VORWORT VOn HAns-GERT PöTTERInG MäRZ 2004

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VORWORT VOn HAns-GERT PöTTERInG MäRZ 2004

Jean

Monnet

Bereich begleiten die Liberalisierung des Warenverkehrs, die im vorgesehenen

Tempo vorankommt und am 1. Juli 1968 - 18 Monate früher als vorgesehen -

abgeschlossen wird.

Ein stetiger Kampf für ein vereintes Europa

Da er die Staats- bzw. Regierungschefs noch mehr Verantwortung für das

Funktionieren der Gemeinschaft übernehmen sehen wollte, unterstützte er 1973

aktiv die Entstehung des Europäischen Rates, jener Instanz höchster

Entscheidungen und politischer Impulse, die 1975 aus der Taufe gehoben und 1976

in ihrer Existenz durch die Einheitliche Europäische Akte bestätigt wurde.

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Jean Monnet / MENSCHEN VEREINIGEN

Das Aktionskomitee für die Vereinigten Staaten von Europa war 20 Jahre lang ein

wertvolles Instrument in den Händen von Jean Monnet. Es erlaubte ihm die

Mitsprache bei allen die Gemeinschaft angehenden wichtigen Fragen: beim Beitritt

Großbritanniens, den er 1961 und 1967 unterstützte, bei der politischen Union

Europas, bei der Wirtschafts- und Währungsunion, bei den Beziehungen zu den

Vereinigten Staaten, bei der Entwicklung der gemeinsamen Politiken und bei der

Frage der Institutionen. Nahezu alle Partei- und Gewerkschaftsführer der sechs

Gründerstaaten, denen sich später die Briten hinzugesellten, gehörten nacheinander

diesem informellen Gremium an, das als mächtige Lobby im Dienste der

europäischen Ideen agierte.

Der europäische Einigungsprozeß verlief nicht immer gradlinig. Jean Monnet kannte

die Bedeutung der Krisen, die er für unvermeidlich hielt, da sie einen Wandel

ankündigen. Er hat niemals der Entmutigung nachgegeben und verstand es

geschickt, ein Hindernis auf dem Wege zur Union dazu zu nutzen, dieser eine

andere Richtung zu geben und sie noch rascher voranzubringen.

Er hatte das Funktionieren der Gemeinschaftsorgane zu verteidigen, als diese in

ihrem ureigenen Wesen bedroht waren. Er bezog Position gegen das Vetorecht, in

dem er die Gefahr einer Lähmung der Gemeinschaftsarbeit und die Negation des

demokratischen Gesetzes sah. Er wachte über die Wahrung des Prinzips der

Unabhängigkeit und Eigenständigkeit, das das Kennzeichen der Kommission -

Bürgin des gemeinsamen Interesses und Ausdruck des Integrationswillens - sein sollte.

Ein unermüdlicher Kämpfer

Jean Monnet kannte keine Rast. Sein Einfluß war beträchtlich und reichte über die

Grenzen Europas hinaus. Von den jeweiligen Präsidenten der Vereinigten Staaten

wurde er empfangen und gehört - mit der Folge, daß auch jenseits des Atlantiks das

Prinzip der gleichberechtigten Partnerschaft zwischen Europa und den Vereinigten

Staaten, in dem Jean Monnet die einzige Bedingung für einen ausgewogenen und

fruchtbaren Dialog zwischen Europa und den USA sah, akzeptiert wurde. Bei jedem

wichtigen Ereignis im Leben der Gemeinschaft, sei es um ein Projekt

voranzubringen, eine Krise zu lösen oder den Faden zwischen zwei Hauptstädten zu

knüpfen, mobilisierte Jean Monnet seine Mitstreiter, holte seinen Pilgerstab hervor

und machte sich auf, die politischen Verantwortungsträger von dem Gebot der

Stunde zu überzeugen.

Sein Wirken war um so einflußreicher, als er nichts für sich selbst verlangte. Monnet

zitierte häufig den amerikanischen Moralisten Dright Morrow: "Es gibt zwei

Gruppen von Menschen, solche, die etwas sein wollen, und solche, die etwas tun

wollen." Jean Monnet stand mit voller Überzeugung in der Reihe der letzteren, und

seine Uneigennützigkeit mußte Vertrauen schaffen.

Dem grellen Scheinwerferlicht der öffentlichen Auftritte zog er das diskrete Wirken

im Hintergrund vor. Jean Monnet hat niemals eine politische Karriere eingeschlagen,

und niemand wußte, welcher Partei er nahestand. Er wirkte über jene, die die Macht

in der Hand hielten und die dann den Applaus für sich verbuchten. Ihm genügte die

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Jean Monnet / MENSCHEN VEREINIGEN

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