Rote Liste Grosspilze - Verein für Pilzkunde St.Gallen

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Rote Liste Grosspilze - Verein für Pilzkunde St.Gallen

Rote Liste der gefährdeten Grosspilze der Schweiz BAFU / WSL 2007 72

A2-3 Beurteilung seltener Arten

Pilzarten mit weniger als 5–10 Fundnachweisen sind entweder extrem selten oder

schlecht bekannt resp. werden kaum bestimmt. Es gilt aufgrund von Expertenwissen

die wirklich seltenen von den ungenügend bekannten zu trennen. Dabei wird berücksichtigt,

an welches Substrat diese Art gebunden ist und wie verbreitet dieses ist. Im

Weiteren muss berücksichtigt werden, von wie vielen unterschiedlichen Bestimmern

die Art erkannt worden ist. Kaum einschätzbar sind beispielsweise die Fälle, wo eine

Art von einem einzigen Bestimmer einmal oder mehrmals erkannt worden ist. Liegt

hier nun ein von der Aufnahmemethodik her systematischer Fehler vor oder deuten die

Fundorte in der Tat auf eine sehr seltene Art hin, die nur mit Spezialistenwissen gefunden

werden kann? Wird dagegen eine Art von mehreren Beobachtern gemeldet, so liegt

die Vermutung nahe, dass es sich höchstwahrscheinlich um eine seltene, aber sicher

bestimmbare Art handelt, insbesondere wenn die Fruchtkörper durch Grösse, Form

oder Farbe auffällig sind.

A2-4 Vorgehen RL-Einschätzungen

In einem ersten Schritt wurde definiert, welche Pilzarten evaluiert werden. Dabei

beschränkte man sich auf die sogenannten Grosspilze (vgl. Tabelle 6) mit Fundnachweisen

aus der Schweiz. Selbst in dieser Gruppe zeigte sich im Verlaufe der Arbeiten,

dass für viele Arten nicht genügend Daten vorliegen, um ein realistisches Verbreitungsareal

und eine realistische Populationsgrösse schätzen zu können (vgl. Kap. 3).

Abgrenzung der beurteilten Arten

Alle übrigen Pilzarten, insbesondere die Schleimpilze (Myxomyzeten), Jochpilze

(Zygomyzeten), die meisten Ascomyzeten, Rost- und Brandpilze unter den Basidiomyzeten,

wurden nicht beurteilt und nicht aufgelistet. Im online-Verbreitungsatlas

(www.swissfungi.ch) sind sie mit NE gekennzeichnet. Auch Grosspilzarten, die in in

Mitteleuropa nachgewiesen sind, jedoch ohne sicheren Nachweis für die Schweiz, sind

mit NE bezeichnet.

A2-4.1

Rückgänge

Um mögliche zeitliche Veränderungen in der schweizerischen Population zu erfassen,

wurden zwei Bestandestrends untersucht. Dies ist einerseits ein langfristiger Bestandestrend,

mit einem Schnitt um 1990. Basierend auf der Anzahl Funde vor 1991

wurde unter Einbezug der vorhandenen Datenmenge, welche für die letzten 15 Jahre

4,3 mal grösser ist als aus den früheren Jahren, eine Schätzung gemacht, wie viele

Funde aus neuerer Zeit vorliegen müssten, wenn keine Bestandesveränderungen stattgefunden

hätten. Es ergibt sich damit eine Grobeinschätzung des langfristigen Bestandestrends.

Dabei gilt es jedoch zu bedenken, dass die älteren Angaben praktisch nur

Präsenz/Absenz-Meldungen darstellen und kaum Hinweise auf die effektive Häufigkeit

wiedergeben, während rezentere Daten diesbezüglich ein realeres Bild abgeben, d.h.

von den wirklich häufigen Arten wie Mycena pura, dem Rettichhelmling, oder Fomitopsis

pinicola, dem Rotrandigen Baumschwamm, hat es auch sehr viel mehr Fundmeldungen

als von anerkanntermassen seltenen Arten wie Amanita caesarea, dem

Kaiserling.

Langfristiger Bestandestrend

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