Marx für Eilige - Die Onleihe

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Marx für Eilige - Die Onleihe

»DIE GANZE ALTE SCHEISSE IST IM ARSCH«

stern noch hofften, der Krach der Finanzmärkte würde

keine Auswirkungen auf die »Realökonomie« haben. Wie

das läuft mit Kreditaufblähung, wie die gesamte Geschäftswelt

von »solchem Schwindel ergriffen« werden

kann, bis die Panik einsetzt und sich im Krach ein »allgemeines

›Rette sich, wer kann‹« durchsetzt, das kann man

sehr schön im dritten Band des »Kapital« nachlesen.

Im Vorwort zum ersten Band des »Kapital« schrieb

Marx schon, die Kapitalisten seien nur »Personifikation

ökonomischer Kategorien«. Er war Kapitalismuskritiker,

nicht Kapitalistenkritiker und hätte wohl auch nicht der

Gier von Ego-Bankern die Schuld an unserem Palawatsch

gegeben. Im Großen und Ganzen nämlich hänge der

Kapitalismus eben nicht »vom guten oder bösen Willen

des einzelnen Kapitalisten« ab, meinte Marx in einem

Brief an seinen Freund Louis Kugelmann. Er bekämpfte

nicht die Raffgierigen, sondern ein System, dessen Anreizstruktur

die Raffgier belohne. Insofern, aber nur insofern,

hätte Marx gewettert gegen die Dödelbanker und

das Hedgefonds-Gesindel, die jahrelang »Sozialstaat verschlanken«

predigten, ihre Phantasiegewinne privat einsackten

und sich danach ihre Verluste sozialisieren lassen.

Freilich, dass mit unserem Wirtschaftssystem »irgend etwas«

nicht stimmt und dass wir einen Denker von der intellektuellen

Wucht Karl Marx’ bräuchten, der das vielfach

grassierende Unbehagen zu systematisieren versteht, das

hatten viele schon seit Jahren gespürt. Ausgerechnet in

seiner »Christmas-Special«-Ausgabe vom Dezember 2002

widmete sich der britische »Economist« – gleichsam das

Zentralorgan der Freunde der kapitalistischen Produk-

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