Nr. 16 - Mai 2008 - Arbeitsstelle Weltkirche

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Nr. 16 - Mai 2008 - Arbeitsstelle Weltkirche

Nr. 16 | Mai 2008

Rundbrief

Weltkirche

Informationen aus der Arbeitsstelle Weltkirche des Bistums Regensburg

Hand in Hand we stand ...

... all across the land. We can make this world a better

place in which to live.* Von diesem Song wurden vor

20 Jahren die Olympischen Spiele in Seoul begleitet.

Nach 20 Jahren stellt sich jedoch die Frage, ob

wir die Erde zu einer besseren Welt gemacht haben?

Sind nicht die Naturkatastrophe der letzten Wochen

in Myanmar und China, die Hungerrevolten in Asien

und Afrika angesichts dramatisch ansteigender Nahrungsmittelpreise,

die – auch in Deutschland – weiter

voranschreitende Pandemie HIV/AIDS, die nachteiligen

Folgen der Globalisierung – die Liste ließe sich

endlos fortsetzen – Gründe, die deutlich machen,

dass vieles nicht besser, sondern eher schlechter geworden

ist?

Es gibt aber auch einen anderen Blick auf unsere Erde:

Die Welt ist in den vergangenen jahrzehnten näher

zusammen gerückt. Es gibt Fortschritte im Kampf

* Hand in Hand stehen wir verteilt über das ganze Land. Wir können die Welt zu einem besseren Ort machen, um auf ihr zu leben.


2

Rundbrief Weltkirche

gegen Hunger, fehlende Bildung, Krankheiten und

Ungerechtigkeit. Viele Ereignisse zeigen, dass es eine

Verbundenheit der Menschen untereinander gibt, wie

sie in früheren Zeiten nicht denkbar war.

Ein solches Zeichen der Verbundenheit war die Reise,

die Bischof Dr. Gerhard Ludwig Müller zusammen

mit den Regensburger Domspatzen nach Südafrika

unternahm. Sein Anliegen und der Grund der Reise

war es, DANKE zu sagen für die unermüdliche Arbeit

der Missionarinnen und Missionare in Südafrika. Diese

Reise führte ihn, die Domspatzen und die weiteren

Teilnehmenden zu Menschen in den großen Städten,

in die Townships der Schwarzen und auf das Land, wo

schier endlose Weite das Bild prägt – wo Armut und

Elend aber auch am größten sind.

Immer wieder kam es dabei zu Begegnungen besonderer

Art, wie in der Gemeinde St. Timothy‘s in

Khayelitsha, einem Township von Kapstadt auf unserem

Titelbild. Gemeinsam mit Father Emanuel Siljeur

feierten die Regensburger dort die Vorabendmesse.

„Er spricht von Gemeinschaft im Glauben, ruft

dazu auf, zusammen zu stehen. „Gott wirkt

durch die alltäglichen Erfahrungen. Öffnen wir

die Augen, wir sehen Neues, Gott ist in jedem

zu erkennen, Gott verlässt uns nicht, Gott ist mit

uns, Gott hat gelitten und ist auferstanden!“ In

kraftvollen, enthusiastischen Worten gibt er

den rund 60 Gläubigen aus der Siedlung, die gekommen

sind, Hoffnung. Mehr trauen sich nicht

zum Vorabendgottesdienst, erzählt er nach der

Messe. Sie haben Angst, wenn sie im Dunkeln

wieder nach Hause gehen müssen ... Die Lebensbedingungen

sind feindlich, Armut setzt

viel zu enge Grenzen. Doch die Menschen, die

in dieser Armut leben, begegnen uns mit Freude

und offener Herzlichkeit. Warm tauschen sie

mit uns den Friedensgruß, wir nehmen uns an

den Händen und beten gemeinsam für alles,

was in den Fürbitten zum Ausdruck kommt:

der Wunsch nach Frieden, Toleranz und den

Geschenken begründeter Zuversicht.“

Dr. Maria Baumann in:

domspatzeninsuedafirka.blogspot.com

Die Begegnung zwischen den Domspatzen und den

Menschen in St. Timothy‘s, das gemeinsame Gebet, die

gemeinsame Freude und sich dabei an den Händen

zu halten waren und sind Zeichen der Verbundenheit.

Zeichen dafür, dass wir die Welt immer besser machen

können – mit kleinen Schritten, mit unseren Händen

und unseren Gedanken.

In diesem RUNDBRIEF WELTKIRCHE berichten wir von

dieser Reise und den Eindrücken, die sie hinterlassen

hat. Besonders bleibt uns dabei in Erinnerung, welches

Erbe wir in Südafrika mit zu tragen haben durch die

Arbeit der Missionarinnen und Missionare, die aus

unserem Bistum stammen. Ein Erbe, das zugleich ein

Auftrag für die Zukunft ist, nicht müde zu werden

in den Aufgaben der Mission, in der Sorge um eine

menschenwürdige Entwicklung, uns einzusetzen für

Frieden auf der Welt und einen nachhaltigen Umgang

mit der Schöpfung.

Auch wenn es uns manchmal so vorkommt: Wir sind

nicht allein in diesem Bemühen. Überall auf der Welt

leben Menschen mit der Sehnsucht, die Welt zu einem

besseren Ort werden zu lassen, an dem es sich lohnt

zu leben.

Werden wir nicht müde in diesem Anliegen – nicht

in unserem Bistum, in unseren Pfarreien, Verbänden

und Einrichtungen.

Seien Sie herzlich gegrüßt – wo immer Sie diesen

RUNDBRIEF WELTKIRCHE lesen.

Prälat Peter Hubbauer

Seelsorgeamtsleiter und Referent für Weltkirche

Hagen Horoba

Leiter der Arbeitsstelle Weltkirche

Claudia Gottwald

Mitarbeiterin in der Arbeitsstelle Weltkirche

Inhaltsverzeichnis

Mit Zorn und Zärtlichkeit an der Seite der Armen 3

Go east 4

Sr. Stella Takaza SJI kommt ins Bistum Regensburg 4

SChwerpunkt

Hier ist meine Heimat! 5

Was wäre die katholische Kirche Südafrikas

ohne die Diözese Regensburg 6

Wo die Liebe lebendig ist, da ist Gott 8

Fidei Donum-Priester in Aliwal North 10

12

Eine-Welt-Arbeit und Drittes Lebensalter 13

25 Jahre „Solidarität in der Einen Welt e.V.“ 14

Doppelt gut! Bio im Fairen Handel 15

Termine 16


50 Jahre MISEREOR

Rundbrief Weltkirche 3

Rückblick auf die Fastenaktion 2008 im Bistum Regensburg

Mit Zorn und Zärtlichkeit an der Seite der Armen

Als Gast zur diesjährigen MISEREOR-Aktion konnte

die ARBEITSSTELLE WELTKIRCHE Frau Louise Kissem

Tchangai Walla im Bistum Regensburg begrüßen. Sie

ist Medizinerin und Professorin an der Universität in

Lomé in Togo. In verschiedenen Pfarreien und Einrichtungen

im Bistum Regensburg hat sie von ihrer Arbeit

als Präsidentin des INADES-Formation international, einer

Einrichtung, die die ländliche Bevölkerung in zehn

Ländern Afrikas mit Hilfe von Misereor unterstützt, berichtet.

INADES fördert die Auseinandersetzung mit

Fragen der Globalisierung, mit Fragen der Einführung

von genverändertem Saatgut und dessen Folgen und

wirkt im Sinne des Schutzes der Biodiversität. Sie hilft

seit 1962 Produzenten, eigene Wege der Vermarktung

aufzubauen.

Bei einem Pressegespräch in Regensburg ging die

Präsidentin auch auf ihre Erfahrungen im Bistum

Regensburg ein: „Die Menschen wissen um die Notwendigkeit

von Solidarität in der einen Welt. Sie sind

sehr gläubig und wollen bei der Gestaltung der Wirklichkeit

mitwirken.“

Der Presse stand Frau Tchangai Rede und Antwort in Regensburg

und informierte bei den MISEREOR-Feierabenden (hier in

Mainburg) sowie in Gottesdiensten – wie hier in Patersdorf –

über ihre Arbeit und MISEREOR.

Fotos: p Neumann, q Tautz , qq Schlecht.

Treffen in Patersdorf

Neben ihren Vorträgen bei den MISEREOR-Feierabenden

war Frau Tchangai auch in mehreren

Gemeinden zu Besuch. Sie traf u. a. die Missionssprecher

aus den Pfarreien im Dekanat Viechtach bei ihrem

traditionellen Treffen in der Fastenzeit.

Auch hierbei betonte sie die wichtige Rolle von

INADES. Wichtigste Aufgaben sind Bildung und Ausbildung,

Gründung von Netzwerken für die faire

Vermarktung im ländlichen Raum, Gesundheitsversorgung

und strukturelle Veränderungen. „Jeder von

uns ist von Gott berufen, an seinem wunderbaren

Schöpfungswerk mitzuarbeiten“, so Tchangai Walla

bei ihrer Ansprache im Rahmen des Gottesdienstes,

„egal ob arm oder reich, alle gehören wir zur großen

und wunderbaren Menschheitsfamilie Gottes.“

„Bauern und Bäuerinnen stark machen“, so lautet die

deswegen die Devise von INADES, die als klassische

Hilfe zur Selbsthilfe in den armen Ländern gesehen

werden kann und von MISEREOR unterstütz wird, das

in diesem Jahr sein 50-jähriges Jubiläum feiert.

MISEREOR war 1958 von der Deutschen Bischofskonferenz

ins Leben gerufen worden. Das Werk war und

ist eine Antwort auf die Herausforderung durch die

weltweiten Nöte und Leiden der Armen.


4 Rundbrief Weltkirche

Renovabis / Missio

Austausch von Jugendlichen zwischen Ost und WesT

Go east

Quelle >> www.renovabis.de

Impulse für den Auf- und Ausbau von kirchlichen

Jugendpartnerschaften zwischen Deutschland und

Ländern im östlichen Teil Europas will ein neues

Förderprogramm geben. Träger der gemeinsamen

Initiative mit dem Titel „Go east“ sind die Arbeitsstelle

für Jugendseelsorge der Deutschen Bischofskonferenz

(afj), der Bund der Deutschen Katholischen Jugend

(BDKJ) und das katholische Osteuropa-Hilfswerk Renovabis.

Mit „Go east“ sollen die vielfältigen Formen im

Miteinander von Jugendlichen im Westen und Osten

Europas unterstützt werden.

Brückenschlag notwendig

Damit Europa über die Gräben der Vergangenheit hinweg

zusammenwachse, sei ein Brückenschlag durch

junge Menschen nötig, betonten Sprecher von afj,

BDKJ und Renovabis. Nur so gewinne dieser Prozess

überhaupt eine tragfähige Perspektive. Durch „Go

east“ wollen die drei Kooperationspartner deshalb

neue Anreize, Angebote und finanzielle Hilfe für das

Engagement von Jugendlichen im Bereich von Friedens-

und Versöhnungsarbeit sowie von Ökologie

und Schöpfungsverantwortung geben. Dazu bieten

sich beispielsweise Jugendbegegnungen, Aktionen

von Jugendlichen aus Deutschland und aus Ländern

im Osten Europas an sowie Vernetzungstreffen oder

ein Fachkräfteaustausch. Über „Go east“ würden die

Kosten für die Reise und den Aufenthalt der Jugendlichen,

fürs Programm sowie für die Versicherungen

und Sprachmittler übernommen.

Das Förderprogramm ist zunächst auf zwei Jahre angelegt.

Die finanziellen Mittel stellt Renovabis bereit.

Bei entsprechendem Erfolg wolle man „Go east“ auch

nach Ablauf der Frist fortsetzen, bekräftigten die Sprecher

von afj, BDKJ und Renovabis.

Kontakt

Materialien und weitere Informationen erhalten Sie bei

Renovabis, Förderprogramm „Go east“,

Domberg 27, 85354 Freising.

>> Tel.: (08161) 5309-46

>> E-Mail: mb@renovabis.de

>> www.renovabis.de

Monat der Weltmission

Sr. Stella Takaza SJI kommt ins Bistum Regensburg

Sr. Stella Takaza SJI kommt aus Harare (Zimbabwe) und wird vom 6. (abends) bis zum 13. Oktober (morgens)

2008 im Rahmen des Monats der Weltmission zu Gast in der Diözese Regensburg sein.

Sie ist seit vielen Jahren als IMBISA Refugee Service Coordinator tätig. Missio München haben z. B. die jährlichen

Konferenzen der in der Flüchtlingsarbeit tätigen kirchlichen Mitarbeitern/innen im südlichen Afrika mit Themen

wie z. B. „Gender and Migration“, „HIV/AIDS and Migration“ gefördert. Darüber hinaus Fortbildungsangebote

für kirchliche Mitarbeiter in der Flüchtlingspastoral. Mit der Hilfe von Missio hat Sr. Stella Takaza verschiedene

Nothilfeprogramme für Vertriebene und Wiedereingliederungsprogramme für zurückkehrende Flüchtlinge in

Angola durchgeführt. Ebenso unterstützt Missio Pastoralprogramme des IMBISA Refugee Service für Flüchtlinge

in einem Camp in Zimbabwe. Sr. Stella Takaza ist nicht mehr ganz jung, ein mütterlicher Typ, eine unerschrockene

und zupackende Frau mit guten kommunikativen Fähigkeiten.

Sollten Sie Interesse an einer Begegnung mit Sr. Stella

Takaza SJI haben – in Ihrer Pfarrei oder der Schule oder

einer anderen Einrichtung – dann melden Sie sich bitte

möglichst bald bei der ARBEITSSTELLE WELTKIRCHE

zur vereinbarung eines Termins.

Kontakt

ARBEITSSTELLE WELTKIRCHE

>> Tel.: (0941) 597-2606/7

>> Fax: (0941) 597-2600

>> E-Mail: weltkirche@bistum-regensburg.de


Pastoralreise Nach Südafrika

Rundbrief Weltkirche 5

Regensburger Domspatzen sangen für Schwester Claudette

Hier ist meine Heimat!

von Dr. Maria Baumann

Schwester Claudette Bogner arbeitet in Johannesburg.

In der „St. Vincent School for the Deaf“ hieß sie die Regensburger

Gäste herzlich willkommen. Die 63-jährige

Missionsdominikanerin stammt aus Hainsbach/Haindling.

Beim Gespräch mit den Schwestern Godehard,

Ruth und Gertrude aus Mallersdorf wurde schnell die

heimatliche Verbundenheit deutlich. Schwester Claudette

ist im Krankenhaus der Mallersdorfer Schwestern

geboren. Gerade 20 Jahre war sie alt, als sie nach Südafrika

ging. Die Entscheidung hatte die Niederbayerin

früh getroffen: „Ich wollte immer in die Mission und

ich wollte Lehrerin werden.“ Nach ihrer Ausbildung

hieß es für die junge Ordensfrau: „In der Gehörlosenschule

in Johannesburg brauchen wir jemanden.“ Das

war der Satz, der ihr weiteres Leben lenkte. Sie unterrichtet

Mathematik und technisches Zeichnen. Seit

zehn Jahren leitet sie die Behindertenschule, in der

nach der Abschaffung der Apartheid überwiegend

schwarze Kinder aus meist armen Familien gefördert

werden. Gemeinsam mit fünf weiteren Schwestern

und vielen Laien arbeitet sie mit 240 Mädchen und

Buben ab drei Jahren und mit Jugendlichen, die sie

auf ihren Weg ins Leben vorbereitet. Zu 40 Prozent

werden die Kosten vom Staat gedeckt. Den großen

Rest müssen die Dominikanerinnen aufbringen, mit

Spenden und Fundraising. Und sie suchen nach Paten

für die ärmsten Kinder, deren Eltern kein Geld für den

Unterricht haben.

Nach einem gemeinsamen Gottesdienst in der Kapelle

der Schule mit Bischof Gerhard Ludwig, dem Superior

der Mallersdorfer Schwestern, Dr. Wilhelm Gegenfurtner,

und Domkapitular Peter Hubbauer berichtete

Schwester Claudette von ihrem Alltag und den vielen

Herausforderungen. Inzwischen werden in der

„St. Vincent School for the Deaf“ immer mehr Schüler

betreut, die neben der Gehörlosigkeit mit weiteren

Behinderungen ihr Leben bewältigen müssen. Doch

gibt es in der Einrichtung sogar einen Chor. Die Musik

wird vom Band gespielt, die Schüler singen in der

Gebärdensprache mit.

Weil ich hier bleiben will

Die Domspatzen dankten den Schwestern mit einem

musikalischen Gruß aus der Heimat. Als das Volkslied

„Kommt ein Vogel geflogen“ mit dem Text ausklang

„...ich kann dich nicht begleiten, weil ich hier bleiben

muss“, kam von den Schwestern ganz spontan: „Und

hier bleiben will!“ Für Schwester Claudette ist klar: „Ich

mag Südafrika sehr gern, trotz der vielen politischen

Unruhen, die wir mitgemacht haben. Ich würde es

schwer finden, wenn ich wieder nach Deutschland

zurück müsste. Hier ist meine Heimat!“

Ein bisschen Heimweh gestand sie aber doch ein, als

sie den Domspatzen zuhörte. „Ich habe ja auch viel

Besuch gehabt von meiner Familie in all den Jahren,

die ich hier bin. Das ist schon immer schwierig, wenn

der Abschied kommt.“ Mit einem leichten englischen

Akzent unterstrich sie dann wieder entschlossen, dass

sie in Südafrika wirklich daheim ist.

Bischof Gerhard Ludwig überreicht Sr. Claudette CD-Aufnahmen

der Domspatzen zur Erinnerung an den Besuch.

Foto: Vogl

Schwester Claudette genoss umso mehr den überraschenden

Besuch aus dem Bistum. „Ich freue mich

sehr, dass ich nicht vergessen bin!“ Die Gäste aus dem

Heimatbistum waren tief beeindruckt von dem Wirken

der Schwestern. Bischof Gerhard Ludwig unterstrich

die Achtung vor „allem, was hier geleistet und getan

wird“: „Auch was nicht so beachtet wird in der Öffentlichkeit,

ist doch bemerkenswert in den Augen Gottes.

Der Staat kann es nicht leisten. Hier kommt es auf das

Engagement der Ordensschwestern und vieler Laien

an. Es ist wichtig, dass wir im Auge behalten, was im

Verborgenen an Gutem getan wird. Es ist wichtig,

dass man den Menschen, die hilfsbedürftig sind, das

Bewusstsein gibt, dass sie gebraucht werden, dass ihr

Leben eine Würde hat, die nicht davon abhängt, ob

sie ihnen von anderen Menschen zugesprochen oder

abgesprochen wird.“ Er dankte den Schwestern dafür,

dass sie dies fern von der Heimat jeden Tag aufs Neue

leisten, mit CD-Aufnahmen der Domspatzen, die sie

an den Besuch des Chores in Johannesburg erinnern

werden.


6 Rundbrief Weltkirche

Pastoralreise Nach Südafrika

Papst-Lied und Zulu-Musik in der Abtei Inkamana

Was wäre die katholische Kirche Südafrikas ohne die

Diözese Regensburg

von Thomas Berg

Als gegenseitiges Geben und Nehmen hat Bischof

Gerhard Ludwig Müller den Missionsauftrag der Kirche

im 21. Jahrhundert bezeichnet. Bei einem großen Fest

in der südafrikanischen Benediktiner-Abtei Inkamana

dankte er am Sonntag sowohl den Missionarinnen und

Missionaren aus dem Bistum Regensburg als auch

den Klosterschwestern und Priestern aus Afrika, die

in Ostbayern wirken. Inkamana liegt in der Nähe der

Stadt Vryheid in der Region Kwazulu-Natal, wo 1955

erstmals Mallersdorfer Schwestern zum Missionseinsatz

kamen.

Auch der Festgottesdienst in der 1953 geweihten Abteikirche

stand ganz unter dem Motto von Geben und

Nehmen. So teilten sich in die musikalische Gestaltung

die Regensburger Domspatzen und der Novizinnen-

Chor der Nardini Sisters, wie die Mallersdorfer

Schwestern in Südafrika heißen. Die Domspatzen,

die Bischof Müller auf seiner Pastoralreise begleiten,

übernahmen den Großteil der liturgischen Musik: Sie

sangen den Messkanon in Vertonungen von Mendelssohn-Bartholdy

und Gutiérrez de Padilla, aber auch das

Ave verum von Mozart und die inoffizielle Hymne der

Südafrika-Visite, Ubi caritas et amor von Duruflé. Die

sechs Nardini-Novizinnen gestalteten zwei Prozessionen,

mit denen das Lesungsbuch und die Opfergaben

zum Altar geleitet wurden. Der stampfende Rhythmus

der Zulu-Musik, die bunten Tücher, die sich die jungen

Schwestern um ihr Habit geschlungen hatten, aber

auch die Gesten des Säens und Erntens vermittelten

den 350 Messbesuchern einen lebendigen Eindruck

von der südafrikanischen Religiosität.

Foto: Vogl

Foto: Vogl

Einer der Höhepunkte war gleich zu Beginn das Lied

„Wer glaubt, ist nie allein“ – der Hit des Papstbesuchs

in Regensburg. Textautor Hagen Horoba – als Leiter

der Arbeitsstelle Weltkirche einer der Hauptorganisatoren

der Südafrika-Reise – hatte dazu eine eigene

englische Übersetzung beigesteuert. Begleitet von

Domkapellmeister Roland Büchner an der Orgel, sangen

die Gläubigen also nun aus voller Kehle: „In faith

we aren‘t alone“.

Viele von den 31 Regensburger Missionarinnen und

Missionaren, die heute noch im südlichen Afrika tätig

sind, waren persönlich nach Inkamana gekommen

unter ihnen die ältesten Nardini Sisters, Sr. Sola Schaumann

und Sr. Carmelina Zinkl. Zu den Mitzelebranten

gehörten die drei Bischöfe Hubert Bucher, Oswald Hirmer

und Fritz Lobinger, die nicht nur als Oberhirten

der Diözesen Bethlehem, Umtata und Aliwal North

von sich reden gemacht hatten, sondern auch durch

ihre Förderung speziell afrikanischer Glaubenspraktiken

etwa das Bibelteilen, das mittlerweile weltweit

bekannt ist. So war unmittelbar einsichtig, warum der

Abt von Inkamana, Gottfried Sieber, in seiner Begrüßung

sagen konnte: „Was wäre die katholische Kirche

Südafrikas ohne die Diözese Regensburg!“.

In seiner Predigt bedankte sich Bischof Gerhard Ludwig

Müller bei allen Schwestern, Brüdern, Priestern

und Bischöfen, die von Regensburg nach Südafrika

gekommen sind. In besonderer Weise würdigte er

das Wirken der Mallersdorfer Ordensgemeinschaft:

Die Nardini Sisters geben Zeichen und Wunder von

einer selbstlosen Liebe zu ihren Nächsten. Sie leben

zusammen mit kranken und armen Mitmenschen und

teilen mit ihnen alles, was sie brauchen.


Pastoralreise Nach Südafrika

Rundbrief Weltkirche 7

Die gegenwärtige Pastoralreise, so Bischof Müller weiter,

solle die Unterstützung des Bistums Regensburg

für die südafrikanische Kirche zum Ausdruck bringen.

Diesen Gedanken nahm der Bischof noch einmal auf,

als Abt Gottfried Sieber OSB beim anschließenden

Empfang darum bat, uns auch in Zukunft nicht zu vergessen.

Gerhard Ludwig Müller wörtlich: „Wir wollen

die Kirche von Südafrika weiterhin unterstützen auch

finanziell“.

Anrufung der Schöpfung als Bruder Sonne, Schwester

Mond oder Mutter Erde immer verbunden mit dem

leitmotivisch wiederkehrenden Preis Gottes: „Gelobt

seist Du, mein Herr“. Der Arbeit der Missionarinnen und

Missionare in den sozialen Brennpunkten Südafrikas

besonders nahe kamen die Passagen, in denen Franziskus

von Krankheit, Drangsal und Tod handelt: „Selig

sind alle, die solches ertragen in Frieden, denn von Dir,

Höchster, werden sie gekrönt werden“.

Die Bischöfe Dr. Gerhard Ludwig Müller, Dr.Hubert Bucher, Dr. Oswald Hirmer und Dr. Fritz Lobinger zusammen mit Regensburger

Missionarinnen und Missionaren, Mallersdorfer Schwestern und Benediktinern aus Inkamana nach dem festlichen Gottesdienst.

Foto: Vogl

Nach dem Dankgottesdienst am Sonntagvormittag

und einem bunten Programm am Nachmittag wurde

das Konzert der Regensburger Domspatzen am Abend

zu einem weiteren Höhepunkt des Festes. Alte Meister

und moderne Kirchenkomponisten, liturgische

Grundmuster und freie musikalische Formen der Frömmigkeit

in der Abteikirche boten die jungen Sänger die

ganze Bandbreite ihres Repertoires dar.

Uraufführung des Sonnengesangs

Mit besonderer Spannung war die Uraufführung

von Enjott Schneiders Sonnengesang des hl. Franziskus

erwartet worden. Das achtstimmige Werk greift

einerseits auf kompositorische Techniken des Hochmittelalters

zurück, setzt aber auch moderne Mittel wie

chorisches Flüstern, Cluster und Intervallrückungen

ein. Pochende Welterschaffungsrhythmen drängen

zur Manifestation der gewordenen Dinge, aus archaisierendem

Urgrund steigt das Licht von Zeit und

Gegenwart auf. Der Regensburger Domchor arbeitete

all diese Facetten plastisch heraus in der hymnischen

Schon im Vorfeld der Südafrika-Reise hatte Domkapellmeister

Roland Büchner betont, er wolle die von den

Domspatzen in Auftrag gegebene Komposition dem

franziskanischen Geist widmen, der in der karitativen

Tätigkeit der Mallersdorfer Schwestern und der anderen

geistlichen Helfer aus dem Bistum Regensburg

wirksam ist. So wurde die Uraufführung in der Abteikirche

von Inkamana zu einem klingenden Symbol

christlicher Barmherzigkeit.

Linktipp

Unter >> www.inkamana.org finden Sie die Benediktiner-Abtei

Inkamana im Web. Die Mallersdorfer

Schwestern berichten über Ihre Arbeit unter

>> www.mallersdorfer-schwestern.de und

>> www.nardinisisters.org.

>> www.domspatzeninsuedafrika.blogspot.com:

Das Tagebuch zur Südafrikareise im Internet.


8 Rundbrief Weltkirche

Pastoralreise Nach Südafrika

Domkapitular Peter Hubbauer in der Klosterkirche von Mariannhill

Wo die Liebe lebendig ist, da ist Gott

„Gesandt bis an die Grenzen der Erde!“ – so haben

wir in der Lesung aus der Apostelgeschichte gehört.

Unter dieses Motto haben wir – die Gruppe aus Regensburg

– unsere Reise nach und durch Südafrika

gestellt. Es gibt einen ganz einfachen Grund, warum

diese Reise zustande kam: Die Nardini-Sisters, unsere

Mallersdorfer Schwestern, können auf über 50 Jahre

segensreiches Wirken hier in Südafrika zurückschauen.

Auch viele Schwestern und Patres anderer Ordensgemeinschaften

sowie Priester und Bischöfe, die aus

unserer Diözese Regensburg kommen, können auf

viele Jahrzehnte priesterlichen und geistlichen Wirkens

in Südafrika zurückblicken.

Seit Jahrzehnten stehen Schwestern, Priester und

Bischöfe aus unserem Bistum Regensburg hier in Südafrika

im Dienst der Verkündigung, der Liturgie und der

Glaubensweitergabe, sowie im Dienst der Erziehung,

der Bildung und vor allem im Dienst an den Notleidenden,

Kranken und Sterbenden, also im Dienst der

drei Grundsäulen unserer Kirche: Martyria, Liturgia

und Diakonia. Nun könnte man aber sagen: Ja, das

tun Priester und Ordensleute zuhause in der Heimat

ja auch. Das stimmt schon, aber die Situation ist doch

eine ganz andere. Die Arbeitsbedingungen sind geprägt

durch die großen sozialen Unterschiede, durch

das krasse Nebeneinander von Armut und Reichtum,

durch die sprachlichen Barrieren, die hohe Kriminalität,

die mangelnde Sicherheit bis hin zur damit verbundenen

Bedrohung von Leib und Leben. Genauso lässt

die gesundheitliche Versorgung flächendeckend noch

viel zu wünschen übrig. Eine Krankheit wie Aids reißt

Menschen in erschreckend großer Zahl aus dem Leben,

stürzt viele Familien ins Unglück und stellt deren

Überlebenschance radikal in Frage.

Eine tiefe Gottverbundenheit und ein großer Idealismus

sind natürlich eine Grundvoraussetzung, sich

überhaupt für den geistlichen Dienst als Priester, als

Ordensfrau, als Ordensmann vom Herrn in die Pflicht

nehmen zu lassen. Aber noch mehr Idealismus und

Selbstlosigkeit bedarf es, wenn jemand seine Heimat

und die gewohnte sichere Umgebung verlässt, um im

Blick auf die Weltkirche – heute würde man sagen „im

globalen Weitblick“ – in den missionarischen Dienst

zu treten. Sicher darf man eine solche Entscheidung

nicht nur auf den Idealismus reduzieren. Es ist mehr,

es ist eine Berufung, die tiefer begründet ist, aus der

heraus auch Kraft und Motivation erwachsen, diese

Aufgabe zu meistern. Wir haben in der Lesung zwar

nur ein kurzes, aber ein sehr schönes Wort aus der

Apostelgeschichte gehört, wo es heißt: „Aber Kraft

werdet ihr bekommen, wenn der Heilige Geist auf

euch herabkommt“.

Ich kann mir vorstellen, liebe Missionarinnen und liebe

Missionare, liebe Schwestern, liebe Mitbrüder, dass ihr

oft bis an die Grenze der Belastbarkeit, an die Grenze

eurer Kraft gekommen seid und kommt und diese Kraft

von oben immer braucht, die euch wieder motiviert

und die euch stärkt. Aber das gilt nicht nur für Missionare

und Missionarinnen, das gilt für uns alle. Gottes

Geist ist die Kraft, die uns geschenkt ist und gerade

dann zu Hilfe kommt, wenn wir mit unserer Weisheit

am Ende sind, wenn wir an unüberwindbare Barrieren

kommen, wenn wir keine Kraft mehr haben.

Caritas Christi urget nos!

Wer schon einmal eine Mallersdorfer Schwester genauer

angeschaut hat, hat festgestellt, dass sie an

ihrem Ordenskleid eine Brosche trägt mit dieser Aufschrift

„Caritas Christi urget nos!“ – „Die Liebe Christi

drängt uns!“ – ein Wort aus dem 2. Korintherbrief.

Das Wissen durch Jesus von Gott geliebt zu sein, die

Gewissheit zu haben, aus dieser Liebe heraus Kraft

zu erfahren, das ist mehr als die Motivation für den

täglichen Einsatz, das ist Stärkung für einen Lebensauftrag,

sich in die Nachfolge Christi und seiner Botschaft

zu stellen.

Auf ein Drittes möchte ich noch verweisen, nämlich

auf das Zentrum dieser Botschaft. Unsere Domspatzen

haben es gerade in ihrem Gesang zum Ausdruck gebracht.

Das Zentrum ist ausgedrückt in den Worten:

„Ubi caritas et amor, deus ibi est!“ – „Wo die Liebe

herrscht, da ist Gott!“ oder umgekehrt: „Wo Gott am

Werk ist, da wird die Liebe spürbar.“ Die lateinische

Sprache gebraucht hier zwei Wörter, nämlich „amor“

als die Form der Liebe, die grundsätzlich jeden Menschen

als Schwester, als Bruder annimmt, diese

positive, wohlwollende Akzeptanz als Glaubende,

als Söhne und Töchter Gottes, als Diener des Gottesvolkes,

aber auch schlichtweg als Menschen der

großen Menschheitsfamilie. Und „caritas“, das ist die

tätige, die handelnde Liebe. In der Sprache unserer

modernen Gesellschaft würden wir von sozialem

Dienst sprechen. Ja Caritas, oder anders ausgedrückt,

Diakonie, ist ein wesentlicher Grundauftragsdienst

unseres christlichen Lebens.

Liebe Schwestern und Brüder – gerade hier in Südafrika

–, liebe Missionarinnen und Missionare, ganz egal in

welcher Verwendung oder Funktion Sie stehen, ob im


Pastoralreise Nach Südafrika

Rundbrief Weltkirche 9

bischöflichen Amt, im priesterlichen oder im Ordensdienst,

immer ist Ihre Aufgabe eine diakonische, ein

Dienst der Liebe und wenn die Domspatzen singen

„Wo die Liebe lebendig ist, da ist Gott“, ist Ihr Dienst

für die Menschen zugleich der Dienst für Gott.

Unser Bischof Gerhard Ludwig Müller und die Regensburger

Domspatzen mit ihren Begleiterinnen und

Begleitern, sind gekommen, um Zeichen der Dankbarkeit

zu setzen für Ihre Arbeit, liebe Schwestern

und Brüder, um Vergelt’s Gott zu sagen den Ordensgemeinschaften,

die schon seit Jahrzehnten hier in

Südafrika im Dienst sind und den Einzelnen, die sich

schon über Jahrzehnte hier im Einsatz der Verkündigung,

im Einsatz der tätigen Nächstenliebe und der

Liturgie betätigen. Unser Hiersein soll ein Zeichen des

Dankes an Sie alle sein. Gesprochene Worte bringen

sicher den Dank zum Ausdruck, aber Worte gesungen

noch viel, viel, viel mehr. Um diesen Dank also deutlicher

zum Ausdruck zu bringen, ihn auch musikalisch

zu artikulieren, sind unsere Domspatzen nach Südafrika

gekommen. Ihr Gesang soll gerade Ihnen, liebe

Missionarinnen und Missionare, aber Ihnen allen, liebe

Schwestern und Brüder, ein Zeichen des Dankes sein.

Der Gesang soll zur Ehre Gottes und zu ihrer Freude

erklingen. So muss unser aller Dank immer einmünden

in den großen Dank an Gott, den wir ihm in dieser

gottesdienstlichen Feier sagen. Amen.

Foto: Vogl

Ein besonderer Augenblick für alle Teilnehmenden: Der Besuch am Kap der guten Hoffnung, dem südwestlichsten Punkt

des afrikanischen Kontinents. Auf einer Küstenstraße ging die Fahrt auf der Halbinsel entlang bizarrer Klippen, in denen die

Wogen des Atlantik anbranden. An den Felsen brechen die meterhohen Wellen, die Gischt funkelt im Sonnenschein. Neben

uns erstreckt sich das kleinste und reichste Pflanzenreich der Welt. Obwohl es nur 0,4 Prozent der Erdoberfläche ausmacht,

finden sich hier 8000 Pflanzenarten. 2000 von ihnen kommen tatsächlich nur am Kap natürlich vor. Die meisten gehören zum

Feingebüsch. Den größten Anteil macht die Protheagruppe aus. Die Prothea ist die Nationalblume Südafrikas, benannt nach

dem griechischen Gott Protheus, der seine Gestalt ändern konnte. Genau so mannigfaltig blüht diese Pflanzenart entlang des

Weges. Allein 650 verschiedene Sorten von Heide wachsen auf dem Gestein. Regelmäßige Brände der Flora sind hier sogar

gewollt, weil die Samenkapseln des Feingebüsches so hart sind, dass sie nur im Feuer aufplatzen können. Der Bruder Feuer

aus dem franziskanischen Sonnengesang darf hier seine befruchtende Kraft wirken. Die Spuren des kürzlichen Brandes, die

zunächst betroffen machen, sind die Spuren zu neuem Leben. Der Gedanke der Vergänglichkeit, von Vergehen und Werden,

ist hier greifbar nah, in den Pflanzen, in Ebbe und Flut, in den immer wieder neuen Formen des mächtigen Gesteins, das vom

Meer geglättet wurde. (Dr. Maria Baumann in: domspatzeninsuedafrika.blogspot.com)


10 Rundbrief Weltkirche

FIDEI DONUM PRIESTER IN SÜDAFRIKA

Ein Kapitel Regensburger Missionsgeschichte geht zu Ende

Fidei Donum-Priester in Aliwal North (Südafrika)

Am 21. April 1957 veröffentliche Papst Pius XII. die Enzyklika Fidei Donum (Geschenk des Glaubens). Darin rief

er die Bischöfe dazu auf, Priester nach Afrika, Asien und Südamerika zu entsenden, um den dortigen Priestermangel

zu beheben. Die Enzyklika ist jedoch nur eine von vielen Verlautbarungen der Päpste zur Mission in neuerer

Zeit. Sie alle betonen den weltweiten Missionsauftrag der Kirche und erinnern daran, dass jede einzelne Teilkirche

auch eine Verantwortung für andere Teilkirchen hat. Fidei Donum legt dabei den Akzent vor allem auf die

Missionsfunktion aller Bischöfe. Damit durchbrach Papst Pius XII. die bis dahin vorherrschende Meinung, Mission

sei ausschließlich Sache religiöser Gemeinschaften. Doch muss sich jede Ortskirche großzügig den Bedürfnissen

der anderen Kirchen öffnen. Diese Option ergibt sich aus dem Evangelium selbst und wurde schon in der frühen

Kirche so praktiziert.

1935, 20 Jahre vor Erscheinen der Missionsenzyklika Fidei

Donum, war Michael Kölbl von Regensburg aus in

die Diözese Aliwal (Südafrika) aufgebrochen. Er hatte

im Regensburger Priesterseminar studiert, wurde dort

aber aufgrund – wie sich später herausstellte – falscher

Anschuldigungen nicht zum Priester geweiht. Er war

der Grundstein für das missionarischen Wirken etlicher

Diözesanpriester aus Regensburg im Bistum Aliwal

(Provinz Nothern Cape/Südafrika). 1939 wollte dann

ein weiterer Priester aus der Diözese Regensburg nach

Aliwal gehen, Joseph Nachtmann, doch verhinderte

der Krieg seine Ausreise.

Als Sekretär von MISSIO München nahm er jedoch

nach dem Weltkrieg entscheidenden Einfluss auf die

spätere Entwicklung. Denn schon vor Erscheinen der

Enzyklika Fidei Donum waren es drei junge Seminaristen

im Priesterseminar Regensburg, die sich 1953

zur Mission berufen fühlten: Hubert Bucher, Oswald

Hirmer und Friedrich (Fritz) Lobinger. Durch Nachtmanns

Vermittlung kamen sie – zunächst gegen den

Widerstand des damaligen Regensburger Bischofs

Buchberger – nach Aliwal: Fritz Lobinger im Jahr

1956, Oswald Hirmer ein Jahr später, und 1958 folgte

Hubert Bucher.

Die Veröffentlichug von Fidei Donum hatte zwischenzeitlich

auch ein Umdenken Bischof Buchbergers

bewirkt, so dass er den drei jungen Missionaren

zu Weihnachten 1958 in einer Botschaft mitteilte,

dass er „sehr stolz“ auf sie sei. So wurden in den folgenden

Jahren weitere sog. Fidei Donum-Priester

nach Südafrika geschickt: Willibald Tratz (1964), Hans

Schinhammer (1967), Heribert Hirmer (1970) und Gerhard

Stigler (1972). Ihnen allen war die Mission ein

Herzensanliegen. Doch vor allem Hubert Bucher, Oswald

Hirmer und Fritz Lobinger machten sich intensive

Gedanken, wie die Missionsarbeit nachhaltig gelingen

kann. Dabei gingen sie auch ganz neue Wege:

„Den Regensburger Weltpriestern in der südafrikanischen

Xhosa – Mission ist es gelungen,

ein dreibändiges Werk zu schaffen, das die

Missionsarbeit in ganz Afrika nachhaltig beeinflussen

wird. Unter dem Titel „Africa‘s Way

To Life“ (Afrikas Weg zum Leben) haben sie ein

katechetisches Handbuch für Missionare und

Katecheten vorgelegt, das sich mit der Glaubensvermittlung

an erwachsenen Heiden und

ihrer Taufvorbereitung beschäftigt. Auf der

allafrikanischen Katechetischen Konferenz im

August dieses Jahres in Uganda ist das Werk

von Kardinal Rugambwa, von den anwesenden

Bischöfen und von Fachleuten aus ganz Afrika

freudig begrüßt worden. Das Buch weist ganz

neue Wege in der Verkündigung der Frohbotschaft

an Erwachsene und wird bereits in 20

afrikanische Sprachen übersetzt.“

Regensburger Bistumsblatt, 1.11.1964.

Über fünf Jahre hatte sich Hubert Bucher wissenschaftlich

mit dieser Aufgabe befasst, zu deren Gelingen aber

auch Fritz Lobinger und Oswald Hirmer beitrugen.

Es verwundert nicht, dass alle drei sich entschlossen,

ihre Erfahrungen auch wissenschaftlich zu vertiefen.

1968 ging Hubert Bucher nach Rom zum Studium der

Missionswissenschaft. Nach seiner Promotion wirkte

er als Nationalkaplan der CHIRO, einer (aus Belgien

stammenden) Jugendbewegung in Südafrika.

Von der missionarischen Kirche

lernen

1969 begannen Oswald Hirmer und Fritz Lobinger ihre

Tätigkeit am LUMKO-Institut, dem Pastoral-Institut der

südafrikanischen Bischofskonferenz zur Umsetzung

des Zweiten Vatikanums in der südafrikanischen Kirche,

zu dessen Direktor Fritz Lobinger 1970 berufen


FIDEI DONUM PRIESTER IN SÜDAFRIKA

Rundbrief Weltkirche 11

wurde. Am Anfang der Arbeit stand vor allem die Mitarbeiterschulung,

was auf der Beobachtung beruhte,

dass afrikanische Christen viel mehr aktiv teilnehmen

wollten, als das bisher in der Kirche vorgesehen war,

dass sie das aber bei der überkommenen Gemeindestruktur

nicht konnten.

„Oswald Hirmer und ich waren Pfarrer in zwei

benachbarten Missionspfarreien. Wir taten dort

zunächst genau das, was wir als Versorger-Pfarrer

in der deutschen Heimat gelernt hatten.

Niemand sagte, das sei falsch; wenn man aber

genauer hinschaute, dann merkte man, dass

dieses passive Christsein dem Afrikaner nicht

liegt. Es ging also zunächst darum, ein Mittun

freizulegen, das verborgen da war.“

Gespräch mit Bischof Lobinger 2002.

Hunderten von Pfarreien. Die Vision einer Kirche der

Partizipation nahm immer mehr Gestalt an. Eine weitere

wichtige Entwicklung war das Bibel-Teilen, das

von Oswald Hirmer und Fritz Lobinger entwickelt

wurde. Dahinter steht die Grundidee dass alle angesprochen

werden vom Wort Gottes, auch wenn sie

keine Experten sind – „dass nicht nur die Hierarchen

das Wort Gottes hören, sondern jeder und jede“. Diese

Form der 7-stufigen Bibelauslegung hat sich weltweit

verbreitet und einen festen Platz im Leben vieler

Christen – auch in Deutschland – gefunden.

„Die Erfahrung des Bibel-Teilens war ... für viele

Gemeindemitglieder geradezu eine befreiende,

ja revolutionäre Erfahrung. Sie bekamen die

Möglichkeit, durch das Bibel-Teilen zum einen

das Wort Gottes näher kennen zu lernen.

Zugleich aber konnten sie sich nun mit-teilen.

‚Früher war ich nur Hörender in der Kirche. Ich

konnte nichts sagen und hatte nichts zu sagen.

Jetzt habe auch ich etwas über meinen Glauben

gesagt.‘“

Kößmeier, 34.

Mittlerweile hatten sich Hubert Bucher, Oswald Hirmer

und Fritz Lobinger in Münster in Missions- bzw.

Pastoraltheologie promoviert.

„Als frisch promovierte Doctores theologiae

machten sie bei Bischof Rudolf [Graber (Regensburg)]

Besuch, bevor sie wieder auf ihre

Posten in Südafrika zurückkehren ... Mit demselben

ungewöhnlichen Unternehmungsgeist

und derselben Umsicht, die sie bei ihrem seinerzeitigen

Entschluss bewiesen, gingen die drei

jungen Priester auch an ihre besondere Aufgabe

heran. Sie wollten nicht nur in guter Absicht

ihre Kräfte verschleißen, sondern diese möglichst

wirkungsvoll einsetzen: überlegt arbeiten,

planmäßig und nach gründlicher Vorbereitung

... So haben sie die besonderen Probleme ihrer

seelsorglichen Situation mit wissenschaftlicher

Gründlichkeit untersucht.“

Regensburger Bistumsblatt, 9.1.1972.

Modell einer PfarrGemeinschaft aus Gemeinschaften nach

dem LUMKO-Modell.

In der Folgezeit wurden durch LUMKO Zehntausende

von freiwilligen Laien-Mitarbeitern ausgebildet.

Nicht am Ort des Instituts selbst, sondern in den Pfarreien,

angespornt und mit Hilfsmitteln ausgerüstet

durch LUMKO. Das geschah in einem Zeitraum von

10-15 Jahren. Es war ein Prozess des Umdenkens in

Während Oswald Hirmer 1972 zum Rektor des Zingisa

Minor Seminary in Umtata berufen wurde, folgte für

Fritz Lobinger eine Zeit am LUMKO-Institut, das sich

immer mehr um die Entwicklung des Modells der Kleinen

Christlichen Gemeinschaften kümmerte.

„Ausgelöst durch das II. Vatikanum und auf

Grund unterschiedlicher Aufbruchbewegungen

im südlichen Afrika begann auch das Lumko-

Institut sich für eine Kirche einzusetzen, die sich

durch Teilhabe und Teilgabe aller Gläubigen

ereignet. Die Laien sind nicht nur Empfänger

der Botschaft und der Sakramente aus der Hand

der Priester, sondern haben selbst in den Sakra-


12 Rundbrief Weltkirche

FIDEI DONUM PRIESTER IN SÜDAFRIKA

menten der Taufe und Firmung die Berufung

zur eigenständigen und authentischen Auferbauung

der Kirche im Glauben und Handeln

und konstituieren auf diese Weise zusammen

mit den kirchlichen Ämtern das Volk Gottes. Es

geht also um eine partizipatorische Kirche, die

in den so genannten Small Christian Communities

(Kleine Christlichen Gemeinschaften) als

Substruktur von Pfarrgemeinde ihren Ausdruck

findet. Im afrikanischen Kontext haben sich diese

ziemlich schnell verbreitet. Auslöser dafür

war nicht der Priestermangel, der die Kirchen

Afrikas von Anfang an prägte, sondern eine veränderte

theologische Sichtweise von Kirche.“

Kößmeier, 35

Auch die Idee der Kleinen christlichen Gemeinschaften

machte Schule. In Asien wurde das Modell als AsIPA

(Asian Integral Pastoral Approach) adaptiert. Auch in

Lateinamerika und in Europa suchen viele Diözesen,

das Modell der Kleinen Christlichen Gemeinschaften

für ihre jeweilige Situation anzupassen und so den

Aufbau lebendiger Glaubensgemeinschaften zu

intensivieren.

Drei Regensburger Bischöfe

Als erster der 3 Regensburger Missionare wurde am

9. Dezember 1976 Dr. Hubert Bucher zum Bischof der

Diözese Bethlehem ernannt, wo er am 27. März 1977

die Bischofsweihe empfing – 20 Jahre nach seiner Ausreise

nach Südafrika. Seinen bischöflichen Dienst hat

er unten den Wahlspruch „propter nos homines – Für

uns Menschen“ gestellt. Im März 2007 konnte er sein

30-jähriges Bischofsjubiläum feiern. In einer Ansprache

würdigte der Erzbischof von Pretoria George Francis

Daniel Bischof Bucher als einen „wahrhaftigen Missionar

mit Herz“, der nicht nur seine Diözese im Blick

hat: „Bischof Bucher ist ein wichtiger Pfeiler in der südafrikanischen

Bischofskonferenz (SACBC) und im Rat

der Bischofskonferenzen von Afrika und Madagaskar

(SECAM). Darüber hinaus übernahm er Verantwortung

für die Weltkirche als Mitglied des Päpstlichen

Rates für Interreligiösen Dialog.“ Auch der Päpstliche

Nuntius für Südafrika, Erzbischof James Patrick Green,

beschrieb Bischof Hubert Bucher als „... einen Missionar,

der mit einer Vision einer einheimischen Kirche

in das Land gekommen ist“. Wie sehr er diesem Ziel

nahe gekommen ist, zeigten die vielen einheimischen

Priester, die „Ihren“ Bischof hochleben ließen und den

Gottesdienst mitfeierten.

Mitten hinein in die immer stärker werdenden Proteste

gegen das Apartheid-Regime erfolgte 1986 die

Ernennung von Dr. Fritz Lobinger zum Apostolischen

Administrator für die Diözese Aliwal und seine Weihe

zum Bischof von Aliwal am 27. Februar 1987. Wichtige

Etappen sind die Verabschiedung eines Pastoralplans

für die Diözese (1990) und die Bildung verschiedener

Einrichtungen, die die Selbständigkeit einer einheimischen

Kirche in Aliwal stärken sollen. Mit dem

Erreichen der Altersgrenze wurde Bischof Lobinger

2004 emeritiert. Zum Administrator wurde Oswald Hirmer

bestellt. Er beauftragte Fritz Lobinger „in seinem

Namen“ weiter den Dienst als Bischof zu verrichten bis

ein neuer Bischof für Aliwal ernannt wird. Erst 4 Jahre

später, am 24. Februar 2008, wurde schließlich der

Fidei Donum-Priester Michael Wüstenberg (Diözese

Hildesheim) zum Bischof von Aliwal und damit zum

Nachfolger von Bischof Dr. Fritz Lobinger geweiht.

Dr. Oswald Hirmer war von 1992 – 1996 zusammen mit

der Föderation der Asiatischen Bischofskonferenzen

für eine Adaption des LUMKO-Programms auf die

asiatische Situation verantwortlich. Am 28. April 1997

wurde er zum Bischof von Umtata ernannt, wo er am

28. Juni 1997 die Bischofsweihe empfing. Sein bischöfliches

Wirken hat er unter das Motto „ich bin mit euch“

gestellt. Als Bischof ist es ihm ein besonderes Anliegen,

dass die von LUMKO ausgegangenen Impulse vertieft

werden. „Die Gläubigen sollen von der Christusmitte

her Gemeinde werden, um gemeinsam die Sendung

Jesu unerschrocken fortzusetzen“, sagte er einmal.

Am 8. Februar 2008 wurde auch für ihn ein Nachfolger,

Sithembele Anton Sipuka, ernannt und sein Rücktritt

aufgrund des Erreichens der Altersgrenze vom Papst

angenommen.

Pfarrer Willibald Tratz ist der letzte Regensburger

Fidei Donum-Priester, der in der Diözese Aliwal als

Missionar arbeitet. Ein Kapitel der Missionsgeschichte

neigt sich damit ihrem Ende, doch die Folgen, die

durch das missionarische Engagement Regensburger

Missionare entstanden sind, wirken weiter und

beeinflussen die Kirche – nicht nur in den jeweiligen

Diözesen, nicht nur in Südafrika, sondern weltweit.

Literatur: Norbert Kössmeier, Eine neue Weise, Kirche zu

sein. In: Freiburger Materialdienst für die Gemeindepastoral,

Freiburg 2004, 33-37. – Klaus Velguth, Eine neue Art, Kirche

zu sein; Entstehung und Verbreitung der Kleinen Christlichen

Gemeinschaften und des Bibel-Teilens in Afrika und Asien;

Freiburger theologische Studien 169; Freiburg 2005.

>>

Die Fidei-Donum-

Priester aus Regensburg

sind das Fundament unserer

Kirche hier vor Ort.

Ohne sie würden wir nicht


Für die Praxis

Rundbrief Weltkirche 13

einfach anders altern

Eine-Welt-Arbeit und Drittes Lebensalter

Quelle >> www.dritteslebensalter.de

„Unsere Gesellschaft überaltert.“ Dies ist mittlerweile ein immer wiederkehrender Satz, der in Politik und Gesellschaft

fällt. Und er trifft in diesem Maß auch für die Kirchen zu. Immer mehr ältere und alte Menschen kommen

in die Kirche bei einer abnehmenden Zahl junger Menschen. Auch in der Eine-Welt-Arbeit merken wir dies. Viele

Sachausschüsse und deren Mitglieder sind seit Jahre feste Kreise, die miteinander alt werden, ohne dass junge

Menschen mit ins Boot kommen. Es läßt sich darüber Klage führen, aber es ist auch eine Herausforderung, die

man annehmen und gerade im Hinblick auf Menschen im Alter positiv wenden kann.

Mit dem Anteil der Alten an der Bevölkerung verändern

sich auch die Selbst- und Fremdeinschätzung,

die materiellen Verhältnisse, der Bildungsstand, die

Lebensläufe... Auch in Deutschland steht Altern längst

nicht mehr einfach für Gebrechlichkeit, Abhängigkeit

und Nicht-Aktivität. So schlug der englische Sozialhistoriker

Peter Laslett eine vom kalendarischen Alter

unabhängige Einteilung vor, die sich an der persönlichen

und gesellschaftlichen Situation und Funktion

des Individuums orientiert: das erste Lebensalter: das

Alter der Sozialisation, das zweite Lebensalter: das Alter

der Verpflichtungen im Berufs- und Familienleben,

das dritte Lebensalter: das Alter der Selbsterfüllung

das vierte Lebensalter: das Alter des endgültigen

Verfalls.

Das dritte Lebensalter: ein Alter der Selbsterfüllung?

Jedenfalls eine Lebensphase mit neuen Möglichkeiten

und Chancen. Frauen und Männer im dritten Lebensalter

sind eingeladen, ihre „späte Freiheit“ zu erkennen

und zu nutzen: ihren Lebensstil neu zu bestimmen,

neue Lebensräume, neue Kompetenzen, neue Beziehungen

aufzubauen und Zeichen solidarischen Lebens

zu setzen, mit anderen Worten: „gut“ zu leben in der

Einen Welt.

Drittes Lebensalter in Deutschland

• Wer sich heute im sogenannten „3. Lebensalter“ befindet,

gehört einer „Pioniergeneration“ an, für deren

Lebensstil kein allgemeines Vorbild existiert. Zu vielfältig

und tief waren die Umbrüche der Zeit.

• Wer sich heute im 3. Lebensalter befindet, ist vor

oder im Zweiten Weltkrieg geboren, hat die Schrecken

von Nationalsozialismus und Krieg erlebt,die

Not der Nachkriegsjahre, aber - zumindest in

Deutschland-West - auch die Zeit eines grenzenlos

scheinenden Wirtschaftswachstums.

• Wer sich heute im 3.Lebensalter befindet und die

Geschichte unseres Volkes bewußt erlebt hat, will

gut leben in der Einen Welt: verfolgt mit Verstand

und Leidenschaft die Fragen und Aufgaben der Gerechtigkeit,

des Friedens und der Bewahrung der

Schöpfung.

einfach anders leben

Dazu hat MISEREOR 1998 die Initiative einfach anders

altern gegründet für Menschen im dritten Lebensalter,

die sich aktiv um die Belange der Einen Welt kümmern:

um Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der

Schöpfung. Es geht darum, Bildung, Engagement und

Geselligkeit zur Lebenskunst im Alter zu verbinden. so

ist einfach anders leben ein Programm im Kontext einer

Weltgesellschaft, die faszinierende Möglichkeiten

interkultureller Begegnung bietet, die aber auch von

extremen sozialen Ungleichgewichten geprägt ist

und ihre natürlichen Lebensgrundlagen zu zerstören

droht. einfach anders leben ist aber auch ein Programm

im Kontext einer alternden Gesellschaft, die

erst noch lernen muss, mit dem Älterwerden ihrer

Menschen produktiv umzugehen und eine Kultur zu

entwickeln, die die Potenziale des Alters zur Geltung

kommen lässt.

die MISEREOR ALTERnativen ...

... sind eine Publikationsreihe in gemeinsamer Herausgeberschaft

von KBE und Misereor.

Die MISEREOR ALTERnativen

• sind Themenhefte von ca. 40 Seiten Umfang,

• bieten Anregungen zum Nachdenken und Handeln

in Fragen des „guten“ Lebens in der Einen Welt,

• geben systematische Einführungen und methodischen

Zugängen aus den Perspektiven der

Alternsbildung und der Eine-Welt-Arbeit,

• sprechen hauptsächlich haupt- und ehrenamtliche

Erwachsenenbildner an,

• sind aber „lesbar“ für alle Frauen und Männer (nicht

nur) im „dritten“ Lebensalter.

Die 10 erschienenen Hefte können bei der MVG bestellt

werden:

MVG GmbH | Postfach 10 15 45 | 52015 Aachen

>> Tel.: (0241) 47986-0 | Fax: (0241) 47986-45

>> E-Mail info@eine-welt-mvg.de

>> eine-welt-mvg.de

Mehr Informationen zum Projekt finden Sie unter

>> www.dritteslebensalter.de


14 Rundbrief Weltkirche

Fairer Handel

Jubiläum

25 Jahre „Solidarität in der Einen Welt e.V.“

Von Ulrich Frey / Solidarität in der Einen Welt e.V.

Ein besonderes Jubiläum kann der Verein Solidarität in der Einen Welt e.V. in diesem Jahr feiern: Seit 25 Jahren

fördert er die entwicklungspolitischen Bildungsarbeit und die Partnerschaft mit benachteiligten Produzenten/

innen in aller Welt. Gegründet wurde der Verein „Solidarität in der Einen Welt“ e. V. im Jahr 1983 von kirchlich

Engagierten und meist in der Jugendarbeit Tätigen der Diözese Regensburg. Bei einem Fest am 26. April 2008

wurde dieses Jubiläum im Leeren Beutel (Regensburg) gefeiert.

Vor 25 Jahren begann alles mit den Jutetaschen mit

der Aufschrift „Hunger wird gemacht“. Der Vorsitzende,

Pastoralreferent Ulrich Frey hatte diese Tasche

mitgebracht und stellte fest, dass heute in den Eine-

Welt-Läden Waren von sehr hoher Qualität stehen. Der

faire Handel bedeute, den Produzenten in allen Teilen

der Welt auf gleicher Augenhöhe zu begegnen. „Und

er hat etwas mit Menschlichkeit, Mitmenschlichkeit

und christlich verantwortetem Handeln zu tun, weil

damit Konflikte entschärft und die Menschen wahrgenommen

und beachtet werden!“, so Frey.

Alexander Fonari vom Eine-Welt-Netzwerk-Bayern

stellte heraus, dass der Regensburger Verein über Bayern

hinaus beispielgebend gewesen sei. Als jüngstes

Beispiel nannte er die Idee, auf den Kauf von Produkten

zu verzichten, die mit ausbeuterischer Kinderarbeit

hergestellt werden. Bereits 40 Kommunen in Bayern

hätten einen entsprechenden Beschluss gefasst, ebenso

der Bayerische Landtag und jetzt sei im Bundestag

eine solche Initiative auf den Weg gebracht worden.

Neben dem fairen Handel sei gerade diese politische

Arbeit besonders wichtig, so Fonari. „ Bleiben sie prophetisch!“,

ermunterte der Vertreter des Hilfswerks

MISEREOR, denn es sei nicht gottgefällig, andere Menschen

auszubeuten.

Besuch aus Nyeri

Die acht Gäste aus der Diözese Nyeri in Zentralkenia

stellten ihre Arbeit vor, die vorwiegend über Caritas

läuft. Die Arbeit gelte allen Menschen in der Region.

Der Preis für die erzeugten Produkte sei oft so niedrig,

dass Kinder am Feld mitarbeiten müssen und deshalb

die Schule nicht besuchen können. Das Wasser und die

Bewässerung des Landes sei eines der Hauptthemen.

Es wurde die geleistete Friedensarbeit vorgestellt und

im Detail dargelegt, wie mit einer ganz kleinen Bank

versucht wird, ebenso kleine Kredite zu gewähren, um

den Menschen zur Selbständigkeit zu verhelfen. Die

Gruppe „Brothers of St. Joseph“ betreuen derzeit rund

500 AIDS-Kranke und HIV-Infizierte. Sie organisieren

Selbsthilfegruppen und haben jetzt mit Hilfe von Ulrich

Frey ein Ziegen-Projekt gegründet. Eine Damen stellte

vor, wie sie den Kleinbauern bei der Vermarktung

ihrer Produkte hilft. Als besondere Erfolgsgeschichte

gilt, dass vor zweieinhalb Jahren im Anschluss an den

Besuch einer Delegation des Diözesanrats Regensburg

eine Teefabrik in Kenia auf die Bedingungen des fairen

Handels umgestellt hat und dafür nationale und internationale

Zertifikate erhalten konnte. Die afrikanischen

Gäste dankten dem Vereine für die großartige Unterstützung

und brachten Farbe sowie mit ihren Tänzen

eine Bewegung in die Feier mit 200 Gästen.

Ulrich Frey (Mitte) zusammen Alexander Fonari

(rechts), Gerhard Valentin (links) und den Gästen aus

der Diözese Nyeri.

Foto: www. fairer-handel-regensburg.de

Für besondere Leistungen wurden geehrt Brigitte

Bernhard (Cham), Rosa Glonner (Straubing), Susanne

Küppers, Gerlinde Beierl (Marktredwitz), Johanna

Sand (Sulzbach-Rosenberg), Luitpold Fuchs und Otmar

Dostal, der ehemalige Diözesanreferent und damit einer

der Pioniere der Eine-Welt-Arbeit in der Diözese

Regensburg. Stolz verkündete Ulrich Frey, dass die

Teilnehmer an der Jubiläumsfeier insgesamt 1481

Jahre ehrenamtliche Arbeit für die Solidarität in der

Einen Welt geleistet haben.

Linktipp

Weitere Informationen zum Verein

>> www.fairer-handel-regensburg.de


Fairer Handel

Rundbrief Weltkirche 15

Faire Woche vom 15. - 18. September 2008

Doppelt gut! Bio im Fairen Handel

Quelle >> www.forum-fairer-handel.de

Schon seit über 20 Jahren gibt es Kooperationen

zwischen dem Fairen Handel und der ökologischen

Landwirtschaft. In den letzten Jahren ist die Anzahl von

fair gehandelten Bio-Produkten in Weltläden und Supermärkten

deutlich gestiegen: Bananen, Kaffee, Kakao

und Zucker sind gute Beispiele hierfür. Fair gehandelte

Bio-Produkte stehen für eine sozial und ökologisch

nachhaltige Entwicklung und Wirtschaftsweise, die die

Bedürfnisse der heutigen Generation berücksichtigt,

ohne damit die Lebens- und Entwicklungsmöglichkeiten

künftiger Generationen zu gefährden. Das will

die Faire Woche 2008 verdeutlichen, die vom 15. bis

28. September 2008 stattfindet!

Unter dem Motto „Doppelt gut! Bio im Fairen Handel“

findet die bundesweite Aktionswoche in diesem

Jahr zum siebten Mal statt. Sie wird vom Forum Fairer

Handel veranstaltet, dem Netzwerk des Fairen Handels

in Deutschland. Weltläden, Aktions- und Agendagruppen,

Kirchengemeinden, Importorganisationen,

Landesnetzwerke, Verbraucherinitiativen sowie Lehrer

und Multiplikatoren führen in dieser Zeit viele

Aktionen zum Thema Fairer Handel durch. Durch

informative, spannende oder witzige Aktionen und

Veranstaltungen erfahren Verbraucher, die Medien

und somit die gesamte Öffentlichkeit von der Qualität

und dem Mehrwert fair gehandelter Produkte.

Aktionen zur Fairen Woche

In diesem Jahr bietet das Forum Fairer Handel, der

Träger der Aktion, mit einem Aktionsleitfaden zwei

Vorschläge, wie die Faire Woche praktisch umgesetzt

werden kann: die bio-faire Kaffeetafel und das bio-faire

Hoffest. Die verschiedenen Ideen sind miteinander

und mit anderen Ideen kombinierbar und können für

den jeweiligen Kontext (z.B. Stadt-Land) abgewandelt

werden. Im Kern geht es darum, alle Sinne bei Aktionen

mit einzubeziehen und den Fairen Handel auf diese

Art als Erlebnis und Genusswelt zu gestalten.

Neben diesen Ideen wird aber auch bereits bestehende

Materialien verwiesen, die zum Thema passen

oder dafür abgewandelt werden können. In Leitfaden

werden außerdem die Schwerpunkte verschiedener

Fairhandels-Organisationen zur Fairen Woche und

ihre geplanten Aktionen, Ideen für die Nutzung der

Faire Woche-Materialien und für eine gelungene

Pressearbeit vorgestellt. Ziel ist es, allen Akteuren die

Umsetzung von lokalen Aktionen zur Fairen Woche

so einfach wie möglich zu machen! Ein besonderer

Hinweis gilt dem Hintergrundreader zu „Bio im Fairen

Handel“ der als pdf-Dokument auf der Homepage der

Fairen Woche erscheint.

Materialien und Produktproben

Wie in jedem Jahr gibt es auch 2008 diverse Materialien

im Faire Woche-Design. Alle, die eine Aktion in

den Aktionskalender auf der Homepage der Fairen

Woche eintragen, können diese bestellen und während

der Fairen Woche einsetzen. Als Printmaterialien

stehen Poster, Postkarten, Tischaufsteller, Rezepthefte

und Informationsflyer zum Thema fair und bio zur Verfügung.

Diese können auf der Homepage der Fairen

Woche bestellt werden.

Die Produktproben sind diesmal natürlich doppelt

gut: fair und bio! Diese sind Bio Arabica „Café Organico“

und Bio-Mascobado-Zuckersticks von GEPA,

Bio-Trinkschokolade von dwp und Bio-Fruchtgummis

„Bärenkids“ von EL PUENTE. Informationen zu

den Handelspartnern werden auf der Faire-Woche

Homepage zur Verfügung gestellt. Auch diese Proben

können auf der Homepage der Fairen Woche von allen

Teilnehmern der Fairen Woche bestellt werden,

die eine Aktion in den Aktionskalender eingetragen

haben. Bestellfrist ist der 8. August, der Versand beginnt

Mitte August.

Linktipp

Motiv der Fairen Woche: www.forum-fairer-handel.de

>> www.faire-woche.de – Alle Materialien, Produktproben

und viele weitere Informationen.

Unter >> www.forum-fairer-handel.de findet sich

Homepage des Trägers der Aktion.


Termine

JUni 2008

7.6.

MISEREOR-Familientag im LEGOLAND® Deutschland in Günzburg

Wer im LEGOLAND® Deutschland in die Rolle eines echten Helden schlüpfen und den Park als tapferer

Ritter, furchtloser Pirat oder mutiger Entdecker erobern und sich zudem mit Rucky Reiselustig, dem

kleinen Rucksack und Maskottchen der MISEREOR-Fastenaktion, auf eine spannende musikalische

Weltreise begeben möchte, der ist am 7. Juni im LEGOLAND in Günzburg goldrichtig. In der großen

Arena der LEGOLAND-Welt findet das MISEREOR-Reiseabenteuer mehrmals am Tag statt. Unter der

musikalischen Leitung von Siegfried Fietz geht es einmal „rund um die Welt“. Rucky Reiselustig und

alle Mitreisenden treffen gute Freunde und alte Bekannte in Afrika, Asien und Lateinamerika.

Und schon am Eingang wird am MISEREOR-Stand bei den kleinen und großen Besuchern die Vorfreude

auf die musikalische Reise geweckt - mit besonders günstigen Eintrittspreisen für diejenigen, die

sich unter >> www.misereor.de einen Coupon ausdrucken und ihn am Besuchstag an der Kasse im

LEGOLAND vorlegen. Gruppen (ab 10 zahlenden Personen, bis max. 16 Jahren) können sich im Vorfeld

anmelden: 16 Euro pro Kind/Jugendlicher - pro 10 Teilnehmer ist eine Begleitperson frei. Ein Formular

zur Anmeldung, das bis 2 Tage vor Anreise ans LEGOLAND gefaxt werden muss, finden Sie hier und

auf der Website vom LEGOLAND Deutschland unter >> www.legoland.de.

September 2008

15.-18.9. Faire Woche

Unter dem Motto Doppelt gut! Bio im Fairen Handel sind Gemeinden und Initiativen zu Aktionen rund

um den Fairen Handel aufgerufen. Mehr dazu auf Seite 15 dieses RUNDBRIEFs WELTKIRCHE.

Oktober 2008

6.-13.10. Weltkirche im Bistum Regensburg

Sr. Stella Takaza SJI (Harare/ Zimbabwe) ist im Rahmen des Monats der Weltmission als Gast von Missio

im Bistum Regensburg. Weitere informationen dazu auf Seite 4 dieses RUNDBRIEFs WELTKIRCHE.

Impressum

Herausgeber: Bistum Regensburg – Arbeitsstelle Weltkirche

Obermünsterplatz 7 | D-93047 Regensburg | Tel.: (0941) 597-2606/7 | Fax: (0941) 597-2600

E-Mail: weltkirche@bistum-regensburg.de | www.weltkirche-regensburg.de

Redaktion, Satz und V.i.S.d.P.: Hagen Horoba – soweit nicht anders angegeben. Titelfoto: Michael Vogl.

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