Der Entenschnabel, Ausgabe 169 [Web-Auflösung] - cebra[•]media

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Der Entenschnabel, Ausgabe 169 [Web-Auflösung] - cebra[•]media

DER ENTENSCHNABEL

D A S E N T ’ H U S I A S T I S C H E 2 C V - M A G A Z I N

2CV-Picasso 22 f.

Die Lange Ente 30 ff.

40 Jahre Méhari 44 f.

Ventile einstellen 54 ff.

Juni / Juli

2008

169


Aus Italien berichtet

DER ENTENSCHNABEL

Frühlingstreffen am Gardasee

Gut wir haben gekniffen, wir bekennen uns als

Weicheier, Beckenrandschwimmer und haben

kein Wintercamping zu Ostern absolviert. Dafür

sind unsere Zehen und Finger nicht erfroren, obwohl

wir todesmutig im Schneesturm (so viel

Schnee wie zu Ostern hatten wir in Franken die

letzten Jahre nicht einmal im Winter) über die

Alpen fuhren um in mediteraner Umgebung den

Frühling zu genießen und ein italienisches 2CV-

Treffen zu besuchen.

Das Treffen in Riva del Garda im März wurde

nicht angekündigt und es gab auch überhaupt

keine Vorabinformationen und Programmankündigungen.

Also entweder man kommt oder man

lässt es eben sein. Dies alleine ist schon eine

Herausforderung. In Italien sieht man schon

kaum mehr einen Fiat 500, und eine Ente im alltäglichen

Straßenbild ist quasi schon ein Fünfer

im Lotto. Um so verwunderlicher, dass wir auf

der westlichen Uferstraße des Gardasees vermehrt

Döschewos sichteten, die zielstrebig gen

Norden fuhren. Also haben wir uns hinter einer

festgesetzt, und diese über ein Stunde bis zum

Ziel gefolgt. Der Treffenplatz war am Rande von

Arco, einem kleineren Vorort von Riva auf dem

Gelände einer Entenfamilie. Sehr ruhig gelegen,

mit freiem Blick auf Weinfelder und die mächtigen

Berge ringsherum. Die ersten Entenfahrer

waren bereits am Freitagabend angereist, und

hatten die erste Nacht bereits im Zelt hinter

sich. Ab Samstag mittag trudelten dann verstärkt

die Enthusiasten ein, überwiegend aus

Norditalien, auch wurde eine Ente aus Slowenien

und Frankreich gesichtet. Nach einem

Aperitif wurde der erste Schlachtruf ausgerufen:

„pasta per tutti“ und es gab Pasta Bolognese

bis zum Abwinken. Einige spendierten ein bisschen

Salami, es gab Bier und andere Getränke

wie Kaffee und die Damen hat für reichlich

Kuchen gesorgt. Wir waren erstaunt, Italiener

können richtig guten Kuchen backen. Insgesamt

waren wir von der Gastfreundschaft überwältigt,

wir wurden wirklich von allen Seiten

verwöhnt!

Nach einem Nickerchen, Verdauung muss ein,

startete man zu einer kleinen Ausfahrt. Wohin

es ging, Fehlanzeige, Mitfahren oder Dableiben,

das ist die Devise. Also mitfahren und rein in

die Berge. Später erfuhren wir, traditionell geht

Entenjagd nach Riva

es zu einer kleineren Destillerie. Hier gabs zur

Verköstigung reichlich Grappa und Rotwein. War

der Anstieg über Serpentinen noch so schwer,

nach zwei Stunden ging dieser hinunter dann

um so leichter, quasi auf Flügeln getragen.

Abends wurde mit Schwein am

Spiess, welches sich schon seit

Nachmittag auf dem Feuer sich

drehte, für die abendliche Verköstigung

gesorgt. Und danach

wurde reichlich gefeiert. Am

Sonntag gab es noch eine Menge

Tagesbesucher, die nur mal

eben vorbeischauten um Freunde

zu treffen, natürlich gibt’s

dann immer Pasta von der Mamma und von hier

aus gibt es ja immer Möglichkeiten, um eine

touristische Ausfahrt in die Umgebung zu nehmen.

Zur Not tut es auch ein Stadtbummel in

Riva, einem wirklich sehenswerten kleinen

Städtchen.

Und wer organisierte das Treffen? Wer war der

Veranstalter? Es war vielleicht kein Club nach

deutschem Verständnis, es waren Freunde des

Pasta für alle

Matteo

2CV, die zu Ehren von Matteo dieses Treffen veranstalteten.

Matteo organisierte im Jahre 2000

sein erstes Treffen Ende März in Riva und muss

in der italienischen 2CV-Szene sehr bekannt gewesen

sein. Auf dem weitläufigen Gelände und

dem alten Gebäude soll früher eine

Schrauberwerkstatt für 2CV und DS

gewesen sein. Aus unbekannten

Gründen nahm sich aber Matteo

2006 das Leben. Unfassbar für seine

Freunde, und so veranstalten Sie zu

seinen Ehren dieses Treffen im

Frühjahr. Matteos Oasis-Reiseacadiane

und Dyane sind als

Ehrendenkmal dann immer mit aufgestellt.

Für uns eine neue Erfahrung auf einem neuen

Treffen. Wir waren begeistert von einer besonderen

Herzlichkeit der italienischen Gastgeber,

die unseres Erachtens bei manchen deutschen

Treffen zu kurz kommt. Hier wird noch

Gemeinsamkeit gelebt, oder liegt es an dem

milden mediteranen Klima des Gardasees?

Harald und Claudia

Italienischer Nachwuchs

Herrlicher Ausblick

12 13


DER ENTEN

ABEL

Kein Zweifel, die meisten von euch haben die

letzte Kreation von Andy Saunders sicher im

Internet gesehen. Man könnte glauben, es handele

sich um einen Scherz, der dank ge-schickter

Computertechnologie entstanden ist, aber weit

gefehlt, den 2CV Picasso gibt es wirklich. Ich bin

ihm begegnet!

Andy Saunders ist Engländer und lebt in Poole

an der Südküste der britischen Insel in der

Grafschaft Dorset. Ich treffe ihn in seiner

Werkstatt eines Donnerstags morgen im

Oktober, der unglaublich sonnig ist. Während

ich noch hoffe, bei der angegebenen Adresse

einen auf mich wartenden unglaublichen 2CV zu

finden, gibt es stattdessen eine Reihe von

Wohnmobilen, die mich empfangen. Ich bin

nicht ganz sicher, bei der richtigen Adresse angekommen

zu sein, denn inmitten der geschäftigen

Mechaniker sind eigentlich nur zwei

Autos, die mein Interesse wecken: Ein

Wohnmobil auf der Basis eines Plymouth 1936

und ein VW-Bus Split mit 16 Fenstern (Samba-

Bus?). Das fängt nicht schlecht an, aber kein

2CV!

Der Funke des Genies im Auge

Der Mensch, der mich begrüßt, ist groß, scheint

sehr sympathisch zu sein und vor allem spricht

22

Der PiCARsso

2CV PiCARsso

Ein einzigartiges Werk – von Meisterhand verwirklicht

er mit einem Akzent, der mich ernsthaft daran

zweifeln lässt, die Sprache Shake-speares zu

verstehen. Andy Saunders, er ist es tatsächlich,

entspricht doch dem, was ich mir vorstellte. Die

Art von Typ, hypersympathisch, der gerne erzählt,

doch nicht auf Kosten anderer. Und vor

allem, wenn man ihm begegnet, versteht man

sofort, dass da noch etwas ist, etwas, das ihn

vom normalen Werkstattbesitzer deutlich unterscheidet.

Andy ähnelt mehr einem wirklichen Künstler,

einem mit dem Funken des Genies im Blick. Er

erklärt mir, dass sein Beruf ihn viel Zeit kostet

und dass er keine Zeit haben wird, mich bei

meiner Photo-Session zu begleiten. Aua, dabei

wollte ich mir viel Zeit nehmen für meine

Photos. Andy bittet mich dann, ungefähr 200 m

hinunter zu gehen die Straße und bedeutet mir,

dass er schnellstmöglich nachkommen werde.

200 m weiter steht der 2CV Picasso brav vor

Andys Haus. Die Begegnung mit diesem „Ding“

übertrifft bei weitem alles an Wirkung, die die

Photos hervorrufen. Es ist ganz einfach fantastisch,

man glaubt, Sehstörungen zu haben.

Denn man erkennt ohne Mühe, dass es sich

noch immer um einen 2CV handelt, aber alle

charakteristischen Züge scheinen verändert

Der PiCARsso

oder deplaziert zu sein. In seinem Inneren jedoch

bestätigt der 2CV Picasso, dass er ein

wahrhafter kleiner Citroën ist, das Brummen

des Zweizylinders ist wohl gegenwärtig. Im

Straßenverkehr scheinen die englischen Autofahrer

ebenfalls zu träumen. Beim Halt an der

roten Ampel beglückwünschen Passanten Andy

zu der Qualität und der Verrücktheit der Darstellung.

Am Meer angekommen, ein idealer Ort

zum Photographieren, gibt Andy mir die Schlüssel

und kündigt an, in zwei Stunden zurück zu

sein, damit ich die Zeit habe, die Photos zu machen,

wie ich sie mir vorstelle. Da bin ich auf

einmal Herr an Bord dieses Apparates.

Andy Saunders, der bekannteste

Hersteller von Sonderanfertigungen

des Vereinigten Königreiches

Zurück zu Andy Saunders, er ist 45 Jahre alt und

es nicht seine erste Sonderanfertigung. Sein erstes

berühmtes Werk war es, einen CX so umzugestalten,

dass er das Aussehen eines Raumschiffes

bekam. Ein außergewöhnliches

Fahrzeug, nicht unbedingt elegant, das aber

den Zeitgeist genau traf. In der Zeitschrift

„Nitro“ vom September 1984 wurde diesem fantastischen

Citroën ein Artikel gewidmet. Andy

war da gerade 22 Jahre alt und er ist schnell

zum bekanntesten „Custom-Builder“ in England

geworden. Am Ende der 80er Jahre, war der

Custom noch immer stark im Trend und Andy

hat zahlreiche Titelbilder von Zeitschriften gestaltet

mit seinen Entwürfen, die auf verschiedensten

Basen realisiert wurden. Die verrücktesten

stammten von Minis: Aufs Extremste

verkürzte oder tiefer gelegte Fahrzeuge. Andy

hat alle Möglichkeiten des kleinen Engländers

ausgelotet.

Vor einigen Jahren hat unser Mann sich an

einen Bentley Mulsanne Turbo gemacht, für den

er neben mehreren kosmetischen Operationen

einen besonderen Aufbau entworfen hat.

Immerhin hat Andy einige konventionellere

Customs wie einen LowRider auf einem Pontiac

von 1947 oder einen Ford Skyliner von 1957 gebaut.

Auch hat er einen echten Custom nach

der Art von George Barris gebaut, aber auf der

Basis eines Volvo 121.

Seine vorletzte Kreation steht bei dem 2CV

Picasso, es handelt sich um einen modifizierten

Fiat 126, der das niedrigste Auto der Welt wer-

DER ENTENSCHNABEL

Monster oder Schönheit? Der 2CV von Andy Saunders

sollte eher als Kunstwerk denn als nur umgebautes Auto

betrachtet werden.

den soll. In knapp drei Tagen für eine Fernsehsendung

gebaut, ist der kleine Fiat nur 56

cm hoch und steht im Buch der Rekorde.

Zwölf Jahre Wartezeit

und 6 Monate Arbeit

Man glaube nicht, dass Andy Saunders eines

Morgens mit der Idee aufgestanden ist, einen

Citroën nach Picasso-Art zu entwickeln. Bevor

er damit anfangen konnte, mussten erst zwölf

Jahre vergehen. Da waren noch andere Projekte

zu beenden, eine Arbeit, die ihm kaum Freizeit

lässt, und dann, im Januar 2007 macht er sich

an die Arbeit.

Er vollbringt die Spitzenleistung, beinahe in

Vollzeit am 2CV zu arbeiten, oder besser an den

Die einzigen Teile,

die weder verändert

noch umplatziert

wurden, sind das

Dach mit der

Heckscheibe und

die Luftklappe.

Nimmt man sie als

Orientierungshilfe,

merkt man erst

richtig, wie unglaublich

dieser

2CV PiCARsso

umgebaut wurde.

23


DER ENTENSCHNABEL

Der PiCARsso

2CV Picasso birgt viele Überraschungen, der

Wagen sieht immer wieder anders aus, je nachdem,

aus welchem Blickwinkel man ihn betrachtet.

Der PiCARsso

DER ENTENSCHNABEL

Die lebhaften Farben des 2CV Picasso

inspirieren sich an der Collage

„Die Italienerin“, die Pablo Picasso

1917 erstellt hat.

Der 2CV ist für den Straßengebrauch zugelassen, jedoch

nur am Tage. Die Lampen sind nur imitiert und dürfen

wegen ihrer Position, die nicht identisch auf beiden

Seiten ist, nicht beleuchtet werden.

Der neue Einbauort des Kühlergrills

begünstigt nicht unbedingt die Kühlung des Motors.

Hier heißt es gut aufpassen, dass er nicht überhitzt!

2CV, denn er benötigt zwei, um daraus einen zu

machen. Es handelt sich um zwei identische

Modelle des 2CV6 aus dem Jahr 1983. Der, der

als Grundlage dienen soll, war der Schlachtung

bestimmt. Was den zweiten betrifft, so handelte

es sich um eine unvollständige Schrottente.

Als er seine Arbeit beginnt, weiß Andy zu 80%,

wie sein 2CV aussehen soll. Da es aber schwierig

ist, abzusehen, wie die verschiedenen

Elemente sich den zugedachten Einbau-stellen

anpassen würden, gesteht er sich 20%

Unsicherheiten zu. Vor allem die Türen und ihr

Dieser 2CV völlig asymmetrisch und die beiden Profile

sind sehr verschieden.

Die Details überraschen, wie zum Beispiel die

Türen, die, wenn sie geschlossen sind, sich

überlappen und ordentlich Luft lassen, als

wären sie schlecht geschlossen. Hinter dem

Lenkrad ist es schwierig, die Größe des Autos

genau einzuschätzen. Da er auf der Fahrerseite

(rechts also) um 15 cm breiter ist, jedoch nicht

auf der anderen Seite, ist das Einparken recht

verwirrend, da die normalen Orientierungspunkte

nicht mehr vorhanden sind.

Jedes Karosserieteil wurde zunächst in mehrere

Teile zerschnitten, um dann in anderer Weise

wieder zusammengeschweißt und mit zusätzlichen

Elementen verbunden zu werden. Die

Motorhaube zum Beispiel umfasst 9 verschiede-

Unter den Gemälden des Meisters, die Andy inspiriert

haben, sind »Die drei Musikanten« mit vor allem den

Bändern im Harlekinmotiv, die jedoch andere Farben zeigen.

ne Teile. Die Dreiecksbleche mussten ebenfalls

verändert werden, damit sie in die neue

Umgebung passten. Das erste, was Andy gebaut

hatte, war die Front mit ihren beiden

Scheinwerfern auf einer Seite. Das war die

stärkste Idee, die den Rest des übrigen

Fahrzeuges mit bestimmen sollte. Wahrend der

Arbeiten hat Andy keine Photos gemacht und

damit bestätigt, dass ein Kunstwerk erst dann

existiert, wenn es fertig ist. Man hätte ja auch

von Pablo Picasso keine Photos seiner laufenden

Werke bei einer Vorstellung erwartet.

Das rechte Profil erzeugt die Illusion eines in zwei Teile

zerbrochenen Fahrzeuges.

findet man sie in den „Drei Musikanten“ wieder,

wenn auch die Farben unterschiedlich sind.

Schließlich, wenn ihr die Photos aufmerksam

betrachtet, könnt ihr ein kleines farbiges Quadrat

links an der Lüftungsklappe sehen, das ein

Loch verdeckt, denn die Klappe wurde nicht,

wie das Übrige, verbreitert. Kurz, dieses Quadrat

stammt aus einem Bild einer Serie, die Pablo

Picasso über die Tauben anfertigte. Schlussendlich

ist der 2CV Andys mehr eine humoristische

Anspielung auf den berühmten Künstler,

der Picasso war. Er ist aber auch ein vollständiges

Kunstwerk, ein verrücktes Auto, das mit penibler

Sorgfalt gebaut wurde.

Schließmechanismus bereiten Probleme, denn

Andy will nicht, dass sie auf beiden Seiten

gleich sind. Ihre jeweilige Position und abschließende

Änderungen werden ohne konkreten

Plan verwirklicht, indem er verschiedene

Möglichkeiten ausprobiert.

Kleine Teile

Ein asymmetrisches Fahrzeug irritiert unseren

Geist und unsere Augen, die an konventionelle

Fahrzeuge gewöhnt sind. Ein Rundgang um den

Jeder Winkel enthält

eine Reihe von

Überraschungen.

Der 2CV ändert je nach

Blickwinkel

sein Aussehen.

Verschiedene Werke Picassos

als Inspiration

Der PiCARsso (ein englisches Wortspiel aus

Picasso und car, was im englischen Auto bedeutet)

inspiriert sich aus mehreren Gemälden

des Meisters. Die Asymmetrie findet ihren

Ursprung in den Porträts von Dora Maar, vor

allem den Augen, die den Eindruck erwecken,

auf einer Seite zu sein. Die Farben, wenn auch

kräftiger, haben ihre Quelle im Bild „Die

Italienerin“. Was die Harlekin-Motive angeht, so

Auf der Straße muss Andy ein Kennzeichen anbringen

als Nachweis, dass eine besondere Steuer bezahlt wurde.

CRU66Y, klingt wie das imaginäre Wort GRUGGY, ist das

Zulassungskennzeichen dieses 2CV.

Eine Million Pfund Sterling

Es scheint, als liebten die englischen Journalisten

es, hübsche Geschichten zu erzählen,

denn einer von ihnen erklärte, dass Andy

Saunders seine Entscheidung, den 2CV Picasso

24

25


DER ENTENSCHNABEL

zu bauen, getroffen hatte als Zeichen des

Protestes gegen die aktuelle Citroën-Serie gleichen

Namens. Das stimmt so nicht. Andy ist es

egal. Wie bereits gesagt, hatte er die Idee, dieses

Auto zu verwirklichen lange bevor die Marke

mit den Doppelwinkeln ihren Familienwagen

„Picasso“ nannte. Ebenso ist es mit dem angeblichen

Verkaufspreis des Werkes: eine Million

Pfund Sterling. Es ist ein Spaß, der den Tratsch

beflügeln sollte, der Andy aber auch amüsiert.

Und wenn es im Moment für ihn noch nicht in

Frage kommt, den Picarsso abzugeben, so plant

er, ihn in einigen Monaten zu verkaufen, nachdem

der kleine 2CV in Museen und Ausstellungen

in der ganzen Welt zu sehen gewesen sein

wird.

Der PiCARsso

Die linke Vordertür (Beifahrerseite der englischen Autos)

ist nicht nur nach hinten geneigt. Sie wurde verlängert und

vergrößert. Das Fenster ist fixiert und kann nicht mehr

geöffnet werden.

Der PiCARsso

DER ENTENSCHNABEL

Die Realisierung dieses 2CV Picasso muss ein wahres

Geduldsspiel gewesen sein.

Denn das Werk des verrückten Mechanikers aus

Poole wurde schon von berühmten Museen angefragt

und wird bald nach Australien gehen,

wo es mehrere Monate lang ausgestellt werden

wird.

Pascal Irlinger, Strasbourg

Vielen Dank an Knut Miething für die

Übersetzung aus dem Französischen und an

Pascal für diesen phantastischen Artikel.

Manche Leute sehen in der

Motorhaube nur eine einfache

Verbindung zweier Modelle.

Tatsächlich besteht sie aus neun

verschiedenen zusammengeschweißten

Teilen. Fabelhaft!

Die Hütte wurde um ca. 15 cm

verbreitert, aber nur auf einer Seite.

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27


Rarität in silbergrau: Typ Baujahr 1950

Paris feiert

DER ENTENSCHNABEL

Welchen Grund kann es denn für uns Entenfans

geben so bald im Frühjahr nach Paris zu

fahren? Ja klar, die Ente wird 60 Jahre alt, und

das muss gefeiert werden.

Zu Beginn jeden Frühjahrs findet in Paris die

jährliche Oldtimermesse „Retromobile“ statt.

Wenn es terminlich klappt, versuche ich natürlich

hinzukommen. Dieses Jahr hat es sich wirk-

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HY-Prototyp mit 2CV-Motor

Retromobile Paris

lich gelohnt. Nicht, weil ich dort Ersatzteile gefunden

habe, dazu sollte man nach Reims fahren,

auch von Deutschland aus, sondern weil

die 60 Jahre der ersten Ente auf der Automobilausstellung

am gleichen Ort dem Publikum vorgestellt

wurde. Dieses Jahr, wurde unser Lieblingsauto

wirklich gebührend gefeiert, bzw.

ausgestellt.

2CV Spécial

Englische AZ in dezentem Blau

Dies beginnt mit einem für uns sehr großen

Stand von Citroën, da können auch Porsche

Fans neidisch werden, mitten gleich hinter dem

Eingang, in der eine Ente, nein, ein 2CV A von

1950 thront, so richtig, Silber metallic, 375

ccm, kein Zündschlüssel, und natürlich ein langes

Rolldach mit kleinem Rückfenster, und

natürlich ohne Bremslicht und Blinker, gerade

wie aus der Fabrik gekommen.

Gleich dahinter auf dem Stand der Citroën Clubs

findet man eine herrliche AZAM mit allem Luxus

der 60er Jahre mit der neuen Motorhaube und

daneben eine rote 2CV Spezial aus den Krisenjahren,

und auch eine ganz tolle AZU der Post

von 1962.

AZ von Jean-Pierre Foucault

Vergessen sollten wir nicht die Ente von 1958

mit sage und schreibe 400 gefahrenen Kilometern,

die sich auf der Abteilung des Fernsehund

Radioredakteurs Jean-Pierre Foucault mit

seinen andern französischen populären Autos

der 60er Jahre befindet.

Außerdem ausgestellt war ein 2CV aus englischer

Produktion von 1953 mit Rechtslenkung,

den das Citroën Museum gerade mit Hilfe des

Clubs Amicale Citroën kaufen konnte. Ja noch

hab ich einige andere vergessen, eine Sahara

4x4, die ebenfalls dieses Jahr 40igsten

Geburtstag feiert; ferner eine Ente, die inzwischen

bis nach China fuhr, ein flach gelegtes

Modell Barbot, einer Ente der Firma „2CV sous

un parapluie” bei der wir alle eine Stadtrund

fahrt durch Paris mieten

können, eine zu gewinnende

von „Radio Nostalgie“,

die neue Zweimotorenente

Bip Bip von der

Firma Méhari Club Cassis,

und wenn wir schon dabei

sind, auch einen echten

Méhari auf dem Stand des

gleichnamigen Clubs,

etwas weiter gar einen

Méhari 4x4.

Ein Unikum im wahrsten

Sinne des Wortes hätte

ich fast vergessen, wenn

es auch nicht zu übersehen

war. Er sieht etwas

kleiner als der uns so gut

bekannte Transporter HY

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Mai 1968:

Skurriler

Freitagnachmittag

Auf einem Golfplatz unweit Deauville spielen

sich am 16. Mai 1968 eigenartige Szenen ab.

Wir befinden uns im zwanzigsten Jahr des 2CV.

In den weitläufigen Anlagen des "New Golf de

Deauville" denkt an jenem Freitag niemand an

das Golfspielen. Stattdessen hört man unverkennbar

Geräusche von mehreren 2CV.

Doch was man sieht, hat mit dem guten alten

Döschewo wenig zu tun, denn es kurven acht

skurile Plastikautos in quietschigen Farben

über die Rasenflächen. Türen oder Dächer

haben die Vehikel nicht, stattdessen sind einige

von ihnen scheinbar nur provisorisch beplant

und einfache Vorhängeketten sollen die

Insassen vorm Herausstürzen schützen. Die eigenartigen

offenen Wägelchen in Wellblechoptik

sind mit nicht minder skuril wirkenden

Leuten besetzt: Im gendarmerieblauen Auto

trägt man strenge Anzüge, große Butterfly-

Sonnenbrillen und Sturmhauben. Ein Wagen in

grün ist hoch mit Stroh bepackt, dazu passend

zwei »Mädchen vom Lande«. Der hellblaume-

zwischen Golfplatz und Barrikaden

tallic gefärbte Méhari ist mit Blumen drapiert,

seine Insassen wirken wie auf einem Hopping

von einem Hippie-Festival zum nächsten. Im

krassen Gegensatz dazu die beiden Mädchen im

knallroten Gefährt: Sie tragen rote Plastikanzüge

bis über die Köpfe. Bewaffnet sind sie

mit knallroten Feuerlöschern, was insgesamt

aber etwas weniger martialisch wirkt als bei

den Mädchen im Blauen, denn die halten jetzt

Maschinenpistolen im Anschlag.

Es gibt noch einen weißen Wagen mit Kaninchenkäfigen,

und einen gelben: Knallgrün gekleidete

Fahrerinnen schaukeln mit ihm ihre

Golfausrüstungen durch die Gegend, was einen

besonders guten farblichen Kontrast zum satten

Grün des Platzes ergibt.

All das mutet sehr abgefahren und skuril an,

und man könnte die Szenerie für Dreharbeiten

eines Stanley Kubrick halten, sein Film »2001

- Odyssee im Weltraum« ist erst wenige

Wochen zuvor in den Kinos angelaufen. Bei genauerer

Betrachtung fallen an den bunten

Fahrzeugen allerdings etliche Details auf, die

man schon vom 2CV kennt: Die viereckigen

Präsentation des Méhari

Blinker, kleine Rückleuchten, Tachometer und

Volants, oder auch die 125er-Michelinreifen

auf den typischen Dreilochfelgen. Auf den

Motorhauben der Wagen ist überdies der

Doppelwinkel zu sehen.

Spätestens die zahlreich vertretenen Motorjournalisten

sind ein Beleg dafür, dass es sich

hier weder um ein Filmset, noch um ein spontanes

Happening handelt. Ganz nah am (kommerziellen)

Zeitgeist jener Tage zeigt hier

Citroën mit zwanzig eigens engagierten

Mannequins die vielfältigen Einsatzmöglichkeiten

einer neuen Modellreihe, es handelt sich

um die offiziell organisierte Pressevorstellung

des neuen »Dyane 6 Méhari«. Dass Citroën dem

»Méhari« (frz. für Reitkamel) den Zusatz

»Dyane 6« mit in die Prospekte schreibt, ist

nicht nur eine Anspielung auf den verwendeten

neuen 602ccm-Motor, sondern vor allem ein

Anzeichen dafür, dass man zugunsten der

Dyane langsam Abstand von der Ente nehmen

will. Tatsächlich sieht es im zwanzigsten 2CV-

Jahr genau danach aus. In Deutschland werden

knapp eintausend mehr Dyanen abgesetzt als

2CV.

Doch es kommt anders: Während im mondänen

Deauville von der Citroën-Werbung die

Universalität des neuen Wagens zelebriert

wird, fällt ganz Frankreich just an diesem

Sechzehnten unter Generalstreik. Massendemonstrationen

und Strassenschlachten

gehören im Mai 1968 zum täglichen Bild in der

französischen Hauptstadt, ebenso wie ungezählte

bis auf’s Blech heruntergebrannte 2CVs.

Jegliche Berichterstattung über die skurrile

aber perfekte Präsentation des »Méhari« geht

im Sturm der sich überschlagenen Nachrichten

unter.

DER ENTENSCHNABEL

So absurd die Art der Präsentation des Méhari

im Kontext des Mai 1968 auch zunächst

scheint: Als Freizeitmobil für unbeschwerte

Urlaubstage wird er zum Erfolgsmodell. Bis zur

offiziellen Produktionseinstellung im Dezember

1987 werden 144.953 Exemplare abgesetzt, die

meisten davon in den Farben Vert Montana und

Orange Kirghiz. Kein einziges davon übrigens

werksoffiziell in Deutschland, denn die offene

Kunststoffkarosse entspricht nicht den damals

geltenden Vorschriften zur Feuerfestigkeit. Das

ändert sich erst vor ein paar Jahren, als eine

Angleichung der europäischen Vorschriften

Citroëns Plastikente auch in Deutschland freie

Fahrt gibt.

Damals ist der Méhari auch längst wieder erhältlich,

zwar nicht von Citroën direkt, dafür

aber als Bausatz aus nachgefertigten Originalersatzteilen.

Der Namenszusatz „Dyane 6“ entfällt

übrigens schon Anfang der siebziger Jahre

wieder, denn gewissermaßen als Konsumenteninitierte

Reaktion auf 1968 erfreut sich

das Original, der 2CV, wieder steigender

Beliebtheit und von

Citroëns Wunschnachfolger

„Dyane“

ist schnell keine

besondere Rede

mehr.

Jan Eggermann

Edition Garage 2CV

44

45


DER ENTENSCHNABEL

Schrauberwerkzeug

In Ergänzung zum letzten Entenschnabel

möchte ich Euch diesmal eine Alternative

beim Werkzeugkauf vorstellen, denn nicht

immer muss gutes Werkzeug auch teuer sein.

Ich beginne mit einem einfachen Preisbeispiel:

Ein Satz Ring-Gabelschlüssel (oder auch Ring-

Maulschlüssel genannt) mit 12 Einzelschlüsseln

zwischen 6 und 19mm kostet bei den bekannten

Qualitätsmarken, wie Hazet, Gedore,

Facom, Stahlwille, Elora etc. etwa 100 € bis

150 €. Hierfür bekommt man zweifelsohne

sehr gute Qualität, keine Frage. Dass es aber

auch günstiger geht beweisen diese großen

Hersteller auch schon selbst, indem Sie teilweise

unter einem anderen Namen preiswerteres

Werkzeug anbieten. Hier kostet dann der

12-teilige Satz ca. 40 bis 70 € – ein enormer

Unterschied.

Teilweise erkauft man sich den günstigen Preis

aber mit kleinen Nachteilen, weniger stabil ist

dieses Werkzeug nicht, wie ein groß angelegter

Test in der Oldtimer-Markt letztes Jahr bewiesen

hat, aber die Bauform kann etwas klobiger

sein. In der Regel nicht schlimm, wenn es eng

wird, aber doch schon mal so, dass der

Schlüssel nicht mehr so gut bewegt werden

kann. Gut zu sehen auf den beiden Fotos.

Das Maul des linken Schlüssels (Elora, preiswerte

Produktreihe) ist deutlich breiter, klobiger

als das des rechten (Condor).

Nun gibt es seit ein paar Jahren noch eine

dritte Gruppe von Werkzeugen: Qualitativ sehr

hochwertige Importe (meist aus Taiwan), die

sich vor den beiden erst genannten Gruppen

nicht zu verstecken braucht, wie auch der erwähnte

Test gezeigt hat. Hierzu gehört u.a. die

46

Werkzeugwahl

Teil 2: Das richtige

Werkzeug

Bei genauem Hinsehen bemerkt man, dass der

linke Schlüssel (Condor) ein wenig dicker ist,

als der rechte (Walter).

in den Bildern zu sehende Marke Condor. Ein

25-teiliger Ring-Gabelschlüsselsatz von 6mm-

32mm mit 5 Jahren Garantie kostet 65 €, ein

8-teiliger Gabelschlüsselsatz 8.00 €. Sicher

eine echte Alternative für preisbewusste

Käufer.

Ring-Gabelschlüssel gibt es in unterschiedlichsten

Ausführungen: Gerade, leicht gebogen,

gekröpft, extra lang oder extra dünn, sodass

man auch für spezielle Einzelfälle den passenden

Schlüssel findet.

Ringschlüssel gekröpft, vorne: Ringschlüssel

leicht gebogen (beide Condor)

Die Marke Condor soll hier weiter als Beispiel

dienen, um auch anderes Werkzeug vorzustellen.

Steckschlüssel, landläufig als Nüsse bezeichnet,

gehören ebenfalls zur Standardausstattung

des Werkzeugkoffers. Um auch hier

ein Preisbeispiel zu nennen: eine 3/8“ Nuss

mit 10er Schlüsselweite kostet beim Markenhersteller

rund 5 €, bei den preiswerten Her-

Werkzeugwahl

stellern und den Importen 1,50 €. Die auch

Steckschlüssel genannten Werkzeuge kennt

man in der Ausführung als 6-Kant- oder 12-

Kant Nuss, immer öfter trifft man auch auf

Nüsse, die den Sechskant einer Schraube oder

Mutter an den Flanken greift (oft „flankdrive“

genannt). Welchen Vorteil bietet dieses

System?

Links: 6-Kant-Nuss, rechts: Flankengriff, hier

am Beispiel einer Condor-Nuss.

Die klassische 6- oder 12-Kant-Nuss „packt“ an

den Ecken des Sechskants an und wirkt hier mit

aller Kraft. Das kann dann bei älteren, angerosteten,

Schrauben dazu führen, dass die Ecken

rundgedreht werden und die Nuss die Schraube

nicht mehr greifen kann. Grundsätzlich ist eine

6-Kant-Nuss etwas griffsicherer und besser geschützt

gegen Runddrehen als eine 12-Kant-

Nuss, der Vorteil einer 12-Kant-Nuss liegt in

der Aufsetzmöglichkeit alle 30°, gegenüber

alle 60° einer 6-Kant-Nuss, was in engen Bereichen

manchmal bessere Möglichkeiten bietet,

eine Nuss samt Knarre aufzusetzen zu können.

Wie der Flankengriff funktioniert sieht

man recht gut im Bild:

DER ENTENSCHNABEL

Das Wellenprofil der Nuss packt nicht genau

auf der Ecke sondern greift die Seite, „Flanke“

des Sechskants, dadurch können einerseits die

übertragenen Kräfte größer sein als bei herkömmlichen

Nüssen, andererseits ist ein

Runddrehen quasi unmöglich. Außerdem wird

es mit einem solchen Steckschlüssel möglich,

bereits runde Schrauben und Muttern noch zu

lösen. Als kleiner Nachteil hat der Flankengriff

meist etwas Spiel, die Nuss lässt sich also ein

klein wenig leer auf der Schraube bewegen.

Bekannt geworden ist der Flankengriff mittels

Wellenprofil vor einigen Jahren vor allem durch

die Metrinch-Werkzeuge. Hier ist das „Spiel“

besonders stark ausgeprägt, dafür lassen sich

aber mit einem Werkzeug metrische und zöllige

Schrauben gleichzeitig bedienen. Bei den

meisten anderen Herstellern von Wellenprofil

gibt es diese Möglichkeit nicht, dafür hält sich

das „Spiel“ in engeren Grenzen.

Ring und Gabelschlüssel stellen zusammen mit

Steckschlüsseln und Knarren (Ratschen) die

Grundausstattung einer Werkzeugkiste dar. Wer

neu in das Schrauberhobby einsteigt oder wer

eine neue Ausstattung Werkzeug benötigt, für

den sind diverse Komplettsätze im Koffer oder

einer Tasche recht interessant. Stellvertretend

hierfür steht z.B. der abgebildete „Pannenkoffer“.

Ein solcher Koffer ist recht gut sortiert

und bietet neben einem Satz Ringgabelschlüssel

von 8mm – 19mm, ein Sortiment, jeweils

mit Ratsche und Verlängerungen, 1/4“

Nüsse und eines mit 1/2“ Nüssen für die kräftigen

Verschraubungen. Aber auch Zangen,

einen Hammer, diverse Schraubendreher,

Zündkerzenschlüssel und Bitwerkzeuge sind

enthalten. Ein solcher Koffer kostet in Condor-

Qualität beispielsweise rund 160 €. Damit ist

man als Entenschrauber auch für andere

Alltagsautos gerüstet, da gerade die Biteinsätze

Torx- und ähnliche Schraubmöglichkeiten

bieten, wie sie modernere Fahrzeuge im Bereich

von Verkleidungen oft benötigen.

Allerdings ist der Koffer schon recht groß,

nimmt also als echter Pannenkoffer im Auto

ziemlich viel Platz weg. Möchte man eine kleine

Grundausstattung im Kofferraum spazieren

fahren, bietet sich eventuell ein Nuss-Kasten

im Format 3/8“ an (ca. 50 €). Die Größe 3/8“

hat den Vorteil Schlüsselweiten von 6mm bis

24mm abzudecken, womit man die wesentli-

47


DER ENTENSCHNABEL

50

3. 2CV-Deutschlandtreffen

Ausflugsziele am Deutschlandtreffen

Nordholz an der »Wurster

Nordseeküste«

Im Dreieck von Elbe und Weser an der Nordsee

liegt der kleine aber sehenswerte Küstenbadeort

Nordholz südlich von Cuxhaven. Weites

Land zum Wandern, gründe Deiche, kinderfreundliche

Grünstrände erwarten euch hier.

Hier gibt es auch ein FKK-Gelände, einen

Campingplatz (sehr wichtig!) und Spiel- und

Sportflächen, und alles direkt am Meer.

Campingplatz in Nordholz

Ein besonderes Vergnügen finden Skater auf den

verkehrsarmen und asphaltierten Deichverteidigungswegen.

Mit dem Wind im Rücken dahin

gleiten – das findet ihr nirgendwo in Deutschland,

also packt euer Sportzeug ein! Auf den kilometerlangen

Deichwegen

kann man aber auch Fahrrad

fahren oder im Watt barfuss

mit den Stöcken Nordic

Walking betreiben. Wer sich

fürs Fliegen interessiert, der

sollte sich im Aeronauticum

(Deutsches Luftschiff- und

Marinefliegermuseum Nordholz)

umsehen. Hier stehen

einzigartige Exponate, beeindruckende

Modelle, Original-

Luftfahrzeuge und vieles

mehr und ein Museumscafé

und einen Kinderspielplatz

gibt es hier auch.

Cuxhaven – Sehnsucht

nach Meer!

In der Stadt am Weltschifffahrtsweg

ist die Seefahrerromantik

allgegenwärtig. Sie

gilt als heimliche Hauptstadt

der Hochseesegler und hier finden im Sommer

zahlreiche Regatten und Segelkurse auf der

Nordsee statt. Hier brachen im vergangenen

Jahrhundert Tausende von Auswanderern auf in

die „Neue Welt“. Seit dieser Zeit gilt das

Wahrzeichen Cuxhavens, die Kugelbake, auch

als die „letzte Ecke vor Amerika“. Im Hafen findet

ihr den Fischmarkt, Fähranleger nach

Helgoland und alle Arten von Ausflugsschiffe.

Die City von Cuxhaven ist fußläufig zu errei-

»Alte Liebe« in Cuxhaven

chen. Im Einkaufszentrum Nordersteinstraße

gibt es neben großen Kaufhäusern auch kleinere

Geschäfte und viele Gastronomiebetriebe.

Zahlreiche Straßencafés laden zum Verweilen

ein. Direkt neben dem Bahnhof befindet sich

ein weiteres Einkaufszentrum

und im Kurteil Duhnen

findet man rund um den

Dorfbrunnen nicht nur Souvenirs,

sondern auch zahlreiche

Fachgeschäfte.

Wenn das Wetter mal nicht

so mitmacht, genießt einfach

einen Aufenthalt im

„ahoi!“-Erlebnisbad mit

großzügiger Saunalandschaft

oder für die Kids mit

Brandungswellen, Riesenrutsche,

Wasserfall und für

die Kleinsten im „Käpt’n

Cux’s Hafen“. Bei schönem

Wetter begebt euch einfach

an die traumhaften Sandund

Grünstrände Cuxhavens

oder macht eine Barfuß-

Wanderung im Watt. Dieses

Jahr finden vom 25.-27.

3. 2CV-Deutschlandtreffen

Kugelbake und Hafen

Juli die deutschen Beach-Handball-Meisterschaften

im Stadion am Meer statt. Am 26. Juli

gibt es einen Sommerabend am Meer mit Show-

Programm, Brillant-Höhenfeuerwerk in der

Grimmershörnbucht. Wer nach dem Treffen noch

länger in der Gegend bleiben möchte, kann vom

8. – 10. August zum internationalen Drachenfestival

& Strandfest oder zum Cuxhavener

Mittelalterspektakel im Fort Kugelbake. Ihr

seht, man kann sich hier auch außerhalb des

Treffenplatzes gut amüsieren, z. B. wenn die

Kinder mal quängeln und nicht mehr wissen,

was sie anstellen sollen.

Das Klima soll hier auch weitgehend trocken

sein. Ebbe, Flut und Wind bringen schnelle Wetterwechsel

und lassen nur wenig Zeit für lang

anhaltenden Regen. Hier wird man halt bei

einem Spaziergang so richtig durchgepustet,

aber das gehört zur Nordsee, genauso wie im

Strandkorb gemütlich in der Sonne zu aalen.

www.cuxhaven.de.

Döschewo-Wattwandern

Neuwerk

Neuwerk

DER ENTENSCHNABEL

Lässt man seinen Blick von Cuxhaven aus über

das Meer wandern, kann man in der Ferne die

Silhouette der kleinen Insel Neuwerk erkennen.

Sie wurde im Mittelalter durch eine verheerende

Sturmflut vom Festland getrennt. Heute ist

sie ein beliebtes Ausflugsziel für alle Gäste auf

dem Festland. Wer nicht mit einem der zahlreichen

Wattwagen fahren möchte, kann sich bei

Ebbe auch zu Fuß auf den Weg über den

Meeresboden machen. Im Gegensatz zu den

Wattwagen kann man sich allerdings nicht wieder

zu Fuß auf den Rückweg machen, sondern

muss auf die „MS Flipper“ der Reederei Cassen

Eils (Tel. 04721/32211) warten. www.neuwerkreisen.de

Viel Spaß und ersauft mir nicht!

Claudia

Cuxhaven Kurztrip Tipp

Grimmershörner Strand

Jetzt aber erst einmal in aller Kürze meine

Tipps zum Cuxhaven-Trip. Als Erstes fällt mir

natürlich spontan das Wrackmuseum (Sightseeing-Muss)

ein. Sehr interessante Sammlung

von Exponaten die anfangs ein Privatmann zusammengetragen

hat und heute ganze Mini-U-

Hafenansicht Cuxhaven

51


DER ENTENSCHNABEL

Wartungsdienst

Einstellen des Ventilspiels

Wartungsdienst

DER ENTENSCHNABEL

Einstellen des rechten Ventilspiels

Hier z. B. linker Kipphebel gedrückt

Ölauffangbehälter unterstellen und Mutter lösen

Das Ventilspiel bei der Ente beträgt sowohl für

das Einlass- als auch für das Auslassventil jeweils

0,20 mm. Die Ente auf ebenes Gelände abstellen

und zum „Warmschrauben“ die beiden

vorderen Kotflügel demontieren. Ein flaches

Gefäß, am besten eignet sich 1 flache aufgeschnittene

1-Liter Motorölflasche oder Mutters

alter Suppenteller, stellt man auf den Rahmen

der Ente direkt unterhalb des Ventildeckels. Die

Mutter des Ventildeckels abschrauben und versuchen

den Ventildeckel abzunehmen. Sehr oft

klebt der Deckel fest, so dass er vorsichtig mit

schwachen, dumpfen Schlägen des Gummihammers

gelöst oder mit einem Schraubenzieher

vorsichtig an der Seite abgehebelt wird.

Wenn das Motoröl vollständig herausgelaufen

ist, Ventildeckel säubern und anschließen den

anderen Ventildeckel auf der anderen Seite

ebenfalls demontieren. Achtung, vor dem Säubern

des Ventildeckels sich merken, welche

Seite ob bzw. unten war, unten ist da vor der

Schlamm im Ventildeckels sitzt. Einige Motoren

sollen mit Ventildeckeln versehen sein, in

denen ein »O« eingeschlagen sein, der sich an

der Außenkante und oben befindet.

Die Kontrolle und Einstellung des Ventilspiels

können nur eingestellt werden, wenn man die

aussen ersichtlichen Kipphebel bewegen und in

die richtige Position bringen kann. Hierzu die

serienmäßig mitgelieferte Andrehkurbel in die

Klauen innerhalb des Ventilators einsetzen und

drehen den Motor im Uhrzeigersinn (Handbremse

vorher anziehen, Gang herausnehmen).

Alternativ den 3. oder 4. Gang einlegen und die

ganze Ente langsam am Vorderrad auf ebenem

Gelände nach vorne schieben, dadurch bewegen

Ventildeckel säubern, unten Motorschlacke

sich die Kipphebel. Wenn die Ente wieder an

einem bestimmten Ort wieder stehen bleiben

soll, so legt man sich vorher zwei Pflastersteine

oder eben die Holzklötzchen vom hinteren Reserverad

griffbereit zurecht.

Wir beobachten zur Eingewöhnung, wie die

Kipphebel durch die Stößelstangen hin und her

bewegt werden. Schauen wir z.B. zuerst auf den

vordersten Ventilschaft auf der linken Seite:

Wenn dieser ganz durch den Kipphebel hineingedrückt

ist, steht der Ventilschaft/Ventilhebel

auf der rechten Seite genau gegenüber weit

heraus. Wir nehmen Blatt 20 der Fühlerblattlehre

und führen dieses zwischen Ventilschaftende

und Kipphebel ein. Ist das Spiel korrekt,

lässt sich die Lehre geschmeidig, aber mit

einem minimalen Widerstand durchziehen. Ist

keinerlei Widerstand spürbar, d. h.: das Blatt

geht durch, als wäre nichts vorhanden, ist das

Ventilspiel zu groß. Lässt sich die Fühlerblattlehre

erst gar nicht zwischen Kipphebel und

Ventilschaftende einführen, ist das Ventilspiel

zu klein. In beiden Fällen muss das Ventilspiel

nachgestellt werden.

Nun wird ein Ringschlüssel (i. d. R. 10 mm) an

die Mutter des fraglichen Kipphebels (also hier:

vorn rechts) angesetzt, mit einem Schraubenzieher

wird das in dieser Kontermutter befindliche

Gewinde festgehalten um dann den Ringschlüssel

nach links aufzudrehen. Nun lässt sich

das Gewinde mittels des Schraubenziehers variieren.

Mit der Fühlerblattlehre Blatt 20 das

Ventilspiel messen und durch Drehen des Schraubenziehers

das Ventilspiel so lange verändern, bis

sich die Fühlerblattlehre mit minimalem Wider-

stand durchziehen lässt. Jetzt den Schraubenzieher

in dieser Position halten und den

Schraubenschlüssel nach rechts drehen und die

Kontermutter wieder festziehen. Anschliessend

kontrollieren wir nochmals mittels der Lehre.

Nach vorstehender Reihenfolge müssen nun die

drei weiteren Ventilspiele geprüft und ggf.

nachgestellt werden. Somit die Kurbel drehen

oder die Ente langsam vorschieben und das hintere

Ventil links beobachten, bis dieses ganz

weit drinnen ist und dann das hintere, also

genau gegenüberliegende Ventil rechts prüfen

und einstellen Anschließend an der rechten

Seite die Ventilschaftenden kontrollieren, sind

diese ganz nach innen, kann auf der jeweils

gegenüberliegenden Seite das Ventilspiel eingestellt

werden. Für Anfänger gilt: lieber erst einmal

alle vier Ventilspiele in aller Ruhe kontrollieren

und dann erst mit der Einstellung von

vorne beginnen. Sehr oft ist das Ventilspiel nur

sehr gering verstellt und man bekommt vor

Einstellung ein gewisses Gefühl was richtig oder

falsch ist, wenn eben erst mal nur kontrolliert

als gleich alles eingestellt wird.

Vor Einbau der Ventildeckel müssen diese sauber

sein, mit dem Schraubenzieher oder feinen

Messer werden die alten, im Deckel klebenden

Ventildeckeldichtungen herausgekratzt. Sofern

notwendig, werden mit feinem Schleifpapier

noch Klebstoffreste an den Dichtungsflächen

entfernt. Nun eine neue Ventildeckeldichtung in

den sauberen Ventildeckel einsetzen, ein bisschen

mit Öl bestreichen, damit dieser nicht

verrutscht und gut abdichtet. Wer es besonders

gut machen will, kann mit Gummikleber Curil T

o. ä., die Dichtungen die Ventildeckeldichtung

vorsichtig bestreichen, aber aufpassen: davon

darf nichts in den Ölkreislauf kommen. Bevor

jetzt der Ventildeckel auf den Zylinderkopf aufgesetzt

wird, wird noch der Rand des Zylinderkopfes

sauber gewischt. Nun den Ventildeckel

aufsetzen und mit der Schraube per Hand festschrauben.

Absolut wichtig: Diese Schraube

ebenfalls mit einem Ringschlüssel festziehen,

aber nur mit Gefühl! Wird diese Schraube fest

angeknallt, kann der Steg des Gewindes, der in

der Mitte des Zylinderkopfes verankert, abreißen.

Anschließend mit dem Lappen sämtliche Ölreste

und Schmutz am Rahmen, am Boden des Motorraumes

und am Motorölfilter abwischen. Den

Motor ca. 3 Minuten zur Probe mit leicht erhöhter

Drehzahl (Choke leicht gezogen) warm

laufen lassen und anschließend genau den bereich

um die Ventildeckeldichtungen kontrollieren:

Tropft hier Öl heraus, müssen die Muttern

der Ventildeckel mit Gefühl nachgezogen werden.

Ferner muss der Motorölstand geprüft

werden und Motoröl nachgefüllt werden. Der

nächsten Ausfahrt steht nach dem Anbau der

vorderen Kotflügel nichts mehr im Wege.

Harald

1 Kontermutter

2 Einstellschraube

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