Mit 52 Jahren steht der orthopäde Karl flock kurz vor der erfüllung ...

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Mit 52 Jahren steht der orthopäde Karl flock kurz vor der erfüllung ...

KÖRPER

bergsteigen

ber alle

Der Khumbu-Eisbruch (links) ist vom

südlichen Basislager aus die erste Klippe auf

dem Weg zum Everest-Gipfel (rechts)

Mit 52 Jahren steht

der Orthopäde

Karl Flock kurz vor

der Erfüllung seines

Lebenstraums: Er

hat sechs der Seven

summits bestiegen,

sechs der höchsten Gipfel aller

Kontinente – zuletzt den EverestBerge

text: frank hofmann fotos: karl flock


eutschlands höchster

Gipfel ist für Karl Flock,

52, ein alltägliches Bild.

Wenn das Wetter es zulässt,

sieht er die Zugspitze durch die

Fenster seines Hauses im oberbayerischen

Weilheim. Mit neun Jahren stand er

erstmals droben. „Meine Eltern haben mit

mir fast jedes Wochenende in den Alpen verbracht.

Im Winter zum Skifahren, im Sommer

zum Wandern.“ Mit der Liebe zu den

Bergen ist er groß geworden, doch sein sportlicher

Ehrgeiz konzentrierte sich zunächst

nur auf das Skifahren.

1978 belohnte sich Flock für den Abschluss

seines ersten Studiums (Betriebswirtschaft)

mit einer dreimonatigen Südamerikareise.

Dabei lernte er einen Münchener Bergführer

kennen, mit dem er den anspruchsvollen,

5116 Meter hohen Illiniza-Nordgipfel in den

ecuadorianischen Anden bestieg. Gewissermaßen

Flocks Gesellenstück. In den darauf

folgenden Jahren standen Ausbildung und

Beruf im Vordergrund, dem Abenteuer widmete

er sich eher wissenschaftlich: Flock studierte

Humanmedizin und promovierte über

„Unfälle und Erkrankungen bei Polarexpeditionen“.

Nebenbei absolvierte er die staatliche

Skilehrerausbildung und verdiente sich mit

einer eigenen Skischule ein einträgliches Zubrot.

Dann ließ er sich an der renommierten

orthopädischen Uniklinik „Rechts der Isar“

zum Facharzt ausbilden, arbeitete als Mannschaftsarzt

für die deutsche Eishockey- und

die Ski-Damen-Nationalmannschaft und

gründete 1992 in Weilheim das Orthopädische

Fachzentrum (OFZ), in dem sich vier

Spezialisten um alle Arten von Gelenkbeschwerden

– von der Diagnostik über die

Operation bis zur Nachbehandlung – kümmern

(www.ofz-online.de).

1995 zog es ihn wieder in die Höhe. Bei

einer Reise nach Kenia, wo sein Onkel als

Missionar arbeitete, lockte ihn der Kilimandscharo.

Einem in Nairobi arbeitenden Freund

aus Weilheim gelang es, eine Erlaubnis für

die selten begangene Route von kenianischer

Seite auf den in Tansania gelegenen 5895 Meter

hohen Gipfel zu bekommen. „Eine landschaftlich

wundervolle Strecke durch sieben

Vegetationszonen, durch Tropen, Subtropen

und Steppen bis zur schneebedeckten Kuppe.“

Bergsteigerisch sei Afrikas höchster Berg

kein Problem – genau das mache ihn so gefährlich:

„Weil es scheinbar so leicht vorangeht,

überschätzen sich viele und leiden dann

an den typischen Symptomen der Höhenkrankheit:

Kopfschmerzen, Übelkeit, Schlafund

Appetitlosigkeit.“ Mehr als 300 bis

600 Höhenmeter pro Tag sollte man seinem

Körper nicht zumuten (siehe Kasten „Zehn

Gebote für die Höhe“).

Mit dem Kilimandscharo hatte Flock den

ersten der „Seven Summits“ bezwungen, wie

die höchsten Berge der sieben Kontinente genannt

werden (siehe Karte Seite 46). Doch

dass deren Besteigung ein Lebensziel sein

kann, das bislang erst 88 Abenteurer – darunter

nur zwei Deutsche – erreichten, das

wurde Flock erst 2001 bei seiner Expedition

auf den Mount Vinson klar.

Zweck der Forschungsreise auf den

höchsten Berg der Antarktis war der Beweis,

dass man von dort live ein komplettes

EKG an das Berliner Zentrum für Weltraummedizin

senden kann. Von jedem anderen

Punkt der Erde ist das kein Kunststück, aber

der Südpol wird von den geostationären Telekommunikationssatelliten

nicht erfasst.

Flocks Team gelang es, vom US-Verteidigungsministerium

ein Iridium-Handy zu

bekommen, das direkt mit kreisenden Satelliten

kommuniziert (aber zu dieser Zeit auf

dem freien Markt nicht erhältlich war). Die

nächste Schwierigkeit der „Medantarktika“

genannten Forschungsreise war das Warten

auf günstiges Wetter: „Drei Wochen saßen

wir in Punta Arenas an der Südspitze Chiles

fest. Die Witterung musste so stabil sein, dass

unsere „Iljuschin 76“ Hin- und Rückflug zu

dem rund 2500 Kilometer entfernten Berg

gefahrlos bewältigen konnte.“ Wegen seiner

72 Räder ist der vierstrahlige russische Jet »

10 Gebote für die Höhe

1. Komme gesund im

Basislager an!

Flock: „Das ist eines der wichtigsten Gebote

und wird oft gar nicht erwähnt. Wer aber

schon mit Atemwegs- oder Durchfallerkrankungen

am Fuße des Bergs startet, wird in

der Höhe noch mehr Probleme bekommen.“

2. Steigere über 2500 Meter

die Schlafhöhe in den lagern

maximal um 300 bis 600 Meter

pro Tag!

„An hohen Bergen sollte man sich

unten unterfordern, damit man sich oben

überfordern kann.“

3. Muss der Abstand grösser

ausfallen, plane einen zusätzlichen

Ruhetag im neuen

Höhenlager ein!

„Man sollte sich wieder wohl fühlen, und

der Ruhepuls muss sich normalisiert

haben.“

4. Ist ein Höhenlager erreicht,

steige zunächst 100 bis

300 Meter höher als das Lager

und dann wieder zurück!

„Der Akklimatisationseffekt ist dann

besser.“

5. Kontrolliere ständig

den Puls!

„Der morgendliche Ruheplus sollte am Berg

nicht mehr als 20 Prozent über dem

Normal-wert zu Hause steigen. Belastungen

während der Akklimatisation nur aerob, das

heißt mit maximal 140 Herzschlägen pro

Minute.“

6. Steige rechtzeitig ab!

„Von der Höhenkrankheit erholt sich der

Körper nur in niedrigen Höhen.“

7. Achte auf deine Partner!

„Oft merkt man am Berg den eigenen

Leistungsabfall nicht. Die Kollegen

erkennen schneller, wenn einer zum

Beispiel plötzlich wankt oder in Schlangenlinien

läuft.“

8. Trinke täglich mindestens

zwei bis drei Liter!

„In Hochgebirgen wie dem Himalaja sind

sogar fünf bis sechs Liter Pflicht.“

9. Bleibe nur so lange wie

nötig in extremer Höhe!

„Bis 5300 Meter kann sich der Körper

akklimatisieren. Darüber ist das nur noch

teilweise möglich. Der Körper baut unweigerlich

ab – schlimmstenfalls bis zum

Tod.“

10. Informiere dich ständig

und genau über das Wetter!

„Institutionen auf diesem Gebiet sind

Meteoschweiz (www.meteoschweiz.ch) und

der Meteorologe Karl Gabl vom Wetterbüro

Innsbruck.“ (Die Regionalstelle der öster-

1 | Trügerische Idylle unter der Mitternachtssonne:

Beim Anstieg auf den Mount Vinson in

der Antarktis ist es minus 40 Grad kalt

2 | Die Route zum Südcol des Everest durchquert

die Lhotse-Wand. Im Vordergrund das „Gelbe

(Fels-)Band“, unten das dritte Höhenlager

„Jeder der Seven Summits

hat seinen eigenen Reiz,

aber der Everest

ist unvergleichlich“

40 B e s t L i f e 0 5 | 2 0 0 6

F o t o x x x x x x x x x x x x x x x x x x x x x x x B e s t L i f e 0 1 | 2 0 0 6 41


1 | Die Carstensz Pyramid auf Neuguinea

gilt als der klettertechnisch anspruchsvollste

Gipfel der Seven Summits

2 | Karl Flock auf dem Elbrus, dem

höchsten Berg Europas, den er auf Skiern

in nur zwei Tagen erklomm

3 | Stille Mahnung: In der Nähe des

Everest-Basislagers erinnert dieses

Wrack daran, dass Hubschrauber nicht

für die dünne Höhenluft geeignet sind

aus den frühen Siebzigern besonders geeignet

für die Landung auf dem holprigen Natureis.

Auf der schließlich geglückten Expedition

lernte Flock ein lettisches Team kennen, das

von der Besteigung der Seven Summits

schwärmte. „Diese Leute haben mich erst auf

die Idee gebracht, es selbst auch zu versuchen.“

Zwei der sieben Gipfel hatte er zu diesem

Zeitpunkt ja schon geschafft.

Als dritten Gipfel nahm sich Flock

2004 den Aconcagua vor, die fast 7000 Meter

hohe Krone der Anden. Ein Test für noch

höhere Aufgaben: „Wer den packt, behaupten

Bergsteiger, der schafft auch einen Achttausender.“

Die Tücke des Bergs sind die schnellen

Wetterumschwünge. Nur 30 Prozent der

etwa 8000 Bergsteiger, die ihn während

der dreimonatigen Saison angehen wollen,

kommen auch hinauf – obwohl die Nordroute

auch ohne Klettertechniken zu bewältigen

ist. Flock nahm sich ausreichend Zeit für die

Akklimatisation und schaffte die Besteigung

in drei Wochen.

Der höchste Berg Europas ist mitnichten

der Mont Blanc, sondern der rund 800 Meter

höhere kaukasische Elbrus. Den erklomm

Flock im Mai 2005 auf Skiern in nur zwei

Tagen. Doch etliche aus seiner Gruppe bezahlten

den schnellen Aufstieg mit schwerer

Höhenkrankheit. Noch schlimmer erwischte

es in diesem Jahr eine Gruppe von 14 Bergsteigern,

die am Elbrus von einem plötzlichen

Temperatursturz auf minus 50 Grad überrascht

wurden. Nur einer überlebte.

Flocks fünfter der Seven Summits war lange

Zeit nicht begehbar. Die Carstensz Pyramid

liegt im von Unruhen geplagten indonesischen

Teil Neuguineas. Im Juli 2005 gehörte

Flock zur zweiten Alpinistengruppe, die den

klettertechnisch anspruchsvollsten der sie-

1

2 3

„Das bringt jeden an

die Grenze: vier Nächte

ohne Schlaf und jeden Tag

Höchstleistungen“

ben Berge wieder besteigen durfte. „Für die

Carstensz Pyramid habe ich erstmals systematisch

das Klettern geübt, an Wänden in der

Halle und in der Natur in den Regionen Dachstein

und Gardasee. Und trotzdem habe ich

Blut und Wasser geschwitzt, als ich in der

vereisten Felswand hing“, erinnert sich Flock.

„Ich war am Limit.“ Auf dem Gipfel vernebelte

das schlechte Wetter den ansonsten

fantastischen Rundblick, und beim Abstieg

in die tropische Ebene „schoss das Wasser

vom Himmel wie aus einer starken Dusche“.

Nach diesem Erlebnis plante Flock für

2006 ursprünglich den Mount McKinley in

Alaska. Doch zwei gute Freunde wollten

schnellstmöglich auf den Everest. Einer davon

ist Walter Laserer, ein österreichischer

Bergführer, der Expeditionen auf die Seven

Summits anbietet (www.laserer-alpin.at). „Walter

hat mich am Mont Blanc mal aus einer

Gletscherspalte gezogen. Da entwickelt man

Vertrauen“, begründet Flock seinen erst kurz

vor Weihnachten gefassten Entschluss, zusammen

mit den beiden schon in diesem

Jahr das Dach der Welt zu erklimmen. Am

19. März flogen sie nach Kathmandu. Logistik

und Organisation kauften sie beim US-amerikanischen

Expeditionsunternehmen International

Mountain Guides ein. Preis: zirka

30 000 Dollar, ein Drittel davon allein für die

Genehmigung des Staates Nepal. „Ohne professionelle

Hilfe“, sagt Flock, „ist ein solches

Unternehmen aussichtslos.“

Wie kann man sich das als Normalsterblicher

leisten? Bei den beiden Expeditionen

auf die Antarktis-Spitze und nach Neuguinea,

die von Filmteams begleitet wurden, konnte

Flock neben den Ausrüstern auch größere

Sponsoren gewinnen. Doch eine Everest-Expedition

ist für die Sender heute nicht bezahlbar,

und „Sponsoren konnten wir auf die

Schnelle nicht mehr finden“. Gut, dass Flocks

Weilheimer Orthopädiezentrum floriert.

Aber damit ist das nächste Problem verbunden:

Für die Zeit seiner Reisen muss er einen

Arzt finden, der ebenso wie er auf das Knie

spezialisiert ist. Dann ist da noch die Familie.

„Die ist sehr verständnisvoll. Meine beiden

Söhne, 13 und 15, sind ohnehin schon kletterbegeistert.

Meine 11-jährige Tochter nimmt

mir jedes Mal das Versprechen ab, dass ich

heil wieder zurückkomme. Und meine Frau

legt mir keine Steine in den Weg, weil sie mir

vertraut und weil sie weiß: Zu Hause würde

ich dann rumlaufen wie ein kranker Hund.“

Beim Everest-Abenteuer, über dessen körperliche

Belastungen er sich keine Illusionen

gemacht hatte, unterschätzte Flock den psychischen

Druck. „Zehn Wochen getrennt von

der Familie, immer nur kurze Kontakte über

das Satellitentelefon – das war hart für die

Seele.“ Die langen und je nach Wetterlage

auch bangen Wartezeiten im Basislager, die

Akklimatisierungstouren zu den Höhenlagern

und wieder zurück zehrten an den

Nerven. „Da wird der beste Freund zur Nervensäge.

Aber weil jeder mal seinen Blackout

hat, bekommt man das auch wieder hin.“

Mehrere Wochen leidet Flock an

Durchfall – nicht untypisch, wenn man einige

Tage in Kathmandu verbracht hat –, sogar

noch bei seinem Aufstieg zum 8000 Meter

hoch gelegenen vierten Höhenlager am Südcol.

Da der Körper über 5300 Meter unaufhaltsam

an Substanz verliert, bedeutet dies

eine sehr gefährliche weitere Schwächung.

Ganz zu schweigen von dem Problem, bei minus

25 Grad neben einer Gletscherspalte sein

Geschäft verrichten zu müssen.

Als Flocks Gruppe am 17. Mai um 21 Uhr

vom Lager 4 auf 8000 Meter Höhe endlich

zum Gipfel aufbricht, stellen die Bergsteiger

fest, dass an einigen kritischen Stellen noch

die Fixseile fehlen. „Wir waren in dieser Saison

die ersten auf der Südroute. Da kann so

etwas passieren.“ Doch die schwerste Krise

ereilt Flock 20 Minuten vor dem Gipfel: Bei

seiner neuartigen Maske, die den Sauerstoff

nicht permanent, sondern nur beim Einatmen

liefert, verstopfen dauernd die Membranen.

Flock bekommt kaum noch Luft. Immer wieder

muss er die Daunenhandschuhe ausziehen

und nur mit den seidenen Unterhandschuhen

die Maske reinigen. „Ich habe meine

Finger nicht mehr gespürt, außerdem vereisten

alle Brillen dauernd. Ich bekam Panik

und wollte umkehren.“ Sein Gipfel-Sherpa

überredet ihn schließlich, es trotz der Maskenprobleme

zu versuchen. Und wie durch

ein Wunder hält sie dann doch.

Um 6 Uhr 41 steht Karl Flock auf dem Dach

der Welt. Bei besten Witterungsbedingungen.

„Ein wunderbares Erlebnis, auf die Welt herabzusehen,

die nahen Achttausender unter

einem, und in der Ferne erkennt man, dass

die Erde rund ist.“ Er genießt es für zehn Minuten

und beginnt dann schnell den Abstieg.

Die Euphorie mobilisiert die letzten Kraftreserven:

„Das bringt auch gut Trainierte an

die Grenzen: vier Nächte ohne Schlaf und jeden

Tag Höchtsleistungen.“ Das Everest-

Abenteuer hat ihn zehn Kilo gekostet, vier das

Training, sechs der Berg.

Flock ist glücklich, dass gleich sein erster

Versuch erfolgreich war. Im Durchschnitt »

„Wer den packt, schafft auch einen

Achttausender“: Flock auf dem 6959

Meter hohen Aconcagua in den Anden

Workout

für Gipfelstürmer

So trainiert der Orthopäde Karl Flock

Ausdauer

• Flock läuft dreimal pro Woche 60 bis

90 Minuten – maximal 15 Kilometer.

• Vor größeren Bergtouren legt er den

Schwerpunkt auf die Kraftausdauer und

plant in seine Läufe drei- bis viermal

Sprints über eine 100 bis 300 Meter

lange Steigung ein. Dabei erreicht seine

Herzfrequenz den Maximalwert von

195 Schlägen pro Minute.

• „Früher bin ich noch mehr gelaufen, aber

wenn man anschließend zehn Knie operiert,

empfiehlt sich eine ruhige Hand.“

• Seine Marathon-Bestzeit, gelaufen mit

31 Jahren, steht bei 2:58 Stunden.

Kraft

• Zweimal wöchentlich trainiert Flock an

10 bis 12 Stationen alle Muskelgruppen.

• Auch hier steht die Kraftausdauer im

Vordergrund: Er absolviert pro Station

drei Sätze mit je 30 Wiederholungen und

gönnt sich zwischen den Sätzen maximal

60 Sekunden Pause.

• Vor Klettertouren legt er den Schwerpunkt

seiner Übungsauswahl auf Arme und

Oberkörper. „Auch das Ziehen an den

Fixseilen kostet sehr viel Kraft.“

42 B e s t L i f e 0 5 | 2 0 0 6 0 5 | 2 0 0 6 B e s t L i f e 43


Und dennoch ist der Mount Everest für

Flock der faszinierendste der sechs Seven

Summits, die er bislang bestieg. „Natürlich

haben die anderen auch ihren besonderen

Reiz, jeder ist in eine andere Umgebung, eine

andere Kultur eingebettet. Aber der Everest

ist unvergleichlich.“

1 | Als Flock 1995 den Kilimandscharo bestieg,

hier der in 5892 Metern gelegene Gipfel, war ihm

die Idee der Seven Summits noch nicht geläufig

2 | Für den Aufstieg zur Carstensz Pyramid hatte

Flock, hier vor dem Höhenlager auf 4050

Metern, das Klettern systematisch trainiert

2

Der Kanadier Patrick

Morrow war 1986 der

erste Mensch, der diese

sieben Gipfel bestieg.

Kurz darauf folgte ihm

Reinhold Messner. Insgesamt

weist die Seven-Summits-Statistik

inzwischen 88 Bergsteiger

aus, darunter zwei

Deutsche. Bekannt

wurde die Idee der Seven

Summits durch

Dick Bass, der sie bis

1985 erklomm – er

wählte den nur 2228

Meter hohen Mount

Kosciuszko als höchsten

Berg Australiens,

nicht die weitaus

schwierigere Carstensz

Pyramid, die sich in

Neuguinea auf der gleichen

tektonischen Platrechnet

man mit drei bis vier Anläufen für

den Gipfel. Manche erhalten keine zweite

Chance. Drei Sherpas verunglückten dieses

Jahr im Khumbu-Eisbruch, ein Tscheche

stürzte die Lhotse-Flanke herab. Erst nach

seiner Rückkehr liest Flock von den Dramen,

die sich auf der Nordroute abspielten. Insgesamt

forderte der Everest in diesem Jahr

14 Opfer, die schlimmste Bilanz seit dem

Katastrophenjahr 1996, das John Krakauer in

seinem Bestseller „In eisige Höhen“ beschrieben

hat. „Über 8000 Meter marschiert der

Tod immer neben dir“, sagt Flock. Die durchschnittliche

Überlebenszeit in dieser Höhe

beträgt etwa 48 Stunden.

1

Den letzten Gipfel, den Mount McKinley,

wird Flock in den nächsten Jahren angehen.

„Da wird das Wetter wieder die größte

Herausforderung. Manchmal kommt dort so

schnell ein Sturm auf, dass man kein Zelt

mehr aufbauen kann. Dann hilft nur noch

die Flucht in ein schnell ausgegrabenes

Schneeloch.“

Und welche Herausforderung folgt dann?

Es böten sich beispielsweise die Seven Second

Summits an, die zweithöchsten Berge der sieben

Kontinente, die paradoxerweise als anspruchsvoller

gelten. Aber Flock plane keine

Höhenflüge dieser Art mehr: „Für den K2

bin ich klettertechnisch zu schwach.“ Flock

will nach dem siebten Gipfel lieber auf Skitouren

gehen, mit Freunden Mountainbike

fahren und mit der Familie durch die Berge

wandern. „Vor allem Spaß soll es machen.“

Es muss ja nicht immer ein Rekord dabei

herauskommen. ■

Die Seven

Summits

Die höchsten

Berge der sieben

Kontinente

* Kosten einer Expedition in

Anlehnung an die Preise des Anbieters

www.laserer-alpin.at

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