Interview - Heilpraktiker für klassische Homöopathie Gunter Stegk

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Interview - Heilpraktiker für klassische Homöopathie Gunter Stegk

Interview

1. Was ist das Besondere an der Predictive Homoeopathy - der

„vorhersagenden Homöopathie?

Im Vordergrund homöopathischen Handelns steht nicht die Krankheit des

Menschen, sondern der Mensch mit seiner Krankheit. Der Mensch ist nicht nur

Körper, er ist auch nicht nur Geist und Gemüt, er wird in seiner Ganzheit

betrachtet. Dabei gilt es, herauszufinden, wie er auf seine Umwelt – sozial und

ökologisch – reagiert. Die Art und Weise auf die Umwelt zu reagieren ist

individuell in der Konstitution festgelegt. So gibt es z.B. mutige, schüchterne,

extrovertierte, introvertierte, hochmütige Konstitutionen, jeder Mensch ist

diesbezüglich individuell gestaltet. Dies ist im Genom festgelegt. Das Genom

bestimmt somit unsere Art und Weise, auf Reize zu reagieren. Dies muss in der

Fallaufnahme berücksichtigt werden, es gilt, den Menschen in seinem Wesen, in

seiner Ganzheit zu erfassen. Hier spielen auch die Miasmen eine große Rolle.

Schon die Fallaufnahme ist sehr gut strukturiert, ohne die Individualität zu

vernachlässigen. Das Besondere ist das Follow up, hier fällt die Entscheidung,

wohin die Reise geht. Symptome verschwinden, neue entstehen – das sind nicht

wirklich neue Symptome, die da entstehen, die Krankheit zeigt sich nur an

einem anderen Ort. Der Ort sagt nun, entsprechend der Hering’schen Gesetze,

ob die Reaktion auf das Mittel in Richtung Heilung geht oder ob unterdrückt

worden ist. Im ersten Fall verhalten wir uns ruhig, lassen den Prozess laufen und

beschränken uns auf das Beobachten, im zweiten Fall muss ein anderes Mittel

gefunden werden. Damit wird das Follow up zum Kompass für die weitere

Behandlung. Wenn ich etwas Besonderes benennen soll, dann ist es der

Stellenwert des Follow up im Kontext der gesamten Behandlung. Durch die

genauere Differenzierung der Hering’schen Gesetze ist es leicht zu erkennen,

wohin die Reise geht. Gerade für Berufsanfänger sind Orientierungshilfen sehr

wichtig – hier findet man sie.

Predictive Homoeopathy steht für klare Struktur!

2. Wie kam es dazu, dass der indische Arzt Dr. Vijayakar die Predictive

Homoeopathy entwickelte?

Dr. Vijayakar legt Wert auf die Feststellung, dass er keine neue Richtung

in der Homöopathie entwickelt hat. Er hat sich nur konsequent am

Organon orientiert, Patienten gut beobachtet und selbstkritisch eigene

Fehler in den Behandlungen eingestanden. Er hat sich dabei mit dem

Phänomen der Unterdrückung auseinander setzen müssen. Er stellte fest,

dass die Patienten ihre Krankheit nach bestimmten Gesetzmäßigkeiten

entwickelten und auch Heilungsprozesse nach bestimmten Regeln

abliefen. Er suchte nach Erklärungen und fand diese durch intensives

Studium der Naturwissenschaften, u.a. in der Embryologie – auch in der


embryologischen Entwicklung gibt es Regeln, der Mensch entwickelt sich

nach einer bestimmten Logik. Diese Logik fand er in den Hering’schen

Gesetzen wieder: Heilungsprozesse entsprechen dem Verlauf der

Keimblattentwicklung, während die Krankheit sich entgegengesetzt

entwickelt. Während jeder Behandlung treten Symptome auf, die in einer

Beziehung zu den Beschwerden stehen, die den Patienten veranlasst

haben, sich behandeln zu lassen. Damit lassen sich die Hering’schen

Gesetze wissenschaftlich erklären. Damit bekommen diese Gesetze einen

hohen Stellenwert in der Praxis, denn er kann nun schnell erkennen, ob

der Prozess in Richtung Heilung verläuft oder ob Unterdrückung droht.

Er hat darauf aufbauend seine „7 Schichten der Unterdrückung“

entwickelt, eine genauere Differenzierung der Hering’schen Gesetze. Im

Follow up ist es nun ein Leichtes, anhand dieser Tabelle zu erkennen, ob

die Richtung des Prozesses stimmt.

Dr. Vijayakar hat eine riesige Praxis, in der nicht selten 200 und mehr

Patienten täglich behandelt werden. Er hat deshalb das Bestreben, seine

Behandlungszeit zu begrenzen, was ihm mit dieser Tabelle – die er

natürlich im Kopf hat -, erleichtert wird.

Um auf die Frage noch einmal klar zu antworten: Predictive

Homoeopathy ist aus der alltäglichen Praxis entstanden als Ergebnis

kritischen Handelns. Dabei sind seine Patienten der Lehrmeister. Bei der

Fülle an Patienten kann Dr. Vijayakar seine Erkenntnisse tagtäglich in der

Realität überprüfen und neue Fragen entwickeln.

3. Welche Vorkenntnisse braucht man, um sich in Predictive

Homoeopathy weiter zu bilden?

Es gibt zwei Bücher von Dr. Vijayakar, deren Lektüre ich als Einstieg

empfehlen würde, das ist 1. „Die Theorie der Unterdrückung“ und 2. „Die

Gesetzmäßigkeit der Miasmen“. Das erste Buch beschäftigt sich mit der

Entwicklung von Krankheit und Heilung und erklärt ausführlich das

Phänomen Unterdrückung. Das zweite Buch befasst sich mit den

Miasmen und deren Stellenwert im Krankheitsverlauf . Der Beschreibung

des Bildes der Miasmen, wird viel Raum gegeben. Beide Bücher sind eine

gute Grundlage, sich mit dem Denken von Dr. Vijayakar auseinander zu

setzen.

4. Profitieren auch erfahrene Homöopathen, die bisher andere

Richtungen verfolgt haben, von der Predictive Homoeopathy?

Auf jeden Fall profitieren auch erfahrene Homöopathen von der

Predictive Homoeopathy. Ich kann da meine Erfahrungen anführen, die

sich durch Erfahrungen von Kollegen bestätigen lassen. Meine Arbeit mit

den Patienten ist strukturierter geworden, sicherer im Fallmanagement, es


gibt keine Endlosanamnesen mehr, ich frage viel gezielter und habe das

Gefühl, das Gespräch effektiver zu gestalten. Ich erkenne deutlicher, ob

ein Mittel richtig war oder nicht und ich traue mich auch an schwere

Krankheitsfälle heran. Das was Dr. Vijayakar auf Seminaren vermittelt ist

1:1 umsetzbar. Ich bin zufriedener mit meiner Arbeit, ich habe mehr

Bodenkontakt. Und, was auch nicht zu verachten ist, ich habe, nachdem

ich das erste Mal in Bombay bei Dr. Vijayakar hospitieren durfte,

innerhalb kurzer Zeit meinen Praxisumsatz verdoppelt.

5. Braucht man andere Arbeitsmaterialien (Repertorium,

Arzneimittellehre), wenn man mit Predictive Homoeopathy arbeiten

will?

Ein klares Nein! Predictive klingt zwar ein bisschen nach Kristallkugel,

aber die ist völlig überflüssig. Das Vorhersagende ergibt sich aus der

Applikation des Similimum, wodurch der Heilungsprozess eingeleitet

wird, der nach bestimmten Regeln abläuft, sodass man weiß, was als

Nächstes passieren wird. Das ist Klassische Homöopathie in reinster Form

und dazu benötigen wir ein Repertorium und eine Materia medica.

Dr. Vijayakar benutzt vor allem das Complete Repertory, von dem er

zwar einen großen Teil im Kopf hat, aber trotzdem hin und wieder auch

etwas nachschlagen muss.

Predictive Homoeopathy ist nichts Neues, es ist Homöopathie – die

Applikation des homöopathischen Mittels. Ich sage bewusst ‚des

homöopathischen Mittels’ und nicht ‚eines……’, denn es gibt nur ein

homöopathisches Mittel, nämlich das was in dem jeweiligen

Krankheitsfall Heilung bringt. Ein Mittel, das keine Heilung bringt, ist

falsch und damit nicht homöopathisch, basta!

Dr. Vijayakar ist von seiner Methodik vollkommen überzeugt und das mit

Recht, seine fantastischen Behandlungserfolge sind einfach nicht zu

leugnen, sie sprechen eine deutliche Sprache.

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