2010/2 - Barmherzige-schwestern-foederation.org

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Nr.2

April

Mai

Juni

2010

Zeitschrift der Föderation

Vinzentinischer

Frauengemeinschaften


350. TODESJAHR

DES HL.VINZENZ UND

DER HL. LOUISE

MARIA IM LEBEN

DES HL. VINZENZ UND

DER HL. LOUISE

Homilie bei der Föderationstagung

im Kloster Frauenwörth 2009

Liebe Schwestern und Brüder,

SPIRITUAL

P. ROBERT LACHENSCHMID SJ

wir feiern Eucharistie heute

an einem Samstag – und

richten dabei unseren Blick

auf Maria. Wir sind am Ende

unserer diesjährigen Föderationstagung,

und wir stehen

auch im Jubiläumsjahr der

350-Jahr-Feier des Todes

der heiligen Ordenspatrone

Vinzenz von Paul und Louise

von Marillac. Ich lade Sie

ein, mit mir kurz zu schauen,

wie Maria von Vinzenz und

Louise gesehen und gekündet

worden ist.

Vinzenz und auch Louise

hatten eine ganz innige

Marienverehrung. Für Vinzenz

waren vor allem drei

Geheimnisse des Lebens

Marias bestimmend:

• die Unbefleckte Empfängnis,

• die Verkündigung,

• die Heimsuchung.

2

Alle drei Geheimnisse künden

Maria, haben eine Beziehung

zu Jesus und haben

eine besondere Bedeutung

für Vinzenz, seine Missionare

und Schwestern – und damit

auch für uns alle.

Aussage über Maria

Die drei Geheimnisse betreffen

Maria selbst. – Vinzenz

bekennt sich zur Unbefleckten

Empfängnis Marias. Dieses

Geheimnis wurde zu

seiner Zeit, also im 17. Jahrhundert,

noch diskutiert, war

also noch nicht allgemeine

Glaubenslehre. Aber es gab

schon seit dem 15. Jahrhundert

ein Fest zu Ehren Marias

als der Unbefleckten Empfängnis,

und diese Verehrung

geht in frühchristliche Zeit

zurück. Sie war im 17. Jahrhundert

in Frankreich sehr

lebendig.

Für Vinzenz und Louise ist

dieses Geheimnis sehr bedeutsam.

Für Vinzenz besagt

die Unbefleckte Empfängnis

Marias ihre Bereitung durch

Gott zum reinen Gefäß für

die Aufnahme des Sohnes

Gottes in der Menschwerdung.

Vinzenz erkennt in der

Unbefleckten Empfängnis

ein Vorrecht, durch das klar

und unfehlbar ausgedrückt

wird, was Gott an »Leere«

und »Reinheit«, an Demut

und Keuschheit verlangt,

damit ein Geschöpf ihn empfangen

und sich mit ihm

vereinen kann. Maria ist so

begnadet, um den Sohn

Gottes empfangen zu können.

Und dies ist im zweiten


Geheimnis – in der Verkündigung

– ausgesagt: Maria

hört das Wort Gottes und

erklärt sich als die Magd des

Herrn: »Ich bin die Magd des

Herrn, mit mir geschehe, was

du gesagt hast« (Lk 1,38).

Wir haben hier ihre Zustimmung

zum göttlichen Ratschluss.

Und das dritte Geheimnis

bedeutet für Maria, dass sie

zu ihrer Base geht, um zu

dienen – und dabei ist sie

Christusträgerin, Monstranz!

Sie ist Überbringerin der

Frohbotschaft. – In allen

drei Geheimnissen erscheint

Maria in ihrer Demut.

Bezug zu Jesus

Alle diese drei marianischen

Geheimnisse stehen in Beziehung

zu Jesus. Vinzenz

spricht von Maria immer mit

dem Hinweis auf ihren Sohn.

Sie ist um seinetwillen da!

Fangen wir beim zweiten

Geheimnis, bei der Verkündigung,

an. Maria wird von

Gott durch den Engel mitgeteilt,

dass sie Mutter des

Sohnes Gottes werden solle.

Und der Sohn Gottes wird in

ihrem Schoß Mensch.

Und es folgt das dritte Geheimnis:

Maria geht zu ihrer

Base. Sie trägt den Mensch

gewordenen Sohn Gottes

in ihrem Schoß – sie trägt

ihn zu Elisabeth.

Und das erste Geheimnis,

das Geheimnis der Unbefleckten

Empfängnis, liegt

den beiden anderen Geheimnissen

zugrunde. Maria

wurde unbefleckt empfangen

auf ihre Mutterschaft,

auf die Menschwerdung des

Sohnes Gottes hin. Und sie

wurde unbefleckt empfangen

durch die Verdienste

ihres Sohnes; sie wurde

vorauserlöst.

Bedeutung für uns

In diesen drei Geheimnissen

sieht Vinzenz eine besondere

Bedeutung für sich und

für seine Missionare und

Schwestern – und damit

auch für uns. Wahre Marienverehrung

besteht für Vinzenz

darin, Maria zu ehren

und von ihr zu lernen und ihr

in ihren Tugenden nachzueifern.

Durch die Betrachtung der

Unbefleckten Empfängnis

Marias wird für Vinzenz vor

allem die Demut als Grundhaltung

des Christen erfahrbar.

Durch dieses Geheimnis

vernimmt Vinzenz den

Appell, Gott Raum zu geben

im eigenen Herzen, immer

mehr leer – ich kann auch sa-


Zum Titelbild

Jeder erfährt in seinem

beruflichen und privaten

Leben, wie Nähe

und Distanz zu Menschen

immer wieder

neu überprüft werden

müssen. Der hl. Vinzenz

scheint darin eine

besondere, nachahmungswürdige

Begabung

gehabt zu haben.

Dieses Titelbild zeigt

uns einiges davon.

Der hl. Vinzenz lässt den Armen ganz nahe an sich

herankommen. Er hat keine Berührungsängste, wie

die linke Hand zeigt. Was seine rechte Hand macht,

können wir nur ahnen. Beide schauen sich an. Sie

werden sich auch gegenseitig zugehört haben. Dazu

sind beide stehengeblieben. Einen Vinzenz, der

Barmherzigkeit nur so im Vorübergehen lebte, kann

ich mir einfach nicht vorstellen.

Was ich gerne wüsste? Was ging bei dieser und bei

vielen anderen Begegnungen mit Menschen in seinem

Herzen vor: Mit Gott und vor Gott? Das bleibt

sein Geheimnis. Wie es allerdings um meine Barmherzigkeit

bestellt ist, um meine zu große oder zu

kleine Nähe oder Distanz mit Menschen, das weiß

nur ich allein. Doch ich kann es ändern, noch heute,

bei meinen Begegnungen ...

SR. URSULA BITTNER

3


LIEBE

SCHWESTERN,

Geistliches Wort

wir stehen mitten im Jubiläumsjahr

unserer verehrten

Ordensheiligen, Vinzenz

und Louise, da wir ihren

350. Todestag im März und

September feiern können.

Freude, Staunen und Dankbarkeit

erfüllt uns, wenn wir

Gottes wunderbares Wirken

in ihrem Leben erneut erkennen

dürfen.

Als Einzelne und als Gemeinschaften

werden wir mit besonderer

Liebe und Verehrung

die geistigen Spuren

Louises und Vinzenz’ nachempfinden,

sie verinnerlichen

und in den eigenen

Berufungs- und Sendungsweg

einfließen lassen. Jede

Schwester mag dabei ihre

ganz persönliche Beziehung

zu den Heiligen reflektieren

und in ihrem Herzen

wünschen, von deren Geist

der Gottes- und Nächstenliebe

neu entflammt zu werden.

Wie vorbildlich war das

Tugendleben, das Streben

nach Heiligkeit, die Demut

und innere Größe der hl.

Mutter Louise, ihre Tapferkeit

im Ertragen der alltäglichen

Mühen und Anforderungen

im Armendienst wie auch in

SR. M. BRIGITTA BUCHLER,

GENERALOBERIN

IN HEPPENHEIM

der Formung und Leitung der

jungen Gemeinschaft.

Welch großartige verwandelnde

Gnade Gottes war

am Priester Vinzenz am

Werk!

Seitdem Vinzenz erkannte:

»Erbarmen ist das innerste

Geheimnis Gottes«, konnte

er gar nicht mehr anders

gen »frei« – zu werden von

Selbstsucht und Sünde.

Im Geheimnis der Verkündigung

sieht Vinzenz die Lehre,

wie Maria den Willen Gottes

geschehen zu lassen und

Christus aufzunehmen.

Im Geheimnis der Heimsuchung

verspürt Vinzenz

die Sendung: Christus zu

den anderen zu tragen – den

Armen die Frohbotschaft zu

künden – wie und mit Maria

das Magnificat zu singen:

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»Meine Seele preist die

Größe des Herrn, und mein

Geist jubelt über Gott, meinen

Retter« (Lk 1,46 f.).

Liebe Schwestern und

Brüder,

Vinzenz hatte eine sehr innige

Marienverehrung. Und

diese seine Marienverehrung

ist für ihn Verehrung Marias

und zugleich Verehrung ihres

Sohnes, unseres Herrn Je-

sus Christus, und letztlich

Verehrung Gottes.

Und diese Verehrung erfährt

Vinzenz als Aufruf für sich

selbst und für uns alle: wie

Maria

• leer und demütig zu sein;

• Christus aufzunehmen;

• mit Christus zu den Menschen

zu gehen – den Armen

die Frohbotschaft zu künden

– zu dienen – Gott zu preisen!


leben, als sich – wie Jesus –

in der Hingabe an die Menschen

aufzuzehren. Er geht

in ihre Not ein, sein Herz

schlägt für die Armen und

wird so dem Herzen Jesu

mehr und mehr ähnlich. Viele

Aussagen des hl. Vinzenz

lassen uns seine Herztöne

erkennen.

Liebe Schwestern, vieles

könnte ich hier aus den

großartigen Lebensbildern

Louises und Vinzenz’ anführen,

die Sie aber auch

kennen.

Dankbar möchte ich auf die

Impulse und Betrachtungen

hinweisen, die uns unsere

vinzentinischen Brüder, die

Lazaristen, in diesem Jubiläumsjahr

zuschicken. Auch

das Echo, die Zweimonatszeitschrift

aus Paris, deutsche

Ausgabe, ist eine kostbare

Fundgrube, die uns die

Heiligen der vinzentinischen

Familie näher bringen.

Die vielen wertvollen Beiträge

unserer Zeitschrift

heute begleiten uns seit

vielen Jahren in vielerlei Hinsicht

spirituell, theologisch,

vinzentinisch und aktuell und

stellen uns in bunten Facetten

Vinzenz und Louise vor

Augen.

Als einen gewissen Auftakt

zum Jubiläumsjahr muss ich

die »Wallfahrt« der Generaloberinnen

der Föderation im

Juli 2009 nach Paris erwähnen.

Es waren unvergessliche

Tage in der Rue du Bac.

Tage der Begegnung mit

Mutter Louise, Vater Vinzenz,

Schwester Katharina Labouré,

dem Gnadenort der

Erscheinung der Mutter

Gottes in der Kapelle – und

nicht zuletzt mit der Generaloberin

der Töchter der

christlichen Liebe, Soeur

Evelyn Franc und vielen

Schwestern des Mutterhauses.

Diese wundervollen Erlebnisse

haben uns alle tief und

nachhaltig berührt.

Eine solche Fülle von Begegnungen

mit Heiligem im umfassenden

Sinn hat in mir erneut

den Vorsatz geweckt,

nicht nur für mich selbst und

meine Mitschwestern, sondern

auch über das Mutterhaus

hinaus den hl. Vinzenz

und die hl. Louise lebendig

werden zu lassen. Denn die

Kraft ihrer Liebe hat doch

die Welt verändert – bis in

unsere Zeit hinein!

Liebe Schwestern, lasst uns

Gott loben und danken für

die großen Heiligen, die er

uns als Patrone und Vorbilder

für unsere Berufung

als Barmherzige Schwestern

geschenkt hat. Lasst uns mit

neuer Freude und Hingabe,

heute ihr Charisma leben

und damit bezeugen: Erbarmende

Liebe erobert die

Welt.

Schnappschuss

aus dem

Mutterhaus

Hildesheim.

5


Schwerpunkt

SR. BRIGITTA BUCHLER

Vinzenz und Louise haben den Menschen ihrer Zeit nicht nur Suppe,

Medizin und äußere Hilfe gegeben. Sie haben mit liebendem Blick tiefer

geschaut, die Not der Seele, der Psyche, der Gottsuche erkannt – sie

sahen immer den ganzen Menschen.

Wenn wir uns fragen, wie wir heute Sinn suchenden, gestressten, ruhebedürftigen

Menschen dienen können, so ist dies – neben den bisherigen

Diensten – zunehmend in der Weise, dass wir ihnen Gutes tun für die

Seele, den Körper und den Geist.

Einladen zum Auftanken, Stillewerden, Begegnung mit Gott im stillen

Gebet und in den Gottesdiensten, Dienst des Zuhörens, Gesprächsangebote,

Mitteilen von Lebenserfahrungen, Erleben von Gemeinschaft.

Der folgende Bericht möchte davon etwas wiedergeben.

ZEIT DER STILLE

Eine Titelstory in UBI BENE, Winter 2009. Text: Ute Maag. Foto: Christian Dammert.

Sich zurückziehen. Entspannung,

Ruhe und Geborgenheit

finden. Über Gott und

die Welt reden. Oder einfach

nur schweigen. Die Gründe,

warum immer mehr Menschen

im Kloster auf Zeit

Erholung suchen, sind vielfältig.

Viele Ordenshäuser

machen Angebote, auch für

nicht religiöse Gäste. Ein Besuch

bei den Vinzentinerinnen

in Heppenheim an der

Bergstraße.

Leise fällt die schwere

Eingangstür ins

Schloss. Schummriges

Nachmittagslicht dringt durch

die Buntglasscheiben der

Eingangshalle. Der Lärm des

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nahen Heppenheimer Bahnhofs

bleibt draußen. Es

herrscht eine Stille, die man

hören kann. Man setzt sich,

wartet und hört auf zu warten,

bis eine freundliche

Stimme plötzlich sagt: »Machen

Sie doch Licht. Es ist ja

so dunkel hier.« Schwester

Brigitta kommt gerade von

der Vesper aus der angrenzenden

Kapelle, eine offene

Frau mit wachen Augen und

einem breiten Lachen. Die

Generaloberin des Mutterhauses

begrüßt den Gast auf

das Herzlichste, er fühlt sich

aufgenommen in diese Gemeinschaft,

mit der er die

nächsten Tage verbringen

will.

Das Kloster der Barmherzigen

Schwestern vom heiligen

Vinzenz von Paul ist

eines von mittlerweile rund

250 Ordenshäusern in

Deutschland, die Gäste zu

einem Klosterleben auf Zeit

einladen. Die Angebote sind

so vielfältig wie die Lebensweisen

der verschiedenen

Kongregationen und reichen

vom Meditationskurs für

ausgebrannte Manager im

Kloster Andechs in Bayern

bis zum Wellness-Aufenthalt

im Kloster Arenberg bei

Koblenz. Besonders beliebt

sind Fastenkurse. Viele Klöster

unterhalten Gästehäuser

und nehmen Frauen, Männer

und ganze Familien auf.


Selbst kontemplative, also

der Welt abgewandte Orden

wie Zisterzienser und Trappisten

ermöglichen das Mit-

Leben auf Zeit.

Hilfestellung bei der

Suche nach Spiritualität

Auch die Heppenheimer Vinzentinerinnen

reagieren auf

immer zahlreichere Anfragen:

Sie laden Frauen ein, in

ihre Lebensweise einzutauchen

und am Tagesablauf

teilzunehmen. »Der Bedarf

an solchen Möglichkeiten

steigt. Viele Menschen sind

auf der Suche, nach sich

selbst, nach einem Sinn,

nach Spiritualität, nach

Gott«, erklärt Schwester

Brigitta. »Hier wollen wir in

Gesprächen Hilfestellung

geben.« Im Zuge der umfangreichen

Sanierungsmaßnahmen

am Klostergebäude

entstehen derzeit zwölf

Gästezimmer, direkt über der

Kapelle mit Blick auf die

Stadt. Sie sollen im Frühjahr

bezugsfertig sein. »Schlicht,

aber hell und freundlich«, will

die Generaloberin sie gestalten,

damit Besucherinnen,

die wenige Tage, aber auch

mehrere Wochen bleiben

können, sich darin geborgen

fühlen.

Die Vinzentinerinnen sind

kein völlig zurückgezogen

lebender Orden – im Gegenteil.

Wer das 1927 erbaute

Kloster einmal umrundet,

wird feststellen, dass seine

Mauern keineswegs abwei-

Innenansicht

der Klosterkapelle.

send wirken. Die Kapelle

kann man von der Straße

aus betreten, Heppenheimer

Bürger nehmen an den Messen

teil. Im Innern gibt es

einen Gemeinschaftsfernseher

und Tageszeitungen.

Einen Kreuzgang sucht der

erstaunte Gast vergebens.

»Unser Kreuzgang sind die

Straßen der Stadt«, erklärt

Schwester Brigitta: »Wir

gehen raus um zu helfen:

in der Alten- und Krankenpflege,

in Kindergärten und

Waisenhäusern.«

Gestandene Frauen

im Dienst am Menschen

Die 33 Ordensdamen sind

gestandene Frauen, die auf

ein erfolgreiches Berufsleben

im Dienst an den Menschen

zurückblicken. Schwester

Maria Cäcilia zum Beispiel.

Sie sagt: »Ein rein kontemplativer

Orden wäre nichts

für mich gewesen. Ich wollte

immer tätig sein und anderen

helfen.« Die Vikarin und Stellvertreterin

von Schwester

Brigitta war elfmal in Indien

und hat dort am Aufbau des

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Ordens mitgewirkt. In ihrem

Arbeitszimmer, in dem direkt

unter dem Kreuz der Computer

steht, glimmen Räucherstäbchen,

die ihr indische

Mitschwestern regelmäßig

schicken. »Ich mag diesen

Duft so gern«, gesteht sie

lächelnd.

Oder Schwester Maria Bernadette.

Die Schwäbin war

Schneidermeisterin, doch

schon als junge Frau entschied

sie sich gegen die

Modeschule und für ein

Leben als Ordensschwester.

»Ich wollte schon als

Mädchen Nonne werden«,

berichtet sie, und man glaubt

ihr aufs Wort, wenn sie ergänzt:

»Und ich habe es keinen

Tag bereut.« Nachdem

sie Armut, Keuschheit und

Gehorsam gelobt und die

Ordenstracht übergestreift

hatte, studierte sie Sozialpädagogik,

war im Studentenausschuss

aktiv und leitete

lange Jahre das Schiffer-

Kinderheim auf dem Mannheimer

Almenhof, ehe sie,

nach einer weiteren Ausbildung,

die letzten zwölf Berufsjahre

als Krankenhausseelsorgerin

in Buchen im

Odenwald verbrachte.

Oder Schwester Edeltraut.

Die kleine Frau ist ein Energiebündel,

findet Angela

Merkel toll, leidet mit dem

VfB Stuttgart und fertigt

wunderschön gemalte Geschenkkarten.

Ihr Kinderbuch

Die großen Herzen kleiner

Leute erschien in mehreren

Auflagen, und ganz

beiläufig sagt sie Sätze, die

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sich einprägen und über die

man lange nachdenken

kann. »Wenn ich auf mein

Leben zurückblicke, stelle

ich mir ein Rosenfeld vor.

Mit vielen Knospen und wunderschönen,

prächtigen Blüten.

Aber die Dornen habe

ich auch gespürt.« Oder:

»Das Leben ist eine Schatztruhe

voller Erinnerungen,

die uns zu dem gemacht

haben, was wir sind.«

Der Glockenschlag teilt

den Tag ein

Doch es sind nicht nur die

spontanen Unterhaltungen

mit den Ordensfrauen, die

den Gast auftanken lassen.

In Heppenheim wird nicht

erwartet, dass Besucherinnen

den Tagesablauf der

Ordensschwestern von morgens

bis abends mitleben

oder dass sie das Gespräch

mit ihnen suchen. Sie machen

ein Angebot und freuen

sich über Interesse. »Wir hatten

schon Studentinnen hier,

die sich auf ihr Examen vorbereitet

haben und die in der

Ruhe hier gut lernen konnten«,

erinnert sich die Generalvikarin:

»Andere Frauen

suchten das seelsorgerische

Gespräch und Lebenshilfe,

wieder andere die Meditation.«

Die Teilnahme am Klosterleben

gibt vielen Menschen

neue Impulse. Denn der

Tagesablauf verläuft in festen

Bahnen, mit der Kapellenglocke

als Leitplanke.

Mönche und Nonnen sind

keine Langschläfer: Bei den

Vinzentinerinnen erklingt der

Weckruf mit dem Sechs-Uhr-

Geläut, Schlag Viertel vor

Sieben erheben sich alle

Schwestern zum Morgenlob

in der Kapelle. Auch die gemeinsamen

Mahlzeiten werden

immer zur selben Zeit

eingenommen. Fast feierlich

wird die Stimmung, wenn

alle Gespräche verstummen

und mit dem Glockenschlag

Schwester Felicitas das

Tischgebet spricht. Darüber

hinaus pflegt jede Ordensdame

ihre eigenen Rituale –

Schwester Maria Cäcilia

etwa steht jeden Morgen um

fünf Uhr auf und meditiert,

denn »da habe ich die klarsten

Gedanken«.

»Aus dem Kloster kann man

vieles in die Welt mitnehmen«,

sagt Schwester Brigitta

zum Abschied – und

dafür muss man nicht einmal

gläubig sein. Die benediktinische

Klosterregel »Ora et

labora« etwa, die mahnt, die

Balance von Arbeit und

Ruhezeiten zu wahren. Das

Sich-Zurückziehen in die

Stille, die den Schritt bremst

und die Stimme senkt. Oder

die klösterliche Ordnung und

Aufgeräumtheit, die den

Blick auf das Wesentliche

lenkt. Und das Gefühl der

erlebten Geborgenheit, das

noch lange nachwirkt, nachdem

der Besucher wieder

heraus auf die Straße getreten

und die schwere

Eingangstür langsam ins

Schloss gefallen ist.


Berichte aus Mutterund

Provinzhäusern

Augsburg

150 JAHRE

CHRISTLICHE

KRANKEN-

PFLEGE

Barmherzige Schwestern

und Diakonissen leben

Ökumene.

Im Rahmen des weltweiten

Jubiläumsjahres zum 350.

Todestag des hl. Vinzenz und

der hl. Louise feierten wir in

Augsburg in der Klinik Vincentinum

am 14. Oktober

2009 mit großer Freude ein

»kleines« Jubiläum: Wir

blickten 150 Jahre zurück,

auf den 9. August 1859. Das

damals neue Städtische

Krankenhaus in Augsburg

ging in Betrieb.

Genau nach den beiden

großen Konfessionen getrennt,

übernahmen Barmherzige

Schwestern auf der

katholischen Abteilung und

Diakonissen auf der evangelischen

Abteilung die

Betreuung und Pflege der

Kranken.

Beide Bereiche begannen

ihre Tätigkeit in ihrer jeweiligen

Kapelle mit einem Gottesdienst,

räumlich getrennt,

doch im tiefsten verbunden

im Dienst am Menschen in

der Nachfolge Jesu Christi.

150 Jahre Krankenpflege in

christlichem Geist. Dies feierten

wir jetzt dankbar in

einem ökumenischen Gottesdienst.

Sr. M. Michaela,

Generaloberin der Barmherzigen

Schwestern, begrüßte

fast 30 Diakonissen mit ihrer

Oberin, Frau Pfarrerin Christiane

Ludwig. Diese und Herr

Regionaldekan Hubert Ratzinger

leiteten den Gottesdienst.

Schwester Oberin M. Luithildis

von der Klinik Vincentinum

berichtete, wie es zu

einem neuen Krankenhaus in

Augsburg und zum Einsatz

von Barmherzigen Schwestern

und Diakonissen kam:

Das Krankenhauswesen lag

in der ersten Hälfte des

19. Jahrhunderts arg danieder.

In der Säkularisation

wurde der Dienst aus christlicher

Motivation verworfen,

krankenpflegende Gemeinschaften

wurden vertrieben.

Der Ersatz war kläglich. Für

Kranke und Sterbende war

meist nur mangelhaft gesorgt.

So war es auch in Augsburg.

Deshalb wurde der Ruf nach

einem neuen Krankenhaus

und nach Barmherzigen

Schwestern, wie sie in München

und in anderen Städten

Bayerns bereits tätig waren,

unüberhörbar. Der Magistrat

konnte sich jedoch wegen

der paritätischen Verhältnisse

in Augsburg lange

9


nicht einigen. Schließlich

brachte 1852 eine Stiftung

über 100 000 Gulden Bewegung

in die Angelegenheit.

An das Geld war die Bedingung

geknüpft, innerhalb

von zehn Jahren Barmherzige

Schwestern einzuführen

und in Augsburg ein eigenes

Mutterhaus zu bauen.

Für die evangelischen Kranken

sollten Diakonissen nach

Augsburg geholt werden.

Auch dafür gab es bedeutende

Spenden von namhaften

Bürgern.

Nach langem Hin und Her

entschloss sich der Augsburger

Magistrat, »ein neues

Krankenhaus zu bauen und

so anzulegen, dass die Kranken

beider Konfessionen in

demselben untergebracht

werden können, jedoch so

voneinander getrennt, dass

jeder Theil die ihm zusagende

Pflege für seine Kranken

ohne Einmischung des

anderen Theils ausüben

könne«. So steht es in einer

Schrift aus dieser Zeit.

So wurde zwischen 1856

und 1859 das neue Städti-

10

sche Krankenhaus gebaut.

An einen Mittelbau mit Funktionsräumen

schloss sich

westlich der evangelische

Teil an. Richtung Osten war

der katholische Teil. Nach

der feierlichen Übergabe am

9. August 1859 wurden jeweils

im 1. Stock die Männer,

im 2. Stock die Frauen untergebracht.

Entsprechend

dem damaligen Anteil der

Bürger mit 2 /3 katholischem

und 1 /3 evangelischem Bekenntnis,

waren die »katholischen«

Gebäudeteile größer.

Seit dem Augsburger Religionsfrieden

1555 herrschte

in der freien Reichsstadt

Augsburg das Recht auf

paritätische Besetzung und

Aufteilung, das im Westfälischen

Frieden 1648 bestätigt

und festgeschrieben

wurde.

Im neuen Städtischen Krankenhaus

waren außer der je

eigenen Kapelle und den

getrennten Krankenabteilungen

auch die Küche und

deren Bevorratung und die

Wäscherei paritätisch getrennt.

Nur das Leichenhaus

und die Sektionsräume

konnten gemeinsam genutzt

werden.

In den folgenden Jahren erweckten

Meinungsverschiedenheiten

unter den Bürgern

und im Magistrat den Eindruck,

dass Barmherzige

Schwestern und Diakonissen

die Kranken unzulänglich

versorgten und den Religionsfrieden

störten. Diesen

Verleumdungen setzten am

16. Mai 1862 die Dekane der

beiden Konfessionen gemeinsam

ein Ende. Sie erklärten,

dass der konfessionelle

Friede im Krankenhaus

noch nie und von keiner

Seite gestört worden sei.

So war es auch. Barmherzige

Schwestern und Diakonissen

arbeiteten jahrzehntelang

Seite an Seite aus derselben

christlichen Motivation und

mit ganzem Einsatz ihrer

körperlichen und geistigen

Kräfte zum Wohl der Kranken.

Erst in den Jahren 1935 bis

1937 wurde im Städtischen

Krankenhaus die »reinliche«

Trennung der Konfessionen

aufgehoben. Einige Jahre


später beendeten die Diakonissen

dort ihren guten

Dienst. Im Nationalsozialismus,

in den Kriegswirren und

auch danach hielten die

Barmherzigen Schwestern

im Städtischen Hauptkrankenhaus

die Stellung. Erst

als 1982 die Kranken in das

neue Zentralklinikum Augsburg

umzogen, beendeten

auch die Barmherzigen

Schwestern ihren Dienst in

den Städtischen Häusern.

Ungeachtet dessen gab und

gibt es weiterhin das gute

und menschlich angenehme

Miteinander von Diakonissen

und Barmherzigen Schwestern.

In den beiden, von

den jeweiligen Schwesterngemeinschaften

errichteten

und bis heute geprägten Kliniken

»Diako, die Stadtklinik«

und »Klinik Vincentinum«,

gibt es viele Berührungs-

Innsbruck

EIN

TROMPETEN-

BAUM-FEST

Alles hat gepasst. Das Wetter,

das Programm, die vielen

Schwestern und Gäste von

außerhalb. Mit einem Wort:

Es war ein sehr gelungenes

Fest, so mitten im Sommer.

In den Arkaden und im Gras,

rund um den Brunnen, vor

allem im Schatten saßen wir

punkte und eine gute Zusammenarbeit.

Von Anfang

an nahmen beide Kliniken

Kranke beider Konfessionen

auf, und in beiden Kliniken

werden die Patienten nicht

nur fachlich sehr gut behandelt

und gepflegt, sondern

auch in ihren religiösen Bedürfnissen

gut betreut.

So war es uns ein Bedürfnis

– und damit schließt sich der

Kreis, an diese 150 Jahre

dauernde gute Verbindung

zu denken und miteinander

zu feiern. Nach dem Gottesdienst

waren die Diakonissen

in das Refektorium der

Schwestern zu Begegnung

und einem kleinen Imbiss

eingeladen. Groß war die

Freude aneinander, und von

vielen Schwestern wurde der

Wunsch geäußert, dass es

wieder eine solche Zusammenkunft

geben möge.

und kamen aus dem Staunen

nicht heraus. Dem Trompetenbaum

und seinem Schöpfer,

dem dieses Fest galt,

wurde großes Lob und inniger

Dank zuteil.

Eigens kam ein Trompeter,

der mit seinen Klängen die

Herzen verzauberte.

Unsere Sinne kamen voll auf

die Rechnung: die Pracht

des Baumes, mitten drinnen

sogar noch ein Amselnest,

die herrlichen und tiefen

Gedanken und Gedichte,

bestens vorgetragen von Sr.

M. Purissima, Brigitte und

Sr. M. Paula. Dazwischen immer

wieder die melodischen

Weisen des Trompeters – ein

Ohrenschmaus von besonderer

Art! Für das Auge waren

die Tänze mit Stäben und

Tüchern eine Augenweide!

Danke, Sr. M. Purissima, für

die wunderbare Choreografie

und Einstudierung. Die

Technik machte es möglich,

11


dass die Musik und die

Reden gut verstanden wurden.

Was unser Haustechniker

Karl zustande brachte,

war ein Kunststück sondergleichen.

Er stand oben

unter dem Kirchturm und

ließ Luftballons kunterbunt

herunterschweben. Nicht nur

die Kinder hatten damit ihre

Gaudi, auch die Herzen aller

schlugen höher. Diese feine,

besinnliche Feierstunde wurde

mit dem Lied Großer Gott

abgerundet. Dankbar, ob der

Schönheit des Erlebten,

stimmten alle mit ein. Orgelklänge

drangen durch das

Tor ins Freie.

Sr. Cäcilia hatte uns damit

erfreut. Es war auch schön,

zuzuschauen, wie die Kinder

und einzelne Schwestern

die Luftballons verteilten. Die

Gesichter strahlten Glanz

und Freude aus. Sr. Pia

Regina dankte allen, die mitgewirkt

haben und die anwesend

waren. Ein besonderer

Dank galt unserer Oberin

Sr. M. Purissima für ihre Idee

12

und die tatkräftige Durchführung

des Festes. Es hätte

sich sehen lassen können für

ein größeres Publikum, aber

dann wäre kein Platz mehr

vorhanden gewesen.

Der Einladung zur Grillparty

im Garten folgten sehr

viele. Unser Koch Herbert

setzte sich persönlich ein

und stand am Grillapparat.

Es schmeckte vorzüglich,

und nette Gespräche kamen

zustande.

Viele Hände machten der

Arbeit wieder ein Ende. Das

Echo war nur positiv, und alle

gingen erfüllt und gestärkt an

Leib und Seele nach Hause.

Der Trompetenbaum wird

sich auch gefreut haben, und

zum Dank erblüht er noch

üppiger. Was er alles zustande

brachte! In den Herzen

der Menschen wird das

Fest noch lange widerhallen.

SR. HILDEGARDIS


EIN BRIEF

AUS DEM

KOSOVO

Dort arbeitet Sr. M. Martha

Fink aus der Innsbrucker

Kongregation

Liebe Mitarbeiter,

liebe Wohltäter!

Die Zeit, die Realität eines

wieder verflossenen Jahres

gibt mir die Gelegenheit,

meinem großen Bedürfnis,

Ihnen zu danken und zu erzählen,

nachzukommen.

Es war ein sehr arbeitsintensives

Jahr. Die Situationen

und die Maßnahmen, die zu

treffen waren, haben sehr oft

die Grenzen des noch Möglichen

erreicht. Ich darf Sie

aber im selben Atemzug wissen

lassen, dass Gottes Hilfe

umso näher und spürbarer

war. Als Werkzeug für diese

Hilfe Gottes sind Sie wohl

alle in verschiedenster Form

ganz wesentlich mit dabei.

Die Hauskrankenpflege

Es werden zur Zeit 350

Patienten regelmäßig betreut

– damit ist das Maß des

noch zu erfüllenden Dienstes

erreicht. Dieser Dienst

wird stets intensiver, zunehmende

Nachfragen zwingen

uns, immer wieder die

nicht so notwendigen Hilfen

zurückzustellen. Noch fehlt

uns die Finanzierungsmöglichkeit,

eine vierte Pflegekraft

einzustellen. Die drei

Schwestern, Najqi, Hera und

Fatime leisten bereits überdimensionale

Dienste. Sie

sind nicht nur Krankenschwestern,

sondern für viele

wie eine Mutter und Begleiterin.

Sie verstehen ihren

Dienst umfassend und ganzheitlich.

Das Kinderprogramm

mit den 41 Kindern im Alter

zwischen fünf und 17 Jahren

macht uns große Sorge. Die

so unterschiedlichen, individuellen

Bedürfnisse des je

einzelnen Kindes verlangen

vom Personal sehr viel Einfühlungsvermögen,

Initiative,

Kreativität und Geduld.

Für diesen Dienst beschäftigen

wir zur Zeit eine Pädagogin,

eine Psychologin,

einen Studenten der Universität

für Erziehung, eine

geprüfte Schneiderin, eine

Köchin und fünf Lehr-Hilfskräfte.

Mit den Kindern lernen

wir gruppenweise, wie

im Vorschulalter und je nach

Fähigkeit des je einzelnen

Kindes klassenorientiert, wobei

aber bei vielen der Wissensstand

von 16 Jahren

dem eines 6–7-Jährigen

gleichkommt. Wir geben

Nachhilfe in schulischem

Lernen, Computer und

Nähen. Unsere Kinder im Sozial-Programm

sind Kinder

aus den Familien der Hauskrankenpflege-Besuche.

Weil wir in der Hauskrankenpflege

das Privileg haben,

die Ärmsten zu berücksichtigen,

können darum auch

die so stark zurückgebliebenen

und sozial geschädigten

Kinder in unser Programm

aufgenommen werden. Ohne

unsere Hilfe wären sie ohne

jede Perspektive für die Zukunft,

ausweglos der Kriminalität

ausgeliefert.

Eine besondere Sorge waren

und sind die Kinder, die bereits

aus der Pflichtschule

entlassen bzw. das 10.

Schuljahr ohne jedes Wissen

der Pflichtschule erreicht haben.

Da realisiert sich zu

gegebener Zeit ein Angebot

aus Österreich: Fr. Dr. Edith

Kaslatter und Hr. Prof. Michael

Engele kommen ehrenamtlich

in ungefähr Halbjahresabständen,

um unsere

Kinder, die Eltern und wer

immer Interesse hat und

natürlich zugleich das Personal

in Perma-Kultur zu

informieren und anzulernen.

Es ist dies eine ganz wesentliche

Werte-Vermittlung in

13


Bezug auf die Schöpfung.

Fast alle Eltern der Kinder in

unserem Programm haben

eine kleine Landwirtschaft,

sodass sie auf diesem Weg

den Wert und ihre eigene

Möglichkeiten, mehr daraus

zu machen, finden können.

Es dient somit dem Prinzip

»Hilfe zur Selbsthilfe«.

Anträge für Behandlungen

im Ausland

Die Ansuchen dafür waren

dieses Jahr enorm hoch.

Durch das so große Entgegenkommen

der Barmherzigen

Schwestern in Wien-

Gumpendorf wurde es möglich,

dass wir drei Kinder mit

Knochentumoren sowie ein

Kind mit einem Knieschuss

in ein orthopädisches Spital

kostenlos zu einer sehr komplizierten,

operativen Therapie

bringen durften, ebenso

ein weiteres Kind zu den

Barmherzigen Schwestern

im Krankenhaus Linz zur

Therapie eines sehr ausgedehnten

Haemangioms.

Einem Vater konnte (ebenso

kostenlos) im Klinikum der

Kreuzschwestern in Wels

durch die Koronarangiographie

und die Implantation

14

eines Stent lebensrettende

Maßnahmen gesetzt werden.

Neben der hohen Qualität

der fachspezifischen, ärztlichen

Behandlung erfuhren

die Kinder mit ihren

Begleitpersonen, was auch

menschliche Zuwendung auf

einer Krankenstation bedeuten

kann. Wenn auch gewissenhafte

Disziplin aufgrund

der medizinischen und pflegerischen

Notwendigkeiten

herrschte, so war doch eine

familiäre, vertrauensvolle Atmosphäre

gegeben.

Es ist allen, die so Großes ermöglicht

haben, großer Dank

auszusprechen, besonders

den Barmherzigen Schwestern

in Wien und den Kreuzschwestern

in Wels. Gott

vergelte es!

Unser neues Zentrum

nimmt auch mehr und mehr

Gestalt an, sodass, wie wir

hoffen, Anfang 2010 bessere

Arbeitsbedingungen

gegeben sein werden. Die

Arbeitsintensität und der

Arbeitseinsatz sind enorm.

Einige der Mitarbeiter erweisen

sich schon sehr mitverantwortungsbewusst

– Gott

sei Dank. Dies ist sehr zukunftsverheißend

... Damit

wächst in mir die Hoffnung

und Zuversicht.

Ich denke, wo Wege gefunden

werden können, nur

einem Menschen die Würde

wieder zurückzugeben, ihm

ein »Gesicht« zu geben, ihm

eine Basis einer Lebensperspektive

aufbauen zu helfen,

da hat sich das Antlitz

der Erde erneuert. Ich hoffe

und wünsche, dass diese

unsere Dienste an den

Armen, Kranken und Kindern

nie versiegen werden. Solange

ich um Ihre Hilfsbereitschaft

und Zuwendung zu

unserer Initiative wissen darf,

ist mir nicht bange. Ist doch

alles, was wir bis jetzt erreichen

durften, nur durch

Ihre Hilfe möglich geworden.

Gott allein kann es Ihnen

vergelten! Es fehlen mir die

Worte, Ihnen gebührend zu

danken.

Ich wünschte: dass, wenn

wir einen Kranken durch den

Hausbesuch getröstet zurücklassen,

wenn wir einem

die eitrigen Wunden gereinigt,

seine Schmerzen gelindert

haben, wenn aus den

Augen der Kinder, die in so

erschütternden Verhältnissen

ihren Alltag verbringen

müssen, ein so herzliches

Lachen aufleuchtet, Sie tiefster

Dank und Bereicherung

erreichen möge.

Ich grüße Sie im Namen aller

Betreuten, im Namen des

Vorstandes und aller Mitarbeiter

sehr herzlich und

dankbar, Ihre

SR. M. MARTHA


Graz/Köln

»PROPHETIE

UND

HOFFNUNG,

JETZT UND

ÜBERALL«

Generalversammlung der

Töchter der christlichen

Liebe 2009 in Paris

(Aufschlussreich, wie die

weltweite Gemeinschaft

der TdcL ihr Generalkapitel

vorbereitet und

durchführt. Kkl.)

Im Auftrag der Kirche und

ganz im Geist des II. Vaticanums

halten wir, die Töchter

der christlichen Liebe vom

heiligen Vinzenz von Paul,

alle sechs Jahre unsere

Generalversammlung ab.

Folgen wir ein wenig unseren

Konstitutionen und Statuten.

Denn sie verweisen uns auf

den Zweck und auf den Weg

unserer Versammlungen:

»Zweck der Versammlungen

... ist es, die Treue zum besonderen

Charisma und die

apostolische Lebenskraft zu

überprüfen und zu fördern«

(K 84 a).

»Es gibt drei Arten von Versammlungen:

die Haus-, die

Provinz- und die Generalversammlung.

Diese Versammlungen

werden gemäß

den approbierten Richtlinien

vorbereitet und abgehalten«

(K 84 b).

1. Die Vorbereitung der

Generalversammlung

Zwischen den Generalversammlungen

treffen sich

wenigstens einmal alle Provinzoberinnen,

um verschiedene

praktische, rechtliche,

spirituelle, ... Fragen zu behandeln

und den Austausch

zu pflegen. Dabei wird auch

eine Liste möglicher Themen

für die nächste Generalversammlung

erarbeitet.

Vor Beginn der Versammlungen

werden von einer Arbeitsgruppe

ein Terminkalender,

eine Arbeitshilfe für das

gewählte und von der Generaloberin

mit ihrem Rat angenommene

Thema sowie Fragebögen

erstellt. Die Hausversammlungen

senden ihre

Ergebnisse an die Provinzleitung.

Deren Synthese wird

neben anderen Fragen und

Vorschlägen in der Provinzversammlung

studiert; sie

legen der Generalversammlung

oder dem Generalrat

auch ihre Postulata oder Vorschläge

vor.

Bis zu einem vorgegebenen

Datum müssen alle Dokumente

der Provinzen im Generalat

eingetroffen sein. Die

Erstellung einer weltweiten

Synthese wird dann einer

Kommission anvertraut. Sie

hat die große Verantwortung,

eine gute Synthese zu erarbeiten,

die die Anliegen der

ganzen Genossenschaft widerspiegelt

und zugleich eine

unabdingbare Hilfe für eine

fruchtbringende Arbeit der

Generalversammlung bedeutet.

Das Thema für diese Versammlungen

auf allen Ebenen

lautete: »Prophetie und

Hoffnung, jetzt und überall.«

2. Die Generalversammlung

vom 18. Mai bis

13. Juni 2009

Eine Vorbereitungskommission

studiert diese Generalsynthese

und erarbeitet eine

Arbeitsgrundlage, das Programm

und die Arbeitsmethode

für die Generalversammlung.

Eine Generalversammlung

umfasst alle Mitglieder von

Amts wegen und von jeder

Provinz, je nach deren Größe

eine oder zwei Delegierte.

Alle zusammen waren wir

diesmal 183 Mitglieder. Der

Generalsuperior und der

Generaldirektor waren immer

anwesend.

Vor der eigentlichen Generalversammlung

kamen wir zu

8-tägigen Exerzitien zusammen,

um unsere Herzen zu

erneuern und ganz offen zu

sein für den Willen Gottes.

Das war oft und oft auch die

Einladung unserer Gründer,

des heiligen Vinzenz von

Paul und der heiligen Louise

von Marillac, an unsere ersten

Schwestern. Unser Generaldirektor

griff im täglichen

Vortrag Schwerpunkte

unseres vinzentinischen Lebens

auf und machte uns

Weiter auf Seite 18

15


AUF

Foto: Heidi Bittner

16


DEM WEG IN

DAS HAUS

GOTTES

SR. URSULA BITTNER

W

er in die Pfarrkirche

St. Johann in

Rapperswil/Schweiz

eintreten möchte, muss

durch diese kleine Vorhalle

gehen. Sie bietet Schutz vor

Regen und Schnee und

Schatten bei Sonne: Eine

praktische Begründung für

die überdachten Säulen vor

der Kirchtür. Gleichzeitig wird

der Besucher auf den

Kirchraum eingestimmt und

die Haltung, die diesem heiligen

Ort entspricht. Das

Kreuz auf dem Dach erinnert

daran.

Einige schon oft gesprochene

oder gesungene

Psalmverse können eine

neue Tiefe erfahren bei der

Betrachtung dieses Bildes.

– »Tretet mit Dank durch

seine Tore. Kommt mit

Lobgesang in die Vorhöfe

des Tempels. Dankt ihm

und preist seinen Namen«

(Ps 100,4).

Was überwiegt bei mir, wenn

ich in die Kirche gehe? Der

hl. Vinzenz gibt einen Hinweis:

»Man muss ebenso viel

Zeit aufwenden, um für alle

erhaltenen Gnaden zu danken,

wie Gott um neue zu

bitten.

– »Lobet den Namen des

Herrn, lobt ihn ihr Knechte

des Herrn, die ihr steht im

Hause des Herrn, in den

Vorhöfen am Haus unseres

Gottes« (Ps 135,1–2).

Die Taufe hat für mich die

Möglichkeit eröffnet, wie

durch eine Vorhalle zu Gott

zu kommen. Dort kann ich

Lob und Dank und Bitte vorbringen.

– »Wohl denen, die wohnen

in deinem Haus, die dich

allezeit loben« (Ps 84,5).

Dieser Psalmvers stellt einen

sehr hohen Anspruch. Gott

allezeit loben fällt schwer. Es

liegt an mir, Zeiten für mich

festzulegen, um sie für das

Lob Gottes von allem freizuhalten.

– »Ein einziger Tag in den

Vorhöfen deines Heiligtums

ist besser als tausend

andere« (Ps 84,11).

Dieser Vers macht mir die

Kostbarkeit und Einmaligkeit

deutlich, wie Gottesdienst

und Gebetszeiten für mich

werden können.

Jede Kirche und jede Klosterkapelle

hat auf verschiedene

Weise ihren »Vorhof«:

einen Vorraum und Eingangsbereich,

ein Atrium,

eine Statio, wo diese Psalmverse

das Eintreten zum heiligen

Ort bewusster machen

können, auch die Erinnerung

an einen dieser Psalmverse

...

17


Fortsetzung von Seite 15

wieder bewusst, wie herausfordernd

das Leben in der

Nachfolge Jesu ist und wie

sehr unsere Sendung das

Zeugnis der Freude braucht.

Die Generalversammlung

selbst stellt für uns die

unmittelbare Vertretung der

ganzen Genossenschaft dar

(K 87 a) ist für uns oberste

Autorität (K 87 d) für:

– die Wahlen (Generaloberin,

Generalassistentin, Generalrätinnen),

– die Behandlung der vorgelegten

Themen und Fragen,

die dann in Statuten

oder Dekreten zusammengefasst

werden können.

Während dieser Generalversammlung

waren der erste,

zweite und dritte Mittwoch

Vorträgen gewidmet, die sich

mit Prophetie aus biblischer

und vinzentinischer Sicht,

mit Prophetie und Zusammenarbeit

und Prophetie und

gemeinschaftlichem Leben

beschäftigten.

Die Generaloberin zeigte uns

in ihrem Bericht den Weg der

Genossenschaft während

der letzten sechs Jahre auf,

und die Generalökonomin

sprach über die großen Fragen

der weltweiten Armut

und über die Verwaltung der

Finanzen.

Die Bearbeitung der vier

großen Themenkreise aus

der Generalsynthese erfolgte

in 16 Arbeits- und Sprachgruppen.

Ihre Ergebnisse

wurden in einem eigenen

18

Prozess zusammengefasst

und dem Plenum vorgestellt.

Den Beiträgen in den Plenarsitzungen

wurde viel Zeit

gewidmet.

Der Pfingstsonntag war ein

Tag des Betens für die ganze

Genossenschaft, denn er

bereitete uns auf die Wahl

der Generaloberin am 1. Juni

2009 vor; am 8. Juni wurden

dann die zehn Generalrätinnen

gewählt (für Afrika,

Asien, Lateinamerika spanischer

und portugiesischer

Sprache,Spanien,Italien, übrige

anglophone Provinzen,

übrige frankophone Provinzen,

»deutsche« und »slawische«

Provinzen). Aus diesen

wählten wir am 11. Juni die

Generalassistentin.

Vor dem festlichen Schlussgottesdienst

mit unserem

Herrn Generalsuperior stimmten

wir über das Grundsatzpapier

ab, aus dem der

Generalrat ein Zwischenzeit-

Dokument (2009 bis 2015)

erarbeiten sollte. Natürlich

durfte auch das große Familienfoto

aller Teilnehmenden

nicht fehlen.

3. Das Zwischenzeit-

Dokument (2009 bis 2015)

Das Dokument liegt uns im

A5-Format vor. So passt es

gut zu unserem Lebensbuch,

den Konstitutionen und Statuten.

Jede Schwester hat es

inzwischen – wenn irgend

möglich – in ihrer Sprache in

der Hand.

Sein Titel weist es deutlich

als Frucht der Generalversammlung

aus. Er gibt uns

die Richtung für unseren

Weg in den kommenden

Jahren vor: »Lassen wir uns

umgestalten vom Geist, der

Quelle der Prophetie und der

Hoffnung.« Unter dem Titel

entdecken wir das Siegel

unserer Genossenschaft in

seiner ältesten uns erhaltenen

Gestalt. Das ist ein

starker Hinweis auf unsere

geistlichen Quellen, das

Charisma unserer Gründer,

des heiligen Vinzenz und der

heiligen Louise. In einer von

Flammen umgebenen Herzform

wird das Kreuz sichtbar.

Die Umschrift lautet: »Die

Liebe Jesu, des Gekreuzigten,

drängt uns« (vgl. 2 Kor

5,14).

Nach einem Präsentationsschreiben

unserer Generaloberin

folgt eine Einleitung.

Sie erinnert daran, dass

während der Versammlung

viel Elend und Not (Zeugnisse,

Berichte, ...), aber

auch viele Zeichen des Wirkens

Gottes in den Menschen

an unseren inneren

Augen vorübergezogen sind.

Das hat in unseren vinzentinisch

geprägten Herzen im

Licht des Heiligen Geistes

Reaktionen und Wünsche

ausgelöst: größere Nähe zu

unserem Herrn und Gott;

gemeinsam näher bei den

Armen sein; neue Nöte

sehen und im Geist der Zugehörigkeit

zur Genossenschaft

handeln.

Zwei Kapitel bilden den

Hauptteil: »Anrufe« und »Antworten«;

es sind Appelle

und Reaktionen auf die vier


Themen, die ähnlich schon

in der Arbeitsgrundlage formuliert

waren:

• Auf erneuerte Weise unsere

Verwurzelung in Jesus

Christus, »Quelle und

Vorbild aller Liebe« leben

(Allgemeine Regeln I,1).

• Das »gute Zusammenleben«

fördern, damit es

eine Prophetie der Liebe

und ein Weg der Hoffnung

sei (hl. Louise, Geistliches

Testament, S. 823).

• Dienen im »Kommen und

Gehen« mit Kreativität und

Klugheit, um so die Liebe

Gottes für die Armen

kundzutun (vgl. hl. Louise,

Pfingsterleuchtung, Geistliche

Schriften, S. 3).

Andachtsbildchen

aus dem

Mutterhausarchiv

Augsburg.

• Unsere Zugehörigkeit zur

Genossenschaft vertiefen

und uns verantwortlich

fühlen für die »Genossenschaft

der Zukunft« (vgl.

K. 59).

Zu jedem Thema wurden in

beiden Kapiteln 3 bis 8 wesentliche

Punkte festgehalten.

Sie sollen den Provinzen

als Anstöße für ihre konkrete

Situation, für das Erkennen

neuer Nöte und möglicher

Wege zu deren Abhilfe

dienen. Gut ausgewählte

Schriftworte begleiten die

Anrufe.

Als Abschluss und Ausblick

führe ich hier ein Beispiel an:

Beim Thema zwei lautet ein

»Anruf«: »In der Konsumgesellschaft

einen einfachen,

ausgeglichenen Lebensstil

pflegen, der auf die Umwelt

Rücksicht nimmt (vgl. St 8d).«

Unter den »Antworten«

schlägt das Zwischenzeit-

Dokument unter anderem

vor: »Überprüfen wir unsere

Provinz- und Gemeinschaftspläne

und sehen wir

in ihnen vor: ...

– konkrete Punkte für einen

einfachen Lebensstil und

eine größere Nähe zu den

Armen,

– entsprechendes Handeln

zur Bewahrung der Ressourcen

der Erde und für den

Umweltschutz.«

Solche Anregungen sollen

uns helfen, am Puls der Zeit

zu bleiben, konkrete Umsetzungen

vor Ort zu diskutieren,

und diese immer »unter

der Führung des Heiligen

Geistes« und im Geist unserer

Gründer zu realisieren,

damit wir in einfacher und

demütiger Liebe den Armen

dienen. Es kann gar nicht anders

sein, als dass wir unser

Mühen um den rechten

Armendienst und um eine

lebendige missionarische

Haltung, geführt vom Wort

Gottes und im Licht des

Heiligen Geistes am Ende

dieses Dokumentes der mütterlichen

Liebe Marias, der

einzigen Mutter der Genossenschaft,

anvertraut haben:

»Nehmen wir in Freude und

Dankbarkeit die Einladung

an: ›Was er euch sagt, das

tut!‹«

SR. CHRISTA BAUER

(GRAZ), PARIS

19


Untermarchtal –

Region Mbinga in Tansania

SCHULBILDUNG

UND MEDIZINISCHE

BETREUUNG

schaffen Zukunft, Licht und Hoffnung für körperbehinderte

Kinder im Heim St. Loreto, Mbinga

Das Kinderheim St. Loreto in

Mbinga, Tansania, ist nach

dem italienischen Wallfahrtsort

Loreto benannt. Eine Legende

berichtet, dass Engel

das Haus der Heiligen Familie

von Nazareth dort hingebracht

hätten.

Mit der Wahl des Namens

»St. Loreto« verbanden unsere

Schwestern beim Einzug

in das Heim 1998 den

Wunsch, dass Jesus Christus

inmitten der körperbehinderten

und armen elternlosen

Kindern wohnen möge

und auch dass die Tradition

unserer vinzentinischen Gemeinschaft

fortgesetzt wird

wie vor 150 Jahren, als in

Schwäbisch Gmünd St. Loreto

gegründet wurde.

In der kleinen Provinzstadt in

Mbinga im Süden von Tansania

können körperbehinderte

Kinder keine Schule besuchen,

weil sie allein den bis

zu fünf Kilometer weiten Weg

zur Schule nicht bewältigen

können. Da in den Jahren

nach 1990 auch gesunde

Kinder wegen fehlender

Schulgebäude nicht einge-

20

schult werden konnten und

die Kinder oft mit 8 bis 9 Jahren

in den Kindergärten unserer

Schwestern verblieben,

wollte unsere Gemeinschaft

mit der Errichtung der Schulgebäude

zunächst dieser

Not begegnen. Es wurde

die »Huruma«-Schule – die

Schule der Barmherzigkeit –

gegründet und heute werden

in der 7-klassigen Primary

School ca. 350 Schüler unterrichtet.

Wie glücklich die Eltern und

Kinder über diese private

Schule sind, kann man sich

nur vorstellen, wenn man die

örtlichen Verhältnisse kennt

und sieht. In den öffentlichen

Schulen ist es nicht selbstverständlich,

dass die Kinder

in ordentlichen Schulbänken

sitzen, Bücher haben und an

die Tafel schreiben können.

Auch können sich die Schüler

der Huruma-Schule glücklich

schätzen, dass die Fenster

und Türen gut schließen

und das Dach bei Regenwetter

dicht ist.

Wenn Lehrer und Schüler

sich in diesen schlichten,

einfachen Gebäuden in einer

geordneten, wohltuenden

Atmosphäre wohl fühlen

können, dann ist das die

beste Voraussetzung für

gute Leistungen. Dies wird

Jahr für Jahr in den überdurchschnittlich

guten Abschlussprüfungen

bestätigt.

In der Nähe der Huruma-

Schule wurde von den

Schwestern das Heim St.

Loreto gebaut. Der Verbindungsweg

ist behindertengerecht

angelegt, und so ist

es möglich, dass die Kinder

trotz ihrer Behinderungen mit

einer Gehhilfe oder mit einem

Rollstuhl den Schulweg

meistern und somit wie ihre

Altersgenossen zur Schule

gehen können, wenn sie in

St. Loreto untergebracht


sind. Nicht genug wundern

kann man sich, dass sowohl

die gesunden wie die behinderten

Kinder es ganz

selbstverständlich und normal

finden, dass sie gemeinsam

auf einer Schulbank sitzen

und von allen die gleichen

schulischen Leistungen

erbracht werden. Gegenseitige

Rücksichtnahme und

gesundes Selbstbewusstsein

werden so täglich gefördert

und gepflegt.

Nach der Einweihung des

ersten Gebäudes von St.

Loreto im Jahr 2001 mit

40 Plätzen zeigte sich schon

sehr bald, dass das Heim zu

klein war. Daher wurde es

bereits im Jahr 2003 um

40 Plätze erweitert, zumal

auch elternlose arme Kinder

und Straßenkinder in

St. Loreto aufgenommen

werden.

Im Heim sind nur drei

Schwestern und zwei Angestellte

beschäftigt. Alle leichten

Arbeiten werden von den

Kindern selbst übernommen,

und es ist erstaunlich, wie

flink und wie geschickt sich

auch die behinderten Kinder

einsetzen beim Putzen, Waschen,

Bügeln, in der Tierzucht,

beim Gießen des

Gartens, im Speisesaal und

in der Küche. Durch diese

tatkräftige Mithilfe wird Personal

eingespart, und die

Kinder werden für das spätere

Leben vorbereitet. Denn

nach der Schulzeit dürfen die

Kinder nicht damit rechnen,

dass sie bedient werden.

Sonst werden sie in der

Familie als Last empfunden

und auch so behandelt.

Manchmal kann man den

Kindern mit physiotherapeutischen

Maßnahmen helfen.

Eine weit wirksamere Hilfe

ist jedoch, wenn Schwester

Dr. Gabriele Winter z. B. bei

Klumpfüßen eine Operation

planen und durchführen lassen

kann. Durch operative

Eingriffe oder Narbenkorrekturen

konnte sie schon sehr

vielen Kindern helfen, dass

die Behinderung beseitigt

oder wesentlich erleichtert

wurde. Die Kinder und die

Eltern sind natürlich überglücklich,

wenn auf diese

Weise ein sonst bleibendes

Handicap überwunden wird.

Da es in Tansania keine

Krankenversicherung gibt,

und die Eingriffe in der über

1000 km entfernten Stadt

Daressalaam durchgeführt

werden müssen, ist die Planung,

Organisation und

Durchführung dieser Operationen

nicht einfach und

überdies eine sehr kostspielige

Angelegenheit, die sich

die Eltern der Kinder nicht

leisten können.

Für viele wird der Traum vom

aufrechten Gang trotz der

Operationen und auch nicht

mit Prothesen an Händen

oder Füßen Wirklichkeit.

Trotzdem sind die Kinder

stets froh, dankbar und zufrieden,

auch wenn sie mit

manchen Schwierigkeiten

klar kommen müssen. In

Spiel und Tanz freuen sie

sich ihres Lebens und wissen

dankbar, dass sie die

Liebe Gottes durch die Hilfe

der Schwestern und vieler

Wohltäter täglich konkret

spüren dürfen.

SR. JOHANNA MARIA

METZGER, UNTERMARCHTAL

21


KEINE

»MISSION« MEHR? 1

Viele Jahre habe ich

eine Zeitschrift bezogen:

DIE KATHO-

LISCHEN MISSIONEN 2 . Auf

einmal wurde der Titel geändert:

FORUM WELTKIR-

CHE.

FORUM WELTKIRCHE –

wieso das? Gibt es keine

Mission mehr? Aber wir haben

doch die Indien-Mission!

Kurz gesagt: Das II. Vatikanische

Konzil hat ein neues

Verständnis von Mission entwickelt,

genauer gesagt: das

biblische Verständnis wieder

entdeckt.

Dem uns geläufigen Verständnis

von Mission/Missionierung/Missionar

haften

– leider – viele Missverständnisse

an; Fehlentwicklungen

waren zu beklagen. Es würde

zu lange dauern, dies nachzuweisen.

Um von der belasteten

Vorstellung von Mission

wegzukommen, redet

man heute gern von Evangelisierung

/ Neuevangelisierung;

man verwendet auch

den Begriff Dialog mit anderen

Religionen und spricht

von Inkulturation des christlichen

Glaubens bei anderen

Völkern. Man muss freilich

auch diese neue Sichtweise

erklären; aber sie trifft zu.

Tatsache ist, dass Missionierung

im klassischen Verständnis

weithin zum Stillstand

gekommen ist: Konversion

von Einzelnen – ehemalige

Stichworte: Bekehrung

von »Ungläubigen«,

»Heidenkinder kaufen«. Etwas

ungeschützt lässt sich

sagen: Die Zahl der Katholiken/der

Christen nimmt nur

durch natürliches Wachstum

zu, kaum noch durch Bekehrungen.

Mission als Glaubenszeugnis

wird heute verstärkt geleistet

als caritatives und soziales

2 MÄRZ/APRIL 2010

Engagement, und zwar ohne

den Hintergedanken der

Konversion. Wenn Gott hierbei

(oder auf andere Weise),

etwas blumig formuliert,

»Mutter Kirche neue Kinder

schenkt«, dann ist es sein

Wille, nicht unser Wollen und

Vollbringen (Phil 2,13).

Das gewandelte Verständnis

von Mission ist auch abgerückt

von der Vorstellung

von Missionsgebieten. Es

gibt deren nur noch wenige;

sie unterstehen der Vatikanischen

Kongregation DE

PROPAGANDA FIDE (zur

Ausbreitung des Glaubens).

Überall, wo (sogenannte)

1 Sup. W. Kurzschenkel, Predigt am

Weltmissionssonntag, 25. Okt. 2009.

2 Ein Organ des Internationalen Katholischen

Missionswerkes, Aachen.

22


ordentliche Diözesen eingerichtet

sind, hat der Status

von Mission aufgehört. Dies

gilt von allen Ländern, wo

unsere Schwestern wirken.

Viele dieser Kirchen sind jetzt

selbst missionarisch tätig:

Es kommt Missionspersonal

aus Indien, aus Afrika, aus

Korea, aus den Philippinen

nach Europa und in andere

Länder. Die ganze Kirche,

sagt das II. Vatikanische Konzil,

ist missionarisch tätig –

durch Wort und Tat: Die

ganze Kirche evangelisiert.

Was das Christentum in

Indien betrifft, so ist die

Kirche in Kerala, aus der unsere

Schwestern stammen,

(wahrscheinlich) viel älter als

die in Deutschland; die ursprünglichen

Christen nennen

sich ja Thomaschristen

und führen ihren Ursprung

auf diesen Apostel zurück.

Schon aus diesem Grund

kann dort nicht von Mission

gesprochen werden. Seit

dem 16. Jahrhundert hat

dann an der Südwestküste

von Indien (unsere) Lateinische

Kirche missioniert – in

klassischer Manier, mit zum

Teil fatalen Folgen.

Mission im klassischen Sinn

betreiben unsere Schwestern

in Indien, in Korea, in

ständige, selbstbewusste Ordensgemeinschaften

– und

in Tansania um die Regionen

von Untermarchtal und Innsbruck/Meran,

und in Peru

um die Regionen der Mutterhäuser

Hildesheim und Zams.

Rein statistisch gesehen,

liegt in diesen Ländern die

Zukunft der Vinzentinischen

Föderation. Und so geht es

nicht mehr an, die Vertretungen

dieser Mutterhäuser bei

der Föderationstagung zum

Rapport antreten zu lassen:

»Berichte aus der Mission.«

Dies ist überholtes europazentriertes

Denken. Wir müssen

uns da etwas anderes

überlegen. Es handelt sich

um die jungen Kongregatio-

Afrika und Lateinamerika in

keiner Weise; sie bezeugen

den Glauben durch ihre vinzentinischen

Dienste – und

das ist nicht wenig.

Bei der Föderationstagung 3

habe ich (im Zusammenhang

mit der Zeitschrift heute) auf

diese Tatsachen hingewiesen.

Es ist überholt und unzutreffend,

zum Beispiel von

Indien-Mission zu reden. Es

handelt sich dort wie in

den anderen Ländern um

Partnerkirchen, um unsere

Schwesterkongregationen in

Indien und in Korea: eigennen,

die mit unserer Hilfe

entstanden und gewachsen

sind und erwachsen geworden

sind: um die Kongregationen

in Übersee/in anderen

Erdteilen oder, genau

gesagt: um die Mutterhäuser

in Suwon, in Mananthavady,

um die Regionen in Tansania:

Mitundu und Mbinga sowie

die Regionen in Peru: Lima

und Moro.

Die Zeitschrift heute ist angeblich

ein Bindeglied der

Föderation, ist ein Kommunikationsorgan,

vor allem in

spiritueller Hinsicht. Aber

nach Korea, Tansania, Peru

gehen jeweils nur wenige

Exemplare, nach Indien 40

Exemplare. Dies hat natürlich

mit dem Sprachproblem zu

tun. Aber muss darunter die

Kommunikation leiden? –

Auch in diesem Punkt müssen

wir uns etwas einfallen

lassen. Vielleicht kann eine

Internetausgabe von heute 4

helfen.

Dies waren einige Klarstellungen

anlässlich des heutigen

»Weltmissionssonntags«.

Weiter auf Seite 26

3 Sowie bei der Sitzung der Arbeitsgemeinschaft

Indienmission – Vinzentinische

Partnerschaft.

4 Diese Internetausgabe kann vor Ort

(in Korea, Indien, Afrika, Lateinamerika)

bearbeitet werden. Hierzu können

Beiträge ausgewählt und übersetzt

werden, auch auszugsweise

oder als Zusammenfassung. Bilder

können übernommen werden. Davon

lässt sich ein sogenannter Mantel

anfertigen (mit zum Beispiel acht

Seiten). In diesen Mantel der Föderationsausgabe

können (ähnlich wie es

bei manchen Kirchenzeitungen praktiziert

wird) Beiträge aus der eigenen

Kongregation / Region eingefügt

werden.

23


Bildbetrachtung

SR. M. KARIN WEBER

DER REGENBOGEN –

Ein farbenfrohes Bild,

das uns vor Augen

gestellt wird. Es sprüht

direkt von Farbe, Licht, Leben,

Kraft und Dynamik und

verbreitet gleichzeitig eine

stille Innigkeit, Sammlung

und Ruhe. Das Bild ist reich

an Symbolik und lädt ein zur

Betrachtung. Einige Gedanken

dazu möchte ich Ihnen

vorlegen.

Zunächst zu den Farben:

Licht bricht sich in einem

Prisma so, dass die Spektralfarben

sichtbar werden.

So spalten im Regenbogen

kleinste Wassertröpfchen

das Licht, und die Farben

des Regenbogens kommen

zum Leuchten. Die Schönheit

seiner Farben hat die

Menschen aller Zeiten zum

Staunen und Bewundern

gebracht, sodass im Regenbogen

schon immer ein

göttliches Zeichen gesehen

wurde. Seine Bogenform

schafft eine Brücke zwischen

Himmel und Erde. So wie es

in der Sintfluterzählung heißt:

»Dann sprach Gott zu Noah:

›... Meinen Bogen setze ich

24

in die Wolken, er soll das

Bundeszeichen sein zwischen

mir und der Erde ...

Das ist das Zeichen des

Bundes, den ich zwischen

mir und allen Wesen aus

Fleisch auf der Erde geschlossen

habe‹« (Gen 9).

Das Licht der Herrlichkeit

Gottes bricht sich in jedem

Menschen, der sich in dieses

Licht stellt und sich davon

durchdringen lässt. Durch sie

wird die Güte, Liebe und

Barmherzigkeit Gottes sichtbar

wie in einem Regenbogen.

Auf unserem Bild spannt

sich von Säule zu Säule ein

Regenbogen, selbst die vier

Personen sind jeweils umfangen

von den Farben des

Regenbogens. Wie bei Noah

der Regenbogen Zeichen

des Bundes war, den Gott

mit ihm geschlossen hat, so

ist er hier auf diesem Bild

Zeichen der Erwählung, der

Zuwendung, der Freundschaft

Gottes. Wenn Sie das

Bild genauer anschauen, sehen

Sie in den Bögen zwischen

den Säulen die Namen

der dargestellten Personen:

ganz links Franziska von

Chantal, dann Franz von

Sales, Vinzenz von Paul und

Louise von Marillac. Von allen

vier Heiligen können wir

sagen, dass sie wie ein

Prisma waren für die Barmherzigkeit

und Liebe Gottes.

Durch sie kam Farbe, Lebendigkeit

und Wärme in das

Leben vieler Menschen, die

im »Dunkel und Todesschatten

saßen«.

Woher sie die Kraft für ihr

Engagement nahmen, wird

auf dem Tisch vor ihnen

deutlich. Brot, Fisch und

Wein stehen für Jesus Christus,

der sich in den eucharistischen

Gaben schenkt und

genau dies für uns werden

will: Nahrung, Kraft, Speise,

Freude. Das Herz in der

Hand der hl. Franziska von

Chantal deutet an, woher sie

alle die Kraft zur Liebe haben,

die sich im gemeinsamen

Mahl am Tisch des

Herrn immer neu entzündet.

Der Heilige Geist in der

Gestalt der Taube ist der

Inspirator für die vielfältigen


SYMBOL EINER

FREUNDSCHAFT

Werke, die durch Vinzenz

und Louise geschaffen wurden.

So konnte jeder dieser

großen Heiligen SEIN Licht

zu den Menschen tragen.

Diese wenigen Gedanken

zum Bild mögen Sie anregen,

selbst weiter zu denken

und zu meditieren. Ich wünsche

Ihnen allen, dass Sie

sich ansprechen und bewegen

lassen von diesem

Bild!

Das Bild habe ich auf einer

CD von Pater Jernej CM

entdeckt, auf der viele Darstellungen

von Vinzenz und

Louise aus aller Welt festgehalten

sind.

25


In dieser und in den folgenden Ausgaben

der Zeitschrift heute werden die Länder

Tansania, Indien, Peru, Korea kurz vorgestellt:

die Geschichte sowie die gegenwärtige

soziale und religiöse Situation; es folgen

Anregungen für Dank und Fürbitte sowie

ein Gebet, welches in dem betreffenden Land

formuliert wurde* (Kkl.).

TANSANIA

Statistik

Bevölkerung: 38,3 Mio.;

Staatsform: Föderative

Präsidialrepublik;

Sprachen: Swahili, Englisch;

Alphabetisierung: Männer

78 %, Frauen 62 %;

Religionen: Christen ca.40 %,

Muslime ca. 30 % (95 % auf

Sansibar), Sonstige ca. 30 %

(indigene Religionen,

Minderheit von Hindus);

Mitgliedskirchen im Ökumenischen

Rat der Kirchen:

Anglikanische Kirche von

Tansania, Evangelisch-Lutherische

Kirche in Tansania,

Brüder-Unität in Tansania.

* Aus: IN GOTTES HAND. GEMEIN-

SAM BETEN FÜR DIE WELT. Gebete

aus der weltweiten Ökumene, Lembeck/Bonifatius,

2008.

T

ansania liegt in Ostafrika

am Indischen

Ozean. Es grenzt im

Süden an Mosambik, Malawi

und Sambia, im Westen an

die Demokratische Republik

Kongo, Burundi und Ruanda

und im Norden an Uganda

und Kenia.

Seit ungefähr dem 8. Jahrhundert

errichteten arabische

Händler Außenposten

Fortsetzung von Seite 23

Ich denke, dass man wegen

der Erwartungen einer guten

Kollekte noch bei dieser

traditionellen Bezeichnung

geblieben ist. Auch in diesem

Punkt müsste man

sich eigentlich etwas Neues

überlegen. Die Bezeichnung

FORUM WELTKIRCHE (wie

der geänderte Titel der Zeitschrift

DIE KATHOLISCHEN

MISSIONEN lautet) weist da

in die richtige Richtung.

Die Deutsche Bischofskon-

26

ferenz hat schon lange eine

Unterabteilung eingerichtet:

KOMMISSION WELTKIR-

CHE, wo unter anderem die

kirchlichen Hilfswerke MIS-

SIO, MISEREOR, ADVENIAT,

RENOVABIS sowie der Missionsrat

der Ordensgemeinschaften

zusammengefasst

sind.

Ich denke, das Stichwort

Weltmissionssonntag muss

nicht unbedingt reflexartig

den Geldbeutel öffnen; es

kann auch einmal dazu dienen,

das Herz zu öffnen und

für notwendiges Umdenken

bereit zu machen. Der sogenannte

Missionsbefehl Jesu

(Mt 28,18: »... geht zu allen

Völkern und macht alle

Menschen zu meinen Jüngern

...«) hat in der Vergangenheit

zu den verschiedenen

Formen der klassischen

Missionierung geführt. Heutzutage

weisen die Zeichen

der Zeit diesbezüglich in

Richtung einer Metánoia: Ein

neues, gewandeltes Denken

und Handeln von Mission.


entlang der Küste Tansanias.

Ende des 19. Jahrhunderts

wurde das Gebiet kolonisiert:

Von den Briten, die die Insel

Sansibar übernahmen, und

von den Deutschen, die das

Festland von Tanganjika beanspruchten.

1905 bis 1907

wurde der Maji-Maji-Aufstand

brutal niedergeschlagen,

120 000 Afrikaner starben.

1918 übernahm Großbritannien

die bisherige

deutsche Kolonie.

1964, ein Jahr nach der Unabhängigkeit,

schlossen sich

Sansibar und Tanganjika zusammen

und bildeten die

Vereinigte Republik Tansania.

Tansania wurde von einer

republikanischen Einparteienregierung

unter Führung

von Julius Nyerere bis 1985

regiert. Der Gründer der tansanischen

Variante des Sozialismus

»Ujasmaa« (das

Wort bedeutet auf Swahili

»Familie«) verzichtete 1985

auf die Fortsetzung seiner

Präsidentschaft – was bis

heute in Afrika Seltenheitswert

hat.

Mit seinem Nachfolger erfolgte

der Übergang zu

marktwirtschaftlichen Verhältnissen

und zu einem

Mehrparteiensystem. Im Dezember

2005 konnte das

Volk Präsidentschaftskandidaten

aus zehn Parteien

wählen – 80 Prozent entschieden

sich für Jakaya

M. Kikwete.

Tansania ist eines der ärmsten

Länder der Welt mit mehr

als der Hälfte der Bevölkerung

unter der Armutsgrenze.

Das HIV/AIDS-Virus

ist ein wachsendes Problem,

laut UNICEF waren 2005

schätzungsweise 6,5 Prozent

der erwachsenen Bevölkerung

infiziert oder bereits

erkrankt. Hinzu kommt ein

massiver Strom an Flüchtlingen

aus den Nachbarländern

Ruanda und Burundi aufgrund

der Kriege in den

1990er-Jahren.

Christliches Wirken begann

in Tanganjika im 16. Jahrhundert

mit der Ankunft portugiesischer

römisch-katholischer

Priester; bis heute

sind die meisten Christen römisch-katholisch.

Während

des späten 18. Jahrhunderts

wurden deutsche Missionsstationen

errichtet und von

den Herrnhutern geleitet.

Heute lebt die weltweit

größte Gemeinschaft von

Herrnhutern in Tansania.

Nach der Römisch-Katholischen

Kirche ist die Evangelisch-Lutherische

Kirche

die nächstgrößte, gefolgt

von der Anglikanischen Kirche.

Es gibt auch mehrere

afrikanische indigene Kirchen.

Mit Hilfe des Christenrates

von Tansania, der 1934

ins Leben gerufen wurde,

haben sich die Kirchen stark

in der sozialen und entwicklungspolitischen

Arbeit des

Landes integriert.

ANREGUNGEN

FÜR DANK

UND FÜRBITTE

Wir danken für:

• das Zeugnis der christlichen

Kirchen und Organisationen

und die Beziehung

zwischen den Brüdern und

Schwestern in Christus, die

verschiedenen Konfessionen

angehören;

• die Chöre, die viele Stunden

proben, um Gott zu

loben;

• die Gottesdienste mit freudigem

Tanzen, begleitet von

Trommeln und Rasseln;

• die Kleinbauern, die hart

arbeiten, um ihre Familien zu

ernähren;

• Ugali (Maismehl), Tapioka

(Maniok), Reis, Chapatis (indisches

Fladenbrot);

• gastfreundliche Menschen,

die das, was sie haben,

mit Fremden aus den

Nachbarländern teilen;

• den Kilimandscharo und

den weiten Indischen Ozean.

Wir bitten um/für:

• die Flüchtlinge aus benachbarten

Ländern, dass

sie Nahrung und Obdach finden

und bald in ihre Heimat

zurückkehren können;

• alle, die von der Dürre

betroffen sind, dass sie sauberes

Trinkwasser haben

27


und ihr Getreide anpflanzen

können;

• Frieden unter den ethnischen

Gruppen und Stämmen,

dass sie zusammenarbeiten,

um eine gerechte

Gesellschaft zu schaffen;

• die Kirchen und ihre Führer

in ihrem Kampf gegen

Korruption und ihren Einsatz

für Demokratie und eine gute

Regierung;

• junge Frauen, die in die

Prostitution gezwungen wurden;

28

• alle, die an HIV und AIDS

leiden, für Kinder, die durch

die Pandemie verwaist sind,

und für die, die sie versorgen;

• alle, die in unsäglicher Armut

leben, und die sich oder

ihre Familien nicht ernähren

können;

• Erleichterung der internationalen

Schuldenlast für die

Menschen in Afrika.

GEBET AUS TANSANIA

All, ihr großen Dinge, lobet Gott.

KiIimandscharo und der Viktoriasee,

du, großer Grabenbruch, und die Ebene der Serengeti,

dicke Affenbrotbäume und schattige Mangobäume,

alle Eukalyptus- und Tamarindbäume,

preiset den Herrn.

Lobet und rühmet ihn auf ewig.

All, ihr kleinen Dinge, lobet Gott.

Emsige schwarze Ameisen und springende Flöhe,

zappelnde Kaulquappen und Moskitolarven,

fliegende Heuschrecken und Wassertropfen,

Pollenstaub und Tsetsefliegen,

Hirsesamen

und getrocknete Dagaa (kleine Sardinenfische),

preiset den Herrn.

Lobet und rühmet ihn auf ewig.

In der Zeitschrift heute Nr.

1/2010 schrieb P. Wiel Bellemakers:

Die Zwölf des 31. Juli 1634

»Die göttliche Vorsehung hat

euch Zwölf zusammengerufen«,

sagt Vinzenz. In der

Konferenz vom 31. Juli 1634

werden einige namentlich

genannt. Jean Morin macht

über einige dieser zwölf

ersten Töchter der Liebe

biografische Notizen. Ich

möchte fast sagen, dass

diese Seiten für neuernannte

Ober/-innen der Vinzentinischen

Kongregationen

Pflichtlektüre ist. Es sind

Perlen der Pädagogik und

der Verwaltungswissenschaft!

– Hier nun der vollständige

Text, ins Deutsche

übersetzt von P. Alexander

Jernej CM, Graz

Am letzten Tag des

Juli 1634 gab Herr

Vinzenz in einer dritten

und letzten Konferenz

der kleinen Gemeinschaft

der Barmherzigen Schwestern

die Regeln und die

Anweisung zur ihrer Ausführung.

Folgendes wurde

bei dieser Gelegenheit aufgezeichnet:

Herr Vinzenz

kniete mit der ganzen Versammlung

nieder, betete das

VENI SANCTE und begann:

Meine lieben Töchter, gestern

sprach ich davon, dass

Sie sich vor längerer Zeit

zusammengefunden haben,

um ein gemeinsames Leben

zu führen. Dennoch hatten

Sie bis jetzt noch keine


Vinzentinische

Spiritualität

VINZENZ VON PAUL:

KONFERENZ

VOM 31. JULI 1634

(Coste IX, 1; Comb.1)

Regeln für Ihre Lebensform.

Bisher hat Gott Sie so geführt,

wie er einstmals sein

auserwähltes Volk geführt

hatte, das von der Erschaffung

an mehr als tausend

Jahre lang kein Gesetz

kannte.

Ebenso handelte auch Unser

Herr in der jungen Kirche. Solange

er noch auf Erden weilte,

gab es noch kein neues,

geschriebenes Gesetz. Erst

danach haben die Apostel

die Lehren und Anordnungen

Christi gesammelt.

Die göttliche Vorsehung hat

Sie alle Zwölf, wie mir

scheint, zu dem Zweck hier

zusammengeführt, damit Sie

das Leben Christi ehren, das

er als Mensch auf Erden

geführt hat. Wie vorteilhaft ist

es doch, in einer Gemeinschaft

zu leben! Jedes einzelne

Glied nimmt teil an

dem Guten, das der ganze

Leib wirkt, und empfängt

durch seine Vermittlung reichere

Gnaden. Unser Herr

hat es uns versprochen, als

er sagte: »Wenn Ihr auch nur

zu zweien in meinem Namen

versammelt seid, so bin ich

mitten unter Euch« (Mt 18,20).

Wenn Sie aber in noch viel

größerer Zahl in derselben

Absicht zum Dienst Gottes

vereinigt sind, dann gilt umso

mehr, dass mein Vater und

ich kommen und bei Ihnen

Wohnung nehmen werden,

wenn Sie uns lieben (Joh

14,23). Für diejenigen, die

eins sind im Geiste und die

in diesem Geist einander helfen,

Gott die Ehre zu geben,

hat der Sohn im letzten Gebet

vor seinem Leiden gebetet

mit den Worten: »Vater,

ich bitte dich, lass sie, die du

mir gegeben hast, eins sein,

so wie du und ich eins sind«

(Joh 17,11). Wir wollen nun

sehen, liebe Töchter, auf welche

Weise Sie die vierundzwanzig

Stunden verbringen

sollten, die den Tag ausmachen,

und die Tage, die Monate

und die Jahre, die Sie

zur Ewigkeit führen werden.

Sie müssen, soweit Sie können,

die Stunden festlegen.

So wird es Ihnen ein großer

Trost sein, beim Aufstehen

zu denken: »Alle meine Mitschwestern,

an welchem Ort

sie auch seien, erheben sich

jetzt zum Dienst Gottes.« Sie

sollten also um fünf Uhr aufstehen,

soweit die Tätigkeiten

der »Charité« Ihnen ermöglichen,

um zehn Uhr zur

Ruhe zu gehen,denn Sie müssen

sich für den Armendienst

erhalten und Ihrem Leib das

Notwendige zugestehen.

Ihr erster Gedanke muss sich

auf Gott richten. Danken Sie

ihm für seinen Schutz in der

Nacht, überlegen Sie, ob Sie

ihn nicht beleidigt haben,

danken Sie ihm oder bitten

Sie ihn um Verzeihung, opfern

Sie ihm alle Gedanken,

die Regungen Ihres Herzens,

Ihre Worte und Werke. Nehmen

Sie sich vor, nichts zu

tun, was ihm missfallen

könnte. Und alles, was Sie

über Tag tun werden, möge

aus dieser ersten Aufopferung

an Gott seine Kraft

29


schöpfen, denn – sehen Sie,

meine Töchter – wenn Sie

nicht alles Gott aufopfern,

verlieren Sie den Lohn für

Ihre Handlungen. Der hl.

Paulus sagt, wie viel Sie

verlieren, wenn Ihr Geist sich

mit seinen ersten Gedanken

anderen Dingen als Gott

zuwendet. Der Teufel tut bei

Ihrem Erwachen sein Möglichstes,

um Ihnen andere

Gedanken einzugeben. Halten

Sie sich deshalb an diese

heilige Übung, als gute

Christinnen und wahre

Barmherzige Schwestern.

Wenn Sie aufgestanden und

ein wenig angekleidet sind,

sollten Sie als erstes niederknien,

um Gott anzubeten.

Was bedeutet das: Gott anbeten?

Es heißt, ihm eine

30

Andachtsbildchen

aus dem

Mutterhausarchiv

Augsburg.

Ehre erweisen, die niemand

anderem gebührt und ihn als

Ihren Schöpfer und alleinigen

Herrn anerkennen. Dann bitten

Sie ihn um seinen heiligen

Segen und verneigen

sich ein wenig, um ihn mit

Andacht zu empfangen und

in dem Gedanken, er möge

all Ihr Denken, Reden und

Handeln seiner göttlichen

Majestät wohlgefällig machen

und Ihnen den Willen

geben, alles zur Ehre seiner

allerheiligsten Liebe zu tun.

Nachdem Sie sich angekleidet

und Ihr Bett gemacht

haben, begeben Sie sich zur

Betrachtung. O meine Töchter,

das ist das Herzstück der

Frömmigkeit, und Sie müssen

sehr bestrebt sein, sich

gut daran zu gewöhnen. Nein,

fürchten Sie nicht, dass arme

Dorfmädchen,unwissend, wie

Sie zu sein glauben, nach

dieser heiligen Übung nicht

streben dürften. Gott ist so

gut und hat Ihnen schon so

viel Güte erwiesen, da er Sie

zur Übung der Nächstenliebe

berufen hat; warum – denken

Sie – würde er Ihnen die

Gnade verweigern, die Ihnen

hilft, Ihre Betrachtung gut

zu machen? Das sollen Sie

niemals annehmen. Ich war

heute sehr erbaut bei einem

Gespräch mit einem guten

Dorfmädchen, das inzwischen

eine der größten Seelen

ist, die ich kenne.

Beginnen Sie immer alle Ihre

Gebete im Gedanken an die

Gegenwart Gottes, andernfalls

kann es geschehen,

dass ihm eine Handlung

nicht wohlgefällig ist. Sehen

Sie, meine Töchter, wenn wir

Gott auch nicht sehen, so

lehrt der Glaube uns doch

seine heilige Allgegenwart,

und das ist eines der Mittel,

das wir uns zurechtlegen sollen,

ich meine diese Gegenwart

an allen Orten, die zuinnerst

alle Dinge und selbst

unsere Herzen durchdringt,

und das ist wahrer und gewisser

als zu glauben, dass

wir hier alle versammelt sind,

denn unsere Augen können

uns täuschen, aber die

Wahrheit, dass Gott allerorten

zugegen ist, ist unfehlbar

gewiss.

Ein anderes Mittel, uns in die

Gegenwart Gottes zu versetzen,

ist, uns im Geiste vor

das heiligste Altarsakrament


Heft 2/2010 INHALT 42. Jahrgang

Zum 350. Jubiläum des Todesjahres

von Vinzenz und Louise 2

Zum Titelbild 3

Geistliches Wort:

Sr. M. Brigitta Buchler, Heppenheim 4

Schwerpunkt: Zeit der Stille 6

Berichte aus Mutter- und Provinzhäusern

Augsburg 9

Innsbruck 11

Innsbruck – Kosovo 13

Graz/Köln 15

Bildmeditation 16

Untermarchtal – Mbinga 20

Keine »Mission« mehr? 22

Bildbetrachtung 24

Tansania – vorgestellt 26

Vinzentinische Spiritualität: Konferenz vom 31. Juli 1634 28

Inhaltsverzeichnis 31

Bildmeditation 32

heute

herausgegeben im Auftrag der Föderation

Vinzentinischer Frauengemeinschaften

von Superior Dr. Winfried Kurzschenkel,

Kanalstraße 22, 36037 Fulda,

Tel.: (06 61) 2 85-133, Fax: -200 / 70668.

E-Mail: winfried.kurzschenkel@gmx.de

Erscheinungsweise vierteljährlich.

Die Zeitschrift kann bezogen werden über

obige Adresse. Das Jahresabonnement

kostet einschließlich Versand 8,– € und wird

im 1. Quartal erbeten: Mutterhaus Fulda,

Sparkasse Fulda 41 026 414 (BLZ 530 501 80).

Abbestellung nur zum 31.Dezember mit

einmonatiger Kündigungsfrist.

Korrespondentinnen in den

Mutterhäusern/Provinzhäusern:

Augsburg: Sr. M. Beatrix Franger

Freiburg: Sr. Anna Lioba Fackler

Fulda: Sr. Felizitas Renkel

Heppenheim: Sr. Christine Lorey

Hildesheim (mit Region in Peru):

Sr. Regina Maria Lührsen

Innsbruck (mit Region in Tansania):

Sr. Pauline Thorer

Mananthavady: Sr. Lucy Antony Manthara

Meran: Sr. Klara Rabensteiner

München: Wolfgang Dausch

Paderborn: Sr. Ursula Bittner

Straßburg: Sr. Marguerite Schwein

Suwon (Korea): Sr. Katharina Cha

Treviso: Sr. Lorenza Sponton

Untermarchtal (mit Region in Tansania):

Sr. M. Karin Weber

Wien: Sr. Sigharda Leitner

Zams (mit Niederlassungen in Peru):

Sr. Dr. M. Gerlinde Kätzler

Provinz Graz TdcL:

Sr. Angela Platzer, Sr. Donata Hampel

Provinz Köln TdcL: Sr. Alfonsa Richartz

Gestaltung: Jürgen Weber, Limburg

E-Mail: ju_weber@arcor.de

Druck: Limburger Vereinsdruckerei GmbH,

Senefelderstraße 2, 65549 Limburg

zu begeben. Dort, meine lieben

Töchter, werden wir die

größten Beweise seiner

Liebe empfangen. Lieben wir

ihn und denken wir daran,

dass er auf Erden gesagt

hat: »Wenn jemand mich

liebt, werden wir zu ihm

kommen« (Joh 14,23). Er

sprach von seinem Vater und

dem Heiligen Geist; und die

Seelen werden durch seine

heilige Vorsehung geführt

wie ein Schiff durch seinen

Steuermann.

Seien Sie darauf bedacht,

über Ihre Betrachtung, sobald

Sie es können, Rechen-

schaft zu geben. Sie werden

sehen, wie viel Nutzen Ihnen

das bringt. Sagen Sie einander

ganz einfach Ihre Gedanken,

die Gott Ihnen eingegeben

hat, und halten Sie gut

die Vorsätze, die Sie gefasst

haben. Die selige Maria von

der Menschwerdung (Madame

Acarie) hat sich dieses

Mittels bedient, um in

der Vollkommenheit rasch

voranzuschreiten. Sie gab

ihrer Dienerin sorgfältig Rechenschaft.

O, meine Töchter,

Sie glauben nicht, wie

viel Nutzen Ihnen das bringt

und welche Freude Sie Gott

auf diese Weise bereiten.

Sehen Sie, die heilige Magdalena

barg in ihrem Herzen

die guten Gedanken, die sie

den Worten Unseres Herrn

entnahm; dasselbe wird von

der heiligen Jungfrau gesagt.

Die guten Gedanken, die der

Herr Ihnen im Gebet gibt,

sind Kostbarkeiten. Fassen

Sie sie sorgfältig zusammen,

um sie in die Tat umzusetzen,

und Sie werden das Herz

Gottes erfreuen; Sie werden

die Freude Gottes sein, und

alle Heiligen freuen sich mit.

Fortsetzung folgt

31


Text: Sr. Ursula Bittner · Foto: Heidi Bittner

Wie gut ist es,

wenn sich trotz

mächtiger Mauer

Ausblick auftut,

Durchblick zeigt

und Weitblick

zum Himmel weist.

Es ist dann so

wie bei einem Lied

mit der Zusage:

»Der Himmel geht

über allen auf,

auf alle über,

über allen auf!«

Das macht stark

im Gottvertrauen.

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