Strukturierte Urteilsbildung auf der MOODLE-Lernplattform

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Strukturierte Urteilsbildung auf der MOODLE-Lernplattform

Strukturierte Urteilsbildung

auf der Moodle-Lernplattform

Prof. Dr. W. Sander/C. Igelbrink


Urteilsbildung

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Gliederung

Urteilsbildung – Schlüsselaufgabe in Alltag, Gesellschaft und Schule

• Wie lässt sich Urteilsbildung strukturieren? – Die „Sieben Regeln“

• Aufgaben der Urteilenden: Qualitätsverbesserung – Fehlervermeidung

• Funktionen der Lernplattform zur Unterstützung des Urteilsprozesses

• Vorstellung eines exemplarischen Kurses „Forum Urteilsbildung

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Bsp. 1: Kaufentscheidungen

Test, 10/2007

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Bsp. 2: Schiedsrichterentscheidungen – „Wann ist ein Tor

zu geben?“

Z.B.: Die Torentscheidung:

DFB-Regelwerk:

Soweit diese Regeln nichts anderes

bestimmen, ist ein Tor erzielt, wenn

der Ball die Torlinie zwischen den

Torpfosten und unter der Querlatte

vollständig überquert hat, ohne dabei

von einem Spieler der angreifenden

Mannschaft absichtlich mit dem Arm

oder mit der Hand angehalten bzw.

geworfen, getragen oder gestoßen

worden zu sein, ausgenommen vom

Torwart, der sich innerhalb seines

eigenen Strafraumes befindet.

Quelle: Deutscher Fußball-Bund e.V. [Hrgs.]: Kurzregeln für

Schule und Verein, 1980. S.10

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Beobachtung des Spielgeschehens

Um eine sichere Entscheidung fällen zu können, ist es

notwendig, bei Torgelegenheiten nahe am Tor zu sein,

möglichst mit Seitensicht.

Regelkenntnis und Spielbeobachtung sind ausschlaggebend für die

Qualität eines Schiedsrichterurteils

Kurz: Auf Ballhöhe zu sein ist entscheidend!

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Bsp. 2: Schiedsrichterentscheidungen – „Wann ist ein Tor

zu geben?“

Das gekonnte Zusammenspiel von Kriterien und

Sachverhaltsbeobachtung macht die Qualität des

Schiedsrichterurteils aus

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UB im gesellschaftlichen Kontext

• Beispiele:

• Sollen Mindestlöhne eingeführt werden?

• Sollen „Eurobonds“ zur Stabilisierung des Finanzmarktes eingeführt

werden?

• Sollen Notebooks als Lernmedien im Unterricht genutzt werden?

• Sollen Schulen aus „Schulsponsoring“ als Mittel der Finanzierung

zurückgreifen?


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Kernthesen des Individualisierungstheorems

„In der individualisierten Gesellschaft muss der einzelne entsprechend bei

Strafe seiner permanenten Benachteiligung lernen, sich selbst als

Handlungszentrum, als Planungsbüro in Bezug auf seinen eigenen

Lebenslauf, seine Fähigkeiten, Orientierungen, Partnerschaften usw. zu

begreifen.“ (U. Beck: Risikogesellschaft, Frankfurt 1986, S. 217)

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Kernthesen des Individualisierungstheorems

Dreifache Individualisierung

Freisetzung (Sozialform)

Entzauberung (Normen)

Kontrolle/Reintegration (neue Bindungen)

Bastelbiographie

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Kernthesen des Individualisierungstheorems

• Problemstellungen sind nicht mehr durch Familie, Gemeinschaft oder

Klassenzugehörigkeiten zu lösen, sondern durch den einzelnen zu

bewältigen

• Zugleich steigt die Komplexität der gesellschaftlichen Zusammenhänge,

die die individuelle Problembewältigung erschweren

Auflösung und Ablösung traditionaler industriegesellschaftlicher

Lebensformen (Klasse, Schicht, Rollenmuster)

„Bastelbiographie“ als Normalbiographie

Individualisierung bedeutet nicht die Erhöhung individueller

Entscheidungsräume!

Vorgaben: Ausbildung, Arbeitsmarkt, Recht usf. (kollektives Schicksal)

Individualisierung und Standardisierung gehen miteinander einher!

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Relevanz von UB in Schule und Unterricht

• Ziel der Urteilsbildung in der Schule ist es, zu

interessanten Streitfragen innerhalb überschaubarer Zeit

mit vorhandenen Mitteln die Qualität von vorläufigen

Urteilen schrittweise zu verbessern, indem Fehler

minimiert werden.

• Es geht nicht darum, das perfekte Urteil zu bilden!

Urteilsbildung wird in den Kernlehrplänen (vgl. bes.

Politik, Geschichte etc.) an zentraler Stelle gefordert

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Relevanz von UB in Schule und Unterricht

Grenzen der Vermittlung von Urteilskompetenz

• Dominanz des Fachwissens

• Hoher stofflicher Leistungsdruck in der Schule

• Keine Entscheidungsfälle im Unterricht

• Unkenntnis der Regeln der Urteilsbildung

• Ängstlichkeit der Lehrpersonen

• Uninteressiertheit der Jugendlichen

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Gliederung

Urteilsbildung – Schlüsselaufgabe in Alltag, Gesellschaft und Schule

• Wie lässt sich Urteilsbildung strukturieren? – Die „Sieben Regeln“

• Aufgaben der Urteilenden: Qualitätsverbesserung – Fehlervermeidung

• Funktionen der Lernplattform zur Unterstützung des Urteilsprozesses

• Vorstellung eines exemplarischen Kurses „Forum Urteilsbildung

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Die „Sieben Regeln“ der UB

1. Regel

Das zu bearbeitende Problem sollte ein praktischer, in der Gegenwart bedeutsamer u. politisch

strittiger Konflikt- oder Entscheidungsfall sein, der aus der Sicht der Handelnden relevant und in

überschaubarer Zeit vorläufig entscheidbar ist.

2. Regel

Die Kriterien zur Beurteilung des konkreten Falles sind so zu wählen, dass sie auch für die

Beurteilung ähnlicher Fälle Gültigkeit beanspruchen können. Hierfür ist die praktische Vernunft

zuständig.

3. Regel

Die für die Bearbeitung des Falles relevanten Aussagen über die Wirklichkeit

(Sachverhaltsfeststellungen) müssen auf sachliche Richtigkeit, auf ihren Wahrheitsgehalt

hin überprüft werden. Hierfür ist die theoretische Vernunft zuständig.

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Die „Sieben Regeln“ der UB

4. Regel

Die Passung von Beurteilungskriterien und Aussagen auf die Wirklichkeit ist schrittweise zu

verbessern. Der Primat liegt bei der praktischen Vernunft. (Dialektik zwischen theoretischer und

praktischer Vernunft)

5. Regel

Die Gesamtentscheidung ist so zu fällen, dass die Einzelurteile angemessen berücksichtigt

werden. (Gesamturteil)

6. Regel

Urteile sind zu veröffentlichen. Bei der Veröffentlichung des Urteils ist darauf zu achten,

dass Unsicherheiten und Widersprüche in der Urteilsbildung nicht kaschiert,

sondern sichtbar werden.

7. Regel

Setze die Regeln 1-6 in Kraft - z. B. dadurch, dass sie von denen, die gemeinsam an einem

Entscheidungskonflikt arbeiten, beschlossen und bei der Bearbeitung des Falles beachtet werden.

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Gliederung

Urteilsbildung – Schlüsselaufgabe in Alltag, Gesellschaft und Schule

• Wie lässt sich Urteilsbildung strukturieren? – Die „Sieben Regeln“

• Aufgaben der Urteilenden: Qualitätsverbesserung – Fehlervermeidung

• Funktionen der Lernplattform zur Unterstützung des Urteilsprozesses

• Vorstellung eines exemplarischen Kurses „Forum Urteilsbildung

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Aufgaben des Urteilenden – Welche Schritte sind zu

vollziehen?

a) Entscheidungsfall formulieren und eingrenzen; Auswahl

aktueller, relevanter Problemstellung; Spontanurteil formulieren

b) Normative Kriterien durch vernünftige Überlegungen

formulieren, die zum Fall passen (Sollens-Aussagen)

c) Informationen beschaffen, verteilen und (gemeinsam)

bewerten

d) Sachverhalte im Hinblick auf Normen überprüfen

e) Einzelurteile formulieren und diskutieren

f) Gesamturteil fällen, veröffentlichen und diskutieren

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Typische Fehler im Prozess der Urteilsbildung

• Fehler bei der Formulierung des Entscheidungsproblems

• Fehler in der Entwicklung normativer Kriterien

• Fehler in der Sachverhaltsfeststellung (Beweisaufnahme)

• Fehler im Zusammenfügen von normativen Kriterien und

Sachverhaltsfeststellung

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Urteilsbildung – Schlüsselaufgabe in Alltag, Gesellschaft und Schule

• Wie lässt sich Urteilsbildung strukturieren? – Die „Sieben Regeln“

• Aufgaben der Urteilenden: Qualitätsverbesserung – Fehlervermeidung

• Funktionen der Lernplattform zur Unterstützung des Urteilsprozesses

• Vorstellung eines exemplarischen Kurses „Forum Urteilsbildung

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Lernplattform MOODLE

• CMS Content Management Systems

(Administration webbasierter Inhalte)

• LMS Learning Management Systems („Lernplattform“;

Bereitstellung von Inhalten, Organisation von Lernvorgängen,

Kommunikation, Kooperation und Kollaboration)

• LCMS Learning Content Management Systems (Integration von

CMS und LMS; administrative, kooperative und kollaborative

Werkzeuge stehen in der Software selbst zur Verfügung)

MOODLE („Modular Object Oriented Dynamic Learning

Environment“)

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Aufgaben des Urteilenden – Welche Schritte sind zu

vollziehen?

a) Entscheidungsfall formulieren und eingrenzen; Auswahl

aktueller, relevanter Problemstellung; Spontanurteil formulieren

• Diskussionsforen (asynchron)

• Abstimmungsfunktion (asynchron)

• Chat (synchron)

• Dialog (synchron)

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Aufgaben des Urteilenden – Welche Schritte sind zu

vollziehen?

b) Normative Kriterien durch vernünftige Überlegungen

formulieren, die zum Fall passen (Sollens-Aussagen)

• Forum

• Chat und Dialog

• Wikis

• Weblinks/Internet-Recherche

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Aufgaben des Urteilenden – Welche Schritte sind zu

vollziehen?

c) Informationen beschaffen, verteilen und (gemeinsam)

bewerten

• Materialordner

• Datenbanken

• Diskussionsforum

• Weblinks/Internet-Recherche

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Aufgaben des Urteilenden – Welche Schritte sind zu

vollziehen?

d) Sachverhalte im Hinblick auf Normen überprüfen

e) Einzelurteile formulieren und diskutieren

f) Gesamturteil fällen, veröffentlichen und diskutieren

• Foren und Chats (z.B. für Einzelurteile)

• Wikis (z.B. zur Formulierung des Gesamturteils)

• Abstimmung

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Gliederung

Urteilsbildung – Schlüsselaufgabe in Alltag, Gesellschaft und Schule

• Wie lässt sich Urteilsbildung strukturieren? – Die „Sieben Regeln“

• Ein Alltagsbeispiel: „Kamerakauf

• Aufgaben der Urteilenden: Qualitätsverbesserung – Fehlervermeidung

• Funktionen der Lernplattform zur Unterstützung des Urteilsprozesses

• Vorstellung eines exemplarischen Kurses

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Danke für die

Aufmerksamkeit!

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