Über die bildende Nachahmung des Schönen

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Über die bildende Nachahmung des Schönen

Auf der Michaelis-Messe des Jahres 1788 gab die

Schul -Buchhandlung, welche kurz zuvor von Joachim

Heinrich Campe gegründet war, das kaum 3 '/2 Bogen

starke Heft 'Über die bildende Xachahmung des Schönen'

heraus. Der Verfasser desselben, Karl Philipp Moritz,

war dem deutschen Publikum seit zehn Jahren als ein

vielseitig begabter Schriftsteller bekannt. Seine 'Reise

eines Deutschen in England im Jahre 1782' und die

ersten Teile seines autobiographischen Romanes 'Anton

Reiser' wurden überall gelesen und bewundert. In Berlin

zumal, wo Moritz Professor am Gymnasium war, versprach

man sich viel von der schriftstellerischen Zukunft des

noch jungen Mannes. Dass er nicht nur seine eigenartigen

Erlebnisse fesselnd darzustellen wusste, sondern

auch grändliche Studien gemacht hatte, bewies der 'Versuch

einer Deutschen Prosodie' und das von ihm begründete

'Magazin für Erfahrungsseelenkunde'. Als Moritz

im Jahre 1786 nach Italien ging, war von dem fruchtbaren

Schriftsteller eine reiche Ausbeute dieser Reise um

so bestimmter zu erwarten , da mancherlei über einen

Vertrag zwischen Moritz und Campe in die Öffentlichkeit

gedrungen war. Der Armbruch, welchen Moritz bald

nach seiner Ankunft in Rom in der Gesellschaft Goethes

erlitt, hinderte ihn einige Monate am Arbeiten, und es

ist bezeichnend, dass die Gelehrten Berlins ihm ein grösseres

Geldgeschenk nach Rom sandten, welchem der Bibliothekar

Biester folgende Zeilen beifügte : 'Alle hierzu Beitragende

sind Leute von Stande und Ansehen, die keinen

andern Dank verlangen als das eigene Bewusstsein, einem

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