Aladdin und die Wunderlampe - web-zwerge.de

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ihn her, vielleicht weiß er den Weg nicht!" Aladdin wollte soeben gehen, als es an die Tür

klopfte. Er öffnete und erkannte den Fremden. Ein Diener folgte ihm mit Früchten und

Weinflaschen; nachdem er diese niedergestellt hatte, entfernte er sich. Der Zauberer begrüßte

Aladdins Mutter und sprach: ,,Nun zeig mir die Stelle, wo mein Bruder bei seiner Arbeit saß!"

Sie zeigte ihm den Platz. Der Zauberer aber warf sich zu Boden. Er küsste die Steile unter Tränen

und rief aus: ,,Mein armer Bruder, wie unglücklich bin ich, dich nicht mehr am Leben zu treffen!

Wie gerne möchte ich dich umarmen und dir in die Augen blicken!"

Aladdins Mutter musste nun glauben, dass er wirklich der Bruder ihres Gatten sei. Sie lud ihn ein,

sich auf ihres Mannes Platz zu setzen. Aber er lehnte es ab. Er bat, sich gegenüber setzen zu

dürfen; so könne er sich wenigstens einbilden, der Bruder sitze noch dort. Da drang sie nicht

weiter in ihn und ließ ihn Platz nehmen, wo er wollte.

Nun begann er zu plaudern und sagte: ,,Liebe Schwägerin, wundere dich nicht, dass du mich nie

gesehen und nie von mir gehört hast. Es sind jetzt genau vierzig Jahre, seit ich das Land verließ.

Ich bin weit in der Welt herumgekommen. Ich habe Indien, Persien und Afrika gesehen. Ich bin

in den schönsten Städten dieser Länder gewesen. Lange Jahre habe ich mich auch im Westen

aufgehalten. Dann aber erwachte die Sehnsucht nach der Heimat in mir, und sie hat mich nie

mehr verlassen. Wo der Mensch geboren ist, dorthin zieht es ihn immer wieder. Ich dachte an

meinen Bruder. Da ergriff mich heißes Verlangen, ihn wiederzusehen. Ich sagte mir auch, dass

ich reich sei; aber mein Bruder müsse vielleicht in Armut sein Leben fristen, und ich könnte ihm

helfen!

Daher machte ich mich auf die weite Reise. Frage nicht, was für Mühen und Beschwerden ich

unterwegs ertrug! Nur die Hoffnung auf ein Wiedersehen mit dem Bruder hielt mich aufrecht.

Darum war mein Schmerz unsäglich, als ich von seinem Tod erfuhr. Als ich nun auf der Straße

deinen Sohn sah, fiel mir sofort die Ähnlichkeit mit meinem Bruder auf. Mein Herz zog mich zu

ihm. Darum sprach ich ihn an. Und ich freute mich, doch wenigstens einen Sohn meines Bruders

gefunden zu haben."

Als der Zauberer sah, wie sehr seine Worte Aladdins Mutter ergriffen, lenkte er ab.

Er wandte sich schnell an Aladdin: ,,Mein Sohn, wie heißt du?"

,,Aladdin", sagte dieser.

,,Nun, Aladdin", fuhr der Zauberer fort, ,,hast du ein Handwerk oder eine andere Fertigkeit

gelernt?"

Bei dieser Frage wurde Aladdin verlegen. Beschämt senkte er den Kopf.

Seine Mutter aber rief: ,,Nichts hat er gelernt. Er ist ein Taugenichts. Den ganzen Tag strolcht er

auf den Gassen herum und verbringt mit seinesgleichen unnütz die Zeit. Sein Vater hat sich alle

Mühe gegeben, ihn ein Handwerk lernen zu lassen. Er wollte einen anständigen Menschen aus

ihm machen. Aber alle Mühe war vergebens. Er folgte ihm nicht, war eigensinnig und boshaft.

Der Kummer um ihn hat meinen Mann unter die Erde gebracht. Ich bringe mich mit

Baumwollspinnen mühselig durchs Leben. Er aber streicht trotz meiner Reden und Mahnungen

auf den Straßen herum. Er schämt sich nicht, mit fünfzehn Jahren noch mit den Kindern zu

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