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Die Fotografie und ihre geschichtliche Entwicklung

Heutzutage ist jedem Menschen in Europa der Fernseher ein Begriff. Er ist ein alltäglicher

Gebrauchsgegenstand und niemand möchte ihn missen. Genauso wie der Fernseher erfreut sich

auch das Kino größter Beliebtheit. Ursprung dieser beiden Einrichtungen aber ist die Fotografie. Ohne

die Fotografie gäbe es kein Fernsehen oder Kino, denn Kino ist ursprünglich nicht anderes als schnell

hintereinander gezeigte Fotografien.

Definition Fotografie

Der Begriff Fotografie geht auf die beiden griechischen Wörter „photo“ und „graphein“ zurück. Sie

bedeuten „Licht “und „schreiben“.

Fotografie ist ein Sammelbegriff für Verfahren zur Herstellung von Bildern auf lichtempfindlichen

Flächen (Platte, Papier, Film). Durch das Licht oder auch elektromagnetische Strahlung kommt es zu

einer fotochemischen Reaktion.

Die Abbildungen, die bei dieser Reaktion entstehen, werden Fotografie genannt.

Heutzutage wird nur noch selten mit Schwarz-Weiß-Filmen fotografiert. Es werden viel mehr Farbfilme

oder Digitale Speicherkarten (SD-Card) eingesetzt.

Historische Entwicklung der Fotografie

Der Ursprung der Fotografie und auch der Vorläufer der heutigen Kamera war die Camera obscura

(lateinisch: „seltsame Kammer“). Dies war ursprünglich ein abgedunkelter Raum mit einem winzigen

Loch in einer Wand. Das Licht, das durch dieses Loch einfiel, projizierte auf die gegenüberliegende

Wand ein auf dem Kopf stehendes und seitenverkehrtes Abbild der Außenwelt.

Dieses Prinzip war aber bereits Aristoteles im 4. Jahrhundert v. Chr. Bekannt und wurde von den

islamischen Gelehrten wiederentdeckt. Später wurde die Camera obscura von vielen Künstlern als

Hilfsmittel zum naturgetreuen Zeichnen verwendet.

Im 16. Jahrhundert gelang es dann, die Qualität der zu meist unscharfen Abbildung mithilfe von

Sammellinsen zu verbessern. Im 17. Jahrhundert entwickelte man dann die ursprüngliche Camera

obscura zu einem transportablen Kasten weiter (siehe auch: „Kurzer Abriss der Technikgeschichte der

Fotografie“).

17. Jahrhundert

Die Fotografie gilt seit 1929 als anerkannte eigenständige Kunstgattung. Aber ihre Ursprünge reichen

weit ins 17. Jahrhundert zurück. Manche Wissenschaftler meinen, dass schon LEONARDO DA

VINCI mit fotografischen Mitteln gearbeitet habe. So soll das Grabtuch von Turin ein frühes Foto sein,

dass der geniale Renaissancemaler geschaffen habe. Es sei ein Auftrag der Herzöge VON SAVOYEN

gewesen. LEONARDO habe sich die damals schon erfundene Camera obscura zunutze gemacht und

mittels einiger Chemikalien, die damals schon bekannt waren, ein Foto auf das Leinen projiziert. Die

Forscher, die dies behaupten, kamen auf diese Theorie, da es auf dem Grabtuch keinerlei Malspuren,

also keinen Farbauftrag gibt. So umstritten diese Theorie auch ist, weist sie doch weit in die

Vergangenheit zurück. Denn schon 100-150 Jahre später entdeckte der Arzt JOHANN HEINRICH

SCHULZE (1687–1744) die Lichtempfindlichkeit von Silbersalzen, Substanzen also, die auch

LEONARDO hätte verwenden können, da sie bekannt waren.

18. Jahrhundert

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts entdeckten Wissenschaftler die Lichtempfindlichkeit der Silbersalze.

Beleuchtete man mit Silberchlorid beschichtete Platten, so färbten sich diese belichteten Teile

schwarz, nachdem man die Platte mit Ammoniak fixiert hatte. Nicht lange danach waren das

Silberjodid und Silberbromid als lichtempfindliche Substanzen entdeckt worden. THOMAS

WEDGEWOOD (1771-1805), ein Chemiestudent, hatte 1790 mit lichtempfindlichen Stoffen

experimentiert. Er begann mit der fotografischen Aufzeichnung auf Papier, das mit einer Schicht aus

Silberchlorid überzogen war. So konnte WEDGEWOOD Blätter und Insektenflügel „fotografieren“.

Diese ersten Arbeiten waren sogenannte Kontaktkopien. Das Problem dieser Fotografien bestand

darin, dass sie noch unbeständig waren, weil mit der Zeit die gesamte Bildfläche nachschwärzte.


19. Jahrhundert

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Das 19. Jahrhundert kann als das eigentliche Geburtsjahrhundert der Fotografie bezeichnet werden,

da es durch viele Entwicklungen und Erfindungen gekennzeichnet war, die auch heutzutage noch

eingesetzt werden bzw. die Grundlage heutiger Verfahren sind.

1839 gelang LOUIS JACQUES MANDE DAGUERRE (1787–1851) mit der Daguerreotypie ein

Verfahren, mit dem man ausschließlich Positive herstellen konnte, d.h., Daguerreotypien waren

Unikate. Bereits 1816 aber war es seinem Landsmann JOSEPH NICÉPHORE NIEPCE gelungen,

Abbilder der Natur auf lichtempfindlichen Zinnplatten in der Camera Obscura herzustellen. Ein

spezieller lichtempfindlicher Asphalt musste dafür mindestens 8 Stunden belichtet werden. So

entstand das erste Negativ der Welt. NIEPCE nannte seine Erfindung Heliografie. Dieses Verfahren

entwickelte DAGUERRE weiter. Er benutzte allerdings mit Silber beschichtete Kupferplatten, die mit

Joddämpfen lichtempfindlich gemacht worden waren. Quecksilberdampf reagierte bei der Belichtung

mit dem Silber, sodass sich weißes Silberamalgam bildete. Die nicht belichteten Teile der

Daguerreotypie blieben im Urzustand, d.h., man sieht die rote, polierte Kupferplatte. Der Vorteil

gegenüber den vorherigen Erfindungen bestand darin, dass nur noch 20 Minuten belichtet werden

musste.

Der Engländer WILLIAM HENRY FOX TALBOT (1800–1877) experimentierte etwa zeitgleich mit

photogenetischen Zeichnungen. Er gilt als Erfinder des Negativ-Positiv-Verfahrens. Nun konnte

jedes Foto vervielfältigt werden. TALBOT benutzte mit Silberjodid beschichtetes Papier, das er für

einige Minuten belichtete und dann mit Gallussäure (3,4,5-Trihydroxybenzoesäure), Silbernitrat und

Essigsäure entwickelte. Natriumthiosulfatlösung fixierte das Negativ. Durch nochmaliges Belichten auf

lichtempfindlichem Papier gelang ihm das Positiv des Fotos. Sein Verfahren nannte TALBOT

Kalotypie (griech. „schöner Druck“). Bei TALBOTs Verfahren waren Belichtungszeiten von nur etwa

30 Sekunden erforderlich. Bereits drei Jahre später war die Belichtungszeit für Daguerreotypien und

Kalotypien auf einige Sekunden reduziert worden. Der Nachteil von TALBOTs Kalotypie-Verfahren

war die grobkörnige Struktur des Papiernegativs. Dennoch erwies sich das Negativ-Positiv-Prinzip als

zukunftsweisend.

1847 erfand Sir DAVID BREWSTER (1781–1868) die zweiäugige Stereokamera und 1851

entwickelte der britische Bildhauer und Fotograf FREDERICK SCOTT ARCHER (1813–1857) das

„nasse Collodiumverfahren“. Bei diesem Verfahren wurde Collodium (in Diethylether gelöste

Baumwolle) verwendet. Unmittelbar vor der Belichtung musste der Fotograf Silberhalogenide auf eine

Glasplatte auftragen. Aufgrund dessen, dass die Negative in nassem Zustand belichtet und entwickelt

werden mussten, war eine nahe gelegene Dunkelkammer erforderlich. Das Collodium war in diesem

Fall ein Bindemittel, das kurz zuvor von dem Schweizer Chemiker CHRISTIAN FRIEDRICH

SCHÖNBEIN entdeckt worden war.

RICHARD LEACH MADDOX (1837–1920) benutzte als Erster Gelatine-Trockenplatten. Dabei wurde

eine Gelatineemulsion mit Silberbromid kombiniert. Mit diesem Material konnte hochempfindliche

Aufnahmen gemacht werden. Die Bromsilber-Gelatine-Trockenplatten wurden später wiederum durch

das Bromsilber-Gelatine-Papier abgelöst. Mit MADDOX' Verfahren trennte sich erstmals der Fotograf

vom Fotolabor. HERMANN WILHELM VOGEL (1834–1898) entdeckte schließlich 1873 die spektrale

Sensibilisierung, die es ermöglichte, unterschiedlich farbige Partien in der Wirklichkeit in

unterschiedlich grauen Partien auf dem Foto umzusetzen. 1879 ließ sich JOSEPH SWAN, britischer

Chemiker, ein von ihm entwickeltes Bromsilberpapier patentieren.

GEORGE EASTMAN (1854–1900), ein „mäßig begabter Schüler“, der die Schule abbrach und mit 14

Jahren als Bürohilfe anfing zu arbeiten, gelang 1882 der Durchbruch in der Fotografie. Er entwickelte

den Rollfilm, mit dem man mehrere Fotos nacheinander machen konnte, ohne die bis dahin üblichen

Fotoplatten auszutauschen. Er machte sich außerdem Gedanken über eine einfach zu bedienende

Kamera und erfand sie gleich mit. Seine 1880 gegründete Eastman Kodak Company stieg zum

weltgrößten Hersteller von Fotomaterial auf. Die Erfindung des Rollfilmes leitete den Beginn einer

neuen Epoche in der Amateurfotografie ein.

Zuvor aber war es EADWEARD MUYBRIDGE (1830-1904) gelungen, im Jahre 1877 erstmals

Reihenaufnahmen von bewegten Motiven zu machen.

Farbfotografie

Zwischen 1848 und 1860 entwickelten ALEXANDRE BEQUEREL und ABEL NIEPCE DE SAINT-

VICTOR, ein Neffe JOSEPH NIEPCES, die erste Farbfotografie. Diese war allerdings noch

unbeständig. Erst 1891 gelang es dem Franzosen GABRIEL LIPPMANN ein fotografisch

aufgenommenes Bild über einen längeren Zeitraum zu fixieren.


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20. Jahrhundert

Das 20. Jahrhundert ist durch Verbesserungen auf dem Gebiet der Schwarzweißfotografie geprägt,

sodass sich die Fotografie rasant entwickelte. Aufgrund der raschen Entwicklung sollen hier nur einige

wichtige Daten tabellarisch angeführt werden:

1907: die ersten kommerziellen Farbfilme, die nach einem von AUGUSTE und LOUIS LUMIÈRE

entwickelten Verfahren benannt wurden, waren erhältlich.

1925: in Deutschland wird die Kleinbildkamera für kleinformatigen Film eingeführt. Die Leica, so hieß

die Kamera, wurde aufgrund ihrer Kompaktheit, Wirtschaftlichkeit und optischen Vorteile bei Amateurund

Berufsfotografen schnell beliebt.

30er-Jahre: Der leichter handhabbare Kolbenblitz ersetzt den Magnesiumblitz.

1935/1936: Einführung der Farbumkehrfilme Kodachrome (1935) und Agfacolour (1936). Durch

diese beiden Filme wurde die Farbfotografie sehr bekannt. Der 1941 eingeführte Kodacolour-

Farbnegativfilm kurbelte die Verbreitung weiter an.

1947: Die Polaroidkamera wurde populär. Sie liefert nach einem von EDWIN H. LAND entwickelten

Sofortbildverfahren kurz nach der Aufnahme die fertigen Abzüge (fertiges Bild).

Ausblick

Die neuesten Entwicklungen entfernen sich immer mehr von der klassischen Fotografie. So werden

heutzutage immer mehr elektronische Informationsträger wie Digitalkameras zum Fotografieren

verwendet. Dabei werden die unterschiedlichen Lichtwerte gespeichert und dann per Computer in

Bilder umgerechnet. Man benötigt also keine chemischen Reaktionen mehr, sondern einen

leistungsfähigen Computer. Das fertige Bild kann dann auf einem gewöhnlichen Fernsehschirm

betrachtet und mittels eines Druckers auf Papier gebracht werden (wozu wieder chemische

Substanzen benötigt werden).

Mithilfe des Computers können diese Fotos dann natürlich auch ganz leicht verändert und manipuliert

werden. Damit hat das Foto als Dokumentation der Realität an Bedeutung verloren.

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© DUDEN PAETEC GmbH Berlin. Alle Rechte vorbehalten. ISBN 3-89818-694-6. Internet: www.duden-paetec.de Nachschlagewerke im

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