Rote Liste Grosspilze - Verein für Pilzkunde St.Gallen

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Rote Liste Grosspilze - Verein für Pilzkunde St.Gallen

Anhänge 61

(Russula). Immerhin gegen geschätzte 25 % aller Arten in Europa bilden langlebige

Fruchtkörper und bleiben mindestens einen Monat sichtbar, können aber auch bis zu

einem Jahr am Standort bleiben, darunter viele Bauchpilze und Porlinge. Schliesslich

existiert eine ganz kleine Gruppe von Arten, welche mehrjährige Fruchtkörper bilden

wie Feuerschwämme (Phellinus), Zunderschwamm (Fomes), oder Lackporlinge (Ganoderma),

deren Anteil auf 1 % der westeuropäischen Mykoflora geschätzt wird.

A1-3 Wie gross sind Pilzmycelien bzw. Pilzindividuen?

In der Praxis, insbesondere in ökologischen Untersuchungen, wird öfters ein Pilzfruchtkörper

einem Individuum gleichgesetzt. Dies stimmt allerdings sehr häufig nicht

wie das Phänomen der Hexenringe augenfällig demonstriert. Ein einziges Myzelium,

das Pilzfadengeflecht im Boden, kann zahlreiche Fruchtkörper produzieren. Weil das

Myzelium in den meisten Fällen im Substrat eingesenkt und somit nicht direkt beobachtbar

ist, lassen sich die oberiridischen Fruchtkörper somit meistens nicht direkt

einem Myzelium zuordnen.

Der Begriff eines Individuums bei Pilzen wird durch weitere biologische und genetische

Besonderheiten erschwert. Myzelien respektive die einzelnen Hyphen weisen im

Prinzip ein unbegrenztes Wachstum auf, so dass seine Grenzen nicht vorhersagbar

sind. Unterschiedliche Myzelien der gleichen Art können verschmelzen (Anastomosenbildung),

womit die Grenzen eines Individuums sich im Verlaufe der Zeit verwischen

können.

Pilzmyzelien

Grösse von Pilzmyzelien

Um die Grösse eines Individuums resp. eines Myzeliums sicher zu bestimmen, sind für

jede Art, im besten Falle gar für jeden Standort, aufwendige Laborarbeiten notwendig,

welche einerseits biologische Kreuzungsversuche und/oder eine Analyse von molekularen

Markern erfordern. Resultate solcher Untersuchungen sind in Tabelle 1 zusammengestellt.

Sie zeigen, dass die Grösse der Myzelien von Mykorrhizapilzen im Bereich

von wenigen Metern bis 40 Metern schwankt. Besiedler von gestörten Flächen

scheinen in der Regel kleinere und weniger ausdauernde Myzelien zu haben als Arten

in späten Stadien der Vegetationsentwicklung. Für Streuabbauer gelten ähnliche Myzelgrössen.

Eine spektakuläre Ausnahme mit sehr grossen Mycelien bilden die Hallimasche

(Armillaria spec. div.) (Ferguson et al. 2003, für die Schweiz Bendel et al.

2006). Bei holzbewohnenden Pilzen können innerhalb eines liegenden Baumstammes

verschiedene Myzelien der gleichen Art vorkommen. Von wenigen Ausnahmen abgesehen,

ist die Ausdehnung eines Myzeliums auf einen einzigen Stamm beschränkt,

auch wenn mehrere Stämme über- oder nebeneinander liegen (Noetzli 2002).

Ein einziges Myzel kann nicht grösser sein als sein Substrat, womit sich die Maximalgrössen

von Myzelien in Holzstämmen, Ästen, aber auch auf verschiedenen Sondersubstraten

(z. B. Kuhdung) klar definieren lassen. In liegenden Holzstämmen ist mehrfach

gezeigt worden, dass die meisten Pilze einen Stamm mehrfach besiedeln und sich

in einem einzigen Stamm genetisch unterschiedliche Myzelien der gleichen Art befinden

(Kauserud & Schumacher 2002 für Phellinus nigrolimitatus, Kay & Vilgalys 1992

für Pleurotus, Boddy et al. 1982 für Stereum gausapatum). Solche Myzelien sind alle

relativ klein.