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Fachkräfte sichern

Wie familienfreundlich sind KMU?


Impressum

Herausgeber

Bundesministerium für Wirtschaft

und Technologie (BMWi)

Öffentlichkeitsarbeit

11019 Berlin

www.bmwi.de

Redaktion

Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung

Düsseldorfer Straße 40

65760 Eschborn

www.kompetenzzentrum-fachkraeftesicherung.de

Autorinnen/Autoren:

Dr. Vera Erdmann, Dr. Susanne Seyda

Stand

August 2012

Gestaltung und Produktion

PRpetuum GmbH, München

Das Bundesministerium für Wirtschaft und

Technologie ist mit dem audit berufundfamilie ®

für seine familienfreundliche Personalpolitik

ausgezeichnet worden. Das Zertifikat wird von

der berufundfamilie gGmbH, einer Initiative der

Gemeinnützigen Hertie-Stiftung, verliehen.

Diese Broschüre ist Teil der Öffentlichkeitsarbeit des

Bundes ministeriums für Wirtschaft und Technologie.

Sie wird kostenlos abgegeben und ist nicht zum

Verkauf bestimmt. Nicht zulässig ist die Verteilung

auf Wahlveranstaltungen und an Informationsständen

der Parteien sowie das Einlegen, Aufdrucken oder

Aufkleben von Informationen oder Werbemitteln.


Wie familienfreundlich sind KMU?

1

Zusammenfassung

Die Bedeutung betrieblicher Familienpolitik unterscheidet

sich zwischen kleinen und mittleren Unternehmen

(KMU) und Großunternehmen kaum –

unabhängig von ihrer Größe geben acht von zehn

Unternehmen in einer repräsentativen Unternehmensbefragung

des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln

an, dass Familienpolitik wichtig oder eher wichtig für

das Unternehmen ist. Kleine Unternehmen weisen

jedoch häufiger eine ausgesprochen familienfreundliche

Einstellung auf als große Unternehmen, wenn die

grundsätzliche Einstellung der Personalverantwortlichen

und der unternehmensinterne Dialog mit den

Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zum Thema familienfreundliche

Maßnahmen betrachtet werden. Aufgrund

der höheren Mitarbeiterzahl ist der Bedarf an

familienpolitischen Maßnahmen in großen Unternehmen

jedoch differenzierter als in kleinen oder mittleren

Unternehmen. Das Spektrum an angebotenen Maßnahmen

und daraus folgend auch die Anzahl der Maßnahmen

sind daher in Großunternehmen größer als in

KMU. Kleine und mittlere Unternehmen bieten zudem

weniger Maßnahmen an, weil ihre Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter häufiger keinen Bedarf an (weiteren)

familienfreundlichen Maßnahmen anmelden.

Maßnahmen der Arbeitszeitflexibilisierung wie Telearbeit/Home

Office, individuell vereinbarte Arbeitszeiten

und flexible Tages- oder Wochenarbeitszeiten sind in

allen drei Unternehmensgrößenklassen am weitesten

verbreitet. KMU bieten hier – mit Ausnahme der Vertrauensarbeitszeit

– alle Maßnahmen seltener an. Dafür

nehmen kleine Unternehmen häufiger als mittlere und

große Unternehmen besondere Rücksicht auf Bedürfnisse

der Eltern, beispielsweise bei der Urlaubsplanung –

eine Maßnahme, die zum Bereich Elternzeit/Elternförderung

zählt. Auch hier bietet eine Mehrheit der

Betriebe Maßnahmen an. Im Bereich der Kinder- und

Angehörigenbetreuung sind insgesamt weniger Unternehmen

aktiv. Die Arbeitsfreistellung bei Krankheit der

Kinder wird von kleinen und großen Unternehmen

gleich häufig angeboten. Markante Unterschiede

zugunsten der Großen finden sich im Bereich betriebliche

Kindergärten und weiterer Unterstützung bei der

Kinderbetreuung. Im Bereich Familienservice engagieren

sich die Unternehmen – unabhängig von ihrer Größe –

selten, Freizeitangebote und Kantinenessen für Angehörige

sind am weitesten in Großunternehmen verbreitet.

Die Motive für eine familienfreundliche Personalpolitik

unterscheiden sich nur wenig zwischen den Betriebsgrößenklassen.

Lediglich die schnelle Integration von

Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nach der Elternzeit

und die Einhaltung gesetzlicher/tariflicher Vorgaben

nennen kleine Unternehmen seltener.

Zu den wichtigsten Hemmnissen für (weitere) familienfreundliche

Maßnahmen zählt bei den kleinen und

mittleren Unternehmen, dass ihre Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter keinen Bedarf anmelden. Kleine Unternehmen

beklagen zudem seltener als andere Unternehmen,

dass die Förderung zu gering, der Aufwand

zu hoch oder die Geschäftslage ungünstig ist.

1. Was ist der Unternehmensmonitor

Familienfreundlichkeit?

Der Unternehmensmonitor Familienfreundlichkeit ist

eine Unternehmensbefragung des Instituts der deutschen

Wirtschaft Köln zum Thema familienfreundliche

Personalpolitik. Befragt wurden dazu die Geschäftsführerinnen

und Geschäftsführer sowie Personalverantwortliche

von 1319 Unternehmen. Neben der Anzahl

der konkreten Maßnahmen zur Familienfreundlichkeit

im Unternehmen wird nach der Bedeutung familienpolitischer

Maßnahmen sowie nach Motiven und Hindernissen

für Familienfreundlichkeit im Unternehmen

gefragt. Die Befragung im Jahr 2009 wurde vom Institut

der deutschen Wirtschaft Köln im Auftrag des Bundesministeriums

für Familie, Senioren, Frauen und Jugend

(BMFSFJ) und der Robert-Bosch-Stiftung durchgeführt.

Die abgefragten familienfreundlichen Maßnahmen

wurden vier Handlungsfeldern zugeordnet, in denen

Unternehmen aktiv werden können, um eine bessere

Balance zwischen Familienleben und beruflicher

Tätigkeit herzustellen:

1. Im Rahmen des Handlungsfelds Arbeitszeitflexibilisierung/Telearbeit

können Unternehmen die

Voraussetzungen dafür verbessern, dass Beschäftigte

berufliche Anforderungen und familiäre

Pflichten beziehungsweise private Bedürfnisse

flexibler aufeinander abstimmen können.

2. Mit sieben Maßnahmen im Handlungsfeld Elternzeit/Elternförderung

kann gewährleistet werden,


2 Wie familienfreundlich sind KMU?

dass Beschäftigte nach einer kindbedingten Erwerbsunterbrechung

schnell und reibungslos wieder in

den Beruf einsteigen können. Unternehmen können

mithilfe der Maßnahmen auch einen Beitrag

dazu leisten, dass sich Beschäftigte eher für eine

Familiengründung entscheiden.

3. Das Handlungsfeld Kinder- und Angehörigenbetreuung

umfasst Maßnahmen, mit denen die

Erwerbstätigkeit von Eltern oder Personen mit

pflegebedürftigen Angehörigen gefördert werden

kann.

4. Schließlich erfasst das Handlungsfeld Familienservice

familienorientierte Dienstleistungen, die

die Unternehmen ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern

sowie deren Familien zusätzlich anbieten

können. Dazu zählen beispielsweise Freizeitangebote

für Beschäftigte und Angehörige oder die Vermittlung

von haushaltsnahen Dienstleistungen.

Auf diese Weise kann die Attraktivität des Unternehmens

erhöht werden.

2. Welche Bedeutung hat Familienfreundlichkeit

für Unternehmen?

Die Bedeutung des Themas Familienfreundlichkeit für

das Unternehmen unterscheidet sich im Wesentlichen

nicht nach Unternehmensgröße. Dabei wurden drei

Abb. 1: Stellenwert von betrieblicher Familienpolitik

Welche Bedeutung hat die Familienpolitik für das

Unternehmen? Unternehmen, die mit „wichtig“ oder

„eher wichtig“ geantwortet haben, in Prozent

Unternehmensklassen berücksichtigt: kleine Unternehmen

mit 1 bis 49 Mitarbeitern, mittlere Unternehmen

mit 50 bis 249 Mitarbeitern und große Unternehmen

mit 250 und mehr Mitarbeitern. In der Mehrzahl der

Unternehmen – in acht von zehn – kommt der Familienfreundlichkeit

eine wichtige oder eher wichtige Rolle

zu (Abbildung 1).

Eine familienfreundliche beziehungsweise familienbewusste

Personalpolitik basiert auf einem mehrdimensionalen

Verständnis. Dabei kann zwischen den drei

Hauptdimensionen Kultur, Dialog und Leistung differenziert

werden (Schneider et al. 2008):

→→

→→

→→

Familienfreundlichkeit äußert sich erstens in einem

Unternehmen durch die Akzeptanz von familiären

Verpflichtungen der Beschäftigten und des daraus

folgenden Führungsverhaltens. Hierzu zählt auch,

wie die Familienfreundlichkeit in der Unternehmenskultur

verankert ist (Kultur).

Zweitens spiegelt Familienfreundlichkeit die Informationsprozesse

zwischen Geschäftsführung und

Belegschaft über Bedürfnisse und Angebote an

familienfreundlichen Maßnahmen wider (Dialog).

Drittens umfasst sie das Angebot an personalpolitischen

Maßnahmen.

Im Rahmen des Unternehmensmonitors Familienfreundlichkeit

wurden die Dimensionen Dialog und

Kultur unter der Überschrift „Einstellung der Geschäftsleitung“

gemeinsam abgefragt.

Familienfreundlichkeit des Unternehmens umfasst

vor diesem Hintergrund zwei Dimensionen:

100

90

80

70

60

50

40

30

20

10

0

79,8

kleine

Unternehmen

78,5

mittlere

Unternehmen

80,3

große

Unternehmen

→→

→→

die grundsätzliche Einstellung der Geschäftsführung

zum Thema Familienfreundlichkeit und

das aktive personalpolitische Handeln gemessen

an der Anzahl und der Art der angebotenen Maßnahmen.

Rest zu 100: „eher unwichtig“/„unwichtig“

Quelle: Unternehmensmonitor Familienfreundlichkeit 2010, IW Köln


Wie familienfreundlich sind KMU?

3

Tabelle 1: Einstellung der Unternehmen zum Thema Familienfreundlichkeit

Anteil der Unternehmen, die der jeweiligen Aussage voll oder eher zustimmen, nach Unternehmensgröße, in Prozent

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist in unserem Unternehmen

eine Selbstverständlichkeit.

Mitarbeiter mit Betreuungspflichten haben die gleichen Entwicklungsund

Aufstiegschancen wie Mitarbeiter ohne Familienpflichten.

Die Geschäftsleitung befragt die Mitarbeiter regelmäßig über ihre

Bedürfnisse zur Vereinbarkeit zwischen Beruf und Familie.

Die Mitarbeiter werden regelmäßig von der Geschäftsleitung über das

Angebot an familienfreundlichen Maßnahmen informiert.

Die Mitarbeiter und ihre Interessenvertretung sind kontinuierlich in

die Gestaltung des Angebots an familienfreundlichen Maßnahmen mit

eingebunden.

Quelle: Unternehmensmonitor Familienfreundlichkeit 2010, IW Köln

Kleine Mittlere Große

89,5 82,8 82,6

85,2 88,5 84,9

46,1 32,7 28,6

37,2 37,6 42,1

49,3 50,4 63,4

2.1 Die Einstellung zum Thema Familienfreundlichkeit

Um die Einstellung der Unternehmen zum Thema

Familienfreundlichkeit zu analysieren, wurden die

Personalverantwortlichen zunächst gebeten, zu fünf

Aussagen Stellung zu beziehen, die die unterschiedlichen

Facetten davon widerspiegeln, wie das Thema

„Vereinbarkeit von Familie und Beruf“ Eingang in die

Unternehmenskultur gefunden hat (Tabelle 1).

Bei der grundsätzlichen Einstellung der Personalverantwortlichen

zur Familienfreundlichkeit zeigt sich,

dass sich ihre Einstellungen nicht grundsätzlich nach

Unternehmensgrößenklasse unterscheiden. Knapp

90 Prozent der kleinen Unternehmen stimmen der

Aussage zu, dass die Vereinbarkeit von Familie und

Beruf eine Selbstverständlichkeit darstellt. Sie schneiden

somit besser ab als mittlere und große. Bei der

Zustimmung zur Aussage, dass gleiche Aufstiegs- und

Entwicklungschancen bestehen, liegen hingegen die

mittleren Unternehmen vorne und kleine und große

Unternehmen sind nahezu gleichauf.

Die nächsten drei Aussagen betreffen den Abstimmungsprozess

zwischen Unternehmensführung und

Belegschaft bezüglich der familienfreundlichen Maßnahmen.

Hier zeigen sich Unterschiede zwischen den

Unternehmensgrößenklassen. Dabei zeigt sich, dass in

fast der Hälfte der kleinen Unternehmen die Geschäftsleitung

die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter regelmäßig

nach ihren Bedürfnissen befragt. Diese regelmäßige

Befragung gibt es in mittleren und großen Unternehmen

deutlich seltener. Dafür informiert ein größerer

Teil der großen Unternehmen die Belegschaften regelmäßig

über familienfreundliche Maßnahmen, während

es in KMU nur gut 37 Prozent sind. Den größten

Vorsprung haben große Unternehmen jedoch bei der

Einbindung der Beschäftigten und ihrer Interessenvertretung

bei der Gestaltung des familienfreundlichen

Angebots. Hier sind 63,4 Prozent der großen Unternehmen

aktiv. Dies liegt auch daran, dass große Unternehmen

häufiger über eine institutionalisierte Mitarbeitervertretung

verfügen als KMU. Dennoch stimmt

auch etwa die Hälfte der kleinen und mittleren Unternehmen

dieser Aussage zu.

Fasst man diese fünf Aussagen nun zu „Unternehmen

mit ausgesprochen familienfreundlicher Einstellung“

zusammen, so zeigt sich, dass kleine Unternehmen sogar

häufiger ausgeprägt familienfreundlich sind als große.

Mittlere Unternehmen bilden bei dieser Betrachtung

das Schlusslicht (Abbildung 2).

Abb. 2: Ausgesprochen familienfreundliche Einstellung

Anteil der Unternehmen mit ausgesprochen

familienfreundlicher Einstellung, in Prozent

45

40

35

30

25

20

15

10

5

0

38,2

kleine

Unternehmen

33,3

mittlere

Unternehmen

Quelle: Unternehmensmonitor Familienfreundlichkeit 2010, IW Köln

36,2

große

Unternehmen


4 Wie familienfreundlich sind KMU?

Abb. 3: Anzahl familienfreundlicher Maßnahmen

Anteil der Unternehmen, in Prozent

50

40

30

20

10

0

28,7 27,5

29,1 30,4

27,5

14,6

15,7

16,7 16,6

8,8

22,6

10,1 10,4

0,9 0,3 0,3

3,8

keine ein bis drei vier bis sechs sieben bis neun zehn bis zwölf 13 oder mehr

36,4

kleine Unternehmen mittlere Unternehmen große Unternehmen

Quelle: Unternehmensmonitor Familienfreundlichkeit 2010, IW Köln

2.2 Das Angebot an familienfreundlichen Maßnahmen

Im Jahr 2009 hat nahezu jedes der befragten Unternehmen

familienfreundliche Maßnahmen angeboten –

unabhängig von der Unternehmensgröße (Abbildung 3).

Weniger als ein Prozent der Unternehmen haben keine

Maßnahme angeboten. Familienfreundlichkeit ist den

deutschen Unternehmen also wichtig. Dies zeigt sich

auch daran, dass trotz der schwersten Wirtschaftskrise

seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland im

Jahr 2009 sich nur sieben Prozent aller Unternehmen

gezwungen sahen, ihr familienpolitisches Engagement

zu reduzieren.

Wird die Anzahl familienfreundlicher Maßnahmen

betrachtet, wird deutlich, dass zwar fast alle kleinen

und mittleren Unternehmen familienfreundliche

Maßnahmen anbieten, es zahlenmäßig jedoch weniger

sind als in Großunternehmen. Die meisten Unternehmen

aller drei Größenklassen bieten sieben bis neun

Maßnahmen an. Weniger Maßnahmen werden eher

von kleinen und mittleren Unternehmen angeboten,

mehr Maßnahmen eher von Großunternehmen. So

findet man ein bis drei Maßnahmen in knapp 15 Prozent

der kleinen Unternehmen, in etwa 9 Prozent der

mittelgroßen Unternehmen und nur in gut 4 Prozent

der großen Unternehmen. 13 oder mehr Maßnahmen

bieten knapp 23 Prozent aller Großunternehmen an,

jedoch nur 10 Prozent der KMU.

Ein wichtiger Erklärungsgrund für das geringere Angebot

in kleinen und mittleren Unternehmen liegt in

dem geringeren Bedarf an familienpolitischen Maßnahmen.

Je weniger Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

ein Unternehmen hat, desto geringer ist ceteris paribus

der Anteil an Beschäftigten mit Familienpflichten.

Aufgrund der höheren Mitarbeiterzahl ist der Bedarf

an familienpolitischen Maßnahmen in großen Unternehmen

zudem differenzierter als in kleinen oder

mittleren Unternehmen. Das bestätigt auch ein Blick

auf die Hemmnisse für mehr familienfreundliche

Maßnahmen. So gaben 40,3 Prozent der kleinen Unternehmen

an, dass sie keine Notwenigkeit für (mehr)

Maßnahmen sehen und in knapp 61 Prozent der Fälle

gaben die Unternehmerinnen und Unternehmen an,

dass in der Belegschaft kein Bedarf vorhanden ist.

3. Wie verbreitet sind familienfreundliche

Maßnahmen?

Von allen Maßnahmen am häufigsten angeboten

werden Maßnahmen im Handlungsfeld Arbeitszeitflexibilisierung/Telearbeit.

Besonders verbreitet sind

Teilzeitangebote, individuell vereinbarte Arbeitszeiten

und eine flexible Tages- und Wochenarbeitszeit. Dies

gilt generell für alle Unternehmensgrößenklassen

(Abbildung 4).

Dennoch werden alle Maßnahmen – mit Ausnahme der

Vertrauensarbeitszeit – in Großunternehmen häufiger

angeboten als in kleinen und mittleren Unternehmen.

Das Angebot, in Teilzeit zu arbeiten, ist in allen Unternehmensgrößenklassen

am weitesten verbreitet. Dennoch

bestehen hier erhebliche Unterschiede zwischen

kleinen, mittleren und großen Unternehmen. Während


Wie familienfreundlich sind KMU?

5

Abb. 4: Maßnahmen im Bereich der Arbeitszeitflexibilisierung/Telearbeit

Anteil der Unternehmen, in Prozent

Teilzeit

77,7

91,0

97,3

Individuelle Arbeitszeiten

72,5

74,9

81,7

Flexible Tages- oder Wochenarbeitszeit

70,0

69,9

81,5

Vertrauensarbeitszeit

36,1

40,4

47,3

Flexible Jahres- oder Lebensarbeitszeit

28,3

26,9

33,4

Telearbeit

21,4

23,9

39,0

Jobsharing

19,4

26,1

45,0

Sabbaticals

15,9

15,4

29,4

kleine Unternehmen mittlere Unternehmen große Unternehmen

Quelle: Unternehmensmonitor Familienfreundlichkeit 2010, IW Köln

0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100

nahezu alle Großunternehmen und über 90 Prozent

der mittleren Unternehmen Teilzeit anbieten, sind

es nur knapp 78 Prozent der kleinen Unternehmen.

Etwas geringer sind die Unterschiede zwischen den

Unternehmensgrößen bei den individuellen Arbeitszeiten

und der flexiblen Wochenarbeitszeit. Auch flexible

Jahres- oder Lebensarbeitszeiten finden sich in

Großunternehmen häufiger als in KMU, dennoch sind

die Unterschiede hier nicht enorm.

Aber auch bei den weniger weit verbreiteten Maßnahmen

zeigen sich große Unterschiede zwischen KMU

und Großunternehmen. Kleine Unternehmen bieten

Telearbeit und Sabbaticals 1 nur halb so oft an wie große

Unternehmen. Beim Jobsharing 2 fällt die Differenz zu

Gunsten der Großen noch höher aus.

1 Sabbatical bezeichnet eine längere berufliche Auszeit. Um während der Auszeit dennoch ein Einkommen zu haben, wird in der Periode vor

dem Sabbatical bei unveränderter Arbeitszeit auf Lohn verzichtet, der dann für das Sabbatical zur Verfügung steht.

2 Zwei oder mehr Personen teilen sich eine Stelle, also einen Arbeitsplatz mit den anfallenden Aufgaben.


6 Wie familienfreundlich sind KMU?

Abb. 5: Maßnahmen im Bereich der Elternzeit/Elternförderung

Anteil der Unternehmen, in Prozent

Besondere Rücksichtnahme (z. B. Urlaubsplanung)

oder weitere Unterstützung

80,3

79,0

76,3

Teilzeit oder phasenweise Beschäftigung

während der Elternzeit

58,4

77,5

89,7

Einarbeitungsprogramme für den Wiedereinstieg

34,5

43,4

55,9

Patenprogramme oder Kontakt während der Elternzeit

26,7

31,6

38,7

Weiterbildungsangebote während der Elternzeit

19,6

21,0

28,2

Besondere Väterförderung

(z. B. Ermunterung zu Elternzeit, Teilzeit)

15,4

23,4

23,2

Finanzielle Leistungen (über gesetzl. Niveau)

12,8

10,0

15,2

kleine Unternehmen mittlere Unternehmen große Unternehmen

Quelle: Unternehmensmonitor Familienfreundlichkeit 2010, IW Köln

0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100

Auch im Bereich der Elternzeit/Elternförderung

bestehen deutliche Unterschiede zwischen den Unternehmensgrößen

(Abbildung 5). Die besondere Rücksichtnahme

auf Eltern ist die einzige Maßnahme, die

in allen Unternehmensgrößen weit verbreitet ist; zwischen

knapp 77 (große Unternehmen) und rund 80

Prozent (kleine Unternehmen) aller Unternehmen sind

hier aktiv. Bei Maßnahmen wie Teilzeit oder phasenweise

Beschäftigung während der Elternzeit haben

Großunternehmen die Nase vorn (89,7 Prozent), gefolgt

von 77,5 Prozent der mittleren Unternehmen, während

nur 58,4 der Kleinunternehmen dies ermöglichen. Auch

bei speziellen Einarbeitungsprogrammen findet sich

eine ähnliche Abstufung nach Unternehmensgröße.

Je größer das Unternehmen ist, desto größer ist die

Wahrscheinlichkeit, dass junge Eltern dort arbeiten

und desto lohnender ist die Entwicklung eines Einarbeitungsprogrammes

oder von Weiterbildungsangeboten

während der Elternzeit. Wenn in der Belegschaft

kein Bedarf an bestimmten familienpolitischen Maßnahmen

besteht, werden diese auch nicht angeboten.

Das kann auch erklären, warum Patenprogramme

während der Elternzeit, die mit sehr geringem organisatorischem

und finanziellem Aufwand angeboten

werden können, in kleinen Unternehmen trotzdem

seltener zu finden sind. Es ist jedoch auch denkbar,

dass Beschäftigte mit familiären Verpflichtungen sich

eher solche Arbeitgeber aussuchen, die familienfreundliche

Maßnahmen anbieten. In diesen Unternehmen

können Bedarf und Angebot dann wachsen,

mit der Folge, dass weitere Beschäftigte mit Familienpflichten

in diesen Unternehmen tätig sein wollen.


Wie familienfreundlich sind KMU?

7

Abb. 6: Maßnahmen im Bereich der Kinder- und Angehörigenbetreuung

Anteil der Unternehmen, in Prozent

Arbeitsfreistellung bei Krankheit der Kinder

(über gesetzliche Regelung hinausgehend)

47,1

55,8

48,2

Arbeitsfreistellung wegen Pflege der Angehörigen

34,6

33,2

42,1

Weitere Unterstützung bei der Kinderbetreuung

(z. B. finanziell)

14,8

15,2

24,6

Freiwillige Unterstützung bei Pflege

(Pflegedienst/Kurzzeitpflege)

9,0

7,1

9,6

Betriebliche Kinderbetreuung

1,9

4,7

14,5

kleine Unternehmen mittlere Unternehmen große Unternehmen

Quelle: Unternehmensmonitor Familienfreundlichkeit 2010, IW Köln

0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100

Im Handlungsfeld Kinder- und Angehörigenbetreuung

sind weniger Unternehmen aktiv als in den beiden

vorgenannten Bereichen (Abbildung 6). Am häufigsten

bieten Unternehmen jeder Größe Arbeitsfreistellung

bei Krankheit der Kinder an. Dies findet sich am häufigsten

in Unternehmen mittlerer Größe (55,8 Prozent),

während kleine (47,1 Prozent) und große (48,2 Prozent)

Unternehmen nahezu gleichauf liegen. Fast keine Unterschiede

finden sich zwischen kleinen und großen Unternehmen

hinsichtlich der freiwilligen Unterstützung

bei der Pflege: 9 Prozent der kleinen und 9,6 Prozent

der großen Unternehmen sind hier engagiert.

Auch die Arbeitsfreistellung zur Pflege Angehöriger

wird relativ häufig angeboten – wobei hier wieder gilt,

dass Große aktiver sind. Großunternehmen engagieren

sich auch stärker bei der weiteren Unterstützung der

Kinderbetreuung, beispielsweise in finanzieller Hinsicht

oder durch einen Tagesmutterservice und bei der

betrieblichen Kinderbetreuung. Die Größe des Unternehmens

wirkt sich hier positiv aus, denn ein Betriebskindergarten

lohnt sich nur dann, wenn auch dauerhaft

genügend Mitarbeiterkinder diesen besuchen wollen.

Kleine und mittlere Unternehmen können ihre Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter durch andere Maßnahmen

bei der Kinderbetreuung unterstützen, wie zum Beispiel

Belegplätze in Kindertageseinrichtungen oder Tagesmütterservice.

Allerdings haben kleine Unternehmen

auch hier Nachteile gegenüber großen Unternehmen,

weil große Unternehmen eher über eine Personalabteilung

verfügen, die diese Angebote organisiert.

Maßnahmen im Bereich Familienservice stehen nur

bei einer Minderheit der Unternehmen auf der Agenda

(Abbildung 7). Große Unternehmen bieten mit etwa

27 Prozent häufiger Freizeitangebote für Beschäftigte

und deren Familien an, als mittlere und kleine Unternehmen.

Auch wird bei 18 Prozent der großen Unternehmen

Essen für Mitarbeiterkinder in der Kantine

angeboten, deutlich häufiger als bei KMU. Da die letztgenannte

Maßnahme eine Kantine voraussetzt, schneiden

kleine Unternehmen vor allem deshalb schlechter

ab, da sie diesen Service nicht anbieten. Auch die Möglichkeit

zur Rechtsberatung finden Mitarbeiterinnen

und Mitarbeiter in großen Unternehmen häufiger als

in KMU. Das Angebot von haushaltsnahen Dienstleistungen

ist in allen drei Größengruppen nur vereinzelt

vorhanden.


8 Wie familienfreundlich sind KMU?

Abb. 7: Maßnahmen im Bereich Familienservice

Anteil der Unternehmen, in Prozent

Rechtsberatung (z. B. Teilzeitarbeit in der Elternzeit)

11,2

10,3

15,1

Freizeitangebote für Beschäftigte und deren Familien

10,1

13,6

26,6

5,5

Angebot von haushaltsnahen Dienstleistungen

1,9

(z. B. Bügeln, Waschen, Hol- und Bringdienste, Gartenarbeit)

4,4

Essen für Mitarbeiterkinder in der Kantine

4,9

7,4

18

kleine Unternehmen mittlere Unternehmen große Unternehmen

Quelle: Unternehmensmonitor Familienfreundlichkeit 2010, IW Köln

0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100

4. Was sind die Motive für eine familienfreundliche

Personalpolitik?

Die Gründe einer Geschäftsleitung, familienfreundliche

Maßnahmen einzuführen oder beizubehalten, können

sehr unterschiedlich sein. Eine familienfreundliche

Personalpolitik kann zunächst dazu dienen, die Attraktivität

des Unternehmens als Arbeitgeber für Bewerberinnen

und Bewerber sowie für die Belegschaft zu

erhöhen. Familienfreundliche Maßnahmen können

einem Unternehmen zu einem Alleinstellungsmerkmal

im Wettbewerb um adäquat qualifizierte Fachkräfte

verhelfen. Ein Betrieb kann aber auch gezwungen sein,

dem Beispiel anderer Unternehmen zu folgen, damit

er keine Wettbewerbsnachteile auf dem Arbeitsmarkt

erleidet. Auch wenn derzeit keine validen empirischen

Studien Aufschluss darüber geben, ob familienfreundliche

Maßnahmen mit positiven wirtschaftlichen Effekten

für ein Unternehmen verbunden sind, ist ebenso

vorstellbar, dass sich eine Geschäftsleitung von der

Einführung familienfreundlicher Maßnahmen zum

Beispiel durch eine Steigerung der Produktivität und

Innovationskraft eine Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit

erhofft. Schließlich kann Familienfreundlichkeit

in der Unternehmenskultur oder im Leitbild

eines Unternehmens verankert sein, ohne direkt

einem spezifischen Ziel dienen zu wollen oder von

gesellschaftlichen, gesetzlichen und tarifvertraglichen

Normen initiiert worden zu sein.

Die Unterschiede hinsichtlich der Motive für eine

familienfreundliche Personalpolitik sind weitgehend

unabhängig von der Unternehmensgröße (Abbildung 8).

Bei den wichtigsten Motiven – Erhöhung der Arbeitszufriedenheit

und Bindung beziehungsweise Gewinnung

von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern – finden

sich kaum Unterschiede nach Betriebsgrößenklassen.

Mehr als neun von zehn Unternehmen nennen diese

Motive. Auch dem Motiv einer Produktivitätssteigerung

kommt in allen drei Größenklassen eine hohe Bedeutung

zu – etwa 80 Prozent der Unternehmen führen

dieses Motiv an.

Unterschiede zwischen den Unternehmensgrößen fallen

bei dem Motiv der schnelleren Integration nach der

Elternzeit auf: Dieses Motiv spielt in Kleinunternehmen

eine weniger wichtige Rolle als in mittleren und großen

Unternehmen – auch hier gilt es zu berücksichtigen,

dass nicht in allen KMU werdende/junge Eltern

arbeiten. Die Einhaltung gesetzlicher/tariflicher Vorgaben

ist für kleine Unternehmen ebenfalls weniger

relevant. Dies kann daran liegen, dass sie seltener tarifgebunden

sind.


Wie familienfreundlich sind KMU?

9

Abb. 8: Motive für eine familienfreundliche Personalpolitik

Anteil der Unternehmen, die das Motiv nennen, in Prozent

Erhöhung der Arbeitszufriedenheit

89,0

93,5

93,4

Bindung oder Gewinnung

qualifizierter Mitarbeiter

93,3

92,1

94,3

Höhere Produktivität

80,1

80,2

78,2

Schnellere Integration von

Elternzeitrückkehrern

76,6

83,4

88,2

Einhaltung gesetzlicher/

tariflicher Vorgaben

74,5

82,6

83,2

Senkung des Krankenstandes und

der Mitarbeiterfluktuation

71,8

75,1

74,7

Mehr Zeitsouveränität für Beschäftigte

58,7

67,1

65,8

Reduzierung von Überstunden und

flexible Anpassung des Arbeitseinsatzes

62,3

69,3

66,3

Maßnahmen sind Teil der

strategischen Personalentwicklung

58,2

59,3

61,4

Wunsch der Mitarbeiter

46,5

48,3

53,8

Abwesenheitszeiten senken

45,0

47,0

46,1

kleine Unternehmen mittlere Unternehmen große Unternehmen

Quelle: Unternehmensmonitor Familienfreundlichkeit 2010, IW Köln

0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100


10 Wie familienfreundlich sind KMU?

5. Was sind Hemmnisse für eine familienfreundliche

Personalpolitik?

Die Hemmnisse dafür, (weitere) Maßnahmen im Bereich

der familienfreundlichen Personalpolitik umzusetzen,

unterscheiden sich teilweise deutlich zwischen den

Unternehmensgrößenklassen (Abbildung 9). Es fällt ins

Auge, dass sechs von zehn kleinen Unternehmen angeben,

im Unternehmen wurde kein Bedarf angemeldet.

Vier von zehn kleinen und mittleren Unternehmen sehen

keine Notwendigkeit für (weitere) familienfreundliche

Angebote. Dies kann durch die geringere Mitarbeiterzahl

und dem daraus resultierenden geringeren Spektrum

an Bedürfnissen der Belegschaft erklärt werden.

In einem Unternehmen mit wenigen Beschäftigten ist

die Wahrscheinlichkeit, dass eine Mitarbeiterin oder

ein Mitarbeiter beispielsweise Angehörige pflegen

möchte, geringer als in einem Großunternehmen.

Abb. 9: Hemmnisse für eine familienfreundliche Personalpolitik

Anteil der Unternehmen, die das Hemmnis nennen, in Prozent

Kein Bedarf angemeldet

37,0

53,5

60,9

Bestimmungen ausreichend

50,9

58,6

62,0

Förderung zu gering

49,2

55,3

55,1

Keine Notwendigkeit

28,9

40,2

39,8

Aufwand ist zu hoch

35,5

45,4

45,7

Nutzen nicht erkennbar

31,6

33,0

25,8

Geschäftslage ist ungünstig

31,1

40,8

39,1

Spannungen befürchtet

18,5

22,7

17,1

Keine Unternehmensaufgabe

17,1

20,3

15,1

Quelle: Unternehmensmonitor Familienfreundlichkeit 2010, IW Köln

0 10 20 30 40 50

60 70

kleine Unternehmen mittlere Unternehmen große Unternehmen


Wie familienfreundlich sind KMU?

11

Zudem ist auffällig, dass es nicht zu hohe finanzielle

Belastungen und ein zu hoher Aufwand sind, die

kleine Unternehmen abschrecken. Kleine Unternehmen

beklagen seltener als andere Unternehmen, dass

die Förderung zu gering, der Aufwand zu hoch oder

die Geschäftslage ungünstig ist.

Literatur

Schneider, Helmut/Gerlach, Irene/Juncker, David/

Krieger, John, 2008, Der berufundfamilie-Index – ein

Instrument zur Messung des betrieblichen Familienbewusstseins,

FFP-Arbeitspapier Nr. 4, Münster/Berlin

Seyda, Susanne/Stettes, Oliver, 2009, Pilotstudie –

Europäischer Unternehmensmonitor Familienfreundlichkeit,

mimeo

Seyda, Susanne/Stettes, Oliver, 2010, Familienfreundlichkeit

in der deutschen Wirtschaft – Ergebnisse des

Unternehmensmonitors Familienfreundlichkeit 2010,

in: IW-Trends, 37. Jg., Nr. 2, S. 3 – 18

Seyda, Susanne/Stettes, Oliver, 2011, Unternehmensmonitor

Familienfreundlichkeit 2010, IW-Analyse –

Forschungsberichte Nr. 67, Köln


www.bmwi.de

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