Aprilia Shiver 750 - Kultourbikes.de

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Aprilia Shiver 750 - Kultourbikes.de

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Schöner Nackedei

Fahrbericht Aprilia Shiver SL 750 Text:

Präsi

Fotos: Präsi / Werner Vlatschil

Hand aufs Herz: wer von uns hat im

Urlaub nicht schon mal einen mehr

oder weniger kleinen Blick auf eine

nicht ganz hässliche Schönheit riskiert,

die sich barbusig oder ganz im

Eva-Kostüm am Strand ergötzend in

der Sonne räkelt?

Schönheit zieht halt die Blicke auf

sich, basta! Genauso könnte es uns

jetzt ergehen, wenn wir beim

freundlichen Aprilia-Händler durch

den Showroom schlendern. Räkelt

sich doch auch dort, völlig nackt und

ungeniert, eine absolute Schönheit

im Schaufenster und stellt ihre optischen

Reize unverblümt zur Schau.

Aprilia’s neue Mittelklasse-Beauty:

die Shiver SL 750. Dass zu einer innigen

Beziehung mehr als nur die äußeren

Werte zählen, ist nichts

Neues. Und so wollen wir auch die

aparte Italienerin einem ausgiebigen

Check unterziehen, ob sie mehr

als eine hübsche Verpackung zu bieten

hat und sich so für eine glückliche

und dauerhafte Beziehung, in

der der Spaß natürlich nicht zu kurz

kommen darf, eignet.

Das Testbike wurde dem WHEELIE’s

von der Fa. Motorrad-Dürr, Aprilia-

Vertragshändler in Nördlingen-

Kleinerdlingen, zur Verfügung gestellt.

Herzlichen Dank hierfür!

„Schaut schon geil aus, das Teil“ –

den spontanen Lobesspruch kann

ich mir einfach nicht verkneifen, als

ich in Nördlingen vor der durchge-

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stylten 750er stehe. Von den Underseat-Auspufftöpfen,

die die eckige

Grundform der Shiver originell gezeichnet

wieder aufnehmen, über

Blinker in derselben Form, den herrlichen

Gitterrohrrahmen bis hin zum

seitlich verlegten, direkt angelenkten

Sachs-Zentralfederbein. Die Designer

haben hierfür bestimmt Überstunden

gemacht und das hat sich

gelohnt!

Allen Kleingewachsenen, die im letzten

Jahr eine Sitzprobe auf dem Bike

gemacht haben, wird der Schreck in

die Glieder gefahren sein! Die Beine

baumelten irgendwo zwischen Fußrasten

und dem rettenden Asphalt.

Was nützt mir ein leichtes, agiles Moped,

wenn ich mit den Füßen nicht

auf den Boden komme? Aprilia hat

auf die Kritik prompt reagiert und die

Sitzhöhe durch eine niedrigere Sitzbank

und eine gekürzte Feder entsprechend

reduziert, so dass für Biker/-innen

unter 1,70 m ein entspanntes

Fahren durchaus möglich ist. Wer

jetzt immer noch unter Höhenkoller

leidet, kann sich die Sitzhöhe um weitere

5 cm reduzieren lassen. Die Rosenheimer

Firma alphaTechnik bietet

hierzu einen Tieferlegungssatz an

(www.alphatechnik.de).

Wenn wir schon bei den Änderungen

sind: Die diesjährigen Modelle haben

serienmäßig ein dreistufiges Fahrprogramm

(Mapping) an Bord. So

kann der Pilot zwischen den Einstellungen

SPORT (spontanere Leistungsentfaltung

bei höheren Drehzahlen),

TOURING („Dampf“ von unten

heraus) und RAIN (sanft einsetzende

Kraftentfaltung) wählen. Das

klappt übrigens ganz ausgezeichnet!

Außerdem bekommt der Sozius/die

Sozia einen bequemen Haltegriff

spendiert. Wichtige Info für die Käufer

des 2007er Modells: diese Änderungen

des aktuellen Bikes rüsten die

Aprilia-Händler auf Wunsch kostenlos

um bzw. nach. Das nenne ich echten

Kundenservice!

Ich fühle mich mit meinen 1,80 Metern

sofort pudelwohl auf der Italienerin.

Vor allem der breite konifi-

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zierte Lenker lässt eine leicht nach

vorne gebeugte souveräne Sitzposition

zu. Das von Aprilia gewohnt informative

aber etwas schmucklose

Cockpit lässt sich einwandfrei ablesen.

Nur die funzeligen Kontrolllämpchen

verdienen bei Sonnenschein

berechtigte Kritik. Da ist es

wieder! Das wohlige Kribbeln, welches

einen überkommt, wenn ein

Triebwerk aus italienischer Ingenieurshand

sein Stakkato anstimmt.

Das Donnergrollen im Standgas

weicht mit zunehmender Drehzahl

einem wütenden heiseren Gebell –

geradeso, als würde ein Kettenhund

mit zu engem Halsband zur Weißglut

gereizt! Immer wieder ertappe

ich mich, wie ich bei roter Ampel, zur

Freude meiner Mitmenschen(?), das

Gas kurz aufziehe, um mir den

„Italo-Blues“ zu geben!

Schon in der Stadt zeigt sich, wie

handlich und spontan die Shiver ist.

Jeder Zug am Gasgriff wird unverzüglich

umgesetzt. „Fly-by-wire“

heißt eine weitere aus der Formel 1

bekannte Innovation, die die 750er

für sich verbuchen kann. Hierbei

werden die Gasbefehle elektronisch

an die Drosselklappen der Einspritzung

weiter gegeben. Nach anfänglicher

Kritik wurde auch dieses System

überarbeitet und funktioniert

nun in der Praxis ohne Tadel.

Der 90 Grad-V2, ein komplettes Aprilia-Eigengewächs,

macht Laune pur.

Jenseits von 2000 Touren führt er ein

„ruckelfreies“ Leben, ab 3000 U/min

kommt Leben in die Bude und steht

die 5000er Marke auf dem Drehzahlmesser,

geht die Post so richtig ab.

Mag die Shiver meinetwegen als

Mittelklasse-Moped eingestuft sein,

die Fahrwerte und die Fahreigenschaften

reichen an die Big-Bike-

Klasse heran bzw. liegen in punkto

Fahrdynamik weit darüber.

In „freier Wildbahn“ zeigt die

Schöne vom Comer See den „dicken“

Bandits, XJR’s oder MT-01

(heul!) ihr sexy Rücklicht. Im flüssigen

Kurvengeschlängel hat man mit

ihr die „Leichtigkeit des Seins“ gepachtet.

Ohne jeglichen Kraftaufwand

wirft sie sich von einer Biegung

in die andere. Dabei ist sie so

unglaublich leicht zu beherrschen –

man könnte meinen, sein ganzes Leben

nichts anderes getan zu haben

als Shiver gefahren zu sein! Auch

ein Verdienst des eingangs erwähnten

breiten Superbikelenkers, der zudem

ein hervorragendes Gefühl für

das Vorderrad vermittelt. Dabei

spielt es absolut keine Rolle, welches

Gütesiegel der jeweilige Straßenzustand

verdient. Die Aprilia

zieht mit stoischer Ruhe und Souveränität

ihre vom Piloten vorgegebene

Bahn. Nur im langsamen

Schiebebetrieb zeigen sich die zweizylinder-typischen

Lastwechselreak-

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tionen, die aber nicht sonderlich

ausgeprägt sind.

Am Fahrwerk finden sich keinerlei

Kritikpunkte, es sei denn, es stört sich

jemand daran, dass sich die Upsidedown-Gabel

nicht einstellen lässt.

Dies werden höchstens die Rennstreckenfreaks

vermissen und für die ist

die Shiver eh nicht gemacht. Alle anderen

werden sich am ausgezeichneten

Kompromiss zwischen Komfort

und sportlichen Fahreigenschaften

erfreuen. Als weiterer Pluspunkt darf

die fein zu dosierende Bremsanlage

(Stahlflexleitungen Serie) gelten.

Nicht zu giftig, aber jederzeit Herr der

Lage, verrichtet sie sowohl vorn als

auch hinten ihren sicherheitsrelevanten

Dienst. Einziger Wehrmutstropfen:

das heftige Aufstellmoment

beim Bremsen in Schräglage. Wieder

mal ein Tribut an die modisch-fette

180er Hinterradwalze. Auf ein ABS

muss man Anfang 2008 noch verzichten,

dies soll dann ab Juni zu haben

sein.

Noch ein Wort zur Reisetauglichkeit:

Aufgrund des potenten und souveränen

Triebwerks in Verbindung mit

dessen sparsamem Umgang mit

dem teuren Kraftstoff (Verbrauchswerte

WHEELIE’s: 4,7 Liter

Super/Landstraße) und der ergonomisch

hervorragenden Sitzposition

lassen sich problemlos längere Urlaubsetappen

bewerkstelligen. Der

Reisebegleiter darf sich über einen

gemütlich-entspannten Soziusplatz

freuen, auf dem man aufgrund der erhöhten

Sitzposition stets den wichtigen

„Über“blick behält. Ein Dank an

dieser Stelle an Susanne und Werner,

die mir, nach ausführlichen „Zweier-

Ritts“, wichtige Infos zu diesem

Thema zukommen lassen konnten.

Als Manko für die große Tour fällt nur

der nicht vorhandene Windschutz

ins Gewicht.

Fazit:

Wenn das Teil kein Erfolg wird, dann

weiß ich ehrlich gesagt nicht, was die

Verantwortlichen von Aprilia noch

auf die Räder stellen sollen! Ein ausgezeichnetes

Allround-Bike für Einsteiger,

Wiedereinsteiger aber auch

für „alte Hasen“, die maximalen

Fahrspaß zu einem vernüftigen Preis

suchen. Wenn der Kunde dann auch

noch ein äußerst attraktives Design,

eine prima Verarbeitung und einen

betörenden Sound, gepaart mit einer

überdurchschnittlichen Alltagstauglichkeit

mitgeliefert bekommt, Leute,

was wollt ihr eigentlich noch?!

Das Teil geht wie ein räudiger Kater

auf der Katz’, sucht die Kurven wie

ein preisgekrönter Drogenspürhund

den Stoff und ist dabei so wunderbar

einfach zu beherrschen wie Klein-

Fritzchens Ritt auf dem Kinderkarusell.

Zusammen mit der Triumph

Street Triple für mich der „Freizeit-

Hit“ der Bike-Mittelklasse 2008!

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Technische Daten und

Messwerte:

Motor

Hubraum

Leistung

Max. Drehmoment

wassergekühlter Zweizylinder-90-

Grad-V-Motor vier Ventile pro

Zylinder

750 ccm

95 PS bei 9000 U/min.

79 Nm bei 7250 U/min.

Maße und Gewichte

Gewicht vollgetankt

Sitzhöhe

Tankinhalt

215 kg

810 mm

15 Liter

Messwerte

V-max

215 km/h

Beschleunigung

0 – 100 km/h 3,8 sek.

0 – 140 km/h 6,5 sek.

Durchzug

60 – 100 km/h 4,7 sek.

100 – 140 km/h 4,9 sek.

Verbrauch

Preis

4,7 Liter Super bleifrei (WHEELIE’s-

Messung Landstraße)

7.999,-- Euro, zzgl. Nebenkosten

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