Andreas Nierhaus - Europaforum Wien

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Andreas Nierhaus - Europaforum Wien

Andreas Nierhaus

„Die Nachvollziehbarkeit europäischer Stadtgeschichte am Beispiel Wien

(Manuskript des Impulsreferates vom 5. Juni 2013)

Der Direktor des UNESCO-Welterbezentrums in Paris, Francesco Bandarin, wird in

einer von der Stadt Wien vor wenigen Jahren herausgegebenen Broschüre zum

Thema Weltkulturerbe „Wien – Innere Stadt“ wie folgt zitiert: „Europäische Städte

haben sich über Jahrhunderte hinweg langsam entwickelt, es kam zur harmonischen

Vermischung mehrschichtiger und multifunktionaler Stadttypen. Das Problem ist nun

Folgendes: die Gesellschaft, für welche die Stadt ursprünglich geschaffen wurde,

besteht nun nicht mehr. Heute gibt es unterschiedliche Bevölkerungsgruppen, wie

etwa Einwanderer, ethnische Minderheiten und hoch gebildete Yuppies, die alle eine

neue Vision davon haben, wie die Stadt aussehen soll und auch welchen Stellenwert

ihr historisches Erbe dabei haben sollte.“ Zu den spezifischen Wiener Weltkulturerbe-

Problemen sagt Bandarin: „Wien wurde stets als ‚Gesamtkunstwerk’ gesehen, und

zwar aufgrund der ausnehmend großen Kohärenz von Stadtplanung und

Stadtgefüge. Somit ergeben sich gewisse Fragen im Zusammenhang mit

Authentizität und Integrität der Stadt, und die damit verbundenen Herausforderungen

sind in Wien möglicherweise noch ausgeprägter als in anderen

Weltkulturerbestädten. Aus meiner Sicht stellt dies für Wien sowohl einen

Wettbewerbsvorteil als auch eine einzigartige Herausforderung dar.“ Was Bandarin

hier in der vollendeten Sprache des internationalen Kulturdiplomaten formuliert,

möchte ich im Folgenden – und mit Absicht weitaus weniger diplomatisch, denn ich

wurde ja gebeten, Impulse zu geben – anhand einiger weniger Beispiele ausführen.

Ich distanziere mich vorab von jeglichem denkmalpflegerischen Extremismus, dem

Drang zur unabdingbaren Bewahrung des status quo, der mitunter zur Verhinderung

qualitätvoller neuer Architektur führt, ich distanziere mich aber auch von einem

architektonischen bzw. städtebaulichen „Innovationismus“ als rhetorischer

Selbstzweck, der nur zur Camouflage ökonomischer Interessen dient.

Mir geht es nicht darum, gegen Investitionen in die historische Substanz der Wiener

Innenstadt zu wettern – diese sind richtig und wichtig, denn ohne diese Investitionen,

die auch mit Gewinn verbunden sein sollen, wäre dieses „Erbe“ nicht zu erhalten.

Wogegen ich mich richte ist die alleinige Relevanz ökonomischer Gesichtspunkte,


die sich hinter einer Rhetorik des Bewahrens, Erhaltens, des Verbindens von Alt und

Neu, des Weiterbauens an der historischen Stadt verbirgt. Ja, es muss weitergebaut

werden, die Frage ist aber, ob die Öffentlichkeit diesen Weiterbau bis zu einem

gewissen Maß steuert, oder ob man die Impulse zum Weiterbau ganz den Investoren

überlässt, wie es mitunter in Wien den Anschein hat. Letzteres hat meines Erachtens

fatale Konsequenzen, auch für die Qualität des öffentlichen Raumes.

Wie lässt sich nun europäische Stadtgeschichte in Wien nachvollziehen, ja, ist das

überhaupt möglich, gibt es eine „europäische Stadtgeschichte“ oder gibt es viele

Stadtgeschichten? Auch wenn Sie jetzt anderes erwarten: Ich werde im Folgenden

nicht von der Vergangenheit sprechen – denn die Bedeutung Wiens – wobei ich die

Grenzen des Welterbe-Areals weiter ausdehnen würde – als einzigartiges

architektonisches, städtebauliches, künstlerisches Ensemble stelle ich nicht in Frage,

und eine nochmalige Aufzählung der Gründe, warum dem so ist, halte ich nicht für

sinnvoll; ich möchte vielmehr von der europäischen Stadt der Gegenwart sprechen,

und ob und wie sich ihre gegenwärtigen Phänomene und Probleme in Wien

nachvollziehen lassen.

Eine solche europäische Stadtgeschichte könnte etwa von der noch vor wenigen

Jahren in dieser Form nicht vorhersehbaren Wiederentdeckung der Städte als

Wohnorte und dem Boom des Städtetourismus sprechen. Positiv dabei: Wachstum

ist gut, vor allem, wenn sich damit ökonomisch Rendite erzielen lässt. Wien wächst

wieder der Zweimillionengrenze entgegen, ist Drehscheibe, Sitz internationaler

Unternehmen. Wien, so stand am vergangenen Montag in der Zeitung zu lesen, liegt

in einer Studie mittlerweile auf Platz 17 der meistbesuchten Städte der Welt.

Die Kehrseite dieser neuen Hoch-Zeit ist jedoch, dass der ökonomische Druck auf

die Stadt – und wir reden hier und heute von der historischen Innenstadt, und ich

spreche konkret vom Druck der Investoren – ständig zunimmt, ja unerträglich wird.

Mir scheint nun einerseits, dass die politischen Instrumente, um diesem Druck

beizukommen, unbrauchbar geworden sind bzw. der Schärfung bedürfen, und

andererseits, dass man diesen Druck an den so genannten Schalthebeln der Macht

derzeit noch ebensowenig zu spüren oder ernst zu nehmen bereit ist wie in der

breiten Bevölkerung. Man wird ihn dann spüren, wenn es bereits zu spät ist.


Eine andere europäische Stadtgeschichte könnte davon erzählen, dass die Städte

zwar als unverwechselbare Orte immer interessanter werden, zugleich aber auch

immer stärker austauschbar. In deutschen Innenstädten lässt sich bereits

beobachten, was in Wien schon längst begonnen hat: Die Verdrängung kleiner

Geschäfte durch internationale Konzerne mit ihrem überall immergleichen

Warenangebot. Die Wiener Innenstadt hat in den letzten Jahren eine bedenkliche

Entwicklung in diese Richtung genommen, und ich bin mir sicher, dass die Politik

diesem Trend, wenn sie es denn wollte, beikommen könnte. Ich erwähne diesen

Umstand deshalb, weil er mir für die weitere Kultur und Geschichte der europäischen

Stadt zentral erscheint: Wenn wir weiterhin typische, unverwechselbare, individuelle

Städte bewohnen und besuchen wollen, muss dieses Typische, Unverwechselbare,

Individuelle, das die „Kultur“ einer Stadt ausmacht, weil es von ihren BewohneInnen

„produziert“ und getragen wird, geschützt werden. Vielen Investoren ist Kultur – die

vehementen gegenteiligen Beteuerungen machen es nur offensichtlicher –

bestenfalls die schöne Folie oder der Ausblick aus dem Penthouse auf die Dächer

der Stadt, das schöne Bild. Wie agieren die Behörden? Die Entwicklung von

Tuchlauben und Naglergasse ist ein gutes Beispiel: Erst wird, unter Mithilfe des

Bundesdenkmalamtes, die Fassade der Erste Bank Zentrale durch einen (plumpen)

Vorbau verändert, dessen größere Auslagenflächen für einen omnipräsenten

Juwelier man mit dem – falschen – Hinweis verkaufte, es handle sich um eine

„Rekonstruktion“ der historischen Fassade. Die Stadt dehnt derweil unter dem

Vorwand, die Lebensqualität der Bewohner und Besucher zu erhöhen, die

Fußgängerzone in die Naglergasse aus, tatsächlich wird dadurch in erster Linie der

Wert der angrenzenden Geschäftslokale beträchtlich gesteigert.

Wenn es so weitergeht, wird die Innenstadt Wiens in naher Zukunft endgültig zum –

noch – von der Unesco geschützten Freilichtmuseum, in dem sich in erster Linie

prächtig einkaufen lässt. Wohnen nämlich muss man hier garnicht mehr, wie jüngst

eine Kampagne auf einem im Umbau begriffenen Block am Hohen Markt verkündete:

"You don't have to live in these apartments to love Vienna. Owning them will do.“

Nebenbei hat man bei diesem Bau zugelassen, dass das komplette Dach für den

Einbau von Luxusappartments entfernt und durch eine mit Schlitzen versehene

Attrappe ersetzt wurde, die auf den ersten Blick dem gewohnten „Bild“ entspricht,

aber eben nicht mehr.


Mir geht es keineswegs um das Verhindern moderner Architektur, mir geht es darum,

dass die Qualität dieser Architektur mit den zu recht geschützten Qualitäten dieses

einzigartigen städtebaulichen Ensembles der Inneren Stadt in Wettstreit tritt und sich

eben nicht nur einfach „draufsetzt“ oder „reinsetzt“.

„Reingesetzt“ wurde etwa David Chipperfields Kaufhaus in der Kärntnerstraße. Dort

wurde von der Stadt, aber auch von den Bauherren, gegenüber den Medien

wiederholt betont, dass sich das Gebäude am Erscheinungsbild der Straße und der

Tradition des Wiener Warenhauses orientiere – das war jedoch ausschließlich

Marketing, das von der Presse bereitwillig wiedergekäut wurde. Tatsächlich wurde

schon lange nichts in der Inneren Stadt gebaut, das sich derart nonchalant über

lokale Traditionen, Gepflogenheiten, Formen, Fassadenstrukturen und Materialwahl

hinwegsetzt; es ist keine Weltkulturerbe- oder gar Weltstadtarchitektur, sondern

Allerweltsarchitektur, die überall in dieser globalisierten Welt stehen könnte – und

das wäre an sich auch völlig in Ordnung, wenn man es auch zugeben und nicht

beständig das Gegenteil behaupten würde.

Auch die Dachausbauten möchte ich hier bewusst nicht als Dokument der – im

Vergleich mit dem Rest von Österreich leider qualitativ mittelmäßigen –

architektonischen Entwicklung Wiens der letzten Jahre interpretieren, sondern als

sichtbarsten Aus-Druck des ökonomischen Drucks, der auf der Innenstadt liegt. Wer

heute den Dachausbau lediglich als positiven Beitrag zum Miteinander von Alt und

Neu sehen will, wie das in der eingangs zitierten Werbebroschüre der Stadt zu lesen

ist, oder gar die Lösung der Wohnungsnot ausruft, der – mit Verlaub – sagt die

Unwahrheit. Denn es geht demjenigen, der einen Dachausbau plant, in der Regel ja

nicht primär darum, sein altes Gebäude durch eine architektonisch innovative

Gestaltung zu ergänzen und womöglich sogar aufzuwerten, sondern darum,

möglichsten Profit aus dem bis dahin ungenutzten Dachwerk zu ziehen. Alles andere

tritt sekundär hinzu, wird aber in der Kommunikation mit der Öffentlichkeit in den

Vordergrund gerückt.

Unverdeckt sichtbar wird dies etwa an Dachausbauten wie einem mittlerweile

berüchtigten Penthouse Am Hof, dessen Eigentümer sich nicht scheut, den eigenen

Firmennamen noch daraufzusetzen. Allein dieses Beispiel würde genügen, um die

Unzulänglichkeit der gesetzlichen Mittel bzw. ihrer Handhabe in diesem Bereich, vom

Denkmalschutz abwärts, offenzulegen. Zahlreiche andere Dachaufbauten könnten


hier folgen, darunter etwa von der Stadt als innovativ gelobte Monstrositäten wie der

Dachaufbau Ecke Mariahilfer Straße / Getreidemarkt.

Ein ganz konkretes Problem sei an dieser Stelle angesprochen und den

Verantwortlichen ans Herz gelegt: Das Dach wird im Welterbe Innere Stadt – von

den äußeren Bezirken möchte ich in diesem Referat gar nicht sprechen, denn dort

gibt es tatsächlich bereits viel größere Schäden – offenbar nicht als Teil des

Gebäudes bzw. seines architektonischen Entwurfs gesehen, denn sonst wäre eine

Veränderung von Firsthöhe und Dachneigung nicht so leicht möglich. Gerade

bei vielen gründerzeitlichen Bauten spielt dies eine wichtige Rolle, sollte dort doch

das kaum über 30 Grad geneigte Dach nach Möglichkeit nicht in Erscheinung treten,

für das Auge verschwinden. Doch an der Ringstraße werden nach wie vor

Dachneigungen grob verändert, plumpe Klötze entstehen wie zuletzt am Ritz-

Carlton-Hotelkomplex am Schubertring. Der Denkmalschutz, so scheint es, hat noch

immer nicht seinen Frieden mit dem Historismus gemacht, sonst wären mutwillige

Akte wie die mittlerweile fast vollständige Zerstörung der gründerzeitlichen

Dachlandschaft (von anderen Skandalen, wie dem Einbau eines Metalltores in die

Rampe des Parlamentsgebäudes gar nicht zu reden) nicht möglich.

Was der Debatte um die Dachausbauten in Wien meines Erachtens fehlt, ist eine

klare Vision, die über Partikularinteressen der einzelnen Eigentümer hinausgeht und

zu einer nicht parasitären, sondern eigenständigen Form (und Funktion) dieser

neuen Strukturen über der historischen Stadt führt.

Wir sind, auch das ist schließlich ein Stück europäischer Stadtgeschichte der

Gegenwart, wie es scheint in der Zeit der Attrappen angekommen. An der

Oberfläche das „Stadtbild“, der bis zum Überdruss bemühte „Canaletto“-Blick bzw.

dessen Bedrohung durch Hochhausbauten, ein historisches Bild Wiens, das selbst,

wie man längst weiß, eine Konstruktion ist, das Feilschen um das Freihalten von

„Sichtachsen“, das Verstecken der Neubauten genau so, dass man sie von fix

vorgegebenen „Betrachterstandpunkten“ (etwa in der Mitte eines Straßenzugs) zwar

nicht sieht, dass sie aber beim – eher der Normalität entsprechenden – Bewegen im

Stadtraum leider doch da sind, ich denke nur an das, was aus Wien Mitte geworden

ist. Es ist eine schleichende und zugleich rasante Bedeutungsverlagerung weg von

der materiellen physischen Realität hin zum immer wieder reproduzierbaren digitalen

Bild im Gange, der sich mittlerweile nicht einmal mehr die Denkmalpflege entziehen


kann. Die angeblich „denkmalpflegerische“ Erneuerung der Opernpassage im

momentan begehrten Fifties-look etwa ist totale Virtualität und Immaterialität, denn

das „rekonstruierte“ Marmormuster des originalen Linoleumbelags ist nichts als eine

schäbige Fototapete hinter Plexiglas. Hinter solchen substanzlosen Attrappen und

„schönen Bildern“ wird kräftig entkernt, ausgeweidet, mit allen zur Verfügung

stehenden juridischen und technischen Mitteln wird das Gebäude optimiert, denken

Sie etwa an das Hotel Kempinski, das jetzt Palais Hansen heißt, auch wenn es nie

ein Palais war, denken Sie aber auch an das Finanzministerium im Stadtpalais des

Prinzen Eugen, jetzt ein optimal modernisiertes Bürogebäude in dem wie zufällig ein

paar Barockräume übrig geblieben sind. Die historische europäische Stadt, so hat

man manchmal leider auch in Wien das Gefühl, wird unter dem Vorzeichen einer

neoliberalen Wirtschaftspolitik und überzogenen Effizienz- und Nützlichkeitsdenkens,

zunehmend zur Kulisse ausgehöhlt. Doch man könnte etwas dagegen tun:

Zuallererst, sich nicht von Investoren zu architektonischen städtebaulichen Eingriffen

drängen, sich diese nicht diktieren lassen, sich aber auch nicht von fanatischen

Bewahrern des status quo daran hindern oder zu faulen Kompromissen hinreißen

lassen. Es sieht manchmal so aus, dass unter dem Deckmantel des allgemeinen

Interesses tatsächlich die Bedürfnisse einiger Weniger bedient werden.

Wien Mitte sollte die Stadt Wien gelehrt haben, wie man es nicht machen soll. Doch

nun droht bereits angesichts von Eislaufverein und Interconti das nächste

architektonische und städtebauliche Desaster. Wenn tatsächlich nur mehr der

Denkmalschutz hilft, das Schlimmste zu verhindern, dann sind wir baukulturell

verloren.

Hermann Czech hat einmal – in Anlehnung an Adolf Loos – sinngemäß gesagt, dass

die einzige Berechtigung der Denkmalpflege darin besteht, die vorhandenen Werte

dort zu schützen, wo keine neuen, „größeren“ geschaffen werden können. Das

Problem dabei ist, dass wir das sichere Vertrauen in den Wert und die Qualität des

Neuen verloren haben. Dieses Neue aber muss sich angesichts des hohen

vorgegebenen Niveaus der Wiener Innenstadt auch bewähren. In der Wiener

Innenstadt sehe ich einige, aber nur wenige Neubauten (etwa das Bürohaus k47 von

Henke & Schreieck am Franz Josefs-Kai), die das gestalterische Niveau, das „Maß“

der Altstadt erreichen. Schuld am Mittelmaß sind nicht die Architekten.

Bei den Politikern dieser Stadt wünschte ich mir mehr Mut, doch dieser Mut darf sich

nicht darin erschöpfen, Investoren und ihrem Marketing nur aufgrund ihrer


finanziellen Potenz überproportional viel Raum in Debatten zu geben, die die

gesamte Öffentlichkeit, die Bewohner der Stadt betreffen. Um Wien auch weiterhin

einen relevanten Platz in der Geschichte der europäischen Stadt zu geben, einer

Geschichte an der wir, als ihre Bewohnerinnen und Bewohner, als ihre Besucher,

Benüzter, Gestalter und Interpretatoren in diesem Moment mitschreiben, braucht es

Zivilisiertheit. Wien Mitte ist nicht zivilisiert, viele Dachausbauten sind es auch nicht,

manche allerdings sehr wohl, aber auch die Schaufensterparade im Luxusparadies

unter den Tuchlauben ist vulgär – hier hat sich die Ödnis der Shoppingcenter bereits

des öffentlichen Stadtraums bemächtigt.

Der italienische Publizist Tomaso Montanari hat in seinem jüngsten Buch „Le Pietre e

il Popolo“ – „Die Steine und das Volk“, das ich allen Stadtplanern, Kulturpolitikern,

Bewohnern dieser Stadt empfehlen kann, die Zerstörung der italienischen Städte

durch eine hemmungslos entfesselte und – dies ist ein spezifisch italienischer Fall –

politisch verflochtene Eventkultur beschrieben. Wir sind in Wien noch nicht ganz so

weit, aber auch nicht mehr allzu fern. Montanari spricht von der „progessiva

trasformazione delle nostre città storiche in luna park“, also der Verwandlung der

historischen Städte in Luna Parks, dem Verlust der kulturellen Funktion der Stadt und

dem Ausverkauf ihres historischen Gewebes an die Konzerne und eine von ihnen

diktierte Kultur des Spektakels. Montanari fordert seine Landsleute im Gegenzug

dazu auf, sich mit dem zivilisatorischen Wert und Potenzial des historischen und

künstlerischen Erbes intensiv und aktiv auseinanderzusetzen. Nur so könnten die

Städte von Neuem eine urbane Kultur gestalten und fördern, deren allererste

Aufgabe es sei, ein alternatives Modell zum Gesetz der Marktwirtschaft zu

entwickeln, die Integration zu fördern und Klassenunterschiede zu nivellieren. So

würden aus den Bewohnern nicht Touristen, sondern souveräne Bürger. Eine

Utopie? Hoffentlich nicht.

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