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Vortrag Dr. Fabra - Kanzlei Johannsen

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Körperlich krank?<br />

seelisch krank?<br />

oder doch simuliert?<br />

Wertigkeit und Funktion<br />

des klinischen klinischen Befundes Befundes<br />

in der psychiatrisch-psychotherapeutischen Begutachtung<br />

Matthias <strong>Fabra</strong><br />

Medizinisches Gutachteninstitut Hamburg<br />

fabra@gutachteninstitut.de


200<br />

150<br />

100<br />

50<br />

0<br />

1997<br />

2004<br />

In den Jahren 1997 bis 2004<br />

sinkt der Gesamtkrankenstand<br />

der GKV von 4,19 auf 3,39<br />

Prozent (d.h. um ca. 20 % ).<br />

200<br />

150<br />

100<br />

Medizinisches Gutachteninstitut<br />

Hamburg-Rostock-Berlin 05/2008<br />

50<br />

0<br />

1997<br />

2004<br />

In den Jahren 1997 bis 2004<br />

steigt der Anteil der AU-Tage<br />

aufgrund psychischer Erkrankungen<br />

in der DAK um 70%.<br />

Weber, A., G.Hörmann, V. Köllner (2006): Psychische und Verhaltensstörungen, die Epidemie des 21. Jahrhunderts?<br />

Deutsches Ärzteblatt, 103, 13, B713-B715<br />

2


Frage: Wieviel Prozent aller Frühberentungen<br />

im Bereich der Deutschen Rentenversicherung<br />

erfolgen aufgrund psychischer Störungen?<br />

11 %<br />

31%<br />

51%<br />

71%<br />

91%<br />

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3


Frage: Wieviel Prozent aller Frühberentungen ...<br />

???<br />

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4


Frage: Wieviel Prozent aller Frühberentungen ...<br />

!!!!<br />

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5


Frage: Wieviel Prozent aller Frühberentungen ...<br />

11 %<br />

31% richtig, es sind fast ein <strong>Dr</strong>ittel;<br />

psychische Störungen sind<br />

die häufigste Ursache vorzeitigen Renteneintritts<br />

infolge krankheitsbedingter Erwerbsminderung<br />

in Deutschland<br />

51%<br />

71%<br />

91%<br />

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6


Was ist Sinn und Zweck sozialmedizinischer<br />

bzw. versicherungsrechtlicher Begutachtung ?<br />

•Solidaritätsprinzip der Versichertengemeinschaft<br />

•Interessenkonflikt Antragsteller ./. Gemeinschaft<br />

•Die Begutachtung hat Mittlerfunktion<br />

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Zwei richtige Aussagen ...<br />

Es kann sein, dass ein Tierarzt, der nach einem<br />

lebensgefährlichen Angriff durch einen Stier eine phobische<br />

Störung entwickelt, deswegen berufsunfähig ist.<br />

Nicht jeder Tierarzt, der nach einem lebensgefährlichen Angriff<br />

durch einen Stier eine phobische Störung entwickelt, ist<br />

deswegen berufsunfähig<br />

nur, ist er jetzt berufsunfähig oder nicht?<br />

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9


Inhaltsübersicht:<br />

I. Das Bio-Psycho<br />

Bio Psycho-Soziale Soziale Krankheitsmodell<br />

Impairment => Disability => Handicap<br />

II. Wirbelsäule und Nervensystem<br />

Anatomie -- Physiologie -- Pathophysiologie<br />

III. Beschwerden und klinisch-neurologischer klinisch neurologischer Befund<br />

IV. Befunde apparativer Zusatzuntersuchungen<br />

• neurophysiologische Befunde<br />

• Befunde bildgebender Verfahren<br />

V. Konversion -- Dissoziation -- Somatoforme Störung<br />

VI. Willensfähigkeit, komplexe Ich-Funktionen<br />

Ich Funktionen<br />

und psychischer Querschnittsbefund<br />

VII. „Wirbelsäulenschmerz“<br />

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10


Inhaltsübersicht:<br />

I. Das Bio-Psycho<br />

Bio Psycho-Soziale Soziale Krankheitsmodell<br />

Impairment => Disability => Handicap<br />

II. Wirbelsäule und Nervensystem<br />

Anatomie -- Physiologie -- Pathophysiologie<br />

III. Beschwerden und klinisch-neurologischer klinisch neurologischer Befund<br />

IV. Befunde apparativer Zusatzuntersuchungen<br />

• neurophysiologische Befunde<br />

• Befunde bildgebender Verfahren<br />

V. Konversion -- Dissoziation -- Somatoforme Störung<br />

VI. Willensfähigkeit, komplexe Ich-Funktionen<br />

Ich Funktionen<br />

und psychischer Querschnittsbefund<br />

VII. „Wirbelsäulenschmerz“<br />

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6 Konsequenzen der Aussage<br />

„er/sie ist krank“:<br />

1. empfindet Leiden und Leistungsminderung<br />

2. erhält Mitleid und Unterstützung<br />

3. steht befristet oder auf die Dauer außerhalb der<br />

Leistungsanforderungen der Gesellschaft<br />

4. ist berechtigt, Leistungen der Versicherungssysteme zu<br />

empfangen<br />

5. wird als Kranke/r abgestempelt („gelabelt“)<br />

6. wird von der Leistungs- und Spaßgesellschaft ausgestoßen und<br />

abgeschoben<br />

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Die beiden Dimensionen des „Krankseins“:<br />

a. Leiden<br />

b. Herabsenkung des psychosozialen<br />

Funktionsniveaus<br />

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Gutachtliche Betrachtungen zielen in aller Regel auf die<br />

Leistungsminderung ( = Herabsenkung des<br />

psycho-sozialen Funktionsniveaus) ab!<br />

(1) Leiden:<br />

a) sog. immaterieller Schaden in der Privat- und Sachversicherung,<br />

Schmerzensgeld<br />

(2) Herabsenkung des psychosozialen Funktionsniveaus (Beispiele):<br />

a) MdE der Gesetzlichen Unfallversicherung (GUV)<br />

b) Erwerbsminderung der (KFZ-)Haftpflichtversicherung<br />

c) Grad der Behinderung des Schwerbehindertenrechts<br />

d) MdE-Grad des Versorgungsrechtes (KVG, SVG, OEG u.a)<br />

e) Invalidität (dauerhafte Leistungsminderung) der PUV<br />

f) teilweise und vollständige Erwerbsminderung der GRV<br />

g) (völlige) Arbeitsunfähigkeit, Berufsunfähigkeit der Privaten<br />

Krankentagegeldversicherung, Privaten Berufsunfähigkeits(zusatz)-<br />

Versicherung , u.a.m.<br />

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Kompensationspotenziale ./.<br />

Kompensationsschwächen<br />

Krankheitszeichen<br />

(Symptome)<br />

Funktionsstörung<br />

Leiden<br />

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Leistungsminderung<br />

Matthesius, R.G.: ICIDH International Classification of impairment, disability and handicap, Teil 1 und 2, WHO:<br />

Geneva, Verlag Ullstein Mosby 1995<br />

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Symptome Funktionsstörung<br />

Leistungsminderung<br />

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Persönlichkeit<br />

+ Kompensations-<br />

strategien<br />

Bochnik, H.J.: Grundsätze und begriffliche Werkzeuge zur ärztlichen Ganzheitsorientierung. In: Bochnik, H.J., W.<br />

Hackhausen (Hrsg.): Personenorientierte Diagnostik und Begutachtung. Urban und Fischer, 1. Auflage 1999, Seite 3<br />

16


Zumutbarkeit schadensmindernder Willensanspannung<br />

in der Gesetzlichen Rentenversicherung:<br />

• Krankheitswert hat eine seelische Störung,<br />

wenn sie aus eigener Kraft nicht überwunden werden kann.<br />

• Zu berenten ist der Versicherte, wenn er bei zumutbarer<br />

Willensanspannung aus eigener Kraft seine Störung nicht<br />

überwinden kann.<br />

• Zumutbar ist eine Willensanspannung, wenn diese ohne<br />

gesundheitliches Risiko einer Verschlimmerung möglich ist.<br />

BSG 01.07.1964, AZ 11 – 1 RA 158/1961<br />

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Frage: Woraus also ergibt sich die Minderung der<br />

Leistungsfähigkeit infolge Erkrankung?<br />

1. Aus dem Symptom selbst<br />

Beispiele:<br />

a) Bewegungseinschränkung nach Wirbelkörperfraktur<br />

b) allgemeine Schwäche bei Herzinsuffizienz<br />

c) Antriebsminderung bei Depression<br />

d) Verkennung der Realität bei Wahn<br />

e) Zwangshandlungen bei Zwangsstörung<br />

f) u.v.a.m.<br />

2. Aus der krankheitsbedingten Herabsenkung der<br />

Willensfähigkeit infolge seelischer Erkrankung<br />

3. Aus dem Zusammenwirken von 1. und 2.<br />

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18


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19


Inhaltsübersicht:<br />

I. Das Bio-Psycho<br />

Bio Psycho-Soziale Soziale Krankheitsmodell<br />

Impairment => Disability => Handicap<br />

II. Wirbelsäule und Nervensystem<br />

Anatomie -- Physiologie -- Pathophysiologie<br />

III. Beschwerden und klinisch-neurologischer klinisch neurologischer Befund<br />

IV. Befunde apparativer Zusatzuntersuchungen<br />

• neurophysiologische Befunde<br />

• Befunde bildgebender Verfahren<br />

V. Konversion -- Dissoziation -- Somatoforme Störung<br />

VI. Willensfähigkeit, komplexe Ich-Funktionen<br />

Ich Funktionen<br />

und psychischer Querschnittsbefund<br />

VII. „Wirbelsäulenschmerz“<br />

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20


IV. Lendenwirbelkörper von unten gesehen<br />

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21


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Inhaltsübersicht:<br />

I. Das Bio-Psycho<br />

Bio Psycho-Soziale Soziale Krankheitsmodell<br />

Impairment => Disability => Handicap<br />

II. Wirbelsäule und Nervensystem<br />

Anatomie -- Physiologie -- Pathophysiologie<br />

III. Beschwerden und klinisch-neurologischer klinisch neurologischer Befund<br />

IV. Befunde apparativer Zusatzuntersuchungen<br />

• neurophysiologische Befunde<br />

• Befunde bildgebender Verfahren<br />

V. Konversion -- Dissoziation -- Somatoforme Störung<br />

VI. Willensfähigkeit, komplexe Ich-Funktionen<br />

Ich Funktionen<br />

und psychischer Querschnittsbefund<br />

VII. „Wirbelsäulenschmerz“<br />

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25


Genügt für den Nachweis einer Erkrankung<br />

die Beschwerdeschilderung?<br />

Entscheidung des BGH vom 14.04.1999 (IV ZR 289/97,<br />

Frankfurt(M.): „ ... dass bei einer Krankheit wie der<br />

Generalisierten Tendomyopathie, die gerade durch das<br />

Fehlen naturwissenschaftlich gewonnener Untersuchungsbefunde<br />

charakterisiert wird, der ärztliche Nachweis der<br />

Erkrankung auch dadurch geführt werden kann, daß ein<br />

Arzt seine Diagnose auf die Beschwerdeschilderung des<br />

Patienten stützt...“<br />

Stevens, A., K. Foerster (2000): Genügt für den Nachweis einer Erkrankung die Beschwerdeschilderung? Zum Verhältnis<br />

von Beschwerden, Befund, Diagnose und Beeinträchtigung. Versicherungsmedizin 52,2, 76-80<br />

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26


Rollenkonfusion des Arztes,<br />

hier: der Arzt als Heiler<br />

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Rollenkonfusion des Arztes,<br />

hier: der Arzt als Gutachter<br />

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A) A) Anamnese Anamnese und B) B) Befund Befund : :<br />

gegensätzliche oder<br />

einander ergänzende Strategien<br />

der Erkenntnisgewinnung in der Medizin?<br />

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Beispiel:<br />

Anamnese:<br />

59 jähriger Mann, berichtet über morgens beim Aufstehen bemerkte Lähmung des<br />

rechten Beines<br />

Befund:<br />

zieht das rechte Bein nach beim Gehen, knickt ein.<br />

Möglichkeit a): Erhöhung der Muskelspannung, Reflexsteigerung,<br />

Pyramidenbahnzeichen;<br />

Schlußfolgerung: spastische Parese: vom ZNS ausgehend,<br />

DD Hirn- oder Rückenmarkstumor, MS, Schlaganfall u.a.m.<br />

Möglichkeit b): Minderung der Muskelspannung, Reflexabschwächung, fehlende<br />

Pyramidenbahnzeichen;<br />

Schlußfolgerung: schlaffe Parese, i.d.R. vom peripheren NS ausgehend,<br />

DD Nerven(wurzel)kompression, Nervenentzündung, Nervenspitzenschädigung<br />

(Mononeuropathie) u.a.m.<br />

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Merke:<br />

In der neurologischen Anamnese- und Befunderhebung<br />

müssen alle Systeme abgefragt und dann untersucht<br />

werden!<br />

I. Hirnnerven<br />

II. Motorik<br />

III. Sensibilität<br />

IV. Koordination<br />

V. Eigen- und Fremdreflexe,<br />

Pyramidenbahnzeichen<br />

VI. Autonome Funktionen<br />

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31


Befund / Hirnnerven:<br />

I. N. Olfactorius (Riechen)<br />

II. N. Opticus (Sehen)<br />

III. N. Oculomotorius (Augapfelbeweglichkeit, Pupillenweite)<br />

IV. N. Trochlearis (Augapfelbeweglichkeit => Blick n. schräg unten)<br />

V. N. Trigeminus (Gesichts- und Mundsensibilität, Geschmack, Kauen<br />

VI. N. Abducens (Augapfelbeweglichkeit => Blick nach außen)<br />

VII. N. Facialis (Gesichtsmuskulatur)<br />

VIII. N. Vestibulocochlearis (Statoacusticus) (Hören, Gleichgewicht)<br />

IX. N. Glossopharyngeus (Zungen- und Schlundmuskeln, Geschmack)<br />

X. N. Vagus (innere Organe, Parasympathikus)<br />

XI. N. Accessorius (Halsmuskeln)<br />

XII. N. Hypoglossus (Zungenmuskeln)<br />

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Befund: Motorik<br />

1) Allgemeine Schwäche, Muskelabmagerungen, Muskeltonus<br />

2) Gangbild (aufrecht, gebückt, propulsiv, kleinschrittig, schlurfend usw.)<br />

3) Zehen- und Hackengang, Hüpfen auf einem Bein, Hocke, Pendeln<br />

4) Schwächen und Abmagerungen einzelner Muskeln (Muskelgruppen)<br />

an Armen und Händen – Körperstamm – Beinen und Füßen<br />

5) Händedruck, Greiffunktionen, Feinmotorik, Beugung und Streckung im<br />

Ellenbogengelenk, Funktion der Schultergürtelmuskulatur<br />

6) Aufrichten aus dem Liegen, Bauchdecken, Beckenboden,<br />

Atemhilfsmuskulatur, Zwischenrippenmuskulatur, Halsmuskeln<br />

7) Fuß-, Fußrand-, Zehenheber- und –beugerschwäche, Zehenspreizer,<br />

Schwäche und Abmagerung d. Fußsohlenmuskeln, Fußgewölbe,<br />

Kniebeuger- und –strecker, Beckengürtelmuskeln<br />

8) [Hautbeschaffenheit, Beschwielung, Arbeitsspuren]<br />

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33


Befund: Sensibilität<br />

1) Berührung<br />

2) Zweipunktediskrimination<br />

3) Schmerz<br />

4) Warm/Kalt<br />

5) Vibration<br />

6) Tiefensensibilität<br />

Aus: Claus, D.: Nervenwurzelläsionen. In: In: B. Neundörfer,<br />

E. Schneider, V. Dittmann, W. Pöldinger (Hrsg.):<br />

Atlas der Nervenheilkunde. G. Braun Fachverlage 1996, 80<br />

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34


Befund / Koordination:<br />

1) Sicherheit von Bewegungen<br />

(Unsicherheit = Ataxie)<br />

2) Sicherheit von Zielbewegungen<br />

3) Sprechkoordination<br />

4) Gangprovokationen<br />

Seiltänzergang<br />

vorwärts ./. rückwärts<br />

Augen geöffnet ./. geschlossen<br />

5) Einbeinstand<br />

6) Romberg-Versuch<br />

7) Unterberger-Versuch<br />

8) Wendebewegungen<br />

(Diadochokinese)<br />

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Engelhardt, A.: Klinischer Untersuchungsgang<br />

In: B. Neundörfer, E. Schneider, V. Dittmann,<br />

W. Pöldinger (Hrsg.): Atlas der Nervenheilkunde.<br />

G. Braun Fachverlage 1996, 17<br />

35


Befund / Eigen- und Fremdreflexe, Pyramidenbahnzeichen:<br />

1) Armeigenreflexe<br />

2) Beineigenreflexe<br />

3) Fremdreflexe (Cornealreflex,<br />

Bauchhautreflexe, Analreflex,<br />

Cremasterreflex u.a.m.)<br />

4) Pyramidenbahnzeichen, Kloni<br />

Aus: Engelhardt, A.: Klinischer Untersuchungsgang In: B. Neundörfer, E.<br />

Schneider, V. Dittmann, W. Pöldinger (Hrsg.): Atlas der Nervenheilkunde.<br />

G. Braun Fachverlage 1996, 15<br />

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36


Beispiel eines Neurologischen Befundes infolge Hohen Querschnittes<br />

bei HWK 6/7 und Wurzelkompression C7 rechts:<br />

An den Hirnnerven keine Auffälligkeiten.<br />

Seitens der Motorik findet sich eine Abmagerung des M. Triceps brachii und weniger auch<br />

der Streckmuskulatur am Unterarm rechts gegenüber links.<br />

Es findet sich eine Schwäche für die Streckung des Unterarmes im Ellenbogengelenk sowie<br />

die Beugung der Finger I – III in Mittel- und Endgelenk des Kraftgrades IV und der Handund<br />

Fingerstrecker des Kraftgrades IV+ . Der Schlüssel- und Spitzgriff sind rechts kraftgemindert,<br />

die Kuppen der Langfinger können jedoch sämtlich mit der Daumenkuppe zur<br />

Deckung gebracht werden. Die Schulterkappenmuskulatur, der M. Biceps brachii und die<br />

Muskulatur an der Hand sind seitengleich kräftig ohne Abmagerung.<br />

Die Feinmotorik rechts ist gemindert, der Betroffene ist nicht in der Lage einhändig eine<br />

Sicherheitsnadel unter Sichtkontrolle zu öffnen.<br />

Die Muskelspannung an Armen und Beinen ist regelhaft, insbesondere findet sich kein<br />

spastisches Gangbild. Einbeinhüpfen bds. infolge Schmerzes nicht möglich. Rechts<br />

vermindertes Mitpendeln des Armes unter Schmerzangabe.<br />

Seitens der Sensibilität findet sich eine Herabminderung für Berührungs- und Schmerzreize<br />

am I. bis III. Strahl an der rechten Hand, gleichzeitig besteht eine Überempfindlichkeit<br />

(Allodynie) der Haut beim Darüberstreichen. Die Zweipunktediskrimination ist an den<br />

Fingerkuppen I bis III mit 6-8mm erhöht.<br />

Das Hoffmann-Tinel‘sche Zeichen über dem Carpaltunnel ist negativ, negativr Phalen-Test.<br />

Keine Sensibilitätsstörung an den Beinen und am Körperstamm, Tiefensensibilität unauff..<br />

Koordinationsstörungen finden sich nicht.<br />

Der Tricepsreflex und Brachioradialisreflex sind rechts abgeschwächt, mittleres<br />

Reflexniveau. Seitengleiche Bauchhautreflexe, keine Pyramidenbahnzeichen.<br />

Medizinisches Gutachteninstitut<br />

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37


Inhaltsübersicht:<br />

I. Das Bio-Psycho<br />

Bio Psycho-Soziale Soziale Krankheitsmodell<br />

Impairment => Disability => Handicap<br />

II. Wirbelsäule und Nervensystem<br />

Anatomie -- Physiologie -- Pathophysiologie<br />

III. Beschwerden und klinisch-neurologischer klinisch neurologischer Befund<br />

IV. Befunde apparativer Zusatzuntersuchungen<br />

• neurophysiologische Befunde<br />

• Befunde bildgebender Verfahren<br />

V. Konversion -- Dissoziation -- Somatoforme Störung<br />

VI. Willensfähigkeit, komplexe Ich-Funktionen<br />

Ich Funktionen<br />

und psychischer Querschnittsbefund<br />

VII. „Wirbelsäulenschmerz“<br />

Medizinisches Gutachteninstitut<br />

Hamburg-Rostock-Berlin 05/2008<br />

38


Neurophysiologische Untersuchungsmethoden<br />

bei Wirbelsäulenerkrankungen:<br />

•Nadelmyographie (EMG)<br />

•Motorische Neurographie incl. F-Wellen-Latenz<br />

•Sensible Neurographie incl. H-Reflex<br />

•Magnetstimulation der Motorischen Hirnrinde und der spinalen Nervenwurzeln (MEP)<br />

•Somatosensorisch evozierte Potentiale<br />

•SSR resp. autonome evozierte Potentiale<br />

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39


Nadelmyographie (EMG) des Schultergürtels:<br />

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40


Nadelmyographie (EMG):<br />

Veränderung der Potentiale Motorischer Einheiten (Motor Unit<br />

Potentials, „MUP‘s“ MUP‘s“) bei Nerven- und Muskelerkrankungen<br />

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41


Nadelmyographie (EMG):<br />

Veränderung der „MUP‘s“<br />

nach Nervenschaden<br />

im Zeitverlauf<br />

Beachte:<br />

das Alter einer Verletzung des<br />

peripheren Nervensystems z.B.<br />

durch Unfall lässt sich im EMG<br />

einigermaßen genau nur bis zum<br />

Ende des Zweiten Unfalljahres<br />

bestimmen, danach kann man<br />

nicht mehr sagen, ob eine<br />

Veränderung 2, 4, 10, 20 oder<br />

mehr Jahre besteht.<br />

frühes...<br />

mittleres...<br />

Spätes<br />

Reiinervationsstadium,<br />

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42


Motorische Neurographie:<br />

Bsp.: Ulnaris-Rinnen-Syndrom<br />

Beachte:<br />

•Das Ulnaris-Rinnen-Syndrom ist<br />

wichtigste Differentialdiagnose<br />

einer Beschädigung der<br />

Nervenwurzel C8,<br />

•das Carpaltunnelsyndrom für C7<br />

•Die Peronaeuslähmung für L5<br />

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+<br />

43


Motorische Neurographie: Veränderung des Muskelsummenpotentials<br />

bei Engpassyndrom (z.B. Ulnaris-Rinnen-Syndrom)<br />

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44


Motorische Neurographie:<br />

Bsp.: Peronaeusparese<br />

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45


Sensible Neurographie:<br />

Bsp.: Carpaltunnel-Syndrom<br />

orthodrome vs . antidrome Technik<br />

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46


Somatosoensorisch evozierte Potentiale<br />

(Erb-Potential, Nackenpotential, Skalp-<br />

Potential):<br />

Claus, D.: Neurophysiologische Untersuchungsverfahren; . In: B. Neundörfer, E. Schneider, V. Dittmann,W.<br />

Pöldinger (Hrsg.): Atlas der Nervenheilkunde., G.Braun Fachverlage 1996, 26<br />

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47


Magnetstimulation der Motorischen Hirnrinde<br />

oder spinaler Nervenwurzeln:<br />

Claus, D.: Neurophysiologische Untersuchungsverfahren; . In: B. Neundörfer, E. Schneider, V. Dittmann,W.<br />

Pöldinger (Hrsg.): Atlas der Nervenheilkunde., G.Braun Fachverlage 1996, 26<br />

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48


Bildgebende Verfahren bei Wirbelsäulenerkrankungen:<br />

•Röntgen Nativdiagnostik<br />

•Computertomographie (CT)<br />

•Magnetresonanztomographie (MRT)<br />

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49


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50


Inhaltsübersicht:<br />

I. Das Bio-Psycho<br />

Bio Psycho-Soziale Soziale Krankheitsmodell<br />

Impairment => Disability => Handicap<br />

II. Wirbelsäule und Nervensystem<br />

Anatomie -- Physiologie -- Pathophysiologie<br />

III. Beschwerden und klinisch-neurologischer klinisch neurologischer Befund<br />

IV. Befunde apparativer Zusatzuntersuchungen<br />

• neurophysiologische Befunde<br />

• Befunde bildgebender Verfahren<br />

V. Konversion -- Dissoziation -- Somatoforme Störung<br />

VI. Willensfähigkeit, komplexe Ich-Funktionen<br />

Ich Funktionen<br />

und psychischer Querschnittsbefund<br />

VII. „Wirbelsäulenschmerz“<br />

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51


Somatoforme Störungen nach DSM-IV-TR<br />

Definition:<br />

„... Vorhandensein von körperlichen Symptomen, die einen medizinischen<br />

Krankheitsfaktor nahelegen [...], und die durch einen medizinischen<br />

Krankheitsfaktor, durch die direkte Wirkung einer Substanz oder durch eine andere<br />

psychische Störung [...] nicht [bzw. nicht] vollständig erklärt werden können.“ ... „im<br />

Gegensatz zur Vorgetäuschten Störung (DSM-IV 300.16 oder 300.19, ICD-10 F68.1)<br />

und zur Simulation (DSM-IV-TR V65.2, ICD-110 Z76.5) sind die körperlichen<br />

Symptome nicht absichtlich erzeugt (d.h. [sie stehen] nicht unter willentlicher<br />

Kontrolle) ...“<br />

Somatoforme Störungen:<br />

•Somatisierungsstörung<br />

•Undifferenzierte Somatoforme Störung<br />

•Konversionsstörung (DSM-IV-TR 300.11, ICD-10 F44.NN)<br />

•Somatoforme Schmerzstörung (DSM-IV-TR 307.8N, ICD-10 F45.4)<br />

•Hypochondrie<br />

•Körperdysmorphe Störung<br />

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52


Unterschied DSM-IV-TR ./. ICD 10:<br />

Die Konversionsstörung in der ICD-10 wird nicht den Somtoformen Störungen<br />

zugerechnet, sondern ist synonym mit den Dissoziativen Störungen<br />

Dissoziative Störungen:<br />

•Dissoziative Amnesie<br />

•Dissoziative Fugue<br />

•Dissoziativer Stupor<br />

•Dissoziative Bewegungsstörung<br />

•Dissoziative Krampfanfälle<br />

•Dissoziative Sensibilitäts- und Empfindungsstörungen<br />

•Gemischte Dissoziative Störungen<br />

•Ganser Syndrom<br />

•Dissoziative Identitätsstörung (Multiple Persönlichkeitsstörung)<br />

•Andere und nicht näher bezeichnete Dissoziative Störungen<br />

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Psychodynamisches Verständnis von Konversion<br />

und somatoformem Schmerz:<br />

•„Ausdruckskrankheiten“: eine für das Ich unerträgliche Belastung, ein innerseelischer Konflikt oder eine überaus<br />

gewünschte, jedoch nicht lebbare Beziehung werden durch ein dem Willen nicht unterworfenes scheinbar<br />

körperliches Symptom dargestellt.<br />

•Wahrnehmungseinengung mit der Folge einer Bewusstseinsänderung (Dissoziation), Störung der Realitätskontrolle<br />

und Selbstkritik<br />

•Hyperemotionalität: emotionale Labilisierung, vermehrte Ansprechbarkeit Angst, „hysterisches Aufgebrachtsein.“<br />

•Veränderung der Selbstwahrnehmung und des Selbstbildes, regressive Selbstbildveränderung mit Symbolisierung<br />

von Schwäche, Hilflosigkeit, Unschuld, Anlehnungsbedürftigkeit usw. (siehe auch in der Partnerbeziehung).<br />

•Kommuniklativer Aspekt, „Krankheit als Bühne“<br />

•Identifizierungsvorgänge: Übernahme von Symptomen von dem Betroffenen wichtigen <strong>Dr</strong>itten<br />

•Symbolisierung im Symptom<br />

-- Bsp.: psychogener Rückenschmerz: „kann es nicht mehr (er)tragen“, „kann den Rücken nicht immer steif halten“<br />

-- Bsp.: psychogene Lähmung: „kann nicht mehr“ ... „es geht nicht weiter“<br />

-- Bsp.: psychogene Blindhei: „kann es nicht mehr mit ansehen“<br />

-- Bsp.: psychogene Ertaubung. „kann es nicht mehr hören“<br />

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54


Psychogene Bewegungsstörung dokumentiert: Verschwinden der Symptome<br />

oder anhaltende Besserung infolge Psychotherapie, Suggestion oder Placebo,<br />

unterstützt durch Physiotherapie, oder wenn der Patient symptomfrei wird, sobald<br />

er sich unbeobachtet fühlt.<br />

Psychogene Bewegungsstörung klinisch festgestellt: Die auf Befundebene<br />

festgestellten Symptome der Bewegungsstörung passen nicht zu einem der<br />

bekannten neurologischen Störungsbilder (incongruency), zuzüglich wenigstens<br />

eines der drei folgenden Merkmale:<br />

• Vorhandensein weiterer psychogener Symptome abseits der<br />

Bewegungsstörung<br />

• Mehrörtliche Somatisierungen<br />

• Erkennbare seelische Erkrankung abseits der Bewegungsstörung<br />

Psychogene Bewegungsstörung wahrscheinlich: Die auf Befundebene<br />

festgestellten Symptome der Bewegungsstörung passen nicht zu einem der<br />

bekannten neurologischen Störungsbilder (incongruency), sie passen nicht<br />

zueinander und sind im Zeitverlauf nicht konstant (inconsistency), oder es finden<br />

sich weitere psychogene Symptome abseits der Bewegungsstörung oder<br />

mehrörtliche Somatisierungen<br />

Psychogene Bewegungsstörung möglich: Es liegt außerdem eine emotionale<br />

Störung vor<br />

Diagnosekriterien psychogener Bewegungsstörungen (nach Schrag, A.: Psychogenic dystonia and reflex<br />

sympathetic dystrophy. In: Hallett, M., S. Fahn, J. Jankovic et al.: Psychogenic Movement Disorders:<br />

Neurology and Neuropsychiatry. Philadelphia; Lippincott, Williams and Wilkins 2006, 53 – 61)<br />

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55


Argumente, die für eine nicht organisch begründete Störung sprechen...<br />

(1)<br />

Nach anamnestischen Angaben<br />

•Offensichtliche psychiatrische Erkrankung [aber: eine Vielzahl organischer<br />

Bewegungsstörungen weist psychiatrische Begleiterkrankungen auf]<br />

•Vielörtliche Somatisierungen [aber: Koinzidenz zu organischer Bewegungsstörung möglich]<br />

•Der/die Betroffene ist berufstätig im Gesundheitswesen [aber: statistische Häufung]<br />

•Anstehende rechtliche Auseinandersetzung um Entschädigung oder andere finanzielle<br />

Ansprüche [aber: auch organisch Kranke streiten um finanzielle Ansprüche]<br />

•Sekundärer Krankheitsgewinn (z.B. durch die Sorge von Angehörigen) [aber: wenig verlässlich]<br />

•Junges Lebensalter bei weiblichem Geschlecht [aber: statistische Häufung, auch unter den von<br />

organischen Bewegungsstörungen betroffenen finden sich junge Frauen]<br />

Nach: Lang, A.E.: General overview of psychogenic movement disorders: epidemiology, diagnosis<br />

and prognosis. In Hallett, M., S. Fahn, J. Jankovic et al.: Psychogenic Movement Disorders:<br />

Neurology and Neuropsychiatry. Philadelphia; Lippincott, Williams and Wilkins 2006, 35 - 41<br />

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56


Argumente, die für eine nicht organisch begründete Störung sprechen...<br />

(2)<br />

Nach klinischen Befunden:<br />

•Nicht zueinander passende und im Zeitverlauf inkonstante Befunde (Verteilung der Bewegungsmuster,<br />

nicht schlüssige Behinderung bei speziellen Tätigkeiten)<br />

•Paroxysmales Auftreten [aber: seltene paroxysmale Bewegungsstörungen bspw. Dystonien]<br />

•Die Bewegungsstörung nimmt zu bei Aufmerksamkeitszuwendung und ab bei Aufmerksamkeitsentzug<br />

[aber: Tic, bestimmte Tremorarten]<br />

•Unerwartete Handlungsweisen des Untersuchers triggern die Bewegungsstörung, z.B. Erschrecken,<br />

passive Bewegung der betroffenen Gliedmaße, Berühren von Triggerpunkten irgendwo am Körper)<br />

[aber: Suggestibilität bei organischer Bewegungsstörung]<br />

•Nicht organisch begründbare Schwächen der Gliedmaßen<br />

•Nicht organisch begründbare Sensibilitätsstörungen, z.B. halbseitige Sensibilitätsminderung mit mittiger<br />

Begrenzung<br />

•Spuren von Selbstverletzung [aber: Tourette-Syndrom]<br />

•Unphysiologisch langsame oder schnelle Bewegungsmuster<br />

•Funktionsstörungen die durch das Ausmaß der Bewegungsstörung nicht begründet werden<br />

•Hochabnorme Bewegungsmuster (Bizarre, vielfältige und schlecht zu klassifizierende Bewegungen<br />

[aber: M.Wilson, Thalamische Läsionen, einige vererbbare Dystonien, andere]<br />

Nach: Lang, A.E., a.a.O (2006)<br />

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57


Argumente, die für eine nicht organisch begründete Störung sprechen...<br />

(3)<br />

Nach therapeutischer Beeinflussbarkeit:<br />

•Fehlende Beeinflussbarkeit durch die gängigen Therapeutika [aber: Dystonien und manche<br />

Tremorformen sind auch schlecht zu beeinflussen]<br />

•Besserung nach Placebogabe [aber: im Einzelfall auch bei organischen Störungen möglich]<br />

•Besserung oder Verschwinden unter Psychotherapie<br />

Nach: Lang, A.E., a.a.O (2006)<br />

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58


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59


Inhaltsübersicht:<br />

I. Das Bio-Psycho<br />

Bio Psycho-Soziale Soziale Krankheitsmodell<br />

Impairment => Disability => Handicap<br />

II. Wirbelsäule und Nervensystem<br />

Anatomie -- Physiologie -- Pathophysiologie<br />

III. Beschwerden und klinisch-neurologischer klinisch neurologischer Befund<br />

IV. Befunde apparativer Zusatzuntersuchungen<br />

• neurophysiologische Befunde<br />

• Befunde bildgebender Verfahren<br />

V. Konversion -- Dissoziation -- Somatoforme Störung<br />

VI. Willensfähigkeit, komplexe Ich-Funktionen<br />

Ich Funktionen<br />

und psychischer Querschnittsbefund<br />

VII. „Wirbelsäulenschmerz“<br />

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60


Zwei richtige Aussagen ...<br />

Es kann sein, dass ein Tierarzt, der nach einem<br />

lebensgefährlichen Angriff durch einen Stier eine phobische<br />

Störung entwickelt, deswegen berufsunfähig ist.<br />

Nicht jeder Tierarzt, der nach einem lebensgefährlichen Angriff<br />

durch einen Stier eine phobische Störung entwickelt, ist<br />

deswegen berufsunfähig<br />

nur, ist er jetzt berufsunfähig oder nicht?<br />

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61


Widder, B., Aschoff, J. (1995): Somatoforme Störung und Rentenantrag: Erstellen einer Indizienliste zur quantitativen<br />

Beurteilung des beruflichen Leistungsvermögens, Med. Sach. 91, 1, 14 ff.<br />

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62


Die Skala Global Assessment of Functionning<br />

Arbeitskreis OPD (Hrsg): Operationalisierte Psychodynamische Diagnostik OPD-2;<br />

Verlag Hans Huber 1. Aufl. 2006<br />

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63


Die Skala EQ-5D (EuroQol-five-dimension) zur standardisierten<br />

Erfassung des Psychosozialen Funktionsniveaus<br />

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aus: OPD-2 und DSM-IV-TR a.a.O:<br />

64


Bausteine des psychischen Befundes (I):<br />

A) nach dem AMDP-System:<br />

• Bewußtseinsstörungen<br />

• Orientierungsstörungen<br />

• Aufmerksamkeits- und<br />

Gedächtnisstörungen<br />

• Formale Denkstörungen<br />

• Befürchtungen und<br />

Zwänge<br />

• Wahn<br />

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• Sinnestäuschungen<br />

• Ich-Störungen<br />

• Störungen der Affektivität<br />

• Störungen des Antriebs und<br />

psychomotorische Störungen<br />

• Tageszeitliche Besonderheiten<br />

• Andere Störungen<br />

• [Somatischer Befund]<br />

Arbeitsgemeinschaft für Methodik und Dokumentation in der Psychiatrie (AMDP):<br />

Das AMDP-System. Manual zur Dokumentation psychischer Befunde. 7. unveränd. Aufl.1995, 52 - 158<br />

65


Bausteine des gutachtlichen psychischen Befundes (III):<br />

C) eigener Vorschlag einer Systematik:<br />

Befunde analog dem AMDP (s.o.), und außerdem:<br />

• Äußeres Erscheinungsbild unabhängig<br />

von Verhalten (beobachtbar)<br />

• Verhalten (bewusst/nicht bewusst;<br />

beobachtbar)<br />

• Direktes Erleben während der<br />

Untersuchung (beobachtbar, erlebbar)<br />

• Beziehung und Bindung (beobachtbar,<br />

erlebbar)<br />

• Selbstwahrnehmung [u.-einschätzung]<br />

• Fremdwahrnehmung [u.-einschätzung]<br />

• Diskrepanz zwischen Selbst- und<br />

Fremdwahrnehmung [u.-einschätzung]<br />

• Diskrepanz zwischen getanen und<br />

zu erwartenden Äußerungen<br />

• Einsichts- und Urteilsfähigkeit<br />

• Introspektionsfähigkeit<br />

• Konstanz der Symptome während des<br />

Untersuchungszeitraumes und in Bezug<br />

zur Anamnese<br />

• Konsistenz der Symptome, unter<br />

Einbezug körperlicher Befunde und<br />

anamnestischer Angaben<br />

• Übertragungsgefühle (Gefühle auf seiten<br />

des Untersuchten)<br />

• Gegenübertragungsgefühle (Gefühle auf<br />

seiten des Untersuchers)<br />

<strong>Fabra</strong>, M. (2004): Der psychische Querschnittsbefund, <strong>Dr</strong>eh- und Angelpunkt psychiatrischpsychotherapeutischer<br />

Begutachtung. Versicherungsmedizin, 56, 3, 115 - 122<br />

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66


Einschätzung der Krankheitsschwere und der<br />

verbliebenen Willensfähigkeit anhand der sog.<br />

komplexen Ich-Funktionen<br />

Ich Funktionen<br />

Realitätsprüfung und Urteilsbildung<br />

Beziehungsfähigkeit und Kontaktgestaltung<br />

Affektsteuerung und Impulskontrolle<br />

Selbstwertregulation und Regressionsfähigkeit<br />

Intentionalität und Antrieb<br />

Abwehrorganisation<br />

Heigl, F.: Indikation und Prognose in Psychoanalyse und Psychotherapie. Vandenhoeck und Ruprecht, Göttingen 3. Aufl. 1987,<br />

S. 137 f.; Foerster, K. (2001): Stellenwert psychischer Störungen in der Begutachtung - Grundlagen der Begutachtung.<br />

Med. Sach. 97, 2, 33 – 35; Franz, M., D. Schellberg, H. Schepank (1995): Indikatoren und Einflussfaktoren des Langzeitspontanverlaufs<br />

psychogener Erkrankugnen, ein Extremgruppenvergleich, PPmP Psychother., Psychosmom. Med. Psychol. 45, 41 –51;<br />

<strong>Fabra</strong>, M. (2005): So genannte komplexe Ich-Funktionen, psychischer Querschnittsbefund und Einschätzung des<br />

Leistungsvermögens in der Begutachtung psychogener Erkrankungen. I: Versicherungsmedizin, 57, 3, 133-136; II:<br />

Versicherungsmedizin 57, 4, 178-181<br />

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67


Abwehrmechanismen und zugeordnete Adaptationsniveaus<br />

(mod. n. OPD-2)<br />

• Hochadaptives Niveau:<br />

• Affiliation<br />

• Altruismus<br />

• Antizipation<br />

• Humor<br />

• Selbstbehauptung<br />

• Selbstbeobachtung<br />

• Sublimation<br />

• Unterdrückung<br />

• Niveau mit psychischen<br />

Hemmungen<br />

(Kompromissbildungen):<br />

• Affektisolation<br />

• Dissoziation<br />

• Intellektualisierung<br />

• Reaktionsbildung<br />

• Ungeschehenmachen<br />

• Verdrängung<br />

• Verschiebung<br />

• Niveau mit leichter<br />

Vorstellungsverzerrung:<br />

• Entwertung<br />

• Idealisierung<br />

• Omnipotenz<br />

• Verleugnungsniveau:<br />

• Projektion<br />

• Rationalisierung<br />

• Verleugnung<br />

• Niveau mit schwerer<br />

Vorstellungsverzerrung:<br />

Autistische Phantasie<br />

Projektive Identifikation<br />

Spalten des Selbstbildes und des Bildes<br />

anderer<br />

• Handlungsniveau:<br />

• Apathischer Rückzug<br />

• Ausagieren<br />

• Hilfe zurückweisendes Klagen<br />

• Passive Aggression<br />

• Niveau mit Abwehrdysregulation und<br />

(psychotischem) Bruch der Realität:<br />

• Psychotische Leugnung<br />

• Psychotische Verzerrung<br />

• Wahnhafte Projektion<br />

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68


Beispiel eines psychischen Querschnittsbefundes bei psychogener<br />

Bewegungsstörung (Konversionsstörung) oder somatoformer Schmerzstörung<br />

hier zusätzlich mit willensgebundenen Anteilen (Rechtsgebiet: PBUZ) PBUZ)<br />

(I):<br />

Der Betroffene ist mit eher hochwertigen Kleidungsstücken, jedoch wenig sorgfältig gekleidet, mit Stoppelbart<br />

und grau-gelblichem Teint. Er nimmt in der Wartezone einen mürrischen Kontakt auf, erhebt sich unter<br />

Signalisieren von Schmerz mit einem Stöhnen, und macht sich langsam unter Schmerz- und Unwillensäußerungen<br />

mit schlurfendem Gang auf seinen rechts geführten Handstock gestützt auf den Weg zum<br />

Untersuchungsraum; dabei lehnt er sich zwischendurch mehrfach an der Wand an, schließt die Augen und atmet<br />

tief durch. Er lässt sich dann schwerfällig auf dem dargebotenen Sessel nieder, rückt darauf mehrfach hin und her<br />

und erklärt, dass er schmerzbedingt nicht lange sitzen könne. Die zunächst eingenommene Schonhaltung verliert<br />

er jedoch mehr und mehr, je umfassender er von den Inhalten des gutachtlichen Interviews in Anspruch<br />

genommen wird.<br />

Der Betroffene hat sich genau überlegt was er sagen will und was nicht. Es ist ihm angelegen, seine<br />

Rückenschmerzen und die dadurch bedingten Funktionsstörungen und Leistungsbehinderungen möglichst ins<br />

rechte Licht zu rücken, so wie dies in einer Gutachtensituation ganz angemessen ist. Darüber hinaus ist er<br />

bedacht darauf, an seinen Einschränkungen in seinem Gegenüber möglichst keinen Zweifel aufkommen zu lassen;<br />

gewinnt er den Eindruck, dass solche Zweifel entstehen könnten, nimmt er sie bereits vorweg und sucht sie im<br />

Vorwege durch Gegenargumente zu zerstreuen. Der Betroffene vermittelt Leidensdruck eines Ausmaßes wie es<br />

den geschilderten Einschränkungen angemessen wäre, nicht. Erlebte Hilf- oder Hoffnungslosigkeit vermitteln sich<br />

im Interview zu keinem Zeitpunkt, auch keine katastrophisierenden Kognitionen.<br />

Der Betroffene gestaltet die Beziehung zum Untersucher eigenständig, eigenaktiv, vermeidet Blickkontakt nicht<br />

und erhält eine einmal erreichte Intensität im Kontakt über den gesamten verbleibenden Verlauf der<br />

Untersuchung aufrecht. Der Betroffene kennzeichnet sich im beruflichen und privaten Kontext als<br />

„Führungspersönlichkeit“ und legt auch in der Gutachtensituation großen Wert auf Achtung und Anerkennung<br />

seitens des Untersuchers, mit dem er möglichst „auf Augenhöhe“ zu kommunizieren sucht. Als sich in diesem<br />

Punkt akzeptiert fühlen kann, lassen das <strong>Dr</strong>ängende und Fordernde in seinem Verhalten fühlbar nach. Gerade in<br />

Kenntnis seiner Biographie hat man eher den Eindruck eines primär selbstunsicheren Menschen, der sich mit<br />

hoher Willenskraft und entgegen den ihn abwertenden Vorwürfen seines Vaters an die Spitze des ehemals<br />

elterlichen Betriebes gekämpft hat, dessen von ihm unverschuldeter Konkurs ihm erheblich zusetzt. ...<br />

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Beispiel eines psychischen Querschnittsbefundes bei psychogener<br />

Bewegungsstörung (Konversionsstörung) oder somatoformer Schmerzstörung<br />

hier zusätzlich mit willensgebundenen Anteilen (Rechtsgebiet: PBUZ) PBUZ)<br />

(II):<br />

Seitens des inhaltlichen Denkens findet sich der Betroffene gefangen in seinem Leiden, kann sich einerseits nur<br />

schlecht daraus lösen und sich anderen Inhalten zuwenden, lässt sich auf der anderen Seite aber in dieses Leiden<br />

auch willensgebunden ein Stückweit hineingleiten. Trotzdem gelingt es ihm nicht, etwa bei der Schilderung seiner<br />

momentanen Lebenssituation zusammenhängend von den Unternehmungen mit seinen Söhnen zu berichten,<br />

sondern er wird immer wieder von Gedanken und Gefühlen von Leiden, Missgunst anderer und subjektivem<br />

Übervorteiltwerden, eingeholt.<br />

Der Betroffene hat wenig Sinn für Körper-Seele-Zusammenhänge sondern ein ausgeprägt körperliches<br />

(somatisches) Krankheitsverständnis, zieht verschiedentlich Analogien zwischen seinem Körper und seinem PKW,<br />

den er zur Reparatur gebe, wonach er wieder funktionieren müsse. Er äußert sein Unverständnis darüber „...dass<br />

die Ärzte dies bei mir nicht hinbekommen“. Wahnhaftes findet sich nicht, kein Hinweis für Trugwahrnehmungen<br />

in der Gutachtensituation oder für die Vergangenheit, regelhaftes Ich-Erleben, keine eigenständig krankhafte<br />

Neigung hypochondrischer Selbstbeobachtung.<br />

Das formale Denken ist nicht gestört, einzelne Gedanken bauen logisch aufeinander auf, der Gedankengang ist<br />

flüssig, normal schnell, regelhafter Sprechduktus.<br />

Kognitive und mnestische Funktionen sind nicht gestört, der Betroffene ist nicht umstellerschwert, weiß wichtiges<br />

von unwichtigem gut zu unterscheiden und verliert sich nicht in Details. Er ermüdet wärhrend des 2 Stunden<br />

währenden Interviews nicht vorschnell und beweis angemessene Erinnerungsstrategien.<br />

Affektiv ist der Betroffene häufig am Rande der Contenance, er beherrscht sich in seinen Unmutsäußerungen nur<br />

mit Mühe, wobei er auch den Untersucher mit Kritik und persönlichen Angriffen nicht ausspart. Affektsteuerung<br />

und Impulskontrolle sind gemindert. Der Untersuchte ist überwiegend in einem moros-vorwürflichen Affekt<br />

gefangen, in diesem Rahmen aber moduliert. Er ist erhöht affizierbar, von verminderter affektiver Reserve, jedoch<br />

nicht erhöht affektdurchlässig. Die Stimmung ist herabgesenkt, der Antrieb eher vermehrt und wird zielgerichtet<br />

eingesetzt. Eine depressive Hemmung der Ausdrucksbewegungen besteht nicht, im gegenteil begleitet der<br />

Betroffene was er sagt mit lebhafter angemessener Mimik und Gestik. Kein Hinweis aktueller Suicidalität.<br />

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70


„...Puhhh, das war schwere Kost, jetzt ist aber Schluss!“


Körperlich krank?<br />

seelisch krank?<br />

oder simuliert?<br />

Wertigkeit und Funktion<br />

des klinischen klinischen Befundes Befundes<br />

in der psychiatrisch-psychotherapeutischen Begutachtung<br />

--- Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit !<br />

Matthias <strong>Fabra</strong><br />

Medizinisches Gutachteninstitut Hamburg<br />

fabra@gutachteninstitut.de


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