Rauch gezielt ableiten - Keller

keller.be

Rauch gezielt ableiten - Keller

KONZEPTE UND TECHNIK

Rauch gezielt ableiten

Rauchschürzen: Textile Rauchschürzen erhalten im Brandfall definierte Rauchabschnitte aufrecht und bieten

gleichzeitig sichere Fluchtwege sowie rauchfreie Zugänge für Rettungskräfte. Der Beitrag gibt typische Planungs­

und Ausführungshinweise und zeigt Problemfälle auf. OlafGrunenberg

Rauch breitet sich wesentlich schneller

aus als Feuer und schon kleine Brandherde

genügen, um große Gebäudeteile zu

verrauchen. Brand- und Rauchschutzkonzepte

sind daher für eine sichere Gebäudenutzung

unabdingbar. Rauchschürzen sind

wesentlicher Bestandteil dieser Schutzkonzepte.

Sie arbeiten innerhalb spezifischer

Zeit-Temperatur-Grenzen und ermöglichen

eine Rauchabschnittsbildung. Sie dienen

damit sowohl der Personenrettung als

auch dem Gebäudeschutz. Zusammen mit

Rauch- und Wärmeabzugsanlagen sollen

sie Rauch kanalisieren, gezielt ableiten und

seine unkontrollierte seitliche Ausbreitung

behindern.

Abhängig vom Entrauchungskonzept verlaufen

Rauchschürzen von der Decke bis zu

einer definierten Raumhöhe oder schotten

ganze Flächen bis zum Boden ab. Für ihre

bauaufsichtlich zugelassene Verwendung

28

wird eine CE-Konformität mit der DIN EN

12101-1 gefordert, wobei Brandverhalten,

Dauerfunktion, Gewebedichtigkeit und

Baustoffklasse des Gesamtsystems geprüft

sein müssen. Die Norm unterscheidet hier

zwischen Rauchschürzen der Brandklassen

D (bis max. 600°C) und DH (bis ca. 1.100

°C nach ETK), wobei die Klassifikation

nach Dauer und Höhe der Temperatureinwirkung

bemessen wird. Des Weiteren

werden Rauchschürzen bauartspezifisch in

statische (Typ SSB) und automatische Systeme

(Typen ASB 1 bis 4) unterteilt. Letztere

ermöglichen in versagensgesicherter

Ausführung (Typen ASB 1 und 3) auch das

sichere Schließen bei Stromausfall.

Statische Rauchschürzen

Statische Rauchschürzen sind durch ihre

einfache Konstruktion eine sehr kostengünstige

Alternative zur Aufrechterhaltung

von Rauchabschnitten. Sie sind in unbegrenzten

Breiten realisierbar und lassen

sich leicht in bestehende Deckenkonstruktionen

(z. B. Hallenbögen, Stürze) integrieren.

Zudem ermöglichen sie eine problemlose

Abschottung durchlaufender Rohre,

Lüftungskanäle oder Kabelpritschen. Im

Gegensatz zu Rauchschutzkonstruktionen

aus Blech weisen textile Rauchschürzen

nur eine geringe statische Belastung

des Deckenbereichs auf (ca. 1 kg/m 2 ). Die

Montage erfolgt frei pendelnd oder seitlich

fixiert, um einer Auslenkung durch auftretende

Winddrücke entgegenzuwirken.

Nachteil der feststehenden Rauchschürzen

ist jedoch immer eine Beeinträchtigung

des Sichtfeldes, die häufig der architektonischen

Ästhetik widerspricht.

Automatische Rauchschürzen

Im Gegensatz zu den stets sichtbaren

Festfeldern bleiben automatische Rauchschürzen

im Betriebszustand verborgen

und treten erst im Alarmfall in Aktion.

Sie sind einteilig oder modular aufgebaut

und an entsprechende Melde- und Steuerungssysteme

gekoppelt. Bei Auslösung

im Brandfall können die Textilflächen

individuell auf eine definierte Abrolllänge

heruntergefahren werden. Dabei bilden sie

ein Rauchreservoir, das die seitliche Bewegung

der Brandgase begrenzt. Dank der

schlanken Gehäuse ist vor allem die vollständige

Integration in die Gebäudearchitektur

von Vorteil.

Planungs- und

Ausführungshinweise

Bauart, Anzahl, Größe und Position von

Rauchschürzen werden durch baulich

geforderte Schutzziele und entsprechende

Entrauchungskonzepte definiert. Dies

gilt für Neu- und Bestandsbauten gleichermaßen.

Hinzu kommen Brand- bzw.

Raucherkennungselemente, Energieversor-

FeuerTRUTZ Spezial Entrauchung 2010


Abb. 2: Statische Rauchschürze mit Abschottung

durchlaufender Rohre

Abb. 3: Automatische Rauchschürzen

Abb.4: Passierbare Rauchschürze nach

DIN EN 12101-1

FeuerTRUTZ Spezial Entrauchung 2010

gung, Auslöse- und Feststellvorrichtungen,

Abzugsklappen, und Bedienelemente für

den Benutzer. Für das wirksame Zusammenspiel

aller beteiligten Komponenten

sind leistungsfähigere Steuerungsanlagen

notwendig. Bei mehreren automatischen

Rauchschürzen bieten heute moderne Bussysteme

ein zuverlässiges und synchrones

Schließen der Systeme. Sie kompensieren

Netzausfälle, gewährleisten Offenhaltezeiten,

erleichtern Fehlersuche und Komponentenaustausch

und gestatten eine

unkomplizierte Erweiterung bestehender

Anlagen. Darüber hinaus ist es möglich,

verschiedene in einem Bussystem zusammengefasste

Rauchschürzen einzeln anzusteuern

und abhängig davon, wo im Gebäude

Rauch entsteht, bestimmte Bereiche

abzuschotten oder gezielt offen zu halten.

Löscheinsätze und Rettungsmaßnahmen

können damit aktiv unterstützt werden.

Problemfälle und Speziallösungen

in der Praxis

Bodenschließende Rauchbarriere in

Durchgangsbereichen?

Wenn Entrauchungskonzepte bodenschließende

Rauchbarrieren in Durchgangsbereichen

verlangen, stoßen konventionelle

Rauchschürzen an ihre technischen

Grenzen, da sie aufgrund geschlossener

Gewebeflächen nicht gleichzeitig bis zum

Boden reichen und Personendurchtritt

ermöglichen können. Eine Lösung für

diese Problemfälle bieten passierbare nach

DIN EN 12101-1 zugelassene Rauchschürzen.

Sie lassen den Spagat zwischen Rauchbarriere

und Fluchtmöglichkeit sogar für

unbegrenzte Breiten zu. Durch spezielle

Abschlusskanten und modularen Streifenaufbau

schließen diese Systeme nach dem

Personendurchgang wieder selbstständig.

Trotz bodenschließender Abschottungswirkung

bieten sie einen in beide Richtungen

passierbaren Rettungskorridor.

Spalten und Leckagen bei Konstruktionen

übereck!

Beim Verlauf mehrerer automatischer

Rauchschürzen um Ecken herum entstehen

im Bereich der Stöße Spalten.

KONZEPTE UND TECHNIK

Nimmt der Druck auf die Systeme durch

Brandgase oder Wind zu, führt dies auch

zu einer größeren Auslenkung der Gewebeflächen

und somit zu größeren Spalten.

Die Gefahr einer Verrauchung benachbarter

Rauchabschnitte steigt. Lösen lässt sich

dieses Problem auf zwei Arten:

1. Stützen im Eckbereich und daran montierte

Führungsschienen können z.B. eine

Gewebeauslenkung und Spaltenbildung

verhindern. Allerdings steht eine bauliche

Segmentierung, z.B. durch Säulen, oft dem

Gestaltungswillen der Architekten entgegen

und passt meist nicht ins Bild offener

und transparenter Bauwerke.

2. Alternativ dazu können übereck verlaufende

Rauchschürzen eingesetzt werden,

die ohne bauliche Stützen auskommen.

Dabei wird das Textil nicht wie bisher

üblich auf einer Wickelwelle aufgerollt,

sondern im Gehäuse zusammengefaltet.

Die so vernähten Gewebestöße weisen keinerlei

Spalten auf und ermöglichen derzeit

leckage freie Rauchschutzflächen übereck

mit Kantenabmessungen bis 16 mund

Abrolllängen bis 6 m.

Fazit

Dass bei einem Brand besonders der Rauch

katastrophale Folgen verursacht, verdeutlichen

immer wieder ernüchternde Schadenstatistiken.

Neben Sachschäden durch Ruß

oder korrosive Bestandteile der Brandgase

behindert Rauch vor allem die notwendigen

Flucht- und Rettungsmaßnahmen

durch eingeschränkte Sicht und erschwerte

Atmung. Umso wichtiger sind die hier

vorgestellten Systeme zur frühen Verhinderung

einer unkontrollierten Rauchausbreitung

und der ge zielten Ableitung gefährlicher

Brandgase nach außen. _

Autor

Olaf Grunenberg

technischer Redakteur bei der

Stöbich Brandschutz GmbH

29

Weitere Magazine dieses Users