Bedarfsfall

schnell („aktuell“) herausgegeben werden. Und

„schaltete“ die Mitglieder in die laufende Diskusion

über ein Thema ein. Der erste Bürgerbrief „Unsere

Stadt“ war noch sehr bescheiden in DIN-A 5 - Format,

aber immerhin schon 12 Seiten stark, wurde

im Oktober 1981 verteilt. Es ging der SPD damals,

wie auch später immer wieder um die medizinische

Versorgung der Nassauer Bevölkerung. 12 Seiten

lang wurde umfassend über das Krankenhaus

Nassau und die damit verbundenen Probleme informiert.

Rudolf Scharping schrieb darin „gegen

eine unsinnige Krankenhauszielplanung“.

„Unsere Stadt“, mittlerweile eine Zeitung in modernem

Layout, soll ein Forum von Bürgern für die

Nassauer Bürger sein und so waren/sind die Themen

auch immer bürgernah und oft auch brandaktuell.

Aber immer wurde auch genügend Hintergrundinformation

geliefert. Dieser Anspruch konnte

in den über zwanzig Bürgerbriefen bis heute erfüllt

werden. Dank an dieser Stelle den ehrenamtlichen

Mitarbeitern, die mit ihren Beiträgen unsere Zeitung

lebendig und informativ gestalten.

Fraktionsarbeit

ohne Bruch

Im Stil, aber nicht in der Sache, ändert sich die Arbeit

im Stadtrat, als Helge Meinecke 1984 nach 10

Jahren erfolgreicher Fraktionsführung den Stab an

Christa Noffke weitergibt. Diese behält ihn ebenfalls

fast 10 Jahre in der Hand. März 1993 - zunächst

übergibt noch Rainer Nink der scheidenden

Fraktionsvorsitzenden Christa Noffke einen Strauß

Blumen, dann übergibt sie ihm ihr Fraktionsamt.

Christa Noffke, fast 20 Jahre für die SPD parlamentarisch

tätig, hat sich sehr eingesetzt für die

Förderung der Krankenhaus-

Die Sache mit

dem Kasten

In der Juso-Info-Ausgabe Nr. 4, anno 1979

zu lesen: Nassau: 1750 Werbefläche zu vermieten.

Eines Tages war er da, der Kasten.

Eine nicht unbekannte, ortsansässige Firma

hatte ihn zu Werbezwecken aufgestellt. Auf

die grüne Wiese vors Rathaus. Ohne Stadtratsbeschluss.

Eine Vitrine mit ordentlichem

Betonsockel. Wenn schon denn schon! Die

Jusos bearbeiteten das Thema teils sachlich

(Vermarktung einer städtischen Grünfläche,

Verschandelung eines der schönsten Fachwerkbauten,

Aufstellung ohne Baugenehmigung

und Stadtratsbeschluß, Bevorzugung

einer Firma) und satirisch: Sie schlugen

weitere Baudenkmäler als Werbefläche vor

(Turm der Burg Nassau). Der Kasten verschwand,

wie er gekommen war.

versorgung. Lange Jahre ist sie Vorsitzende des

„Fördervereines Henrietten-Theresien-Stift‘Mn ihrem

Engagement für den Neubau des Alten-und

Pflegeheimes der Friedenswarte „Auf dem Keller“

ist sie immer gradlinig geblieben. In diesen wie in

allen anderen wichtigen städtischen Fragen sind

Fraktion und Ortsverein „auf einer Linie“. Die Fortsetzung

der Arbeit durch Rainer Nink erfolgt ohne

Bruch.

Christa Noffke

wird verabschiedet.

Fraktion und

Ortsverein danken

ihr für ihre „

Treue, Fairness

und Verdienste um

das Gemeinwohl“.

1992 beim Ministerpräsidenten.

- Rudolf Scharping

sagt zu, mit der neuen

Landesregierung wird es

keine weiteren Verzögerungen

beim Altenheimbau

der Friedenswarte geben.


1918 1993

Der „Rote Faden“ unserer

SPD- Geschichte:

„Frieden, Demokratie, soziale Gerechtigkeit“

Mosaik der

frühen Jahre

Die Arbeit an dieser Chronik war die Arbeit an einem

Mosaik. Je mehr wir daran arbeiteten, umso

mehr Steine kamen dazu und umso bunter und

vielgestaltiger wurde es. Niemals jedoch verschwand

das Motiv. „Frieden, Demokratie, soziale

Gerechtigkeit“, dieser rote Faden zieht sich durch

die Geschichte unserer SPD in Nassau.

Eine große Zahl der Bausteine für unser Mosaik

hinterließ uns der Ehrenvorsitzende Kurt Zimmermann.

Glanzstücke hinzugefügt und beim Einordnen

geholfen haben Waltraud Becker-Hammerstein

und Dr. Werner Becker, unterstützt durch

Herrn Theo Becker und Gattin. Wichtige Facetten

dazugetan haben Anne-lene Winkler, geb. Wehnert,

Heribert Dommermuth, Adalbert Kalbitzer,

Theo Schaub, Werner Steinkrüger und Willi Wehnert.

Herrn Meffert und Herrn Dittges danken wir

ebenso wie Reiner Strack und Csaba Forro für die

Bereitstellung von Bild- und Textmaterial. Aus unserem

„Familienalbum“ entnommen haben wir weiterhin

Bildmaterial von Jürgen Heyden, Foto Jörg,

und Günther Rieck.

Aus den Mosaiksteinen ein Bild zu machen haben

sich mit mir bemüht Dr. Annelene Meyer und Regina

Liebermann, Karl-Heinz Schönrock und Thorsten

Reinhardt. Wir haben besonderen Wert darauf

gelegt, die Zeit von 1918 bis 1933 sowie die Jahre

nach 1945 zu rekon-

struieren. Denn nur noch wenige Zeitzeugen sind

uns geblieben, und so droht das lebendige Bild dieses

Teiles der Ortsgeschichte zu verblassen.

Nachwort und Danksagung

Von Herbert Baum

Neue Kapitel

sind eröffnet

Hingegen sind spätere Jahrzehnte noch gut in

Erinnerung. Viele Ereignisse sind in der aktuellen

Diskussion, Schlußsteine für ein vollständiges Bild

fehlen. So beim Altenheimbau, der Facharztversorgung,

einem Jugendzentrum und der sozialen

Wohnungspolitik.

Schon vor Jahren wurde, von vielen unbemerkt,

ein neues Kapitel auch in unserer Stadt eröffnet:

Die Schuldenlast und ungebremste Großinvestitionen

drohen - wie in der großen Politik -, daß jetzt

gespart werden muß - „koste es was es wolle“.

Eine Herausforderung für die Sozialdemokraten in

Nassau, aus ihrer Geschichte die richtige Lehre zu

ziehen.

Der Mut bleibt

bis zuletzt

Unser Mosaik der Jahre 1918 bis 1933 konnte

nicht vollständig sein. Es ist zu ergänzen um die

vielen politischen Versammlungen, mit denen Nassauer

Sozialdemokraten für Demokratie und Gerechtigkeit

in der damaligen Zeit kämpften. - Volksversammlung

gegen die Preissteigerungen im Juli

1920 mit Heinrich Dreher und Kurt Zimmermann,

an der 200 Personen teilnahmen. - Protestversammlungen

auf dem Marktplatz im Sep-

tember 1921 wegen der Ermordung des Finanzministers

Matthias Erzberger (Zentrum) und im Juli


1918 1993

1922, gemeinsam mit dem Zentrum, wegen der

Ermordung an dem Außenminister und „deutschen

Patrioten“ Walther Rathenau (Demokrat) durch

Rechtsradikale.

Später dann, im November 1927, Versammlung

gegen die NSDAP, im März 1930 Versammlung

der Deutschen Friedensgesellschaft, Reichsbanner,

mit Generalmajor Freiherr von Schöneich.

Schon aus dem Jah-. re 1920 berichtet der sozialdemokr.

Verein Nassau/L.: „Bei reaktionären

Versammlungen in Nassau und Umgebung waren

immer Parteigenossen zur Stelle, die der Wahrheit

wieder zum Recht verhalfen“. Dies gilt auch zehn

Jahre später, 1930, zum Beispiel für die Versammlung

der NSDAP mit dem Freikorpsführer und Fememörder,

Kapitän-Leutnant Killinger.

Herausgeber: SPD-Ortsverein Nassau

Von 69 Zugängen, 3 öffentlichen Versammlungen,

11 Mitgliederversammlungen und 77 Stimmen

mehr als bei der Reichstagswahl 1928 weiß die

Chronik des Jahres 1930 zu berichten.

Selbst unter der Reichsregierung Hitler seit Februar

1933 verließ die „Genossen“ nicht der Mut.

Im März 1933 kandidierten sie für „ihre“ SPD zum

Stadtrat. Im April müssen die Nassauer Sozialdemokraten

der Einparteiendiktatur weichen.

Die vorliegende Broschüre, ein Mosaik, erhebt

nicht den Anspruch, vollständig oder fehlerfrei zu

sein. Jeder, der uns weiter hilft, die Lücken zu

schließen und Fehler zu korrigieren, verdient unseren

Dank.

Die Schilderung der Bombenangriffe auf Nassau sind entnommen aus: Schreckenstage in

Nassau a.d.L. am Ende des 2. Weltkrieges, Geschichtsverein Nassau, 2. Auflage 1989

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