Jahrbuch 2013 - Förderverein des Canisianum - Gymnasium ...

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Jahrbuch 2013 - Förderverein des Canisianum - Gymnasium ...

Chronogramm*

auf das Jahr

2013

IN CONSPECTV ATROCITATIS SAEVITIAEQVE

BELLI IN SYRIA CIVILIS ATQVE IRRITAE

SOLVTIONIS INGENTIS AERIS ALIENI

PVBLICI PENITVS OPTEMVS VT ANNVS

NOVVS PROSPERITER EVENIAT SINE

ANGORIBVS ATQVE CVRIS

[ ]

Angesichts des mit brutaler Grausamkeit

geführten Bürgerkrieges in Syrien sowie der

bislang erfolglosen Tilgung von riesigen

Staatsschulden wollen wir wünschen und hoffen,

dass das neue Jahr einen glücklichen Verlauf

nimmt ohne Ängste und Sorgen.

Heinrich Hürfeld

*

Die durch Fettdruck hervorgehobenen römischen

Zahlenbuchstaben ergeben addiert das Jahr 2013.


unsere schule

Ausgabe 36

Juli 2013

Vorwort der Redaktion 6

Freunde und Förderer

Vorsitz an Christoph Schlütermann 7

Vorstand im Amt bestätigt 8

Geschäftsbericht 2012 10

Verabschiedung von Renate Haltern 12

Michael Dahmen zur Verabschiedung

von Frau Haltern (Auszüge) 14

Das erfolgreiche Schultern einer Last 18

Verabschiedung Frau Dr. Kussmann 20

Platz für Experimente 21

Abitur 2012

28-mal eine Eins vor dem Komma 22

86 Cani-Abiturienten erfolgreich 24

Die Abiturrede 2012 27

Schule und Projekte

Unsere neuen Fünftklässler 31

Neues Unterrichtsmodell 33

Sprachenerfolg am Canisianum 35

DELF-Diplome für 45 Cani-Schüler 36

Geo-Wettbewerb 37

Mit Lavendelöl gegen Fußpilz 38

Känguru-Mathematik-Wettbewerb 40

Die Windmühle ist am effektivsten 41

Glückwunsch von der Ministerin 42

Warum China so spannend ist 45

Inder berichteten aus ihrer Heimat 47

Canisianer machen Sozialpraktikum 48

Das Fair-Mobil am Cani zu Gast 50

Schulfest am Tag der Solidarität 51

Inhalt

4


Kunst und Kultur

Cani-Pausenorchester hatte Premiere 54

Literaturförderung für Paul Henke 55

Der Schlüssel zum Safe 56

Latin Lover und Blues Brothers 59

Rotlichtviertel der Mathematik 61

Madeleine Roters vertritt das Cani 62

Besinnliches mit Musik 64

Iren wecken Appetit auf Dublin 66

Sport und Spiel

Vize-Bezirksmeister im Tischtennis 67

Cani zweimal Kreismeister 68

Gemischter Erfolg im Basketball 69

Cani–Leichtathleten Kreismeister 71

Ruderregatta auf dem Baldeneysee 72

Cani „Auf Schalke“ erfolgreich 73

Partner und Freunde

Jugendliche aus Frankreich zu Besuch 74

„Harlem-Shake“ auf dem Montmartre 76

Sprachhürden überwinden 79

Die Trikolore in der Pausenhalle 80

Reisen und Lernen

Und abends einen Bärenhunger 81

Paintball und Fußball-EM 83

Kopenhagen – Metropole im Wandel 85

Weihnachtsessen im Schneetreiben 86

Englandfahrt nach Canterbury 88

Zwischen St. Malo und Arromanches 90

Kaiserthermen und Amphitheater 93

Lille – la Belle du Nord 98

Überlebenstraining in der Wildnis 101

Auf den Spuren Franz Kafkas 108

Die Stadt der goldenen Dächer 110

Mehr als nur günstiges Bier! 113

BVB gegen Manu auf Großleinwand 115

Berlin mit Attraktionspotential 117

Menschen und Momente

Glückwünsche / Veränderungen 119

90. Geburtstag Christian Schausten 120

Vier Cani-Urgesteine verabschiedet 121

Verabschiedung Karl-Heinz Kocar 123

Verabschiedung Peter Mönning 125

Verabschiedung Wolfgang Urbaniak 127

Verabschiedung Manfred Neuhaus 129

Formeln als Kinderspiel 131

Vermischt und Aufgeschrieben

Mein Sozialpraktikum in Kreuzberg 133

Forschungspreis an M. Horstmann 136

Erfolgreicher Sponsorenlauf 137

Am liebsten das Nordische Gambit 139

Elektroautos keine Exoten mehr 141

Das unverwechselbare Mexiko 142

Cani-Eltern auf antiken Pfaden 144

Cani-Community

Interview mit Marietta Piekenbrock 145

Cani-Hausmeister Hols im Gespräch 151

Gesangsauftritt in Fernsehshow 154

Laura Pott für zwei Jahre in NY 156

Vom Dualen System überzeugt 158

Inhalt

5


Vorwort der Redaktion

Vorwort

Es muss während des letzten Elternsprechtages

gewesen sein, als eine

Mutter von ihrem Sohn berichtete,

der zunächst unsicher und mit Skepsis

gegenüber der eigenen Leistungsfähigkeit

als neuer Schüler das Canisianum

betreten habe und sich nun nach bald

einem Jahr unerwartet wohl fühle und

das Cani als seine Schule angenommen

habe. Die Mutter rätselte, ob es

tatsächlich so etwas wie eine besondere

Cani-Atmosphäre gebe und ob das Wort

von der gelegentlich zitierten Cani-

Familie nicht doch etwas übertrieben

sei. Aus der Innenperspektive können

wir als Lehrer das natürlich nur bedingt

beurteilen, aber es fällt auf, dass die

Schülerfluktuation unserer Schule sehr

gering ist, dass Ehemaligentreffen in der

Regel eine große Resonanz zeigen und

dass Kollegen, die aus familiären Gründen

an eine andere Bildungseinrichtung

wechseln, nicht selten mit Wehmut auf

ihre Cani-Erfahrungen zurückblicken.

Sollte es also eine nicht-alltägliche

Verbundenheit mit unserer Schule

geben, so würden wir gerne mit unserer

Jahresschrift dazu beitragen, indem wir

die zahlreichen Aktivitäten, die Schüler,

Eltern und Lehrer in den letzten zwölf

Monaten initiiert und durchgeführt ha-

ben, dokumentieren und in Erinnerung

rufen. Erlebtes und Erreichtes gerät nur

allzu oft im hektischen Alltag wieder in

Vergessenheit und hat es doch verdient,

in einem ruhigen Moment noch einmal

reflektierend gewürdigt zu werden.

Zum Schluss bedanken wir uns bei dem

Verein der Freunde und Förderer unserer

Schule sowie dem Schulträger für

ihre maßgebliche Unterstützung, bei den

zahlreichen Autorinnen und Autoren

der nachfolgenden Berichte, bei der Lokalredaktion

der „Westfälischen Nachrichten“

für die Bereitstellung wichtigen

Text- und Bildmaterials und nicht

zuletzt bei unseren langjährigen Redaktionsmitgliedern

Wolfgang Urbaniak

und Willi Schmitt, die uns ungeachtet

ihrer Pensionierung mit Rat und Tat zur

Seite gestanden haben. Und jetzt? Jetzt

wünschen wir natürlich auch im 36. Jahr

unseres Erscheinens allen Leserinnen

und Lesern viel Freude bei der Lektüre

des einen oder anderen Artikels.

Gerold Meischen

6


Der neue Vorsitzende Christoph Schlütermann (2. v.l.) nimmt die Glückwünsche

seiner Vorgängerin Renate Haltern (3. v.l.) entgegen. Es gratulieren ebenfalls

Michael Dahmen (l.) für die Schulleitung, Sabine Dieckmann als Geschäftsführerin

des Trägervereins, Frau Dr. Heike Matthies (2. v.r.) als Schulpflegschaftsvorsitzende

und Gerold Meischen für den Lehrerrat.

Christoph Schlütermann übernahm Vorsitz im Trägerverein

„Das Cani ist gut aufgestellt“

Seit Anfang April dieses Jahres heißt

der neue Vorsitzende des Trägervereins

unserer Schule Christoph Schlütermann.

Ende November 2012 wurde er einstimmig

als Nachfolger von Renate Haltern

gewählt.

Dem Gymnasium Canisianum fühlt

sich Christoph Schlütermann schon seit

1974 verbunden. Damals startete er in

unseren Räumlichkeiten als Sextaner

und bestand vor 30 Jahren sein Abitur

am Cani. Mittlerweile besuchen seine

Kinder die Schule und seit dem 1. April

hat er die Geschicke der Schule in seine

Hand genommen – als Vorsitzender des

Schulträgers und damit des Gymnasial-

und Internatsvereins. Der Diplom-

Kaufmann Schlütermann folgte damit

Träger und Förderer

7


Träger und Förderer

Fortsetzung von Seite 7

der bisherigen Vorsitzenden Renate

Haltern, die ihre Aufgabe nach zwei

Jahrzehnten in jüngere Hände geben

wollte, wie sie bei der Präsentation

des neuen Vorsitzenden im November

erklärte.

Es sei ihm „eine große Ehre, in

Ihre Fußstapfen treten zu können“,

bedankte sich Christoph Schlütermann

bei Renate Haltern für das

in ihn gesetzte Vertrauen. Für die

Zukunft sehe er das Cani „gut aufgestellt“,

auch dank des Engagements

seiner Vorgängerin, die ihre Aufgabe

bis zum Stabwechsel im April fortführte.

Eine vordringliche Aufgabe sehe

er darin, „das Profil der Schule weiter

zu schärfen“. Dabei wolle man Eltern

wie Schülern auch eine gewisse

Offenheit im Bereich der Sprachen

signalisieren. Zudem werde das Thema

„Neue Medien“ weiter forciert.

Das alles sei vor dem Hintergrund

der gegenwärtigen Schulsituation

in Lüdinghausen von besonderer

Bedeutung, denn „die Schulpolitik

ist im Umbruch.“

Seinen Einsatz sehe er in der

Kontinuität der bisher von den

Schulträger-Gremien geleisteten

Arbeit. Zugleich beschwor Christoph

Schlütermann die Teamarbeit. Nur

in gemeinsamer, vertrauensvoller

Zusammenarbeit mit Schulleitung,

Lehrerkollegium und Eltern sei diese

Aufgabe zu bewältigen, betonte er. WN

Sie stehen gemeinsam für das Cani ein:

Geschäftsführer Robert Schulze Forsthövel (v.l.),

Renate Haltern, die bisherige Vorsitzende des

Gymnasial-vereins, die Fördervereinsvorsitzende

Barbara Fellermann, Kassierer Stefan Berning,

Schul-leiter Michael Dahmen und die stellvertretende

Fördervereinsvorsitzende Irmgard Rischen.

Vorstand des Fördervereins

im Amt bestätigt

412 000 Euro

investiert

Zur Hauptversammlung trafen sich im

Juni letzten Jahres die Mitglieder des

Fördervereins des Canisianum. Die Vorsitzende

Barbara Fellermann begrüßte

dabei unter anderem Renate Haltern als

Vertreterin des Schulträgers und den

Schulleiter Michael Dahmen. In seinem

Jahresbericht ging Geschäftsführer

Robert Schulze Forsthövel auf die vielfältigen

Aktivitäten des Fördervereins

ein. Neben den einzelnen Fachschaften

wurden unter anderem auch das Projekt

„Fair Mobil“, Veranstaltungen zur

Suchtprophylaxe, die Kanu-AG und der

„Boys‘ Day“ unterstützt. Als Mitherausgeber

der Cani-Broschüre stellte der

Förderverein auch einen deutlichen Betrag

zur Verfügung, um die Herstellung

des Jahresrückblickes „Unsere Schule“

zu ermöglichen.

Im Einvernehmen mit dem Lehrerkollegium

wurde im vergangenen Jahr

8


den Fachschaften Kunst, Musik, Sport,

Biologie, Physik, Chemie, Religion und

Geschichte ein Großteil der finanziellen

Mittel von mehr als 9000 Euro zugeteilt.

Der Kassenverwalter Stefan Berning

gab in seinem Bericht bekannt, dass der

Förderverein zur Zeit 552 Mitglieder

habe. Im vergangenen Jahr wurden

wiederum die Eltern der Fünftklässler

gezielt angesprochen, um sie für den

Förderverein zu gewinnen. Die für die

Schule insgesamt seit Gründung des

Vereins bereitgestellten Mittel bezifferte

er auf über 412 000 Euro, davon etwa

14 300 Euro im Jahre 2011.

Thomas Kestermann, der mit Heinz

Roters die Kasse geprüft hatte, bescheinigte

dem Vorstand eine ordnungsgemäße

Vereinsführung und beantragte

die Entlastung, die einstimmig erfolgte.

Renate Haltern, die bisherige Vorsitzende

des Gymnasialvereins, bedankte sich

bei dem Förderverein für die geleistete

Arbeit. Dessen Vorsitzende, Barbara

Fellermann, als Stellvertreterin Irmgard

Rischen, der Kassenwart Stefan Berning

und der Geschäftsführer Robert Schulze

Forsthövel wurden anschließend

einstimmig wiedergewählt. Die Kasse

wird auch im neuen Jahr von Thomas

Kestermann und Heinz Roters geprüft

werden.

Renate Haltern und Schulleiter

Michael Dahmen stellten Konzepte vor,

um die Attraktivität der Schule sowohl

in pädagogischer als auch in baulicher

Hinsicht zu verbessern. Der Schulleiter

teilte mit, dass er in Zukunft als direkter

Ansprechpartner für den Förderverein

zur Verfügung stehe und bedankte sich

ausdrücklich bei den Fördervereinsmitgliedern

für die ideelle und materielle

Unterstützung zum Wohle der Schule.

WN

Träger und Förderer

9


Verein der Freunde und Förderer des Canisianum e.V.

Geschäftsbericht 2012

Träger und Förderer

Sehr geehrte Mitglieder,

liebe Schulgemeinschaft!

Zunächst möchte ich alle neuen Canisianer,

die ihre schulische Laufbahn an

unserem Gymnasium fortsetzen, sowie

ihre Eltern herzlich begrüßen. Ein besonderer

Gruß - verbunden mit einem

aufrechten „Dankeschön!“ – gilt auch

den Eltern, die aus alter Verbundenheit

fördernde Mitglieder des Vereins

bleiben, obwohl ihre Kinder die Schule

bereits verlassen haben.

Auch im letzten Jahr hat sich der

Förderverein durch die Unterstützung

verschiedener Bereiche bemüht, die

Identifikation der Kinder, der Eltern

und des Lehrerkollegiums mit unserer

Schule zu verstärken. Beispielhaft sei

hier nur erwähnt, dass der Förderverein

seine Anliegen und Ziele sowohl auf den

Klassenpflegschaftsversammlungen der

Fünftklässler als auch im Lehrerkollegium

vorgestellt und um neue Mitglieder

geworben hat. Zusätzlich hat sich der

Verein auf diversen Informationsveranstaltungen

der Schule stark engagiert.

Aber auch in finanzieller Hinsicht

konnte der Förderverein im abgelaufenen

Geschäftsjahr helfend eingreifen.

Der von Stefan Berning erstellte Kassenbericht

gibt über die vielfältige Verwendung

der Geldmittel Auskunft. Neben

den Zuwendungen an einzelne Fachschaften

konnten das Projekt „Boy´s

Day“, eine Veranstaltung zur Suchtprophylaxe,

die Kanu-AG und die Durchführung

einer Blutspendeaktion im

Zusammenhang mit dem DRK unterstützt

werden. Alle Fördermaßnahmen

wurden wie immer mit dem Schulträger

und der Schulleitung abgestimmt. Für

die Mitfinanzierung der abwechslungsreichen

Jahresschrift „Unsere Schule“

wurden nicht unerhebliche Geldmittel

bereitgestellt. In diesem Zusammenhang

soll aber nicht ohne Stolz darauf hingewiesen

werden, dass dem Canisianum

seit Gründung des Vereins weit über

400.000 € zur Verfügung gestellt werden

konnten. Wir sind überzeugt davon,

dass die Fördermittel zur Attraktivitätssteigerung

der Schule beitragen.

Die hier vorliegende Schulbroschüre

gibt einen Überblick über die

gesamte Breite der schulischen Aktivitäten.

An dieser Stelle möchte sich der

Förderverein ausdrücklich bei allen

Personen bedanken, die an der Erstellung

dieses Jahresrückblicks mitgewirkt

haben, insbesondere gilt dies für Herrn

Gerold Meischen. Allen Spendern und

Mitgliedern unseres Vereins danken wir

herzlich für ihre ideelle und finanzielle

Unterstützung, verbunden mit den besten

Wünschen für ein erfolgreiches Jahr

2013.

Lüdinghausen, im März 2013

Robert Schulze Forsthövel, Geschäftsführer

10


Renate Haltern und die drei Schulleiter ihrer Amtszeit:

Michael Dahmen (l.), Hartmut Stutznäcker (2.v.r.) und Heinz Hürfeld

(r.) sowie ihr Nachfolger Christoph Schlütermann (2.v.l.)

Zur Verabschiedung von Renate Haltern

„Das Steuer in stürmischen Zeiten

übernommen“

Sie denke nicht daran, vor Langeweile

zu sterben. So betonte Renate Haltern in

ihrer Abschiedsrede, dass sie Familienbilder

sortieren, Erdbeermarmelade einkochen,

sich um die sechs Enkelkinder

kümmern und eine Skandinavientour

planen werde. Seit dem 1. April 2013

hat sie für diese wesentlichen Dinge des

Lebens etwas mehr Zeit, denn den Vorsitz

des Gymnasialvereins St. Canisius

gab sie nach über 20-jährigem Engagement

an ihren Nachfolger Christoph

Schlütermann ab. Mit einer festlichen

Verabschiedung in der Aula der Schule

wurde sie am 15. Mai in den Ruhestand

entlassen.

Wer die „Pädagogin mit Leib und

Seele“ und Kämpferin für das Cani

kennt, weiß, dass sie den Gästen ihres

Abschieds noch einige ernste Worte mit

auf den Weg gab – beispielsweise den

Stadtvätern. Sie klagte über die man-

Träger und Förderer

11


Träger und Förderer

12

Fortsetzung von Seite 11

gelnden Turnhallen-Kapazitäten („Das

ist keine Chancengleichheit“), unterstrich

die zukünftige Bedeutung des

Canisianum in einer sich wandelnden

Schullandschaft und lobte die Hauptschule

trotz „der bundesweiten Verunglimpfung

dieser Schulform“.

Viele Wegbegleiter, Vertreter der

Politik und des öffentlichen Lebens

dankten Renate Haltern zum Abschied.

„Sie haben das Steuer der Schule in

stürmischen Zeiten übernommen“, ließ

Christoph Schlütermann als neuer Vorsitzender

des Trägervereins die Historie

Revue passieren. „Bildungspolitik – speziell

in Lüdinghausen – ist ein schwieriges

Gelände“, versicherte der langjährige

Kommunalpolitiker. Als ihren Erfolg

wertete es Christoph Schlütermann,

den dauerhaften Bestand der Schule

gesichert zu haben. Dabei habe Renate

Haltern ihr Amt mit Courage, Herz und

Leidenschaft ausgefüllt.

Mit Blick auf das langjährige Engagement

Renate Halterns war Schulleiter

Michael Dahmen davon überzeugt,

dass er und das Canisianum von diesen

Erfahrungen profitieren werden. Dank

ihrer großen Anstrengungen sei die

Schule „für die Herausforderungen des

21. Jahrhunderts gerüstet“.

„Pädagogik kann nur im engen Dialog

zwischen Schulträger und Kollegium

fruchtbar werden“, unterstrich Karl-

Heinz Kocar für die Lehrerschaft das

Miteinander. Gemeinsam habe man viel

erreicht, auch „wenn wir es mit Ihnen

nicht immer leicht hatten – Sie mit uns

aber auch nicht“.

„Das Canisianum wird automatisch

mit Ihrem Namen in Verbindung

gebracht“, versicherte Bürgermeister

Richard Borgmann in seiner Laudatio,

in der er Renate Haltern mit einem

klassischen Lokführer verglich: Bremsen,

Dampf geben, Anheizen – „immer

zur richtigen Zeit“. Dazu gehörte für ihn

auch das souveräne Verhandlungsgeschick

der scheidenden Vorsitzenden:

„Sie beherrschen nicht nur Dur und

Moll, sondern können auch mit Dissonanzen

umgehen“.

Ein dickes Lob bekam Renate

Haltern auch von Ex-Schulleiter Heinz

Hürfeld: „Die Politik will die Quotenfrau,

wir hatten eine Klassefrau, die

ihren Mann gestanden hat.“

Rund 2000 Abiturienten habe sie in

zwanzig Jahren bei der Zeugnisübergabe

erlebt, rechnete Renate Haltern nach. In

ihrer Ansprache ließ sie viele Ereignisse

und Entwicklungen noch einmal Revue

passieren und vergaß nicht, ihren zahlreichen

Mitstreitern und den Mitgliedern

des Kollegiums zu danken.WN


Michael Dahmen zur Verabschiedung von Frau Haltern (Auszüge)

Liebenswürdig im Umgang, aber

konsequent in der Sache

Sehr geehrte Frau Haltern,

sehr geehrter Herr Haltern,

meine sehr geehrten Damen

und Herren,

zwanzig Jahre lang ehrenamtlich den

Gymnasialverein St. Canisius zu leiten,

das ist wahrlich eine bemerkenswerte

Leistung. Eine Leistung, die wir, die

Schulgemeinde des Gymnasium Canisisanum,

in der Tat bemerken. Deshalb ist

es richtig und gut, dass wir heute, liebe

Frau Haltern, diese bemerkenswerte

Leistung angemessen würdigen.

Nun habe ich persönlich nur etwas

mehr als ein Jahr erfahren dürfen, wie

Sie sich für unsere Schule eingesetzt

haben. Aber dieses eine Jahr bietet mir

so zahlreiche Ansatzpunkte, dass ich

getrost eine Würdigung Ihres Einsatzes

für das Cani versuchen kann.

Ich habe mir überlegt: Gibt es ein Wort

oder einen Satz, mit dem man die

Art Ihres Wirkens am Cani möglichst

umfassend und möglichst treffend

beschreiben kann? Und da kam mir die

Sentenz des 5. Jesuitengenerals Claudio

Aquaviva in den Sinn: Suaviter in modo,

fortiter in re. Sinngemäß übertragen:

Liebenswürdig im Umgang, aber konsequent

und hartnäckig, wenn es um die

Belange des Gymnasium Canisianum

geht.

Wir sind uns erstmals im Herbst

des Jahres 2011 begegnet, als ich mich

als Schulleiter am Cani beworben hatte.

Im Rückblick kann ich das oben zitierte

Wort bestätigen: Wir haben ein sehr angenehmes

Gespräch geführt, aber in der

Sache hatten Sie für die Zukunft des Canisianum

sehr klare Vorstellungen. Sie

hatten und haben – und das verdanken

Sie Ihrer vielseitigen Berufsbiographie –

einen umfassenden Blick auf das System

Schule und Sie kennen die Bedingungen

und Voraussetzungen für eine gute

Schule sehr genau. Von diesen reichen

Erfahrungen hat das Canisianum, habe

aber auch ich persönlich sehr profitiert.

Ich will das an einigen Schwerpunkten

verdeutlichen.

Als ich am 1. März 2012 meinen

Dienst am Canisianum angetreten

habe, hatte uns gerade das Anmeldeergebnis

für die jetzigen 5er-Klassen

kalt erwischt. Nur 46 Schülerinnen

und Schüler für zwei Klassen. Sie, liebe

Frau Haltern, haben den Kopf nicht in

den Sand gesteckt, sondern gemeinsam

mit den Kolleginnen und Kollegen, der

Schulkonferenz und der Mitgliederversammlung

des Schulträgers die Situation

intensiv analysiert und dann aus den

Analysen die notwendigen Schlüsse für

die Konsolidierung der Schülerzahlen

Träger und Förderer

13


Träger und Förderer

Fortsetzung von Seite 13

gezogen. Die Anmeldungen für die

kommenden 5er-Klassen bewegen sich

jetzt in dem Rahmen, den die Schulentwicklungsplanung

für unsere Schule

prognostiziert hat. Insofern liegen wir

hier wieder im grünen Bereich. Sie

haben gemeinsam mit den anderen

Mitgliedern des Schulträgervereins den

Kolleginnen und Kollegen Möglichkeiten

eröffnet, behutsam das Gymnasium

Canisianum weiterzuentwickeln.

Das fängt mit einfachen Dingen an:

Nachdem die naturwissenschaftlichen

Fachräume – zuletzt der Bereich der

Chemie – in Ordnung gebracht worden

sind, konnten wir uns dem Klassentrakt

zuwenden: neues Farbkonzept für die

Klassenräume, bessere Präsentationsmöglichkeiten,

völlig neues Mobiliar für

die 5er-Klassen, aktuell die Schaffung

von Arbeits- und Beratungsräumen und

manches mehr.

Sie haben uns ermutigt, über ein

verändertes Angebot im Wahlpflichtbereich

II nachzudenken und diese

Veränderung setzen wir zum kommenden

Schuljahr um, indem wir das Fach

„Darstellen und Gestalten“ einführen.

Sie sind mit uns den langen Weg gegangen,

der zur Verlängerung unserer Unterrichtsstunden

von 45 auf 60 Minuten

geführt hat. Damit verbunden wird der

Unterrichtstag neu rhythmisiert und wir

ersparen den Schülerinnen und Schülern

der Sekundarstufe I den Nachmittagsunterricht.

Unermüdlich haben Sie

mit mir, Herrn Schweers, Frau Meier

oder Herrn Edelbusch nach Möglichkeiten

gesucht, die Situation des Sportunterrichts

zu verbessern. Sie versuchen

mit der Schulleitung gemeinsam, die

Zusammenarbeit mit außerschulischen

Kooperationspartnern zu intensivieren

wie z. B. der Musikschule oder der VHS.

Bei alledem aber ist Ihnen wichtig,

dass das Canisianum ein Gymnasium

ist und bleibt. Ein Gymnasium, das sich

einerseits den Anfragen von Schülern

und Eltern nach neuen Fächern und

14


„Sie haben gemeinsam mit den anderen Mitgliedern

des Schulträgervereins den Kolleginnen und Kollegen

Möglichkeiten eröffnet, behutsam das Gymnasium

Canisianum weiterzuentwickeln.“

Angeboten nicht verschließt wie z. B.

die Ergänzung des Angebotes in der

differenzierten Mittelstufe oder auch

die Diskussion über die Einführung

des Faches Spanisch oder die Intensivierung

unserer medienpädagogischen

Bemühungen. Ein Gymnasium, das sich

andererseits aber auch seiner Bildungstradition

bewusst ist und dazu gehört

für uns ganz selbstverständlich das

Bekenntnis zu einer christlichen Wertorientierung.

(…)

Dass wir bei unserer zukunftsfähigen

Schulentwicklung an den Fächern

Latein und auch Griechisch festhalten,

ist kein Widerspruch und auch kein

Anachronismus. Athen und Rom – und

damit auch Griechisch und Latein –

bleiben zwei der wesentlichen Wurzeln

unserer europäischen Tradition. Dazu

bekennen wir uns und diese Tradition

gestalten wir lebendig aus durch vielfältige

internationale Begegnungen unserer

Schülerinnen und Schüler.

Das Gymnasium Canisianum ist

eine Schule in privater Trägerschaft. Ich

denke, diese Tatsache darf ich aus dem

heute gegebenen Anlass betonen. Das

bedeutet aber nicht, dass das Canisianum

sich in eine Privatheit zurückzieht

und seine Existenz gleichsam in einer

Insellage sieht. Das Gegenteil ist der Fall:

Wir wissen uns eingebunden in eine

vielfältige und starke Schullandschaft in

Lüdinghausen. Wir machen neben den

öffentlichen Schulen den Schülerinnen

und Schülern aus Lüdinghausen und aus

den Nachbarkommunen wie Ascheberg,

Nordkirchen oder Olfen ein attraktives

Angebot. Wir übernehmen Verantwortung

für die schulische Versorgung der

Kinder unserer Stadt, wie auch die Stadt

die Verantwortung für das Canisianum

mitträgt. (…)

In meine Worte des Dankes möchte

ich Sie, lieber Herr Haltern, einschließen.

Ein ehrenamtliches Engagement in

dem Umfang, wie Ihre Frau es bis heute

ausübt, ist ohne die Unterstützung der

Familie und insbesondere des Ehepartners

nicht vorstellbar. Ich weiß, wovon

ich rede. Sie haben in den Jahrzehnten

des ehrenamtlichen Engagements Ihre

Frau unterstützt und ihr „den Rücken

freigehalten“. Ihre Rolle war nicht lediglich

ein passives Zulassen, sondern Sie

haben einen sehr aktiven Part gespielt.

Ich vermute, dass manche Initiative

Ihrer Frau am Canisianum auch auf Ihre

Anregung zurückzuführen ist. Jedenfalls

Träger und Förderer

15


Fortsetzung von Seite 15

habe ich in unseren Gesprächen den

Eindruck gewonnen, dass Ihnen die

Entwicklung des Canisianum sehr am

Herzen liegt und Sie klare Vorstellungen

davon haben, wie eine Schule für die

Zukunft aufgestellt sein sollte. Lieber

Herr Haltern, herzlichen Dank für die

Begleitung unserer Schule.

Zum Abschluss zitiere ich einen

Gedanken von Arthur Schopenhauer:

„Tätigkeit, etwas treiben, womöglich

etwas machen, wenigstens aber etwas

lernen, ist zum Glück des Menschen unerlässlich.

Seine Kräfte verlangen nach

ihrem Gebrauch und er möchte den

Erfolg desselben irgendwie wahrnehmen.

Dass man ein Werk unter seinen

Händen täglich wachsen und endlich

seine Vollendung erreichen sehe, beglückt

unmittelbar.“

Liebe Frau Haltern, Sie haben in

diesem Sinne Ihre Kräfte eingesetzt, Sie

haben erfahren können, wie das Werk

täglich gewachsen ist. Vielleicht können

Sie rückblickend feststellen: Ja, dieser

Einsatz für unsere Schule, für das Gymnasium

Canisianum, hat zum Glück

meines Lebens beigetragen.

Ich weiß, dass Sie unserem Cani

verbunden bleiben werden und wir würden

uns freuen, wenn Sie gelegentlich

auf einen Kaffee vorbeischauen. Danke!

Träger und Förderer

„Vielleicht können Sie rückblickend feststellen:

Ja, dieser Einsatz für unsere Schule, für das

Gymnasium Canisianum, hat zum Glück meines

Lebens beigetragen.“

16


Karl-Heinz Kocar für das Kollegium zur Verabschiedung von

Renate Haltern am 15. Mai 2013

Das erfolgreiche Schultern einer Last

Liebe Frau Haltern,

sehr geehrte Damen und Herren!

Wenn die Vorsitzende eines Schulträgervereins

geht, ist es nicht leicht für

das Kollegium, die richtigen Worte zu

finden, insbesondere dann, wenn diese

Person - wie Sie, Frau Haltern - über

so viele Jahre an der Gestaltung unseres

Canisianums entscheidend mitgewirkt

hat, an vielen Entwicklungsprozessen

beteiligt war oder diese zum Abschluss

gebracht hat. Und das unter Berücksichtigung

der Tatsache, dass ein Kollegium

so manches Mal andere Vorstellungen

hat bzw. hatte als der Trägerverein!

Atlas, so überliefert es uns die griechische

Sage, musste einst den ganzen

Himmel schultern. So befahlen es in

geschichtsdunklen Zeiten die Götter

Griechenlands – zur Strafe! Denn der

Titanensohn hatte den Aufstand geprobt

gegen die Olympier, und das hatte er

nun davon! Was aber hat Atlas, dieser

mythische Träger des Himmelsgewölbes,

nun mit dem „Schul-Träger“ eines

privaten Gymnasiums zu tun?

War es auch eine Strafe, die der

Dachau-Überlebende und Priester

Bernhard Hürfeld auf sich nahm, als

er im November 1945 hier am Ort eine

städtische Oberschule ins Leben rief, aus

der dann das private Gymnasium Canisianum

mit angeschlossenem Internat

hervorging? War es auch eine von den

„Göttern“ auferlegte „Last“? Oder besser

gesagt: von „Gott“ – um es an diesem

Orte monotheistisch korrekt auszudrücken?

Am eigenen Leibe hatte Bernhard

Hürfeld schließlich noch kurz zuvor die

verheerenden Folgen eines hybriden

Menschentums erfahren. Zwangen ihn

diese Erfahrungen nun in eine spezifische

Verantwortung, gleichsam in eine

politisch-pädagogische Pflicht? Und

war es nicht notwendig, nach dem von

außen erzwungenen „Zusammenbruch“,

der auch und vor allem ein moralischer

war, im besten Sinne Aufbauarbeit zu

leisten? Sicher ist da etwas dran! Dennoch:

Aus heutiger Sicht lief es für die

Zöglinge der Höheren Lehranstalt und

des Internats in den 50er- und 60er-Jahren

alles andere als glücklich. Es waren

doch einfach pädagogisch sehr „finstere“

Zeiten!

Heute ist klar, dass Einigkeit über

Form und Inhalt einer explizit „christlichen“

Bildung am Canisianum nur im

intensiven Dialog zwischen Schulträger

Träger und Förderer

17


Träger und Förderer

Fortsetzung von Seite 17

und Kollegium erzielt werden kann. Es

kann nichts „verordnet“ werden, wenn

es um Fragen geht wie diese: Was sind

die entscheidenden Wertmaßstäbe aus

jüdisch-christlicher Tradition? Wie lässt

sich zugleich das für unser demokratisches

Gemeinwesen wichtige Erbe der

Aufklärung einbeziehen? Was bedeutet

das für die Schulprogrammatik sowie

für Einstellung und Verhalten der Lehrer?

Jenseits einer „naiven“ Wissenschafts-Gläubigkeit

und in Abwehr

jeder religiös-„fundamentalistischen“

Versuchung ist am Canisianum viel

Platz für eine Bildung, die auch von der

Überzeugung getragen ist, dass unsere

Kultur „durchdrungen [ist] von religiösen

Gedanken, Anschauungen, Bildern,

Festen und Bräuchen“, wie es kürzlich

der peruanische Literatur-Nobelpreisträger

Mario Vargas Llosa in einem

neuen Buch betont hat. Es geht darum,

jungen Menschen neben einem fundierten

Wissen auch und vor allem Einstellungen

zu vermitteln, mit deren Hilfe sie

wichtige Teile unserer Kultur erst als ein

sinnvolles Ganzes wahrnehmen können.

Bei aller grundsätzlichen Offenheit

für die Pluralität der Überzeugungen

und Lebensstile in unserer Gesellschaft

sollten wir nämlich nicht aufhören, den

Jugendlichen aus christlichem Geist

konkrete „Angebote“ zu machen, mit

denen sie sich identifizieren können. Ob

sie diese Lebensmodelle für sich annehmen,

bleibt danach selbstverständlich

ihre ureigene Entscheidung.

Dem Schulträger und der gesamten

Lehrerschaft des Canisianums tut es

gut, wenn beide sich immer wieder im

vertrauensvoll geführten Diskurs bemühen,

eine „relative“ Homogenität in der

Vertretung des bildungstheoretischen

Konzepts nach außen und eine „relative“

Homogenität in der ganz konkreten unterrichtlichen

Praxis zu erreichen. Eine

„absolute“ Übereinstimmung oder gar

pädagogische Einheitlichkeit kann und

soll es ja nicht geben. Den Prozess einer

ehrlichen Selbstvergewisserung, den

das Kollegium gerade im letzten Jahr an

einem Pädagogischen Tag wieder hat

aufleben lassen, sollten alle hier im Hau-

18


„Es geht darum, jungen Menschen neben einem fundierten

Wissen auch und vor allem Einstellungen zu vermitteln,

mit deren Hilfe sie wichtige Teile unserer Kultur erst

als ein sinnvolles Ganzes wahrnehmen können.“

se sehr ernst nehmen. Dann und nur so

lässt sich realistischerweise hoffen, dass

an unserer Schule immer einmal wieder

eine neue und nach außen überzeugend

wirkende „Dynamik“ im Sinne der zentralen

„christlichen“ Bildungsintention

ausgelöst wird.

Heute verabschiedet die Schulgemeinde

also Renate Haltern, gelernte

Lehrerin, Schulleiterin und nachmalige

Schulaufsichtsbeamtin, die in den

letzten, gut zwanzig Jahren als Vorsitzende

unseres Schulträgers eine große

Verantwortung „geschultert“ hat – eine

geradezu „atlantische“ Last. Als jahrelanges

Mitglied des Lehrerrats kann ich

aus vielfältiger Erfahrung sagen, dass

wir es nicht immer leicht gehabt haben

mit Ihnen, liebe Frau Haltern, Sie aber

sicher auch nicht mit uns. Im Laufe der

Jahre hat sich allerdings immer stärker

das gemeinsame Interesse an der

Weiterentwicklung des Canisianums in

den Vordergrund geschoben: Einmal -

ich entsinne mich noch sehr gut – hat

der Lehrerrat helfen können, bei der

Landesregierung verschlossen scheinende

Türen zu öffnen, als es darum ging,

eine erhebliche Finanzierungslücke zu

schließen. Oft aber hat es Frau Haltern

auch selbst durch geschicktes Agieren

verstanden – manchmal auch nach

intensiver Diskussion mit dem Lehrerrat

– viel für diese Schule zu bewirken.

Heute lässt sich feststellen, dass das

Kollegium in ihr – je länger, umso mehr

– stets eine „ehrliche Maklerin“ sehen

konnte. Eine, die ab 1992 die Linie

ihres Vorgängers Christian Schausten

konsequent fortsetzte, das Kollegium in

die Verantwortung, in „ihre“ Verantwortung

einzubinden, nicht zuletzt aus der

Überlegung heraus, sich auf diese Weise

selbst etwas zu entlasten. Aber dennoch

bleibt zu sagen: Es gibt nun einmal Entscheidungen,

die man keinem Schulträger

abnehmen kann. Und die Last der

Verantwortung ruht dann mitunter doch

schwer auf seinen Schultern.

Vielen Dank, sehr geehrte Frau

Haltern! Wir wünschen Ihnen alles

Gute für Ihre ganz persönliche Zukunft,

da Sie sich nun endgültig aus dem

Schulleben zurückgezogen haben. Viele

weitere glückliche Lebensjahre in guter

Gesundheit! Ihrem Nachfolger Christoph

Schlütermann wünschen wir trotz

aller Belastung doch auch Freude bei

der Arbeit sowie ein stets „glückliches

Händchen“!

Träger und Förderer

19


Von links: Klaus Heisterkamp,

Markus

Pieper, Kuratoriums-

Vorsitzender Heinz

Hürfeld, Dr. Jutta Kussmann,

Stiftungsvorsitzende

Renate Haltern,

Vorstandsmitglieder

der Stiftung, Wolfgang

Frank und Michael

Richter.

Stiftung verabschiedete Frau Dr. Kussmann

Engagierte Arbeit gewürdigt

Träger und Förderer

Augenfälliger hätte der Beweis des Engagements

der Stiftung für das Private

Gymnasium Canisianum kaum ausfallen

können. Den Auftakt der Sitzung

von Stiftungs- und Kuratoriumsvorstand

Ende Oktober letzten Jahres bildete die

Besichtigung des neu eingerichteten

Chemieraumes und eines Schüler-Experimentierraums

der Schule.

Dort habe sich die Stiftung mit einem

fünfstelligen Betrag – neben anderen

Sponsoren - eingebracht, erläuterte

die Vorsitzende Renate Haltern.

Zugleich waren die technisch aufwändig

ausgestalteten Räume das Podium

für die Verabschiedung von Dr. Jutta

Kussmann aus dem Vorstand der Stiftung,

dem sie elf Jahre angehörte und

zu deren Gründungsmitgliedern sie

zählt. Heinz Hürfeld, der Vorsitzende

des Kuratoriums der Stiftung, dankte

Jutta Kussmann nicht nur mit einem

großen Strauß Rosen, sondern hob auch

ihre Verdienste um die Stiftung hervor.

Deren Arbeit habe sie nicht nur tatkräftig

und mit kreativen Ideen unterstützt,

sondern sich auch immer wieder mit

konstruktiver Kritik zu Wort gemeldet.

Jutta Kussmann selber betonte in ihrer

Entgegnung, dass sie ihren Einsatz für

Stiftung und Schule immer unter der

Prämisse „Bildung ist die beste Ausbildung“

gesehen habe.

Die Stiftung Canisianum unterstützt

seit 2001 das Gymnasium ideell wie

materiell. So werden diverse schulische

und schulbegleitende Projekte gefördert

wie etwa der internationale Schüleraustausch.

Das alles sei nur mit der

Unterstützung durch spendenwillige

Mitglieder zu leisten, betonte die Stiftungsvorsitzende

Renate Haltern. Diese

seien nicht selten ehemalige Canisianer,

die sich ihrer alten Bildungseinrichtung

teilweise seit Jahrzehnten verbunden

fühlten. WN

20


Begeistert demonstrierten

die Schüler Karlheinz

Lips (3.v.l.) und Andreas

Geiping (4.v.l.) von der

Sparkasse Westmünsterland

verschiedene Experimente.

Schulleiter Michael Dahmen

(l.), Dr. Klemens Müller (2.v.l.),

Renate Haltern (5.v.l.) und

Manfred Neuhaus (6.v.l.)

beobachteten das Vorhaben

interessiert.

Umgestaltung der naturwissenschaftlichen Räume

Platz für kleine und große Experimente

Kleine und große Experimente mit

anschaulichen Effekten – die Schüler des

Canisianum haben seit Dezember letzten

Jahres qualitativ bessere Möglichkeiten,

ihre Experimente in separaten

Räumen zu planen und zu entwickeln,

denn die bisherigen Hörsäle wurden in

Unterrichtsräume für moderne experimentelle

Methoden umgewandelt.

Schüler sowie Lehrer präsentierten bei

der offiziellen Übergabe den Gästen

von der Sparkasse Westmünsterland,

die den Umbau aktiv mit einer Spende

unterstützt hatten, stolz verschiedene

Situationen, die naturwissenschaftliche

Phänomene erlebbar machen.

„Die Schüler haben jetzt quer durch

alle Jahrgänge Platz, ungestört in einem

Raum ihre Experimente zu planen,

zu prüfen und wettbewerbsfähig zu

entwickeln“, erklärten die Chemie- und

Biologielehrer Manfred Neuhaus, Dr.

Klemens Müller und Dr. Georg Schütz.

„Ein wesentliches Ziel ist es sicherlich,

die Neugier auf experimentelle Ergebnisse

und die Freude über erfolgreich

durchgeführte Experimente zu fördern.

Die Erfolge, die sich in den letzten Monaten

für Ihre Schule eingestellt haben,

beeindrucken“, betonten Vorstandsmitglied

Karlheinz Lips und Regionaldirektor

Andreas Geiping von der Sparkasse

Westmünsterland, die sich das Projekt

vorstellen ließen und gemeinsam mit

den Schülern einige Experimente durchführten.

„Unsere Schüler erfahren nicht nur

die Bedeutung des Selbsthergestellten

als Mehrwert“, erläuterte die bisherige

Vorsitzende des Schulträgers, Renate

Haltern, „sondern können an diesem

Projekt arbeiten und es (...) weiterentwickeln.

Allein aus dem Schuletat hätten

wir dieses Vorhaben nicht realisieren

können. Daher freuen wir uns sehr, dass

die Sparkasse Westmünsterland mit ins

Boot gestiegen ist“, bedankte sich Renate

Haltern bei den Sparkassenvertretern.WN

Träger und Förderer

21


Canisianum entließ Abiturienten „ins wirkliche Leben“

28-mal eine Eins vor dem Komma

Abitur 2012

22

„Einmal Canisianer – immer Canisianer!“

Diese Aussage gab Renate

Haltern, die langjährige Vorsitzende

des Schulträgervereins, den Abiturienten

bei der feierlichen Übergabe

der Zeugnisse in der Aula mit auf

den Weg. Mit dem Hinweis, dass sie

auch als Ehemalige einen wichtigen

Beitrag dazu leisten könnten, den

„hohen Standard am Cani zu gewährleisten“,

wünschte sie ihnen für ihre

Zukunft alles Gute.

86 Canisianer wurden in feierlichem

Rahmen ins „richtige Leben“ entlassen.

Als ob das Erlebte am Cani nicht bereits

„das wirkliche Leben“ sei, bemerkte

dazu Schulleiter Michael Dahmen. Mit

dem Wunsch, jeder möge sein persönliches

Glück finden, formulierte er

die Aufforderung, sich nicht allein ins

Private zurückzuziehen. Im christlichen

Geist sollte sich jeder darüber hinaus

„als verantwortungsvoller Staatsbürger

bewähren“, denn die Demokratie lebe

von „aktiver Teilhabe“. Gleichzeitig

dankte er den Jugendlichen, dass sie

diese Schule menschlich gestaltet hätten.

Die schulischen Leistungen der

Abiturientia würdigte anschließend der

Oberstufenkoordinator Dr. Uwe Carstens.

28 Jugendliche hätten bei ihrem

Abiturschnitt eine Eins vor dem Komma

erreicht, was einer positiven Quote von


Links am Rednerpult: Edgar Dohmen als Jahrgangsstufenleiter (li. oben), Lukas Klunke

(re. oben) als Schülersprecher und Michael Dahmen als Schullleiter (li. unten).

Foto linke Seite: Jan Voigt (l.) und Nils Zumbusch als Gewinner des Karl von Frisch-

Preises für besondere Leistungen im Fach Biologie.

Foto oben: Corinna Lips (l.) und Jana Reckmann nehmen die Glückwünsche des

Schulleiters für ihr 1,0-Abitur entgegen.

32 Prozent entspreche.

Schülersprecher Lukas Klunke stellte

fest: „Ich behaupte einfach, das Abitur

ist leicht. Das Zeugnispapier wiegt ganze

fünf Gramm.“ Für dieses Leichtgewicht

hätten die Abiturienten 13 Jahre ihres

Lebens geopfert. „Hat sich das gelohnt?“,

fragte er und beantwortete seine rhetorische

Frage mit einem entschiedenen

„Ja!“.

Mit einer erkennbaren Portion

Selbstironie würzte Stufenleiter Edgar

Dohmen seine Rede – stellvertretend

auch für seinen Kollegen Dr. Klemens

Müller. Er selber habe den „pädagogischen

Schutzraum Schule“ ja seit seinem

sechsten Lebensjahr nicht verlassen,

stellte der Pädagoge fest. Daher wolle

er sich am antiken Vorbild des griechischen

Philosophen Sokrates orientieren,

um den Schülern den Weg ins Leben zu

weisen. Er servierte ihnen dann neun

„Lesefrüchte“ aus dessen Werk, darunter

die der Zivilcourage und des Lebensmuts.

Mit dem eher zweischneidigen

Wahlspruch „Alles oder nichts!“ überschrieb

Dr. Joachim Zucker-Reimann als

Elternsprecher seine durchaus nachdenklichen

Worte an die Jugendlichen.

Er kam dann aber zu dem Schluss, alle

hätten sich „zu prächtigen jungen Damen

und Herren entwickelt – willensstark,

leidenschaftlich, optimistisch“. WN

Abitur 2012

23


86 Cani-Abiturienten erfolgreich

Abitur 2012

Als Schulleiter Michael Dahmen nach

den Osterferien den Abiturienten gegenübertrat,

um sie auf die erste Klausur

einzustimmen, war die Nervosität der

Schüler und Lehrer noch mit den Händen

greifbar. Haben wir uns ausreichend

vorbereitet? Liegen mir die diesjährigen

Themen? Gibt es organisatorische

Pannen oder läuft alles glatt? Inzwischen

sind diese Überlegungen längst vergessen

und der Prüfungszyklus bewältigt.

86 zufriedene und auf sich selbst stolze

Schülerinnen und Schüler bestanden

dabei die Abiturprüfung und erwarben

somit die allgemeine Hochschulreife,

zu der das Canisianum ihnen herzlich

gratuliert.

Dem Zentralen Abiturausschuss gehörten

der Schulleiter Michael Dahmen

als Vorsitzender, Dr. Uwe Carstens als

Oberstufenkoordinator sowie die Jahrgangsstufenleiter

Edgar Dohmen und

Dr. Klemens Müller an.

Die Schülerinnen und Schüler

des Abiturjahrganges wurden in den

folgenden Leistungskursen unterrichtet:

24


86 Jugendliche erhielten im Canisianum ihre Reifezeugnisse.

In einer stimmungsvollen Feier wurden sie aus der Schule entlassen.

Biologie: Dr. Klemens Müller, Deutsch

1: Karl-Heinz Kocar, Deutsch 2: Peter

Mönning, Englisch 1: Ulrike Ungru,

Englisch 2: Dr. Uwe Carstens, Erdkunde:

Gerold Meischen, Geschichte: Josef

Edelbusch, Pädagogik: Tanja König,

Mathematik: Ulrich Schweers, Physik:

Dr. Georg Schütz. In Kooperation mit

dem St. Antonius-Gymnasium: Biologie:

Jürgen Wellmann, Französisch: Hélène

Mantlik.

Das Canisianum gratulierte folgenden

Schülerinnen und Schülern zum

bestandenen Abitur:

Lukas Appel (Nordkirchen), Stefanie

Arnsmann (Lüdinghausen), Pascal

Aulke (Lüdinghausen), Mareen Baese

(Lüdinghausen), Tim Ferdinand Bartels

(Lüdinghausen), Stefan Bißmann (Lüdinghausen),

Jana Blankertz (Lüdinghausen),

Nane Bohr (Lüdinghausen),

Alina-Sophie Borchardt (Olfen), Linda

Sophie Bößing (Lüdinghausen), Vera

Breimann (Lüdinghausen), Alexander

Bültmann (Olfen), Jana Dabbelt (Asche-

Abitur 2012

25


Fortsetzung von Seite 25

Abitur 2012

26

berg), Viola Katharina Daldrup (Dülmen),

Markus Dieckmann (Lüdinghausen),

Michael Diekmann (Ascheberg),

Lukas Drees (Lüdinghausen), Francis

Elbers (Olfen), Stephan Feldmann

(Ascheberg), Josef-Leonhard Fellermann

(Lüdinghausen), Theresa Foltynski

(Ascheberg), Maike Fritz (Ascheberg),

Lisa Gehring (Nordkirchen), Niko

Gernitz (Lüdinghausen), Leonie Charlotte

Christine Gläser (Lüdinghausen),

Lea Graute (Lüdinghausen), Christin

Grieger (Olfen), Lena Heitkamp (Olfen),

Kevin Hoffmann (Lüdinghausen),

Ines Horstmann (Ascheberg), Annika

Janning (Ascheberg), Raphaela Katgeli

(Lüdinghausen), Thomas Kersting

(Lüdinghausen), Henrik-Georg Kortendieck

(Lüdinghausen), Laurids Leibold

(Lüdinghausen), Hanna Lipphardt

(Lüdinghausen), Corinna Lips (Lüdinghausen),

Sarah Lohmann (Ascheberg),

Marcus Lütke Börding (Nordkirchen),

Jana Maßmann (Lüdinghausen), Anna

Catharina Meyers (Olfen), Katharina

Muhle (Lüdinghausen), Elisa Mütherig

(Dülmen), Marco Naber (Olfen), Marc

Anton Nickel (Ascheberg), Nils Willi

Ohk (Ascheberg), Lena Ott (Olfen),

Nora Patberg (Lüdinghausen), Lukas

Patt (Nordkirchen), Sarah Pelster

(Nordkirchen), Anabella Stefanie Peters

(Lüdinghausen), Dennis Lars Peuser

(Nordkirchen), Thomas Pieles (Lüdinghausen),

Pia Quante (Lüdinghausen),

Katharina Raestrup (Lüdinghausen),

Jana Reckmann (Lüdinghausen), Maren

Kristina Riediger (Nordkirchen), Nico

Rostek (Nordkirchen), Christin Roters

(Nordkirchen), Kevin Schleifnig (Olfen),

Felix Schlumbohm (Lüdinghausen),

Tanja Schlüter (Lüdinghausen), Jonas

Willi Schmidt (Olfen), Tobias Schötz

(Lüdinghausen), Kai Hendrik Senga

(Olfen), Milo Sikora (Nordkirchen), Lisa

Marie Smolka (Olfen), Amelie Steffens

(Nordkirchen), Linda Steinemann

(Lüdinghausen), Anna-Lena Storck (Lüdinghausen),

Sebastian Stroemer (Ascheberg),

Niklas Tüns (Lüdinghausen),

Sarah Urbschat (Olfen), Tobias Sebastian

van Elst (Olfen), Kathrin Veronika

Vierhaus (Lüdinghausen), Jan Voigt (Olfen),

Marvin Wegner (Lüdinghausen),

Robin Westarp (Lüdinghausen), Lennart

Wittchen (Nordkirchen), Fabian Wohlfahrt

(Lüdinghausen), Ricarda Franziska

Wördemann (Nordkirchen), Hannah

Zimmer (Lüdinghausen), Falko Zucker-

Reimann (Lüdinghausen), Nils Zumholz

(Lüdinghausen).


Abiturrede 2012 des Schulleiters Michael Dahmen

Menschsein verwirklicht sich im

Miteinander. Engagieren Sie sich!

Liebe Abiturientinnen und

Abiturienten, sehr geehrte Eltern,

liebe Kolleginnen und Kollegen,

sehr geehrte Damen und Herren,

das ist heute für uns alle ein wirklich

einschneidender Tag, vor allem ist er

das für Sie, liebe Abiturientinnen und

Abiturienten. Dieser Tag ist mehr als

nur der Tag des Abgangs, wie wir das

Abitur im Deutschen so prosaisch und

lapidar nennen. Dieser Tag bildet einen

weiteren Einschnitt in Ihrer Bildungsbiographie,

so wie es die verschiedenen

Übergänge bisher auch schon taten: von

der Tageseinrichtung für Kinder in die

Grundschule, von der Grundschule zum

Gymnasium und jetzt vom Gymnasium

– ja, wohin jetzt?

Vor wenigen Generationen, vielleicht

noch vor einer Generation hätte man

gesagt: Sie gehen jetzt hinaus ins Leben.

Als ob das, was Sie am Canisianum

erlebt haben, nicht das Leben wäre.

Aber man hat damit vielleicht gemeint,

dass Sie mit dem Abitur den behüteten

Raum der Schule verlassen, in dem man

das Leben lernen oder ausprobieren

konnte, und jetzt ins „wirkliche“ Leben

treten. Dieses Leben, das jetzt vor Ihnen

liegt, hat dabei die unterschiedlichsten

Facetten: Viele von Ihnen haben mir bei

der Bekanntgabe der Abiturnoten oder

bei anderer Gelegenheit erklärt, was Sie

beruflich machen werden. Sie gehen

in Ausbildungsberufe, streben eine

Laufbahn im öffentlichen Dienst an,

absolvieren ein freiwilliges soziales Jahr

oder nehmen das Studium in den verschiedensten

Fachrichtungen auf. Man

kann sagen: Sie haben ziemlich konkrete

Vorstellungen davon, wie Sie Ihre berufliche

Zukunft gestalten wollen, und über

deren Realisierbarkeit lassen sich recht

zuverlässige Prognosen anstellen.

Ihre Zukunft hat selbstverständlich

Abitur 2012

27


Abitur 2012

Fortsetzung von Seite 27

auch eine private Dimension. Sie haben

Vorstellungen, Hoffnungen, Wünsche,

wie Sie leben wollen: Dabei steht die

Familie – auch in ganz traditionellen

Formen – in Ihrer Generation immer

noch sehr hoch im Kurs. Sie wollen Ihr

ganz persönliches und privates Glück

finden. Die Planbarkeit einer solchen

glücklichen Zukunft ist allerdings eher

gering. Ob Sie einen Partner finden, mit

dem Sie gemeinsam durchs Leben gehen

und vielleicht Kinder haben werden,

hängt nicht nur von Ihrem Wollen ab.

Zukunft ist hier auch etwas, das möglicherweise

ganz überraschend auf

Sie zukommt.

Sie dürfen dann nur nicht den richtigen

Moment verpassen.

Auch stellt sich die Frage: Gibt es etwas,

das mich durch diese Zukunft trägt,

das mir Richtschnur oder Maßstab sein

kann?

Vielleicht haben Sie, liebe Abiturientinnen

und Abiturienten, vor dem Betreten

der Aula in der Pausenhalle unmittelbar

neben der gläsernen Doppeltür eine

Stellwand bemerkt. Diese Stellwand

steht dort schon eine ganze Weile und

auf dieser Stellwand befinden sich einige

Bilder und kurze Sprüche, geschrieben

in merkwürdigen Symbolen. Nun, man

kennt wohl aus dem Mathematikunterricht

ein Alpha, ein Beta oder ein

Epsilon. Also handelt es sich bei diesen

Symbolen um griechische Buchstaben

und somit um griechische Texte, sehr

kurze Texte, die man am Canisianum

auch im 21. Jahrhundert noch versteht.

Ganz links, direkt an der Durchgangstür,

hat jemand den Spruch angeheftet:

lathe biosas. Warum gerade dieser

Spruch an dieser exponierten Stelle

seinen Platz gefunden hat, entzieht sich

meiner Kenntnis. Mir wäre es jedenfalls

nicht in den Sinn gekommen, mich zu

der hier geäußerten Grundhaltung zu

bekennen und ich möchte auch Ihnen

diese Lebensmaxime nicht empfehlen.

Denn es handelt sich hierbei um die aufs

Äußerste verdichtete philosophische

Formel des Epikur: „Lebe im Verborgenen!“

oder „Lebe zurückgezogen!“.

Damit fordert Epikur den philosophisch

Gebildeten, den Weisen dazu auf, die

Gesellschaft zu meiden und sich auf

seine Individualität zu besinnen. Der

philosophisch Gebildete wird versuchen,

seine seelische Ausgeglichenheit zu finden,

unberührt von äußeren politischen

Einflüssen. Ein derartiges philosophisches

Denken konnte natürlich im

antiken Griechenland erst dann Platz

greifen, nachdem die Polis als geistiger

und kultureller Lebensmittelpunkt des

Bürgers einen Niedergang erfuhr.

Wo der Mensch, das zoon politikon,

sich nicht mehr adäquat in gesellschaftlich-politischer

Betätigung

bewähren kann, erfolgt der Rückzug

in die Privatheit.

28


Das Auditorium wärend

der Abiturfeier

Das ist nun der Punkt, liebe Abiturientinnen

und Abiturienten, an dem ich Ihnen

ein „Halt!“ zurufe. Ich glaube nicht,

dass die Option für die Privatheit Ihrer

Zukunft den Bildungs- und Erziehungszielen

des Canisianum entspricht. Wozu

will unsere Schule Schülerinnen und

Schüler erziehen? Martin Luther oder

auf katholischer Seite der hl. Don Bosco

hätte formuliert: dass Sie gute Christen

und verantwortungsvolle Staatsbürger

werden. Unser Schulprogramm formuliert

diese Grundausrichtung zwar

etwas differenzierter und sprachlich

moderner, könnte sich aber durchaus zu

der einfachen Aussage „gute Christen

und verantwortungsvolle Staatsbürger“

bekennen.

Das Canisianum ist zweifellos eine

christliche Schule. Davon zeugen unsere

vielfältigen religiösen Angebote, die von

Ihnen auch gerne wahrgenommen werden.

Davon zeugt auch eine respektvolle

und akzeptierende Art des Miteinander-

Umgehens.

Ich wünschte mir allerdings, dass

sich die christliche Grundausrichtung

der Schule deutlicher in sichtbaren

Zeichen ausdrücken würde.

Ob Sie nun, um es biblisch zu formulieren,

die hier gelegte Saat in Ihrem Leben

aufgehen und reifen lassen, ist Ihrer

persönlichen Entwicklung überlassen.

Aber dass Sie sich als verantwortungsvolle

Staatsbürger bewähren, dazu darf

ich Sie auffordern. Wir leben gerade

nicht in den skizzierten Zeitumständen

des Epikur, die eine politische Betätigung

erschwerten. Unser demokratisch

verfasstes Gemeinwesen bietet Ihnen

nicht nur die Voraussetzungen gesellschaftlicher

und politischer Betätigung,

es lebt geradezu von aktiver Teilhabe.

Oder um es einfacher zu formulieren:

Wir brauchen Sie! Wir brauchen Sie

bei der Bewältigung der kleinen

und großen Herausforderungen der

Zukunft.

Abitur 2012

29


Fortsetzung von Seite 29

Engagieren Sie sich in Sportvereinen

und Kirchen, in Selbsthilfegruppen und

Nachbarschaften, in Gewerkschaften

und Parteien, beim Roten Kreuz oder

der Feuerwehr. Menschsein verwirklicht

sich im Miteinander.

Viele von Ihnen haben diesen sozialen

Aspekt menschlicher Existenz auch

während der zurückliegenden neun

Jahre durchscheinen lassen.

Ich danke Ihnen dafür, dass Sie diese

Schule menschlich gemacht haben. Ich

danke Ihnen für Ihr vielfältiges Engagement,

das unser Schulleben immer

wieder bereichert hat, sei es Ihr Einsatz

als Klassensprecher, die Arbeit in der

SV, Ihr Einsatz als Unterstufenpaten,

als Streitschlichter oder als Schulsanitäter.

Sie haben sehr erfolgreich an

Wettbewerben und Sportwettkämpfen

teilgenommen, Sie haben Ihre Gastfreundschaft

gegenüber ausländischen

Mitschülern und Besuchern unter Beweis

gestellt, Sie haben in vielen schönen

Theaterstücken und Schulkonzerten

mitgewirkt. Diese Aufzählung ist gewiss

nicht vollständig, sie gibt aber einen

Eindruck davon, dass die neun Jahre an

unserer Schule nicht nur auf den Erwerb

abrufbaren Wissens und bestimmter

Fertigkeiten abzielten, sondern genauso

auf soziale Kompetenzen.

Liebe Abiturientinnen und Abiturienten,

ich gratuliere Ihnen allen zu dem,

was Sie am Cani erreicht haben. Ich

wünsche Ihnen eine gute, gelingende

Zukunft und bei allem Gottes Segen.

Abitur 2012

30


Unsere Neuen

5

a

Klassenlehrerin:

Frau Katrin Vehof

vordere Reihe von links:

Felix Abendroth / Birte Barendregt / Helena Baumeister

/ Florian Becker / Sören Christiansen / Lilly Fechte / Lea

Glowienka / Greta Hahnebeck.

mittlere Reihe von links:

Jan Hoffmeister / Jette Krebber / Jennifer Kuprianow / Sarah

Lezius / Milena Mau / Friederike Merten / Lilian Pereira Costa.

hintere Reihe von links:

Frau Vehof / Mascha Ressmann / Moritz Ruprecht / Levi

Schmitz / Nicolas Spitzer / Thilo Vorspohl / Lilly Wiethaup.

leider fehlend: Finn Breuer

Schule und Projekte

31


Unsere Neuen

5 b

Klassenlehrerin: Frau Julia Selke-Mundry

untere Reihe von links:

Sarina Fischer / Helena Hantel / Antonia Kleffmann / Sofie

Pieper / Antonia Sibbel / Annika Wunsch

mittlere Reihe von links:

Aaron Helfen / Jonas Domscheit / Lisa Alves Silva / Mharie

Klose / Anne Richter / Erik Nikoulchine / Jan Aschwer / Tim

Müller / Lasse Lücke / Johanna Chan Leineweber / Helena

Sibbel

Schule und Projekte

obere Reihe von links:

Frau Selke-Mundry / Julia Link / Tim Smyra / Luca Wagner/

Laura Watermann / Leonard Stromann / Niklas Bell / Henning

Stoffel

32


Spielen auf dem Pausenhof: Das wird es künftig für die Cani-

Schüler nur noch vormittags geben, denn nachmittags sind sie

in der Regel zu Hause.

Canisianum führt neues Unterrichtsmodell ein

Unterrichtseinheit dauert 60 Minuten

Mit dem kommenden Schuljahr

2013/2014 wird die Unterrichtsstunde

am Canisianum 60 Minuten dauern.

„Die Zeit dafür ist reif “, sind sich

Schulleiter Michael Dahmen und sein

Stellvertreter Ulrich Schweers einig und

können sich bei diesem Vorhaben auf

das einstimmige Votum der Lehrerkonferenz

verlassen. Auch Schulträger,

Schulkonferenz, Schulpflegschaft und

Schülervertretung haben inzwischen

ihre Zustimmung signalisiert.

Ein alter Zopf soll damit abgeschnitten

werden, denn seitdem 1911 an den

preußischen Gymnasien die Unterrichtsstunde

mit einer Länge von 45

Minuten eingeführt wurde, galt dies als

ehernes pädagogisches Gesetz auch über

das Ende Preußens hinaus bis in unsere

Tage. Das soll sich am Cani nun ändern.

Bereits vor anderthalb Jahren hatte

die städtische Realschule mit einem

Schule und Projekte

33


Fortsetzung von Seite 33

67,5-Minuten-Takt ein neues Zeitmodell

für den Unterricht eingeführt.

Das neue 60-Minuten-Modell,

erläuterte Schulleiter Michael Dahmen,

habe erhebliche Auswirkungen auf die

Länge der Unterrichtstage. Zwar verlängere

sich der Vormittagsunterricht um

30 Minuten, dadurch entfalle aber der

komplette Nachmittagsunterricht für die

Jahrgangsstufen 5 bis 9. Schulschluss sei

für diese Kinder immer um 13.25 Uhr.

Bis 14 Uhr seien die (Fahr-)Schüler wieder

zu Hause. „Das bedeutet gewonnene

Zeit für die Familien und die Freizeitaktivitäten“,

unterstrich Michael Dahmen.

Aber auch auf den Unterrichtsablauf

wirkt sich die Neuregelung segensreich

aus. Statt sechs oder sieben Unterrichtsfächer

am Tag für die Sekundarstufe I

gibt es dann nur noch maximal fünf.

„Die Tornister und Rücksäcke werden

leichter und die Hausaufgaben für den

jeweiligen Tag verringern sich“, ergänzte

Ulrich Schweers. Insgesamt bleibe dann

auch mehr Zeit, die Kooperations- und

Teamfähigkeit der Schüler zu fördern.

Ganz auf eine Nachmittagsbetreuung

der Kinder will das Cani allerdings

nicht verzichten – auch aus Rücksicht

auf Eltern, die darauf an den bisherigen

beiden langen Schultagen (montags und

mittwochs) angewiesen waren. Dies

sei auch weiter gewährleistet, betonte

Michael Dahmen, etwa durch vermehrt

angebotene Arbeitsgemeinschaften

oder ergänzende Lerngruppen. Zudem

sollten unter dem Motto „Schüler helfen

Schülern“ Oberstufenschüler gewonnen

werden, die Jüngeren Unterstützung

bieten könnten. Außerdem strebt das

Canisianum eine Zusammenarbeit mit

der Musikschule an.

„Auf die bewährte Kooperation mit

dem St. Antonius-Gymnasium in der

Oberstufe hat die Neuorganisation keinen

Einfluss“, betonte der Schulleiter. Es

gebe – trotz des 45-Minuten-Taktes am

Anton – an jedem Tag gleich zwei zeitliche

Ansätze, die Kooperation weiter zu

gewährleisten. Unterrichtsstart am Cani

sei künftig um 7.55 Uhr. WN

Schule und Projekte

Bäckerei • Café

H ltermann

34


Zwölf stolze Schülerinnen und Schüler präsentierten ihre erworbenen

Zertifikate, die ihnen auch nach der Schule noch nützlich sein werden.

Zwölf Schüler erhielten Cambridge-Zertifikat

Sprachenerfolg am Canisianum

In Frühjahr 2013 haben sie ihr Abitur

bestanden, aber eine wichtige Prüfung

bewältigten sie bereits im Spätsommer

letzten Jahres. So bestanden

zwölf Schülerinnen und Schüler der

Jahrgangsstufen 12 und 13 die Sprachprüfungen

der renommierten britischen

Universität Cambridge, die von der

Volkshochschule Münster organisiert

werden.

Astrid Benölken, Farina Bolte,

Amelie Brinker, Claudia Große Siemer,

Dennis Hendan, Sonja Neitzke, Julia

Oberhaus, Julia Elora Perrar, Leandra

Rößner, Lukas Rüller, Sonia Shrestha

und Vanessa Thamm erhielten Anfang

September 2012 ihre Zertifikate aus

den Händen des Schulleiters Michael

Dahmen und der Englischlehrerinnen

Dominique Klaholz, Gerda Piotrowiak

und Olga Kehm, die die Arbeitsgruppe

zur Vorbereitung auf die Prüfung leiteten.

Das Cambridge-Sprachzertifikat

wird jedes Jahr von mehr als drei Millionen

Kandidaten in rund 130 Ländern

abgelegt und von vielen nationalen und

internationalen Institutionen und Unternehmen

anerkannt. Zudem wird es

an vielen englischsprachigen Hochschulen

als Nachweis der Sprachkenntnisse

akzeptiert. Es ist in fünf Schwierigkeitsstufen

unterteilt. Der Großteil der zwölf

Canisianer meisterte die vierthöchste

Stufe, wobei Leandra Rößner sogar das

höchstmögliche Niveau erreichte. WN

Schule und Projekte

35


Schule und Projekte

DELF-Diplome an 45 Cani-Schüler

überreicht

Diplome

d‘Etudes en Langue

Francaise

DELF – das „Diplome d‘Etudes en

Langue Francaise“ erwarben im letzten

Jahr 45 Schülerinnen und Schüler des

Canisianum. Im März erhielten die

stolzen Kandidaten ihre Zertifikate aus

den Händen der Französisch-Lehrerinnen

Claudia Alfers, Ulrike Ungru

und Susanne Laudick. Die Kolleginnen

hatten die Bewerber über den Französisch-Unterricht

hinaus in Arbeitsgemeinschaften

auf die mündlichen und

schriftlichen Prüfungen vorbereitet. Beachtliche

Leistungen gab es auf allen der

vier Niveau-Stufen AI, A2, B1 und sogar

B2. Dieses höchste Niveau des „DELF

scolaire“ erreichten die Schülerinnen

Maike Fritz, Stephanie Ludwig, Anna

Kiskämper, Rebecca Küter und Leandra

Rössner. Auch Schulleiter Michael

Dahmen freute sich über die große Zahl

der sprachkundigen Canisianer und

gratulierte ihnen zum Erfolg. WN

36


Die Teilnehmer der

Endrunde präsentieren

sich dem

Fotografen: Benedikt

Rips (l.), Fabian Bub

(2.v.l.), Daniel Tiessen

und Hanna Grieger.

10er-Schüler überzeugt beim Geo-Wettbewerb

Benedikt Rips wird Cani-Schulsieger

Hätten Sie gewusst, welches der flächenmäßig

kleinste Staat Asiens ist oder welcher

Superlativ der Erde mit ca. 11.000

m angegeben wird? Mit diesen und

anderen anspruchsvollen Fragen setzten

sich im Februar 2013 die Erdkunde-

Gruppen der Jahrgangsstufen 7 bis 10

auseinander. Ebenso wie 280.000 andere

Schüler bundesweit taten sie es mit

Engagement und Interesse am geographischen

Wissen.

Seit Jahren organisiert der Verband

Deutscher Schulgeographen in Kooperation

mit dem Westermann Verlag diesen

Wettbewerb der Schulen, um sowohl das

erdkundliche Allgemeinwissen als auch

die Sensibilität für aktuelle Themen wie

den Klimawandel oder die Problematik

der Globalisierung zu fördern. Dabei

zeigt sich immer wieder, dass das Fach

Erdkunde auch Spaß macht, besonders

wenn man seine Orientierungsfähigkeit

erweitern kann und sich räumlich

auskennt.

Nach einer ersten Runde in den

Klassen der Mittelstufe sowie den

Kursen der Einführungsphase (Jgst.

10) traten Hanna Grieger (9a), Daniel

Tiessen (9c), Benedikt Rips und Fabian

Bub (beide Jgst. 10) in der Endrunde

gegeneinander an, um den Schulsieger

zu ermitteln. Nach einem 20-minütigen

Test und einem fairen Kopf an Kopf-

Rennen hatte Benedikt Rips schließlich

knapp die Nase vorn und freute sich

über den Titel des Cani-Schulsiegers. Er

hat nun die Chance, Geographie-Landes-

oder Bundessieger zu werden. Aber

selbst wenn das nicht gelingen sollte,

die Malediven als kleinster Staat Asiens

wird Benedikt Rips zweifellos immer

mit diesem Wettbewerb in Erinnerung

bringen. Gerold Meischen

Schule und Projekte

37


Cani-Schüler bei „Jugend forscht“ und Wissens-Olympiaden dabei

Mit Lavendelöl gegen Fußpilz

Schule und Projekte

Jahr für Jahr beteiligen sich Schüler

und Schülerinnen des Gymnasiums

Canisianum erfolgreich an zahlreichen

Wettbewerben und Projekten verschiedenster

Fachrichtungen. Nicht anders

im letzten Jahr, als Schüler der 13. Stufe

an den jährlich stattfindenden Biologieund

Chemie-Olympiaden teilnahmen.

Von den elf Teilnehmern, die unter der

Anleitung von Dr. Klemens Müller im

Fach Biologie angetreten waren, schafften

es vier in die zweite Runde, Josef

Fellermann konnte sich sogar unter den

zwanzig Besten in NRW platzieren. Beim

Fototermin musste er allerdings passen,

ein scharfes Chili nach der Preisverlei-

hung im Max-Planck-Institut in Dortmund

hatte ihn außer Gefecht gesetzt.

Bei der Chemie-Olympiade erreichte

Kai Benning die 2. Runde, wie sein

Lehrer Manfred Neuhaus stolz mitteilte.

Die beiden Biologie-Schüler Nils

Zumholz und Tim Bartels befassten sich

in ihrer Arbeit bei „Jugend forscht“ mit

der Wirkung von Lavendelöl auf Fußpilz.

„Darauf bin ich in einer Fachzeitschrift

gestoßen“, erklärte Dr. Klemens Müller

die etwas ungewöhnliche Themenwahl.

In Zusammenarbeit mit einer Lüdinghauser

Hautärztin habe man die Wirksamkeit

an Pilzkulturen nachweisen

können. Tatsächlich gelang es dann den

38


eiden Schülern einen Monat später,

die Jury in Marl auf regionaler Ebene zu

überzeugen, so dass sich die Canisianer

ganz oben auf dem Siegertreppchen platzieren

konnten. Auch auf der Landesebene

hinterließen die beiden in Leverkusen

einen positiven Eindruck und belegten

schließlich den zweiten Platz, wozu

ihnen der Schulleiter Michael Dahmen

und ihr Biologielehrer herzlich gratulierten.

Wenig später absolvierten alle

Beteiligten erfolgreich ihr Abitur und im

Zuge seines aktuellen Pharmazie-Studiums

plant Nils Zumholz, das Lavendelöl-

Phänomen weiter zu verfolgen. WN

Foto links: Dr. Klemens Müller (r.) und Manfred

Neuhaus (2.v.l.) besichtigten mit ihrem naturwissenschaftlichen

Nachwuchs schon einmal den

neuen Fachraum, der im letzten Jahr noch auf seine

Fertigstellung wartete.

Foto rechts: Schulleiter Michael Dahmen und Dr.

Klemens Müller gratulieren den erfolgreichen Nachwuchsforschern

Tim Bartels (l.) und Nils Zumholz.

Schule und Projekte

39


Die Preisgewinner

und ihre zufriedenen

Betreuer.

16 Cani-Schüler ausgezeichnet

Känguru-Mathematik-Wettbewerb

Schule und Projekte

Zum nunmehr siebten Mal haben sich

Schülerinnen und Schüler des Gymnasium

Canisianum am Känguru-Mathematik-Wettbewerb

beteiligt. Dieser internationale

Multiple-Choice-Wettbewerb

findet immer am 3. Donnerstag im März

statt. Schulleiter Michael Dahmen und

die Organisatoren des Schul-Wettbewerbs

konnten in dieser Woche 16 von

den diesjährigen 176 Teilnehmerinnen

und Teilnehmern für ihre besonderen

Leistungen ehren.

In der deutschlandweiten Auswertung

erhielten folgende Schüler einen 3.

Preis: Maik Kimmlinghoff (5c), Josephin

Riegel (5c), Mia Quante (5b), Julijane

Rös (6c), Bente Fritz (6c) und Fiona

Pietsch (6c). Folgende Schüler durften

einen 2. Preis entgegennehmen: Alexander

Grudev (5c), Felix Pickenäcker (5c),

Felix Hanning (6b), Nina Hattrup (6c),

Laura Schürmann (6a) und Rebecca

Rave (Kl. 8a). Ganz besonders freuten

sich Charlotte Rex (5a), Jana Kretschmer

(5a), Sören Hellkuhl (6a) und Maximilian

Spitzer (6a) über einen 1. Preis.

Die Gewinner bekamen Spiele und

Bücher, die zum spielerischen Umgang

mit Mathematik und den Naturwissenschaften

anregen.

Den weitesten „Känguru-Sprung“,

d.h. die größte Anzahl von aufeinanderfolgenden

richtigen Antworten, haben

Sören Hellkuhl und Maximilian Spitzer

geschafft, wofür sie mit einem Känguru-

T-Shirt belohnt wurden.

Alle anderen Teilnehmer erhielten

einen interessanten Trostpreis, der das

räumliche Vorstellungsvermögen stärkt

und die Phantasie anregt. Maria Hellmann

40


Schulleiter Michael

Dahmen (l.) und

Fachlehrer Dr. Georg

Schütz gratulierten

den erfolgreichen

Schülerinnen Hanna

Hoch, Christine Benölken

und Johanna

Grigo.

300 Euro Preisgeld für drei Cani-Schülerinnen

Die Windmühle ist am effektivsten

Mit der effektivsten Windmühle zum

Erfolg: Drei Schülerinnen des Canisianum

räumten im letzten Sommer beim

landesweiten Wettbewerb „Freestyle

Physics“ in Duisburg den ersten Platz

ab. Johanna Grigo, Christine Benölken

und Hanna Hoch nahmen dafür die

Glückwünsche von Schulleiter Michael

Dahmen und Physiklehrer Dr. Georg

Schütz entgegen.

Das Trio meisterte die Aufgabe,

eine möglichst effektive Windmühle

zu bauen, mit Bravour. 17 Prozent des

investierten Windstroms wurden auf der

anderen Seite in Energie umgesetzt - die

zweitplatzierte Gruppe kam nur auf elf

Prozent. „Wir waren die Einzigen mit

einem Tunnel, dadurch war die Windübertragung

besser“, verriet das Team

sein Erfolgsgeheimnis.

Johanna Grigo und Hanna Hoch besuchten

zu diesem Zeitpunkt die Einführungsphase

(EF), also die 10. Jahrgangsstufe,

während Christine Benölken nach

den Sommerferien von der Realschule in

die EF des Cani wechselte.

Zum achten Mal nahm das Cani an

dem Wettbewerb teil - und bestätigte das

gute Abschneiden aus dem Vorjahr. Dr.

Georg Schütz und sein Kollege Martin

Koller lobten die Schülerinnen für ihre

Eigenständigkeit. Besonders freute sich

Georg Schütz darüber, dass nach dem

Erfolg der Jungen im vergangenen Jahr

jetzt auch die Nachwuchs-Physikerinnen

erfolgreich waren. Obendrein erhielten

sie dafür ein Preisgeld von 300 Euro. WN

Schule und Projekte

41


Dr. Uwe Carstens als

Oberstufenleiter und

Schulleiter Michael

Dahmen freuen sich mit

Alina Seiche.

Glückwunsch von der Ministerin

Alina Seiche ausgezeichnet

Schule und Projekte

Die Cani-Schülerin Alina Seiche aus der

Jahrgangsstufe Q1 freute sich über die

Gratulation der NRW-Schulministerin

Sylvia Löhrmann, denn sie hat sehr

erfolgreich am Ostasien-Wettbewerb des

Bundeswettbewerbs „Sprachen“ teilgenommen.

Englisch, Lateinisch, Griechisch

und Französisch lernt die Canisianerin

im Rahmen des traditionellen

Sprachenangebotes an der Schule.

Aber das Japanische liegt ihr darüber

hinaus besonders am Herzen. Seit zwei

Jahren lernt sie daher die japanische

Sprache und Kultur in der von Herrn

Schlüter geleiteten Japanisch-AG am

Canisianum. „Japanisch ist gar nicht so

kompliziert“, stellt Alina Seiche fest und

angesichts ihres gewinnenden Lächelns

möchte man dieser Aussage durchaus

Glauben schenken. Dieser Einschätzung

stehen allerdings rund 2000 Schriftzeichen

entgegen, die man lernen muss,

wenn man im Alltag des ostasiatischen

Archipels zurechtkommen will. Gebildete

Japaner beherrschen etwa 5000 dieser

Schriftzeichen, wobei die Aussprache

sehr unterschiedlich ist. Durch die Betonung

erkennt man die Bedeutung der

Worte.

Auf den Wettbewerb hatte sich

Alina mit einem Computer-Programm

für Japanisch und diversen japanischen

Büchern vorbereitet, denn der Ostasien-

Wettbewerb sei „nicht ohne“. Zunächst

war ein Aufsatz zur japanischen Kultur

zu verfassen, wobei Alina sich für das

japanische Theater entschied. Außerdem

42


wurde eine Selbstdarstellung verlangt,

natürlich in japanischer Sprache. In

der Endausscheidung in Wolfsburg

warteten dann noch einmal drei

Aufgaben auf die Schülerin: eine

mündliche Prüfung zum Thema ihres

Aufsatzes, ein Gespräch mit einer

Japanerin und das Lesen und Übersetzen

japanischer Texte.

Beteiligt hatten sich an der Endausscheidung

des Wettbewerbs 300

Oberstufenschüler aus ganz Deutschland.

Das Preisgeld hat Alina gleich

in Literatur umgesetzt: „Ich habe

mir mehrere Bücher über Japan und

japanische Filme gekauft. Mich interessieren

aber weniger Animes und

Mangas, sondern viel mehr Samurai,

Geishas und damit die Geschichte

des Landes.“ Ihr Ziel sei es, nach dem

Abitur nach Japan zu reisen. Ihre

Sprachkenntnisse vertieft die Oberstufenschülerin

dafür auch durch

Kontakte mit Japanern per Internet.

„Sie haben sich in einer bundesweiten

Konkurrenz bewähren müssen

und dabei Ihre hervorragenden

Leistungen unter Beweis gestellt.“ Mit

diesen Worten gratulierte Ministerin

Löhrmann der Schülerin Alina Seiche.

Diesen Glückwünschen schlossen

sich der Oberstufenkoordinator

Dr. Uwe Carstens und Schulleiter

Michael Dahmen gerne an. Übrigens:

Zur Abrundung ihres Sprachenportfolios

lernt Alina jetzt auch Chinesisch.

WN

Oberstufenschüler stehen jüngeren

Jahrgängen mit Rat und Tat

zur Seite

Cyber-Pilots am

Cani im Einsatz

Die Einladung zur Geburtstagsparty

über Facebook lockt nicht die ursprünglich

geplanten 20 Gäste an,

sondern gleich 200. In SchülerVZ wird

heftig über den etwas pummeligen

Neuntklässler gelästert. Einer 16-Jährigen

flattert eine dicke Rechnung ins

Haus – der als kostenlos angepriesene

Musik-Download war wohl doch nicht

so günstig. Das sind Gefahren und

Widrigkeiten, die Jugendlichen im Netz

tagtäglich drohen können. Um diesen

zu begegnen, gibt es am Canisianum

künftig die Cyber-Pilots – auch Medienberater

genannt.

Mit Julius Meinhardt, Dirk Bünder,

Marius Deinken, Florian Fiel und Max

Maushagen hat der die Medienerziehung

koordinierende Lehrer Manfred

Neuhaus fünf Oberstufenschüler rekrutiert,

die ihren jüngeren Mitschülern

in Bezug auf den Umgang mit digitalen

Medien mit Rat und Tat zur Seite stehen

wollen. „Wir werden ein Kompetenz-

Team bilden“, erläuterte Manfred

Neuhaus. Dabei werden die Älteren

Ansprechpartner für ihre Mitschüler

sein. Der Nachwuchs solle mehr über

die Chancen, aber auch die Gefahren

Schule und Projekte

43


Medienprofi Johannes Wentzel gab den Neuntklässlern

des Canisianum Tipps für den richtigen Umgang mit den neuen

Medien wie Facebook oder anderen sozialen Netzwerken.

Schule und Projekte

Fortsetzung von Seite 43

der digitalen Welt erfahren.

Auf ihre Aufgabe hatten sich die

Canisianer intensiv vorbereitet. Dazu

gehörte unter anderem ein Besuch

an der Uni Bochum, wo sie viel über

IT-Sicherheit und Computer-Hacking

erfuhren. „Ich bin selbst bei Facebook

aktiv. Mir ist wichtig zu wissen, was

mit meinen Daten geschieht“, begründete

Dirk Bünder sein Engagement als

Cyber-Pilot. Julius Meinhardt gab den

grundlegenden Tipp, „sehr vorsichtig

mit den persönlichen Daten“ umzugehen.

Das empfiehlt auch Johannes Wentzel.

Der selbstständige Medienpädagoge

und Medienreferent aus Münster führte

am 24.05. letzten Jahres mit den Neuntklässlern

ein Medientraining unter dem

Motto „Facebook und Cyber-Mobbing“

durch. Er gab auch den künftigen Cyber-Pilots

wichtige Tipps. Das Vorhaben

am Canisianum habe „Leuchtturm-Charakter“,

betonte er. Es gebe Pläne, Cyber-

Pilots an den nordrhein-westfälischen

Schulen zu installieren. Schulleiter

Michael Dahmen fügte hinzu, dass bei

Problemen mit Mobbing unter Schülern

aber weiterhin die Vertrauenslehrer

erste Ansprechpartner seien. WN

44


Experte referierte vor Cani-Schülern

Warum China so spannend ist

Gunter Schubert (stehend v. l.) referierte

vor den Canisianern über das Studienfach

Sinologie und seine China-

Erfahrungen. Darüber berichtete auch

Cani-Schülerin Clara Bußkamp.

Gunter Schubert, ein ehemaliger Schüler

des Canisianum, ist heute China-

Experte und warb im letzten Frühjahr

in seiner „alten Schule“ für das Fach

Sinologie.

Nach dem Abitur wollte er eigentlich

nur „weg aus Lüdinghausen“. Dass

der Weg ihn aber bis nach Taiwan und

China führen würde, war für Gunter

Schubert Anfang der 1980er Jahre nicht

vorstellbar. Inzwischen verbringt der

promovierte Politologe und seit neun

Jahren Lehrstuhlinhaber der Professur

für Greater China Studies an der

Eberhard-Karls-Universität Tübingen

regelmäßig mehrere Monate im Jahr in

Ostasien. Zu seinem Forschungs- und

Lehrgebiet im Studienfach Sinologie

zählen neben den politischen und

wirtschaftlichen Verhältnissen in China

und Taiwan auch die in Hongkong und

Singapur.

Seine Faszination für China verstand

der ehemalige Canisianer den

interessierten Oberstufenschülern sehr

anschaulich zu vermitteln. Außerdem

sei China inzwischen ein Arbeitsmarkt

für Europäer. Die Neugier überwiege

längst die Ängste der Menschen in

Europa, wenn sie an das Land dächten,

Schule und Projekte

45


Fortsetzung von Seite 45

erklärte er. „Ich bin ein Optimist. China

und Europa werden sich aufeinanderzubewegen.“

Schule und Projekte

Einen bedeutsamen Schritt in diese

Richtung hat Clara Bußkamp schon bewältigt.

Die Cani-Schülerin hat im Rahmen

eines Austauschs als 15-Jährige ein

Jahr in Schanghai gelebt und den Alltag

in der Volksrepublik kennen gelernt.

Auch sie erzählte von ihren Erfahrungen

in dem ihr vorher völlig fremden Land

und Kulturkreis.

Oberstufenkoordinator Dr. Uwe

Carstens und der stellvertretende

Schulleiter Ulrich Schweers begrüßten

es, dass ehemalige Canisianer mit ihrem

Wissen zu „Wegbereitern für die heutigen

Jugendlichen“ werden könnten. WN

Die aus Indien stammenden Gäste berichteten

den Canisianern vom Leben in ihren Heimatstaaten.

Gobinde Singh zeigte das heilige Buch

der Sikhs.

Drei in Lüdinghausen lebende Männer

aus verschiedenen Teilen Indiens

berichteten in den letzten Tagen vor

den letzten Sommerferien in einem

Englisch-Leistungskurs der Jahrgangsstufe

12 von den Besonderheiten

ihres Landes.

Zu den Inhalten des Englischunterrichts

in der Oberstufe des

Gymnasiums gehört auch die Auseinandersetzung

mit Indien, einem Teil

der früheren Kolonialmacht Großbritannien.

Um dem Thema Indien

mehr Lebendigkeit und Authentizität

zu verleihen, nahm die Englischlehrerin

Maria Schweers Kontakt zum

Internationalen Café in den Friedensräumen

in der Kleinen Münsterstraße

auf, wo sich ausländische Mitbürger

jeden Samstag zum Gespräch treffen.

Schnell war Gobinde Singh aus

46


Inder berichteten Canisianern aus ihrer Heimat

Begegnung der Kulturen

dem Punjab in Nord-Indien bereit, in

die Schule zu kommen und von der

Landschaft, der Kultur, der Geschichte,

von seiner Religion (Sikh) oder den

Essensgewohnheiten seines Landes zu

berichten.

Zum verabredeten Termin in der

Schule brachte Gobinde Singh dann

noch zwei Freunde mit, die ebenfalls aus

Indien stammen. Sayed Mustaba kommt

aus dem Adhra Pradesh, einem Staat

in Süd-Indien und ist Muslim, sodass

er von einer ganz anderen Tradition

berichten und damit die religiöse und

kulturelle Vielfalt Indiens belegen konnte.

Da Sayed Mustaba als Übersetzer

für die amerikanische Armee in Afghanistan

tätig war, konnte er auch von

interessanten Erfahrungen dort berichten.

Außerdem sprach er Englisch mit

einem amerikanischen Akzent, was für

europäische Ohren besser zu verstehen

ist als das indische Englisch und damit

die Kommunikation erleichterte.

Mit authentischem Englisch aus

allen Teilen der Welt konfrontiert zu

werden, sei eine Methode, um die Kommunikationsfähigkeit

in der englische

Sprache zu fördern, was natürlich eines

der wichtigsten Ziele des Englischunterrichts

sei, betonte Maria Schweers.

Dazu lädt das Internationale Cafe

Schülerinnen und Schüler, die ihre

fortgeschrittenen Englisch- oder auch

Französischkenntnisse im Gespräch mit

ausländischen Mitbürgern ausprobieren

wollen, samstagvormittags in die Friedensräume

ein. WN

Schule und Projekte

47


Canisianer absolvieren Sozialpraktikum

Interessanter Einblick ins

„richtige Leben“

Dennis Siesenop

reicht einer Bewohnerin

im Antoniushaus ein

Getränk.

Schule und Projekte

Drei Wochen lang lernten die Jugendlichen

der Einführungsphase

des Canisianum das „richtige Leben“

in sozialen Einrichtungen kennen.

Sie besuchten im Januar und Februar

2013 Kindergärten, Schulen oder Hospitäler.

Für sie stand das Sozialpraktikum

auf dem Programm.

Vor der Tür rauschten die Wellen.

Rechts Strand, links Strand. Franziska

Schuder und Johanna Döller hatten

ihren Praktikumsplatz in der Urlaubsidylle

gefunden. „Das ist wirklich

einmal etwas ganz anderes“, versicherte

Johanna. Damit meinte sie nicht nur die

Umgebung, sondern auch ihren Tagesablauf.

Die beiden Cani-Schülerinnen

absolvierten ihr Sozialpraktikum weit

entfernt von Lüdinghausen in der Kurklinik

„Haus am Meer“ in Zingst an der

Ostsee.

Trotz der winterlichen Einsamkeit

haben sie den Tapetenwechsel genossen

– und das nicht nur wegen der beeindruckenden

Küstenlandschaft. Es machte

ihnen Spaß, die Kinder in der Kurklinik

zu betreuen, auf sie aufzupassen und

mit ihnen zu spielen. Untergebracht war

das Duo in einer kleinen Wohnung, die

zur Klinik gehört. Während der Woche

stand natürlich die Arbeit im Mittelpunkt,

am Wochenende aber wurde

durchaus etwas unternommen, zum

Beispiel ein Ausflug nach Stralsund.

48


Erstmals wurden in diesem Jahr die

Sozial- und Berufspraktika am Canisianum

zusammengelegt. Damit standen

den Zehntklässlern drei Wochen zur

Verfügung, die sie in sozialen Einrichtungen

verbringen sollten. So konnte

man die 15- und 16-Jährigen in den

heimischen Kindergärten, Altenheimen,

Schulen oder Behinderteneinrichtungen

antreffen. Bei diesem „Blick ins richtige

Leben“ geht es nicht darum, einen möglichen

Berufswunsch zu konkretisieren.

Ziel ist es vielmehr, neue Erfahrungen

zu sammeln. „Werte und Maßstäbe zur

Bewältigung der sachlichen und humanen

Herausforderungen des eigenen

Lebens“ sollen konkretisiert werden, wie

es in einem Info-Blatt der Schule heißt.

Die Schule versteht dieses Praktikum

dementsprechend auch als einen Beitrag

zur „christlich akzentuierten Bildungsund

Erziehungsarbeit“.

Für Dennis Siesenop ermöglichte

das Praktikum einen Blick in eine ganz

andere (Berufs-)Welt. Der 15-Jährige

verbrachte die drei Wochen auf einer

Station des Antoniushauses und betreute

in erster Linie Demenzkranke. „Ich

habe völlig neue Erfahrungen gesammelt“,

gestand Dennis. Ihm gefiel dieser

Einblick in den Pflegeberuf gut, sein

Berufswunsch ist jedoch ein anderer: Er

will Apotheker werden.

Julia Suttrup glaubte dagegen,

ihrem Berufswunsch näher gekommen

zu sein. Gemeinsam mit Jule Zentek

und Katharina Fohrmann verbrachte

sie die Praktikumswochen an der

Mariengrundschule in Seppenrade. Sie

begleiteten die Lehrer im Unterricht,

schauten den Kindern bei den verschie-

Jule Zentek, Katharina Fohrmann und Julia Suttrup

verbrachten ihr Praktikum in der Marien-Grundschule

Seppenrade.

denen Aufgaben über die Schulter und

versuchten, sie individuell zu fördern.

Die „Assistenzlehrerinnen“ standen den

Kindern aber auch in der Übermittagsbetreuung

zur Seite. Begeistert war Julia

Suttrup über die Arbeit mit den Kindern

im Medienzentrum. Als mit dem I-Pad

gearbeitet wurde, habe sie auch noch

etwas gelernt, gab die Schülerin zu. Neu

für das Trio war es auch, Verantwortung

zu übernehmen.

Aber nicht nur für diese drei Schülerinnen

war das Sozialpraktikum eine

gelungene Sache. Auch Schulleiterin

Agnes Kuse stellte dem Trio ein gutes

Zeugnis aus. „Das war ein tolles Miteinander.

Das hat allen Spaß gemacht.“ WN

Schule und Projekte

49


Schule und Projekte

Hier führt nur Teamarbeit zum Erfolg.

Das Fair-Mobil am Cani zu Gast

Stark im

Miteinander

Auch im letzten Jahr war das Fair-Mobil

wieder mit dem Projekt „Stark im Miteinander“

am Canisianum zu Gast. Für

die Fünftklässler standen dabei die Aktivitäten

ganz im Zeichen der Fairness im

Schulleben.

Das Gemeinschaftsprojekt der

Provinzial-Versicherung, dem Jugendrotkreuz

Westfalen-Lippe, der Schulpsychologischen

Beratungsstelle der Stadt

Münster sowie dem asb – arbeitskreis

soziale bildung und beratung e.V. - zielt

darauf ab, in einem Erlebnisparcours

neue Erfahrungen zu vermitteln, die

zu einer konstruktiven Konfliktkultur

beitragen.

Dabei soll es um einen insgesamt

fairen und rücksichtsvollen Umgang

miteinander gehen, sei es in der Schule

selbst oder auch in Chatrooms und

sozialen Netzwerken.

Wahrnehmungs- und Diskussionsübungen

sowie Erlebnisspiele geben den Kindern

die Gelegenheit, gemeinsame Aspekte

positiven sozialen Verhaltens und

der Kooperation zu erleben, sensibler

für Konflikte und Gewalt im Schulalltag

zu werden und zu lernen, Spannungen

und Aggressionen in geeigneter Form

abzubauen.

Darüber hinaus soll die Auseinandersetzung

mit Themen wie Cyber-

Mobbing, Datensicherheit und Anonymität

den fairen Umgang miteinander

in der virtuellen Welt und den sicheren

Umgang mit den neuen Medien fördern.

Da der Trägerverein des Canisianum

von der Bedeutung dieser Aspekte

überzeugt ist, übernahm er erneut die

Kosten, so dass den Eltern keine Aufwendungen

entstanden.

Die Erfahrungen der Schülerinnen

und Schüler während des Projektes

wurden im Anschluss von den Klassenlehrerinnen

Frau König, Frau Klaholz

und Frau Eggersmann mit ihren Klassen

thematisiert und an das tägliche Schulleben

angebunden.

„Stark im Miteinander“ ist nach Auffassung

der Organisatorin Claudia Vörding

nicht nur der Projektname. „Der Einsatz

des Fair-Mobils macht unseren Schülerinnen

und Schülern bewusst, dass alle

besser miteinander in der Schule leben

und lernen können, wenn man nicht

gegeneinander arbeitet, sondern kooperiert

und Teamgeist zeigt.“ WN

50


Erlös von rund 5.100 Euro an Hilfsprojekte

in Brasilien überwiesen

Lebendiges

Schulfest am Tag

der Solidarität

Derjenige, der am 22. September letzten

Jahres übers Schulgelände schlendern

wollte, hatte sicher erhebliche Mühe,

sich zwischen der großen Zahl an bunten

und fantasievollen Ständen, quirligen

Schülergruppen, helfenden Eltern

und Lehrern sowie staunenden Besuchern

einen Weg zu bahnen. Genießend

war er nach spätestens 50 Metern ohne

Zweifel Konsument einer Bratwurst,

Schule und Projekte

51


Schule und Projekte

Fortsetzung von Seite 51

eines Milch-Shakes oder eines exotischen

Cocktails geworden. Auch dürfte

er im Besitz einiger erfolgversprechender

Tombola-Lose gewesen sein, hatte

mindestens einmal auf die Torwand

geschossen und bewundernd den Kopf

geschüttelt, wie eine Klasse den Erdkunderaum

in eine perfekte Geisterbahn

verwandelt hatte.

Mit zahlreichen Aktionen, Spielen

und Ständen präsentierte sich die

Cani-Schulgemeinde an diesem Tag bei

hervorragendem Wetter der Lüdinghauser

Öffentlichkeit. Schüler, Lehrer und

Eltern saßen in einem Boot und hatten

im Vorfeld fieberhaft die Projekte vorbereitet.

So konnte man sich natürlich

auch an einer Mini-Olympiade beteiligen,

ein Schattenkino und die künstlerischen

„CANI on stage“-Darbietungen

bestaunen, aber auch als Leseratte den

opulenten Bücher-Flohmarkt durchstöbern.

Kreative Köpfe fanden ferner die

Gelegenheit, eigene Motiv-Entwürfe

zum Druck eines Cani-Sweatshirts in

Auftrag zu geben. Eine der Attraktionen

war zweifellos die große Tombola,

zu deren Erfolg über 350 Firmen und

Einzelpersonen aus dem Einzugsbereich

der Schule mit Sachspenden beigetragen

hatten.

Bei allem Vergnügen sollte ein

wenig Nachdenklichkeit nicht fehlen

und so präsentierten sich an diesem Tag

der Solidarität auch die Projektgruppen

„Amnesty international“ und „Fair

future“, wobei die erste Gruppe für die

weltweite Einhaltung der Menschen-

52


Impressionen eines lebendigen Schulfestes.

rechte warb, während die zweite sich

mit der nachhaltigen und sozial-fairen

Herstellung von Kleidung befasste.

Ganz lebenspraktisch konnte hier sogar

die Kulturtechnik des Knopfannähens

erworben werden. Dass die Besucher

auch Informationsmaterial über die

Hilfsprojekte in Brasilien erhielten, die

das Canisianum seit 1996 unterstützt,

zielte natürlich auf die Verwendung

der Erlöse des Schulfestes. Alle Aktiven

freuten sich am Ende über knapp

5.100 Euro, die als Solidaritätsbeitrag

der Schulgemeinde an den Aktionskreis

Pater Beda überwiesen werden konnten.

Dieser trägt unter anderem die Arbeit in

einem Kinderheim nahe Rio de Janeiro,

das sich zum Ziel gesetzt hat, Kinder mit

Gewalterfahrung wieder in Ursprungs-

oder Gastfamilien zurückzuführen, den

Orten, von denen als Solidargemeinschaft

Leben ausgehen soll. Auch wenn

Brasilien inzwischen zur sechsgrößten

Wirtschaftsmacht der Welt aufgestiegen

ist, so bleiben große Gegensätze

zwischen Arm und Reich, was nach wie

vor extreme Armut, soziales Elend und

Gewalt zur Folge hat.

Im Rückblick zeigten sich alle sehr

zufrieden mit dem Erfolg des Schulfestes.

Besonders das gemeinsame Handeln

von Eltern, Schülern und Lehrern beeindruckte

und erweckte für den außenstehenden

Betrachter den Eindruck, dass

man sich in der Lern- und Lebensgemeinschaft

am Canisianum wohl fühlen

kann. Barbara Imholz, Susanne Laudick, Michael

Schmidt

Schule und Projekte

53


Cani-Pausenorchester hatte Premierenauftritt

Kniffelige Suche nach einem näselnden

Instrument

Kunst und Kultur

Eine musikalische Reise quer durch

Raum und Zeit unternahmen die kleinen

und großen Zuschauer des Konzerts

am Canisianum Ende November letzten

Jahres. Dabei galt es, das Geheimnis von

Omas alter Schatulle zu lüften. Diese

Schatulle sei nämlich nur durch das

Spielen eines bestimmten Instruments

mit „näselndem, warm-schwebendem“

Klang zu öffnen. Das zumindest habe

ihre Oma gesagt, erzählte die junge

Moderatorin Helena Hantel. Zusammen

mit ihrem Mitmoderator Luis Mallée

und mittels zweier magischer Zauberhüte,

die es erlauben, quer durch Welt und

Zeit zu reisen, machten sie sich nun auf,

dieses Instrument zu finden.

Immer mit dabei auf der Suche nach

dem richtigen Instrument waren die

Zuschauer. Dass die Aktion sich als ganz

schön kniffelig gestaltete, wurde bald

sowohl dem Moderatorenpaar als auch

den Zuschauern klar: Die Musik des

Pausenorchesters, das sich bei dem Konzert

zum ersten Mal der Öffentlichkeit

präsentierte und mit Pippi Langstrumpf

schwedische Musik zum Besten gab, sei

zu frech, beschieden die Moderatoren.

Auch Mozarts „Türkischer Marsch“,

den Lukas Orthmann auf der Querflöte

vorstellte, wirke zu bombastisch und

zackig. Unter den vielen, auch gesanglichen

Darbietungen, kamen höchstens

die Saxophone der Cani Hot Dogs, also

54


der Big Band des Canisianum, an das

Näseln des gesuchten Instruments

heran. Den warm-schwebenden

Klang suchten die Moderatoren aber

zunächst weiter vergeblich.

Während der Konzertpause sorgten

die „Cani-Cookies“, die Koch-AG

des Gymnasiums, für eine kulinarische

Abwechslung. Außerdem

bestand während der Unterbrechung

die Möglichkeit für Kinder, die auf

der Bühne gespielten Instrumente

einmal selber auszuprobieren.

Am Ende des Konzerts wurden

die Moderatoren und Zuschauer

dann schließlich doch noch fündig:

Als Anne Wiedey mit ihrer Oboe

ein französisches Stück vorspielte,

erkannten alle den näselnden,

warm-schwebenden Klang, nach dem

so lange gesucht worden war. Der

Schlüssel für Omas geheimnisvolle

Schatulle war also gefunden.

Neben den Zuschauern war am

Ende des Konzerts auch Musiklehrer

Andreas Wenking sehr zufrieden:

„Wir freuen uns, dass unser Konzept

von einem Familienkonzert

aufgegangen ist“, äußerte er sich im

Namen der Fachschaft Musik, die

das Konzert organisiert hatte. „Vom

Kleinkind bis zur Großmutter war

wirklich jede Altersklasse vertreten

und die Atmosphäre war schon etwas

Besonderes.“

Ein Rätsel blieb aber am Ende

allerdings doch noch offen: Was war

denn nun in Omas geheimnisvoller

Schatulle enthalten? Astrid Benölken

„Meine Haut war

aus reinem Metall“

Wer träumt nicht davon, mit eigenen

Texten erfolgreich zu sein? Paul Henke

aus der Klasse 6a des Canisianum hat

nun einen ersten Schritt auf diesem

Wege zurückgelegt. 450 schreibende

Schüler beteiligten sich 2013 an der

Ausschreibung für den „Theo“ – den

„Berlin-Brandenburgischen Preis für

Junge Literatur“. Die ersten Dreißig (zu

denen Paul Henke gehört) erhielten im

März die Einladung zu einer kreativen

Literaturwoche in einem Skaterhotel

südlich von Berlin, wo sie Schreibtipps

von Praktikern erhalten werden.

Die zweiseitige Erzählung von Jung-

Autor Paul Henke beeindruckt und zieht

den Leser in einen Bann. Sie handelt von

einem Jungen, der durch Zufall seine

Identität als Roboter entdeckt und sich

mit Hilfe geheimer Unterlagen seiner

bei einem Unfall verunglückten Eltern

an die Arbeit macht, Geschwister zu

konstruieren.Gerold Meischen

Kunst und Kultur

55


Erfolgreicher Auftritt der Theater-AG

Der Schlüssel zum Safe

Kunst und Kultur

Mit der Premiere des Stücks „Liebe

Jelena Sergejewna!“ brachte die

Theater- AG des Canisianum Mitte

Mai 2012 ein modernes Drama auf die

Aula-Bühne.

Die Arbeitsgruppe hatte unter der

Leitung von Deutschlehrerin Susanne

Laudick seit dem Ende des Sommers

2011 an dem Schauspiel gearbeitet.

„Nachdem wir im Jahre 2009 mit der

„Welle“ etwas Ernstes zur Aufführung

gebracht hatten, waren die Schüler

eigentlich daran interessiert, diesmal

etwas Lustiges zu spielen“, erklärte Susanne

Laudick. „Es ist jedoch schwierig,

eine gute Komödie zu finden. Wir haben

zwei Stücke geprüft, ohne dass sie uns

56


Die Gratulation zum Geburtstag

ist nur vorgeschoben. Die Schüler

haben es auf die Abschlussarbeiten

abgesehen.

aber überzeugen konnten. So haben wir

uns doch wieder einem ernsten Stoff

zugewandt.“

Mit der Wahl des Drehbuchs „Liebe

Jelena Sergejewna!“ war die Truppe

dann aber sehr zufrieden. Die AG

bestand zu diesem Zeitpunkt aus fünf

Schülern der Oberstufe. Neben Kai

Senga, der in die Rolle des Schülers Volódja

schlüpfte, brachten Anna Fuisting

die Lehrerin Jelena Sergejewna, Lisette

Amparo die Schülerin Irina, Myriam

Rös die Mitstreiterin Natascha und Julia

Wehmöller die Schülerin Sweta auf die

Bühne.

Kurz vor der Aufführung verspürte

keiner der fünf Darsteller Angst oder

Nervosität. Zu Recht, denn jeder Einzelne

von ihnen brillierte in seiner Rolle.

Knapp 90 Minuten lang fesselten sie das

Publikum, in dem sich unter anderem

Ex-Schulleiter Hartmut Stutznäcker und

der aktuelle Direktor Michael Dahmen

befanden, mit einer lebendigen

Geschichte zum Thema Gewalt und

Schule: Vier Schüler und Schülerinnen

einer Abschlussklasse erscheinen am

Geburtstag der Mathematiklehrerin an

ihrer Haustür und wollen ihr gratulieren.

Jelena Sergejewna ist eine einsame,

verhärmte Frau, die seit Jahrzehnten

pflichtbewusst ihren pädagogischen

Dienst tut. Umso gerührter ist sie

angesichts des überraschenden Besuchs.

Doch es stellt sich heraus, dass

dieser nur Mittel zum Zweck ist, denn

die Schüler sind nicht zum Gratulieren

gekommen, sondern um den Schlüssel

zum Safe der Schule zu erpressen. Dort

liegen ihre misslungenen Abschlussklausuren,

die sie gegen korrigierte austau-

Kunst und Kultur

57


Kunst und Kultur

Fortsetzung von Seite 57

schen wollen. Die Schüler brauchen

gute Noten für die Zukunft. Die Lehrerin

lehnt das Ansinnen fassungslos

ab und es beginnt eine Nacht der

psychischen Qualen.

Das Stück begann mit dem

Anti-Schullied „We don’t need no

education“ der Band „Pink Floyd“

und endete mit lobenden Worten der

Schauspieler an die gesamte Crew, zu

der auch die Technik, die Plakatgestaltung

und die Arbeit der Soufleure

zählte.

„Man mag denken, bei nur fünf

Schülern wäre es einfach, einen

geeigneten Termin zum Proben zu

finden. Das ist aber definitiv nicht

so, denn neben dem Engagement in

der AG sind die Jugendlichen auch

noch im Sport, der Musik oder in der

Jugendarbeit eingespannt“, betonte

Susanne Laudick die Rahmenbedingungen

für die Ausarbeitung.

Letztlich konnte man sich auf den

Sonntagabend als Termin einigen, in

der „heißen Phase“ wurde oft zweibis

dreimal die Woche geübt – auch

am Feiertag.

„Ihr habt Großartiges auf der

Bühne geleistet“, richtete sich Michael

Dahmen an die Mitwirkenden.

Außerdem nahm er Bezug auf die

laufende Abi-Phase: „In dem Stück

geht es natürlich um eine Situation,

in der wir uns wiedererkennen, denn

ein paar Zimmer weiter steht auch in

diesem Hause ein Safe.“ Mario Otte

Truffaldino (Mitte) als Diener zweier

Herren sieht sich in Bedrängnis.

58


Prächtige Kostüme und eine lebendige Handlung

prägten das aufgeführte Theaterstück.

Literaturkurs führte „Diener zweier Herren“ auf

Latin Lover und Blues Brothers

Einmal quer durch den Raum des griechischen

Restaurants zog sich am 20.

März letzten Jahres die lange Tafel,

an der die 30 hungrigen Schüler des

Cani-Literaturkurses saßen.

Ein wenig erschöpft, aber umso zufriedener

feierten sie die geglückte

Premiere ihres Stückes „Diener zweier

Herren“ des italienischen Dramatikers

Carlo Goldoni. Dabei hätte einer aus

der Gruppe gar keinen Hunger haben

dürfen, konnten doch zuvor die etwa

300 Zuschauer in der Cani-Aula verfolgen,

wie Hauptdarsteller Marc Nickel

als Diener Truffaldino ein mehrgängiges

Essen verspeiste.

Die Komödie spielt im Venedig des

19. Jahrhunderts, in der sich tatsächlich

alles um den armen Diener Truffaldino

dreht. Aus Geldnot und Hunger stellt

dieser seine Dienste gleich zwei Herren

– Florindo (gespielt von Laurids

Leibold) und Beatrice (Linda Bößing)

– zur Verfügung, was ihn in zahlreiche

Schwierigkeiten bringt, da ausgerechnet

die beiden ein Liebespaar waren.

Nachdem Truffaldino diverse Lügen

Kunst und Kultur

59


Im Schminkraum

und auf der Bühne.

Kunst und Kultur

verbreitet hat, dürfen die zwei nichts

voneinander wissen. Dumm ist nur, dass

der einfältige Diener seine beiden Herren

im selben Wirtshaus unterbringt.

Als Analphabet bestehen Truffaldinos

Probleme zum Beispiel darin, die

Briefe beider Herren auseinander zu

halten. Dass er listig genug ist, zeigte

Truffaldino alias Marc Nickel auf

herrliche Weise, als er mimisch gekonnt

zunächst die Briefsiegel aufbrach und sie

dann mit angekauten Brotresten wieder

zuklebte.

Bei verwechselten Briefen blieb

es jedoch nicht. Truffaldino erklärte

gegenüber Florindo und Beatrice den jeweils

anderen Herren für tot, was keine

geringe Bestürzung auslöste. Auf dem

Weg zum Finale, in dem diese Liebesgeschichte,

aber auch andere Nebenstränge

ihr glückliches Ende finden, baute der

Kurs einige Witze in die ohnehin schon

amüsante Vorlage von Carlo Goldoni

ein. So fanden auch kleinere Rollen, wie

die des klischeehaften französischen

Kellners oder die des jammernden Kof-

ferträgers beim Publikum ihre Beachtung.

Dieses war regelrecht begeistert

von den Szenen, in denen Truffaldino

als Latin Lover der naiven Smeraldina

seine Liebe gestand oder zusammen mit

Florindo die „Blues Brothers“ imitierte.

Der lang anhaltende Applaus am

Ende zeugte davon, dass neben dem

kleinen Schauspieler-Ensemble ein großes

Team im Hintergrund zum Erfolg

der Aufführung beitrug. So entstanden

das Bühnenbild wie auch die Kostüme

in Eigenregie, wofür die Schüler – trotz

parallel verlaufender Abiturvorbereitungen

– viele Freistunden und einiges an

Freizeit opferten.

Gefragt, an welcher Stelle seine Hilfe

besonders gewünscht worden war, erklärte

Kurslehrer und Regisseur Michael

Leibold: „Ich musste sie nur ermutigen,

ihre Stärken zu entwickeln und die Begeisterung

zu zeigen, welche später bei

der Aufführung das Publikum mitreißt.

Das Hauptziel war es, im Miteinander

die kreativen Kräfte zu entfalten und zu

bündeln.“ Niklas Tün

60


Professor Heinrich Hemme veranschaulicht seinen

Vortrag mit dem „Möbiusband“, dessen Raffinessen

für Verwunderung beim Publikum sorgten.

Herbst-Forum mit Prof. Heinrich Hemme

Durch das „Rotlichtviertel der

Mathematik“

Spaß an der Mathematik vermittelte

beim Herbst-Forum am Cani der

Physikprofessor Heinrich Hemme von

der Fachhochschule Aachen, der Ende

Februar dieses Jahres in der Aula der

Schule zu Gast war.

„Die Mathematik hat einen schlechten

Ruf und das nicht erst seit PISA.“

Dem wollte das Canisianum mit seinem

jüngsten Herbst-Forum entgegenwirken.

Er könne seine Schüler verstehen,

Mathematik sei zugegeben „manchmal

etwas trocken“, sagte Schulleiter Michael

Dahmen zu Beginn der Veranstaltung.

Umso gespannter waren er und das Publikum,

wie Heinrich Hemme es schaffen

wollte, ihnen die Mathematik schmackhaft

zu machen. An diesem Abend plane

er, die trockene Mathematik im Schrank

zu lassen und sich mit der reinen Unterhaltungsmathematik,

also der Mathematik,

die keinerlei Nützlichkeitsaspekt hat,

zu beschäftigen.

„Wir unternehmen sozusagen einen

Bummel durch das Rotlichtviertel der

Mathematik“, betonte der Referent. Das

schien ein Widerspruch zu sein, was es

aber nicht war, wie er in den folgenden

eineinhalb Stunden zu beweisen wusste.

So waren sich nach dem Vortrag beispielsweise

alle Schalttagskinder darüber

im Klaren, wann sie denn nun, mathematisch

korrekt, ihren Geburtstag feiern

müssen. Außerdem erläuterte Heinrich

Kunst und Kultur

61


Beim Vorlesewettbewerb den

Gesamtsieg errungen

Kunst und Kultur

Fortsetzung von Seite 61

Hemme, wie man beim Würfelspielen

und Wetten garantiert gewinnt und

bewies mit mathematischer Strenge,

dass Freitag, der 13., tatsächlich ein

Unglückstag ist.

Als der Physiker dann aber die

bekannten Behauptungen Pippi Langstrumpfs,

dass „zwei mal drei vier

plus drei neun“ sei, beweisen wollte,

wurde das Publikum misstrauisch

und war sich sicher, dass hier auch

eine gehörige Portion Schummelei

mitspielte. Das gab Heinrich Hemme

augenzwinkernd sogar zu: „Ich

unterhalte mich am besten, wenn

ich andere hereinlege.“ Das stellte er

allerdings so geschickt an, dass man

ihm fast glauben wollte, dass Pippi

Langstrumpf die Präsidentin der USA

ist.

Das fleißige Miträtseln des

Publikums erinnerte den einen oder

anderen sicherlich an den Mathematikunterricht

in der Schule, nur dass

an diesem Abend ganz deutlich der

Unterhaltungsfaktor im Vordergrund

stand. Heinrich Hemme wusste zu

fesseln und zu unterhalten. So war

nicht nur Michael Dahmen nach dem

Vortrag „ganz geplättet“ von so viel

spannender Mathematik. Linda Bößing

Madeleine Roters

vertrat

das Canisianum

Wenn in den hektischen Dezembertagen

plötzlich Namen wie Cornelia Funke,

Paul Maar oder Ottfried Preußler in

geballter Form auftauchen, dann muss

nicht immer nur von Weihnachtsgeschenken

die Rede sein. Es kann sich

auch um den Vorlesewettbewerb für

die sechsten Klassen in den Schulen

handeln. So war es denn auch in den

vergangenen zwei Wochen vor Weihnachten

am Canisianum. Mit Eifer

stellten sich die Schüler dabei erneut der

Ausscheidung, die der Börsenverein des

Deutschen Buchhandels zum 54. Mal für

die Schulen ausgeschrieben hatte. Nach

einem spannenden Auftreten holte sich

Madeleine Roters aus der Klasse 6c den

Gesamtsieg. Sie hat das Cani dann im

Februar 2013 auf Kreisebene vertreten.

Der Wettbewerb begann zunächst im

Deutschunterricht der drei Parallelklassen.

Mitte Dezember trafen sich dann

alle Klassensieger der Jahrgangsstufe 6

in der Aula zur Endausscheidung. In

62


Die Klassenbesten Ricarda Handrup (r.) und Luisa Hülsbusch (Mitte)

freuten sich mit der Schulsiegerin Madeleine Roters.

der ersten Runde traten die drei Klassensieger

Ricarda Handrup (6a), Luisa

Hülsbusch (6b) und Madeleine Roters

(6c) mit vorbereiteten Texten vor das

gespannte Publikum. Trotz der großen

Kulisse von 90 Mitschülerinnen und

Mitschülern bewältigten alle Teilnehmer

die ungewohnte Situation erstaunlich

ruhig und souverän.

Auch in der zweiten Runde, als unbekannte

Textstellen aus dem Klassiker

„Vorstadtkrokodile“ von Max von der

Grün im Drei-Minuten-Rhythmus vorgetragen

werden mussten, feuerten die

einzelnen Klassen ihre Vertreter kräftig

an, waren aber während der Leseproben

mucksmäuschenstill.

Die Jury, die aus drei Oberstufenschülern

und zwei Lehrern bestand, war

sich anschließend schnell einig, dass alle

Klassensieger hier erneut ihr Können

unter Beweis gestellt hatten, wenngleich

Madeleine Roters sich doch einen

leichten Vorsprung „erlesen“ konnte.

Unter dem fairen Beifall aller Klassen

durfte die strahlende Siegerin dann

ihre Urkunde und ein Buchgeschenk in

Empfang nehmen. Deutschlehrer und

Koordinator Gerold Meischen bedankte

sich bei den Wettbewerbsteilnehmern

für ihre ausdrucksstarken Lesungen und

freute sich über die positive Bedeutung,

die das Jugendbuch bei allen Beteiligten

offenbar habe. WN

Kunst und Kultur

63


Der Oberstufenchor

präsentierte sich dem

Publikum in einer ausverkauften

Aula.

Traditionelles Weihnachtskonzert am Canisianum begeisterte

Besinnliches mit Musik und Schwarzlicht

Kunst und Kultur

„Mit dem Weihnachtskonzert am Cani

beginnt die besinnliche Zeit“. Diese

Worte einer Besucherin gaben die

Stimmung am 19.12. letzten Jahres recht

treffend wieder, denn nach hektischen

Vorbereitungen konnte man als Zuhörer

trotz einer ausverkauften Aula nun zur

Ruhe kommen. Das vielfältige Programm

erfreute dabei die großen und

kleinen Konzertbesucher und nahm sie

mit auf eine vorweihnachtliche Reise

durch verschiedene Länder und präsentierte

ihnen musikalische, gestalterische

und kulinarische Hochgenüsse.

Die beiden Moderatorinnen

Mirja-Lisa Walz und Ann-Christin Kohl

führten mit Charme und Witz durch

den Abend und begeisterten durch ihr

lockeres und informatives Auftreten.

Neben den „Cani Hot Dogs“ als

Bigband und der gekonnten szenischen

Darstellung einer 5. Klasse, wie mit

einem nadelnden Baum umzugehen sei,

wussten auch neue Ensembles zu überzeugen.

So absolvierte das im Sommer

gegründete Mittagspausen-Orchester

unter der Leitung von Frau Hantel und

Frau Feldkämper seinen zweiten öffentlichen

Auftritt auf souveräne Weise. Ein

weiteres Highlight des Abends stellte

die Darbietung der solistisch besetzten

Weihnachtskantate „Das neugeborene

Kindlein“ des Barock-Komponisten

Dietrich Buxtehude unter der Leitung

von Michael Greiner dar, zu der sich

Eltern, Lehrer und Schüler zusammengefunden

hatten, um das Publikum mit

klassischer Musik zu begeistern.

Auch das Lehrer-Schüler-Orchester

zog die Zuhörer in seinen Bann und

spiegelte die enge Zusammenarbeit

zwischen Schülern und Lehrern im

Alltag wider. Zu dem gelungenen Abend

trugen nicht zuletzt humoristische

64


Inszenierungen wie die des „Typewriter“

von L. Anderson durch die Klasse 7a

oder die Perkussion-Choreographie der

Klasse 8b unter der Leitung von Andreas

Wenking bei. Weitere musikalische

Höhepunkte stellten die Soloauftritte

von Alina Seiche und Tamara Malcher

dar. Während die eine mit einem selbstgeschriebenen

Lied und ihrer Gitarre

eine weihnachtlich-besinnliche Atmosphäre

schuf, überzeugte die andere mit

einer Version von Christina Aguilieras

„Reflections“ sowie einem Duett aus

dem Musical „Rebecca“ zusammen mit

Franziska Becker und Sebastian Spräner

am Keyboard.

Die musikalische Reise führte

vielsprachig weiter über die vokale

Darbietung des Französischkurses

unter Anleitung von Frau Schäfer und

Gesangseinlagen der fünften Klassen bis

hin zu vorweihnachtlichen Musikstücken

auf Latein und Englisch, präsentiert

vom Oberstufenchor. Abgerundet

wurde das abwechslungsreiche Bühnenprogramm

durch eine verzaubernde

Schwarzlicht-Choreographie mit dem

Titel „Winterträume“, die Frau Hermes

mit einem Sportkurs der Jahrgangsstufe

13 einstudiert hatte.

Angelockt vom Duft gebrannter

Mandeln konnten sich die zahlreichen

Besucher in der Pause auch kulinarisch

verwöhnen lassen und neben Hot Dogs

letzte Weihnachtsgeschenke in Form

von Büchern oder Plätzchen erwerben.

Insgesamt war es also ein lustiger, herzlicher

und besinnlicher Abend, der dank

der tatkräftigen Mitarbeit und dem unermüdlichen

Engagement aller Beteiligten

ein voller Erfolg war. Weihnachten

durfte also kommen. Katrin Vehof

Kunst und Kultur

65


„Wilde Shamrock Touring Theatre“ am Cani

Iren wecken Appetit auf Dublin

Kunst und Kultur

Die vier Akteure des „Wilde Shamrock

Touring Theatre“ (ehemals Irish Actors

Theatre Company) machten im Dezember

letzten Jahres ihrem Publikum in

der Aula des Canisianum auf originelle

Art Appetit auf die irische Hauptstadt

Dublin.

Die irischen Schauspieler Vincent

Moran, Maeve Curry, Elijah Egan und

Aidan Keane entführten das Publikum

in ihre Heimatstadt Dublin. Auf informative

und unterhaltsame Art erkannten

die Zuschauer im Laufe des Stücks

„Delightful Dublin“, warum es sich

immer lohnt, nach Irland und besonders

nach Dublin zu reisen – nicht so sehr

wegen seiner Geschichte, sondern vor

allem wegen seiner Menschen. Dabei

begeisterten diese vier Iren die Zuschauer

durch ihr schauspielerisches Können,

ihren Gesang, ihren Tanz und ihren

unglaublichen Humor.

Am nächsten Tag gab es ein Wiedersehen

mit den Schauspielern in

der Schule. So besuchte beispielsweise

der 25-jährige Schauspieler Aiden

Keane den Englisch-Leistungskurs

der Jahrgangsstufe 13/Q2. Die Schüler

begrüßten den in Dublin lebenden

Gitarrenspieler mit Begeisterung,

bevor sie ihm ihre Fragen stellten.

So kam es auf Englisch zu einem

ausgelassenen Gespräch zwischen

den Schülern und dem Iren, der den

gesamten Kurs mit seinen Erzählungen

über seine privaten Erfahrungen

ebenso wie mit denen aus dem Leben

eines Schauspielers zum Lachen

brachte. Der Klassenraum wurde

zu seiner eigenen Bühne, als Aiden

66


„Delightful Dublin“

lautete der Titel

des Stücks der Gruppe

„Wilde Shamrock

Touring Theatre“.

demonstrierte, was bei einem Auftritt

alles schiefgehen kann.

Nach seinem Beruf und seiner

Zukunft befragt, antwortete der

Schauspieler, er habe zwar noch keine

Pläne für die Zukunft, außer beschäftigt

zu bleiben und zu überleben,

doch würde er keinen anderen Beruf

haben wollen. „Denn es ist besser,

einen Beruf zu haben, den man liebt,

als einen, bei dem man zwar reich

wird, den man aber hasst.“

Zur Überraschung aller gab der

25-Jährige schließlich zu, dass er

ein sehr schüchterner Mensch sei,

der durch seine Rolle auf der Bühne

lerne, aus sich herauszugehen und

wie eine andere Person zu sein. „Auf

die Bühne zu gehen ist wie eine

Therapie“, sagte er. „Selbst wenn man

krank ist und hinter der Bühne fast

umfällt, sollte davon auf der Bühne

nichts zu spüren sein“. Aiden überzeugte

die Schüler durch seine lustige

und ausgelassene Art.

Nach der Aufführung am Canisianum

reisten die vier Schauspieler

nach einer achtwöchigen Europatour

und 68 Aufführungen zurück nach

Dublin. WN

Das junge Cani-Team musste in Recklinghausen

nur eine Niederlage hinnehmen.

Vize-Bezirksmeister

im Tischtennis

Bei den Bezirksmeisterschaften der

Schulen im Tischtennis landete die

Mannschaft vom Canisianum am 19.01.

dieses Jahres in Recklinghausen in der

Wettkampfklasse III auf dem zweiten

Platz. Zum Team gehörten die Schüler

Jonas Richter, Oliver Ruprecht, Niklas

Hüser, Florian Hüser, Kaspar Kelling,

Julian Vorrink und Timothy Koc.

Nach einer bitteren 1:8-Niederlage zum

Auftakt gegen die starke Mannschaft

vom Kardinal-von-Galen-Gymnasium

aus Münster zeigte das Cani-Team seine

wirklichen Fähigkeiten und meldete

sich erfolgreich zurück. Es gewann

deutlich mit 9:0 gegen Recklinghausen

und mit 7:2 gegen Bottrop. Damit wurde

die im Schnitt jüngste Mannschaft

des Wettbewerbs Vize-Bezirksmeister.

WN

Sport und Spiel

67


Cani zweimal

Kreismeister

Sport und Spiel

Die Mädchen der Volleyballmannschaft mit

ihrer Betreuerin Frau Dorprigter (oben) und

die Tischtennismannschaft der Jungen..

„Da ist unser Ding!“, jubelten die

Tischtennisspieler des Canisianum

Mitte Dezember letzten Jahres. Und

sie hatten sie allen Grund dazu, denn

nach dem fulminanten Gewinn der

Fußball-Kreismeisterschaft der Jungen

(Wettkampfklasse II) wenige Wochen

zuvor, durfte sich das Canisianum nun

auch Tischtennis-Kreismeister nennen.

In der Sporthalle der Marienschule in

Dülmen konnten sich die Cani-Schüler

Moritz Ruprecht, Levi Schmitz, Moritz

Bluhm, Jonas Richter, Maik Kimmlinghoff

und Lennart Langanke in der

Wettkampfklasse 4 der Jungen gegen

die Schüler des Coesfelder St. Pius-

Gymnasiums und des Gymnasiums

Nepomucenum (ebenfalls aus Coesfeld)

durchsetzen. „Das waren richtig

packende Spiele. Die Jungen haben

alles gegeben und den Titel mehr als

verdient“, freute sich Cani-Sportlehrer

Joshua Kleine-Bardenhorst, der die

Schüler begleitete.

Am darauffolgenden Tag machte es die

Volleyball-Mädchenmannschaft (WK

III) vom Cani den Tischtennisspielern

nach. In Olfen konnten Hanna Orthmann,

Svenja Kroll, Anika Fromme,

Mia Quante und Juliane Rös in zwei

Sätzen mit 25:17 und 26:24 gegen die

Mannschaft der Wolfhelm-Gesamtschule

Olfen gewinnen. WN

68


v.l. stehend: Mareen

Lange, Maike Raesfeld,

Anna Wiedey,

Johanna Hülsbusch,

Betreuerin Frau

Erdmann

v.l. kniend: Lisa Engels,

Kira Köppeler,

Mariel Lange

Cani-Basketballerinnen mit gemischtem Erfolg

Tänzerinnen unter dem Korb

Mit nur fünf Mädchen aus den Jahrgangsstufen

9, Q1 und Q2 reiste am

29.01.13 eine kleine Cani-Mannschaft

zu den Kreismeisterschaften der Schulen

nach Ibbenbüren. Dort erwartete unsere

Schulmannschaft eine gut aufgestellte

Auswahl des Gymnasiums in Emsdetten.

Gespielt wurde viermal zehn

Minuten und schon nach dem ersten

Viertel stellte sich heraus, dass unsere

Mannschaft unerwartet gute Chancen

hatte. Da alle Cani-Spielerinnen auch

im Verein aktiv sind, entwickelten die

Mädchen ihre eigene Aufstellung und

coachten sich sehr gut selber, so dass

die Betreuerin Birgit Erdmann kaum

einzugreifen brauchte.

Die Basketballerinnen des Cani

gingen nach einer hohen Wurftrefferquote

schnell in Führung und ließen die

Gegnerinnen aus Emsdetten nie wirklich

an sich herankommen. Auch ohne

Sport und Spiel

69


Fortsetzung von Seite 69

Auswechselspielerin konnte die Führung

gehalten werden. Eine gute Teamarbeit

und eine überdurchschnittliche Kondition

verhalfen den Mädchen zu einem

deutlichen 80:37- Sieg.

Am 14.02. folgten dann die Bezirksmeisterschaften

in Münster. Obwohl

mit zwei zusätzlichen Auswechselspielerinnen

angereist, scheiterte unsere

Mannschaft dieses Mal an einem starken

Gegner vom Remigianum in Borken.

Die Mädchen aus dem West-Münsterland

präsentierten sich als ein sehr

eingespieltes Team, da sie in dieser Formation

auch im Verein auftreten. Unsere

Basketballerinnen kämpften zwar um

jeden Ball, konnten aber die immer in

Führung liegenden Spielerinnen aus

Borken nicht ernsthaft gefährden, so

dass sich am Ende eine bittere 78:35 –

Niederlage nicht vermeiden ließ. Da

zwei weitere Mannschaften kurzfristig

abgesagt hatten, blieb es bei diesem einen

Spiel und dem Ausscheiden unserer

Basketballerinnen.

Doch manchmal mischt der Zufall

mit. Da das Remigianum wegen einer

Stufenfahrt nicht zu den Landesmeisterschaften

in Herne antreten konnte,

bekam das Cani unerwartet eine neue

Chance, die aber leider nicht genutzt

werden konnte, da drei Mädchen

krankheitsbedingt ausfielen. So muss

der Traum vom Canisianum als Basketball-Landesmeister

noch ein weiteres

Jahr auf seine Realisierung warten. Birgit

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Die zufriedenen Cani-Leichtathleten in Coesfeld.

Cani–Leichtathleten Kreismeister

Bei den Leichtathletik-Kreismeisterschaften

der Schulen Anfang Juni 2012

in Coesfeld konnte die erste Mannschaft

des Canisianum den Sieg aus dem Jahre

2011 mit klarem Vorsprung bestätigen

und sich somit für das Landesfinale im

September letzten Jahres im ostwestfälischen

Bünde qualifizieren.

Mit drei Mannschaften und einem

Tross von 40 Personen (darunter

Kampfrichter und Betreuer) reiste das

Cani zum Treffen der Schulmannschaften

der Wettkampfklasse 4 nach Coesfeld

und stellte damit schon ein Fünftel

des Teilnehmerfeldes. Zu bewältigen

war zunächst ein vielseitiger Mannschafts-Sechskampf,

bei dem immer

fünf Mädchen und fünf Jungen pro Station

die gestellten Aufgaben nach einem

Punktesystem erfolgreich absolvieren

mussten. Dazu gehörte zum Beispiel das

Bewältigen des Hochsprungs sowohl

mit dem rechten als auch mit dem

linken Bein als Absprungbein sowie das

Medizinballstoßen ebenfalls mit der

rechten und der linken Hand. Neben

dem Tennisring-Weitwurf konnten die

Schüler bei einer Sprintstaffel und einem

8-Minuten-Ausdauerlauf ihre Qualitäten

im Team beweisen.

Der Erfolg der 1. Mannschaft aus

den Jahrgangsstufen 6 und 7 wurde

ergänzt durch das gute Abschneiden

der 2. Mannschaft auf dem 6. Platz und

der 3. Mannschaft mit den allerjüngsten

Teilnehmern aus den Klassen 5 auf dem

13. Platz von insgesamt 15 Mannschaften.

Die Wettkämpfe beim Landesfinale

drei Monate später in Bünde verliefen

nicht ganz so erfolgreich und doch

konnten die Cani-Leichtathleten sehr

zufrieden sein, denn sie belegten in einem

starken Feld von 19 Mannschaften

einen guten 6. Platz. WN

Sport und Spiel

71


Siegreich bei der

Landesregatta der

Schulen: Niklas Lippeit

(l.) gewann im Jungen-

Einer für die Realschule

Lüdinghausen, die

Canisianer Jonas

Nottenkämper und

Fabian Sölker (r.) gleich

zweimal im B-Junioren-

Doppelzweier.

Ruderregatta auf dem Essener Baldeneysee

Das Cani verpasste Berlin knapp

Sport und Spiel

Am 26. und 27. Juni letzten Jahres hatte

das Ministerium für Familie, Jugend,

Kultur und Sport des Landes NRW zum

Landessportfest der Schulen nach Essen

eingeladen. Drei Schulen aus Lüdinghausen

folgten dem Ruf und nutzten die

Gelegenheit, sich der landesweiten Konkurrenz

zu stellen und dabei Leistungsvergleiche

anzustellen. Zunächst stiegen

die Cani-Schüler Jonas Nottenkämper

und Fabian Sölker ins Boot, beteiligten

sich in verschiedenen Leistungsklassen

und gewannen zweimal im Doppelzweier

der Junioren B. Leider war für diese

ausgezeichnete Leistung keine weitere

Qualifikation vorgesehen.

Am zweiten Tag traten die Schulmannschaften

im Finale gegeneinander

an. Die jeweils ersten drei eines Finallaufes

erwarben die Berechtigung,

zum Bundeswettbewerb nach Berlin zu

fahren. Der Cani-Doppelvierer mit Steuermann

– bestehend aus den Ruderern

Manuel Bub, Sven Engelkamp, Johann

Overbeck und Benedikt Rips (gesteuert

von Tom Schellenberger) – hatte sich

am Vortag erfolgreich für das Finale

qualifiziert und trat nun gegen die starke

Konkurrenz von 14 weiteren Booten aus

NRW an.

Auf der 1000 m-Strecke des attraktiven

Baldeney-Sees kämpften sie mit

Elan und Energie und nach der Hälfte

der Strecke schien ein Podiumsplatz

möglich, doch im Ziel wurde es nur ein

undankbarer 4. Platz. Dennoch wurde

die NRW-Finalteilnahme von allen

bereits als schöner Erfolg gewertet, der

einen Ansporn für weitere Wettkämpfe

darstellt. WN

72


Rosi Mittermaier

(hinten 1.v.r.) und

Christian Neureuther

(hinten 3.v.r.) trafen

die Canisianer im

Stadion.

Schüler und Lehrer bei den Staffelläufen

Canisianum „Auf Schalke“ erfolgreich

Mit einer Lehrer- und Schülermannschaft

ging das Canisianum Anfang Mai

letzten Jahres bei den Staffelläufen rund

um die berühmte Fußballarena „Auf

Schalke“ an den Start. Dabei galt es,

eine Mannschaft nach dem Motto „Fünf

Freunde sollt ihr sein!“ zusammenzustellen.

Nach fünf Kilometern wurde jeweils

im Stadion der Staffelstab weitergegeben.

Die Lehrermannschaft mit den

Teilnehmern Sigrid Dorprigter, Sonja

Eggersmann, Manfred Neuhaus, Benedikt

Polarczyk und Dr. Georg Schütz

konnte dabei ihre Zeit aus dem Jahre

2011 unterbieten. Die Schülermann-

schaft mit Inga Biesenkemper, Luisa

Eickmeyer, Julia Hansel, Katharina

Löhrke und Julia Suttrup kam mit einer

guten Zeit überglücklich ins Ziel.

Auch einige prominente Sportler

wie Rosi Mittermaier und Christian

Neureuther gingen an den Start. Im

Zielraum nutzten die Canisianer die

Gelegenheit, sich mit den mehrfachen

Olympiasiegern ausgiebig über dieses

Laufereignis zu unterhalten. Rosi

Mittermaier ist zudem Schirmherrin

der Deutschen-Kinder-Rheumastiftung.

WN

Sport und Spiel

73


22 Schüler aus St. Lô

in der Normandie und

ihre Begleiter kamen

zum Empfang in die

Burg Lüdinghausen

und ließen sich auch

durch das westfälische

Wetter nicht die Laune

verderben.

22 Jugendliche aus St. Lô in der Normandie besuchten Anfang Juni 2012

das Canisianum und das Münsterland.

Jugendliche aus Frankreich zu Besuch

Partner und Freunde

„Wenn Menschen das Gefühl haben,

miteinander in Kontakt treten zu wollen,

dann dürfen ihnen keine geografischen

oder politischen Hürden in den Weg

gelegt werden.“ Lüdinghausens stellvertretender

Bürgermeister Jo Weiand hatte

mit diesen Worten den richtigen Ton

getroffen, als er im Kapitelsaal der Burg

Lüdinghausen die jungen Franzosen im

Namen der Stadt begrüßte.

Die Schüler der Jahrgangsstufen 8

und 9 vom Collège du Bon Sauveur in

St. Lô hielten sich eine Woche lang in

Lüdinghausen auf, um die Steverstadt

und ihre Umgebung kennenzulernen.

Besuche von jungen Menschen aus

St. Lô haben Tradition. Vor genau zwei

Jahrzehnten riefen Lehrer des Canisianum

in Lüdinghausen und des Collège

aus St. Lô einen Schüleraustausch ins

Leben, der bis heute Bestand hat. Seit

1992 sind in fast jedem Jahr, meistens

für eine Woche, junge Deutsche in die

Normandie und junge Franzosen in das

südwestliche Münsterland gefahren.

Vielen deutschen Jugendlichen sei

erst bei der Besichtigung der Strände

in der Normandie, an denen 1944 die

alliierten Truppen landeten, und der

dortigen Soldatenfriedhöfe die Bedeutung

der Völkerverständigung bewusst

geworden, sagte Manfred Neuhaus.

Andererseits hätten sich aus so manchen

deutsch-französischen Schülerbekanntschaften

Freundschaften fürs Leben

entwickelt.

Manfred Neuhaus muss es wissen.

Der inzwischen pensionierte Franzö-

74


Michael Dahmen

dankte Sylvie Beluau

für ihren Anteil am

erfolgreichen Schüleraustausch.

sischlehrer rief 1992 am Canisianum

den Schüleraustausch ins Leben –

gemeinsam mit seiner französischen

Kollegin Sylvie Beluau in St. Lô. Seit

zwei Jahrzehnten betreut diese nun

die französischen Schülergruppen in

Lüdinghausen und bei ihren Tagesbesuchen

in Münster, Köln oder Aachen.

Michael Dahmen, der Schulleiter des

Canisianum, überreichte der Französin

daher im Kapitelsaal als Dankeschön für

die Treue zur Schule und zu Lüdinghausen

einen westfälischen Präsentkorb. WN

Partner und Freunde

75


Cani-Schüler für eine Woche in Taverny und Paris

„Harlem-Shake“ auf dem Montmartre

Partner und Freunde

30 Schülerinnen und Schüler aus den

Jahrgangsstufen 10 und 11 des Gymnasium

Canisianum nahmen Ende März

2013 zusammen mit ihren begleitenden

Lehrern Julia Selke und Gerold Meischen

an einem erlebnisreichen Austausch

mit Taverny, der Partnerstadt von

Lüdinghausen, teil.

Nach einer siebenstündigen

Busfahrt und einem ersten Menu am

Sonntagabend in den Gastfamilien traf

sich die Gruppe am Montagmorgen am

Bahnhof von Taverny, um nach Paris

zu fahren. Als die Schüler dann wenig

später das erste Mal den 324 m hohen

Eiffelturm erblickten, waren alle sprachlos,

denn er war deutlich größer und

prachtvoller, als es viele gedacht hatten.

Ganze 669 Stufen mussten aber bewältigt

werden, um von der 2. Plattform des

Eiffelturms einen faszinierenden Blick

über Paris genießen zu können.

Während einer anschließenden

Rundfahrt über die Seine konnten

die wichtigsten und interessantesten

Sehenswürdigkeiten der Weltstadt bestaunt

werden. Nach dieser für die Füße

dankbaren Pause ging es zur berühm-

76


ten Champs-Elysées, der Prachtstraße,

die vom Place de la Concorde bis zum

Place Charles de Gaulle mit dem Arc de

Triomphe verläuft. Dabei wurden etliche

Haute Couture-Niederlassungen passiert,

so dass man einen Eindruck davon

bekam, wie wichtig die Mode für Paris

ist. Nach einem einstündigen Bummel

über den Champs-Elysées brachten

moderne Vorortzüge die Schüler zurück

nach Taverny, wo die meisten bei ihren

Gastfamilien müde ins Bett fielen.

Am nächsten Morgen ging es gemeinsam

mit den Gastgebern ins Lycée

Jacques Prévert, ein Oberstufen-Gymnasium

in Taverny, um einen Einblick

in das Schulsystem von Frankreich zu

bekommen. Es wurden zwei Unterrichtsstunden

besucht und anschließend

waren sich alle einig, dass die Schulen in

Deutschland und Frankreich doch sehr

verschieden sind, was die Länge und

Art des Unterrichts betrifft. Nach dem

Mittagessen in der Schulkantine stand

der Besuch der ehemaligen Künstlerkolonie

im nahen Auvers-sur-Oise auf dem

Programm. Hier besichtigte man das

Château d‘Auvers, ein Museum, in dem

Werke bedeutsamer Impressionisten per

Multi-Media-Show bewundert werden

konnten.

Der nächste Tag führte alle wieder

nach Paris, um sowohl den Place de

la Concorde als auch den Vorhof des

Louvre zu besichtigen. Diesen erreichten

die Schüler nach einem Spaziergang

durch den Jardin des Tuileries. Die 22 m

hohe Pyramide vor dem Louvre und der

Palast der alten französischen Herrscher

präsentierten sich als unglaublich beeindruckend.

Häufiger passierte es auch,

dass Touristen aus asiatischen Ländern

Fotos mit den Canisianern machen wollten,

weil sie Haarfarben hatten, die in

China, Korea oder Thailand nicht üblich

sind. Nach einem kurzen Spaziergang

entlang der Seine erreichte man Notre

Dame, die alte Kathedrale aus dem Jahre

1345. Auch diese Sehenswürdigkeit

verschlug einigen die Sprache, weil sie

sowohl innen als außen sehr prächtig

erschien.

Den Donnerstag erlebten die deutschen

und französischen Austauschpartner

gemeinsam. Nach einer interessanten

Führung durch das jüdische Viertel

Marais gingen alle zu Fuß zum Centre

Pompidou, wo man mit einer Rolltreppe

auf das Dach fahren konnte, um von

dort eine gigantische Aussicht über

Paris zu haben. Danach freuten sich alle

auf eine kleine Shoppingtour durch das

Einkaufszentrum „Les Halles“, bis der

Zug die Gruppe zurück nach Taverny

brachte.

Schon stand der letzte Tag des Aufenthaltes

vor der Tür, der die Gruppe

zunächst in das Musée d‘Orsay führte,

einen alten Bahnhof, in dem Kunst aus

der Zeit von 1848 bis 1914 ausgestellt

wird. Berühmter Künstler, deren Bilder

sich hier im Original zeigten, waren z.B.

Monet, Manet, Cezanne, Gauguin oder

Picasso. In diesem Museum ließ sich

auch beobachten, dass Kunststudenten

die Kunstwerke früherer Maler als Inspi-

Partner und Freunde

77


Die Cani-Truppe mit 27

Mädchen, drei Jungen und

zwei Begleitern vor der

Basilika Sacre Coeur auf dem

Pariser Montmatre.

Partner und Freunde

Fortsetzung von Seite 77

ration für ihre eigenen Arbeiten nutzten.

Schließlich durfte das Quartier

Montmartre mit seinen wunderschönen

kleinen Straßen nicht vergessen werden

– Straßen, in denen der Besucher

schöne Souvenirs findet und typisch

französische Croissants oder Leckereien

aus einer Patisserie genießen kann. Zum

Glück schenkte Paris den Besuchern aus

Westfalen wenigstens am letzten Tag

noch ein wenig Wärme und Sonne. Am

Place du Tertre malten Künstler faszinierende

Kunstwerke in schöner Umgebung

und fertigten Touristenportraits in

kürzester Zeit. Die Tour durch Montmartre

und somit auch die Reise nach

Paris endete am Sacre Cœur, einer großen

Basilika. Der krönende Abschluss

des Tages war jedoch ein Harlem-Shake

auf den Treppen vor der Sacre Cœur.

Hier sprach ein französischer Tourist die

Schüler an, um sie zu diesem gemeinsamen

Tanz zu animieren. Der Spaß,

dem natürlich alle zustimmten, wurde

gefilmt und ist nun auch auf YouTube zu

finden. So bleibt er allen in angenehmer

Erinnerung.

Abends trafen sich die deutschen

Austauschschüler mit ihren Gastfamilien

im Lycée, um bei einem gemütlichen

Beisammensein den letzten Abend

ausklingen zu lassen. Am nächsten Tag

fuhren die Canisianer dann mit einem

weinenden und lachenden Auge nach

Hause, denn die Zeit in Taverny und

Paris war schön. Nun freuen sich alle

schon darauf, den französischen Schülern

Lüdinghausen und das Münsterland

zeigen zu können. Inga Blesenkemper, Johanna

Döller und Johanna Herale

78


Kazuyuki Segawa (2.v.l.)

und Alexey Bobilow

(3.v.l.) besuchten mit

ihren Gastfamilien

Bürgermeister Richard

Borgmann. Mit dabei

waren Schulleiter Michael

Dahmen (l.) und

Oberstufenkoordinator

Dr. Uwe Carstens (r.).

Cani-Gastschüler aus Japan und Russland im Rathaus

Sprachhürden überwinden

Kazayuki Segawa hatte es nicht leicht:

Seine Heimat und seine Familie waren

einige tausend Kilometer weit weg, das

Essen schmeckte anders als gewohnt

und die Verständigung war nicht immer

einfach. Mit Japanisch hatte er hier nur

wenig Erfolg und sein Englisch war

noch ausbaufähig. „Aber“, so betonte

seine Gastmutter Christel Behmenburg,

„mit dem Deutschen klappt es von Tag

zu Tag besser.“ Der 17-Jährige verbrachte

2012 ein Jahr in der Steverstadt und

war Gast der Familie Behmenburg am

Hüwel. Dass er sich dort bald gut eingelebt

hat, lag nicht zuletzt am Fußballtraining

der A-Jugend von Fortuna Seppenrade,

an dem er teilnehmen konnte .

Zum Zeitpunkt des Fotos im

April letzten Jahres befand sich Alexey

Bobilow noch in der Aufwärmphase.

Seine Anreise aus Russland mit Zug und

Bus dauerte fast drei Tage. Der 15-jährige

Jugendliche aus der Wolgastadt

Saratow lebte bei Familie Holtel in

Lüdinghausen. Seine Deutschkenntnisse

waren nach acht Jahren Unterricht in

der Heimat schon ziemlich gut. „Er ist

eine Bereicherung für die ganze Familie“,

sagte Gastmutter Martina Holtel.

Beide Gastfamilien bemühten sich, den

Jugendlichen den deutschen Alltag mit

seinen kulturellen Besonderheiten zu

vermitteln.

Die Gäste besuchten während ihrer

Zeit in Lüdinghausen das Canisianum,

das über eine Jahrzehnte umfassende

Erfahrung in Sachen Schüleraustausch

verfügt. Betreut wurden sie dabei von

Dr. Uwe Carstens.

Gemeinsam mit ihren Gasteltern

und den Vertretern der Schule besuchten

Alexey und Kazuyuki Bürgermeister

Richard Borgmann, der die beiden im

Namen der Stadt willkommen hieß.

Schulleiter Michael Dahmen betonte bei

dieser Gelegenheit, dass ein Auslandsaufenthalt

Jugendliche selbständiger und

selbstbewusster mache und auch für

viele Cani-Schüler immer wieder einen

Anreiz darstelle. WN

Partner und Freunde

79


Sichtlich wohl fühlen sich die jungen Franzosen

aus Taverny am Cani.

Franzosen aus Taverny zu Gast

Die Trikolore in der Pausenhalle

Reisen und Lernen

30 junge Franzosen aus Taverny besuchten

im April 2013 im Rahmen eines

Schüleraustauschs das Canisianum. Dort

erlebten sie auch das erste Mal den Unterricht

an einer deutschen Schule. Doch

das, so betonten Julia Selke-Mundry,

Französischlehrerin am Cani, und ihre

Kollegin Anne Delacroix-Enders aus

Taverny sei nur ein Programmpunkt der

Unternehmungen in dieser Woche.

So zeigte der ehemalige Cani-Lehrer

Manfred Neuhaus den Jugendlichen des

Lycée Jacques Prévert im Verlauf eines

Rundgangs die Stadt Lüdinghausen.

Aber auch Besuche in Münster, Essen

und Aachen waren Teil des Programms,

bevor es dann am Ende der Woche mit

dem Bus zurück nach Frankreich ging.

Untergebracht waren die jungen

Franzosen in Gastfamilien. Julia Selke-

Mundry und Anne Delacroix-Enders

sind überzeugt davon, dass der Austausch

von den Kontakten der Jugendlichen

untereinander lebt. Zudem sei er

eine „hohe Motivation“ für die Schüler,

sich mit der Sprache der jeweils anderen

Nation vor Ort auseinanderzusetzen.

Die Jugendlichen können dabei in die

Kultur der Gastgeber eintauchen und

„Land und Leute“ kennenlernen.

Seit dem Beginn des Austausches

im Jahre 2010 haben schon zahlreiche

Jugendliche beider Länder auf diese

Weise interessante Erfahrungen sammeln

können. WN

80


Schüler erlebten das Skifahren als

Gemeinschaftssport

Und abends einen

Bärenhunger

In der Nacht vom 1. auf den 2. Februar

2013 machten sich 40 Schülerinnen und

Schüler der Jahrgangsstufe 7 erwartungsfroh

auf den Weg ins österreichische

Zillertal. Frau Dorprigter, Herr

Gerdzen, Frau Klaholz und vier Studentinnen

bzw. Studenten waren als Begleiter

und Skilehrer dabei. Die nächtliche

Busfahrt dauerte zwölf Stunden und

verging schneller als gedacht, denn die

meisten schliefen.

Gegen 8 Uhr erreichte der Bus

schließlich das Zillertal. Weniger später

betraten alle ihre Zimmer im Haus

Schragl und nutzten die Gelegenheit,

sich noch ein wenig auszuruhen, denn

die Nacht im Bus war doch nicht so

erholsam gewesen wie erhofft. Später

wurden dann die Teilnehmer zusammengerufen,

die keine eigene Ausrüstung

dabei hatten. Sie konnten ins

Tal fahren, um sich das Nötige für die

Woche zu leihen. Da wir als Selbstversorger

unterwegs waren, übernahm der

Küchendienst die letzte Aufgabe des

Tages, indem die eingeteilte Fünfer-

Gruppe das Abendessen zubereitete.

Anschließend war es auch schon fast

Zeit, ins Bett zu gehen.

Reisen und Lernen

81


Reisen und Lernen

Fortsetzung von Seite 81

Am nächsten Morgen begann der

Tag fast so früh wie zu Schulzeiten, denn

um 7 Uhr stand bereits das Frühstück

auf dem Tisch, ehe uns um 8 Uhr der

Bus zum Skifahren abholte. Die Anfänger

bekamen am ersten Tag Kurzskier

untergeschnallt, um möglichst früh

Erfolgserlebnisse zu spüren. Die fortgeschrittenen

Skifahrer bildeten natürlich

eine eigene Gruppe. Alle Teilnehmer

stürzten sich dann unter Anleitung eines

Skilehrers ins Getümmel, bevor es ab 11

Uhr auf der Zentralstation Mittagessen

gab. Jeder hatte zuvor seine Tickets für

das tägliche Mittagsmenü bekommen.

Gestärkt ging es wieder hinaus in den

Schnee, der häufig aus Neuschnee

bestand. Während die meisten bis 15.45

Uhr draußen blieben, hatte der Küchendienst

unter Anleitung der Studenten

Lisa Gehring und Tobi Grimmert schon

die abendliche Essensvorbereitung

übernommen. Als dann die Skifahrer

langsam nach Hause kamen, wurde auch

schon gegessen. Am Abend bildeten sich

Gruppen, die Spiele spielten. So konzentrierte

sich eine Gruppe auf die „Werwölfe

vom Düsterwald“ und eine andere

auf „Doppelkopf “.

Am dritten Tag brach sich einer von

uns leider das Schlüsselbein, so dass er

für den Rest der Woche ausfiel. Weil die

Lehrer ihn aber gut versorgen konnten,

war die Verletzung nicht mehr ganz so

schlimm. Am nächsten Tag durften sich

alle Schüler selber in Gruppen einteilen,

so dass dann zum Beispiel die Freundin

aus der Anfängergruppe mit ihrer

besten Freundin aus der Fortgeschrittenengruppe

zusammen fahren konnte.

Abends wurde dann „Wetten, dass … ?“

gespielt. Jedes Zimmer hatte sich zuvor

eine Wette ausgedacht – so auch die

Lehrer. Sie hatten sich vorgestellt, dass

alle sieben Betreuer einen Rutsch-

Staffellauf gegen sieben Schüler gewinnen.

Dabei sollten die Wettkämpfer

auf einem Müllsack eine spezielle Piste

hinunterrutschen, wieder hochlaufen,

den Müllsack an den Nächsten übergeben

etc. Leider verloren aber die Lehrer

ihre eigene Wette gegen die Schüler,

denn sie waren einfach zu langsam.

Neben der Rutsch-Wette der Lehrer gab

es noch eine Schneeengel-Wette, eine

Bonbon-Wette, eine Spül-Wette und

eine Armdrück-Wette.

Am letzten Tag stand eine Skirallye

auf dem Programm. Die Skilehrer (unterstützt

von den Studenten Sebastian

Maiworm und Anna Scharfenberger)

stellten gleichwertige Gruppen zusammen

und dann ging es auch schon los.

Zu den Aufgaben, die bewältigt werden

mussten, gehörte zum Beispiel das Anfertigen

eines Gruppenfotos mit einem

Skilehrer der heimischen Ski-Schule

oder das Dichten eines Liedes, in dem

unsere Hüttenwirtin Traudl und das

Zillertal vorkamen. Am Abend wur-

82


Begeistert von der Gastfreundschaft

in Polen

Paintball und

Fußball-EM

kiPiX / pixelio.de

de dann alles auswertet. Bei dieser

Gelegenheit sollten natürlich auch

die Ski-Anfänger getauft werden. Sie

hatten eine kleine Skifahr-Aufgabe

zu erledigen, bekamen verdünnten

Zitronensaft als Taufwasser eingeflößt

und wurden dann von den Berggeistern

mit Wasser bespritzt. Einer der

Berggeister machte einen besonders

komischen Eindruck. Kennt ihn vielleicht

jemand? Er trug eine blonde

Lockenperücke, kommt aus Essen

und soll im Alltag Kunst und Deutsch

an einem Gymnasium im Münsterland

unterrichten.

Am letzten Morgen standen alle

noch früher als gewöhnlich auf, denn

der Bus holte uns bereits um 7 Uhr

ab. So ging es wieder nach Hause und

wir waren uns einig, dass niemand

diese Erlebniswoche so schnell wieder

vergessen würde. Paula Nabbefeld

Bis auf das Jahr 1986 gehen die Verbindungen

zwischen dem Canisianum und

dem Carolinum im polnischen Neisse

zurück. Seit dieser Zeit gibt es Besuche

in beide Richtungen und mittlerweile

könnte das Motto des Austausches auch

lauten: „Zu Gast bei Freunden“.

Im Juni 2012 war es dann wieder so

weit: 18 Cani-Schüler der Jahrgangsstufe

10 machten sich in Begleitung der Lehrer

Sonja Eggersmann und Dr. Georg

Schütz in Richtung Neisse auf.

Gleich am ersten Tag durfte die Lüdinghauser

Gruppe etwas für deutsche

Schüler Ungewöhnliches erleben, und

zwar den an Polens Schulen durchaus

üblichen Wehrkunde-Unterricht mit

Schießübungen. Das weitere Programm

war auch dieses Mal wieder sehr

vielseitig: So wurde das schon von der

bevorstehenden Fußball-Europameisterschaft

geprägte Breslau mit seinen

vielen Brücken und Kirchen besucht

und natürlich Krakau, die wunderschöne

frühere Hauptstadt Polens, mit dem

einmaligen Marktplatz. Ferner stand ein

gemeinsamer Besuch der Gedenkstätte

Auschwitz-Birkenau mit Übernachtung

im Dialogzentrum auf dem Programm.

In Deutschland für Jugendliche

undenkbar, in Polen aber durchaus

üblich, wurde außerdem eine Paintball-

Anlage besucht. Hierbei wird mit Farbe

gefüllten Plastikbällen auf gepolsterte

Reisen und Lernen

83


Begeistert von Polen und natürlich von Krakau waren

die Schülerinnen und Schüler des Canisianum.

Reisen und Lernen

Fortsetzung von Seite 83

Mitschüler geschossen. Die dabei platzenden

tischtennisgroßen Bälle bescheren

dem Getroffenen dann eine gewisse

Farbigkeit. Ein Tag wurde natürlich auch

in Neisse selbst verbracht: Zunächst

besuchten die Canisianer den Unterricht

am Carolinum, danach wurden sie von

der Bürgermeisterin, Frau Jolanta Barska,

empfangen, bevor anschließend die

Stadt erkundet werden konnte.

Neben diesen Programmpunkten

stand die Begegnung der Austauschschüler

und -lehrer mit den Familien

im Vordergrund. Überrascht waren

die deutschen Schüler dabei von den

Lebensumständen in Polen. Mittlerweile

hat sich vieles den uns bekannten Standards

angeglichen.

Vor der Abfahrt konnten die Lüdinghauser

sich noch das Eröffnungsspiel

der Fußball-EM gemeinsam mit

den polnischen Gastgebern anschauen.

Schon am Straßenbild war zu

erkennen, dass das Fußballfieber

langsam, aber unaufhörlich stieg,

auch wenn die Polen nicht ganz so

fußballbegeistert zu sein scheinen

wie die Deutschen. Am Ende waren

alle Cani-Schüler von Polen überrascht

und insgesamt von der Fahrt

begeistert.

Ein Grund, warum der Austausch

zunächst in Richtung Polen

ging, liegt in der überwältigenden

Gastfreundschaft der Polen. Hierbei

konnten deutsche Schüler und

Lehrer einiges lernen und freuen

sich nun darauf, das Gelernte im

Frühjahr 2013 umzusetzen, wenn die

polnischen Schüler Lüdinghausen

besuchen. WN

84


Oberstufenkurs auf Exkursion in Dänemark

Kopenhagen – Metropole im Wandel

Städte verändern sich – nicht nur in

Deutschland und Europa, sondern

auch weltweit. Diese immer schneller

ablaufenden Entwicklungen zu dokumentieren

und zu vergleichen hatte

sich ein Projektkurs der Oberstufe des

Canisianum unter der Leitung von Dr.

Uwe Carstens zum Ziel gesetzt.

Nach Untersuchungen von deutschen

Städten ging es im April 2012

in die Hauptstadt unseres nördlichen

Nachbarlandes. Hier hatte sich der Kurs

mit Frederiksberg einen Stadtteil im

Westen Kopenhagens ausgesucht, der

durch die Rückwanderung der Wohnbevölkerung

aus den Außenbezirken

bekannt geworden ist. Dabei erhält

dieses durch große Häuserblöcke des 19.

Jahrhunderts gekennzeichnete Viertel

seine Attraktivität unter anderem durch

die Citynähe. Nach einer kompetenten

Einführung in das heutige Frederiksberg,

die durch den Schulleiter eines

örtlichen Gymnasiums vermittelt wurde,

dessen Tochter ein Jahr als Austauschschülerin

das Canisianum besucht hatte,

dokumentierten die Schülerinnen den

festgestellten Wandel selbst anhand ausgewählter

Wohnquartiere. Neben dem

Anfertigen von Fotos und Zeichnungen

wurden die Bewohner auch zu ihrer

Einstellung in Bezug auf den Wohnbezirk

befragt.

Abgerundet wurde der Aufenthalt

in Kopenhagen natürlich durch die

Erkundung der bekannten touristischen

Anziehungspunkte vom Tivoli bis hin

zur Kleinen Meerjungfrau, von den

Einkaufsgassen im Bezirk Ströget bis zu

dem populären Hafengebiet Nyhavn. WN

Reisen und Lernen

85


Schwedisch-Kurs besuchte Partnerschule in Norrköping

Weihnachtsessen im Schneetreiben

Reisen und Lernen

Bereits zum sechsten Mal machte

sich ein Schwedisch-Kurs des Canisianum

unter der Leitung von Dr. Uwe

Carstens im Dezember letzten Jahres

nach Norrköping in die schwedische

Landschaft Östergötland auf, um das

vorweihnachtliche Leben in Schule

und Familie im hohen Norden kennenzulernen.

Gastgeber für die neun Schülerinnen

aus Lüdinghausen und Ascheberg war

das Haga-Gymnasium, deren Deutschlehrerinnen

Karin Byfalk, Elin Johansson

und Anna Nilsson den Austausch so

vorbereitet hatten, dass die Jugendlichen

aus Schweden und Deutschland bei

gemeinsamen Unternehmungen in der

schwedischen Vorweihnachtszeit viel

Kontakt miteinander hatten.

Neben der Schule mit Kennenlernspielen

in Deutsch und Schwedisch, Präsentationen

der jeweiligen Heimatstädte

und Tanzvorführungen in der Aula war

ein Höhepunkt der Reise sicher der 13.

Dezember, der Tag der Lichterkönigin

Lucia, die mit ihrem Gefolge überall

in Schulen, Betrieben und Familien

als Mädchen in weißem Gewand und

mit einem Kerzenkranz auf dem Haupt

erscheint. Auch im Haga-Gymnasium

waren die traditionellen Lieder in einer

abgedunkelten Schule zu hören. Anschließend

gab es für alle Schülerinnen

und Schüler das Saffrangebäck Lussekatter

und eine Limonade.

Natürlich wurde auch die schwedische

Hauptstadt Stockholm besucht,

deren gelbe und rote Altstadthäuser im

Schneeglanz der Wintersonne strahlten.

Manches Weihnachtsgeschenk für

zu Hause wurde dort auf dem Weihnachtsmarkt

oder in den Geschäften der

Drottninggata eingekauft.

86


Der Schwedisch-Kurs

des Cani besuchte das

Haga-Gymnasium in

Norrköping.

Am folgenden Tag waren alle bei

der Deutschlehrerin Karin Byfalk auf

ihrem tief im Wald gelegenen Hof eingeladen,

um bei dichtem Schneetreiben

am warmen Kamin drinnen ein schwedisches

Weihnachtsessen vorzubereiten.

Der Tanz um den Weihnachtsbaum leitete

dann den Besuch des Weihnachtsmanns

ein, der nach einer langen Fahrt

mit seinen Rentieren viele Geschenke

verteilen konnte.

Nach einem Sonntag in den Familien

wurde die Gruppe am Montag im

Rathaus von der Bürgermeisterin Jirina

Klevsigh empfangen, die in ihrer Begrüßung

auf die Bedeutung internationaler

Partnerschaften hinwies, zu denen ja

auch der seit 2002 bestehende Kontakt

des Canisianum mit dem Haga-Gymnasium

gehört.

Wie immer ging die Zeit viel zu

schnell vorbei. Beim Abschied wünschte

man sich „God Jul och Gott Nytt Ar“

und alle freuten sich auf die nächste

Begegnung, die dann im April dieses

Jahres in Lüdinghausen stattfand.

Bei dem Programm, das die Canisianer

den schwedischen Schülern boten, stand

neben dem Schulbesuch, bei dem die

Gäste auch ihre Stadt, ihr Land und das

schwedische Schulsystem präsentierten,

das Kennenlernen der deutschen Kultur

und Lebensart im Vordergrund. Ausflüge

nach Köln und Münster wurden

durch eine Stadterkundung Lüdinghausens

abgerundet. Das typische kalte und

nasse Aprilwetter, das die Gäste übrigens

als recht warm und angenehm empfanden,

verhinderte eine Grillparty, die

durch ein – nicht ganz so typisch deutsches

– Pizzaessen ersetzt wurde. Beim

Abschied hieß es dann auf allen Seiten

„vi ses“ (Auf bald!). Dr. Uwe Carstens

Reisen und Lernen

87


Sprachenwoche für die

Jahrgangsstufe 8

Pilotprojekt hat

sich bewährt

8er-Jahrgang im Rahmen der

Sprachwoche 4 Tage in südenglischen

Gastfamilien

Die Englandfahrt

nach Canterbury –

ein voller Erfolg

Reisen und Lernen

In letzten Schuljahr wurde zum

ersten Mal ein neuer Baustein des

Schulprogramms umgesetzt, wobei

allen Schülerinnen und Schülern

der Jahrgangsstufe 8 für eine Woche

das Eintauchen in eine fremde

Kultur und eine fremde Sprache

ermöglicht wurde. Zahlreiche

Englisch-Schüler nutzten die

Gelegenheit, nach Südengland zu

fahren, eine Gruppe Französisch-

Schüler besuchte die Normandie

im Nordwesten Frankreichs und

eine weitere Gruppe mit Latein-

Schülern folgte den römischen

Spuren in der Stadt Trier.

Was sie dort im Einzelnen unternommen

und erlebt haben, kann

man in den folgenden Berichten

erfahren.

Unvergessliche Eindrücke in Süd-England

konnten 67 Schüler der Jahrgangsstufe

8 im Rahmen der Sprachenwoche

kurz vor den Osterferien 2012 sammeln.

Sie waren für vier Tage in Gastfamilien

in Canterbury untergebracht und erhielten

so einen direkten Einblick in die

britische Lebensart. Begleitet wurden

sie dabei von den Cani-Lehrern Ulrike

Ungru, Claudia Vörding und Dr. Georg

Schütz sowie den beiden Referendaren

Anne Kübler und Jan Hilleke.

Im Gegensatz zu den gängigen

Vorurteilen über das englische Wetter

konnte die Reisegruppe während der gesamten

Fahrt strahlenden Sonnenschein

genießen. Aber nicht nur das Wetter,

sondern auch das abwechslungsreiche

Programm trug zur allgemein guten

Stimmung unter den Canisianern bei.

Nachdem die Gruppe mit dem Zug

und der Fähre endlich die Insel erreicht

88


Die Cani-Gruppe genoss die Atmosphäre an der südenglischen Küste.

hatte, staunten alle über die bereits sehr

frühlingshafte Landschaft mit grünen

Wiesen und unzähligen Osterlämmern.

Neben einer Führung durch die mittelalterlich

anmutende Innenstadt von

Canterbury stand natürlich die Besichtigung

der eindrucksvollen „Canterbury

Cathedral“, dem Sitz der anglikanischen

Kirche, auf dem Programm. In Herne

Bay, einem typisch englischen Badeort,

konnte man bereits die Füße ins – allerdings

doch noch recht kühle – Wasser

halten. In Hastings besuchte die Schülergruppe

Schmugglerhöhlen, die den

Schülern die abenteuerliche Vergangenheit

der Küstenorte nahebrachte.

Besonders der Tagesausflug nach

London wird allen bestimmt in guter

Erinnerung bleiben – nicht nur dank

des atemberaubenden Panoramablicks

aus dem London Eye hinab auf viele

berühmten Sehenswürdigkeiten wie den

„Houses of Parliament“ mit „Big Ben“

oder „St. Paul’s Cathedral“. Natürlich

durfte auch ein Besuch des „Buckingham

Palace“ und der „Horse Guards“

nicht fehlen. Ein Erlebnis für die Jugendlichen

war sicherlich auch die Fahrt

mit der „Tube“, der Londoner U-Bahn,

zur Oxford Street, wo nach Herzenslust

geshoppt werden konnte.

Voller neuer Eindrücke kehrten die

Schüler nach Hause zurück und konnten

sicherlich nicht nur ihre Fremdsprachenkenntnisse

erweitern, sondern

auch viel über Land und Leute erfahren.

Ferner waren sich die begleitenden

Englischlehrer einig, dass es interessant

war zu beobachten, wie die Schüler ihre

Kenntnisse und Fähigkeiten aus dem

Englischunterricht in realen Lebenssituationen

anzuwenden bereit waren.

Claudia Vörding, Ulrike Ungru

Reisen und Lernen

89


20 Jahre Austausch mit St. Lô

Zwischen St. Malo

und Arromanches

Reisen und Lernen

Die letztjährige Fahrt nach St Lô in

der Normandie Ende April und auch

der Gegenbesuch der Franzosen im

Juni 2012 standen unter einem besonderen

Vorzeichen, denn seit zwanzig

Jahren führt die Fachschaft Französisch

diesen Austausch erfolgreich

durch.

Das Wochenende nach der Ankunft

ist für die Schüler immer eine große

Herausforderung, denn dieser Start

gleicht dem sprichwörtlichen Sprung ins

kalte Wasser. Ohne jede Hilfestellung

gilt es, in eine fremde Umgebung, eine

fremde Kultur und eine fremde Sprache

einzutauchen, ohne dabei unterzugehen.

Aber auch diesmal bewältigten alle die

Feuertaufe mit Bravour.

Die erste Exkursion am Montag der

beginnenden Woche führte die Canisianer

zunächst in die Seefahrer- und

Seeräuberstadt St. Malo, deren mächtige

Stadtmauern bis heute erhalten sind und

den Kräften des Meeres trotzen, wovon

man sich bei einem Rundgang überzeugen

kann.

Anschließend ging’s zum Mont St.

Michel, dem legendären magischen

Glaubensberg des Abendlandes. Dieser

kreisrunde Granitkegel, auf dem ab

966 ein Benediktinerkloster errichtet

wurde, droht durch Versandung seinen

einzigartigen Inselcharakter zu verlieren.

Deshalb versucht der französische

Staat seit Kurzem, durch umfangreiche

Maßnahmen gegenzusteuern.

Der zweite Exkursionstag stand

ganz im Zeichen regionaler Besonderheiten.

Eine Besichtigung der Glockengießerei

in Villedieu-les-poêles

mit anschließendem Gang durch die

Stadt sowie die Besichtigung einer

Cidre-Farm (natürlich auch mit einem

Schlückchen Calvados) vermittelten

einen Einblick in die Produktion landestypischer

Produkte. Die Cidre-Farm

ist ein traditioneller Familienbetrieb,

90


idyllisch gelegen, mit einem liebevoll

von der Familie eingerichteten Museum

mit vielerlei Zeugnissen der Handwerkskunst

des Apfelschnaps-Brennens. Der

Kontakt ist inzwischen eng und freundschaftlich

und ein Sohn der Familie hat

bereits an unserem Austauschprogramm

teilgenommen. Das strahlende Wetter

bot diesmal besonders die Gelegenheit,

sich anschließend an den Stränden der

Hafenstadt Grandville, dem „St. Tropez

des Nordens“, aufzuhalten und die Seele

baumeln zu lassen.

Der Mittwoch ist traditionell

„Schultag“. Die deutschen Gäste begleiten

ihre französischen Partner in

den Unterricht und erleben diesen auf

unterschiedlichste Weise.

Die Fahrt in die Normandie ermöglicht

es den deutschen Schülerinnen und

Schülern seit nunmehr zwanzig Jahren

auch, einen historischen Schwerpunkt

zu setzen und also einen kleinen Beitrag

für die Bildung eines Bewusstseins

zu leisten, das auf Verständigung der

Völker baut. Somit führte uns die letzte

Exkursion wieder nach Arromanches

an die Landungsstrände der Alliierten.

Dieser authentische Ort, von dem aus

am 6. Juni 1944 die Befreiung Europas

begann, wirkt auf seine Weise, denn

nicht nur das interessante Museum (mit

deutscher Führung) ermöglicht einen

Eindruck von diesem Wahnsinnsunternehmen,

sondern auch die Überreste

des künstlichen Hafens, eine Idee Winston

Churchills. Hinzu kommt ein 360°-

Kino, welches historisches Filmmaterial

mit Bildern unserer Zeit, die Hoffnung

machen, kontrastiert bzw. verbindet.

Einige Schüler äußerten sich nach

ihrer Rückkehr stellvertretend für andere:

„Mit dem Ausflug nach Arromanches

konnte ich das, was damals geschah, viel

besser nachvollziehen und begreifen.

Wenn man an dem Platz steht, wo so

Reisen und Lernen

91


Der Mont St. Michel (o.) und der besuchte

Soldatenfriedhof.

Reisen und Lernen

Fortsetzung von Seite 91

etwas Wichtiges geschah, ist das noch

viel intensiver, als die Geschichte der

Alliierten im Geschichtsbuch nachzulesen.“

„Ich fand es sehr beeindruckend zu

erfahren, wie die Engländer den Hafen

geplant und gebaut haben – und das

alles ohne Computer.“

„Besonders durch die Vorstellung

im 360°-Kino konnte ich mich viel besser

in die Personen hineinversetzen und

ich habe mich als Deutscher an diesem

Tag in gewisser Weise auch ein bisschen

schuldig gefühlt ...“

Der Rückweg nach St. Lô führte die

deutsche Gruppe auch diesmal zu dem

Soldatenfriedhof, der vor den Toren der

Stadt Bayeux liegt. Die Schülerinnen

und Schülern hatten zwanzig Minuten

Zeit für einen Gang vorbei an einigen

der über 4000 weißen Kreuze, aber sie

nahmen sich mehr Zeit. Eine Schülerin

meinte anschließend: „Es hat mich sehr

traurig gemacht zu erfahren, wie viele

Menschen dort umgekommen sind und

sich für die Befreiung von den Nazis in

ganz Europa geopfert haben.“

Am nächsten Tag endete dann eine

erlebnis- und erfahrungsreiche Austauschfahrt

– dieses Mal zum zwanzigjährigen

Jubiläum. Dass Abschiedstränen

flossen, zeigte die entstandenen

persönlichen Beziehungen, aber auch

den Erfolg eines solchen europäischen

Projektes. Susanne Laudick

92


Lukas Wiedey (l.) und Lukas Ortmann vor der Porta Nigra.

Auf Sprachenfahrt in Trier

Kaiserthermen und

Amphitheater

Wir waren zwölf Schüler aus der

Jahrgangsstufe 8, sechs Jungen und

ebenso viele Mädchen, die in Begleitung

von Frau Bachmann und Frau

Hellmann die ehemals lateinische

Stadt „Augusta Treverorum“ besuchten.

Dabei hatten wir natürlich alle

unterschiedliche Erwartungen.

Wir trafen uns am Montag um 8.15 Uhr

am Bahnhof in Lüdinghausen. Als der

Zug dann mit etwas Verspätung eintraf,

griff jeder zu seinem Koffer und mit

etwas Proviant und guter Laune fuhren

wir bis zum Kölner HBF, wo wir den

nächsten Zug nach Koblenz rechtzeitig

erwischten. Als wir dann schließlich

dort ankamen, tat einem schon ein

wenig der Allerwerteste weh. In Koblenz

stiegen wir dann endlich in den Zug,

der uns nach Trier bringen sollte. Auf

dieser Strecke kamen wir am steilsten

Weinberg Europas vorbei, bis wir um ca.

13.30 Uhr in Trier einliefen und sofort

das Gästehaus aufsuchten, wo wir vier

Tage übernachteten.

Das gebuchte Gästehaus war ein

großes, gelbes Gebäude mit vier Etagen

und es sah so ähnlich wie eine Orangerie

aus, wo Pflanzen über den Winter

gehalten werden. Uns standen ein Mäd-

Reisen und Lernen

93


In der Trierer Altstadt.

Reisen und Lernen

Fortsetzung von Seite 93

chenzimmer und zwei Jungenzimmer

für jeweils vier Personen zur Verfügung,

welche relativ groß, aber durch

die ungünstige Fenster-Anordnung zu

dunkel waren. Im Allgemeinen war das

Gästehaus nicht sehr überzeugend. Am

Ende eines jeden Tages wartete hier

um 20 Uhr eine warme Mahlzeit auf

uns, welche allerdings nicht immer so

befriedigend war. Nach dem Abendessen

bearbeiteten wir Übungsblätter über

die Sehenswürdigkeiten, die wir an dem

jeweiligen Tag gesehen hatten.

Am ersten Tag besichtigten wir

unter anderem die Porta Nigra (= Das

schwarze Tor) sowie die ehemalige

Judengasse. Zur Zeit des Mittelalters

wurden dort am Tag Juden gefangen gehalten.

Sie durften nämlich nur abends

das Judenviertel verlassen.

Am zweiten Tag gab es wie jeden

Tag um 8.30 Uhr Frühstück. Wenig

später fing auch schon unser Programm

an. Wir besichtigten zuerst das

Marktkreuz, woran im 10. Jahrhundert

Leute bloßgestellt wurden. Danach

begutachteten wir den Petrusbrunnen,

welcher sich direkt neben dem Marktkreuz

befindet. Außerdem sahen wir

auch noch das „Rote Haus“, welches die

folgende Inschrift trägt: „Vor Rom stand

Trier 1300 Jahre, es möge bestehen und

ewigen Frieden genießen, so sei es“.

Ebenfalls waren wir an diesem Tag im

Rheinischen Landesmuseum Trier, wo

wir ein Quiz vorgelegt bekamen, das wir

in Gruppen lösen sollten. Als wir dieses

bewältigt hatten, zeigte man uns einen

Film über Trier, welcher mit mehreren

Lichtprojektoren spektakulär präsentiert

wurde. Die Projektoren zeigten nämlich

den Film an allen Wänden.

Nach unserem Programm hatten

wir dann meistens zwei Stunden

Mittagspause. In dieser Zeit kauften

wir uns etwas zu essen und zu trinken.

94


Anschließend hatten wir täglich bis

ungefähr 17 Uhr wieder Programm.

An diesem Tag besichtigten wir außerdem

die Kaiserthermen, welche früher

zur Erholung und zur Hygiene dienen

sollten. Hiernach hatten wir eine Menge

Spaß im Amphitheater, da wir dort alle

gemeinsam Fangen spielten. Das Theater

wurde 100 Jahre nach Christus errichtet

und diente zur Belustigung der Menschen.

Am nächsten Morgen machten

wir uns auf den Weg zur Mosella (also

der Mosel), an deren Ufer wir dann

zehn Kilometer entlangwanderten.

Vom Wanderweg aus hatten wir einen

herrlichen Blick auf die Stadt Trier. Die

Sonne schien prächtig bei gefühlten 25

Grad Celsius und wir konnten sogar

unser Gästehaus sehen. Am Nachmittag

lernten wir den Trierer Dom kennen,

welcher zu den größten Kirchenbauten

Deutschlands zählt. Außerdem befindet

Auf den Spuren der Antike.

Reisen und Lernen

95


Ein Blick auf die

Trierer Altstadt.

Reisen und Lernen

Fortsetzung von Seite 95

sich im Trierer Dom angeblich Jesus‘

Gewand, das er bei der Kreuzigung trug

und das 400 Jahre n. Chr. von Kaiser

Konstantins Mutter gefunden wurde.

Das Gewand ist heute auch unter

dem Namen „Heiliger Rock“ bekannt.

Danach betraten wir die „Konstantin-

Basilika“, welche als Empfangshalle des

Kaisers diente. Sie wurde extra so riesig

gebaut, damit die zivile Bevölkerung

beim Eintreten in die Basilika eingeschüchtert

wird. Heute ist sie die einzige

evangelische Kirche in Trier.

Am Donnerstag begaben wir uns

dann auf den Weg nach Luxemburg.

Die Zugfahrt dorthin dauerte etwa

eine Stunde. Als Erstes besuchten wir

die berühmten Kasematten. Diese

wurden im frühen Mittelalter erbaut

und dienten als unterirdische Tunnel.

Außerdem wurde Luxemburg auf zwei

Hügeln erbaut, zwischen denen sich

eine tiefe Schlucht befindet, welche wir

Jungen sehr interessant und faszinierend

fanden. Dementsprechend stiegen wir

die Schlucht auch hinab und auf der

anderen Seite wieder hinauf. Außerdem

hörten wir in der Schlucht einen

verrückten jungen Mann singen, dessen

Talent mehr als nur begrenzt war. Die

Schlucht wurde auch von einem Viadukt

überspannt. Übrigens gingen wir alle,

ausnahmsweise auch die Mädchen,

welche lieber weiter shoppen gegangen

wären, am Schloss des Herzogs und am

Wilhelms-Platz vorbei. Hiernach besichtigten

wir noch die Kathedrale „Der

lieben Frau von Luxemburg“, worin

Gemälde von armen Kindern, welche

in den Krieg ziehen mussten, zu sehen

waren. Beim Besuch in Luxemburg fiel

uns auf, dass es dort sehr viele reiche

Menschen geben muss, weil wir unter

anderem sehr häufig teure und begehrte

Autos sahen, wie z.B. Ferraris.

Am Freitag packten wir alle unsere

96


Die Trierfahrer bei dem

morgendlichen Frühstück.

sieben Sachen, dann frühstückten

wir noch schnell ein hinnehmbares

Frühstück, welches das Abendessen

bei weitem übertraf, weil man bei der

Zubereitung eines Frühstückes nicht so

viel verkehrt machen kann.

Auf dem Weg zum Bahnhof

schauten wir uns noch einige kleinere

Thermen an und als wir dann im Zug

saßen, der uns nach Köln bringen sollte,

wurde uns allen bewusst, dass die schöne

Sprachenwoche sich schon dem Ende

zuneigte. Doch schließlich wurden wir

auf unserem weiteren Weg in Dortmund

noch Zeugen einer Prügelei zwischen

Türken und Polizisten, durch welche

wir uns hindurchbegeben mussten, um

den Zug nach Lüdinghausen noch zu

erwischen. Wir sahen, wie sich ungefähr

25 Polizisten mit fünf Türken prügelten.

Diese Rauferei entstand, weil ein

türkischer Straftäter einem Polizisten

weglaufen wollte, woraufhin dieser den

Türken an der Jacke zurückzog. Sofort

kamen die Freunde des Straftäters, welche

sich dann gemeinsam mit der Polizei

prügelten. Kurz darauf sahen wir dann

auch noch, wie die Türken sich gegenüber

der Polizei ausweisen mussten. Es

waren deshalb so viele Polizisten vor

Ort, weil an diesem Tag ein Fußballspiel

stattfinden sollte.

Als wir dann endlich nach den

ganzen Zwischenfällen in Lüdinghausen

ankamen, wurde jeder von seinen

Eltern freundlich empfangen. Alle waren

zufrieden, wieder daheim zu sein und

so trennten sich unsere Wege nach fünf

Tagen am Lüdinghauser Bahnhof. Es war

eine schöne und auch lehrreiche Zeit für

uns Schüler der 8c. Lukas Ortmann

Reisen und Lernen

97


Cani-Schüler erkunden die nordfranzösische Metropole

Lille - la Belle du Nord

Reisen und Lernen

„J’adore le nord!“ - „Ich liebe den

Norden!“ Das war das Fazit einer

Frankreich-Fahrt der Extra-Klasse nach

Lille. 25 Schülerinnen und Schüler der

Jahrgangsstufe 8 hatten sich entschieden,

die Tage der diesjährigen Sprachenwoche

vor den Osterferien in Begleitung

von Frau Laudick und Herrn Edelbusch

im französischen Norden zu verbringen.

Dabei waren sie bereit, mit einer

Lebensart in Berührung zu kommen,

die vielen schon aus dem erfolgreichen

Kinofilm „Willkommen bei den Sch’tis!“

bekannt gewesen ist.

Eine Fahrt der Extra-Klasse? Oh ja,

denn vieles an dieser Fahrt war „extraordinaire“,

also außergewöhnlich.

Zunächst das Ziel: Lille präsentiert

sich heute als eine Stadt, die sich vom

Aschenputtel-Charakter der Vergangenheit

gelöst und sich mittels umfangreicher

Restaurierungen zu einer „Schönen

des Nordens“ gewandelt hat. Mit ihrer

nunmehr wundervollen Altstadt und

den barocken Häusern im flämischen

Stil, mit ihrer Vieille Bourse (alte Börse)

98


Die Facetten der nördlichsten

Großstadt Frankreichs.

im Stil der Renaissance, in deren Innenhof

Bouquinisten, Blumenhändler

und Schachspieler Besucher anlocken,

mit der beeindruckend großen, fast

rechteckigen Place Charles de Gaulle im

Zentrum, Treffpunkt für Einheimische

und Touristen, bietet sie viel Attraktives.

Aber auch mit dem grandiosen

Palais des Beaux Arts, dem zweitgrößten

Kunstmuseum Frankreichs nach dem

Louvre, und mit ihrer modernen Seite,

dem futuristisch anmutenden Geschäftszentrum

Euralille und dem Bahnhof

Gare Lille-Europe, von welchem man

mit dem TGV in 60 Minuten Paris oder

in 100 Minuten London erreichen kann,

überrascht diese Stadt jeden Besucher.

Extraordinaire ist ebenso der Marché

de Wazemmes, ein großer Markt in

einem Arbeiterviertel, der mit französischem

und nordafrikanischem Warenangebot

ein besonderes Flair verbreitet.

Außergewöhnlich La Piscine, ein Kunstund

Industrie-Museum in Roubaix, das

aus einem ehemaligen Hallenbad der

vorigen Jahrhundertwende entstanden

Reisen und Lernen

99


Reisen und Lernen

Fortsetzung von Seite 99

ist. Die vollautomatische Metro brachte

uns innerhalb von 14 Minuten in den 20

km entfernten Ort.

Extraordinaire war auch der Aufstieg

auf den 104 m hohen Beffroi de l’Hôtel

de Ville (Turm des Rathauses), der bei

gutem Wetter einen eindrucksvollen

Blick auf Stadt und Umgebung bietet.

Diese hohen Türme sind typisch

für Nordfrankreich und dienten der

Überwachung und somit dem Schutz

vor anrückenden Feinden in dieser so

weiten, flachen Landschaft.

Ja, wir hätten einen schönen

Ausblick von dort oben haben können,

wenn der Himmel nicht so verhangen

gewesen wäre. Ja, wir hätten uns gerne

auf dem großen Platz niedergelassen,

um zu plaudern, anderen Mensch zuzusehen

oder einfach die Atmosphäre zu

genießen. Ja, wir hätten gern das Picknick

in einer wärmenden März-Sonne

genossen, aber dem war leider nicht so,

denn extraordinaire waren auch in Lille

die niedrigen Temperaturen.

Dagegen gab’s aber dieses: Stöbern

in geheizten Geschäften (auf der Suche

nach einer außergewöhnlichen (!) Entdeckung),

einen chocolat chaud trinken

bei Chez Paul oder Sich-warm-turnen

auf dem Kinderspielplatz. Vor allem

aber: Lachen, gute Stimmung und wohlwollende

Neugier auf Neues bei allen

Beteiligten, denn das war schließlich das

Außergewöhnlichste dieser Fahrt, die zu

einem souvenir extraordinaire geworden

ist. Susanne Laudick

100


Ein Cani-Bio-LK im Kleinwalsertal

Überlebenstraining in der Wildnis

Kurz vor den letzten Herbstferien

verbrachte der Biologie-LK

der Q2 eine abenteuerliche und

erlebnisreiche Woche im österreichischen

Kleinwalsertal. Unter der

Leitung von Frau Dorprigter und

Herrn Polarczyk traf sich unsere

20-köpfige Truppe spätabends am

Lüdinghauser Busbahnhof, um eine

neunstündige Fahrt gen Süden

anzutreten.

Nach dieser langen Fahrt erreichten

wir müde und erschöpft, aber voller

Tatendrang am nächsten Morgen

das Kleinwalsertal. Als wir aus dem

Bus stiegen, wartete direkt der erste

Schock auf uns. Mit unserem Gepäck

(mit welchem einige ein gefühltes

Jahr hätten verreisen können) und

unseren Lebensmitteln mussten wir

einen steilen Anstieg bewältigen, um

unsere Selbstversorgerhütte zu erreichen.

Zudem war es noch sehr kalt und

nebelig und so erreichten wir mit Müh

und Not und einer Schachtel kaputter

Eier schließlich unsere Hütte.

Nachdem wir unser Gepäck dann

in den Zimmern verstaut hatten, die

natürlich, was sollte man von einer

Berghütte auch Anderes erwarten,

unbeheizt waren, trafen wir uns zu einer

ersten Lagebesprechung. Die Aufgaben

wurden verteilt und unsere Tagespläne

erörtert. Anschließend begaben wir uns

den gleichen Weg wieder hinunter, den

wir hochmarschiert waren, um den Bus

in Richtung Breitachklamm zu nehmen.

Diese Breitachklamm war als Schlucht

mit ihren senkrecht aufsteigenden Fels-

Reisen und Lernen

101


Nicht immer entsprach

das Wetter unseren

Wünschen.

Reisen und Lernen

Fortsetzung von Seite 101

wänden so atemberaubend, dass sie uns

direkt den Atem verschlug. Schließlich,

nachdem wir einen Kilometer durch sie

hindurchgewandert waren, mussten wir

uns leider wieder von ihr verabschieden.

Nun stellte sich die gewichtige Frage, ob

wir mit dem Bus oder aber auf Schusters

Rappen den Rückweg antreten sollten.

Es wurde schließlich beschlossen, den

weiten Weg zu Fuß zu bewältigen, nicht

zuletzt, weil wir zwei Sportlehrer dabei

hatten, sodass wir schlecht kneifen konnten.

Nach einem mühsamen Aufstieg bei

strömendem Regen und einer kurzen

Rast auf einer Bergalm erreichten wir

kaputt und klitschnass unsere Hütte,

wonach alle erst einmal duschen gingen.

Hier hatten die letzten Duscher dann

allerdings auch noch das Pech, dass nur

begrenzt warmes Wasser zur Verfügung

stand und sie so kalt duschen mussten.

Doch auch diese Strapazen machten uns

scheinbar nichts aus und so genossen wir

abends das leckere Essen, welches von

den eingeteilten Köchinnen und Köchen

gezaubert wurde. Nach einer Runde

„Werwolf “ fielen wir dann allerdings alle

todmüde ins Bett. Am nächsten Morgen

bereicherte Herr Polarczyk wie jeden

Tag unser Frühstück mit frischen Brötchen,

wofür ihm ein extra Dankeschön

gebührt, denn dafür musste er sich jedes

Mal den Berg hinunter- und wieder hinaufquälen.

Nach so einem gelungenen

Tageseinstieg begaben wir uns wieder

in eine zivilisierte Gegend, wo wir uns

Mountain-Bikes liehen und damit durch

das Kleinwalsertal düsten. Schließlich

erreichten wir den Bike-Park, wo wir

richtig Spaß hatten und dreckig wie

kleine Kinder wurden, die im Matsch

spielen.

Wenig später, so kam es uns zumindest

vor, setzten wir unsere Tour fort.

Wir teilten uns in eine „Powergruppe“

und eine „Gurkentruppe“ ein (so Herr

Polarczyk), wobei wir nun auf verschiedenen

Wegen den Berggipfel zu erreichen

suchten. Es versteht sich von selbst,

dass die Powergruppe den schwierigeren

Weg nahm. Nach einer bestimmten

Zeit mit diversen Richtungsänderungen

und Irritationen erreichten wir völlig

ausgepumpt unser Ziel, eine Alm, wo

102


Der Start zu Kajaktour

auf der Iller steht kurz

bevor.

sich beide Gruppen wieder vereinten.

Nach einer Auftau- und Aufwärmpause

ging es auf einem Schotterweg dann nur

noch bergab, allerdings mit einem halsbrecherischen

Tempo von gefühlten 60

km/h. Doch wir erreichten alle glücklich

unsere Hütte und fielen wieder einmal

nach einem tollen Tag und einer Runde

„Doppelkopf “ todmüde ins Bett.

Am nächsten Morgen begaben wir

uns mit unseren Rädern ins Tal, wo wir

diese leider wieder abgeben mussten.

Doch der nächste Erlebnispunkt stand

unmittelbar bevor, denn wir wollten

den Klettersteig an der Kanzelwand

besuchen. Mit der Bergbahn ging es

dafür zunächst hoch hinauf, wo wir

schließlich unsere Kletterführer trafen.

Nach dem Kennenlernen diverser Sichheitsregeln

und dem Bewundern einer

tollen Aussicht wandten wir uns nun

dem Klettersteig selbst zu. Es war ein

tolles Gefühl, frontal den Berg hochzuklettern,

nur mit einem Seil gesichert.

Einige von uns überwanden trotz der

tief hinabfallenden Berghänge ihre Höhenangst,

was hier noch einmal lobend

erwähnt werden soll.

Nach dem Abstieg und der Verabschiedung

unserer Kletterführer ging es

mit unserem Bus weiter nach Oberstorf,

wobei der Grenzübertritt nach Deutschland

bei der Gruppe direkt heimatliche

Gefühle auslöste. Einige vertrieben sich

den freien Nachmittag in Oberstorf mit

einem Besuch der Skisprunganlage, andere

mit einer schönen Runde Minigolf

und wieder andere mit der Suche nach

dem Restaurant „Zur goldenen Möwe“

(oder „McDonald’s“ für die Banausen

unter uns). Am Abend schließlich

trafen wir uns in einem urigen bayerischen

Gasthof, wo wir alle ordentlich

„schmankerlten“. Nach einem fantastischen

Essen begaben sich einige in die

Dampf-Bierbrauerei, andere wiederum

suchten einen Spieltisch für ein Kickerturnier,

wurden aber leider nicht fündig,

so dass sie mit der Übertragung des

Champions League-Spiels Bate Borisov

vs. Bayern München vorliebnahmen.

Schließlich fuhr ein Teil der Gruppe

in bester Stimmung (der Brauerei sei

Dank), ein anderer in mürrischer Stim-

Reisen und Lernen

103


Reisen und Lernen

Fortsetzung von Seite 103

mung (Bayern hatte verloren) zu unserer

Hütte zurück.

Der nächste Tag, mit nicht fehlendürfender

Musik von Hansi Hinterseer

zum Tagesbeginn, war ebenfalls sehr

sportlich geplant. Bei bestem Wetter

machten wir uns auf den Weg zur Iller,

wo wir eine Kajaktour starteten.

Nach einigen ersten Fahrversuchen

und mehr oder weniger gewollten

Kenterungen wurde es schnell ernst.

Wir fuhren die Iller hinab, über Stromschnellen,

in Kehrwässer etc. und erreichten

mehr oder weniger heil unseren

Landeplatz, wo die Kajaks entleert und

gesäubert wurden und von wo es zurück

zu unserer Hütte ging. Dort nach einem

wieder einmal leckeren Abendessen und

einer Runde „Limbo“ unter dem Topfdeckel

her wurde es wieder ein geselliger

Abend mit jeder Menge Spaß.

Am nächsten Tag stand eine Wanderung

hoch zum Gottesacker auf dem

Plan. Doch da einige von uns ihre Wanderschuhe

vergessen hatten, wollte der

Bergführer die geplante Route nicht mit

uns gehen, da dies zu gefährlich gewesen

wäre. Murrend wurden wir nun auf

einen anderen Weg gebracht. Doch das

Murren legte sich bald, als wir am Fuße

eines Wasserfalls ankamen, den wir

hochkletterten. Über eine Alm und nach

104


Oben von links: Fabian Hülsbusch, Till Hönicke,

Jonas Rütter, Nils Hofmann, Florian Wentzel, Moritz

Tennhoff, Simon Lepper, Patrick Heiermann direkt

darunter Felix Türpe, Lukas Badelt, Oleg Braun,

Laura Fellermann, Johanna Schuder, Benedikt

Polarczyk,

Unten von links Sigrid Dorprigter, Stefanie Ludwig,

Bettina Kimmlinghoff, Neele Kortendieck und Jule

Maushagen

einer Pause mit frischen Heidelbeeren

ging es zurück zu unserer Hütte.

Dort wurde noch einmal ordentlich

Ramba-Zamba veranstaltet, da dies

unser letzter Abend war. Schließlich

begaben wir uns spätabends ins

Bett. Am nächsten Morgen war nun

Hausputz angesagt, doch auch hierbei

gab es spaßige Momente. Schließlich

sagten wir unserer Hütte lebewohl

und begannen nun mit viel leichterem

Gepäck den Abstieg. Nach einer

langen Fahrt in dem wiederum sehr

engen Bus kamen wir gegen 19 Uhr

wieder in Lüdinghausen an.

Es gab viele schöne Momente auf

unserer Fahrt , die uns immer in Erinnerung

bleiben werden und wofür wir

unseren Begleitern Frau Dorprigter und

Herrn Polarczyk danken. Doch letztlich

ist festzuhalten: Wir hatten die Wildnis

überlebt und sie topfit verlassen, so dass

die nächste Sportstunde bei unserem

relativ anspruchsvollen Herrn Edelbusch

kommen konnte. Lukas Badelt, Patrick Heiermann

und Oleg Braun ( Q2)

Reisen und Lernen

105


LK Deutsch auf Kursfahrt in Prag

Liebe auf den zweiten Blick

Reisen und Lernen

Anfang Oktober 2012 war es so weit

und das lange Warten hatte ein Ende.

Voller Vorfreude und ausgestattet

mit zahlreichen Informationen machte

sich unser Deutsch-Leistungskurs

mit Herrn Schmidt und Frau Hübner

auf den Weg in die tschechische Kulturmetropole

an der Moldau.

Von der „goldenen“ Stadt hatten wir

schon viel gelesen und gehört. Doch

was sich genau hinter dem Ausdruck

„golden“ verbergen sollte, kam uns

zunächst nicht in den Sinn. Besonders

nicht, als wir auf dem Weg zu unserem

Hotel an „allerfeinsten“ Plattenbauten

vorbeikamen. Die schäbigen, mit Graffitis

beschmierten Gebäude erinnerten

uns nicht gerade an die von unseren

Reiseführern angepriesene „schönste

Stadt Europas“.

Zu allem Überdruss gestaltete sich

auch noch die S-Bahn-Fahrt in die Altstadt

als ein ausgewachsenes Problem.

Für das Ticket benötigten wir nämlich

tschechische Kronen in Form von

Münzgeld. Nur hatte von uns natürlich

keiner daran gedacht. Mit ein bisschen

Glück schafften wir es dennoch bis in

die Prager Innenstadt, die uns zu aller

Überraschung auch auf den ersten Blick

nicht enttäuschte.

Allmählich hatten wir unseren anfänglichen

Schock überwunden und genossen

106


den Anblick, der sich uns im nächtlichen

Glanz der Lichter darbot. Man

fühlte sich wie in eine andere Zeit

zurückversetzt, als man den Blick

über die barocken und im Jugendstil

erbauten Häuser schweifen ließ. In

der Altstadt erstrahlten Reichtum

und Pracht in ihrer reinsten Form.

Am Ende des Abends fielen wir todmüde

in unsere Betten und verarbeiteten

in unseren Träumen die ersten

Eindrücke von Prag.

Prag bei Tageslicht betrachtet, ist

eine laute und bunte Metropole. In

den Straßen der Altstadt herrscht vor

allem im Oktober ein reges Treiben.

Viele Touristen strömen in die Stadt

und bevölkern berühmte Wahrzeichen

wie den Altstädter Ring, die

Prager Burg oder den Veitsdom.

Auch unser Kurs besichtigte natürlich

einige dieser Wahrzeichen. Jedoch gestaltete

sich unsere Sightseeing-Tour

nicht immer als reines Vergnügen.

Zusammen mit den vielen Menschenmassen

drängten wir uns zum

Beispiel in den Veitsdom. Ein Ort

der Ruhe und Besinnung, würde man

aus der Distanz vermuten. Während

unseres Besuchs herrschte in dieser

Kirche allerdings der Geräuschlärmpegel

eines startenden Flugzeugs.

Auch die vermeintlichen Schattenseiten

veränderten sich in kurzer

Zeit auf wundersame Weise: Das

Hotel war sehr gastfreundlich, bot bis

Mitternacht Gastronomie und Möglichkeiten

zur Unterhaltung und zum

Kennenlernen (offensichtlich war Prag

das Ziel vieler Kurse aus ganz NRW)

und die tägliche Fahrt mit der Straßenbahn

in die Stadt machte uns nicht nur

mit der Altstadt Prags vertraut, sondern

auch mit der Realität der Vorstädte,

geprägt von der Geschichte, auch der

des Sozialismus.

Ein weiteres Ziel der Kursfahrt führte

uns zu dem nahegelegenen Konzentrationslager

Theresienstadt. Stillschweigend

und ergriffen vom Schicksal der

jüdischen Familien besichtigten wir jene

Orte, an denen sich pure Grausamkeit

abgespielt hatte. Dieses Erlebnis bleibt

in unserem Gedächtnis eingebrannt.

Wir mussten realisieren, dass Schönheit

und Schrecken in Prag zum Greifen nah

beieinander liegen.

Eine gemeinsame abendliche

Bootsfahrt auf der Moldau ließ uns bei

mildem Wetter ein wunderschön illuminiertes

Prag erleben, während wir am

offenen Deck plaudernd die mittelalterliche

Stadt an uns vorbeiziehen ließen.

Der letzte Abend unserer Kursfahrt

kam schneller als gedacht. Bei einem

gemeinsamen Abendessen mit typisch

böhmischer Küche ließen wir die Ereignisse

noch einmal Revue passieren.

Viel zu schnell war die wundervolle

Zeit vergangen. Prag hatte uns letztlich

doch mit seinem eigenartigen Charme

verzaubert. Viele von uns fassten den

Entschluss, noch ein zweites Mal nach

Prag zu kommen, vor allem auch wegen

der gepflegten Gastlichkeit. Claudia große

Siemer

Reisen und Lernen

107


Auf dem Rückweg ein

Besuch in Weimar.

Auf Burg

Sternberg in der

Umgebung Prags.

Der Deutsch-LK von Frau Vehof weilte in Prag

Auf den Spuren Franz Kafkas

Reisen und Lernen

Zu Beginn unseres letzten Jahres vor

dem Abitur besuchten wir im Oktober

2012 die altehrwürdige Stadt des Ostens,

die „Goldene Stadt“ Prag. Dies diente

nicht allein der Stärkung des Kurszusammenhaltes,

sondern erwies sich

darüber hinaus auch als eine sinnvolle

Möglichkeit, unseren Wissensschatz zu

erweitern. So lernten wir Prag einerseits

als kulturell und literaturhistorisch

bedeutende Stadt und andererseits als

romantische und pulsierende Metropole

kennen. Auf interessanten Stadtführungen

erfuhren und entdeckten wir Seiten,

die wir nicht erwartet hatten. So weckten

insbesondere die Universität und

die Möglichkeiten für Auslandsstudien

unsere Zukunftsphantasien.

Im Weiteren wandelten wir auf den

Spuren des bekannten Schriftstellers

Franz Kafka, den zeitlebens eine Hassliebe

mit seiner Heimatstadt verband, und

bekamen auf dem historischen Spaziergang

entlang der zahlreichen Wohnungen

und Cafés, in denen Kafka lebte und

arbeitete, einen Eindruck von der Enge

und Dichte der Orte und Plätze, die im

Leben des Schriftstellers von Bedeutung

waren. Prag, „das Mütterchen mit Krallen“,

wie Kafka die Stadt nannte, ließ uns

ebenfalls während unserer weiteren Tage

vor Ort nicht los.

Wir bewunderten staunend die berühmten

Prager Sehenswürdigkeiten, zu

denen neben der imposanten, autofreien

Karlsbrücke und dem Wenzelsplatz mit

dem angrenzenden Nationalmuseum

auch die berühmte Prager Burg gehört.

Diese ist mit ihren Befestigungsanlagen,

Kirchen und Kerkern das größte

geschlossene Burgareal der Welt und

thront auf dem Berg Hradschin über

108


Prag. Das Nebeneinander verschiedener

architektonischer Baustile, bei dem

klassizistische, gotische und barocke

Fassaden an Gebäude im Jugend- oder

Bauhausstil grenzen, macht Geschichte

erfahrbar. Ein weiteres Highlight bot

sich uns im Zuge einer Moldaufahrt, bei

der das von Gotik und Barock geprägte

Stadtbild Prags in seinem nächtlichen

romantischen Glanz erstrahlte.

Auch Prags Umgebung lernten wir

im Rahmen von zwei Tagesausflügen

kennen. Neben der Burg Sternberg,

deren Privatbibliothek neben original

handgeschriebenen alten Büchern auch

private Briefe von Johann Wolfgang von

Goethe enthält, besuchten wir das ehemalige

KZ Theresienstadt und erlebten

dabei deutsche Geschichte hautnah und

zutiefst berührend.

Zum krönenden Abschluss unserer

äußerst gelungen LK-Fahrt wurde

uns auf dem Rückweg auch ein Besuch

in der Stadt der größten Dichter und

Denker unseres Landes nicht verwehrt,

sodass wir bei dieser Gelegenheit viel

über die Lebenswelt Goethes und

Schillers und die historische Vergangenheit

Weimars erfuhren. So besuchten

wir nicht nur die Wohnhäuser unserer

literarischen Klassiker im Stadtkern,

sondern konnten auch die Atmosphäre

vor Goethes Gartenhaus im Park an der

Ilm genießen.

Abschließend möchten wir uns bei

unserer Kurslehrerin Frau Vehof bedanken,

die uns nicht nur auf dieser Fahrt,

sondern auch auf dem Weg zum Abitur

immer mit viel Herzblut und Engagement

begleitete. Denis Hüser und Lukas Klunke

Reisen und Lernen

109


Reisen und Lernen

Der Erdkunde-LK der Jahrgangsstufe

13 in Prag

Die Stadt der

goldenen Dächer

Pünktlich um 7 Uhr morgens trafen

sich am 01. 10. 2012 alle Schüler des

Erdkunde-Leistungskurses, unser

Kurslehrer Herr Bobbert und als

weibliche Begleitung zwei Mütter

am Busbahnhof Lüdinghausen. Alle

waren innerlich leicht elektrisiert,

denn auf uns wartete eine spannende

Reise in die goldene Stadt Prag mit

ihren vielen Sehenswürdigkeiten.

Nach elf Stunden Fahrt näherten wir

uns endlich der tschechischen Hauptstadt.

Unser erster Eindruck war aller-

110


dings enttäuschend, denn der typisch

funktionale sozialistische Wohnungsbau

der Vororte konnte uns nicht besonders

ansprechen. Auch unser Hotel lag

außerhalb des Zentrums in einer Plattenbausiedlung.

Wir stellten allerdings

schnell fest, dass der äußere Schein des

Hotels trog, denn die Räumlichkeiten

waren gemütlich und das großzügige

Foyer war einladend. Auch das Frühstücksbuffet

konnte überzeugen.

Um 20 Uhr trafen wir uns dann zu

einem Nachtspaziergang durch die Prager

Altstadt. Gemeinsam nahmen wir

die Straßenbahn in die Innenstadt und

staunten nicht schlecht, denn der erste

Eindruck war überwältigend. Der hell

erleuchtete Stadtkern vermittelte mit

dem Altstädter Ring, der Karlsbrücke,

den Uferpassagen der Moldau und dem

Wenzelsplatz ein begeisterndes Großstadtflair.

Dieser Vorgeschmack machte

uns neugierig, denn in den nächsten

Tagen wollten wir die einzelnen Sehenswürdigkeiten

noch genauer unter die

Lupe nehmen.

Der Dienstagmorgen begann mit einer

Führung durch die Prager Burg auf

dem Berg Hradschin. Sie stellt das größte

geschlossene Burgareal der Welt dar

und ist heute Sitz des Staatsoberhauptes,

die offizielle Residenz des Präsidenten

der Tschechischen Republik.

Anschließend konnten wir in Kleingruppen

die Umgebung auf eigene Faust

erkunden. Besonderes Interesse erregten

die Shopping-Meile, aber auch die vielen

kleinen verwinkelten Gässchen der historisch

gewachsenen Altstadt. Es wurde

Zeit, um sich nach einigen Souvenirs

umzuschauen.

Gegen Abend besuchten wir das

Schwarzlichttheater „Image“, das unsere

Fantasie durch geheimnisvolle spannende

Variationen aus Licht, Dunkelheit

und endloser Tiefe angerregte. Danach

ließen wir den ersten Tag in gemütlicher

Runde in einer typischen Prager Bar

ausklingen. Gegen Mitternacht kehrten

wir müde, aber zufrieden in unser Hotel

zurück.

Der Mittwoch begann mit einer

Stadtführung durch Prag, bei der wir

von der Karlsbrücke aus noch einmal

aus der Ferne die Prager Burg bewundern

konnten. Außerdem geleitete unsere

Stadtführerin uns durch die vielen

kleinen Gassen der Altstadt, über den

Wenzelsplatz hin zum Altstädter Rathaus.

Die Führung faszinierte uns und

hinterließ bleibende Eindrücke. Auch

unsere stadtgeographischen Kenntnisse

konnten wir hier auf die Realität übertragen.

Am Abend trafen wir uns dann

mit den zwei Deutschkursen und dem

Geschichtskurs, die zeitgleich mit uns in

Prag waren, zu einer stimmungsvollen

Bootstour mit Buffet auf der Moldau.

Im Schein der Abendsonne konnten

wir Prag vom Wasser aus bewundern

und mit hereinbrechender Dunkelheit

leuchteten die 1000 Lichter von Prag –

Urlaubsfeeling pur!

Der letzte Tag versetzte uns zunächst

in eine gedrückte Stimmung,

denn wir besichtigten das nördlich

Reisen und Lernen

111


Die Kursmitglieder

bei der Besichtigung

der Prager Burg.

Reisen und Lernen

Fortsetzung von Seite 111

von Prag liegende KZ Theresienstadt.

Hier wurde im 2. Weltkrieg durch die

Nationalsozialisten unter anderem ein

jüdisches Ghetto errichtet. Es stellte für

viele Juden ein Zwischenlager auf dem

Weg in die Vernichtungsstätte Auschwitz

dar. Als heutiges Mahnmal soll es

an alle Opfer des Nationalsozialismus

erinnern und als Memento der neuen

europäischen Geschichte verstanden

werden. Die Führung durch Theresienstadt

ließ uns nachdenklich werden und

es fällt schwer, diese Eindrücke vor Ort

in Worte zu fassen.

Anschließend kehrten wir alle

gemeinsam in unser Hotel zurück,

um uns auf den letzten Abend vorzubereiten.

Kursintern verbrachten wir

diesen Abend in einer kleinen Bar,

die die Schülerinnen und Schüler des

Leistungskurses ausgewählt hatten. Das

war eine gelungene Überraschung für

Herrn Bobbert. Dort genossen wir die

letzten Stunden in Prag und reflektierten

gemeinsam unsere Erfahrungen und

Eindrücke der vergangenen Tage.

Am Freitagmorgen ging es dann

schon um 6 Uhr los. Mit gepackten

Taschen und leicht erschöpft von den

vielen Unternehmungen und Aktionen

der vergangenen Tage stiegen wir in

den Bus und begaben uns auf eine lange

Heimreise Richtung Lüdinghausen. Da

unser Busfahrer stets für eine gute Stimmung

sorgte, verging die Zeit allerdings

schneller als befürchtet. Um 20 Uhr

erreichten wir den Busbahnhof. Wir

hatten Spaß und die Gelegenheit, viel zu

sehen und zu erleben, aber es gab auch

nachdenkliche Momente. Rückblickend

können wir also von einer rundum

gelungenen Kursfahrt sprechen. Leonie

Reher, Lena Ortmann

112


Kursfahrt des Geschichts-LK im Herbst 2012

Prag bietet mehr als nur günstiges Bier!

Ein verschlafener Leistungskurs traf

sich Montagmorgen, den 1.10.2012,

am Busbahnhof in Lüdinghausen und

stellte seinen Kurslehrer Herrn Borrmann

vor die nahezu unlösbare Aufgabe,

seine Schäfchen aus der Herde

von drei weiteren Leistungskursen zu

trennen und in den vorgesehenen Bus

zu geleiten.

Nach einer zehnstündigen Fahrt erreichten

wir die „Goldene Stadt“ Prag

und unser Hotel Fortuna City. Dort

musste der Hirte Borrmann feststellen,

dass einer seiner Schützlinge trotz vieler

Erinnerungen seinen Personalausweis

zu Hause vergessen hatte.

Doch auch diese Hürde wurde genommen

und eine Stunde später trafen

wir uns mit dem Deutsch-Leistungskurs

von Frau Vehof, um gemeinsam einen

Spaziergang durch das abendliche Prag

zu machen. Aufgrund strömenden

Regens brachen wir den Spaziergang

jedoch ab und suchten eine typische

tschechische Schankstätte auf.

Am Dienstagmorgen fuhren wir mit

unserem Busfahrer namens Lorenz zum

Hradschin, dem Berg, auf dem sich die

Prager Burg befindet. Wie uns bei einer

Führung erklärt wurde, bildet diese das

größte geschlossene Burgareal der Welt

und ist für seine epochenübergreifenden

Baustile bekannt. Nachdem wir

auch den Veitsdom von innen bestaunt

hatten, schlenderten wir langsam in

Richtung Altstadt, wobei wir die berühmte

Goldene Gasse passierten, in

der sich unter anderem das Geburtshaus

des deutsch-tschechischen Schriftstellers

Franz Kafka befindet. Die uns nun zur

Verfügung stehende Freizeit nutzten wir,

um uns zu stärken und danach den Tag

in einem traditionellen Prager Jazzclub

Reisen und Lernen

113


Reisen und Lernen

Fortsetzung von Seite 113

ausklingen zu lassen.

Pünktlich am nächsten Morgen

erwartete uns Lorenz mit dem Bus

vor dem Hotel und wir fuhren in das

Örtchen Cesky Sternberg, um dort

die gleichnamige Burg Sternberg zu

besichtigen, die sich im Besitz eines

leider nur entfernten Verwandten eines

Mitschülers befindet. Der Blick in das

romantische Tal, das von dem Fluss

Sazava dominiert wird, weckte in allen

Mädchen den Wunsch, als mittelalterliches

Burgfräulein in den luxuriösen

Gemächern auf den Traumprinzen zu

warten. Auch die Jungen waren fasziniert,

allerdings nicht vom prunkvollen

Interieur, sondern von den zahlreichen

Waffen und ausgestellten Pfeifen im

Herrensalon. Bevor wir den Rückweg

antraten, wurden wir noch vom Burgherrn

Sternberg persönlich begrüßt und

besichtigten den Wachturm, an dem

Frau Vehof die Pose eines kampfbereiten

Soldaten einnahm und damit die Lacher

auf ihrer Seite hatte.

Zurück im Prager Stadtzentrum

nahmen wir an einer Stadtbesichtigung

teil, die uns vom Wenzels- bis zum

Rathausplatz führte. Dabei passierten

wir auch den Treffpunkt der Prager: den

Platz unter dem Schwanz des Heiligen

Wenzel, einer Statue des Schutzpatrons

der Stadt. Natürlich ist mit dem

Schwanz der Schweif seines Pferdes

gemeint. Die abendliche Bootsfahrt auf

der Moldau ermöglichte uns den Blick

auf das hellerleuchtete Prag und bei

einem leckeren Buffet wurde die weitere

Abendgestaltung diskutiert. Es lief darauf

hinaus, dass der Großteil der Schüler

die größte westeuropäische Diskothek

besuchen wollte, während ein kleiner

Teil nicht auf das Champions-League-

Spiel von Borussia Dortmund verzichten

konnte.

Folglich verlief der Donnerstagvormittag

ruhiger als die vorangegangenen.

Um 13 Uhr machten wir uns auf den

Weg zum nördlich von Prag gelegenen

Konzentrationslager Theresienstadt,

das zur Zeit des Nationalsozialismus als

Durchgangslager für die jüdische Bevölkerung

Böhmens und Mährens diente.

Die Themen, die wir im Geschichtsunterricht

behandelt hatten, wurden im

Laufe der Führung durch die Anlagen

auf schockierende Art und Weise

greifbar. Die Schüler, die sich in eine der

winzigen fensterlosen Zellen einschließen

ließen, erfuhren am eigenen Leib

die menschenunwürdigen Haftbedingungen,

denen die Insassen ausgeliefert

waren. Die bedrückte Atmosphäre

spiegelte die Betroffenheit jedes Schülers

wider und es war zu spüren, dass dieser

Besuch, besonders die Besichtigung des

Krematoriums, bei allen einen bleibenden

Eindruck hinterlassen hatte. Zudem

wurde uns deutlich, wie wichtig es ist,

sich auch heute noch an die Verbrechen

während der NS-Zeit zu erinnern und

die Augen nicht vor der unbequemen

Vergangenheit zu schließen.

Einen starken Kontrast zu den Erlebnissen

des Nachmittages bildete dann

das Abendprogramm: der Besuch eines

114


Englisch-Leistungskurse erlebten

London auf eindringliche Weise

für Prag typischen Schwarzlicht-Theaters.

Der Tag der Rückfahrt war

gekommen und schon in den frühen

Freitagmorgenstunden machten wir

uns auf den Weg nach Hause. Doch

bevor wir Lüdinghausen erreichten,

wandelten wir in Weimar bei einem

Spaziergang durch die Stadt auf den

Spuren Schillers und Goethes, die

dort zu Lebzeiten viele ihrer Werke

verfassten. Außerdem sahen wir uns

das für uns als Geschichts-Hochleistungskurs

natürlich besonders

bedeutsame Theater an, in dem 1919

die erste Weimarer Nationalversammlung

getagt hatte.

Gegen 19 Uhr erreichten wir

Lüdinghausen und konnten nach

fünf Tagen Prag nicht nur ein Bier auf

tschechisch bestellen, sondern hatten

auch viele Seiten der Kulturmetropole

an der Moldau kennen und schätzen

gelernt.

Zum Abschluss geht ein großes

Lob und ein riesiges Dankeschön an

unseren Hirten Gero Borrmann, der

die teilweise chaotischen Situationen

immer überblickte und nicht nur

seiner Rolle als Lehrer gerecht wurde,

sondern vor allem auch jederzeit für

ein nettes Gespräch oder einen Spaß

zu haben war.

Sonja Neitzke und Elena Stenczl

BVB gegen

Manchester City

auf Großleinwand

„A man who is tired of London is tired

of life“- Diesen Wahlspruch Samuel

Johnsons konnten die Schüler zweier

Englisch-Leistungskurse des Canisianum

nur zu gut nachvollziehen, nachdem

es sie in der Woche vor den Herbstferien

2012 erneut in die Hauptstadt

Großbritanniens gezogen hatte. Bereits

in der Unterstufe waren die meisten der

48 Schülerinnen und Schüler, die sich

in der Begleitung ihrer Lehrer Maria

Schweers und Ulrich Thoden sowie der

Referendarin Anne Kübler über den

Ärmelkanal bewegten, in der sich stets

verändernden Millionenmetropole

gewesen.

Nun lernten sie London während

des fünftägigen Trips noch einmal aus

einer ganz anderen Perspektive kennen.

Faszinierend war etwa der Anblick der

nächtlichen Stadt im schummerigen

Schein von Gaslaternen, wie es sie in

London erstaunlicherweise immer

noch zu Tausenden gibt. Ungewöhnlich

empfanden alle auch die Verfolgung von

Spuren, welche der Frauenmörder Jack

the Ripper zur Zeit seines meuchlerischen

Schaffens hinterließ.

Ob unterwegs mit Tube, Bus, Taxi,

Fähre oder auch zu Fuß, die Schüler

fanden sich schon bald in dieser Global

Reisen und Lernen

115


Reisen und Lernen

Fortsetzung von Seite 115

City zurecht und bekamen so einige interessante

Ecken Londons zu sehen, wie

etwa den Null-Meridian in Greenwich,

von dem aus die Welt in die geografischen

Längen eingeteilt wird, die Tate

Gallery of Modern Art und damit die

weltweit größte Sammlung moderner

Kunst, das British Museum, in dem

sich nicht nur Wissenswertes über die

Geschichte des Vereinigten Königreichs,

sondern über die gesamte Weltgeschichte

befindet, und natürlich noch vieles

mehr. Über allem lag immer noch ein

Hauch des vergangenen Sommers, der

so stark von den olympischen Spielen

geprägt war, auch wenn das Wetter sich

wieder auf die für London typische Mischung

aus Sonne und Regen eingependelt

hatte.

Unvergessliche Augenblicke gab es

sicher auch beim feierlichen Evensong

in der weltberühmten Kathedrale Westminster

Abbey oder beim Schauen des

Fußballspiels des BVB gegen Manchester

City zusammen mit englischen Fans

auf Großleinwand in einer Londoner

Sports Bar.

Mit plattgelaufenen Füßen und

vielen interessanten Eindrücken im

Gepäck, die sicher auch die Arbeit im

Unterricht beeinflussen werden, kehrten

Schüler und Lehrer schließlich wieder in

heimische Gefilde zurück. Stark beeindruckt

wird es für viele aber sicherlich

nicht der letzte Besuch in der Metropole

gewesen sein, wusste doch Samuel

Johnson schon: „A man who is tired of

London…“ Astrid Benölken

116


Der Mathe-LK von Frau Hellmann in der deutschen Hauptstadt

Berlin als Variante mit

Attraktionspotential

Über unseren Kurs. Unser äußerst

kompetenter Mathekurs hat mit dem

Verhältnis Jungs/Mädels recht ausgewogene

Bedingungen und alle verstehen

sich ziemlich gut. Uns auf das Ziel der

LK-Fahrt zu einigen, war dennoch

eine Herausforderung. Zuerst wurden

die verschiedensten Vorschläge in den

Raum geworfen, die alle nach und nach

mit Argumenten wie „Das ist zu teuer!“,

„Was sollen wir denn da?“ und „Da gibt

es keine guten Kneipen!“ ausgemerzt

wurden. Wer hätte gedacht, dass wir,

obwohl der Großteil des Kurses Ziele

außerhalb von Deutschland im Sinn

hatte, dann doch in die deutsche Hauptstadt

fahren sollten? Wohl kaum einer,

aber da dies eine günstige Variante mit

viel Attraktionspotential ist, fiel die Entscheidung

dann also doch darauf - und

im Nachhinein war jeder zufrieden.

Die Fahrt. Fast noch mitten in der

Nacht ging es an jenem Montag, der

uns als 01. Oktober 2012 in Erinnerung

bleiben sollte, um 8 Uhr am Busbahnhof

in Lüdinghausen los. Mit dem Reisebus

über die Autobahn gefahren, waren

wir nach über fünf Stunden mit Pausen

dann am Zielort angekommen. Die

Stimmung im Bus war natürlich sowohl

auf der Hin- als auch auf der Rückfahrt

aufgeheitert, wenn man nicht versucht

hat zu schlafen.

Die Unterkunft. Das Fünf-Sterne-Hotel

„Adlon“ glänzt mit seiner optimalen

Lage unmittelbar vor dem Brandenburger

Tor am Pariser Platz. Schon die

luxuriöse Lobby strahlt eine angenehme

Atmosphäre aus und das Essen ist vom

Feinsten. Zu schade nur, dass wir nicht

dort, sondern im „Baxpax Downtown

Hostel“ unsere Nächte verbrachten.

Reisen und Lernen

117


Reisen und Lernen

Fortsetzung von Seite 117

Aber auch dort war es sehr schön. Neben

dem frei verfügbaren W-LAN - der

wohl wichtigsten Einrichtung in jedem

Hotel - gab es ein leckeres Frühstücksbuffet.

Die Zimmer hatten eine angemessene

Größe, in den Betten konnte

man durchaus schlafen und Bäder gab

es auch zur Genüge. Im Nachhinein

würden wir uns, falls das Hotel „Adlon“

wieder ausgebucht sein sollte, ein

weiteres Mal für unser „Baxpax-Hostel“

entscheiden.

Reisen in der Hauptstadt. Das Hauptverkehrsmittel

in Berlin war für uns die

S-Bahn. Am Ende der Woche kannte

man gefühlt die Hälfte der Linien

auswendig und da die Wartezeiten

höchstens zehn Minuten betrugen, kam

man schnell von A nach B. Anders war

es beim Besichtigen der Sehenswürdigkeiten.

Lange Fußmärsche bereiteten

einigen von uns nach drei Tagen schon

einige Schmerzen in der Sohle, man

kam im Großen und Ganzen aber damit

klar.

Unsere Unternehmungen. Als Münsterländer

mussten wir natürlich auch

eine Fahrradtour durch Berlin machen.

Unser Guide mit Echtheitssiegel („Wo

Tonio drauf steht, ist auch Tonio drin“

– Tonio) zeigte uns alle sehenswerten

Dinge, die mit der Mauer der DDR zusammenhängen.

Ein weiterer Abstecher

galt dem Olympia-Stadion, in welchem

wir viel über den nicht immer erfolgreichen

Hauptstadtverein Hertha BSC (und

vielleicht noch einige historische Dinge)

erfahren durften.

Bei der Besichtigung des Technik-Museums

war für fast jeden eine interessante

Ausstellung dabei, von alten Computern

über Dampfmaschinen bis hin zu

Flugzeugen oder Zügen. Der Reichstag

gilt als ein Höhepunkt unserer Fahrt,

in welchem wir zuerst das System

mit den Stühlen erklärt bekamen und

anschließend die Kuppel auf dem Dach

bestiegen. Außerdem hielt jeder aus

dem Kurs ein Kurzreferat zu bestimmten

Sehenswürdigkeiten, die wir dann

in langen Fußmärschen nach und nach

abklapperten.

Ernährung. Das Frühstück gab es

bekanntlich im Hostel, das als Buffet

sogar recht genießbar war. Tagsüber

und abends unterschied sich das Essen

dann je nach Lust und Laune zwischen

dem üblichen Fastfood und netten

Restaurants, wo man sich z.B. Pizza

bestellt hat. Also war das Essen dank

der Variationsmöglichkeiten insgesamt

sehr zufriedenstellend. Zur Verfügung

standen auch für den späten Abend viele

Bars und Clubs, die dann auch entsprechend

häufig von uns besucht wurden.

Natürlich waren wir immer pünktlich

zur vereinbarten Zeit um 24 Uhr wieder

in der Unterkunft.

Zusammenfassung. Die Stadt Berlin

bietet mit ihren attraktiven Möglichkeiten,

ihren Restaurants, ihren Bars, ihrem

S-Bahn-Netz und der annehmbaren

Anreise ein Ziel für tolle LK-Fahrten.

Insgesamt können wir also auf eine

gelungene Woche zurückblicken.

Julius Meinhardt

118


Herzlichen

Glückwunsch!

Veränderungen

zur Vollendung des 3. Dezenniums:

Katrin Vehof März 2012

Antje Appel-Hittscher Juni 2012

zur Vollendung des 4. Dezenniums:

Michael Greiner September 2012

Birgit Erdmann November 2012

zur Vollendung des 5. Dezenniums:

Andreas Wenking Juni 2012

zur Vollendung des 6. Dezenniums:

Michael Schmidt Januar 2012

Renate Hübner Juli 2012

zur Vollendung des 7. Dezenniums:

Willi Schmitt November 2012

zur Hochzeit:

Olga Kehm Juli 2012

zur Geburt der Kinder:

Julius Greiner *März 2012

Leo Brüggenolte *April 2012

Konstantin Kehm *November 2012

Neu im Kollegium:

Felix Bobbert:

Sport, Erdkunde Februar 2012

Michael Dahmen als Schulleiter:

Kath. Religion, Latein März 2012

Daniel Tatz:

Deutsch, Geschichte August 2012

Ausgeschieden:

Sonja Eggersmann Juli 2012

Eintritt in den Ruhestand:

Michael Tillmann Februar 2012

Karl-Heinz Kocar August 2012

Peter Mönning August 2012

Manfred Neuhaus II August 2012

Wolfgang Urbaniak August 2012

Wechsel im Vorsitz des Gymnasialund

Internatsvereins:

Renate Haltern

September 1992 bis März 2013

Christoph Schlütermann ab April 2013

Menschen und Momente

119


Christian Schausten feierte

90. Geburtstag

Ein Leben lang

vielseitig

interessiert und

engagiert

Menschen und Momente

Viele Schüler, ehemalige Lehrerkollegen

und Lüdinghauser erinnern sich mit

Dankbarkeit an das jahrzehntelange

Engagement von Christian Schausten.

Nicht wenige von ihnen haben ihm

daher Ende Mai letzten Jahres gratuliert,

denn der Lüdinghauser wurde 90 Jahre

alt.

Christian Schausten hat sich in mehr

als vier Jahrzehnten nicht nur beruflich,

sondern auch gemeinnützig in vielfacher

Weise engagiert. Ältere Bürger erinnern

sich an seine Tätigkeit als Ratsherr der

Stadt Lüdinghausen in den 1960er Jahren.

In dieser Zeit war er auch Vorsitzender

der CDU-Fraktion.

Andere haben sein Engagement für

das Gymnasium Canisianum vor Augen,

für das der damals bereits pensionierte

Regierungsbeamte von 1984 bis 1992 als

Vorsitzender des Gymnasialvereins tätig

war. Für die Privatschule sei Schausten

„ein Glücksfall“ gewesen, schrieben die

„Westfälischen Nachrichten“ anlässlich

seines 80. Geburtstags. Mit Zielstrebigkeit,

aber auch mit menschlicher Wärme

leistete er einen entscheidenden Beitrag

zur weiteren Profilierung des Canisianum.

Christian Schausten war Lehrer

durch und durch. Nach Kriegsdienst

und Studium engagierte sich der gebürtige

Bochumer zunächst als Volksschullehrer.

Volksschullehrer waren damals

das, was man heute Generalisten nennen

würden - Pädagogen, die sich in allen

Fächern auskennen mussten. Später

konzentrierte sich Christian Schausten

dann auf das Fach Geschichte.

Seine berufliche Laufbahn begann

er in Steinhausen. 1952 wurde er Schulleiter

in Lichtenau (beides Kreis Paderborn)

und wechselte 1960 ins Schulamt

für den Kreis Coesfeld. Weitere sechs

120


Jahre später berief ihn der Regierungspräsident

in Münster zum Dezernenten

für die Schulabteilung.

Zu dieser Zeit hatte Christian

Schausten privat längst seine Zelte in

Lüdinghausen aufgeschlagen. 1960 war

er mit seiner Frau in die Steverstadt

gezogen und zwei Jahre später baute der

vierfache Vater das Haus am Nottengartenweg,

in dem er mit seiner Frau heute

noch wohnt. „Lüdinghausen ist für uns

zur Heimat geworden“, sagte der 90-Jährige.

Von der Stever zog er auch nicht

fort, als er 1977 nach Arnsberg berufen

wurde. Für die dortige Bezirksregierung

leitete Schausten bis zu seiner Pensionierung

das neu eingerichtete Gesamtseminar

für die Aus- und Fortbildung

der Lehrer im Sauerland – der Höhepunkt

seiner beruflichen Laufbahn.

Nach deren Ende engagierte sich

der Pädagoge acht Jahre lang für das

Gymnasium Canisianum und zog

sich dann aus dem öffentlichen Leben

zurück. Aktiv ist er jedoch bis heute. Er

tritt als Mitglied im Lions Club und im

Kegelclub „Schreihälse“ auf, obwohl er

dort mittlerweile selbst nicht mehr die

Kugel schiebt.

Sein größtes Hobby aber ist die

Literatur, vor allem die in Bezug auf sein

ehemaliges Neigungsfach. Die Bücherregale

sind voll mit historischen Werken,

vor allem Biografien. Zeit zum Lesen

wird Christian Schausten an seinem Geburtstag

aber kaum gehabt haben, denn

hier stand die Feier mit seinen Gästen

im Vordergrund. WN

Auch Sonja Eggersmann und

Willi Schmidt gewürdigt

Vier Cani-

Urgesteine

verabschiedet

Abschied nehmen hieß es gegen Ende

des letzten Schuljahres gleich für

vier Lehrer des Canisianum, die zum

Urgestein der Schule zählten. Mit

einem Empfang in der Ermener Gaststätte

„Steverstrand“ ließen Manfred

Neuhaus, Wolfgang Urbaniak, Peter

Mönning und Karl-Heinz Kocar

ihre aktive Schulzeit im Kreis ihrer

Kollegen ausklingen. Ehrensache,

dass es sich weder die Schulleitung

um Michael Dahmen noch Renate

Haltern vom Schulträger nehmen

ließen, den künftigen Pensionären

den Start in die allerletzten Sommerferien

zu versüßen. Auch die bisherigen

Schulleiter Heinrich Hürfeld

und Hartmut Stutznäcker waren

der Einladung gefolgt und wurden

herzlich begrüßt. Bei der Verabschiedung

fanden Kollegen vom Lehrerrat

und den betroffenen Fachschaften

Menschen und Momente

121


Trotz lächelnder Gesichter lässt sich auch ein Gefühl von Wehmut erahnen:

Von links: Manfred Neuhaus, Wolfgang Urbaniak, Willi Schmitt, Sonja Eggersmann, Peter

Mönning und Karl-Heinz Kocar

Menschen und Momente

Fortsetzung von Seite 121

die richtigen Worte, um das Wirken der

scheidenden Pädagogen humorvoll ins

rechte Licht zu rücken. Ansonsten bot

das Treffen viel Gelegenheit, in lockerer

Form Erinnerungen Revue passieren

zu lassen, schließlich arbeiteten die vier

zum Teil 36 Jahre zusammen.

Auch die Mathe- und Sportlehrerin

Sonja Eggersmann verabschiedete sich.

Obwohl sie sich bisher am Canisianum

sehr heimisch gefühlt hatte, wechselte

sie aus familiären Gründen an eine

Schule ins ostwestfälische Rheda-Wiedenbrück.

Die persönlichen Kontakte zu

den Kolleginnen und Kollegen an ihrer

alten Schule will sie allerdings pflegen,

unter anderem durch das gemeinsame

Spielen in einer Volleyball-Mannschaft.

Seinen endgültigen Abschied vom

Cani nahm auch der ewig junge Willi

Schmitt, der nach seiner Pensionierung

vor vier Jahren noch für einige Stunden

pro Woche Französisch unterrichtet

hatte. Angesichts eines Lebensalters

von inzwischen 70 Jahren wurde er

von allen Beteiligten als das wirkliche

Urgestein des Canisianum empfunden.

Es ist immer wieder ein Genuss, wenn

er voller Witz und Ironie Erlebnisse aus

der „Frühphase“ der Cani-Entwicklung

zum Besten gibt. WN

122


Zum Abschied des Kollegen

Karl-Heinz Kocar

Ein Lehrer geht

Die Klänge von Wörtern verändern sich

und die Festigkeit der Begriffe gerät ins

Schwimmen:

Was ist eigentlich ein „Politiker“, was

macht einen „Arzt“ oder „Unternehmer“

aus und was weckt das Wort

„Polizist“ für Vorstellungen? Fragt man

heute nach einem „Lehrer“, dann endet

die Flut von Bildern und Assoziationen

häufig bei dem flexiblen Techniker von

Erziehungs- und Lernstrategien, der sich

einer geschützten Beamtensicherheit

erfreuen dürfe.

Unsere Vorstellungen von einem

Pädagogen dagegen erwuchsen schon

sehr früh eher aus der Kunst und

Literatur, und da waren es nicht die zu

Recht kritisierten Karikaturen eines

Lehrers, sondern Originale, von denen

eine bestimmte Leuchtkraft ausging. Da

war zunächst der alte Schulmeister, der

in der – in der deutschen Geschichte

so geschätzten – Tradition des Handwerkers

stand, jemand, der sein Metier

beherrschte, Einzelstücke und keine

Massenware gestaltete, es zum Meister

brachte und Schüler hatte, die von ihm

lernten.

Es war der Lehrer in Max Frischs

Bühnenstück „Andorra“, der eigensinnig

gegen den Strom der Volksmeinung

schwamm und engagiert für seine

Überzeugung kämpfte. Der Dramatiker

Bertolt Brecht hielt den Menschen

nicht für eingesperrt in ein tragisches

Sein, sondern für lernfähig. Das Denken

ermöglicht den neuen Blick und den

nächsten Schritt, und es ist der Lehrer,

an den die Menschen sich wenden, weil

er der Denkende ist, und klug werden

die genannt, die ihm sein Wissen

abverlangen. Nicht nur der chinesische

Weise Laotse wurde Lehrer genannt, ein

Rabbi war es ebenso und auch der Prinz

Gautama hatte Schüler.

Der deutsche Idealismus forderte,

dass man zum Menschen sich bilden

müsse und den so Gebildeten könne

man erkennen, denn gebildet ist der,

den es interessiert, wie sich die Welt aus

anderen Augen darstellt, und der glaubt,

das eigene Blickfeld auf diese Weise zu

erweitern. Ein Gebildeter ist kein Egoist

und er ist distanzfähig. Ihn interessiert,

wie die Dinge zusammenhängen und er

liebt die Sprache auf unaffektierte Weise.

Er kann sich mit etwas identifizieren,

Menschen und Momente

123


Menschen und Momente

Fortsetzung von Seite 123

ohne naiv und blind zu sein, kann sich

begeistern und scheut sich nicht zu werten.

Er kann genießen bei gleichzeitiger

Konsumdistanz und vor allem, er liebt

die Freundschaft. Und so antwortete

der Philosoph Norbert Bolz in einem

Vortrag über die Bedeutung der neuen

Medien für den modernen Unterricht

auf die Frage, was ihn in seiner eigenen

Schulzeit denn am nachhaltigsten geprägt

habe, überraschend und pointiert:

„Gute Bücher und die Person eines

echten Lehrers.“

Ein solcher ist am Ende des vergangenen

Schuljahres gegangen.

Einen Deutsch- und Religionslehrer

haben wir verabschiedet. Einen,

dem seine Fächer, aber auch alles, was

mit Schule und Gesellschaft zu tun hat,

viel bedeuten. So hat Karl-Heinz Kocar

auch dieser Schule seinen Stempel

aufgedrückt. Er ist der, der maßgeblich

die Präambel für das Schulprogramm

des Canisianum verfasst hat. Er ist

der, der vor Jahren den Austausch mit

polnischen Schülerinnen und Schülern

gemeinsam mit unserem früheren Kollegen

Peter Kopmeier ins Leben gerufen

hat. Er ist der, der die Kontakte zwischen

Schule und Kirche vor Ort initiiert und

gepflegt hat. Er ist der, den wir gerne für

wichtige Reden herangezogen haben. Er

ist der, der sich jahrelang im Lehrerrat

gemeinsam mit anderen Kollegen für

das Wohl dieser Schule eingesetzt hat.

Er ist der, der ganze Schülergenerationen

motiviert hat, nicht nur Dramen

zu lesen, sondern sich diese auch im

Bochumer Theater anzusehen.

Er ist aber auch der, der auf Schulfesten

kräftig das Tanzbein geschwungen

hat und dem einmal sein Automobil in

die Stever gerollt ist. Er ist der, der ein

blau-weißes Virus in sich trägt, aber

nicht das der Schalker, sondern das

vom heimatlichen MSV Duisburg. Dort

am westlichen Rand des Ruhrgebietes

wuchs er auf und dort steht er auch

schon einmal klatschend in den Zuschauerreihen.

Er ist der, der wichtige Ziele

durchaus eigensinnig und mit großem

Engagement verfolgt hat. Ja, auch eigensinnig

ist er und eigenwillig, hat Ecken

und Kanten, ist eben kein Untertanen-

Mensch, kein angepasster Charakter,

eine wahrhaft bescheidene Persönlichkeit,

vor allen Dingen aber ist er ein

Kollege, einer, der keine Ränke schmiedete,

der verzeihen konnte, einer, der

als bevorzugten Platz für sein Licht eher

den unter dem Scheffel wählte, einer,

den man nicht einfach ersetzen kann,

ein Unikat eben.

„Gute Bücher“, denen Norbert Bolz

so viel bildende Kraft zuspricht, waren

nicht nur zentraler Inhalt seiner beiden

Unterrichtsfächer, sondern auch seine

124


persönliche Leidenschaft. Wissen

konnte man diesem Lehrer wahrlich

„abverlangen“. Die Schwerelosigkeit,

zu der er durch Disziplin und Ruhe

den bürokratischen Teil der Schultätigkeit

degradierte, ließ immer das

Lebendige im Mittelpunkt stehen und

zur Geltung kommen. Und das waren

immer die Schüler und das produktive

Gespräch mit der Tradition, aus

der heraus die Gegenwart erfasst,

gestaltet und bewältigt werden kann.

Dazu bedarf es eben auch weiterhin

des „Lehrers“ als Persönlichkeit. Die

Klänge von Wörtern verändern sich,

dass der des Lehrers seinen besonderen

behält, verdanken wir Pädagogen

wie Karl-Heinz Kocar. Michael Schmidt

und Renate Hübner

Peter Mönnings Abschied nach 38

Dienstjahren:

Lehrer mit

Gelassenheit und

Humor

Es dürfte im letzten Jahrzehnt kaum ein

Mitglied des Cani-Kollegiums in der

Lokalpresse so präsent gewesen sein wie

Peter Mönning – sei es als Lehrer, als

Mitglied verschiedener Ausschüsse des

Stadtrates oder als Fraktionsvorsitzender

der Grünen. Die vor dem Hintergrund

dieser Öffentlichkeitspräsenz sich

entwickelnde Gelassenheit spiegelte sich

für jedermann erkennbar im schulischen

Alltag wider. Die Schultasche am

Riemen über der Schulter tragend, zog

er seine Bahnen durchs Canisianum und

nichts schien ihn erschüttern zu können

– weder eine morgendliche Fahrradfahrt

zur Schule durch den nicht seltenen

westfälischen Regen, eine unerwartete

Menschen und Momente

125


Menschen und Momente

Fortsetzung von Seite 125

Vertretungsstunde oder ein spontaner

Bühnenauftritt beim Abiturball.

Auch der gelegentliche Spagat

zwischen Gymnasiallehrer auf der einen

und Vertreter einer Politik, die nicht

immer gymnasialfreundlich war, auf der

anderen Seite konnte seine Gelassenheit

nicht ernsthaft gefährden, da er persönlich

dem Gymnasium als Schulform die

Stange hielt. Auch dass seine politische

Tätigkeit ihn zu einem Liebhaber des

Zwischenrufs auf Konferenzen werden

ließ, hatte nichts Verbissenes, sondern

blieb immer mit seinem Humor verknüpft.

Das in hohem Maße kommunikationsfreudige

und auf geradezu rheinische

Weise lebensfrohe Auftreten wurde auch

durch sein markantes Lachen unterstrichen.

Im Unterricht präsentierte er sich

dementsprechend geduldig, offen und

tolerant, wusste allerdings auch durch

eine große Sachkenntnis zu brillieren.

Dass Schüler ihm dabei gelegentlich eine

Tendenz zum Dozieren bescheinigt haben,

lässt sich sicher durch die benannten

Persönlichkeitsmerkmale erklären.

Zu der Peter Mönning auszeichnenden

Lebensfreude gehörte es auch, dass

zahlreiche Kurstreffen sowie kollegiale

Zusammenkünfte in seinem Garten

stattfanden und dass er Termine der

Cani-Schulfamilie sehr ernst nahm,

indem er regelmäßig die Abiturbälle besuchte

und ein gern gesehener Gast auf

den Jubiläumstreffen früherer Abschluss-

Jahrgänge war.

Im Alltag dominierten seine gute

Laune, seine Verlässlichkeit und seine

Kollegialität, wofür wir ihm ausdrücklich

danken, da diese Charakteristika unsere

Arbeit im Detail immer wieder erleichterten.

Gleichzeitig ist dies aber auch der

Grund, warum Schüler und Lehrer ihn

in Zukunft als wichtigen Bestandteil der

Cani-Gemeinschaft vermissen werden.

Entscheidender allerdings ist, dass es

ihm zusammen mit seiner ebenfalls

im Sommer 2012 pensionierten Frau

gelingt, die neu gewonnene Zeit produktiv

zu nutzen – wofür wir ihm alles Gute

wünschen. Gerold Meischen

126


Wolfgang Urbaniak verlässt das

Canisianum

Das personifizierte

Layout der

Schulzeitung

Wenn man im Internet den Namen

„Wolfgang Urbaniak“ googelt, stößt man

unter anderem auf einen Internet-Link

der Pfarrgemeinde St. Dionysius Seppenrade.

Dort bedankt sich jemand beim

Webmaster Urbaniak für dessen Arbeit

an der Homepage. Der Eintrag stammt

aus dem Jahre 2000, da war „google“

gerade einmal zwei Jahre alt. Wolfgang

Urbaniak dagegen zeigte sich damals

bereits computertechnisch mit allen

Wassern gewaschen, kannte fast jede

Ecke des „world wide web“ und wusste

die Vorteile des digitalen Zeitalters für

sich und seine Umwelt zu nutzen.

So war es bezeichnenderweise auch

er, der zu einem Team gehörte, das am

Cani sehr zur Freude der Klassen- und

Stufenleiter den digitalen Zeugnisausdruck

eingeführt hat. Nur die etwas

Dienstälteren können noch den Wert

dieser Pionierarbeit angemessen würdigen,

weil sie es bis dahin gewohnt waren,

jedes Zeugnis per Hand zu erstellen und

jeden eigenen Schreibfehler mit unschönen

Ausdrücken zu belegen.

Mit besonderem Herzblut arbeitete

Wolfgang Urbaniak bis zur aktuellen

Ausgabe an der Cani-Schulzeitung mit,

die ein ganz besonderes Aushängeschild

unserer Schule war und ist. Dabei

reizte ihn aber nicht so sehr die normale

Redaktionstätigkeit, sondern mehr das

Gestalterische. Mit Hilfe einer speziellen

Software entwickelte er im Laufe der

letzten zehn Jahre immer mehr seine

Fähigkeit, das Layout der Zeitschrift

nicht nur leserfreundlich zu gestalten,

sondern abwechslungsreich, lebendig

und ausdrucksstark. Dass dies viel Extrazeit

kostete und in der Endphase der

Redaktionsarbeit die Osterferien stark

reduzierte, konnten wahrscheinlich nur

wenige – so vor allem seine Familie –

nachvollziehen.

Wenn man Kollegen fragt, was ihnen

zu Wolfgang Urbaniak einfalle, würden

wahrscheinlich 80% ohne Zögern die

Fotografie nennen. Wer mit diesem Kollegen

zusammenarbeitete, dem konnte es

nicht entgehen, dass zwischen ihm und

dieser Kunstform eine besondere Beziehung

bestand. Auf der Suche nach einem

Menschen und Momente

127


Menschen und Momente

Fortsetzung von Seite 127

passenden Motiv vergaß er alles um

sich herum. Es soll vorgekommen sein,

dass er auf einer Klassenfahrt in London

verlorengegangen ist, weil er noch ganz

schnell ein Foto schießen wollte. Da es

ein „ganz schnell“ für Fotografen aber

nicht gibt, nahm sich Wolfgang Urbaniak

Zeit, bis er die richtige Perspektive

und die passende Einstellung für seinen

Fotoapparat gefunden hatte. Als es dann

„Klick!“ machte, hatte Wolfgang zwar

ein wunderschönes Foto, den Rest der

Gruppe allerdings verloren.

Wenn bedeutende Persönlichkeiten

von der großen Bühne abtreten, wird

ihnen zuweilen ein Denkmal gesetzt.

Wolfgang Urbaniak hingegen, der ein

praktisch veranlagter Mensch ist und

nichts dem Zufall überlässt, hat das am

Cani für sich bereits selbst erledigt. Es

gibt, wie jeder weiß, in der Pausenhalle

ein „Wolfgang-Urbaniak-Denkmal“ in

Gestalt einer Ausstellung mit den fotografischen

Gemälden sämtlicher Kolleginnen

und Kollegen. Diese Kunstwerke

haben uns als die am Cani Beschäftigten

sehr beeindruckt, besonders, weil die

meisten Kolleginnen und Kollegen dort

viel attraktiver als im stressigen Schulalltag

aussehen.

Die Fotos dienen dabei nicht nur

vielen Gästen des Canisianum als erste

Visitenkarte unserer Schule. Es soll auch

schon mancher Referendar oder neuer

Kollege beim Auswendiglernen der

Namen der Kolleginnen und Kollegen

beobachtet worden sein.

Wenn jemand als Germanist und

Historiker in Pension geht, ist davon

auszugehen, dass er einen Teil seiner

Privat-Bibliothek aus Zeitgründen noch

nicht gelesen hat und darauf brennt, dies

nachzuholen. Wenn er darüber hinaus

das Hobby des Fotografierens pflegt und

noch die eine andere Reise unternehmen

möchte, dann ist uns um seine schulfreie

Zukunft nicht bange.

Wir wünschen ihm und seiner

Familie, dass sich die angedeuteten Pläne

realisieren lassen und hoffen, ihn gelegentlich

wieder in unseren Räumlichkeiten

begrüßen zu können. Gero Borrmann

128


Manfred Neuhaus in den Ruhestand

verabschiedet

Der Cani-Dauerläufer

verlässt die

Schule

Manfred Neuhaus zu würdigen, fällt

schwer. Nicht etwa, weil man nicht viel

zu ihm zu sagen hätte. Es ist eher genau

das Gegenteil: Er hat sich auf so vielen

Gebieten engagiert, dass man es kaum

mit Hilfe weniger Worte zu Papier bringen

kann.

Manfred Neuhaus war als Chemiker

der Gefahrenstoff-Beauftragte der Schule,

Mediator bei der Etat-Verwaltung

der Fachschaften, Verwalter der Schulbücher,

Organisator von Schulfesten,

Kollegiumsausflügen und Ehemaligentreffen,

Medienbeauftragter, darüber

hinaus als Sänger, Kommunalpolitiker,

Herr tausender Bienen, Interessierter an

neuer Technik, Weihnachtsbaum-Plantagenbetreiber,

Schützenvereinsvorsitzender,

Vorsitzender des Heimatvereins

Ermen, Schrauber und Schweißer an

vornehmlich englischen Autos, Marathonläufer,

Triathlon-Athlet, Ranchbesitzer,

ehrenamtlicher kirchlicher

Mitarbeiter und vielem anderen aktiv

geworden. Es gibt kaum ein Gebiet, das

er ausgelassen hätte und wir Jüngeren

fragen uns ernsthaft: Wie hat er das alles

gleichzeitig geschafft? Wahrscheinlich

lag es daran, dass er, sobald er sich etwas

in den Kopf gesetzt hat, dieses mit westfälischer

Beharrlichkeit nicht mehr aus

den Augen gelassen und verfolgt hat.

Wer Manfred Neuhaus erleben durfte

und darf, für den verliert das Älterwerden

seinen Schrecken. Er ist immer

noch einer der sportlichsten in unserem

Kollegium. Das Ende seines offiziellen

Dienstes beging er einfach damit, dass

er durch ganz Deutschland gelaufen ist.

Tausend Kilometer ohne Begleitfahrzeug,

nur mit einem kleinen Rucksack

bepackt für einen karitativen Zweck, ein

Vorhaben, vor dem fast alle Jüngeren

zurückschrecken würden. Noch immer

nimmt Manfred Neuhaus an zahlreichen

Laufwettbewerben im Jahr teil.

Selbstverständlich landet er dabei auf

vorderen Plätzen und auch hier findet

sich wieder die zentrale Eigenschaft der

westfälischen Beharrlichkeit.

Dem Älterwerden wird oft nachgesagt,

dass es zu eingefahrenen Denkweisen

und einer Scheu vor Veränderungen

führt. Bei ihm merkt man nichts davon:

Menschen und Momente

129


Menschen und Momente

Fortsetzung von Seite 129

Er hat sich seine natürliche Neugier und

Begeisterungsfähigkeit gegenüber neuen

Dingen bewahrt. Dabei hat er sich immer

als jemand erwiesen, der die Dinge

kritisch auf ihre Praktikabilität hin überprüfte.

Menschen fällt es oft schwer, sich

von den Aufgaben zu trennen, die ihnen

viel bedeutet haben. Manche halten sich

dabei sogar für unersetzlich. Manfred

Neuhaus hat sich dagegen rechtzeitig

von seinen Aufgaben lösen können und

uns Jüngeren seinen Rat angeboten,

ohne den weiteren Weg bestimmen zu

wollen. Er hat uns dabei spüren lassen,

dass wir diesen Weg auch eigenständig

meistern können. Dabei fällt einem das

Bild von den großen Bäumen ein, unter

denen die jüngeren wachsen können.

An dieser Stelle können wir dafür nur

„Danke!“ sagen. Seine überaus humorvolle

und dabei gelassene Art hat Konflikte

gar nicht erst aufkommen lassen.

Manfred Neuhaus hat sich im

Kollegium als jemand bewährt, der sich

nicht durch Stimmungen beeinflussen

ließ, sondern klar und unabhängig seine

Ansichten vertreten hat. Wenn er redet,

hat er auch etwas zu sagen. Sein Unterricht

war daher von einer großen Ruhe

geprägt. Auch hat er die Gabe, vor eine

Menschenmenge zu treten, Präsenz zu

zeigen und durch seine Ausstrahlung

diese Menschenmenge für sich einzunehmen.

Zu Schülern hatte er immer einen

direkten Draht. Er sprach ihre Sprache

und wusste sie für Wettbewerbe

zu begeistern, bei denen die von ihm

betreuten Schüler oft überaus erfolgreich

abschnitten. Schülern, die es aus

verschiedenen Gründen nicht so leicht

hatten, hat er zur Seite gestanden - ohne

dies besonders öffentlich werden zu

lassen.

Kein Zweifel: Manfred Neuhaus

hat Maßstäbe gesetzt. Er hat auf seine

Art die Tugenden repräsentiert, die das

Miteinander am Canisianum ausmachen:

Wertebewusstsein, Gelassenheit,

Humor, Menschlichkeit, Sachkunde und

Toleranz.

Fast ist man geneigt zu sagen, dass

wir mit Manfred Neuhaus einen sehr

geschätzten Kollegen verloren haben.

Aber das ist nicht ganz richtig, denn so

vollständig ist er noch nicht gegangen,

sondern hilft der Schule immer noch

mit einigen Stunden in der Woche aus.

Sollte das schulische Dasein dann

doch eines Tages beendet sein, wird er

sich ohne Zweifel an die Gültigkeit des

früheren Gassenhauers von Udo Jürgens

erinnern:

Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an.

Mit 66 Jahren, da hat man Spaß daran.

Mit 66 Jahren, da kommt man erst in

Schuss. Mit 66 Jahren, ist noch lang

noch nicht Schluss. Dr. Georg Schütz

130


Tobias Kreutz gewann den Bundeswettbewerb

„Mathematik“

Formeln und

Gleichungen als

Kinderspiel

Über Themen wie „Komplexe Analysis“

oder die „Cauchy-Riemannschen

Differentialgleichungen“ vermag Tobias

Kreutz zu kommunizieren wie andere

Menschen über das aktuelle Wetter oder

die jüngsten Bundesliga-Ergebnisse.

Damit hat er natürlich nicht nur dem

Laien, sondern auch dem Alltags-

Mathematiker einiges voraus, denn für

Tobias Kreutz ist die Mathematik ein

Hobby, das er schon seit Jahren mit viel

Enthusiasmus und ungewöhnlichem

Erfolg betreibt.

So wurde der Schüler des Canisianum

im Februar dieses Jahres einer

der elf Sieger des Bundeswettbewerbs

„Mathematik“. 1300 Schülerinnen und

Schüler waren 2012 mit großem Ehrgeiz

in diesen Wettbewerb gestartet und

nach zwei Hausaufgabenrunden stellten

sich die besten 52 im Finale einer Befragung

durch Uni-Mathematiker. Die

Preisverleihung an die elf Erfolgreichen

erfolgte dann am 19. April in Köln.

Die in Fachkreisen hochgeschätzte

Auszeichnung bedeutet unter anderem

die Aufnahme in die Studienstiftung

des Deutschen Volkes, die mit der

Vergabe eines Stipendiums verbunden

ist. Außerdem erhält Tobias Kreutz die

Chance, im Sommer am renommierten

Max-Planck-Institut für Mathematik

in Bonn an einem Forschungsseminar

teilzunehmen.

Angesichts dieser Möglichkeiten

sei der Erfolg von Tobias Kreutz nicht

hoch genug einzuschätzen, betonten

die betreuenden Mathe-Lehrer Martin

Köller und Klaus Reichel. Der Weg

in die komplexe Welt von Formeln,

Gleichungen und Zahlen war für den Jugendlichen

bereits recht früh abzusehen.

So hat ihn sein früherer Lehrer Ulrich

Schweers schon während der sechsten

Klasse mit in den Unterricht eines

Mathe-Leistungskurses genommen. Im

Menschen und Momente

131


Fortsetzung von Seite 131

Laufe der nachfolgenden Jahre referierte

Tobias dann in der „AG für höhere Mathematik“

beim Mathe-Lehrer Wilhelm

Sternemann über komplexe Analysis

und übte für seine erste Teilnahme am

Bundeswettbewerb, die für den damaligen

Neuntklässler einen Anerkennungspreis

einbrachte.

An der Mathematik schätzt der

heutige Elftklässler, dass sie eine „exakte

Wissenschaft“ sei, für die es „Verstand

und Emotion“ brauche. Zugleich betont

er aber auch, dass sie sich nicht nur abstrakt,

ernst und streng darstelle, sondern

dass man auch eine hohe Kreativität

benötige. Sein anderes Hobby,

das Klavierspiel,

betreibt Tobias

Kreutz kaum

weniger begeistert

und erfolgreich.

Für eine konkrete

berufliche Perspektive

hat er

sich jedoch noch

nicht entschieden.

Mathematik oder

Musik– eines von

beiden wird es

letztlich dann aber

wohl sein. WN

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132


Marie Sibbel absolvierte Sozialpraktikum

in Berlin

Erfahrungen

im „sozialen

Brennpunkt“

Berlin – Tag und Nacht. Drei Wochen

lang. Jugendliche meines Alters könnten

dabei an die gleichnamige Doku-Soap

aus dem Fernsehen denken. Für mich

war dies meine neue Realität -jedenfalls

für eine Zeit lang. Berlin wurde

im Frühjahr 2012 zu meinem neuen

Zuhause und die Otto-Wels-Grundschule

(OWG) in Kreuzberg zu meinem

Arbeitsplatz. Das Sozialpraktikum, das

alle Schüler aus der Einführungsphase

des Canisianum zu absolvieren haben,

wollte ich unbedingt in Berlin machen.

Ich mag diese Stadt sehr und freute

mich, einmal völlig neue Erfahrungen

zu sammeln.

Ich konnte bei meiner Tante in

Charlottenburg wohnen. Sie ist befreun-

det mit der Schulleiterin der OWG. Es

war ideal: Ich konnte für drei Wochen

vom Dorf Seppenrade in die Hauptstadt

ziehen und das mit gutem Grund: mein

Praktikum. Anfangs war ich mir dennoch

nicht immer ganz sicher, ob ich

mir nicht doch eine Schule in meiner

Umgebung hätte suchen sollen. Schließlich

war der Berliner Bezirk Kreuzberg

als „sozialer Brennpunkt“ verschrien,

und selbst die Kinder wurden dort als

„Gangster“ bezeichnet. Ich hörte von

mangelnden Deutschkenntnissen und

Integrationsproblemen. Aber ich habe

mich davon nicht lange beirren lassen.

Und so saß ich also an meinem

„ersten“ Schultag mit 21 Kindern in

einer Klasse. Ich befand mich in einer

Lerngruppe, in der sieben Schülerinnen

und Schüler der Jahrgangsstufen eins

bis drei gemeinsam lernten. Da an der

OWG mehr als 96 % der Schüler nicht

deutscher Herkunft sind, hilft das jahrgangsübergreifende

Lernen besonders

bei Sprachproblemen. Ich hatte mir das

Problem allerdings schlimmer vorgestellt,

da mir schon von den Lehrern

erzählt worden war, dass in den überwiegend

türkischen Familien nur die

Muttersprache gesprochen wird. Aber

jedes der Kinder sprach Deutsch.

Jeden Morgen fuhr ich um sieben

Uhr mit Bus und U-Bahn los und war

gegen zehn vor acht in der Klasse. Nach

und nach kamen dann auch die Schüler

an. Direkt am ersten Tag fiel mir auf,

dass fast jedes Kind von Mutter oder

Vater bis zum Platz gebracht wurde.

Vermischt und Aufgeschrieben

133


Fortsetzung von Seite 133

Vermischt und Aufgeschrieben

Manchmal blieben die Erwachsenen

sogar bis zum Unterrichtsanfang da. Ich

kann mich noch sehr gut an eine Szene

erinnern, die mich fasziniert hat: Eine

Mutter brachte ihr Kind und fragte nach

dem Elternabend. Da sie allerdings kein

Deutsch sprach und die Lehrerin kein

Türkisch, sollte die Schülerin Gamze

dolmetschen, was auch problemlos

klappte. Ich fand es bemerkenswert, wie

schnell sie zwischen den beiden Sprachen

wechseln konnte.

Viele Eltern leben teilweise schon

seit Jahren in Kreuzberg, ohne richtig

Deutsch gelernt zu haben. Für diese ist

das allerdings nicht so problematisch,

denn dort leben ja viele Türken. Eine

Lehrerin beschrieb mir Kreuzberg als

eine Art „Parallelwelt“. Als ich Gamze

fragte, ob sie häufiger übersetzen müsse,

meinte sie: „Das macht meistens Orhun,

der kann das besser!”

Eine Lehrerin war mit der einen

Altersgruppe im Nebenraum, während

zwei weitere mit mir und den restlichen

Schülern im Klassenraum blieben und

den Wochenplan abarbeiteten. Viele

Aufgaben mussten gemeinsam mit

einem Partner gelöst werden. Das spielerische

Lernen kam dabei nicht zu kurz.

Das fand ich gut. Als „Schreibanfänger“

sollte Mahmout dann mit mir das

Schreiben üben. Er sollte neben einen

aufgemalten Gegenstand den passenden

Begriff schreiben. Manche Silben hat er

verschluckt oder einen Vokal am Ende

ausgelassen. Zusammen haben wir dann

das Wort laut und ganz deutlich ausgesprochen,

bis er es fehlerfrei schreiben

konnte. Mit anderen Schülern habe ich

Rechnen geübt oder auch gelesen oder

bei einem Aufsatz geholfen. Mir hat das

viel Spaß gemacht, da ich gut mit den

Kindern zurechtkam und es toll war zu

sehen, wenn diese ihre Aufgabe verstanden

hatten.

Den Satz von Roushan habe ich

zuerst gar nicht lesen können, da er von

134


Marie Sibbel mit „ihren“ türkischen Kindern in der

Otto-Wels-Grundschule von Berlin-Kreuzberg.

rechts nach links schrieb. Wie erklärte

man ihm das Ganze nur? Verstand er

meine Worte überhaupt? Einmal habe

ich dann auch noch etwas lernen sollen:

Kadir hat versucht, mir ein paar Worte

auf Türkisch beizubringen. Ganz schön

schwierig für mich, das zu behalten!

Bei den jährlich stattfindenden

„Schulspielen“ sollte getestet werden, ob

nicht für einige Schüler eine Einschulung

zum kommenden Schuljahr zu früh

kommen würde. Ich saß nun also mit

noch fünf Lehrpersonen in einem Extra-

Raum und wartete auf die Teilnehmer.

Die Teilnahme war freiwillig, es hatte

sich allerdings niemand abgemeldet.

Doch es kam niemand. Nahmen so viele

Eltern im Kiez die Schule nicht ernst?

Die Kinder waren mir gegenüber

immer sehr offen und neugierig. Ich

empfand sie als äußerst liebenswert, sie

sind mir schnell ans Herz gewachsen.

Wenn ich mittags „Schulschluss“ hatte,

fuhr ich zurück nach Charlottenburg.

Meine Tante und ich unternahmen

dann einiges in Berlin. Gern hätte ich

das Großstadtleben noch länger kennen

gelernt. Ich kann jedem nur raten, sich

seinen Praktikumsplatz nicht immer

in der Umgebung des Wohnortes zu

suchen. Es lohnt sich, einmal in eine

ganz andere Stadt zu gehen, da man so

viel mehr Erfahrungen sammeln und

für sein Leben eine Menge lernen kann.

Marie Sibbel

Vermischt und Aufgeschrieben

135


Forschungspreis für

Marian Horstmann

Den Meteoritenmutterkörpern

auf

der Spur

Vermischt und Aufgeschrieben

Der aus Lüdinghausen stammende Geowissenschaftler

Marian Horstmann von

der Arbeitsgruppe Kosmische Mineralogie

am Institut für Planetologie der

Universität Münster erhielt im Sommer

2012 den Bernd-Rendel-Preis der Deutschen

Forschungsgemeinschaft (DFG).

Damit würdigte die DFG, dass

der 26-jährige Doktorand und Ex-

Canisianer bereits vor seiner Promotion

einen bedeutenden Beitrag zur geowissenschaftlichen

Grundlagenforschung

geliefert hat. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft

vergibt derzeit jährlich

vier der mit 2000 Euro dotierten Preise

an junge Geowissenschaftlerinnen und

-wissenschaftler.

Kriterien für die Preisvergabe sind Qualität

und Originalität der Forschungsarbeiten.

Marian Horstmann hatte sich in

der Arbeitsgruppe von Prof. Dr. Addi

Bischoff, die sich der Erforschung von

Meteoriten widmet, mit verschiedenen

Aspekten dieses Themas befasst. Dazu

gehört die Untersuchung der ersten Ob-

jekte, die sich in der Frühphase des Sonnensystems

vor mehr als 4,5 Milliarden

Jahren aus dem solaren Nebel gebildet

haben und die bis heute in Meteoriten

erhalten geblieben sind. Außerdem hatte

Marian Horstmann sich mit der Bildung

und der Entwicklung planetarer Körper

auseinandergesetzt, wozu zum Beispiel

Meteoritenmutterkörper gehören. Meteoriten

sind Fragmente dieser Körper.

Sie gewähren den Forschern Einblicke

in die verschiedenen planetologischen

Prozesse, die auf den Mutterkörpern

ablaufen. Dazu zählen zum Beispiel

Kollisionen oder die thermische Metamorphose,

also die Umwandlung von

Gesteinen durch sehr hohe Temperaturen.

Marian Horstmann hatte bereits

im Jahr 2011 für seine herausragende

Masterarbeit den Absolventenpreis des

Fachbereichs Geowissenschaften der

Uni Münster erhalten. Zu beiden Preisen

gratuliert das Canisianum seinem

erfolgreichen Ex-Schüler sehr herzlich.

WN

136


Von Flensburg nach Garmisch-

Partenkirchen:

Manfred Neuhaus’

erfolgreicher

Sponsorenlauf

Das ehrgeizige Projekt eines 65-Jährigen:

Manfred Neuhaus startete im letzten

Sommer zu einem Sponsorenlauf,

der ihn von Flensburg an der dänischen

Grenze nach Garmisch-Partenkirchen

am Alpenrand führte.

Biologie und Chemie waren für

Manfred Neuhaus – weitgehend - passé.

38 Jahre hatte der Lüdinghauser diese

Fächer am Canisianum unterrichtet und

dabei ganze Schülergenerationen bis

zum Abitur begleitet. Mit dem Schuljahresende

2011/2012 begannen für den

Pädagogen seine letzten Sommerferien.

Hände in den Schoß und Beine hochlegen

– das kam für den Jung-Pensionär

allerdings nicht in Frage.

Schon vor mehr als einem Jahr sei

in ihm der Gedanke gereift, am Ende

seines Berufslebens „etwas sehr Persönliches

und Einmaliges“ zu tun. „Das

kann ich vor allem deshalb tun, weil ich

absolut gesund bin, was mich mit großer

Dankbarkeit erfüllt“, erzählte er. Die

Idee, Deutschland einmal von Norden

nach Süden zu durchqueren, ganz allein

Mit seinem Lauf von Flensburg nach

Garmisch sammelte Manfred Neuhaus

erfolgreich Spenden für Nijinas Ausbildung.

laufend, war das Ergebnis dieser Überlegungen.

Von Flensburg in Schleswig-

Holstein nach Garmisch-Partenkirchen

in Bayern, 1043 Kilometer, wollte Manfred

Neuhaus zurücklegen. 42 Tage Zeit

gab er sich dafür, wobei Tagesetappen

von etwa 35 Kilometern geplant waren.

Der Lauf hatte inzwischen allerdings

den reinen Selbstzweck für den

passionierten Marathon-Mann verloren.

„In der Zeit der Vorbereitung bin ich auf

die Idee gekommen, dem Ganzen einen

tieferen Sinn zu geben“, sagte er. Diesen

hatte er mit Hilfe von Pfarrer Thomas

Mappilaparambil gefunden. Über den

Geistlichen von St. Ludger konnte er

Kontakt zu einer jungen Frau im südin-

Vermischt und Aufgeschrieben

137


Vermischt und Aufgeschrieben

Fortsetzung von Seite 137

dischen Bundesstaat Kerala aufnehmen.

Nijina Jypson will Krankenschwester

werden. Doch in der bitterarmen Familie

fehlt das Geld für die Ausbildung,

die 160.000 indische Rupien kostet, was

einem Betrag von 2.700 Euro entspricht.

In einem Brief berichtete sie vom Selbstmord

ihres überschuldeten Vaters, ihren

drei kleinen Schwestern, der Großmutter

und der nur sporadisch Arbeit

findenden Mutter. Mit ihrem Beruf als

Krankenschwester wolle sie den Unterhalt

ihrer Familie sichern helfen.

„Ich will mit meiner Aktion

Spendengelder erlaufen, um Nijina die

Ausbildung zu ermöglichen“, nahm sich

Manfred Neuhaus vor. Um auch augenfällig

darauf aufmerksam zu machen,

ließ er sich den Namen der jungen Frau

auf sein Trikot drucken und die Nummer

des Spendenkontos gleich dazu. Er

wolle damit ein Zeichen setzen und im

Kleinen Hilfe leisten.

In den nächsten Wochen war er

dann mit kleinstem Gepäck unterwegs.

Ganze acht Kilo hatte er sich für seinen

Rucksack zugestanden. „Das Regenzeug

wiegt nur fünf Gramm.“ Die Route von

Nord nach Süd hatte er stets per I-Phone

und GPS im Blick. Übernachtet wurde

in kleinen Pensionen oder auch einmal

beim Bauern in der Scheune, wenn’s

nicht anders ging.

Als er nach 31 Tagen und einem

Ruhetag glücklich und hochzufrieden

in Garmisch das Ortseingangsschild

passierte, hatte er tatsächlich zehn Tage

weniger benötigt als geplant. Viele

bleibende Eindrücke über Menschen,

die er unterwegs getroffen hatte, über

abwechslungsreiche Landschaften und

Wetterlagen hatten den Laufmonat

geprägt. Es war ihm sogar möglich

geworden, von unterwegs mit seinem

indischen „Patenkind“ Nijina in einer

Konferenzschaltung zu telefonieren. Dabei

erlebte er eine überglückliche, junge

Frau, die jetzt in einem Internat eine

zweieinhalbjährige Ausbildung als Krankenschwester

absolvieren kann, denn

statt der angestrebten 2700 Euro gingen

auf dem Solidaritätskonto stattliche 3800

Euro ein, so dass eine weitere Unterstützung

möglich wird. Die Spenden kamen

vor allem aus Lüdinghausen, vereinzelt

aber auch aus ganz Deutschland. Da der

Lauf im Internet über Manfred Neuhaus’

Homepage jederzeit verfolgt werden

konnte, erhielt er auch viele aufmunternde

Mails, die ihm unterwegs die

Kraft gaben durchzuhalten. „Insgesamt

war es eine Erfahrung, die viel Energie

gekostet hat, die ich aber - gekoppelt mit

diesem beeindruckenden Spendenergebnis

– auf keinen Fall missen möchte“,

lautete das Fazit des gereiften Sportlers.

WN

138


Mit fünf Jahren begann Jasper

Holtel mit dem Schach. Heute

ist er die Nummer zwei bei den

Herren des Sk Lüdinghausen.

Jasper Holtel als Schach-Nachwuchshoffnung

Am liebsten das Nordische Gambit

Als er fünf Jahre alt war, kam Jasper

Holtel zum ersten Mal mit dem Spiel

der Könige in Berührung. Sein Großvater

brachte es seinem älteren Bruder

Frederik bei und Jasper stand daneben.

Kurze Zeit später schaute der damals

neunjährige Frederik beim Training des

örtlichen Schachklubs (SK) in der Burg

Lüdinghausen vorbei und wieder hatte

er den jüngeren Bruder im Schlepptau.

Doch beim Zuschauen blieb es nicht

lange. Jasper setzte sich bald selbst ans

Brett und lernte mit Rochaden (Doppelzug

von König und Turm) und Gambit

(Spieleröffnung mit Bauernopfer)

umzugehen. Der strategische Umgang

mit Springern, Läufern, Türmen und der

fast allmächtigen Dame wurde zu seiner

Leidenschaft. Heute gilt der 15-jährige

Canisianer als eine der großen Schach-

Nachwuchshoffnungen im Münsterland.

Beim heimischen SK spielt Jasper

Holtel in zwei Mannschaften. Bei den

Herren, die in der 1. Bezirksklasse

antreten, ist er der einzige Nachwuchsspieler

unter Erwachsenen und sitzt an

Brett zwei. Mit der U 15 des SK Lüdinghausen

ist er in der letzten Saison in

die Verbandsliga aufgestiegen. Aktuell

wird er vom Schachbund mit der DWZ

(Deutsche Wertungszahl) 1840 geführt.

Die regelmäßigen Spiele mit älteren

und meist erfahreneren Kontrahenten

begreift der 15-Jährige als Herausforderung:

„Es macht mir viel mehr Spaß,

gegen einen besseren Erwachsenen zu

spielen als gegen einen Gleichaltrigen,

der vielleicht noch gar nicht so lange

spielt.“

Doch auch beim Spiel gegen Erwachsene

ist er oft genug erfolgreich

und das nicht nur mit dem SK Lüdinghausen.

So gewann er im Herbst 2011

das Herausfordererturnier „Challengers“

der Münsterland Open in der Sendener

Steverhalle. 2010 war er hier bereits

Vermischt und Aufgeschrieben

139


Vermischt und Aufgeschrieben

Fortsetzung von Seite 139

Zweiter geworden.

An viele Partien kann er sich

später noch genau erinnern. „Das ist ja

auch das Schöne am Schachspiel“, sagt

Jasper Holtel. „Es macht Spaß, nachher

die ganzen Züge noch einmal im

Kopf durchzuspielen.“ Natürlich kennt

er nicht nur viele der eigenen Partien,

sondern auch viele brillante Züge

von Groß- und Schachweltmeistern.

Ein Vorbild hat er aber nicht - keinen

Fischer, keinen Kasparov. Dafür weiß er

durchaus, was er am Brett will: Das Nordische

Gambit etwa ist seine Lieblingseröffnung.

„Manchmal spiele ich auch im

Internet gegen andere Schachspieler“,

sagt er. Alle zwei Wochen hat er darüber

hinaus Online-Training. Dann sitzt er

am heimischen Computer und lässt

sich, gleichzeitig mit zwei anderen

Nachwuchsspielern aus Münster, von

dem Internationalen Meister Werner

Beckemeyer unterrichten. Mehrmals in

der Woche greift er zu seinen Büchern

über das königliche Spiel und vollzieht

Varianten berühmter Partien nach.

Dabei ist Schach beileibe nicht sein

Ein und Alles. Der 15-jährige, der auf

dem Canisianum in die zehnte Klasse

geht, nimmt Geigenunterricht, spielt

Badminton und Fußball. Das runde

Leder verfolgt er auch passiv, wobei

sein Lieblingsverein Werder Bremen

ist. Da bleibt nicht unbegrenzt viel Zeit

für das Schachtraining. Doch nicht

nur das Online-Training mit Werner

Beckemeyer, sondern auch das mit den

wirklichen Gegnern ist fest gesetzt. Zwei

Stunden in der Woche übt Jasper Holtel

mit seinen Mannschaftskollegen vom SK

in der Burg Lüdinghausen. Auch sein

Bruder Frederik zählt heute noch zu

seinen Sparringspartnern, obwohl der

inzwischen weit seltener als sein jüngerer

Bruder spielt. Dafür hat er gerade

am Canisianum erfolgreich sein Abitur

bestanden. WN

140


Standen „unter Strom“: Armin Heitkamp (Pressesprecher

der Stadt), Martin Bußkamp (LH-Marketing)

sowie Gerd Petrusch und Bernd Lieneweg

(ISOR)

21. Tour de Ruhr startete in LH

Elektroautos längst

keine Exoten mehr

Als Anfang Juli 2012 auf dem Marktplatz

die 21. „Tour de Ruhr“ startete,

waren nicht mehr die ganz großen

Exoten dabei. „Die Zeiten, in denen die

Fahrzeuge zusammengebaut wurden,

zum Beispiel mit einer Hollywoodschaukel,

sind vorbei“, sagte Organisator

und pensionierter Cani-Lehrer Bernd

Lieneweg von der Initiative Solarmobil

Ruhrgebiet (ISOR). Das ist für den Verein

auch gut so, denn es zeigt, dass die

Elektromobilität in den letzten Jahren

weiter vorangetrieben wurde.

Damit das Thema eine noch größere

Breitenwirkung erzielt, machte die Tour

auch in letzten Jahr wieder Station in

mehreren NRW-Städten. Gestartet

wurde am 6. Juli in Lüdinghausen und

einen Tag später begrüßte Bürgermeister

Richard Borgmann die Teilnehmer

vor dem Rathaus, ehe der evangelische

Pfarrer Stephan Kreutz die Fahrer mit

guten Wünschen auf die Strecke schickte.

In Nordkirchen übergab Richard

Borgmann die Staffel, eine Lithium-Ion-

Batterie, an seinen dortigen Amtskollegen

Dietmar Bergmann. Die weiteren

Stationen waren Selm, Lünen, Dortmund,

Düsseldorf und schließlich am 9.

Juli Aachen.

Der Vorsitzende der ISOR, Gerd

Petrusch, will die Bürger über die Alltagstauglichkeit

informieren: „Die Preise

purzeln, die Reichweiten steigen, die Infrastruktur

ist stark verbessert – darüber

wollen wir aufklären.“ Neu bei der Tour

waren Prüfungen, die Staffelübergaben

der Bürgermeister und die vielen Serienfahrzeuge.

Armin Heitkamp, der Pressesprecher

der Stadt Lüdinghausen, stellte fest:

„Wir sind gerne Gastgeber.“ Durch die

Kooperation des Canisianum, der ISOR

und der Stadt habe Lüdinghausen eine

lange Tradition in der Szene. Im letzten

Jahr konnte das „Sunny-Cani-Team“

allerdings nicht an den Start gehen, da

die Mitglieder noch keine Fahrerlaubnis

hatten. Armin Heitkamp zeigte sich froh

über die Initiative in Richtung Elektromobilität,

„denn das verbessert den

Verkehr in unserer ländlichen Kommune

und damit die Lebensqualität“.

Auch Martin Bußkamp von LH-Marketing

hat die Entwicklungen registriert:

„Die Strukturen sind so gut geworden,

dass wir gar nicht mehr so viel Hilfestellung

leisten müssen wie früher.“ WN

Vermischt und Aufgeschrieben

141


Eva Tennhoff über ihren Freiwilligendienst in Nordamerika

Das unverwechselbare Mexiko

Vermischt und Aufgeschrieben

Nach dem Abitur am Cani habe ich seit

dem 01. September 2011 neun Monate

lang während meines Freiwilligendienstes

in Morelia, der Hauptstadt des Bundesstaates

Michoacán, in Mexiko gelebt.

In dieser Zeit habe ich sowohl meine

Arbeit als auch die mexikanische Kultur

und das wunderschöne Land lieben und

schätzen gelernt.

Morelia liegt ca. 250 km westlich

von Mexiko-City und zählt wegen seiner

kolonial geprägten Altstadt, die seit

1991 zum Weltkulturerbe gehört, zu den

meistbesuchten Städten Mexikos. Meine

freiwillige Arbeit dort bestand darin, an

der Technischen Universität Morelias

zusammen mit drei anderen Freiwilligen

Sprachkurse zu geben. Hauptsächlich

unterrichtete ich Deutsch, aber auch

dreimal in der Woche Englisch und

Portugiesisch. Besonders Deutsch war

dort sehr gefragt, so dass wir alleine in

einem Semester acht neue Deutschkurse

einrichten konnten. Im Deutschunterricht

habe ich auch gemerkt, dass es mir

am meisten Spaß macht, meine eigene

Muttersprache zu unterrichten und dass

man dadurch auf viele Absonderlichkeiten

und Schwierigkeiten in seiner

eigenen Sprache aufmerksam wird, die

man sonst nie bemerkt hätte.

Neben meiner Zeit in der Universität

habe ich außerdem dienstags und

donnerstags in einem Zentrum für

krebskranke Kinder gearbeitet. Hier

wohnen Kinder, die aus den umliegenden

Dörfern kommen, um sich nach

ihrer Chemotherapie zu erholen und

sowohl medizinisch als auch in Bezug

auf ihre Bildung versorgt zu werden. In

diesem Zentrum bestand meine Arbeit

überwiegend darin, mit den Kindern zu

spielen, zu malen oder zu basteln.

Abgesehen davon haben wir versucht,

ihnen aber auch spielerisch kleine Dinge

beizubringen wie zum Beispiel die

Farben oder die Zahlen. Diese Arbeit

mit den Kindern hat mir wirklich sehr

viel Spaß gemacht, auch wenn es nicht

immer einfach war, da man häufig vor

Augen geführt bekam, unter welchem

harten Schicksal die Kinder litten.

Im Januar 2012 hatte ich die Gelegenheit,

das wunderschöne Mexiko als

Land näher kennen zu lernen und die

einzigartige Vielfalt, die es hier gibt, zu

erleben. Im Westen liegt der stürmische

Pazifik mit seinen riesigen Wellen und

seinen verlassenen Stränden, während

man im tiefen Süden auf eine faszinierende

indigene und von den alten Mayas

traditionell geprägte Kultur trifft. Im

Osten findet man schließlich das türkisklare

Wasser und den schneeweißen

Sandstrand der touristischen Karibik.

Zwei Dinge sind in diesem Land

142


esonders allgegenwärtig. Das sind zum

einen das unverwechselbare mexikanische

Essen und zum anderen der

katholische Glaube. Ich kenne kein

sagen, dass ich mich auch als Deutsche,

die vorher nicht einmal wusste, was Tortillas

sind und die nie scharf gegessen

hat, sehr schnell an diese Gewohnheiten

Vor den Maja-Pyramiden in Palenque

anderes Land, in dem es ein so traditionelles

und landestypisches Essen

gibt wie in Mexiko. Während für uns

Deutsche ein Essen aus Reis, Fleisch

und Bohnen schon vollständig ist, fehlen

den Mexikanern noch die Tortillas

(also das Fladenbrot) und die scharfe

Salsa-Gewürzsoße. Nichts ist typischer

für dieses Land als diese beiden Dinge,

selbst internationales Essen wie Sushi

oder Pizza wird hier mit Salsa vermexikanischt,

und anstatt mit Besteck wird

mit Tortillas gegessen. Aber ich muss

angepasst habe und auch alles mit Salsa

und Tortillas gegessen habe.

Was mich besonders beeindruckt

hat, ist der starke, zumeist katholische

Glaube der Mexikaner. Fast an jeder

Straßenecke steht ein Bild der Gottesmutter

Maria oder der Jungfrau Guadalupe.

Diese beiden werden in Mexiko

beinahe noch stärker verehrt als Jesus

selbst. Wo bei uns in der Mitte der

Kirche ein großes Kreuz hängt, ist dieses

in mexikanischen Kirchen eher klein,

während die Statue der Gottesmutter

Vermischt und Aufgeschrieben

143


Vermischt und Aufgeschrieben

Fortsetzung von Seite 143

oft doppelt so groß ist. Fahren oder

laufen die Mexikaner an einer Kirche

oder einem Gottesbild vorbei, bekreuzigen

sie sich jedes Mal. Dies war für

mich zu Beginn sehr befremdend,

doch für die mexikanische Bevölkerung

ist dies etwas ganz Normales

und zudem etwas sehr Wichtiges.

Auch die christlichen Feste werden

hier besonders groß gefeiert und

natürlich gibt es zu jedem Fest ein

traditionelles Essen.

Bei meinem Freiwilligendienst

in Mexiko wurde ich von dem

Programm „weltwärts“ vom Bundesministerium

für wirtschaftliche

Zusammenarbeit und Entwicklung

unterstützt. Der Hauptteil meiner

Kosten wurde von „weltwärts“ übernommen,

ein anderer Teil von meiner

deutschen Organisation, und jeder

Freiwillige verpflichtet sich, 150 Euro

im Monat selbst aufzubringen.

Nach neun Monaten in Mexiko

kann ich nur sagen, dass es eine

wunderschöne Zeit mit vielen neuen

Erfahrungen und Erlebnissen war.

Jedem, der daran interessiert ist,

eine neue Kultur kennen zu lernen,

in einem fremden Land zu arbeiten

und eine neue Sprache zu lernen,

würde ich so einen Freiwilligendienst,

wie ich ihn gemacht habe, dringend

empfehlen. Jetzt bin ich wieder in

Deutschland und vermisse Mexiko

sehr, so dass mich schon wieder das

Fernweh gepackt hat. Eva Tennhoff

Die Reisegruppe im ausgegrabenen

Amphitheater in Pompeji.

Cani-Eltern auf

antiken Pfaden

Eine Studiengruppe dem Canisianum

verbundener Eltern nutzte im Juni letzten

Jahres ein langes Wochenende, um

unter der Leitung des Altphilologen und

Ex-Cani-Lehrers Klaus Heisterkamp die

antiken Schätze des Golfs von Sorrent

in Süditalien zu erkunden. Ziele waren

unter anderem die Villa Poppaea sowie

Oplonti in Torre Annunciata, Pompeji,

Neapel und die Insel Capri, immer von

der beeindruckenden Kulisse des Vesuvs

begleitet. WN

144


Marietta Piekenbrock

Abitur am Canisianum 1984, ist Kulturmanagerin,

Journalistin sowie Autorin

und zurzeit als leitende Dramaturgin

der „RuhrTriennale“ tätig. Sie lebt in

Essen.

Foto: Ursula Kaufmann

Interview mit

Marietta Piekenbrock

„Die Kunst ist der

größte Ausdruck

von Freiheit“

Lehrkräfte, Eltern, aber auch heutige

Schüler empfinden es immer

wieder als hochinteressant, einen

Blick zurück in die Vergangenheit zu

werfen, zu der ganz wesentlich die

Biographien älterer Abiturjahrgänge

gehören. Wann haben Sie Ihr Abitur

am Canisianum bestanden?

Mein Abitur fiel in das Orwell-Jahr

1984. Die Gegenwart begann die Zukunft

einzuholen. Dass mein Jahrgang

offenbar zur berühmten „Generation

Golf “ gehörte, habe ich erst erfahren, als

der Autor und Journalist Florian Illies

sein berühmtes Buch veröffentlichte.

Das habe ich natürlich anders erlebt.

Auf dem Land fuhr man Traktor, Fahrrad

und Opel. Junge Frauen heirateten

in der Regel die Jungen vom Nachbarhof

oder aus dem nächsten Dorf. Ich erwähne

das, weil die schwierigste Aufgabe

nach dem Abitur für mich tatsächlich

darin bestand, aus dieser Welt herauszufinden.

Sie hat mich zu dem Menschen

gemacht, der ich heute bin. Sie war

ein guter Ort, um meine Fantasie und

meine Kreativität zu entdecken, aber

mir war klar, dass es für meine Interessen

und meinen Wissensdrang auf dem

Land keine Resonanzen gab.

Und wie hat sich Ihr beruflicher Weg

seitdem entwickelt?

Mein visionärer Horizont reichte nach

dem Abitur ungefähr knapp bis zur

französischen Mittelmeerküste. Also

bin ich zunächst in die Universitätsstadt

Aix-en-Provence gegangen, um dort

Sprache und Philosophie zu studieren.

Ich dachte, das sind erst einmal die

wichtigsten Werkzeuge zur Entdeckung

weiterer Welten. München und Paris

Cani Community

145


Cani Community

Fortsetzung von Seite 145

waren die nächsten Stationen. Nach

meinem Magister habe ich vor allem

freiberuflich gearbeitet, und zwar als

Übersetzerin, Redakteurin, Autorin und

Kuratorin. Anfang der Nullerjahre begann

ich als Journalistin zu arbeiten, zunächst

für die „Frankfurter Rundschau“,

dann für die „FAZ“. Ich schrieb über

Theater, Literatur, Kunst und Kulturpolitik

in München und im süddeutschen

Raum. 2004 engagierte mich der Regisseur

Jürgen Flimm als Dramaturgin für

die „RuhrTriennale“. Ich zog mit meinen

drei Kindern ins Ruhrgebiet, was ich bis

dahin nur als ewige Strukturwandel-

Steppe kannte. 2007 wechselte ich in das

Team der europäischen Kulturhauptstadt

„RUHR.2010“, bei dem ich für das

Programmfeld der darstellenden Künste

verantwortlich war.

Sie sind gegenwärtig bis 2014 als leitende

Dramaturgin der RuhrTriennale

tätig, wobei sich die RuhrTriennale

als internationales Fest der Künste im

Ruhrgebiet versteht. In der „Zeit“ war

sogar einmal die Rede davon, dass

„der Kohlenpott durch die RuhrTriennale

zum Wunderland des Theaters“

werde.

Die RuhrTriennale ist in der Tat ein

internationales Festival der Künste.

Spielorte sind die ehemaligen Industriedenkmäler

der Region. Wir laden

Künstler ins Ruhrgebiet ein, darunter

Komponisten, Regisseure, Choreografen,

bildende Künstler und Architekten,

um gemeinsam mit ihnen neue Projekte

und Programme zu entwickeln. Für uns

Programmmacher bedeutet das, dass

wir weltweit etwas suchen, was meistens

noch nicht existiert. Die RuhrTriennale

ist also ein Festival für neue, experimentelle

Formen. Es geht darum, Antennen

zu entwickeln für das, was wir morgen

haben wollen, aber vielleicht noch nicht

kennen. Mein wichtigstes Werkzeug ist

meine Intuition, das zweitwichtigste

mein Navigationsgerät.

Wie muss man sich hier Ihren Tätigkeitsbereich

konkret vorstellen?

Bücher lesen, Zeitungen lesen, Spielpläne

lesen, telefonieren, Fahrpläne

lesen, Flugpläne lesen, ein Hotel buchen,

schreiben, über die Autobahn fahren,

ins Theater gehen, Künstler treffen,

DVD.s sichten, ins Museum gehen,

weiter schreiben, Künstler treffen, ins

Büro gehen, Meetings veranstalten, mit

dem Team sprechen, ins Theater gehen,

Jury-Sitzungen beiwohnen, einen Vortrag

halten, zu einem Vortrag gehen, mit

einem Künstler ein Interview führen, telefonieren,

ein Budget lesen, ein Budget

zu hoch finden, die Auslastungszahlen

lesen, DVD.s sichten, Künstler treffen,

wieder telefonieren, Spielpläne lesen, auf

ein Festival reisen, auf eine Probe gehen,

einen Atelierbesuch machen, wieder

ins Museum gehen, ins Büro gehen,

Meetings besuchen, mit dem Team sprechen,

auf eine Premiere gehen, zu einer

Eröffnung gehen, Kollegen treffen, mit

146


dem Intendanten sprechen, dem Intendanten

widersprechen, ein neues Projekt

entwickeln, einen guten Titel suchen,

mit Journalisten sprechen, Journalisten

begeistern, mit Politikern sprechen, Politikern

widersprechen, morgens durch den

Wald laufen, wieder ins Theater gehen,

eine Pressemeldung schreiben, Künstler

einladen und ihnen die Spielstätten

zeigen, miteinander sprechen, wieder

eine Reise planen, eine Vorstellung zum

zweiten Mal sehen, eine Meinung revidieren,

eine Vorstellung zum fünften Mal

sehen, mit Studierenden diskutieren, mit

Zuschauern reden, das Team nach seiner

Meinung fragen, auf eine Probe gehen,

sich berühren lassen, in eine Ausstellung

gehen, die noch aufgebaut wird, in ein

Konzert gehen, in ein Flugzeug steigen, in

einer neuen Stadt ankommen, eine Sprache

nicht verstehen, vor einem Kunstwerk

in Tränen ausbrechen, aus einer Vorstellung

hinausgehen, Meetings haben, die

Meinung des Teams ignorieren, wieder

auf ein Festival fahren, sieben Shows

und 100 Kollegen an einem Tag sehen,

sehr früh aufstehen, um früh wieder zu

Hause zu sein. Was ich weniger mache:

auf Premierenfeiern gehen, auf Pressekonferenzen

gehen, in Kantinen sitzen, in

Sitzungen sitzen, in Podiumsdiskussionen

sitzen, auf Tagungen sitzen, sitzen und

warten. Was ich nie mache: mich auf die

Meinung von anderen verlassen. Kurz:

Ich bin eine Mischung aus Zeitzeugin,

Expertin, Kunstvermittlerin und Produzentin.

Ich sehe hin und höre zu.

Als sich das Ruhrgebiet 2010 als Kulturhauptstadt

Europas präsentierte,

waren Sie stark in die Vorbereitungen

eingebunden und in einem Aufsatz

sprachen Sie davon, dass die Künste

„Mitgestalter von Zukunft“ seien und

dass diese Künste „die Veränderung

unserer Städte beeinflussen und

prägen“ sollten. Können Sie diese

programmatische Aussage ein wenig

näher erläutern?

Events wie Kulturhauptstädte sind Lernund

Aufmerksamkeitsriesen. Nicht alle

Großprojekte und Grenzgänge sind

gelungen, aber ich denke, man konnte

ganz konkret erleben, dass hier eine

postindustrielle Gesellschaft im Begriff

ist, sich über Kunst und Kultur neu zu

definieren. Im Kern ging es um diesen

Transformationsprozess, der natürlich

noch lange nicht abgeschlossen ist. Das

ist ein Generationenprojekt!

Ein Theater- oder Opernbesuch kann

unsere Erfahrung von Wirklichkeit

vervollständigen. Neugierde und Ängstlichkeit

gehören zu den archaischsten

Gefühlen, mit denen der Mensch

seiner Umgebung, also auch der Kunst,

entgegentritt. Wir schauen zurück und

voraus. Wir überlegen, was kommen

könnte, suchen nach vergleichbaren

Situationen oder Zusammenhängen. Die

Künste, insbesondere das Theater, geben

diesen Spiel- und Reflexionsformen, die

uns über den Augenblick erheben, einen

Raum, einen weiten Horizont, eine

Höhe, eine Ferne. Wir üben, bereit zu

Cani Community

147


Cani Community

Fortsetzung von Seite 147

sein für das, was wir noch nicht kennen

und wofür wir möglicherweise noch

keine Begriffe haben. Wir lernen, mit

Komplexität und Fremdheit gelassener

und toleranter umzugehen. Die Kunst

reißt uns aus unserem Trott heraus, sie

ist der größte Ausdruck von Freiheit.

Und um unsere Gesellschaft gestalten zu

können, um auf die vielen öffentlichen

Krisenszenarien reagieren zu können,

brauchen wir genau das: Mut, Fantasie

und die Zuversicht, dass Situationen

veränderbar sind.

Im Herbst 2012 starb der zeitgenössische

Komponist Hans Werner Henze.

Er wurde von der Kulturhauptstadt

im Kontext der RuhrTriennale sehr

gewürdigt. Inwiefern können ein

moderner Komponist wie Henze und

seine Musik (u.a. seine 2010 aufgeführte

Jugendoper „Gisela“) für Ihre

Kulturarbeit von Bedeutung sein?

Vielleicht so viel: Hans Werner Henze

gehört zu den glaubwürdigsten, feinsinnigsten

Künstlerpersönlichkeiten, denen

ich bisher begegnet bin. Er strahlte aus,

dass die Erfahrung von Freiheit nicht

immer mit einer Genusserfahrung verbunden

ist. Seine Konzentration, seine

Hingabe, sein Humor und seine Fähigkeit

zur Kommunikation mit anderen

waren außergewöhnlich. Die Nachricht

von seinem Tod war alles andere als

überraschend, trotzdem traf sie mich

wie ein Blitz. Der Komponist Wolfgang

Rihm schrieb in einem kurzen Nachruf:

„Von ihm war zu lernen: nicht klein zu

denken, die eigne Position stets auch für

andere einzusetzen. (…) Immer spricht

seine Musik zu einem DU, so entschieden

er, bis zu seinem Ende, künstlerisch

ICH zu sagen verstand.“ Höchste Intensität

in allen menschlichen Angelegenheiten

und höchste Klarheit und

Konsequenz im künstlerischen Denken

- mit dieser Doppelbegabung war er der

letzte Mohikaner einer Generation zahlreicher

Denker und Pioniere, die mit

ihrem künstlerischen Schaffen die Welt

verändern wollten. Insofern war er eine

wichtige Figur für unsere Arbeitshypothese

von der Kultur des Wandels und

dem Wandel durch Kunst und Kultur.

Zu Ihren gegenwärtigen Aktivitäten

zählt auch ein „No Education“-Projekt,

das sich mit den ästhetischen

Erfahrungen von Kindern beschäftigt.

Lehrer runzeln berufsbedingt zunächst

einmal die Stirn, wenn Erziehungsüberlegungen

in Frage gestellt

werden. Wie vermittelt Ihr Projekt

die gewünschten ästhetischen Erfahrungen?

Ich muss lachen. Der Titel hat zu

Anfang tatsächlich viel Stirnrunzeln

verursacht, vor allem beim Bundestagspräsidenten

Norbert Lammert, der die

Unterwanderung der deutschen Sprache

durch das Englische nur schwer erträgt.

Er hat dann auch konsequenterweise

148


seine Schirmherrschaft für die Vermittlungsabteilung

der RuhrTriennale zurückgegeben.

In Kürze: „No Education“

ist eine Gegenwehr. Kulturelle Bildung

und Vermittlungsprojekte suggerieren

uns häufig, erst Kennerschaft befähige

uns zu einer tiefen künstlerischen

Erfahrung.

Wir alle kennen das: Für die Ohren und

Augen von heute kann die Begegnung

mit zeitgenössischer Kunst Fremdheit

bedeuten oder eine chaotische Erfahrung

auslösen. Wir hören eine Sprache,

deren Vokabular, deren Syntax wir nicht

kennen. „No Education“ eröffnet ein

Terrain, in dem das Nicht-Wissen oder

Nicht-Verstehen zu keiner schmerzhaften

oder ausgrenzenden Erfahrung

führt, sondern ein neues, sinnliches

Verstehen entzündet. „No Education“

könnte eine Antwort sein auf die Frage:

Wie können wir Kunst und Kultur für

alle Menschen zugänglich machen?

Bei uns sehen Kinder und Jugendliche

dasselbe Programm wie die Erwachsenen:

Sie erleben eine dreistündige Oper,

eine Performance in englischer Sprache,

ein Konzert neuer Musik oder ein Tanztheaterstück,

das morgens um 5.00 Uhr

beginnt. In den Premieren sitzen sie auf

den besten Plätzen in den ersten Reihen

und sie werden behandelt wie VIP.s.

Könnten Sie sich Übertragungsmöglichkeiten

auf die Schule vorstellen?

Kinder und Jugendliche erleben in „No

Education“-Projekten, dass sie mächtig

und wichtig sind. Sie erfahren, dass Ihre

Meinung relevant ist und ihre Kreativität

eine verändernde Kraft hat. Als

ich aufs Canisianum ging, war es genau

das: ein Erfahrungsraum und weniger

ein Lernort. Falls sich das inzwischen

geändert haben sollte, schlage ich einen

Betriebsausflug zur RuhrTriennale vor!

Was haben Sie darüber hinaus für Erinnerungen

an Ihre eigene Schulzeit

am Canisianum?

Nach seiner Kindheit und Jugend befragt,

entwickelte der Regisseur Werner

Herzog neulich in einem Interview das

Bild von einer geschlossenen Welt, wie

man sie aus dem 17. oder 18. Jahrhundert

kennt. „Wir Kinder“, sagt er, „waren

völlig uns selbst überlassen, und es

war eine Welt der Wunder. Es gab den

Feenwald und lauter archaische Figuren

im Dorf, zum Beispiel den Mann, der in

einer riesigen Wirtshausrauferei sich als

der Allerstärkste etabliert hatte. Solche

Leute waren unsere Heroen. Aber

obwohl es so abgeschieden war, war

die Außenwelt ja nicht ganz weg. Beide

Eltern waren Akademiker, es gab also

die Welt der Ideen.“

Diese Schilderung hat mich stark

an meine eigene Kindheit erinnert.

Wir lebten sehr isoliert. Es gab keine

Nachbarskinder, keinen Kindergarten,

kein Kaufhaus, kein Kino. Das Antlitz

der Natur war meine erste ästhetische

Erfahrung, mein erster Regisseur. Meine

Mutter war in Berlin und Prag aufge-

Cani Community

149


Fortsetzung von Seite 149

wachsen. Sie verkörperte die Außenwelt.

Sie verschaffte uns Zugang zur Welt der

Ideen, die dann mit Beginn der Schulzeit

ins Unendliche explodierten. Ich

bin gern zur Schule gegangen. Ich war

verrückt danach und ich bin froh, dass

ich Schule nie als ein repressives System

erlebt habe. Die Lehrer, an die ich mich

bis heute erinnere, gehörten zu der

Sorte, die ihre Fächer und ihren Beruf

liebten. Das waren moderne, inspirierte,

unkonventionelle Persönlichkeiten, das

waren leidenschaftliche Performer. Die

Zwergschule meiner Grundschulzeit

und das Canisianum - das waren für

mich die ersten Unterhaltungs- und Kulturbetriebe,

die ich kennenlernte. Die

reinsten Event- und Lernmaschinen!

Das totale Reizinferno!

Im Vorfeld unseres Interviews sprach

Ihre ehemalige Lehrerin Frau Laudick

davon, dass Sie seit der Klasse 8

Mitglied und Motor der schulischen

Theater-AG gewesen seien. Kann man

also davon ausgehen, dass das Canisianum

Sie hinsichtlich Ihrer Berufswahl

beeinflusst hat?

saß ich also zum ersten Mal wieder in

dieser Aula. Die Theater AG und die gemeinsamen

Exkursionen ins Bochumer

Schauspielhaus – das waren neben den

Naturerfahrungen der Kindheit so etwas

wie meine ästhetische Grundausbildung

und insofern natürlich maßgeblich für

meine Berufswahl. Die Rückkehr an

diesen für mich fast mythischen Ort war

irgendwie bewegend. Gleichzeitig war

ich erschrocken, fast gelähmt: dieselben

Stühle, derselbe Bohnerwachsgeruch,

derselbe Bühnenvorhang. Eine Hammer-Erfahrung.

Wahrscheinlich war das

damals schon genauso trivial, fad und

glanzlos. Aber ich habe es eben anders

erlebt und offenbar war diese Stimmung

genau richtig, um mich in die Welt zu

treiben.

Es gibt sicher nicht wenige Abiturienten,

die sich eine berufliche Perspektive

im Kulturbetrieb vorstellen

können. Über welche Interessen,

Fähigkeiten und Persönlichkeitsmerkmale

sollte man verfügen, um

in diesem Bereich zu bestehen oder

erfolgreich zu sein?

Cani Community

150

Ob mich das Canisianum beeinflusst

hat bei meiner Berufswahl? Ich würde

sagen: Es war für mich ein Ort, der viele

Türen aufriss, der Fragen stellte, der

meine Intellektualität entwickelte und

mich mit den Formgesetzen der Kunst

in Berührung brachte. Vor ein paar

Monaten war ich auf einer Premiere der

Cani-Theater-AG. Nach fast 30 Jahren

Sie meinen: Wie kommt man dahin,

dass man bezahlt wird für das, was man

am liebsten macht? Vermutlich sind es

dieselben Dinge, die jeden unabhängigen

Menschen ausmachen - eine progressive

Politikerin genauso wie einen

innovativen Forscher, einen radikalen

Künstler oder eine kritische Journalistin:

das Interesse für alles, was man noch


nicht kennt,

die Kunst, das Wesentliche vom Unwesentlichen

zu unterscheiden,

das Vertrauen in die Produktivität

von Zufällen,

die Geistesgegenwart, seine Ambitionen

zu verteidigen, wenn einem das

Leben in die Quere kommt.

Keine großen Dinge also. Na ja, vielleicht

doch noch eine Sache: Keinen

falschen Handel eingehen und bereit

sein, mit seinen Mitteln und seiner

Energie Ideen zu unterstützen, die

von der Mehrheit vielleicht gerade

nicht geteilt werden.

Frau Piekenbrock, herzlichen Dank

für das Gespräch und alles Gute für

Sie und Ihre Familie!

Cani-Hausmeister Thomas Hols

im Gespräch

„Herausforderungen

nehme

ich gerne an.“

Herr Hols – Sie sind der Hausmeister

des Canisianum und allen aktiven

Mitgliedern unserer Schulgemeinde

als Helfer und Problemlöser im Alltag

bekannt. Aber wie wir bereits mehrfach

erleben konnten, zeigen Sie Ihre wahren

Qualitäten vor allem in zugespitzten

Situationen. So haben Sie zum Beispiel

durch Ihren unermüdlichen Einsatz

beim letzten Schulfest nicht unerheblich

zum Erfolg der Veranstaltung beigetragen.

Trotz dieser Erfahrungen können

sich sicher aber nur wenige ein konkretes

Bild von Ihrer Person und Ihrer

Gesamtarbeit machen. Deshalb bitten

Cani Community

151


Cani Community

Fortsetzung von Seite 151

wir Sie, uns ein paar Fragen zu Ihrem

Alltag zu beantworten.

Seit wann sind Sie an unserer Schule

beschäftigt und was haben Sie vorher

beruflich gemacht?

Ich bin seit dem 01.09.2009 am Canisianum

beschäftigt. Als gelernter Elektroinstallateur

war ich vorher im Kundendienst

tätig.

Könnten Sie einmal einen halbwegs

typischen Arbeitstag schildern, den

Sie hier im Hause zu bewältigen

haben?

Mein Arbeitstag beginnt mit einem

Rundgang durch das Schulgebäude und

über das Schulgelände. Dabei schließe

ich zum Beispiel die Türen auf. Im Anschluss

überprüfe ich die Wasserwerte

im Schwimmbad, ob ein Badebetrieb im

Bereich des Schulschwimmens möglich

ist. Diese Überprüfung erfolgt mehrmals

am Tag. Zwischendurch fallen verschiedene

Botengänge an, die mich zur Post

oder zur Bank führen und auf denen ich

mich um Materialkäufe kümmere. Mein

Aufgabengebiet umfasst vor allem aber

die Beaufsichtigung bzw. die Ausführung

sämtlicher Reparaturarbeiten im

und am Gebäude sowie an den technischen

Anlagen. Hierzu gehören z. B.

auch die Heizungsanlage, die Alarmanlage

und die Schließanlage.

Wenn Sie jemand nach einer Kabeltrommel

fragt oder bittet, die Tonerpatrone

für einen der Fotokopierer zu

wechseln, so wird Sie das sicherlich

nicht besonders nervös machen.

Problematischer war es da sicher, als

Sie der „Pommes-Stand“ am Ende

des Schulfestes um die fachgerechte

Entsorgung des verbliebenen Fettes

bat. Können Sie sich an eine Alltagssituation

erinnern, die Ihnen Kopfzerbrechen

bereitet hat oder über die Sie

sich besonders gefreut oder geärgert

haben?

Geärgert habe ich mich bisher nur, als

die Heizungsanlage aufgrund eines

Wasserschadens kurz vor dem „Tag der

offenen Tür“ ausfiel. Erfreut bin ich über

die harmonische Zusammenarbeit aller

an dieser Schule. Kopfzerbrechen bereitet

mir dagegen so leicht nichts.

Sie gelten als jemand, den man als

Seele des Hauses bezeichnen kann,

da Sie für scheinbar alles eine Lösung

haben und dabei mit Ruhe, Besonnenheit

und stets guter Laune auftreten.

Liegt das Geheimnis dafür in

ausgeklügelten Entspannungsübungen

oder erfreuen Sie sich an ständig

neuen Herausforderungen?

Herausforderungen nehme ich gerne

und mit Begeisterung an. Aber die Entspannung

ist für mich auch sehr wichtig

– kurioserweise findet diese bei mir auf

152


meiner Enduro-Maschine im Gelände

statt. Adrenalin und Entspannung pur –

ein perfekter Ausgleich!

Wenn es um diese Herausforderungen

geht, stellen Sie sich ja bekanntlich

auch außerschulischen Aufgaben.

So berichteten die „Westfälischen

Nachrichten“ bereits mehrfach von

Ihren Erfolgen als Cross-Fahrer bei

den Lüdinghauser Grasbahnrennen.

Was reizt Sie außer der Kombination

von Adrenalin und Entspannung noch

an diesen doch eher ungewöhnlichen

sportlichen Aktivitäten?

beinhaltet natürlich auch, notwendige

Reparaturen vornehmen zu können.

Darüber hinaus können sie auch auf

dem Schulgelände ihr Fahrkönnen unter

Beweis stellen.

Sie sind der stolze Vater einer Tochter

und eines Sohnes, die gelegentlich

auch bereits auf dem Schulgelände

gesehen wurden. Führen Sie die beiden

behutsam an die Aufgaben eines

Hausmeisters heran oder sollen sie

sich als künftige Cani-Schüler bereits

mit den Bedingungen vor Ort vertraut

machen?

Mich reizt es, dieses Motorrad mit

Geschicklichkeit und Technik zu beherrschen.

Diese Sportart fordert aber

auch Konzentration, Kraft und Ausdauer.

Außerdem ist das Lüdinghauser

Grasbahnrennen für mich ein jährlicher

„Ausbruch“, eine Abwechslung, da ich

sonst eher im Gelände bzw. auf Endurostrecken

zu finden bin.

In unserer letzten Ausgabe haben wir

darüber berichtet, dass Sie auch das

Sunny-Cani-Team tatkräftig unterstützen.

Worin sehen Sie hierbei Ihre

Aufgabe?

Mir macht es Spaß, den Jugendlichen

das Thema der „Elektrotechnik“ näher

zu bringen - und das anhand der schuleigenen

Elektroautos. Die Schüler lernen

den Umgang mit der Technik und das

Ich habe Freude daran, meinen Kindern

die Vielfalt der Technik – sei sie modern

oder schon etwas antik – an einem so

komplexen Gebäude, wie es das Cani

bietet, auch in der Praxis zeigen zu

können. Technik ist superspannend,

Technik bedeutet Fortschritt und gehört

einfach zum Alltag dazu. Natürlich wäre

es toll, wenn meine Kinder demnächst

auch als „Schüler“ das Cani besuchen

könnten. Auf dem Gelände kennen sie

sich ja schon aus.

Frau Laudick hat Sie vor kurzem

nicht als „Hausmeister“, sondern als

„Meister des Hauses“ bezeichnet. Wir

glauben, dass sich dem nichts hinzufügen

lässt und danken Ihnen ganz

herzlich für das Gespräch. Alles Gute

für Sie und Ihre Familie!

Cani Community

153


Alina Seiche genoss Japan-Abenteuer

Gesangsauftritt in Tokioter

Fernsehshow

Cani Community

Japan ist für die Cani-Schülerin das

Land ihrer Träume. Dass sie im März

2013 die Gelegenheit bekam, diesem

Land einen Besuch abzustatten, war

für sie unfassbar. Begleitet von ihrem

Japanisch-Lehrer Clemens Schlüter stieg

sie dann in den Flieger und das alles

nur, weil sie einen Song über Youtube

ins Netz gestellt hatte.

Unverhofft kommt oft: Eigentlich

hatte Alina Seiche ihr „Home-Video“

nur aus Jux und Dollerei ins Netz

gestellt. Sie saß dabei am Piano und

trällerte ein Lied auf japanisch. „Denen

scheint das wohl gefallen zu haben“,

schmunzelte die 17-Jährige. Bei „denen“

handelt es sich um die Produzenten des

japanischen Fernsehsenders Nippon

Television. Auf diesem Wege bekam die

Lüdinghauser Schülerin dann ein besonderes

Ostergeschenk: Sie verbrachte die

Ostertage in Tokio und nahm an einer

Fernsehshow teil.

Bereits vor über einem Jahr hatte

sie ihr Lied aufgenommen und es fast

schon vergessen. In Japan wurde der

Ausschnitt aus dem Clip jedoch im

Fernsehen gesendet – und damit begann

für Alina das Abenteuer.

„Eigentlich lief alles ganz unspektakulär

ab“, sagte die 17-Jährige. Mit dem

Ausfüllen eines Anmeldeformulars war

alles erledigt. Damit war sie drin in der

Show, die den Titel „No do jimau“ trägt,

was so viel heißt wie „Stolz auf deine

eigene Stimme“. In dieser Fernsehshow

treten ausländische Jugendliche auf, die

jedoch auf japanisch singen. Zur Vorbe-

154


Foto linke Seite: Alina

Seiche stand im Mittelpunkt

der Dreharbeiten

für einen kurzen

Spot, der während der

TV-Show eingeblendet

wurde. Im Hintergrund:

Japanischlehrer Clemens

Schlüter, der Alina

nach Japan begleitete

und Frederieke Hens,

die die Produktion von

Nippon Television in

Europa koordiniert.

reitung dieser Sendung war Noritusgu

Totsuka eigens nach Lüdinghausen

gekommen. Während der Show wird

nämlich auch ein kurzer Video-Spot

eingeblendet, der die jeweilige Kandidatin

in ihrer heimischen Umgebung zeigt.

Am Canisianum, in ihrer familiären

Umgebung und natürlich vor der Burg

Vischering wurden die entsprechenden

Aufnahmen gedreht.

Drei Probentage und dann die

eigentliche Aufzeichnung standen in

Tokio auf dem Programm. Alina sang

zwei Titel, da sie nicht nur Klavier,

sondern auch Gitarre spielt. Es handelte

sich dabei um Lieder aus den japanischen

Charts, also ziemlich populäre

Songs. Im Anschluss an die Show blieb

Alina noch eine Woche im „Land ihrer

Träume“. Gemeinsam mit ihrem Japanisch-Lehrer

Clemens Schlüter erlebte

sie Land und Leute. „Wir schauen uns

natürlich die größten Sehenswürdigkeiten

an, aber wir wollen auch Kontakte

knüpfen“, erläuterte Clemens Schlüter

im Vorfeld die Tour. Davon würden

sicherlich die sprachlichen Kenntnisse

Alinas profitieren. Ihren gegenwärtigen

Sprachschatz umschrieb sie mit der

knappen Aussage: „Alltagskommunikation

ist möglich“.

„Ich komme ins Fernsehen, mir

wird die Reise bezahlt, ich bin glücklich“,

versicherte Alina, die den Abflug auf die

andere Seite des Globus’ kaum erwarten

konnte. WN

Cani Community

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Laura Pott lebte für zwei Jahre in New York

„ Eine Stadt, der für immer

mein Herz gehört!“

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Laura Pott verbrachte nach ihrem

Abitur am Cani zwei unvergessliche

Jahre in New York City, der Stadt, die

niemals schläft. Im Folgenden berichtet

sie für uns von dieser Erfahrung.

„Das soll das glamouröse New York

sein? Diese Frage stellte ich mir, als

ich in einem Reisebus zum ersten Mal

durch Manhattan fuhr. Ich war vier Tage

zuvor, im November 2010, in die USA

gekommen und nun saß ich inmitten

von 50 Au Pair-Mädchen, die diese

grauen Betonklötze New Yorks auch

noch zauberhaft fanden. Von der fünftägigen

Au-Pair-Schule ging es schließlich

in die Bronx. Ist das nicht der Stadtteil,

in dem jeden Tag Menschen erschossen

werden? Nein, das ist er nicht - zumindest

nicht ganz. Die berüchtigte Bronx

besteht nicht nur aus Ghettovierteln,

sondern hat auch wunderschöne Nachbarschaften

direkt am Ufer des East

River mit unverstelltem Blick auf die

Skyline Manhattans – und genau dort

wohnte ich.

Es gibt tausend Gründe, dorthin

zu gehen. Meiner war ein ganz simpel -

raus in die Welt. So verbrachten meine

Schwester, auch ein Au Pair in New

York, und ich zusammen eine unglaubliche

Zeit. Wir erkundeten fast täglich

eine neue Nachbarschaft Manhattans,

mit denen ich heute ganz bestimmte Erinnerungen

verbinde. In Lower Manhattan

etwa wohnte meine beste Freundin,

im Meatpacking District feierten wir in

den angesagtesten Clubs der Welt und

in Soho habe ich an einem Dreh für eine

MTV-Show teilgenommen. Ich stieg

Wolkenkratzer wie das Empire State

Building hinauf und traf weltberühmte

Schauspieler und Sänger. Am Broadway

sang ich bei jedem Musical mit

und ärgerte mich über die unzähligen

Touristen, die am Times Square meinen

Weg blockierten. Das absolute Highlight

meines ersten Jahres war ohne Zweifel

die weltberühmte Victoria‘s Secret

Fashion Show, für die ich mit unglaublichem

Glück Tickets bekommen hatte.

Nach zwölf Monaten war ich noch

nicht bereit, das alles wieder aufzugeben

und so hängte ich ein weiteres Jahr dran.

New York ist allerdings nicht der

einzige faszinierende Ort, den die USA

zu bieten haben. Während der zwei

Jahre erkundete ich unter anderem Los

Angeles und Miami, verbrachte ein unvergessliches

Wochenende in Las Vegas

und besuchte Chicago sowie berühmte

Orte an der Ostküste der USA. Es war

unglaublich, was ich in der kurzen Zeit

alles erlebt habe.

Doch New York hat auch seine

Schattenseiten. In Manhattan herrscht

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Laura entdeckte New York City - und verliebte sich in diese Stadt

ein ständiger Konkurrenzkampf und

man bekommt die Versagensängste und

die Befürchtung, nicht dazu zu gehören,

häufig zu spüren. Auch ich stand einige

Male fast vor dem „Burnout“. Lange

Arbeitszeiten und ständige Hektik, die

„Sucht nach mehr“ packt einen schnell

in New York. Meine Gasteltern arbeiten

so viel, dass sie zum Nachteil ihrer Kinder

selten zu Hause sind. In Manhattan

leben die Superreichen, denn die sozial

Benachteiligten können es sich aufgrund

der hohen Mietkosten nicht leisten,

woanders als in den Ghettos zu leben.

Sie haben selten eine Krankenversiche-

rung und kein Geld für gute Schulen.

Deswegen habe ich mich schweren Herzens

dazu entschlossen, in Deutschland

zu studieren. Die Studienkosten sind

unglaublich hoch in den USA und in

Deutschland habe ich mehr Ruhe zum

Lernen.

New York wird mich aber niemals

loslassen. Nun kenne ich mich an jeder

Ecke der Millionenstadt aus, viele

meiner Freunde und auch meine zweite

Familie leben dort. Ich fühle mich dort

zu Hause und es ist eine Stadt, der für

immer mein Herz gehören wird.“

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Caroline Schöneerg, die

2010 ihr Abitur am

Canisianum gemacht

hatte, berichtete von

ihrem Ausbildungsweg.

Caroline Schönenberg berichtete

Vom Dualen System überzeugt

Cani Community

Studien- und Berufswege hautnah,

authentisch und persönlich von Ehemaligen

für jetzige Schülerinnen und

Schüler präsentieren – das ist die Idee

der Veranstaltungsreihe des Canisianum

zu Studien- und Ausbildungswegen.

Zur Auftaktveranstaltung im

November 2012 hatten sich 50 Schülerinnen

und Schüler der Oberstufe

gemeldet, unter ihnen der gesamte

Schwedischkurs von Dr. Uwe Carstens,

denn es ging schließlich um ein großes

schwedisches Möbelhaus. Caroline

Schönenberg, die 2010 am Canisianum

Abitur gemacht und hier auch Schwedisch

gelernt hatte, stellte in einer

überaus lebendigen und fesselnden

Präsentation ihre positiven Erfahrungen

mit dem Dualen System als Verbindung

zwischen Studium und Praxis dar.

Das Studium an der Dualen Hochschule

Baden-Württemberg (DHBW)

und die Arbeit mit dem Schwerpunkt

Logistik in europäischen Einrichtungen

des Möbelhauses wechseln sich zeitlich

ab, ergänzen sich und führen zu einer

wissenschaftlich fundierten praxisnahen

Ausbildung. Das Spannende, aber auch

die Anforderungen dieses Weges wusste

Caroline Schönenberg dabei gut zu

vermitteln.

Die Resonanz bei den Schülerinnen

und Schülern wurde auch durch die

zahlreichen am Schluss diskutierten

Fragen deutlich. Studien- und Berufskoordinator

Ulrich Thoden und Oberstufenkoordinator

Dr. Uwe Carstens

freuten sich über die gute Resonanz

dieser Auftaktveranstaltung, der weitere

Präsentationen folgen werden. WN

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